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Der Wächter des Flügels

GeschichteFamilie / P16 / Gen
Astrid Hofferson Haudrauf der Stoische Heidrun Hicks der Hüne Ohnezahn
08.01.2018
01.04.2021
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Ayyyyyyy, vier Monate und eine Woche. Buja!
Warte… es geht darum, möglichst SCHNELL gute Kapitel hochzuladen?

Oh…
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«Ehrlich, Leute. Das letzte Mal, als ihr wie wie von einem Skrill geschockte Fische dreingeglotzt habt, war, als ich vor fast zwei Jahren das erste Mal bei euch aufgetaucht bin», sprach die amüsierte Stimme hinter der Maske.

Danach begannen Haudraufs Augen wie wild zu zucken, als wäre er kurz davor, einen armen kleinen Baum auszureißen. Mit Mühe konnte er sich jedoch einigermaßen beherrschen, denn dumm war er ganz sicher nicht und aktuell war es leider der Fall, dass er und seine Gefolgsleute selbst unbewaffnet waren und sich zwischen Feinden aufhielten, die sehr wohl einige scharfe Gegenstände mit sich herumtrugen.

Mal ganz abgesehen von den zwei hochgefährlichen Drachen…

…die bereits vollständig das Interesse an den Neuankömmlingen verloren hatten und sich im Gras tollten.

Aber dann kam doch noch ein dritter Drache herbei, wenn auch kein besonders gefährlicher. Es war Scharfschuss, der kleine Schreckliche Schrecken, der auf der Schulter des Wächters landete und seinen Kopf schnurrend gegen die Maske rieb.

Der Maskierte selbst lehnte sich jedoch leicht zu der Reiterin des Klingenpeitschlings herüber. «Sag mal», murmelte er, «ich will ganz ehrlich sein. Ich hab’s mir spannender vorgestellt. Mir persönlich fehlt da noch so ein kleines-»

«WAS», platzte es nun aus Haudrauf heraus, der sich langsam zu einer mit ausdrucksloser Miene dastehenden Mala umdrehte, «hat DAS», führte er betont fort und fuchtelte mit einem Arm in Richtung der beiden Drachenreiter herum, «bitte zu BEDEUTEN?!»

«Genau das hab ich erwartet. Siehst du?», kam es aus dem Wächter in einem Tonfall heraus, der an den eines kleinen Kindes zum Snoggletog erinnerte. «Siehst du?», wiederholte er noch einmal, doch seine Gesprächspartnerin seufzte nur amüsiert und rollte mit den Augen.

«Jaja, ich seh’s und ich hör’s, du Kleinkind.»

Nun meldete sich jedoch Mala mit fester Stimme zu Wort. «Ganz einfach. Das sind der Wächter und die Kriegerin. Der Einsiedler und eine von den besten meiner Gefolgsleute.»

«Das sind Kriminelle!» fuhr der berkianische Häuptling sie energisch an. «Die beiden greifen uns regelmäßig an! Auf unserer eigenen Insel!»

Die Königin seufzte bereits, denn sie wusste, dass dieser Punkt kommen würde. Immerhin war sie selbst nicht mit den Ausflügen des Wächters sonderlich einverstanden, aber sie wusste auch, dass sie sich als Königin für alles zu verantworten hatte, was auf ihrer Insel passierte. Der Maskierte kam ihr jedoch zuvor, als er ein paar Schritte auf sie und den Häuptling zu machte.

Astrid drehte bereits ihren Oberkörper und deutete mit einer unsicheren, vielleicht ein bisschen neugierigen, aber garantiert nicht weniger als feindseligen Miene an, dass sie jeden Moment die Fäuste heben würde.

Rotzbacke zuckte kurz zurück, als der Drachenreiter sich auf sie zubewegte, aber bei Tageslicht schien er wirklich nicht so bedrohlich wie sonst, wenn seine Maske und seine Silhouette lediglich vom Schein der Drachenfeuer erhellt wurden. Also tat er es Astrid nach.

Fischbein hingegen schien sich nicht so recht entscheiden zu können, ob er jetzt in das von Viggo ihm gegebene Notizbuch ganz viel schreiben und zeichnen sollte, denn immerhin waren da eben ein verfluchter Nachtschatten, ein dem Buch der Drachen unbekannter Drache mit eisernen Schuppen und Berks zwei erbittertste Feinde seit zwei Jahren. Aber aktuell konnte er sich dazu einfach nicht überwinden. Dazu überforderte die Situation ihn zu sehr.

Taffnuss entschied sich für eine eher unkomplizierte Reaktion. Er sah drein wie ein Goldfisch und zählte irgendetwas an den Fingern ab… wozu auch immer… wer wusste das schon?

Oh, und was Raffnuss anging…

«Bitte sag mir, dass du mir hilfst», zischte Eret verkrampft und leise in Richtung des Wächters, der nur hinter der Maske grinsend subtil mit dem Kopf schüttelte, während an dem Anführer der Spähtrupps der weibliche Zwilling förmlich hing. Raffnuss sah nur kurz von dem beachtlichen Bizeps auf und rollte beim Anblick der Drachenreiter mit den Augen, bevor sie sich mit begeisterter Miene wieder den deutlichen Konturen des Oberarms widmete.

«Naja, um genau zu sein», meldete sich der Wächter nun schließlich, während Haudrauf ihn gerade anstarrte, als hätte er einem Babykaninchen den Hals umgedreht, «haben wir euch nie angegriffen. Wir… helfen lediglich den Drachen. Oh, und ihr solltet euch echt nicht beleidigt fühlen, denn ihr seid längst nicht die einzigen, bei denen ich hin und wieder vorbeischaue.»

«Ihr greift noch mehr an?», platzte es aus Fischbein heraus. «Wie schafft ihr das in so kurzer Zeit? Bei uns kommen die Angriffe alle paar Wochen. Wie habt ihr da noch die Zeit, zu anderen-»

«Halt die Klappe, sieh dich nochmal um und dann stell dir die Frage nochmal», unterbrach ihn die Frau, die die Kriegerin genannt wurde, bevor sie auf ihn zuging und er völlig verkrampfte, als sie die Hand hob, nur um sich dann die Kapuze abzustreifen und die Maske herunter zu ziehen. Sie grinste und hielt ihm die Hand hin. «Ich bin übrigens Heidrun.»

Der dicke Wikinger blinzelte mit einer Mischung aus Skepsis, Angst und… Hicks sah nochmal genauer hin… Hatte sich Fischbein wirklich in diesem Moment direkt in Heidrun verguckt? «Fischbein», stellte er sich verunsichert vor und hielt zaghaft die Hand hin, die sofort fest begrüßt wurde.

«Ich weiß», fügte sie noch an und zwinkerte, bevor sie losließ und sich wieder neben den Wächter stellte.

Dieser räusperte sich kurz. «Außerdem meine ich, soeben klargestellt zu haben, dass ich niemanden angreife.»

«Dass WIR niemanden angreifen, meintest du wohl», korrigierte Heidrun ihn verschmitzt und er seufzte.

«Oh, entschuldige bitte. Ich hätte wissen müssen, dass du auf meine Rolle des Klugscheißers scharf bist…»

«GENUG!», brüllte Haudrauf irritiert und wütend aufgrund der einfachen Tatsache, dass er sich nicht allzu ernst genommen fühlte. «Wie würdet ihr das nennen, wenn ihr dem geschworenen Feind eines Volkes dabei helft, es auszurauben?»

