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Der Wächter des Flügels

GeschichteFamilie / P16 / Gen
Astrid Hofferson Haudrauf der Stoische Heidrun Hicks der Hüne Ohnezahn
08.01.2018
01.04.2021
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Es war eine ruhige und friedliche Nacht auf Berk. Fast schon idyllisch. Fuchs und Hase hatten sich längst eine gute Nacht gewünscht und praktisch die ganze Insel schlief bereits.

Wenn man einmal von dem Dorf auf eben jener Insel absah…

Denn dort war die Hölle los. Drachen flogen durch die Lüfte, spien Feuer herab und versuchten, die Vorräte der Wikinger zu ergattern. Die Wikinger selbst rannten kreuz und quer und versuchten die Drachen an so vielen Stellen wie möglich davon abzuhalten.

Das ganze wurde von zwei grünen Augenpaaren aufmerksam beobachtet.

Ein etwas größeres Augenpaar gehörte zu einem schwarzen, relativ kleinen Drachen. Er hatte einen platten Schädel mit vier seltsamen Ausstülpungen, die wohl die Ohren darstellen sollten. Eine Narbe zierte seinen Kopf, die von der Stirn über das rechte Auge ging und neben dem Maul endete, wobei das Auge selbst intakt war. Zudem besaß er zwei große, fledermausartige Flügel und zwei Finnen am Ende seines langen Schweifs. Eine davon war schwarz, die andere hingegen rot mit einem weißen Totenschädel darauf.

Sah man genauer hin, konnte man erkennen, dass die rote Finne künstlich war. Mehr noch, sie war an eine Konstruktion gebunden, die bis zu einem Sattel auf dem Rücken des Drachen führte, welcher jedoch leer war.

Das zweite, kleinere Augenpaar gehörte einem jungen Mann. Er trug einen ledernen Brustpanzer, der aussah, als bestünde er aus Drachenschuppen. Seine Schultern waren durch schwarze Schulterschützer bedeckt. Auf dem rechten war, ebenso wie auf der künstlichen Drachenfinne, ein Totenschädel zu erkennen. Nur eben nicht in weiß, sondern in rot.

Zudem trug er eine grüne Hose, an der seltsame Schlaufen angebracht waren, sowie ein an seinem Gürtel befestigter kleiner Zylinder mit einem metallenen, geöffneten Drachenkopf an einem Ende. Auf seinem Gürtel war ein Drache abgebildet. Er ähnelte einem Gronckel, doch in Wahrheit war es ein sogenannter Eruptodon.

Eine braun-schwarze Maske bedeckte sein Gesicht.

Beide Gestalten saßen hoch oben auf einer Klippe, die sich über einer Arena befand. Und während weiter unten Drachen und Wikinger sich wie die Wahnsinnigen bekämpften, saßen die beiden nebeneinander, als wäre es das Normalste der Welt.

Der junge Mann spielte gelangweilt ein wenig an einer Prothese herum, die sein linkes Bein ersetzte.

„Was meinst du, Kumpel?“, fragte er beiläufig und wandte den Blick vom Kampfgeschehen ab. „Sollen wir mal eingreifen?“

Der Drache gab ein amüsiertes Schnauben von sich.

„Hast recht“, meinte der junge Mann. „Ich glaube, wir warten, bis es richtig lustig wird.“

Kurz nahm er den Blick von seiner Prothese und blickte zum Dorf hinüber. Dort sah er einen großen, rotbärtigen Mann, der energisch Befehle brüllte und ein paar ausgewählten Kriegern signalisierte, sich zu ihm zu begeben.

„Schau an…“, murmelte der Maskierte, richtete seine Prothese und stand dann behutsam auf.
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„Grobian, mach mit den Schwertern alleine weiter! Ich brauche mal Fischbein für einen Einsatz!“

„Alles klar, Haudrauf! Ich geb mein Bestes!“, rief der einarmige Schmied zurück und salutierte lässig mit seinem Hammer. Dann wandte er sich an einen dicken, blonden Wikinger mit einem für seine Größe lächerlich kleinen Helm. „FISCHBEIN! Schieb deine vier übergroßen Buchstaben hier rüber! Der Chef braucht dich!“

„Schon unterwegs!“, quietsche er übereifrig und stolperte über ein Fass voller Waffen. Er selbst fiel zwar nicht hin, aber die Waffen hatten nicht so ein großes Glück.

„Bei Thor, BURSCHE!“, brüllte Grobian. „Von dir hätte sich sogar Hicks ne Scheibe abschneiden können!“

„Tschuldige!“, rief Fischbein zurück und rannte einfach weiter nach draußen.

