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Der Wächter des Flügels

GeschichteFamilie / P16 / Gen
Astrid Hofferson Haudrauf der Stoische Heidrun Hicks der Hüne Ohnezahn
08.01.2018
01.04.2021
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03.03.2018 5.772
 
„Hey, Ohnezahn!“, rief Hicks nach oben.

Neugierig sah der Nachtschatten unter sich und gurrte den Menschen freundlich an. Seit sie von Berk geflohen waren, hatte er die Schultern des Menschen in seinen Krallen.

„Ähm, ich wollte nur mal sagen: Vielen Dank, dass du mich von diesem nassen Felsen heruntergebracht hast und ich bin echt froh darüber, dass du dich doch nochmal selbst überzeugt hast. Ansonsten hättest du es wahrscheinlich nie geglaubt. Und die Idee mit dem Drachenangriff war echt gut. Hätte ich nicht besser machen können und-“

Er hielt inne, als der Blick des Drachen immer gelangweilter wurde. Er schrie förmlich ‚Komm zum Punkt!‘

Hicks seufzte. „Schön, ich sag ja schon.“ Er atmete tief durch. „Es ist nur so: Wir fliegen jetzt schon seit einer geschlagenen Stunde. Nicht, dass ich ein Problem damit hätte. Je weiter weg, desto besser. Ich-“

Ohnezahns Blick wurde immer durchdringender und drängte ihn förmlich zu einem schnellen Ende seines Gebrabbels.

„Lass mich doch mal ausreden!“, meinte Hicks eingeschnappt. „Ich wollte nur sagen, wir sollten vielleicht mal unsere Flugart… Wie soll ich es sagen… ändern.“

Wäre er ein Mensch, hätte Ohnezahn eine Augenbraue hochgezogen.

„Schon eine Stunde lang hänge ich an meinen Schultern herunter und langsam… naja… langsam spüre ich sie nicht mehr. Weder sie, noch meine Arme. Du kennst es vielleicht nicht, aber die sind eingeschlafen. Das bedeutet, wie gesagt, dass ich sie nicht mehr spüre. Wäre also nett, wenn du mich nicht mehr an meinen Schultern oben hä-ÄÄÄÄH!“, machte er nur noch, als der Nachtschatten ihn in die Höhe warf, sodass Hicks einen Augenblick später auf seinem Rücken saß.

Kurz schaute er nur verdattert drein, bevor er begriff, dass er nun nicht mehr gesichert war und theoretisch jederzeit herunterfallen könnte. Verängstigt ließ er sich bäuchlings auf den Nachtschatten fallen und schlang seine Arme so weit um dessen Hals, wie es ihm möglich war.

Ohnezahn schnaubte nur spöttisch.

„Verrücktes Reptil…“, grummelte Hicks mürrisch und lockerte seinen Griff ein wenig.

Der Drache grollte verärgert und ehe sich der junge Wikinger versah, flogen sie kopfüber. Sofort krallte sich Hicks fest und schrie.

Ohnezahn drehte sich wieder um und lachte höhnisch.

Nun musste er selbst grinsen. „Danke, Ohnezahn“, sagte er dann, nachdem ihm auffiel, dass er es vergessen hatte zu sagen. Als Antwort erhielt er ein genießendes Gurren. Hicks musste lachen. „Weißt du, ich habe das ernst gemeint, dass du einen guten Plan hattest.“

Erst blickte Ohnezahn etwas überrascht drein, doch dann schloss er die Augen und hob den Kopf hoch an, als würde er sich ausgiebig in dem Lob baden.

„Jaja, sonn dich nur in dem Lob des schlechtesten aller Wikinger.“

Das wurde nun auch dem Nachtschatten klar, der sofort die Augen aufriss und eine gleichgültige Miene aufsetzte.

Hicks lachte erneut. „Und da sind wir nun: Ein Drache mit dem Ego meines Cousins Rotzbacke und der schlechteste Wikinger, der je gelebt hat. Alternativ kann man Letzteren auch als ein Gebilde von dünnen Zweigen bezeichnen“, kam es sarkastisch von ihm.

Auch Ohnezahn konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, so sehr er sich auch um das Gegenteil bemühte.

„Was ich damit sagen will ist… Ich glaube, wir wären kein schlechtes Team.“

Nun war der Nachtschatten wirklich überrumpelt. Abrupt drehe er seinen Kopf um und starrte dem Wikinger tief in die Augen.

Hicks hob abwehrend die Hände. „Ich meine ja nur! Mein ganzes Leben lang wurde ich dazu erzogen, Drachen zu hassen, nur um seit ein paar Tagen endlich zu sehen, dass ihr auch anders sein könnt. Freundlich, verspielt- Ja, verspielt! Schau mich nicht so an, als wüsstest du nicht, wovon ich rede!“

Ohnezahn schnaubte und sah wieder nach vorn.

„Mein ganzes Leben lang wurde ich ignoriert. Und wenn mich die Leute beachteten, dann nur, weil sie wieder etwas zu meckern hatten. Und wenn ich jemanden um etwas bitten wollte, wurde ich nur mit einem Augenrollen abgewiesen. Sogar von meinem Vater. Weißt du, was ich so traurig daran finde? Dass mein eigener Stamm, meine eigene Familie mich nie wirklich als einen Teil des Dorfes behandelt hat. Blanke Ironie, dass ausgerechnet ein Drache mir gefühlt das erste Mal in meinem Leben etwas Aufmerksamkeit schenkt. Aber weißt du was, Ohnezahn? Deshalb empfinde ich keine Trauer oder Wut. Stattdessen freue ich mich“, sagte Hicks und lächelte.

