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Der Wächter des Flügels

GeschichteFamilie / P16 / Gen
Astrid Hofferson Haudrauf der Stoische Heidrun Hicks der Hüne Ohnezahn
08.01.2018
01.04.2021
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09.06.2020 8.006
 
Long time no see :p
Aber jetzt erst einmal viel Spaß beim Lesen. Aufregen ist später XD

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„Weißt du, Hicks… Es ist schon ein bisschen unheimlich, jemandem beim Schlafen zuzuschauen.“

Der Angesprochene schrak auf, blinzelte kurz und drehte sich ertappt um. „Hm?“

Er blickte direkt in Heidruns grinsende Miene, die in Richtung der vor ihm schlafenden Astrid nickte. Seit dem vorigen Abend lagen die sieben schiffsbrüchigen Berkianer in der Heilerhütte und schliefen. Mittlerweile war es früher Nachmittag und Hicks saß inzwischen sicher schon ein paar Stunden dort. Er saß auf einem Hocker und betrachtete die Mitglieder seines ehemaligen Dorfes, vorrangig jedoch eine Person.

„Na komm schon raus hier“, sprach sie und legte ihm lächelnd eine Hand auf die Schulter. „Anstarren kannst du sie noch später. Wir haben ein Duell auszutragen.“

Hicks jedoch regte sich nicht, sondern starrte die schlafende Blondine weiter nachdenklich an.

Nun machte sich Heidrun wirklich Sorgen. Sie zog eine Augenbraue hoch, während sie sich neben ihn stellte, die Hand noch immer auf seiner Schulter, und sich langsam in sein Sichtfeld lehnte. „Hey… alles in Ordnung?“

Für eine Weile sagte er weiterhin nichts, bevor er sich schwer ausatmend mit beiden Händen durch die Haare fuhr und sie schließlich in seinem Nacken liegen ließ. „Was machen wir nur mit ihnen…“, murmelte er.

Die Schwarzhaarige zuckte nur mit den Schultern. „Ganz einfach. Wir päppeln sie auf, setzen sie auf ein Boot und lassen sie wieder zurück nach Berk schippern.“

Hicks schnaubte und schüttelte mit einem müden Lächeln den Kopf. „So simpel ist es leider nicht und das weißt du auch. Hast du schonmal darüber nachgedacht, wie sie zu unseren Drachen stehen werden?“

Heidrun legte den Kopf schief und verschränkte ihre Arme. „Guter Punkt… Wenn sie bemerken, was wir hier machen – und das werden sie – dann werden sie nach Hause segeln und uns als Feinde betrachten, wohl wissend, wo wir sind.“

Der Wächter nickte, beugte sich auf seinem Hocker nach vorn und stützte sein Kinn auf den Handballen ab, während er seine Ellenbogen auf die Knie stützte. „Diese Insel hat Frieden verdient, genau wie die Drachen. Genau davon müssen wir sie also überzeugen. Da gibt es nur ein Problem…“

„Sie werden dich sehen“, vervollständige Heidrun und nickte mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Und zwar entweder als Drachenreiter, der alle paar Wochen den Drachen hilft, ihr Dorf anzugreifen, oder-“

„Oder als Hicks, den totgeglaubten Jungen von Berk und rechtmäßigen Nachfolger von Haudrauf dem Stoischen“, sagte er in einem halbherzig-spöttischen Tonfall und rieb sich seufzend die Stirn. „Was deutlich schlimmer wäre, aber eher für mich als für den Rest von euch. Sie wollen ihn unbedingt zurück… Beide Optionen werden garantiert nicht friedlich verlaufen und sie werden möglichst bald nach Hause segeln, um entweder eine Expedition zu veranlassen, um uns zu überfallen oder um eine Expedition zu veranlassen, um uns zu überfallen und den kleinen Hicksi nach Hause zu bringen.“ Er rieb sich seufzend über die Augen.

„Könnten wir sie nicht zwangsweise hierbehalten?“, schlug Heidrun vor, doch Hicks schüttelte energisch den Kopf.

„Nein. Nein, das wäre wohl die schlechteste aller Möglichkeiten“, widersprach er und führte weiter aus. „Erstens würde man sie auf Berk entweder vermissen oder sie für tot erklären. Das bedeutet, sie werden entweder Suchtrupps ausschicken und Berk schutzlos zurücklassen oder sie werden sich verschanzen.“

„Und Letzteres ist schlecht, weil…?“, fragte Heidrun langsam nach, aber ihr Kumpane vervollständigte sofort.

„Weil wir ihren einzigen Schmied haben.“ Er deutete auf den ruhenden Grobian. „Kein Schmied, keine Waffen. Keine Waffen, keine Verteidigung. Keine Verteidigung… du verstehst. Und zweitens würden uns diese sieben hier das echt übelnehmen, wenn wir sie hier festsetzen und dann stehen wir wieder ganz am Anfang.“

So schwiegen sie sich eine Weile an, bevor Heidrun schnaubte und seufzte. „Was für ein fieses Durcheinander…“

Hicks stimmte brummend zu und grübelte weiter, also zog sich die Schwarzhaarige nun auch einen Hocker herbei und gesellte sich sitzend zu ihm.

Nach einiger Zeit hörten sie die Tür knarzen und drehten sich gemeinsam um. Hervor lugte Viggo mit dem kleinen Schrecklichen Schrecken Scharfschuss auf der Schulter, dessen Miene sich sofort erhellte, als er Hicks erblickte. Währenddessen quietschte der kleine Schrecken kurz, bevor er auf Heidruns Schoß zusegelte, auf dem er es sich zunächst gemütlich machte und umgehend in den Genuss von Streicheleinheiten kam. „Hier bist du also, du alter Drückeberger“, gab der Ältere schmunzelnd von sich und lehnte sich in den Türrahmen. „Ich hab dich schon gesucht. Wir wollten doch heute unser kleines-“, begann er, unterbrach sich dann aber selbst, als er Heidrun ansah und schien kurz zu grübeln, als wolle er nicht zu viel verraten, bevor er fortfuhr, „unser kleines Projekt fortführen.“

„Ist gerade etwas schwierig, Viggo“, entgegnete Hicks lächelnd, sah aber nicht zurück und starrte weiter nur geradeaus, geradewegs über die Schlafenden hinweg, die Wand an. „Es sei denn, du hast für unser Problem hier eine Lösung.“ Der Ältere wollte gerade einen Vorschlag unterbreiten, als der Wächter ihm zuvorkam. „Nein, alter Freund, wir können sie hier nicht einfach fortschicken und wir können sie nicht festsetzen, weil sie dann entweder Hicks oder den Wächter sehen werden. Alle drei Möglichkeiten resultieren in feindlichen Auseinandersetzungen.“

Sie konnten das Geratter in Viggos Kopf quasi hören, während er an sie herantrat und sich nachdenklich umsah. „Weder Hicks noch den Wächter, hm?“, wiederholte er langsam und strich sich bedächtig zum Teil über den Bart, stückweise aber auch über die Brandnarben, bevor er einen Vorschlag von sich gab, der ihm Blicke einbrachte, die ihn wortlos fragten, ob er den Verstand verloren habe: „Warum stellen wir ihnen nicht beides in Aussicht?“
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Einige Stunden später war es dann soweit. Astrid schlug langsam die Augen auf und bedeckte der Helligkeit wegen stöhnend ihre Augen. Ihre Ruhe war zwar lang, aber nicht unbedingt das, was man als erholsam bezeichnet hätte.

Als sie schließlich zumindest blinzeln konnte, ohne dass das Licht ihr Schmerzen bereitete, setzte sie sich langsam auf und fuhr sich vornübergebeugt mit beiden Händen über die Augen, bevor sie den Blick hob und nach einer Weile erst einmal erkannte, dass sie ganz sicher nicht auf Berk war. Sie war in irgendeiner Hütte.