Währenddessen ließ Haudrauf bereits seinen Blick schweifen, bis er fand, wonach er suchte. „Astrid, Rotzbacke, hier rüber!“

Astrid war eine bildhübsche, blonde junge Frau mit blauen Augen. Markant waren bei ihr vor allem die dicke Fellkapuze, die eisernen Schulterschützer, sowie ihre Axt, ohne die sie nirgendwo hinging.

Rotzbacke hingegen war ein kleiner, schwarzhaariger Mann mit einem schwarzen Fellmantel. Was ihm durch seine Größe fehlte, machte er mit seinem aufgeblasenen Ego und seiner schier grenzenlosen Selbstverliebtheit wieder wett.

Man konnte sehen, dass Astrid aufatmete und direkt zum Häuptling rannte, während Rotzbacke wie ein Gockel hinter ihr herstolperte und wie so oft versuchte, vor ihr anzugeben.

„Hey Schätzchen! Wie wär’s damit: Wir gehen hiernach mal ein wenig aus und ich schenke dir irgendwas Schönes. Wenn du einwilligst, bekommst du eine Trophäe von dem gefährlichsten Drachen, den ich je erlegt habe“, schlug er prahlend vor und versuchte so, ihre Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Die Blondine rollte nur genervt mit den Augen und verschränkte die Arme, als sie zum Stehen kam. „Ich überleg’s mir. Ein Schrecklicher Schrecken fehlt in meiner Sammlung nämlich noch“, entgegnete sie völlig trocken.

Haudrauf könnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, während Rotzbacke nur völlig verdattert dreinblickte. Trotzdem, es gab Wichtigeres zu tun.

„Schluss damit, ihr beiden!“, befahl er in einem strengen Ton, zwinkerte Astrid jedoch schnell zu.

Seiner Meinung nach war sie wirklich eine bemerkenswerte junge Frau. Nachdem sein Sohn von einem Nachtschatten verschleppt und umgebracht wurde – verflucht sei diese Bestie – lernte er sie wie seine eigene Tochter zu lieben. Kurz vor dem tragischen Vorfall, der Hicks' Ableben zur Folge hatte, rettete sein Sohn Astrids Leben. Haudrauf sah das als eine Art Zeichen.

Sein Neffe Rotzbacke war zwar nach Hicks' frühzeitigem Tod eigentlich der Nachfolger, aber Haudrauf fand ihn völlig unpassend. Er war vielleicht kräftig, aber er besaß ein Gehirn in Größe eines paarungsbereiten Wildschweins.

Daher suchte er insgeheim nach einer Methode, wie er Astrid zu seiner Nachfolgerin machen konnte. Sie war klug, stark und überaus mutig.

Aber nun war keine Zeit, darüber nachzudenken. „Habt ihr eine Ahnung, wo sich schon wieder die Zwillinge herumtreiben?“, fragte er die drei jungen Leute.

„Die sind wahrscheinlich wieder auf irgendeinem Dach und zerknacken sich gegenseitig Walnüsse auf den Schädeln“, antwortete Rotzbacke und klopfte sich andeutungsweise gegen die Stirn. Ein verdächtig hohler Ton erklang.

Haudrauf seufzte. „Ich hole sie sofort. Aber geht ihr schon einmal zur Lagerhalle an den Klippen zum Meer. Dort werden sich die Biester rumtreiben. Macht so viele wie möglich von denen fertig und verhindert, dass sie die Lagerhalle plündern. Wenn sie das machen, könnte es schwer werden, durch den nahenden Winter zu kommen.“

Astrid griff ihre Axt fester und nickte pflichtbewusst. „Wird sofort erledigt! Kommt schon, ihr zwei! Wir haben zu tun!“, spornte sie Fischbein und Rotzbacke an, die ihr sofort folgten.
Haudrauf sah sich währenddessen nach den Thorston-Zwillingen um.

Es dauerte nicht lange, da fand er die beiden. Und tatsächlich: Sie saßen nebeneinander auf dem Haus der eigenen Familie und sahen sich verträumt das Getümmel an.

Zwischendurch nahmen sie sich gelegentlich eine Walnuss und knackten die Schale auf dem Helm des jeweils anderen Zwillings.

„Wunderschön, diese Nacht heute“, konnte Haudrauf den weiblichen Zwilling Raffnuss zu ihrem Bruder sagen hören.