Der Nachtschatten drehte seinen Kopf wieder ein wenig und lächelte zahnlos zurück.

Hicks‘ Grinsen wurde breiter. „Und deshalb möchte ich nicht, dass sich unsere Wege gleich wieder trennen. Denn – wenn ich das so sagen darf – du bist mein Freund. Der erste, der mir wirklich einmal zugehört hat und tat, worum ich ihn bat. Selbst wenn es eine Weile gedauert hat“, fügte er hinzu.

Ohnezahn stieß wieder schnaubend heiße Luft aus. Dann jedoch gurrte er und sah Hicks mit freundlich blitzenden Augen an.

Hicks strich dem Drachen über den Kopf. „Was hälst du davon, wenn wir diese kalte, langweilige Ansammlung von Inseln verlassen und ein wenig darüber hinaus erkunden? Was dagegen, wenn wir nie wieder hierher zurückkehren?“

Der Nachtschatten stieß ein freudiges Brüllen aus und machte enthusiastisch eine Fassrolle, in der sein Reiter beinahe herunterfiel.

„Hey!“, protestierte Hicks. „Pass doch auf!“

Ohnezahn lachte nur höhnisch.

Einige Stunden vergingen, mal in Stille, mal im Gespräch, wenn man Letzteres denn so nennen konnte. Sie konnten zusehen, wie die Sonne hinter dem Horizont verschwand und flogen ab da unter dem Schein eines Halbmondes weiter.

Sehr lange war dieser jedoch nicht zu sehen, als sich eine gewaltige Anzahl Wolken zwischen sie schob und die beiden in völliger Finsternis weiterflogen. Hicks konnte zwar nichts erkennen, aber die Wahrscheinlichkeit gegen eine Felswand zu fliegen war zugegebenermaßen verschwindend gering. Eigentlich logisch, wenn man sich über offenem Meer befand. Er verließ sich ganz auf Ohnezahn, der mit gleichbleibender Geschwindigkeit seit Stunden geradeaus flog.

Doch da konnte Hicks spüren, wie nicht der mittlerweile gewohnte Gegenwind von vorn, sondern eine heimtückische Böe von der Seite kam. Nicht genug, um ihn herunterzuwehen, aber stark war sie allemal.

Ohnezahn schien zu spüren, dass etwas nicht stimmte, und gurrte besorgt.

„Oh, mir scheint, es kommt eine leichte Brise auf“, witzelte Hicks nervös und versuchte, den Nachtschatten zu beruhigen. Er begriff jedoch selbst, dass die Lage auf irgendeine Weise besorgniserregend war.

Seine Sorgen bestätigten sich, als sich der Wind auf einmal um ein Vielfaches verschärfte und er urplötzlich von Ohnezahn beinahe heruntergepustet wurde. Der Drache bemerkte dies jedoch rechtzeitig und korrigierte seinen Kurs, damit Hicks auf seinem Rücken blieb.

Hicks war mehr als nur geschockt. „VON WEGEN BRISE! DAS IST EIN AUSGEWACHSENER ORKAN!!!“

Schnell presste er sich flach auf Ohnezahns Rücken, um ja keine Fläche zu bieten, mit der er gegen den Wind ankämpfen müsste. Er wusste selbst, dass er keine Chance hätte.

Zu allem Überfluss goss es nun auch auf einen Schlag wie aus Eimern. Der Regen peitschte ihm ins Gesicht und er musste ihn sich alle paar Sekunden mit äußerster Mühe aus den Augen wischen.

Ohnezahn hingegen versuchte derweil angestrengt, seiner Flugbahn Herr zu werden und schlug wild mit den Flügeln. Als würde er versuchen, dem Sturm zu entkommen, der ihn mal in diese, mal in die andere Richtung wirbelte.

Während alledem hatte Hicks allein schon damit zu kämpfen, auf dem Rücken des Nachtschatten zu bleiben, der selbst hin- und hergeweht wurde. Dieser konnte nicht einfach die Flügel einklappen, denn in diesem Fall würden sie in das eiskalte Wasser fallen und jämmerlich ertrinken. Das wollte er weder für sich, noch für Hicks.

Deshalb kämpfte er mit jedem Funken seiner Kraft, um in der Luft zu bleiben und weiterzufliegen.

Er flog eine gefühlte Ewigkeit, in der auch Hicks Mühe hatte, sich oben zu halten. Bald jedoch verließ ihn die Energie und seine Flügelschläge erlahmten.

Der junge Wikinger schrie, als sie fielen. Doch unerwarteterweise rammten sie irgendetwas Hartes.

Ohnezahn brüllte vor Schmerz durch den Aufprall und Hicks wurde abgeworfen. Ein letzter Kraftschub floss durch die Glieder des Nachtschatten, sodass er den sich noch in Reichweite befindlichen Hicks in seine Flügel einschloss.

Danach folgte nur noch ein weiterer Aufprall, nach dem Ohnezahn endgültig in die Bewusstlosigkeit fiel.
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„Was war das?“, fragte eine Frau, als sie zwei Schreie und einen Aufprall hörte.

Sie hatte kurze, blonde Haare und ein derart kantiges Gesicht, dass man sich daran hätte schneiden können. Grüne Augen, gefüllt mit Pflichtbewusstsein und grenzenloser Hingabe, richteten sich auf die Tür des Hauses. Sie steckte in einer schwarzen Lederrüstung, die an den Rändern mit Gold verziert war. An ihrer Hüfte hing ein langes, gebogenes, einschneidiges Schwert mit einem schwarz-goldenen Griff.