«Wir helfen ihnen nicht, euch auszurauben. Wir sorgen lediglich dafür, dass keine Drachen sterben», merkte der Wächter mit verschränkten Armen an. «Oh, und auf die Menschen versuchen wir auch ein wenig aufzupassen…»

«Für dich ist das alles ein großer Spaß, nicht wahr?», fuhr es aus dem wütenden, berkianischen Häuptling, der sogleich noch ein paar Schritte auf den Drachenreiter zu machte, sodass sie sich fast Nase an Nase gegenüberstanden. «Ich hoffe, du schläfst gut in dem Wissen, nach jedem Angriff unsere Insel fast schutzlos zu lassen, nachdem du unsere Verteidigungsanlagen zerstörst.»

«Wie gesagt, es sind keine An-» Der Wächter unterbrach sich selbst und hielt sich kurz stöhnend und kopfschüttelnd eine Hand vor die Augen. «Das… ist… ausnahmsweise mal ein verdammt guter Punkt, aber so viel zerstören wir gar nicht! Das eine Katapult immer…», sprach er und winkte ab.

«EIN Katapult?», merkte nun Astrid trocken von der Seite an.

Der Maskierte schürzte kurz die Lippen, während Heidrun ein Lachen unterdrückte. «Oder zwei… stimmt schon, das ist häufiger der Fall…»

«Zwei zerstörte Katapulte wären für uns kaum ein Problem», funkte Fischbein dazwischen. «Der Verlust kostet uns lediglich 16,8 Prozent unserer Verteidigungsmöglichkeiten. Für die Reparatur von zweien bräuchten wir durchschnittlich gerade mal zwei Tage, fünfzehn Stunden, achtunddreißig Minuten und-»

«Drei?», bot Heidrun grinsend an.

Fischbein sah verwirrt aus. «Wie? Sekunden?»

«Nein, Katapulte.»

Der dickliche Wikinger wog kurz abschätzend den Kopf hin und her. «Ja, ich glaube, wir kommen der Wahrheit etwas näher.»

Nun meldete sich Rotzbacke mit einem unamüsierten Lachen. «Wohl eher v-»

«JA, IN ORDNUNG», fuhr es nun aus dem völlig entnervten Wächter heraus, der wild mit den Händen in der Luft rumfuchtelte und sich von Haudrauf abwandte, der noch immer ziemlich tiefe, ärgerliche Furchen in der Stirn hatte. «Dann sind es halt vier! Meinetwegen auch manchmal fünf!»

Für einen Moment war es still, während der Drachenreiter mit dem Rücken zu ihnen kurz seufzte und eine Hand an sein Gesicht führte, nur um dann zu bemerken, dass es ihm aktuell nicht möglich war, genervt über sein Gesicht zu streichen.

Dann drehte er sich wieder um. «Mir ist bewusst, was ich anrichte», merkte er nun in einem wesentlich ernsteren Tonfall an. «Aber ihr lasst mir auch keine Wahl!»

«WIR lassen DIR keine Wahl?» Astrid lachte mit einer Mischung aus Unglauben und Verärgerung. «Korrigieren mich, wenn ich mich irre, aber was geht es DICH an, was wir auf unserer Insel machen? Während WIR angegriffen werden?»

Der Wächter seufzte und schüttelte den Kopf. Eine Weile sagte er nichts, bevor er die Berkianer wieder durch seine Maske ansah. «Ihr versteht vieles nicht und habt viele Fragen. Das ist verständlich, aber ich denke, wir alle brauchen erst einmal ein wenig Zeit. Wie wäre es damit: Wir alle lassen das jetzt erst einmal sacken, beruhigen uns und sammeln unsere Gedanken. Dann treffen wir uns heute Abend wieder hier.»

«Erzähl uns keine Märchen», bemerkte Astrid schnippisch. «Du willst dich doch nur drücken und dir irgendwelche Lügen zurechtspinnen.»

«Mein Angebot ist ernst gemeint», versicherte der Drachenreiter. «Keine Lügen heute Abend. Ich werde euch nichts als die Wahrheit erzählen. Nur ihr und ich. Darauf gebe ich mein Wort.»

«Das Wort eines Verbrechers», fügte Haudrauf grimmig an.

«Das Wort eines Helden», widersprach Heidrun. «Er genießt großes Ansehen unter den Beschützern des Flügels, selbst als jemand, der aus dem Dorf verstoßen wurde.»

«Wir gehen jetzt besser», schlug Mala mit höflicher Strenge vor. «Ihr könnt euch noch später unterhalten. Bis dahin werde ich euch sagen, was ihr wissen wollt.»

Rotzbacke schaute verdutzt drein. «Wie jetzt? Wir sind den ganzen Berg hier heraufgestiegen, nur um dann wieder heruntergeschickt zu werden? Im Ernst jetzt?»

«Wir kommen doch mit. Euch geht es nicht schlechter als uns», entgegnete Trok schulterzuckend.

«Wo wir gerade davon reden…», meldete sich nun Eret zu Wort, dem immer noch eine gewisse Person anhing, «ich glaube, ich bleibe hier oben...»

«Das kannst du doch nicht machen, Eret», quatschte der Wächter in gespielt vorwurfsvollem Ton dazwischen. «Ich bin mir ziemlich sicher, du wirst unten gebraucht. Geh lieber mit, bevor du noch deine Pflichten vernachlässigst.» Er zwinkerte frech hinter seiner Maske.

«Du verdammter, kleiner Verräter…», brummte der Anführer der Späher mürrisch, während er sich weiter das Getatsche des weiblichen Zwillings gefallen lassen musste.

Der Maskierte lachte nur.

Viggo schmunzelte. «Aber ich werde hier oben bleiben. Wir haben noch zu tun, Wächter. Du erinnerst dich? Unser kleines Projekt?»

«Richtig.» Der Angesprochene räusperte sich, hob dann aber auf eine entschuldigende Art und Weise die Hand. «Ich habe aber noch etwas zu tun. Könnte so um die zwei Stunden dauern. Komm lieber später nochmal wieder.»

«Ist das dein Ernst? Ihn lädst du ein und mich nicht?»

«Das ist sogar mein ganzer und voller Ernst, Eret. Immerhin wirst du ja dringendst gebraucht.»

«Warte nur, bis ich dich in die Finger kriege. Ich versohle dir deinen knochigen Hintern!»

«Ich bin knochig? Was sagt das über dich aus, wenn ich dich doch dauernd über’s Knie lege, mein Freund?», entgegnete der Wächter frech, bevor er sich umdrehte. «Komm schon, Ohnezahn! Ich möchte noch etwas holen.»

Grummelnd richtete sich der Nachtschatten auf, der sich seit einer ganzen Weile unglaublich unauffällig verhalten hatte. So sehr sogar, dass Fischbein kurzzeitig aufschreckte, als der schwarze Drache in ihre Richtung getrottet kam.

«Na komm, du Faulpelz!», schimpfte der Wächter spielerisch, hüpfte kurz von seinem natürlichen Bein auf das künstliche und lief dann in einem gemäßigten Tempo auf die Klippe zu. «Je eher wir fertig sind», begann er und schloss den Rest des Satzes auffallend melodisch ab, »desto eher bekommst du auch deine doppelte Portion Laa-haachs.»

Die Pupillen weiteten sich schlagartig und die Zunge hing sabbernd heraus, bevor der Drache auf einmal zu sprinten begann.

Der Wächter lachte. «Feiner Junge! Ab geht’s!», rief er enthusiastisch und sprang direkt von der Klippe ab, bevor er seine Hände an seinen Beinen herabführte und sich mit einer ruckartigen Bewegung auf einmal kleine Segel zwischen Händen und Füßen aufspannten. Der Nachtschatten sprang geradewegs hinterher und damit segelten die beiden durch die Lüfte davon.