In einem Anflug von Panik versuchte sie sich zu erinnern. Vor ihrem geistigen Auge flogen die Geschehnisse nur so vorbei… Die Suche nach dem Nest… Das einsame Herumschippern… Der Sturm… Ein Drache und dann eine Monsterwelle… Dann eine Mischung aus Kälte, lauten Rufen, Donnergrollen und Nässe… Dunkelheit… Doch dann…

Ihr Atem beschleunigte sich, als sich Astrid hektisch umsah und schließlich innehielt, als nicht einmal drei Meter von ihr entfernt eine vollständig in Schwarz gehüllte Gestalt über einen Tisch gebeugt saß und zu schreiben schien.

In diesem Sturm… da war doch jemand! „Hicks?“, brachte Astrid mit großen Augen heraus und sie starrte mit großen Augen die schwarze Gestalt von hinten an. Sie konnte sehen, wie seine Schultern hochzuckten, bevor er sich langsam umdrehte.

Sie lehnte sich fast in sein Blickfeld, als ob ihr das Herumdrehen ganz einfach zu langsam ging. Dann sah sie in rehbraune Augen.

Enttäuschung war die Folge. Sie konnte den Rest seines Gesichts aufgrund eines Stoffschleiers, der ihm bis unter die Augen ging, nicht sehen, aber Hicks hatte eindeutig grüne Augen, nicht braune. Kaum merklich sank Astrid wieder zusammen und atmete tief durch. „Entschuldige, ich dachte nur, du wärst-“ Sie kam noch nicht einmal dazu, ihren Satz zu Ende zu bringen, da richtete sich ihr Gegenüber rapide auf und starrte sie für einen kurzen Moment an, bevor er sich von ihr abwandte und die Hütte verließ. Die Tür jedoch blieb offen.

Verständnislos blinzelte die junge Frau ihm hinterher und wollte gerade aufstehen, um ihn sowohl wegen seines seltsamen Verhaltens als auch aufgrund ihres Aufenthaltsortes zur Rede zu stellen, bis ihr die Idee kam, vielleicht sich selbst erst anzusehen, bevor sie nach draußen rennen würde.

Sie stand auf wackeligen Beinen, als sie an sich herabsah und erkannte, dass sie in einer Art knielangen Robe, die auch als eine Art Nachthemd hätte durchgehen können, gekleidet war. Einerseits war sie daher erleichtert, dass sie überhaupt großartig etwas anhatte, andererseits fragte sie sich gleichzeitig, wo zum Henker ihr eigenes Zeug war. Und noch wichtiger: Ihre Axt.

Inzwischen hatte sie bereits genügend Zeit verschwendet und beschloss für sich, dass es keinen Zweck hätte, dem seltsamen Mann von eben hinterherzurennen. Stattdessen zuckte sie mit den Schultern, sah sich kurz um und erkannte erst jetzt, dass die restlichen sechs sich erstens unter demselben Dach befanden wie sie und dass sie zweitens selbst noch nicht wach waren.

Die Entscheidung zwischen der Erkundung des Ortes, an dem sie sich befanden, auf eigene Faust und dem Aufwecken ihrer Stammesmitglieder fiel ihr nicht schwer.

„Hey Raff! Wach auf“, raunte sie und schüttelte den weiblichen der Zwillinge an einer Schulter, bis auch sie wie Astrid vorher müde blinzelte und sich irgendwann aufrichtete.

„Astrid… was ist denn?“, brummte sie sichtlich unzufrieden, unfairerweise geweckt worden zu sein, bevor auch sie einen verwirrten Blick machte, als sie sich umsah. „Wo sind wir hier?“

„Keine Ahnung“, murmelte die etwas wachere Blondine und runzelte die Stirn. „Aber ich glaube, wir werden es gleich herausfinden. Komm, hilf mir, die Anderen aufzuwecken!“

Die folgenden Aufweckmethoden fielen durchaus unterschiedlich aus. Taffnuss wurde von seiner Schwester mit einer kräftigen Schelle geweckt, Fischbein wollte anscheinend nicht so recht aufwachen und erhielt einen nahestehenden Eimer Wasser über den Kopf, Rotzbacke faselte irgendetwas von wegen „Schönheitsschlaf“ und Haudrauf wiederum schaffte es zwar unter unzufriedenem Gebrumme, aber irgendwie schien er noch unzufriedener, dass sie nicht mehr auf hoher See waren.

Und dann war da noch Grobian, der einfach nicht aufwachen wollte, egal was sie versuchten.

„Er atmet“, stellte ein verwunderter Haudrauf fest und fühlte dann besorgt die Stirn seines alten Freundes ab, während der Rest ratlos um ihn herumstand. „Und kein Fieber. Seltsam… Eigentlich sollte er wach werden…“

„Wird er aber nicht. Und zwar für eine ganze Weile, fürchte ich“, erklang es auf einmal aus Richtung der Tür, sodass alle sechs Köpfe herumfuhren.

Dort standen Königin Mala in ihrer üblichen Montur, flankiert von ihrem Leibwächter Trok, der die Berkianer misstrauisch beäugte, und dem braunäugigen Mann in Schwarz.

Haudrauf machte einen Schritt auf sie zu und er sah nicht glücklich aus. „Wer seid Ihr? Wo sind wir? Und was meint Ihr damit?“

Trok sah aufgrund der barschen Herangehensweise des Rothaarigen ebenfalls nicht sehr zufrieden aus, vor allem, da er ganz genau wusste, wen er da vor sich hatte.

Mala hingegen sah das Ganze ein wenig entspannter. „Ich bin Mala, Königin der Beschützer des Flügels und der Vulkaninsel, auf der wir uns momentan befinden.“

„Vulkaninsel…“, schnaubte Rotzbacke leise, als er sich zu Taffnuss herüberlehnte. „Was Besseres ist denen nicht eingefallen?“

„Warum nicht gleich Erdhügelland oder Baumfleck?“, meinte dieser grinsend und pflichtete ihm bei. Irgendwie gelangte eine flache Hand klatschend gegen seinen Hinterkopf.

Diese Hand gehörte zu Raffnuss, wie sich herausstelle. „Blödmann!“, zischte sie augenrollend.

„Ich weiß ja nicht wie’s euch geht, aber mich wundert eher der Teil mit den Beschützern des Flügels“, warf Fischbein leise dazwischen. „Davon habe ich noch nie gehört…“

Mala überging das Gespräch der drei einfach. „Was euren Freund hier angeht: Ihn hat es etwas ernster erwischt als euch. Als er aus dem Wasser gezogen wurde, war er völlig unterkühlt und hatte viel Wasser geschluckt. Den Schätzungen unserer Heiler zufolge wird Grobian noch einige Tage brauchen. Vielleicht zwei Wochen.“

„Grobian?“, wiederholte Astrid stirnrunzelnd. „Woher kennt Ihr seinen Namen?“

Nun sahen auch die anderen aus, als hätten sie gerne ein paar Antworten. Das Lächeln der Königin verhärtete sich leicht, als sie ihre Augen leicht zusammenkniff.

„Astrid Hofferson, richtig?“, sprach sie, klang aber nicht so, als würde sie eine Antwort erwarten. Die Berkianer schauten überrascht drein, während Mala ihren Blick über sie alle schweifen ließ. „Ich kenne eure Namen. Vor allem den Euren, Haudrauf der Stoische.“

„Aber woher?“, platzte es aus Raffnuss heraus, bevor sie eine wissende Miene aufsetzte. „Oooh… Ich verstehe! Wir sind berühmt!“, stellte sie fest und wandte sich mit einem begeisterten Blick an ihren Bruder, der sich über das Kinn strich.

„Gut möglich, Schwester Nuss“, entgegnete Taffnuss mit philosophischem Blick und verschränkte die Arme. „Doch die Frage bleibt: Warum wissen wir nichts von einem Volk mit derart kuriosem Namen und einer Königin?“

„Korrekt, Bruder Nuss, korrekt. Das ist durchaus verdächtig…“

„Hat Taffnuss eben tatsächlich eine relevante Frage gestellt?“, kam es verständnislos von Fischbein, der sich an Rotzbacke wandte, welcher aber auch nur verständnislos mit den Schultern zucken konnte.

