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Verwirrende Gefühle

von Desyline
GeschichteDrama, Familie / P18 / Gen
Brian Cooper Byron Sully Colleen Cooper Dr. Michaela Quinn Loren Bray Matthew Cooper
11.01.2018
04.07.2018
51
52.524
8
Alle Kapitel
118 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
11.01.2018 1.302
 
Hallo Ihr lieben Leser und Dr. Quinn-Fans,
hier kommt nun meine längste Quinn-Story. Ich hoffe, dass sie Euch genauso gefallen wird, wie die anderen Geschichten. Liebe, Drama, Tragik, Freude - all das wird dabei sein.
Über Reviews von euch würde ich mich natürlich sehr freuen.


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Boston im Jahre 1870. Dr. Michaela Quinn saß in ihrem Zimmer und zog sich für das Fest, das ihre Mutter gab, um. Die junge Ärztin lebte immer noch im Hause ihrer Eltern. Ihr Vater, Joseph Quinn, ein sehr angesehener Arzt der oberen Bostoner Gesellschaft, war stets ein großes Vorbild für sie. Zum Leitwesen ihrer Mutter, die es nicht für schicklich fand, dass Frauen den Beruf des Arztes ergriffen. Für Elisabeth Quinn gehörte die Frau immer noch an die Seite eines Mannes und hatte für Kinder und Haushalt zu sorgen. Außerdem legte die Hausherrin wert auf Etikette und Anstand, um ihr Ansehen in der Bostoner Gesellschaft zu steigern bzw. in ihr zu glänzen.

Michaela ist die Jüngste von 5 Mädchen. Als sie damals unterwegs war, wünschte sich ihr Vater sehnlichst, nach 4 Mädchen, einen Sohn, der Michael heißen sollte. Aber es wurde wieder ein Mädchen und so bestand Joseph Quinn darauf, sie wenigstens Michaela zu nennen. Ihr Vater nannte sie aber immer nur „Mike“, weil seine Jüngste sich so entwickelte, wie er sich seinen Sohn gewünscht hätte. Michaela interessierte sich schon von klein an nicht für Puppen oder schöne Kleider, sondern hielt sich, wann immer es ging, in der Nähe ihres Vaters auf. Sie wollte wissen, was ihr Vater tat und er erklärte es ihr geduldig. So war es dann auch kein Wunder, dass Michaelas Berufswahl auf die des Arztes fiel. Es war nicht leicht für sie, da man nach wie vor eine Frau als Arzt nicht akzeptierte. Trotzdem fing sie mit dem Studium an, als glücklicherweise eine Universität für Frauen errichtet wurde. Sie wollte ihren Traum verwirklichen und dafür arbeitete sie hart.

Die Kehrseite der Medaille war, dass es immer wieder Streit mit ihrer Mutter gab, die die Interessen ihrer Tochter nicht verstehen wollte. Elisabeth Quinn haderte auch immer wieder mit ihrem Mann, weil er Michaela diese ‚Flausen’, wie sie es nannte, in den Kopf setzte. Michaela setzte jedoch ihren Willen mit Hilfe ihres geliebten Vaters durch und arbeitete, nachdem sie als Jahrgangsbeste ihre Ausbildung beendet hatte, in der Praxis ihres Vaters mit. In kürzester Zeit sprach sich herum, dass die Tochter des geschätzten Dr. Quinns eine hervorragende Ärztin geworden war.

Heute jedoch war mal wieder einer dieser Abende, wo ihre Mutter eine ‚Veranstaltung’, wie Michaela es nannte, abhielt. Es waren alle gesellschaftlich wichtigen Personen eingeladen und Michaela hatte nicht die geringste Lust mit diesen Leuten Konservation zu führen. Diese Gespräche waren meist oberflächlich und äußerst langweilig für die junge Ärztin. Jetzt saß Michaela an ihrem Frisiertisch und dachte eher an einen kleinen Patienten, als an das bevorstehende Fest. Es war ein Junge, der im sterben lag und für den es wichtiger war, dass sie als seine Ärztin bei ihm war, als dass sie hier die Unterhalterin spielte.

Kurzentschlossen zog Michaela ihr Abendkleid aus und ihre Alltagskleidung wieder an, nahm ihre Arzttasche und ging hinunter. Sie wollte gerade ihren Mantel überziehen, als sie die scharfe Stimme ihrer Mutter vernahm: „Michaela! Wo willst du hin? Warum bist du noch nicht umgezogen?“ Aufseufzend drehte sich Michaela zu ihr um, denn sie wusste aus Erfahrung, dass es nun eine heftige Diskussion geben würde. „Ich gehe zu einem schwerkranken Jungen, Mutter“, antwortete sie. Elisabeth stemmte ihre Hände in ihre Seiten und meinte empört: „Du kannst jetzt nicht gehen, die Gäste kommen gleich.“ „Doch Mutter ich kann“, erwiderte ihre Tochter abweisend. Dieser Widerspruch brachte Mrs. Quinn noch mehr auf: „Michaela, ich erwarte von dir, dass du hier bleibst. Du hast hier deine Pflichten!“ Elisabeth Quinn war nicht gewillt nachzugeben.