Eine Weile war es still, bevor sich überraschenderweise mal Taffnuss zu Wort meldete. «Macht der das immer?»

«Nur, wenn er angeben will», schnaubte Heidrun und grinste. «Na los, gehen wir.»

Somit machte sich die kleine Truppe aus Beschützern und Berkianern auf den sehr steil abwärts verlaufenden Weg nach unten. Von allein hätten die Wikinger bestimmt ewig gebraucht, aber die Bewohner der Vulkaninsel liefen voraus und da sie eine der besseren Routen kannten, lief es eigentlich in einem ganz akzeptablen Tempo ab.

«Ich hab so etwas noch nie gesehen», begann Fischbein auf einmal zu brabbeln. «Der Nachtschatten war genervt. Mehr noch: Er hat sich mit einer ausstehenden Belohnung motivieren lassen, die der Wächter ihm ausschließlich mündlich angeboten hat! Das zeugt zweifelsohne von einem hochintelligenten und kreativen Wesen. Das muss ich mir unbedingt-» notieren, wollte er sagen, bevor ein kleiner Fels unter ihm nachgab, er ängstlich schrie und abzurutschen drohte, wäre da nicht Heidrun gewesen, die ihn am Kragen packte, sodass er genug Zeit hatte, sich selbst noch Halt zu suchen.

«Du kannst es dir notieren oder du kannst es dir für später im Kopf behalten, wenn wir hier runter sind und du dich nicht mehr so leicht umbringen kannst», kommentierte sie das Geschehen schmunzelnd, bevor sie ihm das Notizbuch abnahm und es einsteckte. «Nur, damit du nicht in Versuchung kommst», fügte sie noch zwinkernd an und lief dann voraus.

«Danke…», kam es nur lahm von ihm, bevor er sich daran erinnerte, dass er sich schon bewegen musste, anstatt eine Frau anzuglotzen, wenn er von diesem Vulkan herunterwollte.

«Oder du schlägst es dir gleich aus dem Kopf. Drachen und hochintelligent…», merkte Haudrauf missmutig kopfschüttelnd an.

«Ich weiß, warum Ihr so denkt, Häuptling», rief die Königin, die die Führung nach unten übernommen hatte, nach hinten. «Fast jedes Tier kann auf simple Befehle hören oder sich irgendwo hinbewegen, wenn man nur oft genug darauf zeigt. Der Unterschied zu Drachen besteht jedoch darin, dass sie Sätze in komplexer Menschensprache verstehen können und einen äußerst kreativen Geist besitzen. Anderenfalls wäre die Schlacht am Drachental nicht auf diese Art ausgefallen.»

«Wer weiß, ob ihr überhaupt die Wahrheit sprecht…», brummte Haudrauf.

«Wir haben ein knappes Dutzend Leute auf dieser Insel, die diese Geschichte bezeugen können. Und bis auf einen davon waren sie alle einst Drachenjäger, die diese Erzählung übermittelt haben. Wieso sollten Drachenjäger Drachen unterstützen und sich noch dazu so etwas ausdenken? Außerdem bin ich einer davon», merkte Viggo grinsend an.

«Dir glaube ich ohnehin kein Wort», warf der berkianische Häuptling schnaubend dazwischen. «Du hast uns vorhin angelogen, als du sagtest, auf dieser Insel gäbe es niemanden mit einem Nachtschatten, der eine rote Finne trägt und eine Narbe über dem Auge hat.»

«Hättet Ihr genau zugehört, wüsstet ihr, dass ich nicht gelogen habe», entgegnete der Stratege amüsiert, als er stehen blieb und sich umdrehte. «Meine genauen Worte waren, dass sich kein solcher Drachenreiter in unserem DORF befindet. Das Plateau dieses Vulkans gehört wohl kaum dazu.» Schließlich drehte er sich wieder um und ging weiter. «Ich achte stets darauf, niemals zu lügen. Erstens, weil es schwer ist, ein Lügennetz aufrecht zu erhalten. Und zweitens, weil es viel mehr Spaß macht, Wahrheiten so zu verbiegen, dass sie gerade noch stimmen.»

«Aber du hast doch gesagt, der Drachenreiter hätte einen Klingenpeitschling», warf Rotzbacke verwirrt dazwischen. «Was auch immer das für ein Drache ist…»

«Das ist nicht ganz richtig», sprach Fischbein dieses Mal nachdenklich. «Er hat nur gesagt, dass es einen Drachenreiter mit einem Klingenpeitschling auf dieser Insel gibt, aber nicht, dass es der Drachenreiter ist, den wir eben als den Wächter kennengelernt haben. Und da „Klingenpeitschling“ ziemlich danach klingt, als handelte sich dabei um einen Drachen mit einer Klinge als Schwanz, gehe ich ganz stark davon aus, dass-»

«Dass von mir die Rede war», ergänzte Heidrun mit einem wohlwollenden Lächeln. «Kluger Mann.» Dann wandte sie sich an die anderen. «Ja, das Drachenweibchen mit den stählernen Schuppen ist mein Klingenpeitschling. Sie heißt Windfang.»

«Also…», schlussfolgerte Haudrauf schließlich, «waren euer besonders rebellischer Beschützer und der Drachenreiter beim Drachental ein und dieselbe Person?» Von der vorauslaufenden Mala erhielt er nur ein deutliches Nicken. «Warum habt Ihr uns das verschwiegen?», kam es verärgert von ihm.

Trok antwortete für seine Königin. «Hättet ihr uns denn weiter zugehört, wenn wir euch direkt gesagt hätten, dass einer eurer Feinde einer der Unseren ist?»

«Der Rest stimmt jedoch. Ausnahmslos», versicherte die Königin. «Unsere Geschichte, die Schlacht vom Drachental und dass ich den Wächter aus meinem Dorf auf dieses Plateau verbannt habe, all das war die reine Wahrheit.» Dann machte sie eine kurze Pause. «Nur gibt es da noch eine Sache…»

Trok, Eret und Viggo grinsten breit, als die Königin zwei Finger an ihren Mund führte und auf einmal ohrenbetäubend laut pfiff.

«Wozu-», setzt Astrid gerade verwirrt an, als Mala zu erklären begann.

«Einst habe ich den Mann, der heute der Wächter ist, andauernd ermahnt und ihm bereits vor Jahren mit der Verbannung gedroht, sollte er auf einem Drachen reiten. Wir pflegten Drachen und ritten sie nicht. Letzteres kam nach unseren Ansichten der Sklaverei gleich. Doch als Viggo und die anderen mit ihrer Geschichte von Blutfaust, dem Drachental und seinen geschuppten Bewohnern auf meine Insel kamen, wusste ich, dass es Zeit für einen Traditionswechsel war. Drago Blutfaust war eine Bedrohung, die wir längst hätten einstampfen sollen. Dass ein Wahnsinniger unsere Existenz bedroht, durfte nie wieder geschehen. Und deshalb…»

Lautes Gebrüll wie aus einem gewaltigen Chor war zu hören, als über den Vulkan dutzende, wenn nicht gar knapp einhundert Drachen der unterschiedlichsten Klassen und Arten auf das Dorf zuflogen. Darunter waren sogar Nachtschatten, bestimmt drei Dutzend. Reflexartig griffen die Wikinger an ihre Hüften, wo sich normalerweise Waffen befanden. Da dort jedoch keine waren, beließen sie etwas dabei, wie Goldfische in das Dorf zu glotzen.

Beinahe in lautes Gelächter ausbrechend fuhr Mala nun fort. «Und deshalb haben sich die Beschützer des Flügels mit den Einwohnern des Drachentals als Drachen und Reiter zusammengetan.»