Sie sah sich um. Überall waren nur Männer und Frauen in schwarzen Lederrüstungen mit Kapuzen und Schleiern, die ihre unteren Gesichtshälften bedeckten. Sie alle blickten sich gegenseitig fragend an, doch keiner hatte eine Antwort.

Die blonde Frau rümpfte die Nase. „Schön, dann werde ich selbst nachsehen“, sagte sie und wandte sich  zum Gehen um.

„Wartet, meine Königin!“, rief ein Mann.

Er hatte dunkelblonde Haare, fast orange, die an den Seiten abrasiert waren. Den Rest hatte er zu einem Zopf zusammengebunden. Jedoch trug er keine gewöhnliche Rüstung wie die anderen, sondern nur Teile davon. Er trug weder Kapuze noch Schleier. Ein Schulterschützer war größer als der andere, als Zeichen seines Status und auf seinem Rücken war eine Langaxt befestigt.

„Was, wenn es ein Angriff ist? In diesem Sturm können wir uns kaum fortbewegen, geschweige denn uns verteidigen. Wir haben uns in unseren Häusern verbarrikadiert, um den Sturm auszusitzen.“

Die Königin drehte sich zu ihm um. „Sollte jemand töricht genug sein, uns bei diesem Wetter anzugreifen, wird er dieselben Bedingungen haben wie wir. Und wir sind grundsätzlich besser als unsere Feinde. Das weißt du genauso gut wie ich, Trok“, sagte sie und machte eine kurze Pause. „Willst du es mir etwa ausreden nachzusehen?“

Trok fiel auf ein Knie.  „Mitnichten, meine Königin. Ich bitte lediglich darum, euch nur für den Fall der Fälle begleiten zu dürfen.“ Mehrere der schwarz gekleideten Gestalten schlossen sich seinem Beispiel an und knieten sich neben ihn

Sie lächelte sanft. „Dann steht auf und wir sehen nach, was da auf unserer Insel ist!“

Trok erhob sich wieder und ging gemeinsam mit der blonden Frau und dem Rest zur Tür. Dort angekommen nickten sie sich zu, bevor sie zusammen die Tür aufstießen, allesamt nach draußen stürmten und die Tür wieder hinter sich schlossen.

Der Regen peitschte ihnen ins Gesicht und der gnadenlose Sturm wehte ihnen schmerzhaft entgegen. Blinzelnd versuchten sie, ausfindig zu machen, was da auf die Insel gelangt war. Sie verteilten sich, denn viel konnten sie durch den strömenden Regen und ihren zusammengekniffenen Augen nicht sehen.

Wenig später brüllte einer der Männer so laut er konnte: „Ich habe was gefunden!“

Trotz der Lautstärke, mit der er es zweifelsohne zu verkünden versuchte, konnten Trok und die Königin ihn nur gerade so über den heulenden Wind hinweg hören. Schnell liefen sie in die Richtung, aus der die Stimme kam.

Als sie jedoch endlich dort angelangten, konnten sie nichts sehen außer dem Mann, der sie herbeigerufen hatte und die sonstigen Männer und Frauen, die ebenfalls eingetroffen waren.

„Und?“, fragte die Königin laut. „Was hast du gefunden?“

„Ich zumindest sehe nichts“, stellte Trok fest.

Der Mann lehnte sich vornüber und berührte etwas. Trok und die Königin rissen die Augen auf. Da war tatsächlich etwas.

„Was ist es?“, fragte die Königin.

In diesem Moment bewegte sich das dunkle Objekt und stieß ein jämmerliches Wimmern aus.

Troks Augen wurden nur noch größer. „Das muss ein Drache sein!“

Der Blick der Königin schnellte schockiert zu ihm herüber, bevor sie es sich wieder genauer ansah. „Tragt ihn herein!“, befahl sie schnell.

Ihre Untertanen gehorchten umgehend. Mehrere von ihnen waren nötig, um den Drachen anzuheben. Doch kaum schafften sie es, da fiel etwas aus den Flügeln des Wesens und landete im Schlamm.

„Ein Junge?!“, rief Trok entgeistert. „Was bei den Ahnen macht der denn hier?!“

„Das werden wir wohl herausfinden müssen“, meinte die Königin.

Mit misstrauischer Miene nahm er den braunhaarigen Jungen in die Arme und warf ihn sich über die Schulter. Gemeinsam liefen sie zurück in das große Haus, aus dem sie gekommen waren.
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Hicks wurde durch irgendetwas unglaublich Kaltes geweckt, das über seinen gesamten Körper geschüttet wurde.

„UAAAAAAAH!!!“, schrie er, sprang auf und prustete.

Er rieb sich das eiskalte Wasser aus den Augen, bevor er sich umsah und schlicht und einfach erstarrte.

„Ich glaub ich spinne…“, murmelte er.

Überall um ihn herum waren irgendwelche finsteren Gestalten. Mit Rüstungen ganz in schwarz, hinter Kapuzen und Schleiern starrten sie ihn feindselig an. Zwei Personen standen besonders heraus. Ein Mann und eine Frau. Keiner von beiden hatte irgendetwas, um sein Gesicht zu verschleiern. Und selbst die sahen nicht gerade freundlich aus.

„Wer zum Henker seid ihr?!“, rief Hicks entgeistert.

Die Frau trat vor. „Wie ist dein Name?“, fragte sie forsch.

„Den wollt ihr nicht wissen“, grummelte Hicks.

