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Findet Nemo -Die grausame Wahrheit

von Twix
Kurzbeschreibung
GeschichteThriller, Familie / P12 / Gen
08.01.2018
08.01.2018
1
1.753
6
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
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08.01.2018 1.753
 
Marlin stand mit seiner Frau Cora auf dem Balkon ihres neuen Hauses. Vor ihnen lag ein wunderschöner Strand. Das Meer dehnte sich bis zum Horizont aus. Eigentlich müsste er den Ausblick genießen. Doch er sah lieber seine wunderschöne, anbetungswürdige Frau. Sie hatte die Augen geschlossen und hielt die Nase in den Wind. Ihre Haare wehten ihr ins Gesicht, aber das kümmerte sie nicht. Auf ihrem Gesicht breitete sich ein Lächeln aus und in seinem Magen ein warmes Gefühl, das langsam bis zum Herzen hochkroch, sodass er vor Glück zu zerspringen drohte.  Marlin liebte dieses Lächeln. Er nahm ihre Hand. Sie drehte den Kopf und sah ihn an. Und dann küssten sie sich. Viel zu früh löste sich Cora wieder von ihrem Mann. „Es ist wunderschön. Wirklich. Ich liebe dich.“ „Und es gefällt dir wirklich?“ „Aber ja.  Du hast ein wunderbares Haus ausgesucht. Auch wenn ich mir jetzt schon Gedanken um unseren Geldbeutel machen muss. Denkst du wirklich, wir brauchen so viel Platz?“ Marlin sah sie erstaunt an. Dann grinste er verschmitzt und legte ihr seine Hand auf den hochschwangeren Bauch. „Schatz, denkst du, ich will nur zwei Kinder von dir? Außerdem ist dieses Haus perfekt. Wenn unsere Kinder aufstehen, werden sie das Meer sehen. Sie können Surfen lernen. Ich wollte früher immer surfen lernen. Und hier in dieser Gegend sind die besten Schulen!“ Sie lachte das Lachen, dass er so liebte. „Du bist immer noch genauso begeisterungsfähig wie früher.“ „Ja. Aber du begeisterst mich immer noch am meisten.“ Sie zog eine Augenbraue hoch. „ Das will ich doch hoffen. Schließlich hast du mich ja geheiratet.“
Etwas boxte aus Coras Bauch gegen Marlins Hand. „Oh, sie sind wach.“ Er legte sein Gesicht gegen ihren Bauch. „Hallo ihr Beiden? Wird´s euch langsam zu eng da drin? Zu zweit ist ja auch ganz schön schwer, was?“ Die Antwort war ein heftiger Tritt. Marlin musste Lachen. Cora zog ihn zu sich hoch und küsste ihn. „Wir müssen ihnen noch Namen geben.“ „Och,  nicht dieses Thema schon wieder. Wir haben doch noch so viel Zeit.“ „Das sagst du schon seit mehreren Monaten. Inzwischen kann es jeden Moment passieren. Und ich will diese Diskussion nicht erst führen, wenn ich sie in den Armen halte.“ „Na gut, aber erst schauen wir uns den Sonnenuntergang an.“ „Du schaffst es doch immer wieder, dich zu drücken.“
Und gemeinsam sahen sie zu, wie die Sonne im Meer versank.

Als sie ihm Bett lagen, kam Cora wieder auf das Thema zu sprechen. „Du wirst dich nicht ewig davor drücken können. Was ist eigentlich dein Problem?“  fragte sie, während ihre Finger Kreise auf seiner Brust zeichneten. „Ich hab nur keine Lust auf lange Diskussionen.“ „Fang an, dann hast du´s hinter dir.“ „Na gut. Dann nennen wir einen auf jeden Fall Marlin Junior.“ „Im Ernst?“ Sie schaute grinsend zu ihm hoch. „Ja. Natürlich. Würden wir ein Mädchen kriegen, könnten wir es auch Cora Junior nennen, aber da es beides Jungen werden….“ Bedauernd hob er die Achseln. „Den anderen können wir ja Marlinius nennen. Zusammengesetzt aus Marlin und Filius. Marlin junior und Marlinius. Wie findest du das?“ Sie fuhr fort, Kreise auf seine Haut zu zeichnen. „Ich finde Nemo schön“ „Nemo?“ Kurz hob er den Kopf aus ihren Haaren. „ Dann vergrub er seinen Gesicht wieder. „Dwesschn, dssdsnmdst?“ „Was?“ Er küsste ihren Nacken und dann ihr Ohr. „Du weißt schon, dass das Niemand heißt?“ „Ja und? Besser als Marlinius ist es alle Mal.“ Na gut. Aber einer muss Marlin Junior heißen. Ok?“ „Ok.“  Nach ein paar weiteren Kreisen setzte sie erneut an. „Hättest du gedacht, dass wir jemals Eltern sein werden?“ Er spürte ihr Grinsen an seiner Brust. Wieder stieg dieses Gefühl unglaublichen Glücks in ihm auf. Er hatte die tollste Frau der Welt. Und sie erwartete nicht nur eins, sondern gleich zwei Kinder von ihm. „Ich hatte das schon im Kopf, als wir uns kennen gelernt haben, weißt du noch?“ „Oh ja. Du warst die aufdringlichste Person, die mir je begegnet ist“ „Tatsächlich?“ „Ja.“ „Bin ich dir immer noch zu aufdringlich?“ „Ein bisschen leichtfertig vielleicht. Aber das mache ich ja wieder wett.“ Sie drückte sich nach oben und küsste seinen Mund. „Ich liebe dich“ „Ich liebe dich auch.“ „Gute Nacht.“ „Ich wünsche dir auch eine gute Nacht. Träum was Süßes.“