«So viele unterschiedliche, unbekannte Drachen», quietschte Fischbein, begeistert von der Gelegenheit, noch mehr Wissen aufzusaugen.

«So viele Nachtschatten», hauchte Astrid völlig entgeistert.

Rotzbacke und die Zwillinge blieben still. Rotzbacke war einfach nur fassungslos und brachte kein einziges Wort hervor. Taffnuss schienen Tränen aufzusteigen, aber nicht vor Angst, sondern vor Rührung wegen der bloßen Vorstellung, wie viel Tod und Zerstörung all diese Drachen bringen könnten.

Und Raffnuss… ach, jeder kann sich vorstellen, was sie gerade machte. «So wunderschön», schnurrte sie, aber ganz bestimmt nicht mit Blick auf die Drachen.

«Da geh ich nicht runter», kam es trotzig vom berkianischen Häuptling. «Was, wenn die uns angreifen, sobald wir da unten sind?»

«Werden sie nicht, dafür bürge ich», versicherte Mala.

«Für Eure Leute könnt ihr ganz sicher bürgen, aber was ist mit den Drachen?»

Wenn das Gebrüll von eben schon laut war, dann war das nächste absolut ohrenbetäubend. Erschrocken und verwirrt hielten die Berkianer sich die Ohren zu und zuckten zusammen. Erst nach einem Moment trauten sie sich, aufzusehen, nur um dann kurz zu blinzeln und erneut hinzuschauen, da sie ihren eigenen Augen nicht trauen wollten.

Dort war ein weiterer Nachtschatten, dieses Mal jedoch mehr als doppelt so groß wie seine Artgenossen und um ein Vielfaches schneller. Selbst von Weitem konnte man die Vielzahl riesiger Narben erkennen, die sich wie ein weißes Netz über den Körper des Drachen zogen.

Zu ihrem Schrecken kam diese gewaltige Bestie direkt auf sie zu, und noch immer mit diesem Wahnsinnstempo. Den Berkianern blieb nichts anderes übrig, als sich zu ducken, nur um dann nach hinten gegen die Klippenwand gestoßen zu werden, als sich der Nachtschatten ruckartig entschied zu bremsen und einen derartigen Windstoß verursachte, dass es die Wikinger kurz von den Füßen hob.

Die Beschützer selbst waren jedoch vorbereitet und schafften es, stehen zu bleiben.

Als die Berkianer die Augen wieder öffneten, türmte sich der furchterregende Nachtschatten mit den durchdringenden, knochenweißen Augen majestätisch direkt hinter Mala auf und schnaubte zwar kurz, aber kräftig.

«Ich kann für das Benehmen der Drachen nichts garantieren», gab Mala zu. «Aber Valpu kann es, meine Gefährtin, Königin der Nachtschatten und des Drachentals und einziges uns bekanntes Nachtschattenweibchen.»

Für eine knappe Minute waren alle totenstill.

«„Vertrau mir, ich tu dir nichts“, sagte der Frosch zur Fliege», meinte Taffnuss nur mit einem ziemlich schiefen Blick.

«Ich soll allen Ernstes einem Drachen, den ich nicht verstehen kann, darauf vertrauen, dass er mir die Drachen vom Leib hält?», fragte Haudrauf mit dem sichtlichen Wunsch nach einer Waffe. Irgendeiner Waffe.

«Ich fürchte, ihr alle habt dahingehend gar nichts zu sagen», sprach Viggo und räusperte sich kurz. «Euch bieten sich aktuell zwei mögliche Szenarien, wie das hier ablaufen wird. Ihr könnt mitkommen und sehen, was passiert, oder ihr könnt hier oben bleiben und sehen, was passiert. Das Problem ist nur, dass euer Freund noch bei unseren Heilern ist und ihr nicht einmal ein Auge auf ihn haben könnt, wenn ihr hier oben bleibt.» Er kratzte sich am Hinterkopf. «Tut mir also leid, euch das sagen zu müssen, aber ob ihr uns vertraut oder nicht, ist vollkommen irrelevant.»

«Soll das etwa heißen, wir sind hier gefangen?», dämmerte es nun Astrid, die sich sogleich in den Gesichtern der anderen umsah, ob sie gerade denselben Gedanken hatten. Größtenteils schien das der Fall zu sein.

«So würde ich das nicht ausdrücken», entgegnete Mala betont diplomatisch. «Sobald euer Freund wieder wach ist, werden wir euch selbstverständlich ein Schiff geben, mit dem ihr wieder nach Hause segeln könnt.»

«Und was hält Euch davon ab, uns jetzt gleich gehen zu lassen? Wir können Grobian auch einfach mitnehmen?», widersprach der berkianische Häuptling misstrauisch.

«Das halte ich für äußerst unverantwortlich», funkte Eret dazwischen, dessen Nerven noch immer von einer gewissen Blondine sehr auf die Probe gestellt wurden. «Ihr seid in einen Sturm geraten und kläglich gekentert. Ihr hattet Glück, dass wir in der Nähe waren. Erstens würde euer Freund Grobian noch so eine Tortur garantiert nicht überleben und zweitens ist es ein sehr langer Weg nach Berk.»

«Ihr könntet uns ja wohl auch nach Hause fliegen, oder nicht?», kam es nun zur Überraschung Aller von Rotzbacke.

Beinahe verständnislos drehte sich Astrid zu ihm um. «Rotzbacke, das ist… wahrscheinlich der erste kluge Satz aus deinem Mund seit Monaten!»

Der muskulöse Wikinger drückte seine stolzgeschwellte Brust nach außen und ergriff die Gelegenheit. «Willst du damit sagen, dass ich schonmal etwas Kluges gesagt habe?»

Astrid zog nur skeptisch eine Augenbraue hoch. «Nein, ich hab nur vorsichtshalber „Monate“ gesagt, weil ich mir nicht ganz sicher bin, ob du blindes Huhn jemals in den letzten Jahren schonmal ein Korn gefunden hast.»

«Ich bin nicht blind und ich habe schon viele Körner gefunden», entgegnete Rotzbacke mit ziemlich fehlplatzierter Arroganz.

«Ich bereue es, dich jemals gelobt zu haben…»

«So amüsant das auch ist, aber darüber haben wir tatsächlich schon nachgedacht, uns jedoch dann dagegen entschieden», unterbrach Viggo die beiden, wofür er nur wieder verständnislose Blicke von den Berkianern erntete. «Angenommen, wir folgen eurer Bitte… könntet ihr uns versichern, dass weder ihr noch die restlichen Bewohner eurer Insel versuchen werden, uns anzugreifen? Immerhin reiten wir auf Drachen. Und außerdem gibt es noch mehr Wikinger als euch, die ihr mit Sicherheit kontaktieren könntet, wenn ihr Hilfe braucht.»

«Ihr kennt zwar unsere genaue Position nicht, aber eine kluge Person mit Navigationskenntnissen sollte das relativ problemlos hinbekommen», warf Heidrun noch mit ein und sah dann Fischbein an. «Und ich bin mir ziemlich sicher, dass mindestens einer von euch dafür gut genug ist.»

Verlegen kratzte der dicke Wikinger mit dem Stiefel im Boden.

Haudrauf jedoch ging wieder auf Konfrontationskurs mit der Königin. «Ihr wollt uns nicht helfen, nach Hause zu kommen und hindert uns daran, Grobian mitzunehmen. Das fühlt sich sehr nach Gefangenschaft an.»