„Wie kannst du es wagen!“, fuhr es zornig aus dem unmaskierten Mann heraus. „Weißt du überhaupt, mit wem du da sprichst?!“

„Ähm…“ Der junge Wikinger kratzte sich verlegen am Kopf. „Nein? Wisst ihr überhaupt, mit wem ihr da sprecht?“

Der Mann mit den dunkelblonden Haaren zog eine Augenbraue hoch. „Nein.“

Hicks atmete auf. „Dann ist's ja gut…“

Sein Gegenüber knurrte. „Du ungezogener, kleiner-“

Bevor er seine Tirade fortsetzen konnte, legte ihm die Königin eine Hand auf die Schulter. Sofort verrauchte sein Zorn. Er räusperte sich, verschränkte die Arme hinter seinem Rücken und machte einen Schritt zurück.

Nun trat die Königin vor Hicks und starrte ihn mit durchdringendem Blick an. „Ich frage dich noch einmal: Wie ist dein Name?“

„Wieso sollte ich euch das verraten?“

„Weil du hier auf meiner Insel bist und es allein von mir abhängt, wie du hier behandelt wirst.“

Der Junge seufzte. „Ich… mein Name ist Hicks“, sprach er leise. Viel zu leise.

„Wie bitte?“, fragte die Königin etwas schärfer.

Diesmal sprach er laut und deutlich. Sehr laut und überdeutlich. „Hicks 'der Hüne' leck-mich Haddock der Dritte!“, rief er wütend. „Und ja, ich weiß, dass es ein erbärmlicher Name ist. Genau wie ich, bla bla bla! Nichts, was ich nicht selbst schon verdammt nochmal gehört hätte!“ Unglaublich sauer wandte er seinen Blick ab.

Aber die blonde Frau vor ihm reagierte völlig anders als erwartet. Kurz wurde ihr Blick etwas weicher, doch dann kehrte er wieder zur Ausdruckslosigkeit zurück. „Freut mich“, sagte sie knapp. „Ich bin Mala, Königin der Vulkaninsel und aller Beschützer des Flügels, Dienerin des Eruptodon.“ Dann zeigte sie auf den Unmaskierten, der Hicks noch immer unfreundlich anstarrte. „Das ist Trok, mein Leibwächter. Er kennt an die vier Dutzend Methoden, einen Menschen mit dem linken Daumen umzubringen.“ Letzteres verdeutlichte sie mit einem Unterton, der dem jungen Wikinger ganz und gar nicht gefiel.

Zu allem Überfluss trat Trok auch noch ein Stück wieder heran. „Tu irgendwas, das du in meiner Gegenwart bereuen könntest und ich sorge dafür, dass du es nie wieder tust. Auf die eine oder andere Weise“, brummte er leise, aber unmissverständlich.

„Toll!“, rief Hicks und raufte sich die Haare. „Da flieht man aus einem Irrenhaus und landet bereits im nächsten. Die Götter hassen mich!“

„Einen Moment!“, rief Mala auf einmal und sah den  jungen Wikinger skeptisch an. „Was genau meinst du mit 'fliehen'?“

Hicks bemerkte, dass er sich verplappert hatte, und schwieg nun. Trok besah ihn mit einem missbilligenden Blick und wandte sich an die Königin. „Ich glaube, er spielt auf den Nachtschatten an, den er gezwungen hat, ihn irgendwo hinzubringen und ihn dann verstümmelte.“

Der junge Wikinger war verwirrt. Sie redeten darüber als sei es etwas Schlechtes, nicht, dass er es anders empfand. „Äh… Warte, was?“

Malas Blick verfinsterte sich. „Das erklärt einiges“, sagte sie mit finsterem Blick und sah Hicks dann zornig an. „Hicks 'der Hüne' Haddock der Dritte! Ich klage dich des versuchten Mordes, der Versklavung und der durchgeführten Verstümmelung eines Nachtschatten, sowie des unerlaubten Eindringens in unser Dorf an.“

Hicks bemerkte, dass die Situation sich ganz und gar gegen seiner Gunsten wendete. „Wartet doch mal!“, rief er eilig dazwischen. „Das können wir doch alles sicher in Ruhe besprechen!“

Doch er wurde vollends von der Königin ignoriert, die seine Bemerkung einfach übertönte. „Du erhälst einen Prozess, wenn der Sturm abklingt, in welchem du dich rechtfertigen kannst. Dann wird ein Urteil entsprechend deiner Vergehen gefällt werden. Bis dahin wirst du in einer Zelle untergebracht.“ Sie wandte sich an einige ihrer Untertanen. „Werft ihn zu dem anderen Eindringling!“

Drei Maskierte kamen auf Hicks zu und packten ihn. „Hey, ich hab Ohnezahn nicht versklavt! Wir stehen  hier alle auf derselben Seite!“, rief er, doch wurde in eine Ecke des Hauses geführt, der eine Treppe nach unten folgte. Am Ende dieser Treppe befand sich eine Tür, die geöffnet wurde, bevor sie ihn durch einen langen, steinernen Gang führten. Schlussendlich kamen sie an einer weiteren Tür an, diesmal aber einer aus massivem Eisen. Auch diese wurde geöffnet, doch ab hier führte ihn niemand mehr weiter. Er wurde schlicht und einfach reingestoßen und die Tür wurde hinter ihm wieder geschlossen.