„Sehr richtig, mein beleibter Fischfreund.“ Fischbein erschrak heftig, was einen kurzen, hohen Schrei zur Folge hatte, als Raffnuss ihn urplötzlich von der Seite anquatschte und ihn an der Schulter packte. „Auch er hat eben so seine Momente, auch wenn man nicht sehr oft in ihren Genuss kommt.“

Der dicke Wikinger starrte Raffnuss an, als hätte er sie zum ersten Mal gesehen. Er verstand die Welt nicht mehr.

„Das war Hicks, oder?“

Schlagartig verstummten alle Gespräche. Alle Augen waren von einem Moment auf den anderen auf Astrid gerichtet, die mit ihren Worten auf einmal einen gedanklichen Tumult ausgelöst hatte.

Die gleichaltrigen Wikinger sahen sie an, als wäre ihr ein zweiter Kopf gewachsen, während Haudrauf kopfschüttelnd stöhnte, als wollte er nicht, dass sie dieses Thema zum dritten Mal in zwei Wochen ansprach.

Die Reaktionen von Trok, Mala und dem Unbekannten fand sie jedoch ungewöhnlich. Der Vermummte mit den braunen Augen hatte nur die Arme hinter seinem Rücken verschränkt und starrte auf seinen Zehen wippend die Decke über ihnen an, während Trok einen Seitenblick auf Mala warf, die wiederum einen völlig neutralen Gesichtsausdruck bewahrte.

Haudrauf wollte gerade etwas sagen, als die Königin ihm zuvorkam und einmal schnippte, woraufhin mehrere Beschützer die Hütte betraten. In ihren Armen waren die Sachen der Berkianer, welche ihnen auf die Betten gelegt wurden. Dann verschwanden die Vermummten wieder nach draußen.

„Ich nehme an, ich liege richtig in der Annahme, dass ihr es vorzieht, bei uns zu bleiben, bis euer Freund aufwacht“, begann Mala und deutete mit einem hinweisenden Nicken auf Grobian. „Erlaubt mir also, euch unsere Insel vorzustellen.“

„Hallo Insel, ich bin Taffnuss.“ Niemand lachte.

„Schafskopf!“, kam es von seiner unamüsierten Schwester, die ihm gleich nochmal eine über den Hinterkopf zog.

„Vor zwei Minuten hat er mir ehrlich gesagt besser gefallen“, merkte Fischbein leise an.

Währenddessen sah Astrid über ihre Sachen und bemerkte schließlich, was fehlte. „Was ist mit unseren Waffen?“, fragte sie stirnrunzelnd in Richtung der Königin.

Diese rollte kurz mit den Augen, ließ sich aber ansonsten nichts anmerken. „In diesem Dorf werdet ihr keine Waffen tragen. Ihr seid Gäste, keine Bewohner.“ Astrid machte den Mund auf, um etwas dazwischenzuwerfen, doch Mala unterbrach sie mit einer schnellen Handbewegung und fuhr sogleich fort. „Außerdem hat es keinen Zweck, darüber zu diskutieren. Euer Schiff ist gesunken und damit alles, was an Bord war.“

Eine Nachricht wie diese musste kurz sacken. Besonders bei der blonden Schildmaid. Die Axt hatte bereits ihrer Mutter gehört. Aber nun hatte sie sie verloren.

„Und womit sollen wir uns dann verteidigen?“, hakte Haudrauf mit zusammengezogenen Augenbrauen nach.

„Wogegen solltet ihr euch auf unserer Insel verteidigen müssen?“, entgegnete Mala schmunzelnd.

„Drachen natürlich!“

Für einen Moment blieb die Königin still, bevor sie seufzte. „Ich erwarte euch draußen. In fünf Minuten.“

Mit diesen Worten verließ das Trio die Hütte, doch nicht bevor Trok noch einmal einen stirnrunzelnden Blick zurückwarf.

Es dauerte nicht lange, nachdem die Tür zufiel, bis sich Fischbein zu Wort meldete. „Das war ja schräg…“

„Das kannst du laut sagen“, pflichtete Rotzbacke ihm bei.

Haudrauf jedoch hatte ein ganz anderes Problem und drückte sich mit geschlossenen Augen zwei Finger gegen das Nasenbein. „Du musstest aber auch unbedingt wieder auf Hicks zu sprechen kommen, was, Astrid?“

„Hat wohl ein bisschen zu viel Wasser geschluckt“, merkte Taffnuss an und erhielt den gefühlt neunten Hieb gegen den Hinterkopf.

„Schwachmat!“, schimpfte seine Schwester, sah die blonde Schildmaid aber fragend an.

„Ich schwöre euch, ich habe ihn gesehen!“

„Wann das denn?“

„Als wir aus dem Wasser gezogen wurden!“

Kurze Stille. „Definitiv zu viel Wasser geschluckt.“ Klatsch!

Haudrauf seufzte. „Du willst uns also erzählen, dass du Hicks gesehen hast.“ Nicken. „Nachdem wir eine Ewigkeit im Wasser herumgetrieben sind und vor Erschöpfung, Nässe und Kälte fast gestorben sind?“ Das Nicken wurde vorsichtiger. „Und du glaubst dir das selbst?“ Sie schwieg und er seufzte erneut. „Komm Astrid, du bist besser als das…“

„Ich will ja nicht dazwischenfunken“, meldete sich Fischbein leise von der Seite zu Wort, „aber die haben schon ziemlich seltsam auf den Namen Hicks reagiert.“

Es entstand eine kurze Grübelpause, bis Haudrauf genervt den Kopf schüttelte. „Zieht euch einfach um. Wir werden draußen erwartet.“
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„Schaut mal, da sind sie doch schon“, war das erste, was sie hörten, nachdem sie die Heilerhütte verließen. Kurz mussten sie sich allesamt an das helle Licht der Mittagssonne gewöhnen, bevor sie klar sehen konnten.

Wie erwartet standen in einigem Abstand vor ihnen die Königin und Trok, doch dieses Mal standen an ihrer Seite zwei weitere, maskenlose Gestalten. Der eine hatte zu einem kurzen Pferdeschwanz zusammengebundenes Haar und am Kinn eine blaue Streifentätowierung. Er war etwas breiter und höher gebaut als der andere, dessen auffälligstes Merkmal eine verbrannte Gesichtshälfte war. Beide trugen die hier anscheinend übliche Kleidung, abgesehen von einigen individuellen Änderungen.

Der Hüne hatte an seinem Gürtel mehrere kleine Beutel und an seinem Oberschenkel war ein kunstvoll geschnitztes Blasrohr. Mit Eisenstacheln versehene Schulterschützer hatte jedoch der Andere. Ebenso hing an seiner Seite ein Schwert mit aufwändig verziertem Griff. Ein Rubin schmückte den Knauf.

Er war auch der Mann, der die Königin auf ihre Ankunft hingewiesen hatte.

„Ihr seid spät dran“, brummte die Leibgarde.

Haudrauf zuckte kurz mit den Schultern. „Es gab einige… Verwirrungen, die wir ausdiskutieren mussten.“

„Das kann ich verstehen“, gab nun die Königin schmunzelnd von sich und holte mit ihrem Arm weit aus, wie eine Einladung, dass sie sich umsehen sollten. „Nun aber offiziell: Willkommen auf der Vulkaninsel.“

Die Berkianer ließen ihre Blicke schweifen. Manche mehr, manche weniger aufmerksam. Fischbein und Astrid fielen eine seltsame Säule mit einer darauf befindlichen Skulptur eines ihnen unbekannten Drachen inmitten des Dorfplatzes auf. Ungewöhnlich, aber nicht komplett fragwürdig. Die Berserker hatten immerhin auch einen recht seltsamen Kult rund um den Skrill. Vielleicht war es bei diesem Völkchen ähnlich.