Mala seufzte nur, sah dann die Nachtschattenkönigin kurz an, die sanft und beruhigend schnaubte, und wandte sich dann wieder an die Berkianer. «Ihr seid gefangen, ja, aber ihr seid nicht unsere Gefangenen. Wir werden euch hierbehalten, bis jeder von euch bereit zur Abreise ist. Dann bekommt ihr ein Schiff von uns. Jedoch werde ich nicht zulassen, dass euer Freund Grobian allein aufgrund eurer Abneigung uns gegenüber sein Leben lässt und ihr ohne euren einzigen Schmied dasteht.»

«Woher wisst Ihr…?», setzte Astrid gerade an, wurde jedoch schnell von der Königin übertönt.

«Das weiß ich aus einer sicheren Quelle», beantwortete sie kurz und schmerzlos, aber ohne weitere Informationen. «Und verzeiht mir bitte, wenn ich nicht das Wohl meines Volkes und der hier lebenden Drachen auf’s Spiel setzen will, indem ich meine Leute anweise, euch umgehend nach Hause zu bringen. Ihr hasst Drachen und ihr habt jeden Grund dazu. Zum Wohle meines Volkes will ich nur, dass ihr euch zumindest anhört, was wir zu sagen haben und euch anseht, was wir zu zeigen haben. Vielleicht wird euch das davon abbringen, Unschuldige anzugreifen. Und wenn nicht, dann möchte ich wenigstens, dass ihr im Hinterkopf behaltet, dass wir es waren, die euch vor dem sicheren Tod bewahrt haben, den ihr fast selbst zu verschulden hattet.»

Das schien die eher unfreiwillig anwesenden Gäste erst einmal aus der Bahn zu werfen. Doch selbst wenn sie noch etwas zu sagen gehabt hätten, nahm Mala ihnen gleich wieder die Gelegenheit.

«Jetzt entschuldigt mich, ich habe nicht den ganzen Tag für euch Zeit. Solltet ihr noch irgendetwas zu sagen haben, bleiben Viggo, Heidrun und Eret bei euch.»

Das war für Trok das Stichwort. Auch er pfiff kurz einmal, woraufhin wenig später ein vollständig weißer Drache angeflogen kam, den die Berkianer nicht identifizieren konnten. Die Beschützer kannten seine Art unter dem Namen „Schneegeist“. Trok kraulte den Drachen kurz unter dem Kinn und nahm dann Platz auf dem Sattel. Auch die Königin setzte sich auf ihren gewaltigen Nachtschatten.

Fischbein bekam gar nicht die Zeit zum Staunen, da waren Mala und ihr Leibwächter schon verschwunden. Valpus Flügelschläge hingegen hinterließen noch ein paar kräftige Windstöße, die die Berkianer aus ihrer geistigen Betäubung einigermaßen zu wecken schienen.

«Und… und jetzt?», fragte Astrid perplex.

«Jetzt gehen wir das restliche Stück nach unten, versteht sich», machte Viggo deutlich. «Es sei denn, ihr wollt doch hier oben bleiben.»

Mit diesen Worten gingen die drei unmaskierten Beschützer des Flügels voraus. Kurz noch zögernd folgten die Berkianer dann der Reihe nach doch. Fischbein war ein wenig schneller als der Rest.

«Was für ein Drache war das?», fragte er begeistert.

Grinsend holte Heidrun wieder das Notizbuch hervor, das sie ihm vorher abgenommen hatte, und reichte es ihm. «Hier, das Gelände ist nun derart flach, dass niemand mehr an einem bloßen Ausrutscher sterben sollte.» Danken nahm der Wikinger das Büchlein an sich und begann sofort wieder reinzukritzeln. «Das war ein Schneegeist. Trok nennt ihn liebevoll „Blizzard“.» Sie grunzte amüsiert. «Ein Drache, der für gewöhnlich in Gletschern und eisigen Gebieten lebt. Seine größte Besonderheit ist wohl, dass er nicht sieht wie wir, sondern andere Geschöpfe hauptsächlich anhand ihrer Körperwärme erkennen kann.»

«Ein Drache, der Wärme sieht? Ooooohoho, ich werde unser Buch der Drachen sowas von überarbeiten müssen», gluckste Fischbein, der so hibbelig war, dass das Laufen allein schon fast zu wenig Bewegung war.

«Aber wäre ein solcher Drache nicht hier fernab jeglicher Kälte sehr anfällig?», fragte Astrid skeptisch.

Heidrun schmunzelte. «Nun, zumindest ist seine Sicht hier etwas beeinträchtigt, aber gravierend ist es noch nicht. Außerdem hat er ja noch Trok.»

«Was soll das dem Drachen denn beim Sehen helfen, wenn da einer draufsitzt?», hakte Rotzbacke verständnislos nach.

«Wir erwarten nicht, dass ihr das nachvollziehen könnt», kommentierte Eret die Ahnungslosigkeit der Berkianer. «Würdet ihr einmal auf einem Drachen sitzen, dann könntet ihr auch verstehen, dass viel mehr zu einer Bindung zwischen Drache und Reiter gehört, als sich einfach im Sattel zu halten.»

Haudrauf schnaubte verächtlich. «Danke, da passe ich.» Dann runzelte er die Stirn. «Eins möchte ich aber doch wissen: Wie lange haben die Drachen hinter diesem Vulkan gewartet? Die sind doch nicht zufällig auf Pfiff gekommen…»

Viggo lachte. «Nein, das stimmt. Sie sind schon vor zwei Tagen hier angekommen. Während ihr in der Heilerhütte gelegen habt, haben wir die Drachen angewiesen, auf der anderen Seite der Insel zu bleiben. Ganz einfach aus genau demselben Grund, aus dem wir euch nicht gleich gesagt haben, dass ihr und der Wächter bereits Bekanntschaft gemacht habt.»

«Die Drachen lassen das einfach mit sich machen?», fragte Astrid noch einmal skeptisch nach. «Ihr gebt einen Befehl und sie folgen?»

«HA! Nein, natürlich nicht», gab Heidrun belustigt von sich. «Auch die Drachen haben ihre kleinen Sturköpfe. Ihr habt ja gesehen, wie Ohnezahn nicht gerade viel Lust hatte, mit dem Wächter mitzukommen. Und die beiden sind schon dicke Freunde.»

«Freunde…», brummte Haudrauf und schnaubte.

«Und das klappt trotzdem alles?», wollte Fischbein wissen, der alles Sichtbare immer interessierter betrachtete und so viel wie möglich niederschrieb. «Es kommt niemand zu Schaden?»

«Selbstverständlich kommen Leute manchmal zu Schaden», entgegnete Eret schulterzuckend. «Aber hauptsächlich Unfälle. Das ist völlig normal, wenn auch übermütige Kinder gern mal auf Drachen steigen, ohne ein vernünftiges Training hinter sich zu haben. Meistens denken die Drachen aber selbst mit und fliegen mit Kindern nicht allzu hoch, und wenn, dann nur, wenn sie sich sicher sind, dass sie die Kinder vor einem drohenden Aufprall wieder abfangen können. Die rebellischsten Exemplare versuchen wir von den Kindern eher fernzuhalten. Ganz ähnlich wie mit irgendwelchen Yaks, die gern mal nicht so reagieren, wie man es gerne hätte.»

«Ihr tut fast so, als wären Drachen so etwas wie normale Nutz- oder Haustiere», stellte Haudrauf missbilligend fest.

Heidrun legte den Kopf schief und löste kurz die Axt von ihrem Rücken und zeigte diese vor. «Drachen sind für uns ebenso wenig einfach irgendwelche Haustiere, wie das hier für mich eine gewöhnliche Axt ist», erwiderte sie ernst. «Ich bin sicher, auch ihr habt irgendwelche Waffen, die euch besonders am Herzen liegen. Und jetzt stellt euch vor, diese Waffe könnte atmen, leben, fühlen, wärmen. Dann habt ihr vielleicht den Bruchteil eines Gefühls, wie es sich anfühlen würde, seinen Drachen zu verlieren.»