Michaela jedoch auch nicht: „Du irrst Mutter – meine Pflicht ist es, einen sterbenskranken Jungen beizustehen und nicht mit irgendwelchen Leuten über das Wetter zu reden.“ „Das ist doch wohl die Höhe. Wie redest du denn mit deiner Mutter?“, erboste sich Elisabeth. Plötzlich trat Joseph Quinn zwischen die Frauen. „Was ist denn hier schon wieder los?“, fragte er. „Deine Tochter will einfach gehen, obwohl die Gäste gleich kommen und sie hier ihre Verpflichtungen hat“ antwortete Elisabeth ihrem Mann gereizt.

Joseph lächelte nur, denn er wusste, dass seine Tochter nicht ohne Grund gehen würde. Deshalb sandte er ihr einen fragenden Blick und wollte ihre Begründung hören. Das tat Michaela auch sofort: „Vater, du erinnerst dich sicherlich an den kleinen Robert von gestern?“ Joseph überlegte kurz: „Ja, das tue ich. Es ging ihm gestern ziemlich schlecht. Was ist mit ihm?“ Michaela seufzte kurz traurig auf: „Ich befürchte, dass er die Nacht nicht überleben wird.“ Das war ein Argument, da stellte auch er alles hinten an: „Gut dann geh, er braucht dich!“

„Joseph, das ist nicht dein Ernst. Der Junge liegt im Hospital und dort gibt es genügend Ärzte, die sich um ihn kümmern können“, Elisabeth war erzürnt, das ihr Mann mal wieder zu seiner Tochter stand und nicht zu ihr und ihren Belangen. Joseph dagegen war es leid seiner Frau immer und immer wieder erklären zu müssen, was die Pflicht eines guten Arztes war. Doch auch diesmal erklärte er: „Elisabeth, Michaela ist Ärztin und es ist ihre Pflicht, sich um ihren kleinen Patienten zu kümmern. Grad weil es ein Kind ist, ist deine Tochter geradezu prädestiniert dazu mit ihrer Wärme und Güte dem Jungen beizustehen!“

Michaela machte Anstalten ihren Mantel anzuziehen, doch Elisabeth Quinn war noch immer nicht gewillt aufzugeben und befahl nun regelrecht: „Michaela, du gehst jetzt nicht. Deine PFLICHT ist es hier zu bleiben und die Familie zu repräsentieren, wenn es schon dein Vater nicht tut!“ Dabei schaute sie ihren Mann bitterböse an. Michaela wurde nun auch langsam ungehalten und antwortete scharf: „Mutter, ich tue was ich für richtig halte und im übrigen interessieren mich deine oberflächlichen Partys in keinster Weise!“ Sie zog ihren Mantel an und ging zur Tür. Bevor sie ging drehte sie sich jedoch noch einmal um und stellte unmissverständlich klar: „Und noch etwas Mutter, ich lasse mir von dir nicht mehr sagen, was ich zu tun und zu lassen habe. Ich bin erwachsen, falls du es vergessen haben solltest!“

„Dann geh und bleib gleich dort, da du dich ja hier offensichtlich nicht mehr wohl fühlst“, keifte Elisabeth, die meinte wenigstens mit dem letzten Wort die Oberhand behalten zu müssen. Doch Michaela öffnete die Tür, ging einen Schritt hinaus und meinte dann: „Das ist richtig, Mutter, und du bist der Grund!“ Schnell schloss sie die Tür hinter sich und lehnte sich traurig einen Moment dagegen. Michaela hatte diese ewigen Auseinandersetzungen satt und während sie zur Klinik lief, rannen ihr die Tränen über die Wangen.

Während sie am Bett des kleinen Robert saß, wanderten ihre Gedanken immer wieder zu dem Zerwürfnis mit ihrer Mutter. Sie seufzte öfter auf und dies schien der totkranke Junge zu bemerken, denn er legte seine Hand auf ihren Arm, so als wollte er sagen: „Nicht traurig sein, alles wird gut!“ Vor Rührung hätte Michaela weinen können, doch sie nahm sich zusammen und spielte ihm die liebe und lustige Ärztin vor. Spät am Abend schloss der Junge mit einem Lächeln im Gesicht für immer die Augen. Nun konnte Michaela die Tränen nicht mehr zurückhalten, denn für sie war es immer schlimm, einen Patienten zu verlieren, noch dazu, wenn es ein Kind war.

Michaela ging erst spät in der Nacht nach Hause, da sie sich vor der Konfrontation mit ihrer Mutter fürchtete. Als sie zu Hause ankam, war alles ruhig im Haus. Die Party war offensichtlich, zu Michaelas Erleichterung, früh zu Ende gegangen. Sie ging schnell in die Küche und aß etwas von den Resten, um dann schlafen zu gehen. Allerdings war es kein erholsamer Schlaf, weil sie immer wieder von Streitigkeiten mit ihrer Mutter träumte.
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