Die Zelle war groß. Und hoch. Sie hatte sicher genügend Platz, um 50 Menschen darin unterzubringen. Fünf Meter über der Mitte befand sich ein vergittertes Loch, durch das der Regen hineinkam und der Wind zu ihm hindurchpfiff. Kurz hatte er Sorge, dass er bei genügend Regen hier ertrinken würde, aber der Rand der Zelle war anscheinend höher gebaut als die Mitte, in der sich bereits eine beachtliche Pfütze gebildet hatte. Und bei der Größe dieser Zelle könnte es selbst bei diesem Regen noch eine gute Woche dauern, bis sie voll war.

„H-Hallo?“, ertönte auf einmal eine weibliche Stimme vom anderen Ende.

Hicks zuckte zusammen. Da fiel ihm ein, dass die Königin noch irgendeinen Eindringling erwähnt hatte. „Ist da wer?“, fragte er und rollte dann selbst mit den Augen über die eigentliche Dämlichkeit seiner Frage. Natürlich war da wer.

Für eine Weile erhielt er keine Antwort. Als müsste die Stimme sich erst dazu durchringen, ihm zu antworten. „Ja…“, kam es schließlich. „Hier drüben.“

Hicks kniff die Augen zusammen, um irgendwas zu erkennen. Aber es war Nacht und die Sturmwolken hatten sich vor den Mond geschoben. Also lief er am Rand entlang, da er keine Lust hatte, durch die Pfütze in der Mitte oder durch den Regen zu gehen.

Irgendwann stieß er mit dem Fuß gegen etwas Weiches.

„Hey!“, rief die Stimme aufgebracht.

„Oh, entschuldige!“, machte Hicks, setzte sich langsam neben diese Person und lehnte sich genau wie sie an die Wand.

Eine Weile war es einfach nur still, bis auf die Geräusche, die der Sturm draußen machte. Es regnete und donnerte, aber da fiel Hicks etwas auf. Denn auf Berk zum Beispiel war es immer eisig, aber hier fror er nicht mal ansatzweise.

„Es ist nicht kalt“, brachte er erstaunt hervor.

„Nein, ist es nicht“, antwortete das Mädchen. „Das liegt an der Insel selbst. Weißt du, auf welcher wir sind?

Hicks schüttelte den Kopf. Am liebsten hätte er sich vor die Stirn geschlagen, als ihm auffiel, dass sie ihn ja nicht sehen konnte. „Nein“, sagte er also schließlich.

„Wir sind auf der Vulkaninsel“, erklärte sie. „Und der Name ist Programm. Der aktive Vulkan hier versorgt die ganze Insel mit Wärme. Überall sind hier unterirdische Kanäle, durch die heiße Dämpfe ausströmen. Dadurch entsteht hier überall Wärme, die man sonst nirgendwo so weit im Norden sieht.“

„Woher weißt du das?“, fragte Hicks erstaunt.

Einen Moment war es still, als ob sie sich zu einer Antwort durchringen müsste. „Ja, ich bin schon ein paar Tage hier…“

„Du sitzt hier schon so lange unten?“, fragte Hicks. Er beschwerte sich schon darüber, dass sie ihn gerade erst eingesperrt haben.

Das Mädchen kicherte kurz. „Nein, aber ich bin hier vor einigen Tagen an Land gegangen.“

Hicks zog eine Augenbraue hoch. „Du bist hier ganz allein hergekommen?“

Kurz zögerte sie, bevor ihr ein Seufzer entfuhr. „Nicht direkt. Ich bin mit einem kleinen Schiff hier angekommen, um Vorräte aufzunehmen. Man könnte es schon fast Boot nennen. Aber ich hatte Begleitung.“

„Von deiner Familie? Von einer Freundin?“, riet Hicks ins Blaue hinein.

„Eine Freundin. Naja, irgendwie zumindest.“, gab sie zu. Dann seufzte sie wieder. „Man könnte sagen, dass sie der Grund ist, warum ich jetzt hier sitze.“

„Du gibst deiner Freundin die Schuld?“

„Nicht wirklich die Schuld. Sie kann nichts dafür, aber sie ist trotzdem der Grund dafür, dass ich hier bin.“

„Und wo ist sie jetzt? Haben sie sie auch gefangen?“, fragte Hicks.

„Wie mann's nimmt“, antwortete das Mädchen vage.

Das Ganze war Hicks etwas zu kryptisch, also hörte er mit seinen Fragen auf und war still.

Jedoch fing das Mädchen nun an, zu fragen. „Und du? Wie bist du hierher gekommen?“

Kurz musste Hicks grinsen. „Du wirst lachen. Durch einen Freund.“

„Und wo ist er?“, wollte sie nun wissen.

„Keine Ahnung“, antwortete er ehrlich. „Ich habe ihn nicht mehr gesehen, seit wir hier geland-ääh…“

„Warte mal!“, unterbrach sie ihn schnell. „War das gerade ein 'gelandet'?“

„Nein!“, stritt er ab. „Ich wollte sagen, wir sind gestrandet.“

„Hörte sich aber nicht danach an.“

„Aber ich-äh… verdammt…“, grummelte Hicks ertappt.

Kurze Zeit später fragte das Mädchen wieder. „Also, mit welcher Sorte Freund könnte man hier landen?“

„Wenn du diese Peinlichkeit vorhin eine Landung nennen möchtest, bitte sehr“, entgegnete Hicks scherzhaft und seufzte dann. „Er ist ein Nachtschatten.“

Für einen kurzen Moment war sie still. Fast schon zu still. Dann jedoch sprach sie wieder. „Das könnte erklären, warum sie dich hier eingesperrt haben.“

„Du bist nicht wütend, weil ein Drache mein Freund ist?“, fragte Hicks erstaunt. Das hatte er definitiv nicht erwartet.