„Wenn ich richtig in der Annahme liege, dass ihr ohne euren Freund nicht abreisen wollt, dann könnte eine kleine Inselführung nicht schaden, nicht wahr?“, fragte Mala und schmunzelte.

Der berkianische Häuptling nickte nachdenklich. „Ja, ich denke, das wäre zumindest nicht schlecht.“

„Dann erlaubt mir, euch zwei meiner besten und treuesten Männer vorzustellen. Da hätten wir einmal Eret, Sohn von Eret, den Kopf aller unserer Spähtrupps“, der breitschultrige Mann nickte anerkennend, während Raffnuss auf einmal große Augen bekam und plötzlich auf eine sehr… seltsame Art und Weise dem Mann zuzwinkerte, „und Viggo, unseren klugen Kopf und Meisterstrategen.“ Eben jener lächelte schief, was wohl auch ein wenig seiner vernarbten Gesichtshälfte zu verdanken war.

„Wer war der in der Heilerhütte?“, fragte Fischbein rein aus Neugierde.

„Oh, das war der Flinke“, antwortete Mala beiläufig.

„Der… äh… was?“, fragte Rotzbacke verwirrt nach und zog eine Augenbraue hoch.

Viggo lachte leise. „Dazu gleich mehr. Das hat ein wenig mit den hiesigen Bräuchen zu tun.“

„Richtig“, ergänzte die Königin und lachte ebenfalls kurz. „Also dann, erlaubt mir, euch ein wenig herumzuführen.“

Während sie also die gewöhnlichen Gebäude abklapperten, also zum Beispiel die Schneiderei, die Schmiede und die Drechslerwerkstatt, machte sich Taffnuss räuspernd bemerkbar, während seine Schwester viel lieber Eret schöne Augen machte.

„Also… wie war das jetzt mit den Namen? Warum der Flinke?“

„Möchtest du erklären, Viggo?“, fragte die Königin.

„Sicher.“ Der Angesprochene nickte. „Lass mich mit einer etwas philosophischeren Frage anfangen. Warum heißt du Taffnuss?“

„Hä?“ Der männliche der beiden Zwillinge wusste nicht, worauf sein Gegenüber hinauswollte. Als er den Mann eine Weile verwirrt anstarrte, entschloss er sich, die Frage einfach zu beantworten. „Naja… Weil meine Eltern wohl meinten, der Name passt. Irgendwie…“

„Ja, aber warum meinten sie, dass er passt?“, fuhr Viggo fort, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten. Stattdessen redete er nach einer kurzen Pause einfach weiter, nachdem er wie erwartet feststellte, dass niemand auf die Frage etwas entgegnen konnte. „Warum diese Namen? Haudrauf, Fischbein, Astrid, Raffnuss, Taffnus und Rotzbacke? Oder Grobian?“

„Keine Ahnung“, sprach Fischbein nun ehrlich und Viggo grinste.

„Exakt. Es gibt eigentlich keinen Grund, so zu heißen. Oder hat hier jemand ein Fisch als Bein?“ Auch hier bekam er keine Antwort. „Wie erwartet. Nun, auf dieser Insel wird in der Hinsicht etwas anders gedacht.“

„Und wie macht ihr es?“, kam prompt die Frage, auf die er bereits gewartet hatte, von Astrid.

„Ganz einfach. Wir benennen uns nach Eigenschaften, die zu uns passen. Versteht mich nicht falsch, jeder hat natürlich seinen eigenen Namen, aber der wird höchstens innerhalb der Familie ausgesprochen. Der Mann, den hier vorhin in der Hütte gesehen habt, wird der Flinke genannt, aber sein richtiger Name ist das Geheimnis seiner Familie.“

„Aber warum denn so umständlich?“, fragte Haudrauf und schüttelte langsam den Kopf.

„Ist es das? Oder erscheint es euch nur so, weil ihr es anders gewohnt seid?“, fragte Viggo nach und schmunzelte dann. „Der Grund für diese – zugegeben ungewöhnliche – Art der Namensgebung ist simpel. Zum Ersten verändern sich Menschen ständig. Jemand, der vor zehn Jahren noch freundlich und aufgeschlossen war, kann später verbissen und starr sein. Entsprechend werden die Namen nach einiger Zeit angepasst.“

„Also heißt so einer dann nicht der Freundliche, sondern der Verbissene, oder was?“, kam es überraschenderweise ausgerechnet von Taffnuss.

„Nicht ganz“, widersprach Viggo und legte den Kopf schief. „Auf dieser Insel wird sich größte Mühe gegeben, die beste Eigenschaft eines Menschen in seinen Namen zu verwandeln. Aber gut, dass du es ansprichst. Oh, und was ich noch sagen wollte:“, fuhr er fort, „Zum Zweiten legen wir hier großen Wert darauf, jeden Namen einzigartig zu halten. Es kann also nur einen Flinken auf einmal geben. Ganz einfach aus dem Grund, dass wir hervorheben möchten, dass jeder auf seine Art einzigartig und wertvoll ist. Jeder hat seine Schwächen, aber auch seine Stärken.“

„Einen Moment“, warf Fischbein dazwischen. „wenn ihr jeden nach einer Eigenschaft benennt und die richtigen Namen Geheimnisse der Familien bleiben, warum habt ihr euch dann nicht mit Eigenschaften vorgestellt?“

Viggo lachte und zuckte mit den Schultern. „Du kannst auch gerne mich den Gerissenen, Eret den Geschickten, Trok den Treuen und Mala die Scharfsinnige nennen. Aber auch das hat einen Grund. Für besondere Taten und besondere Stellungen in diesem Stamm kann man veranlassen, nicht durch seine Eigenschaft, sondern nach einem Titel benannt zu werden. Und ist die Tat oder die Stellung eine ganz besondere oder einzigartige, so wird der echte Name bekanntgegeben. So kommt es dann zustande, dass ich der Stratege bin und Eret der Späher, Trok der Beschützer und Mala die Königin genannt werden.“

„Diese Insel und ihre Leute sind komplett verrückt“, warf Raffnuss dazwischen und lehnte sich mit so etwas Ähnlichem wie Schnurrlauten zum etwas perplexen Eret herüber. „Ich mag es.“

„Wir stecken voller Überraschungen“, meinte Viggo mit einem andeutenden Grinsen.

„Und äh…“, begann Fischbein und versuchte, die richtigen Worte zu finden, „wie würdet ihr jemanden nennen, der tollpatschig ist, mit seinen Erfindungen mehr Schaden als Nutzen schafft und einen etwas schmächtigen Körperbau hat?“

Mala, die genau wusste, worauf – oder auf wen – er hinauswollte, verengte die Augen und wählte ihre Worte mit Bedacht. „Lass es mich so ausdrücken: Mein Volk hatte seit der Besiedelung dieser Insel noch nie ein Problem damit, einen nach unseren Bräuchen passenden Namen für jemanden zu wählen. Jene, die keine Idee für einen Namen hatten, kannten diese Person ganz einfach nicht. Das ist zwar keine Antwort auf deine Frage, aber-“

„Ich glaube, ich habe schon verstanden“, unterbrach Fischbein die Königin kleinlaut und wurde vor Scham ein wenig rot.

„Gut“, meinte Mala mit einem die Stimmung auflockernden Lächeln, als sie wieder den Dorfplatz erreichten. „Dem aufmerksamen Beobachter wird vielleicht die Statue dieses Drachen aufgefallen sein.“

Dies war nun der Moment, in dem die gesamte sechsköpfige Gruppe nach oben starrte. Naja, im Falle von Raffnuss doch eher halbherzig, wo es doch so viel interessantere Dinge zu sehen gab. Dinge in Form eines Bizeps zum Beispiel. Eines wirklich sehr, sehr großen Bize-

„Er wird Eruptodon genannt. Eine äußerst seltene Drachenart“, erklärte die Königin. „Einige Male größer als ein Gronckel mit vulkansteinartigen Schuppen und mit einem ausgesprochenen Appetit für geschmolzenen Stein.“

„Das Ding FRISST Lava?“, rief Fischbein erstaunt und tastete seine Seiten ab, auf der Suche nach irgendetwas, mit dem er schreiben konnte. „Das ist ja der Wahnsinn!“

„Papier und Kohle gefällig?“, schlug Viggo vor und hielt dem etwas rundlichen Wikinger sogleich einen Kohlestift, seine eigenen Notizblätter und eine Unterlage vor die Nase, die dieser sofort danken annahm und anschließend darauf zu kritzeln begann.