«Du tust ja geradezu so, als würdest du dieses Gefühl kennen», brummte Astrid, die soeben an ihre eigene Axt erinnert wurde, die im Meer versunken war, und verschränkte missmutig die Arme.

«Tut sie nicht», gab Viggo zu. «Genauso wenig wie Eret oder ich. Aber es gibt hier durchaus mehrere Beschützer, die der Verlust ihres Drachen sehr plagt. Und es wird lange dauern, bis sie darüber hinweg sind.»

«Warte mal», unterbrach Fischbein verwirrt. «Ich dachte, ihr reitet erst seit Kurzem Drachen und bleibt sowieso unter euch…»

Eret machte ein nachdenkliches Gesicht, sprach sich kurz per Blickkontakt mit Viggo und Heidrun ab und seufzte dann. «Vor einigen Monaten gab es ein Ereignis, das uns nicht wenige Leben gekostet hat… Aber das besprecht ihr wohl besser mit dem Wächter. In gewisser Weise betrifft es nämlich auch euch.»

Die Berkianer – bis auf die übliche Verdächtige – tauschten verwirrte Blicke aus, nickten dann aber vorsichtig als Zeichen, dass sie verstanden hatten.

«Was genau», begann Rotzbacke dann wieder, «wollt ihr uns hier eigentlich zeigen? Wozu sind wir hier?»

Heidrun zuckte mit den Schultern. «Ich hatte eigentlich erwartet, dass der Wächter gleich bei eurer Ankunft zur Verfügung steht. Irgendetwas ist ihm wohl noch eingefallen, das er vorher noch unbedingt erledigen möchte. Aber nun, da wir schon einmal hier sind…» Sie grinste. «Wisst ihr eigentlich, warum die Drachen im Winter verschwinden?»

«Nein», brummte Haudrauf. «Und ehrlich gesagt muss ich auch gar nicht wissen, warum. Stell sich mal einer vor, diese Viecher würden uns in einer Zeit angreifen, in der wir schwer auf Nahrungssuche gehen können…»

Viggo schmunzelte. «Lustigerweise greifen die Drachen unter anderem aus genau dem Grund nicht an.» Dafür erhielt er nur verwirrte Blicke, woraufhin er jedoch abwinkte. «Keine Sorge, wir werden euch schon bald erklären, warum. Aber da es sich für Drachen kaum lohnt, euch im Winter anzugreifen, können sie sich anderen Dingen widmen.»

Heidrun nickte. «Der Fortpflanzung, um genau zu sein.»

Schlagartig bekam Fischbein große Augen. «Das ist… erschreckend plausibel… Da fällt mir ein, wir wissen gar nichts über die jungen Exemplare von Drachen. Nicht einmal über ihre Eier.»

«Spielt ja auch keine große Rolle», kommentierte Astrid schnaubend. «Uns greifen immerhin nur die Großen an. Woher kommt das Thema jetzt eigentlich?»

«Nun, nicht alle Drachen pflanzen sich im Winter fort. Das machen vor allem… eure Drachen, mal vage ausgedrückt. Unsere legen Eier, wann immer sie Lust haben. Aber das war nicht die Frage», ergänzte Heidrun lachend, ging etwas schneller direkt auf das Dorf zu und winkte die Berkianer heran. «Ich möchte euch etwas zeigen.»

Die erste, die den Beschützern folgte, war Raffnuss, aber auch nur deshalb, weil Eret selbstverständlich nicht einfach zurückblieb, sondern Heidrun und Viggo folgte. Teils seufzend, teils einfach nur nervös gaben sich die restlichen Berkianer dann doch einen Ruck und folgten den schwarz Gekleideten zwischen die Häuser.

Es stellte sich heraus, dass auf Malas Wort Verlass war. Viele Drachen warfen den eher unfreiwilligen Gästen zwar neugierige Blicke zu, hielten sich aber fern. Und wenn doch einer mal mehr als neugierig war, hielten ihn seine Artgenossen zurück.

Das hielt die Berkianer aber nicht davon ab, wachsam zu bleiben.

Zumindest, bis sie am Dorfplatz ankamen und Fischbein auf einmal begeistert zu quietschen begann, sodass bis auf die Beschützer (und Raffnuss) alle anderen zusammenzuckten und dann eine genervte Miene machten.

«Ist es das, was ich denke, dass es ist?», gab der dickliche Wikinger mit glänzenden Augen von sich.

Heidrun konnte bei einem derart reinen Ausdruck der Freude nur kichern. «Vielleicht. Geh doch hin und vergewissere dich.»

Total hibbelig kam er der Forderung nach und lief schnurstracks auf die Mitte des Dorfplatzes zu.

Währenddessen registrierten die anderen Berkianer erst einmal, wo denn die ganze Aufregung herkam. Wo Fischbein hinlief, saßen ein paar Kinder des Dorfes im Kreis, in dessen Mitte sie allesamt sahen. Irgendwie hatte er es wohl geschafft, einen kurzen Blick darauf zu werfen und scheinbar war es derart interessant, dass er direkt ausgeflippt und am Ort des Geschehens geradewegs auf die Knie gefallen war.

Als Haudrauf herantrat, bekam auch er direkt große Augen. «Ach, du heiliger Thor…»

Auf Taffnuss‘ Gesicht schlich sich ein schelmisches Grinsen. «Können wir einen behalten?»

«Klasse, jetzt gibt es noch mehr von den Dingern», stellte Rotzbacke resigniert fest.

Und Astrid stand der Mund halb offen. «Sind das Nachtschattenbabys?»

Tatsächlich waren da vier kleine Nachtschatten, allesamt mit rein schwarzen Schuppen und den unterschiedlichsten Augenfarben. Einer mit grünen, einer mit gelben, sogar rote Augen waren beim dritten, während der letzte der Schlüpflinge weiße Augen hatte.

«Vollkommen korrekt», antwortete Heidrun grinsend. «Die Drachen sind vor zwei Tagen angekommen. Es sieht zwar gerade nicht so aus», sagte sie und deutete auf das Areal um sich herum, in dem sich wirklich nicht viele Menschen befanden, «aber das war wirklich ein ganz großes Ding. Zum ersten Mal haben wir Nachtschattenschlüpflinge gesehen. Scheinbar sind Nachtschatten nicht sehr fruchtbar.»

«Woher wollt ihr das so genau wissen?», fragte Fischbein, der seinen forschenden Blick über die kleinen Babys schweifen ließ, die sich von den Händen der um sie sitzenden Kinder verwöhnen ließen. «Ich meine, ihr habt selbst gesagt, dass diese Nachtschattenkönigin das einzige Weibchen ist, das ihr kennt. Und ihr seid ihr erst vor zwei Jahren begegnet.»

«Das ist vollkommen richtig und gut beobachtet», lenkte Viggo mit einem anerkennenden Nicken ein. «Aber mit etwas Wissen über die Drachen kann man schnell das Alter feststellen und Valpu ist bereits einige hundert Jahre alt. Die anderen Nachtschatten sind bis auf einige wenige Ausnahmen allesamt jünger. Und es gibt unter ihrer Herrschaft nur einige Dutzend. Unter diesen Beobachtungen und dem Fakt, dass das Drachental bis zu Dragos Ankunft völlig unentdeckt und somit bislang von der Außenwelt unberührt war, kann man leicht schließen, dass Nachtschattenweibchen nicht besonders oft Kinder bekommen.»

