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Willst du mich heiraten?

von aventiure
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Dr. Kathrin Globisch Dr. Roland Heilmann
09.01.2018
02.01.2019
15
13.893
5
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09.01.2018 778
 
"Willst du mich heiraten?“ Für einen Bruchteil einer Sekunde war sie mit den Gedanken weit weg auf dem Horizont des Sees gewesen, auf welchem ihr Blick gerade geruht hatte. Sie blickte ihn an. Erst wenige Momente später realisierte sie seine Frage. Momente die Traurigkeit und Zweifel aber auch ein angenehmes warmes Gefühl in ihrem Herzen hinterließen. Doch das wusste sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. „Was?“, schoss es aus ihr heraus und versuchte seinen Blick zu deuten. „Fakt ist wir kennen uns schon ewig. Fakt ist...“, er war sich nicht sicher, ob er weiter sprechen sollte, entschied sich aber genau in diesem Moment dafür: „Alexander wird für eine Ehe in Freiheit eine ganze Weile nicht zur Verfügung stehen, aber ich. Das sind die Fakten. Und dann kommen die großen Gefühle.“ Verwirrt und irrgläubig starrte sie ihn an. Die Fakten, die er ihr hier an diesem idyllischen Ort so schonungslos hinknallte schmerzten immer noch tief in ihrer Seele. Tag für Tag hatte sie sich mit diesen Fakten auseinandergesetzt, jeden Morgen darauf gewartet, dass eine gewisse Gleichgültigkeit eintreten könne. Auch jedes andere Gefühl wäre ihr recht gewesen: Wut, Hass, Zorn. Vielmehr schienen diese Fakten rund um Alexander sie zu verfolgen, Tag und Nacht, jede Sekunde. Kaum hatte sie sie vergessen, waren sie wieder da. Überall. Die großen Gefühle seien der nächste Schritt, sofern an Rolands Theorie etwas dran wäre. Da war aber nichts außer Leere. Vollkommene Leere in ihr. Bis zu diesem Moment als Roland diese Frage stellte und sie mit einem ernsten aber doch so warmherzigen Blick ansah. Sie liebte Roland den Realisten, der sich oftmals so nüchtern die Welt versuchte zu erklären. Aber vielleicht war genau das das Rezept um endlich glücklich zu sein. Sich einlassen, hineinstürzen, sehen was passiert. Ganz ohne Verbindlichkeit und um dann zu sehen was sich entwickelt. Ob sich was entwickelt.

Kathrin spürte wie Roland es geschafft hatte, aufkommende Neugierde in ihr auszulösen. Die Frage, ob sie ihn heiraten wolle hallte noch in ihren Ohren. „Was, wenn ich jetzt annehmen würde?“ Roland ließ seinen Blick nicht von ihr ab. Er war zwar überrascht über ihre Gegenfrage, beschloss aber sich auf das Spiel einzulassen: „Dann müsste ich wohl noch schnell auf die Knie gehen.“ Seine Antwort erklang in einem überraschend ernsten Tonfall, deshalb jedoch nicht weniger von Gefühl. Der Vernunft den Zug überlassen, darüber lachen und ein weiteres Thema anschneiden oder sich nun auf das Spiel einlassen? Warum eigentlich nicht, dachte Kathrin. Roland schien sie herauszufordern. Hatte sie etwas zu verlieren?

Sie war inzwischen aufgestanden, er war ihr mit seinem Blick gefolgt und ließ sich von ihr hochziehen. Ihre beiden Hände fanden den Weg ineinander, die Finger kreuzten die des anderen und im spätherbstlichen Sonnenuntergang hätte man sie für ein Liebespaar halten können. Wieder kam Kathrin der Gedanke, ob sie sich nun einfach in seine Arme schmiegen sollte, sich umarmen lassen sollte von einem besten Freund, der da für sie war, wenn sie ihn brauchte. Oder ob sie all diese vernünftigen Gedanken gen den Horizont in die unendliche Weite schicken wollte um so zu ihrem Glück zu finden.

Als sie merkte, dass sich ihre Gedanken zu verstricken begannen und sie sich bei der Frage ertappte an welchen Faktoren man Glück überhaupt erahnen konnte, schloss sie die Augen. Ihre Hände immer noch mit seinen verbunden zog sie ihn vorsichtig zu sich herunter und da spürte sie schon seine weichen Lippen auf den ihren. Vorsichtig liebkosten sich die beiden mit den Lippen, erforschten ein für beide unantastbares geltendes Gebiet, das mit jeder Sekunde immer interessanter zu werden schien.

Kathrin drückte sich an Roland und spürte sofort die angenehme Wärme, die sein Körper auf ihren ausstrahlte. Fordernder werdend schienen nun beide ihre Einsamkeit in der aufkeimenden Leidenschaft ertränken zu wollen. Kathrin hielt kurz inne, entfernte sich jedoch nur wenige Zentimeter von ihm. Sie sah ihm tief in die Augen und sein Blick schien immer noch so standhaft zu sein wie wenige Momente zuvor, als er die Frage gestellt hatte, die nun zu dieser Situation geführt hatte. Sie sah in seinen Augen nun aber ein Funkeln, das auch in ihre übergesprungen war. „Komm“, flüsterte er und da hatte er sich schon umgedreht. Er ließ ihre Hand nicht los. Kathrin sah ihn verwirrt an, hätte sie den Kuss doch bloß nicht unterbrochen. War er es nun, der in die Situation eingriff? Die Fakten lenken wollte? Sie ärgerte sich über sich selbst. „Ich darf dich doch entführen?“, versuchte er sich zu erklären. Kathrin lachte, ihre Augen strahlten. Gegen eine solche Entführung hatte sie nichts einzuwenden. Ohne einen weiteren Wortwechsel liefen die beiden den Weg schnellen Schrittes weiter, überquerten den Parkplatz und da standen sie schon vor Rolands Wohnhaus.
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