„Wie selten genau sind diese Drachen?“, fragte Rotzbacke nach.

„Nun, seltener als Nachtschatten jedenfalls…“, gab schließlich auch mal Eret von sich, der die ganze Zeit versuchte, eine akzeptable Distanz zu Raffnuss herzustellen.

Astrid horchte auf. „Es gibt in diesen Gewässern einen Nachtschatten? Habt ihr ihn gesehen?“

„Mehr als einen und wir haben sie mehr als nur gesehen“, kam es vom schmunzelnden Viggo.

„Wisst ihr, wo sich dieser Eruptodon befindet? Vielleicht können wir helfen?“, bot Haudrauf an, die Existenz von Nachtschatten völlig ignorierend, doch Mala winkte ab.

„Nein, eure Art von Hilfe wird hier nicht nötig sein“, entgegnete sie, ohne klarzustellen, was sie eigentlich damit genau meinte. „Aber wir wissen, wo er ist.“

„Und wo?“

„Da hinten“, antwortete Trok beiläufig und konnte sich ein kurzes Grinsen nicht verkneifen, als die Berkianer seinem Blick folgten und auf den großen Vulkan auf ihrer Insel starrten.

Man konnte die Verwirrung allen ansehen, als der sehr ernste Leibwächter auf einmal auf einmal etwas derart Unglaubwürdiges und Unfassbares sagte, sodass sich Rotzbacke nach einem kurzen Kopfschütteln mit geschlossenen Augen zu Trok umdrehte und höflich lächelte. „Der war gut. Also, wo ist es?“

„Er ist tatsächlich da oben“, warf Eret schmunzelnd mit verschränkten Armen dazwischen. „Der Eruptodon braucht die Lava eines aktiven Vulkans, um zu überleben.“

„WAS?“, platzte es aus dem plötzlich aschfahlen Fischbein heraus? „Dieses Dorf ist am Fuß eines aktiven Vulkans, indem ein riesiger, gefährlicher Drache haust?“

„Diese Leute hier sind ja wirklich komplett wahnsinnig“, quietschte Raffnuss voller Begeisterung und drückte sich an Erets Arm. „Ich will hier nie wieder weg!“ Eret schickte nur ein stilles Stoßgebet zu den Göttern.

„Bitte nicht…“ war das einzige, was er dazu im Flüsterton zu sagen hatte.

„Klingt wirklich so, als bräuchtet ihr doch unsere Unterstützung“, insistierte der berkianische Häuptling. „Wir kümmern uns um den Drachen und ihr-“

„Fasst ihn an und ich werde mich nicht einmal entscheiden müssen, ob ich euch dafür am Leben lasse!“, kam es auf einmal ohne den kleinsten Funken Humor von einem ziemlich verärgert aussehenden Trok. Sein Tonfall war genug, um Haudrauf ganz kurz erstarren zu lassen und den Mann sowohl vorsichtig, als auch skeptisch anzusehen.

„War das gerade eine Drohung?“ Die Augenbrauen des Häuptlings zogen sich zusammen. Er verstand nicht, warum ihm eine solche Reaktion entgegenschlug.

„Vielmehr ein Versprechen“, entgegnete Mala mit ruhiger Strenge. „Erstens werdet ihr mit gewöhnlichen Waffen niemals durch seine Schuppen dringen. Und das ist gut so. Dieser Drache ist der Grund dafür, dass mein Volk seit Generationen auf dieser Insel überleben konnte.“

„Der Eruptodon lebt hier schon so lange?“ In Fischbeins Kopf ratterte es förmlich. In einer solch langen Zeit würde es ihn wundern, wenn alles friedlich abgelaufen wäre. „Wie viele eurer Leute hat er schon getötet?“

„Keinen einzigen“, antwortete Trok zur Überraschung der Berkianer. „Er ist friedlich. Ohne ihn würde die Lava des Vulkans ungehindert ansteigen und aus dem Berg quellen. Er beschützt uns.“

„Beschützt“, kam es verächtlich aus Haudrauf. „Drachen sind wilde Biester. Wenn es sich von Lava ernährt, dann hat es einfach nur Hunger. Mit beschützen hat das nichts zu tun.“

„Ich an Eurer Stelle würde nicht von Dingen sprechen, die ich nie gesehen habe“, entgegnete der Leibwächter ärgerlich. „Der Eruptodon besitzt die Fähigkeit, jeden inaktiven Vulkan zum Ausbruch zu bringen. Wollte er mit uns nichts zu tun haben, wäre er längst fort.“

Nun mischte sich nach einiger Zeit Viggo wieder ein. „Trok trägt nicht umsonst den Titel des Beschützers. Er ist persönlich für die Pflege und das Wohlergehen des Eruptodon verantwortlich. Der Drache beschützt uns und wir beschützen den Drachen.“

„Deshalb also die Beschützer des Flügels“, erkannte Astrid stirnrunzelnd und Viggo nickte anerkennend.

„Korrekt“, sprach Mala und wandte sich dann wieder an Haudrauf. „Ich mache euch einen Vorschlag. Ich werde euch zum Vulkan begleiten und ihr könnt euch selbst von der Ungefährlichkeit des Eruptodon überzeugen.“

„Danke, aber nein danke“, lehnte der Häuptling abfällig und mit missbilligendem Blick ab.

„Dann werden wir zumindest bis zum Eingang gehen, denn es ist noch etwas dort, was euch eventuell interessieren könnte“, schlug Viggo schmunzelnd vor und die Königin nickte zustimmend.

„Dann folgt mir“, wies sie an. Eret, Viggo und Trok begleiteten sie umgehend. Am wenigsten Überzeugung benötigte Raffnuss, aber die interessierte sich ehrlich gesagt weder für den Drachen noch den Vulkan. Nach kurzer Bedenkzeit folgte ihr Taffnuss. Er würde seine Schwester doch nicht einfach allein lassen. Fischbein, der sich erst vorsichtig umsah, entschloss sich dann ebenfalls, der Königin zu folgen. Es war die perfekte Gelegenheit, etwas mehr über diese Leute zu lernen.

Rotzbacke, Haudrauf und Astrid zuckten letztendlich nur mit den Schultern, gingen dann aber seufzend ebenfalls hinterher.
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„Da sind wir“, merkte Mala zufrieden an und verschränkte die Arme hinter ihrem Rücken. „Das ist der Eingang zum Nest des Eruptodon.

Die Berkianer warfen einen skeptischen Blick um sich herum. Überall auf ihrem Weg waren gravierte Säulen mit irgendwelchen Symbolen. Am Fuße einiger dieser Säulen in Eingangsnähe befanden sich Körbe mit… Speisen?

„Wofür sind die?“, fragte Rotzbacke, dem soeben auffiel, welchen Hunger er hatte.

„Oh, du meinst die Körbe? Die sind eine Gabe des Dankes für den Eruptodon“, anwortete die Königin lächelnd.

„Ihr huldigt einem Drachen, indem ihr ihm Opfer bringt?“, hakte Haudrauf angewidert nach.

„Huldigung ist für Götter“, mischte sich Trok mit verschränkten Armen ein. „Wie gesagt, wir bedanken uns nur bei ihm für seine Anwesenheit.“

„Ich dachte, er frisst Lava“, merkte Fischbein verwirrt an. „Wozu dann… Fisch und Früchte?“

Viggo schmunzelte, während der dicke Berkianer den Kohlestift schon bereithielt, um in dem Notizblock die Antwort festzuhalten. „Menschen brauchen nur Brot und Wasser. Hindert sie das daran, auch mal ein schönes Stück Yakkeule zu essen?“

„Apropos Yakkeule“, kam es von Rotzbacke, dessen Andeutung von einem lauten Knurren unterstrichen wurde, welches seinen Ursprung in seiner Magengegend fand.