«Ist die Königin wirklich das einzige Weibchen?», fragte Astrid mit einem skeptischen Blick auf die kleinen geflügelten Echsen, die nun schnurrend und mit geschlossenen Augen auf dem Boden lagen.

Eret stellte schmunzelnd eine Gegenfrage. «Haben wir das nicht unmissverständlich gesagt?» Dann winkte er ab. «Schon gut. Es ist tatsächlich nicht nur so, dass Nachtschatten allgemein nicht sehr fruchtbar sind. Dazu kommt noch, dass selbst dann ein Weibchen unglaublich selten zu sein scheint.»

«Zum Glück scheint sich aber ein Trend erkennbar zu machen», fügte Viggo breit grinsend an und deutete auf das Nachtschattenbaby mit den weißen Augen. «Wir waren nicht ganz ehrlich. Dieser Schlüpfling hier ist ebenfalls ein Weibchen. Auch so ein Grund für den Tumult vor zwei Tagen. Scheint so, als hätten wir gerade eine Glückssträhne.»

«Und ich einen Alptraum», brummte Haudrauf und kniff sich kopfschüttelnd mit geschlossenen Augen in die Nase.

Fischbein, der zwischendurch seinen Blick auf die Teilnehmer dieses Gesprächs gerichtet hatte, quietschte auf einmal, als er von der Seite angezupft wurde. Als er erschrocken seinen Blick wieder in Richtung der eigentlichen Objekte seiner Aufmerksamkeit richtete, bemerkte er, wie sich das Nachtschattenbaby mit den weißen Augen die kleinen, stumpfen Klauen an seiner Hose wetzte, ihren Kopf gegen sein Bein rieb und schließlich strampelnd auf seinen Schoß zu krabbeln begann.

Währenddessen kniete der dickliche Wikinger nur stocksteif mit weit aufgerissenen Augen da, absolut nicht in der Lage, sich zu bewegen.

Von der Seite wurde er angekichert. Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen, die sich wirklich sehr ähnlich sahen, grinsten ihn frech an. «Sag bloß, du hast Angst vor einem Drachenbaby.» Der Junge grunzte beim Versuch, ein Lachen zu unterdrücken.

Fischbein war sprachlos und bewegungsunfähig, aber Rotzbacke trat heran. «Nicht bewegen, Fischnase, ich regle das», versicherte er ihm und hob schon ein Bein nach vorne an, während er sich nach hinten lehnte, um den kleinen Drachen herunter zu befördern.

Heidrun verdrehte einfach nur die Augen, bückte sich kurz und zog Rotzbacke das noch auf dem Boden stehende Bein nach hinten wegzuziehen, sodass er schreiend nach vorn klappte und auf dem Boden aufschlug.

Stöhnend sah er von dort auf, als er ein helles Knurren hörte, und starrte geradewegs in das rote Augenpaar eines der anderen Drachenbabys. Noch etwas benommen konnte er nicht rechtzeitig reagieren, als der junge Nachtschatten auf sein Gesicht zusprang und dem Wikinger in die Nase biss.

Das heißt… er versuchte zu beißen und zu reißen, aber Rotzbacke musste erstaunt feststellen, dass der Kleine gar nicht beißen konnte. Stattdessen quetschte er einfach nur die Nase des Berkianers.

«Keine Pfähne?», nuschelte er undeutlich.

«Nicht ganz», widersprach Viggo. «Viele andere Drachenarten haben als Jungtiere keine Zähne, und wenn, dann nur ganz kleine, stumpfe. Nachtschatten schon. Nur können sie diese noch nicht ausfahren.»

Sofort wurde Rotzbacke hellhörig. «Ausfahrbare Zähne?», platzte es aus ihm heraus und er setzte sich so schnell wie möglich auf. Es stellte sich heraus, dass er vor lauter Faszination, dass der kleine Drache ihm gar nicht die Nase abreißen konnte, die Hälfte gar nicht mitgehört hatte und aktuell dachte, seine Nase könnte dennoch demnächst das Zeitliche segnen.

Sich aufzusetzen half aber nichts, denn der kleine rotäugige Nachtschatten quetschte sich noch immer mit seinem bloßen Zahnfleisch fest und sein Knurren wurde lauter. Loslassen kam für ihn anscheinend nicht infrage.

«Ja, ausfahrbare Zähne», bestätigte Heidrun. «Es dauert ein paar Wochen, bis die Jungdrachen lernen, wie es geht. Nur zur Info: Deshalb heißt der Drache des Wächters auch Ohnezahn.»

«Da ist ja jemand ganz besonders kreativ gewesen», schnaubte Astrid und verschränkte die Arme.

«Das kann man wohl sagen», lenkte die Kriegerin lachend ein.

Als Fischbein sich wieder daran erinnerte, dass er erneut mehr der Diskussion folgte als den Aktionen der kleinen Nachtschatten, sah er wieder auf seinen Schoß und musste feststellen, dass das junge Nachtschattenweibchen geradewegs eingeschlafen war. Noch nie in seinem Leben war er so ratlos wie in diesem Moment, in dem er sich nicht einmal traute, sich zu bewegen.

«Ist ja echt nett, dass ich meine Nase behalten darf», fing Rotzbacke an und zog an dem kleinen Drachen, der endlich laut knurrend vom Gesicht des Wikingers abließ, nur um sich dann zahnlos an seiner Hand festzubeißen, «aber kann mir den mal jemand vom Hals schaffen?»

«Klar, kein Problem», meinte Heidrun nur schulterzuckend, trat an ihn heran und kniff dem Schlüpfling kurz in den Nacken.

Schlagartig erschlaffte der kleine Nachtschatten und wurde von der Kriegerin sanft auf den Arm genommen, während er scheinbar schlafend und schnurrend die Zunge heraushängen ließ und zufrieden mit einem Bein zuckte.

Rotzbacke stand der Mund offen. «Wie… wie hast du das gemacht?»

Viggo lachte leise. «Das ist vielleicht eine Lektion, die ihr Berkianer noch lernen müsst. Die beste Methode, einen Feind zu besiegen, ist, ihn zu deinem Freund zu machen. Seht euch mal an! Ihr bekämpft die Drachen von früh bis spät und habt keine Ahnung, wie man vernünftig mit einem kleinen Schlüpfling umgeht.»

«Rein theoretisch könnte man ihn einfach…» Rotzbacke machte eine obszöne Geste, bei der er mit seinem Zeigefinger seinen Hals entlangfuhr. Als ihm feindselige Blicke entgegenschlugen, ob er abwehrend die Hände. «Was? Ich meine ja nur!»

Eret übernahm seufzend. «Und hättet ihr ihn rein theoretisch abgemurkst, würde es nicht lange dauern, bis eine sehr wütende und sehr große Nachtschattenmutter hier aufkreuzt und euch allesamt wegkokelt. Mein geschätzter Kollege hier wollte nur sagen, dass wir Methoden kennen, mit den Drachen umzugehen, ohne unsere Leben oder die von anderen Menschen und Drachen zu gefährden.»

«Die Drachen sind unsere Freunde», stellte Heidrun noch einmal klar. «Sie leben bei uns, essen bei uns, schlafen bei uns. Da bekommt man einiges mit. Zum Beispiel Druckpunkte, die einen Drachen augenblicklich einschlafen lassen, wenn er gerade ein wenig… aufgewühlt ist.»

«Man könnte auch sagen», fügte nun ein vorfreudig grinsender Viggo hinzu, «wir haben ein paar „Kniffe“ erlernt.»

Rotzbacke knallte sich die Hand vor die Stirn. «Der Kerl ist schlimmer als es Hicks jemals war…», brummte er nur vor Fremdscham.