„Wärst du auf eine andere Person getroffen, wäre dieser Fall eingetreten, aber nein. Ich war auch nicht ganz ehrlich mit dir. Meine Freundin ist auch ein Drache“, eröffnete sie ihm.

„Wa-“ Mehr konnte er, verdattert wie er war, gerade nicht hervorbringen.

„Ein Klingenpeitschling, um genau zu sein. Ein Drache mit Schuppen aus Metall. Ich habe sie Windfang genannt.“

„Hübscher Name“, gab Hicks zu.

„Danke“, sagte sie. „Hast du deinem Drachen auch einen Namen gegeben?“

„Ja, Ohnezahn.“ Er könnte hören, wie sie ein Lachen unterdrückte. „Er hat einziehbare Zähne, okay?“

„Na gut“, meinte sie nur kichernd. Dann jedoch wurde sie wieder nachdenklich. „Dann sind wir aus demselben Grund hier unten.“

„Ich weiß ja nicht, welchen Grund du meinst, aber ich sehe nur, dass sie uns gar nicht hätten einsperren müssen!“, sagte Hicks. „Nach allem, was sie gesagt haben, sind sie auch auf der Seite der Drachen.“

„Glaub mir, das weiß ich bereits“, eröffnete sie ihm. „Aber sie scheinen auf eine andere Art und Weise auf ihrer Seite zu sein.“

„Wie das?“

„Nach allem, was ich herausfinden konnte, nennen sie sich die 'Beschützer des Flügels'.“

„Das wusste ich auch schon“, bemerkte Hicks trocken.

„Ich war noch nicht fertig“, sagte sie, also hielt Hicks die Klappe. „Im Gegensatz zu uns scheinen sie nicht zu versuchen, sich mit den Drachen anzufreunden, sondern versuchen sie zu schützen vor jenen, die ihnen schaden wollen. Das schließt ein: Drachentöter, Jäger, aber auch Menschen, die versuchen, diese Drachen zu kontrollieren.“

Hicks' Augen wurden groß. „Du glaubst doch nicht etwa, dass die denken, wir kontrollieren die Drachen?“

„Leider bin ich mir ziemlich sicher“, entgegnete sie nur.

Da erkannte Hicks: „Also geht es in dem Prozess darum, zu beweisen, dass wir den Drachen nichts Böses wollen.“

„Das wird nicht einfach“, gab das Mädchen zu bedenken. „Diese Leute sind verdammt stur.“

Hicks grinste. „Glaub mir, mit sturen Leuten kenne ich mich zur Genüge aus.“

Kurz kicherte sie, bevor ihr etwas auffiel. Sie wussten beide noch nicht einmal, wie der andere heißt. „Wie ist eigentlich dein Name?“, fragte sie schließlich.

„Hicks. Und deiner?“, entgegnete er.

„Heidrun.“
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Der nächste Tag kam schnell und man stellte erleichtert fest, dass der Sturm vorüber war. Im gleichen Atemzug fürchtete Hicks jedoch diesen Tag, genau wie Heidrun, da sie ihren Prozess erhalten sollten. Er konnte nur hoffen, dass die Königin ihn wirklich anhörte, nicht so wie sein Vater, der immer nur ignorierte, was er sagte, und sich damit letzten Endes immer im Recht sah. Kein Wunder, wenn man die Argumente des anderen weder anhört, noch sie kennt.

Bald kamen sechs dieser maskierten Beschützer des Flügels und holten sie aus der Zelle. Zwei bei jedem auf jeder Seite und einer dahinter. Sie brachten die beiden wieder durch denselben Weg aus der Zelle, wie sie hereingebracht wurden. Erst ging es durch den Tunnel, dann in das Haus, unter dem der Tunnel lag, und schließlich nach draußen.

Dort erwartete sie das ganze Dorf auf einem seltsam aussehenden Platz aus Stein. In der Mitte war eine Säule mit einem seltsam aussehenden Drachen darauf, der ein wenig wie ein Gronckel aussah. Davon etwas weiter weg war ein Podest mit einem steinernen Thron, auf dem Königin Mala saß. Neben ihr war ihr Leibwächter Trok.

Zwischen dem Thron und der Statue befand sich wohl de Stelle, wo die Angeklagten angehört würden. Sie war nicht so hoch wie das Podest, auf dem die Königin war, aber höher als der Rest des Platzes.

Genau an diese Stelle wurden Hicks und Heidrun geführt und schließlich losgelassen.

Mala begann sofort zu sprechen. „Wir kommen erst zu dir, Heidrun. Du bist angeklagt dessen, einen Drachen versklavt und deinem Willen unterworfen zu haben. Zudem bist du beschuldigt dessen, unsere Insel heimlich und ohne unser Wissen betreten zu haben.“ Dann wandte sich sich an Hicks. „Deine Vergehen hingegen sind schlimmer. Du bist derselben Dinge angeklagt wie Heidrun, aber du hast den Nachtschatten nicht nur versklavt, sondern auch verstümmelt.“ Lautes Gemurmel ging durch die Reihen der Beschützer, das meiste wütend, doch Hicks rollte nur mit den Augen. Zufrieden über diese Reaktion fuhr Mala fort. „Außerdem stellt sich mir persönlich noch eine ganz bestimmte Frage. Wie kommt es, dass zwei desselben Schlages in so kurzen Zeitabständen auf unsere Insel kommen?“

„Der Zufall hat nette Wege, sich bemerkbar zu machen“, warf Hicks schulterzuckend ein.