Auch Trok grinste nun. „Bedient euch ruhig. Wir haben mehr als genug Vorräte. Und der Große Beschützer ist alles andere als nachtragend.“ Für Rotzbacke und die Zwillinge war das die beste Einladung, die sie seit ihrer Ankunft gehört hatten. Dieser folgten sie selbstverständlich umgehend. Haudrauf hingegen legte skeptisch den Kopf schief.

„Der Große Beschützer?“

„Verzeihung, so nennen wir ihn. Aus Gründen, die wir euch vorhin bereits dargelegt haben.“

Ausgerechnet ein solcher Titel für einen Drachen schmeckte den Berkianern nicht wirklich. Wobei… Fischbein war es irgendwie im Grunde egal. Er schien vor all dem außerordentlich fasziniert. Dennoch wussten die restlichen Wikinger, dass dies nicht ihre Insel war. Sie waren hier die Gäste und – bei aller Abneigung – hatten sie sich auch wie solche zu verhalten. Solange kein Drache sie angriff…

„War das schon alles, was ihr uns zeigen wolltet?“, fragte Astrid verwundert nach. „Dafür habt ihr uns hierhergebracht?“

„Nicht ganz“, meldete sich Eret zu Wort und Mala lächelte. „Seht euch mal die Säulen genauer an.“

Das taten die unfreiwilligen Besucher aus Berk, bis ihnen auffiel, dass es sich bei den Gravuren nicht einfach nur um zufällige Schnitzereien im Stein handelte. „Das sieht aus wie-“

„Das ist eine in Stein gemeißelte Aufzeichnung unserer Geschichte“, ergänzte Trok und ein fast schon stolzes Lächeln schlich sich auf seine Lippen. „Das hier ist die dem Großen Beschützer nächste Säule. Und da unser Volk sich im Grunde um ihn dreht, beginnt auch unsere Geschichte bei ihm.“

Mit unterschiedlichen Faszinationsgraden betrachteten die Berkianer die fein eingemeißelten Gravuren. Sie begannen mit Schiffen, gingen über in Bilder von einer Begegnung zwischen den Menschen und dem gronckelartigen Drachen im Vulkan, und anfänglichen Schwierigkeiten.

„Kurz nach der Ankunft unserer Ahnen“, begann Mala zu erklären, „entdeckten sie den Großen Beschützer. Nie zuvor hatten sie eine solche Kreatur gesehen, soweit ich weiß. Entsprechend verlief auch die erste Begegnung nicht unbedingt feindselig, aber mit einem gewissen Grad von Vorsicht auf beiden Seiten. Der Eruptodon stellte sich jedoch nicht als aggressiv heraus, also begannen unsere Ahnen ihr Dorf am Fuße des Vulkans zu errichten. Ihr Problem: Sie wussten nicht, dass er aktiv war, da sie dem Drachen nicht zu nahe kommen wollten.“

„Es kam jedoch, wie es kommen musste“, führte Trok fort und ging bereits zur nächsten Säule, von deren Geschichte er nun erzählte. „Eines Tages verletzte eine Gruppe übermütiger junger Männer den Drachen, indem sie sich einen Spaß draus machten, dem Eruptodon eine Falle zu stellen, die große Felsbrocken auf ihn herabregnen ließ. Sich in Sicherheit bringend flog er davon.“

Die Berkianer folgten ihm und warfen einige Blicke auf die Gravuren, während sie ihm aufmerksam zuhörten.

Zumindest so lange, bis schließlich Eret übernahm. „Niemand wusste, welch wichtige Rolle der Drache tatsächlich für die Insel spielte, doch nach etwas weniger als zwei Tagen bekamen sie die Folgen ihrer Tat zu spüren.“ Er deutete auf eine spezifische Szene der dritten Säule. „Ohne den Eruptodon, der von der Lava lebte und sie verzehrte, stieg diese an, bis sie aus dem Vulkan strömte. An diesem Tage wurde das Dorf fast zerstört und die Insel wäre dem Untergang geweiht gewesen. Doch aus Gründen, die sich niemandem so recht erschlossen, kam der Eruptodon zurück. Ab da heißt es: Lange Geschichte, kurzer Sinn. Die Menschen und der Drache arbeiteten zusammen und drängten die Lava gemeinsam zurück.“

„Ab diesem Tag“, resümierte die Königin, „begriffen unsere Ahnen, dass dies nicht nur ihre Insel war. Sie war auch das Zuhause des Großen Beschützers. Sie wussten, dass sie diese Insel mit ihm teilen und für seine Anwesenheit dankbar sein sollten, denn auch, wenn der Eruptodon nicht zurückkehren musste, so tat er es doch, um die Menschen vor ihrem Untergang zu bewahren. Aus der Gruppe der jungen Männer, die diese Katastrophe beinahe zu verantworten hatten, ging der erste offizielle oberste Beschützer des Flügels hervor, der sich diese Aufgabe selbst als Strafe auferlegte. Und wie ihr bereits wisst, ist der aktuelle Nachfolger dieser Tradition mein Leibwächter Trok.“ Es amüsierte sie beinahe, wie einige der Berkianer aufmerksam der Erzählung folgten. „Mir nach. Wir überspringen die Geschichte mal ein wenig.“

Haudrauf, der von all dem nicht sehr begeistert war, fragte: „Und ihr hättet euch da nicht einfach eine neue Insel suchen können?“

„Wozu?“, kam es von Trok zurück. „Unsere Ahnen hatten sich eingelebt, die Häuser standen, die Gewässer waren reich an Fischen, die Wälder reich an Tieren, Büschen und Kräutern. Diese Insel hatte alles zu bieten. Nur ein Narr hätte all das aufgegeben.“

„Aber sich von einem Drachen abhängig zu machen…“

„Hat ja anscheinend etliche Generationen funktioniert, oder nicht?“, konterte Eret und deutete grinsend auf das Dorf, dem sie inzwischen schon wieder relativ nahegekommen waren.

Mala räusperte sich. „Wir sind jetzt an einem aktuelleren Teil der Geschichte angekommen. Viggo, möchtest du übernehmen? Du warst ein großer Teil davon.“

„Es wäre mir eine Ehre, meine Königin“, antwortete der Stratege sanft lächelnd und deutete eine Verbeugung an, wofür er ein freundliches Nicken erhielt. „Nun“, begann er an die Berkianer gerichtet, während er auf die Gravuren deutete, „vor knapp zwei Jahren nahmen die Ereignisse hier richtig Fahrt auf. Nach all der Zeit mit dem Eruptodon hatten sie die Beschützer des Flügels an die Anwesenheit von Drachen gewöhnt. Mehr als das sogar: Sie kümmerten sich um wandernde und verletzte Drachen, so sie denn Hilfe brauchten.“

„Ihr habt Drachen gepflegt?“, fragte Rotzbacke mit einer Mischung aus Unglauben und Ablehnung.

„Wir tun es immer noch“, meinte Trok schulterzuckend. „Und sogar mehr als das, aber jetzt empfehle ich erst einmal, Viggo zuzuhören.“

„Tschuldigung…“

„Jedenfalls war die Gewöhnung an die Drachen so stark, dass es zu der Zeit sogar einen Beschützer des Flügels gab, der einen Drachen ritt.“

Sofort schrillten bei den Berkianern förmlich die Alarmglocken. „Ein Drachenreiter? Unter euren Leuten?!“, fuhr es aus Haudrauf hervor, in dessen Gesicht etwas mehr als nur Abscheu aufblitzte. „Ist sein Drache ein Nachtschatten mit einer künstlichen, roten Finne? Antwortet mir!“, knurrte er.