«Apropos Hicks», warf Fischbein nun ein. «Erinnert ihr euch noch an unsere Trainingskämpfe in der Arena vor fünf Jahren?»

«Wie könnte ich die je vergessen?», antwortete Taffnuss breit grinsend. «Ich wäre vier Mal fast gestorben. Der reine Wahnsinn!» Der Rest verdrehte die Augen und nickte.

Alle bis auf Raffnuss, die erst jetzt nach einer Ewigkeit mal wieder hochschreckte und aufhorchte. «Hat jemand sterben gesagt? Ich könnte auch sterben für diese massiven, harten-»

Der dickliche Wikinger seufzte kurz. «Was ich sagen wollte: Erinnert ihr euch noch an die Kämpfe, in denen die Drachen vor Hicks einfach umgeklappt sind? Der Gronckel und der Nadder?»

Haudrauf hatte kurz einen fragenden Blick, bevor er wirklich hellhörig wurde. «Willst du damit sagen, er hat von diesen Druckpunkten gewusst?»

«Aber das würde voraussetzen, dass er…» Nun klickte es bei Astrid. «Dass er an einen friedlichen Drachen rangekommen ist.»

Kurz blinzelte Haudrauf, aber dann schüttelte er den Kopf. «Nein, völlig unmöglich. Er hatte einfach Talent mit diesen Biestern. Das ist alles.»

«Oder er hatte doch Hilfe», warf Viggo beiläufig ein.

Heidrun drehte energisch den Kopf zu ihm um und durchbohrte ihn mit Blicken, was von den Berkianern nicht unbeobachtet blieb. Selbst die um die restlichen Nachtschattenbabys befindlichen Kinder wurden beim Namen Hicks still.

«Was genau willst du damit sagen?», fragte der Häuptling langsam und misstrauisch, während der Stratege ihn amüsiert anschmunzelte. Dann starrte er Heidrun und Eret durchdringend an. «Was verheimlicht ihr mir?»

«Einen Moment», warf Heidrun mit knirschenden Zähnen dazwischen. «Ich muss mal kurz mit ihm reden.» Dann ging sie auf Rotzbacke zu und drückte ihm das Nachtschattenjunge geradewegs in die Arme, was mit einem leisen und erschrockenen Schrei beantwortet wurde. «Wenn du ihn fallen lässt, hol ich seine Mutter.»

Mit bleichem Gesicht sah Rotzbacke ihr erst hinterher, als sie Viggo zur Seite holte, und sah dann auf das Drachenjunge herab, das glücklicherweise noch friedlich schlief und hielt es vorsichtshalber auf halber Armlänge Abstand, während er sich mit einem hilfesuchenden Blick umsah.

Währendessen kraulte Fischbein weiter unterbewusst das Drachenjunge, wandte sich aber stirnrunzelnd an seinen Häuptling. «Das war… seltsam. Keine Ahnung, was ich davon halten soll.»

«Eins steht fest», murmelte Astrid nachdenklich und skeptisch. «Die wissen etwas über Hicks, das wir nicht wissen.»

«Kein Wunder», kam es knurrend von Haudrauf. «Der Nachtschatten ihres Wächters hat meinen Sohn getötet.»

Astrid schüttelte langsam den Kopf. «Das wissen wir nicht.»

«Du schenkst doch nicht etwa dem Glauben, was dir dieser Wächter beim letzten Angriff eingeflüstert hat?», entgegnete der Häuptling mit einem scharfen Blick. «Und selbst wenn sie ihn nicht getötet haben, so wissen sie doch zumindest, wo er ist.»

«Dann halten wir einfach die Ohren weiter offen und schauen mal, was sie sagen. Vielleicht erfahren wir so etwas darüber, wo sie ihn versteckt gefangen halten», riet ihnen Fischbein.

«WENN sie ihn irgendwo gefangen halten», korrigierte der berkianische Häuptling stur.

Die Erfahrung, dass die Beschützer allem Anschein nach über seinen Sohn Bescheid wussten, erweckte in Haudrauf nicht gerade Vertrauen. Im Gegenteil: Gegenüber ihren „Gastgebern“ war er nun nur noch misstrauischer geworden.

«Wegen Hicks müssen wir gar nicht die Ohren offenhalten», meldete sich nun Taffnuss zum Unverständnis Aller zu Wort. «Da kommt er doch.»

«Wer, Hicks?», hakte Astrid mit einem fragend verzogenen Gesicht nach.

Bevor der männliche Zwilling auch nur den Mund aufmachen konnte, landete irgendetwas Schweres hinter ihnen.

Wie sich herausstellte, waren das der Wächter und sein treuer Nachtschatten. Oh, und vielleicht noch die drei Glutkessel hinter ihm.

«Nö!», warf dieser nun dazwischen. «Aber der über alle Maßen vermisste Wächter.»

«Da bist du ja endlich!», rief Heidrun und kam sogleich fluchend angestapft. «Kannst du bitte unserem Schwachmatenfreund von Strategen ein wenig Vernunft einprügeln und ihm sagen, dass das Thema viel zu früh kommt?»

Der amüsierte Blick des Wächters verzog sich langsam erkennbar hinter der Maske, während sich seine grünen Augen auf Viggo richteten. «DAS Thema?», hakte er noch einmal nach, um sich abzusichern. Sein brandvernarbter Freund nickte entschieden mit einem unlesbaren Gesichtsausdruck. «Bist du sicher? Wir hatten zwar abgemacht, dass du den Schubser gibst, aber… Es ist wirklich noch recht früh dafür.»

«Ich bin mir sicher. Du hast viel aufgewirbelt, mein Freund», antwortete Viggo nun mit dem schwer erkennbaren Hauch eines Schmunzelns. «Aber wenn sie einigermaßen Vertrauen fassen sollen, dann sagen wir ihnen besser möglichst früh, was wir sagen können.»

«Was wird das?», brachte sich nun Haudrauf aufgebracht dazwischen. «Was soll dieses Gerede über meinen Sohn? Was wisst ihr über Hicks?»

Für einen Moment war der Wächter still und sah Viggo weiter an, der ihn nur zusichernd annickte. Dann nahm er einen tiefen Atemzug, setzte sich wieder gerade auf seinen Drachen und ließ seinen Blick dann über die Berkianer schweifen – bei Raffnuss verdrehte er aus offensichtlichen Gründen kurz die Augen – bis seine Augen an Haudrauf hängen blieben.

«Wir wissen jede Menge über den Erfinderischen.»
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Puh, also eigentlich wollte ich in der Handlung noch etwas weiter kommen, aber dieses Kapitel hat nun schon fast 7.600 Wörter. Außerdem wollte ich den Upload auch nicht weiter hinauszögern.

Zumindest ein kleiner Cliffhanger ist mir noch gelungen, den ich im nächsten Kapitel (das so schätzungsweise dann rauskommt, wenn Queen Elizabeth II. das Zeitliche segnet (also nie)) richtig schön ohne irgendwelches Zwischen-Tamtam für einen kleinen Handlungssprung nutzen kann.

Oh, und dann hat vielleicht noch jemand mit reingespielt, dem ich letzte Woche eigentlich versichert hatte, dass das nächste Kapitel so in „3-7 Tagen“ rauskommt XD

Unerhörterweise hat dieses Individuum noch die Frechheit besessen, mir vor einer Stunde nochmal zu schreiben, warum es denn immer noch nicht da ist!!1elf
(Aber ganz lieb und mit vielen Emojis.)

Da will ich auch einmal in meinem Leben so cheeky sein und das Kapitel einfach hochladen.

Frechheit siegt.

LG Haldinaste ;)
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