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Mitten in der Nacht wurde Cora von dem heulenden Wind geweckt. Draußen peitschte der Regen.  Sie griff neben sich, um die Wärme ihres Mannes zu spüren. Doch er war nicht da. Wenn er auf die Toilette gegangen war, musste sie da jetzt auch hin. Die beiden Kleinen drückten ihr auf die Blase. Doch auf der Toilette war er nicht. Als sie schließlich wieder auf dem Rückweg ins Bett am Wohnzimmer war, spürte sie einen kühlen Lufthauch. Die Balkontür stand offen. Und draußen stand eine dunkle Gestalt, die ihr den Rücken zudrehte. „ Merlin?“ sie betrat den Balkon.. „Alles in Ordnung?“ Sie legte ihm von hinten die Hand auf den Rücken und stellte sich neben ihn. „Denkst du, ich werde ein gute Vater sein?“, fragte er. Die Frage überraschte sie so sehr, dass sie lachen musste. Als sie jedoch seinen ernsten Gesichtsausdruck sah, fasste sie sich schnell wieder. Sie legte ihm die Hand auf die Wange. „Marlin. Du wirst der wundervollste Vater sein, den sich unsere Kinder nur wünschen können. Du hast dieses tolle Haus ausgesucht, hast mich jahrelang ausgehalten. Ich habe dich schon in der Schulzeit mit Kindern arbeiten gesehen. Du wirst das wunderbar machen.“ Langsam verschwand der Zweifel aus seinen wunderschönen Augen. Um es ein bisschen zu beschleunigen stellte sie sich auf die Zehenspitzen und drückte  ihm einen Kuss auf die Stirn. Dann sah sie ihm fest in die Augen. „Bestimmt.“ Sie nahm ihn bei der Hand. Komm. Lass uns wieder ins Bett gehen. Dieser Blick, der mit dem er sie jetzt  ansah, den liebte sie an ihm. Sie drückte ihm noch einen Kuss auf den Mund. Komm.

Es war einige Stunden später, als das Ehepaar erneut aus dem Schlaf gerissen wurde. Diesmal war es jedoch weder eine volle Blase, noch Selbstzweifel oder das Heulen des Sturms. Es war das Klirren eines Fensters gefolgt von schweren Schritten im Wohnzimmer. Marlin erhob sich langsam aus dem Bett. „Cora bleib hier.“ „Marlin. Was hast du vor?“ „Bleib hier.“ „Nein, ich werde dich nicht einfach so darunter gehen lassen. Wir bleiben hier oben und rufen die Polizei.
Doch ehe sie sichs versah, war Marlin schon die Treppe heruntergeeilt. Leichtsinnig. Schon klar. Schnell rief sie mit ihrem Handy die Polizei an und schilderte die Situation. Dann eilte sie ihrem Mann nach.