„Unter den Beschützern des Flügels gibt es niemanden mit einem solchen Drachen“, kam es schnell von Viggo. Trok sah kurz aus, als wolle er etwas sagen, bevor er begriff und dem Strategen anerkennend mit einem versteckten Grinsen zunickte. Viggo selbst musste sich ein Grinsen verkneifen. Was er gesagt hatte, war nicht unbedingt eine Lüge. Besagter Reiter war immerhin technisch gesehen verbannt.

Haudrauf schien sich sichtlich zu entspannen. „Und was für ein Drache war es dann?“, fragte er skeptisch, doch nicht beruhigt.

„Nun, es gab jemanden mit einem Klingenpeitschling“, gab Viggo zu. Wie eben war auch dies keine Lüge. Nur eben die halbe Wahrheit. Anscheinend schienen die Berkianer nicht zu wissen, was ein Klingenpeitschling war, auch wenn sie eigentlich bereits einen kannten. Sie wussten nur den Namen nicht.

Berks Häuptling schien dennoch halbwegs beruhigt zu sein. Wahrscheinlich allein deshalb, weil Viggo eine andere Drachenart als Nachtschatten genannt hatte.

Also setzte der ehemalige Drachenjäger neu an. „Jedenfalls war dieser Drachenreiter leichtsinnig. Durch einen groben Fehler seinerseits lockte er Drachenjäger an und gab diese Insel der Außenwelt preis. Die Jäger erkannten den Wert der Drachen auf dieser Insel und griffen an, doch sie unterschätzten die Kampfkraft der Beschützer des Flügels. Viele Menschen starben an diesem Tage, doch letztendlich waren die Bewohner dieser Insel siegreich.“

„Ihr fragt euch sicherlich, wie wir nur gegen andere Menschen kämpfen konnten, nur um Drachen zu verteidigen“, warf Mala ein und erntete von einigen Berkianern ein vages Kopfnicken. „Ich bitte euch jedoch, diese Situation aus unserer Perspektive zu sehen. Unsere Geschichte hatte bereits gezeigt, welche Folgen es haben kann, wenn der Große Beschützer verletzt wird. Letztendlich war der Angriff auf diese Insel und die darauf lebenden Drachen auch ein Angriff auf uns und unsere Existenz.“

Viggo nickte. „So ist es, doch die Beschützer waren nicht ohne Gnade. Die Drachenjäger ergaben sich und wurden gefangengenommen. Durch eine Aneinanderreihung von… Ereignissen“, erzählte er mit einem kurzen Seitenblick auf die Königin weiter, die nur schmunzelnd den Kopf schüttelte, „kam es schließlich dazu, dass sich der Drachenreiter mit den Jägern unterhielt. Es stellte sich heraus, dass sie nicht auf eigene Faust handelten. Sie unterstanden einem Mann, der eingefangene Drachen für seine eigenen Zwecke missbrauchte und sie versklavte.“

Haudraufs Augen wurden groß. „Doch nicht etwa… Drago Blutfaust.“

Erets Brauen zogen sich kurz zusammen und er sah den Häuptling fragend an. „Ihr kennt ihn?“

„Nicht im guten Sinne“, versicherte er und schüttelte nachdenklich den Kopf. „Ein Verrückter, der Mann… vor vielen Jahren ist er in eine Versammlung aller Häuptlinge marschiert und hat gepanzerte Drachen auf sie gehetzt… Lange Geschichte. Ich war der einzige Überlebende.“

„Ich habe davon gehört“, gab Mala von sich und sah kurz betrübt aus. „Es soll ein grausames Massaker gewesen sein. Drachen zu zwingen, Menschen so etwas anzutun… es gibt kaum etwas Furchtbareres.“

„Zumindest darin sind wir einer Meinung“, brummte Haudrauf und überließ Viggo wieder das Wort.

„Der Drachenreiter befreite die Jäger unter der Bedingung, dass sie zu Blutfaust segeln würden.“ Auf die verständnislosen Blicke und offenen Münder der Berkianer hin winkte er nur ab und sagte: „Ein bekloppter Plan, ich weiß. Überraschenderweise funktionierte er jedoch. Er überzeugte die mit ihm segelnden Drachenjäger davon, sich gegen Drago aufzulehnen und gab sich, bei dem Wahnsinnigen angekommen, als einer der ihren aus. Blutfaust schickte sie schließlich auf eine große Insel, vor der seine Flotte ankerte. Diese Insel nennen wir heute das Drachental.“

„Verrückte Vermutung: Dort lebten Drachen?“, kam es von Astrid, die eine Augenbraue hochzog und dafür ein Grinsen erhielt.

„Korrekt. Und glücklicherweise heute immer noch. Drago wollte sie alle in seine Gewalt bringen, allem voran jedoch einen ganz bestimmten Drachen: Die Königin der Nachtschatten.“

„Sag mir nicht, es gibt noch mehr von diesen Viechern“, kam es ungläubig von Haudrauf.

„Mehrere Dutzend, um genau zu sein.“

„Das glaub ich jetzt einfach nicht… War DORT zufällig ein Nachtschatten mit roter Flosse?“

„Ja, da war einer. Mitsamt Reiter.“

„Also kennt ihr ihn?“, platzte es aus Astrid heraus und auch Haudraufs Augen wurden erneut groß.

„Durchaus“, gab Viggo freizügig Auskunft. „Mit seiner Hilfe fanden sich Drachen, die an der Seite der rebellierenden Drachenjäger gegen Drago Blutfaust kämpften. Unter den Drachenjägern war ein Mann namens Reiker Grimborn. Ihm persönlich schloss sich der einzige weitere Nachtschatten an. Doch der Reiter des Nachtschattens mit der roten Flosse zeigte den Jägern, wie man die Drachen bis zu Dragos Flotte ritt. Ab da brach eine fürchterliche Schlacht zwischen Rebellierenden und Drachenjägern aus. Fünfzig gegen Fünftausend.“

„Das ist jetzt aber übertrieben“, schnaubte Haudrauf und schüttelte den Kopf.

Für einen Moment brach die sonst so kalkulierte, rationale Fassade des Strategen und ein kurzer, wütender Funken huschte über sein Gesicht. „Reiker Grimborn war mein Bruder.“ Für einen Moment starrten die Berkianer nur stumm drein. „Ihr habt richtig gehört. Ich war einer der Rebellen. An der Seite eines Skrill habe ich gegen Drago Blutfaust gekämpft und ich sage euch eines: Dieser Tag war ein Blutbad, das ich nicht vergessen werde.“

„Wie ist er gestorben?“, fragte Rotzbacke vorsichtig nach und Viggos Blick wurde wieder weicher, als er auf die Gravuren der nächsten Säule zeigte.

„Sein Nachtschatten wurde von einem Pfeil getroffen und stürzte auf eines der Decks. Krogan, einer von Dragos Offizieren und sein Schüler, schoss diesen Pfeil und jagte dem Drachen einen Dolch in den Hals. Mein Bruder… verlor vor Rachegelüsten die Kontrolle. Er fühlte sich für den Nachtschatten verantwortlich und hatte versagt, ihn zu beschützen. Völlig ohne Verstärkung schlug er sich bis zu Krogan durch und duellierte sich mit ihm. Reiker tötete Dragos Lakai, doch dieser schaffte es noch, meinem Bruder einen tödlichen Dolch in die Brust zu stechen. Und so fiel er, der erste uns bekannte Mann, der an der Seite seines Drachens sein Leben ließ“, erzählte der betrübte, doch sanft lächelnde Grimborn und deutete auf eine in der Säule verewigten Szene, in der sich Reiker über den verendeten Nachtschatten beugte und die Stirn auf die seine legte. Langsam strich er über das steinerne Bild. „Kurz darauf endete der Kampf. Als die Königin der Nachtschatten den Tod ihres Kindes spürte, sammelte sie alle Drachen unter ihrer Herrschaft und vernichtete die komplette Armada mit einem konzentrierten, brutalen Angriff.“

„Was ist mit Drago Blutfaust?“, fragte Haudrauf nun und man konnte ihm deutlich ansehen, dass er einfach nur hoffte, der Mann sei tot.