„Schweig, wenn die Königin spricht!“, fuhr ihm Trok energisch dazwischen.

Mala sprach weiter. „Man könnte vermuten, ihr wart die ganze Zeit über im Bunde.“

Die beiden jungen Leute sahen erst Mala, dann sich gegenseitig verständnislos an.

„Wäre es denn nicht möglich, dass sie beide für unsere Feinde arbeiten? Spione, wenn man so will. Dass da, wo sie sind, noch mehr herkommen“, fuhr sie fort, diesmal mehr an ihr eigenes Volk gerichtet

Hicks räusperte sich. „Dürfte ich etwas dazu sagen?“, fragte er und hatte sofort alle Blick auf sich.

„Ich bitte darum. Doch sei gewarnt, dass eine Lüge mit dem sofortigen Tod bestraft wird.“

„Oh, ich werde nichts auslassen“, sagte Hicks. „Gestern noch gehörte ich zu einem Stamm von Wikingern, der auf Berk beheimatet ist.“

Ein Raunen ging durch die Menge. Mala riss dir Augen auf. „Das-das ist quasi eine Hochburg des Drachentötens!“, stellte sie entsetzt fest.

„Oh, der Ruf ist schlimmer als gedacht“, bemerkte der junge Wikinger. „Dann werdet ihr euch freuen zu hören, dass ich der Sohn des Oberhaupts, Haudrauf 'der Stoische' Haddock bin.“ Wieder ein lautes Raunen und entsetztes Gemurmel. „Ich sehe, ihr habt von ihm gehört. Aber habt ihr jemals schon etwas von seinem Sohn gehört? Nein? Dachte ich mir. Dabei bin ich doch so ein Teufelskerl“, sagte Hicks und bemühte sich, so schwer wie möglich Sarkasmus in seine Worte zu legen. „Ich als Hicks bin eine Lachnummer, schon immer gewesen. Nie jedoch erhielt ich die Chance, mich zu beweisen wie jeder andere. Ich zerstörte, doch nicht Drachenleben, sondern unser eigenes Dorf. Der Drang, mich zu beweisen, war so groß, dass ich vor ein paar Tagen wahrscheinlich noch der war, dem es am meisten nach Drachenblut dürstete.“

Mala und die restlichen Beschützer des Flügels waren, zugegebenermaßen, verwirrt. Er schien sich nicht die geringste Mühe zu geben, sich gut dastehen lassen zu wollen.

„Und vor ein paar Tagen gelang mir etwas mit einer Erfindung, was sonst keinem gelungen war. Ich holte mit einem Bolawerfer einen Nachtschatten vom Himmel.“

Wieder ertönte entsetztes Geflüster und Hicks konnte sehen, wie sich Malas Fäuste ballten und sie sich sichtlich verkrampfte. „Also gibst du zu, den Nachtschatten aus Bosheit deiner Kontrolle unterworfen zu haben?“

„Noch gebe ich gar nichts zu. Ich bin nämlich längst nicht fertig“, entgegnete Hicks, als bedeutete ihm die Königin, weiter zu reden. „Ich lief also zu meinem Vater und erzählte ihm davon. So, dass es auch alle anderen hören konnten. Doch geblendet von meinen vorigen Misserfolgen konnten sie in mir nicht den ersten sehen, der einen Nachtschatten erlegen sollte. Also lachten sie mich aus.“

Zu seiner Zufriedenheit wurde Malas Gesicht nachdenklich. Sie schien jetzt schon zu begreifen, dass die Geschichte nicht ganz so verlaufen würde, wie sie sich sie anfangs vorgestellt hatte.

„Ich lief also in den Wald, mit einem Messer bewaffnet, und machte mich auf die Suche nach dem Nachtschatten, bereit, ihm das Herz herauszuschneiden und es meinem Vater zu bringen. Um allen zu zeigen, wie falsch sie gelegen hatten. Um meinen Punkt zu verdeutlichen, dass ich einer von ihnen war.“

Die Menge wurde langsam unruhig. Zeit, dass er zu den wirklich positiven Punkten kam.

„Aber dann sah ich ihn da liegen. Am Ende einer Schneise, die er mit dem Sturz selbst geschaffen hatte, komplett in die Bola eingewickelt und einfach nur daliegend. Er konnte sich nicht bewegen, die Seile verhinderten es. Eines war sogar so um seinen Kopf gewickelt, dass es ihm die Schuppen in einer Linie von der Stirn über das Auge bis neben das Maul aufgerieben hatte. Blut lief ihm in das Auge hinein, die ganze Zeit. Ihn so zu sehen… Sagen wir, ich hatte es mir anders vorgestellt, wie ich einen Drachen töten würde, aber doch nicht so. Er war vollkommen wehrlos. Ich hätte ihn sogar foltern können, wir ich wollte, und er hätte nichts unternehmen können. Also tat ich das einzige, das mir in den Sinn kam. Ich schnitt ihn los.“

Alle waren auf einmal still. Das hatten sie nicht erwartet. Auch Mala war eher positiv überrascht.

„Er flog sofort auf eine nahe anliegende Lichtung. Er beachtete mich nicht einmal. Also folgte ich ihm, denn er machte mich neugierig. Ich hatte versucht, ihn umzubringen und doch scherte er sich nicht ein Stück um seine Rache. In dem Krähenkliff, so hieß der Ort, wusch er sich das Blut aus dem Auge und fing sich Fisch aus dem See. Er trottete neben einen Baum, wahrscheinlich um sich dort zu stärken. Als er mich sah, knurrte er mich kurz an und ich fiel rücklings in den See.“

Er konnte vereinzeltes Gelächter aus der Menge hören.