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Marlin spähte um die Ecke in die dunkle Küche und sah eine große Gestalt auf sich zukommen. „He, Großer!“ Die Gestalt hob den Kopf. „Besser du verschwindest jetzt, oder wir zwei bekommen ein echt großes Problem.“ Sofort bereute er es, diese Worte gesagt zu haben. Im Dunkeln blitze eine Klinge auf. Ein höhnisches Lachen ertönte. „Hey.“ Er fuhr herum, als er die sanfte, vertraute Stimme seiner Frau hörte. „Wir bleiben jetzt am besten alle ganz ruhig..“ „Cora, ich hab dir doch gesagt, du sollst oben bleiben.“ „Hallo schöne Frau!“ Dies Stimme des Unbekannten war unangenehm. Sie klang nach zerbrochenen Rasierklingen, die in einer Bimsschale geschüttelt wurden. Er wandte sich an Marlin „Ist das deine?“ „Ja. Und wehe du krümmst ihr auch nur ein Haar.“ „Ach ja?“  Der Unbekannte setzte zum Schlag an. Beinahe hätte er Coras Bauch getroffen. Doch Marlin schlug ihm gegen den Arm. „Cora lauf nach oben!“ Der Unbekannte schubste ihn. “Was willst du dann machen?“  „Cora, lauf nach oben!“ Er schubste ihn erneut und Marlin prallte mit dem Rücken gegen die Wand. Doch Cora  lief nicht. Warum lief sie nicht? Sie sah aus wie zu einer Salzsäure erstarrt. „Cora heißt das hübsche Fräulein also? Ich denke ich werde mich mit ihr vergnügen, wenn ich mit dir fertig bin.“ Beim Anblick des anzüglichen Grinsens, musste Marlin sich zusammenreißen um nicht zu schreien. Ob vor Wut oder Angst wusste er selbst nicht so genau.   Ein Schlag traf Merlin in die Magengrube. Er klappte zusammen und sank zu Boden. Es hagelte Tritte und Schläge. Auf seinen Kopf, seinen Brustkorb, seine Arme, die er schützend um sich gelegt hatte. Ihm wurde schwindelig. Blut tropfte aus seiner Nase und jeder Atemzug stach. Seine Rippen waren gebrochen. Er verschluckte sich an seinem Blut und musste husten. Dann stöhnte er vor Schmerz auf. Sein Blickfeld begann an den Rändern schwarz zu werden. Der Unbekannte ließ von ihm ab und wandte sich seiner Frau zu. Er schlug ihr ins Gesicht. Sie schrie auf. Cora! Er versuchte sich aufzurichten. Doch der Unbekannte ließ nur kurzzeitig von Cora ab, kam auf ihn zu und trat ihm mitten ins Gesicht. Das letzte, was er hörte, war die Stimme seiner geliebten Frau, die seinen Namen kreischte. Dann umfing in die Schwärze.

In der Schwärze war er allein. Er schwebte schwerelos und einsam durch die Dunkelheit. Und er wusste , dass seine Frau nicht mehr da sein würde, wenn er da war. Doch er konnte der Schwärze nicht entkommen. Er wollte ihren Namen rufen. Doch es kam kein Ton aus seinem Mund. Seine körperlichen Schmerzen schienen zwar verschwunden. Doch die Verzweiflung schnürt ihm die Luft ab und der seelische Schmerz der Tatenlosigkeit war schlimmer, als alle Blessuren an seinem Körper.

Marlin erwachte in einem sterilen weißen Raum. In seinen Arm führte ein Schlauch und er fühlte sich, als hätte er am vorigen Abend zu viel Bier getrunken. Dabei hatte er doch… Das Herz rutschte ihm in die Hose. „Cora!“ flüsterte er. Das Piepsen, das seinen Herzschlag anzeigte, wurde schneller. Sein Atem ging flach und hektisch. Eine Krankenschwester kam herein. Gefolgt von einem Arzt. „Beruhigen sie sich.“ „Wie geht es meiner Frau? Sie ist schwanger.“  Der Arzt machte ein betroffenes Gesicht. „Es tut mir leid, Herr..“,  aber Marlin hörte den Rest der Beileidsbekundung nicht.  Er verbarg das Gesicht in den Händen. Cora war gestorben. Nein, nicht gestorben, umgebracht worden! Seinetwegen! Eine Träne trat ihm aus den Augen.  „… Wir haben alles versucht, allerdings konnten wir nur eins ihrer Kinder retten.“  „Mein Sohn lebt?“  Marlin tauchte wieder aus seinem Schmerz auf. „Ja“ der Arzt nickte. „Sie werden ihn.. Ah, da ist er ja schon. Hier. Er legte ihm ein Kind in den Arm.“ Merlin sah es an. Eine  viel verzweifeltere Art der Liebe überkam ihn.  Es begann zu weinen. „Schschsch.“ , machte Marlin, um es zu beruhigen. „Ist ja schon gut. Papa ist hier. Papa beschützt dich. Ich verspreche, dass dir niemals irgendetwas passiert.
Nemo.“
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