„Der Reiter des Nachtschattens mit der rotten Flosse wollte ihm den Rest geben, doch eine Bande Zipper kreuzte dazwischen auf. Ich konnte den Reiter gerade noch vom Schiff reißen, als um uns herum alles in die Luft flog. Seither hat niemand mehr etwas von Drago gehört, aber diese Explosion kann er unmöglich überlebt haben.“

„Was macht euch da so sicher?“, hakte Rotzbacke skeptisch nach.

„Seht mich an“, forderte Viggo die Berkianer schmunzelnd auf. „Ich bin sehr glimpflich davongekommen. Mein halbes Gesicht ist geradezu geschmolzen. Dem Nachtschattenreiter ging es da schon schlechter. Sein Bein wurde bis zur Unkenntlichkeit durch die Explosion verbrannt, dass wir es amputieren mussten. Und wir waren schon halb runter von dem Schiff. Oh, und wo wir schon dabei sind: Nach der Schlacht ging er seines Weges.“ Wieder erzählte er nur die halbe Wahrheit, aber da es keine Lüge war… warum nicht?

„Und der Drachenreiter, der euch überhaupt erst zu Drago begleitet hat?“, erinnerte sich Fischbein. „Was ist aus ihm geworden? Hat er überlebt?“

„Das hat er, so wie ich und einige weitere der rebellierenden Drachenjäger. Oh, bevor ich es vergesse: Eret war auch ein Teil davon.“

„Heiß…“, schwärmte Raffnuss schon wieder und der Mann, um den es ging, seufzte nur und bat leise um die Hilfe der Götter.

„Aber ja, der Drachenreiter…“, begann Viggo wieder und stellte kurzen Augenkontakt zu Trok her.

Dieser nickte nur. „Ja, es ist Zeit.“

Verwirrung stellte sich auf den Gesichtern der Berkianer ein.
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„Sind wir bald da?“, maulte Rotzbacke, während sie weiter die Seite des Vulkans aufstiegen.

Trok sah kurz nach oben und sah bereits in nicht allzu weiter Entfernung, wie das Plateau, welches ihr Ziel war, immer näher rückte. „Es dauert nicht mehr lange“, beruhigte er die Gäste.

„Warum lebt der Drachenreiter hier so weit oben?“, fragte Astrid, die mittlerweile, wie eigentlich alle anderen auch, außer Puste geriet.

Die Königin verdrehte schon wieder die Augen, als sich Viggo kurz zu ihr umdrehte und grinste, bevor er das Wort wieder an die Berkianer richtete. „Nun, seine Taten waren dafür verantwortlich, dass Drago Blutfaust zur Rechenschaft gezogen wurde, aber dafür sind viele Beschützer des Flügels gestorben. Deshalb wurde er… na, sagen wir mal… teilverbannt. Er lebt auf dem Plateau an der Seite des Vulkans als Einsiedler. Er darf Besuch erhalten und nach Absprache darf er sogar ins Dorf kommen.“

„Und er hat dafür keine Belohnung erhalten?“, fragte Taffnuss verblüfft.

Mala seuftze. „Er war nie gut darin, Befehle zu befolgen. Zuvor war es in meinem Volk strikt verboten, auf Drachen zu reiten. Diese Regel hat er andauernd gebrochen. Und dann hat er auch noch den Krieg hierhergebracht. Dennoch sind wir damit Drago Blutfaust los. Er hat hier ein Zuhause, kann hier leben und wird dennoch von vielen Menschen als eine Art Vorbild angesehen. Mehr konnte ich ihm nicht bieten.“

„Verständlich“, brummte Haudrauf. Er wusste, wie schwer die Tätigkeit war, als Stammesoberhaupt immer die richtigen Entscheidungen zu treffen.

„Hat er denn einen Namen?“, fragte Astrid neugierig.

Viggo grinste. „Nun, offiziell ist er kein Beschützer des Flügels und untersteht somit weder unseren Traditionen, noch unserer Namensgebung.“

Inzwischen waren sie so weit herangekommen, dass sie sogar hören konnten, was dort oben so vor sich ging. Kurioserweise hörten sie das Geklirre von Waffen und das nonverbale Rufen einer männlichen und einer weiblichen Stimme. So viel war immerhin auszumachen.

„Es steht ihm also frei, sich zu nennen, wie auch immer es ihm beliebt. Die Beschützer haben dennoch einen Namen für ihn. Wir nennen ihn den Wächter des Flügels. Oder kurz: Den Wächter.“

„Was macht er denn da oben?“, wollte Rotzbacke wissen, zog die Augenbrauen zusammen und spitzte seine Lauscher.

„Wie es aussieht, duelliert er sich mit der Kriegerin“, antwortete Trok grinsend. „Die beiden sind ein nahezu unzertrennliches Gespann und gute Freunde.“

„Die Kriegerin?“, hakte Fischbein nach. „Also jemand mit Titel?“

„Richtig.“ Eret schmunzelte. „Aber ihr dürft sie Heidrun nennen.“

„Wir sind da“, stellte Viggo fest und absolvierte die letzten Meter nach oben mit schnellen Schritten. „Hey, Wächter!“, rief er in einem fast spöttischen Tonfall.

„Verdammt, Viggo! Ich hatte ihn fast“, platzte es ärgerlich aus Heidrun heraus, als die Waffen ein letztes Mal aufeinanderklirrten.

„Aber nur fast“, höhnte die Stimme des Wächters, die den Berkianern und vor allem Astrid irgendwie seltsam bekannt vorkam, aber nicht im positiven Sinne.

„Mach mal halblang! Du hast noch nie ein Duell gegen mich gewonnen.“

„Tja, und dieses hast DU dafür offiziell nicht gewonnen.“

„Du kleiner-“

„Ohnezahn, komm her! Wir haben Besuch!“, tönte der Wächter auf einmal freundlich und in einem melodischen Tonfall.

Ein kurzes Geraschel von Blättern und Gras ertönte.

Und dann machten auch die Berkianer die letzten Schritte, bevor sie das ebene Plateau erreichten, auf dessen Mitte ein Haus gebaut war.

Doch der Schock saß tief, denn das Haus wurde auf einmal zum unwichtigsten Objekt der Welt, als sie in die Augen eines Nachtschatten und auf die Maske einer nur allzu bekannten Gestalt sahen.

„Ach, wie schön! Nach so vielen Besuchen werde ich von Berkianern einmal zurückbesucht“, säuselte die Stimme hinter der Maske.

Die sechs bekamen fast Schnappatmung, als sie neben ihm auch noch die Frau erkannten, die den Drachenreiter gelegentlich bei den Drachenangriffen begleitete. Ihren Gesichtsschleier hatte sie vor der Nase, unter dem sie nur schmunzelte und sich innerlich einen Ast lachte.

„Milady!“, sprach der Wächter danach fast spöttisch und Astrid konnte fast sehen, wie er hinter seine Maske unverschämt grinste. „Ganz besonders Eure Anwesenheit beglückt mich.“
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Es ist soweit. Die Jungs und Mädels aus Berk sehen nun endlich Hicks wieder. Zumindest… irgendwie…

Lasst uns einfach mal NICHT so tun, als ob ich für dieses Kapitel 4 MONATE gebraucht hätte :)))))
(Pls just end my life)

Ist halt schon echt ne spaßige Zeit und so… man ist NOCH öfter zu Hause, kann sich NOCH mehr anstrengen und kann NOCH fleißiger und produktiver sein.

Oder in meinem Fall eben das Gegenteil (((((:

(Dieser Teil wurde aufgrund exzessiven Selbsthasses von der Redaktion (also mir) zensiert und unkenntlich gemacht.)

Bis bald…….. möhö

LG Haldinaste ;)
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