Hicks musste grinsen. „Der Nachtschatten hat darüber auch gelacht. Als ich mir ein Feuer machen wollte und dabei kläglich versagte, half er mir und entzündete es, sodass ich mich wärmen konnte. Dann setzte er sich neben mich. Bis dahin war alles in Ordnung, aber dann kam der grauenvollste Moment meines Lebens.“ Er machte eine dramatische Pause. „Er würgte einen halben Fisch hoch und erwartete von mir, dass ich ihn aß.“

Einige würgten.

„Tja, ich wollte ihn nicht verärgern, also tat ich, was er verlangte.“

Mehr würgten.

„Er grinste mich sogar an und so dachte ich, dass er keine Zähne hatte. Der gefährlichste Drache der Welt hatte keine Zähne, stellt euch das vor! Doch es stellte sich heraus, dass sie nur einziehbar waren. Am Abend dieses Tages jedoch sagte mir mein Vater plötzlich, dass ich gegen Drachen kämpfen sollte. In der Arena trainieren. Nie zuvor hatte er es auch nur in Erwägung gezogen, aber nun, wo ich meine Meinung zu ändern begann? Ich ging zwar in die Arena, aber die meiste Zeit rannten wir ohnehin nur vor der Drachen davon. Und in meiner Freizeit ging ich zurück zum Krähenkliff und besuchte den Nachtschatten, den ich Ohnezahn nannte. Die Kurzfassung von hier an ist, dass ich ihn bat, mich von dieser Insel wegzubringen. Ich wollte nicht an diesem Ort leben, an dem ich in 15 Jahren weniger positive Aufmerksamkeit bekam als von einem Nachtschatten in wenigen Tagen. Also inszenierte er einen Angriff mit anderen Drachen und schaffte es so, mich an den Schultern zu packen und fortzubringen.“

Er sah zu der Königin und bemerkte, dass sie den Hauch eines Lächelns auf den Lippen hatte.

„Gestern war das. Und da gerieten wir auch in den Sturm, der uns hier schließlich zum Absturz brachte. Ich weiß nur noch, wie wir gegen etwas rammten, Ohnezahn mich mit seinen Flügeln fing und wir dann aufschlugen.“

Für einen Moment war es still, bevor die Königin wieder das Wort ergriff. „Es tut mir leid, Hicks 'der Hüne', dass ich dich für die Versklavung des Drachen beschuldigt habe. Du hast deutlich gemacht, dass dir der Nachtschatten ehrlich leid tat, weil du ihn zu Fall brachtest. Du hattest kein einfaches Leben und ich kam nicht darauf, dass aus einem Dorf von Drachentötern vielleicht nicht immer ein Drachentöter kommt. Mir stellt sich nur die Frage, was wir mit Heidrun machen.“

„Ich schlage vor, dass ihr sie gehen lasst, wenn sie das möchte. Sie hat wahrscheinlich eine ähnliche Geschichte vorzuweisen. Ich habe mich gestern mit ihr unterhalten und sie sagte, dass sie mit einem Boot hier angekommen sei, um Vorräte aufzunehmen. Der Drache hatte sie nur begleitet“, erklärte Hicks.

Mala zog eine Augenbraue hoch. „Es ist ungewöhnlich, jemanden gehen zu lassen, ohne seine Version zu hören. Aber ich glaube dir. Nun gut, sie ist frei.“

Heidrun stahlte.

„Nur gibt es noch ein Problem, Hicks 'der Hüne'!“, rief die Königin. „Ihr seid trotzdem in gewisser Weise dafür verantwortlich, dass der Nachtschatten nicht mehr fliegen kann.“

„Was?“, rief Hicks. „Was hindert ihn?“

„Die Kollision, die du vorhin beschrieben hast, hattet ihr mit der Statue unseres Eruptodon“, sagte sie und zeigte nach oben zu dem ungewöhnlich aussehenden Drachen. „Es sieht so aus, als hätte er sich dabei eine Schwanzfinne abgerissen. Er ist wegen euch hierher gekommen. So leid es mir also tut, aber dafür müsst ihr eine Strafe erhalten.“

Hicks hörte schon gar nicht mehr hin, sondern lief murmelnd auf und ab. Mala hingegen zählte eine Zahl von Strafen auf, von denen er sich eine aussuchen sollte. Dieses Privileg sollte er haben, fand sie. Nur war Hicks eben gänzlich in sich vertieft. In seinem kreativen Kopf zeichnete sich bereits ein ungefähres Bild ab.

„Welche dieser Strafen wählt ihr, Hicks 'der Hüne'?“

Der junge Wikinger blieb noch eine Weile still, bevor sich sein Gesicht erhellte. „Ich bitte darum, selbst eine Strafe einbringen zu können.“

„Das kommt ganz auf die Strafe an“, entgegnete Mala nur.

Auf Hicks' Gesicht breitete sich ein Grinsen aus. „Für meine Verfehlungen verpflichte ich mich dazu, Ohnezahn wieder zum Fliegen zu verhelfen.“
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Äh, tja…
Viereinhalb Wochen und so… = ein ganzer Monat

Aber das passiert, wohl wenn man sich mit einem PC ablenken kann und die Eltern einen für eine Woche zum Skifahren mitnehmen.

Außerdem kam mir hier und da noch eine kleine Schreibblockade dazwischen… ja, nicht schön

Ich habs langsam aufgegeben, mich ständig für Verspätungen zu entschuldigen ^^

LG Haldinaste ;)
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