„Aber wie, Schwesterherz! Wahrlich malerisch. Die Art und Weise, wie sich die geschuppten Ungeheuer durch die Lüfte schwingen und orange-rote Flammen zielgenau speien. Wie sich Flammenzungen elegant um das Holz schlängeln und zubeißen, dass es knackt…“ Taffnuss seufzte und drehte seinen Kopf zu seiner Schwester. „Dieses wundervolle Ausmaß der Zerstörung. Reinste Poesie…“

Raffnuss seufzte ebenfalls und fügte betrübt hinzu: „Hicks hätte es gefallen…“

Ihr Zwilling nickte und wischte sich eine flüchtige Träne aus dem Gesicht. „Du sagst es, Schwester. Du sagst es.“

Raffnuss fuhr fort. „In Sachen Chaos und Zerstörung konnte ihm keiner was vormachen. Ehren wir ihn auf die Thorston-Art!“

„Sehr wohl“, sagte Taffnuss und warf eine Nuss in die Höhe. Sobald sie wieder herunterkam, gaben sie sich eine Kopfnuss, sodass die Schale brach und sie die Reste auffangen konnten. Diese teilten sie geschwisterlich unter sich.

„Auf das Geschenk Lokis!“, sprachen sie gemeinsam. „Auf Hicks!“

Haudrauf schlug sich die Hand vor das Gesicht. „Oh, allmächtiger Thor…“, murmelte er und rief dann zu den Zwillingen hoch: „Wenn ihr mit dem Schwachsinn fertig seid, kommt herunter! Das Lagerhaus an den Klippen verteidigt sich nicht von selbst!“

„Können wir das nicht später?“ rief Taffnuss, während er auf seinem Teil der Nuss herumkaute.

„Nein, weil später alles abgebrannt ist und das Lagerhaus somit nicht mehr verteidigt werden kann! Also los, ihr Schafsköpfe!“

Raffnuss überlegte. „Aber wenn es erst abgebrannt ist, sind da auch keine Drachen mehr, die das Lagerhaus angreifen können. Warum lassen wir ihnen nicht einfach den Spaß?“

Haudrauf verlor die Geduld. „Es geht mir nicht um das Lagerhaus, sondern um die VERDAMMTEN VORRÄTE!“, brüllte er. „Also schwingt eure dürren Hinterteile hier herunter, schnappt euch einen Speer und verteidigt sie. SONST SEID IHR ERLEDIGT!“

„Pfft, sag das doch gleich, Chef…“, grummelte Raffnuss.

„Elender Tyrann…“, fuhr Taffnuss fort.

Haudrauf atmete auf, als die beiden tatsächlich herunter sprangen, sich einen Speer schnappten, und sich unverzüglich zu den Klippen aufmachten.

Endlich hätte er wieder Zeit, sich umzusehen. Er nickte zufrieden. Es lief vergleichsweise gut. Wenn ER nicht käme, dann-

Plötzlich schien alles totenstill.

Ein leises, so verhasstes Pfeifen war alles, was die Wikinger Berks noch hörten. Alle anderen Geräusche wurden ausgeblendet, denn dieses war der Vorbote einer ganz besonders miesen Nacht.

Es wurde lauter, beinahe ohrenbetäubend.

Da reagierte der erste Wikinger: „NACHTSCHATTEN!“

„IN DECKUNG!“, brüllte ein zweiter.

Ausgenommen Weniger, wie zum Beispiel Haudrauf, warfen sich alle Wikinger auf den Boden, aus Angst, getroffen zu werden.

Haudraufs Miene verfinsterte sich.

Im nächsten Moment flog ein violettes Geschoss durch die Luft und kollidierte mit einem Katapult, das im nächsten Moment aufhörte zu existieren. Die sich bis eben noch dort befindlichen Wikinger hatten da mehr Glück. Sie sprangen ins Wasser, bevor das Katapult getroffen wurde.

Für einen kleinen Augenblick konnte der Häuptling einen Schatten ausmachen, der an den Flammen der zerstörten Konstruktion vorbeizischte. Mit dunklem Blick starrte er die darauf sitzende Gestalt an, die ihn ebenfalls anzustarren schien.

„Du!“, knurrte Haudrauf.

Im nächsten Moment hatte er sie aus den Augen verloren.
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Astrid und die anderen, zu denen mittlerweile auch die Zwillinge gehörten, sahen die Zerstörung des Katapults ebenfalls. Die Reaktionen der Gruppe waren recht unterschiedlich.

Die Zwillinge jubelten und gaben sich eine Kopfnuss.

Rotzbacke sah so aus, als würde er sich jeden Moment in die Hose machen. Wenn er das nicht schon längst getan hatte, versteht sich.

Astrid verspürte nichts als Entschlossenheit, als sie ihre Axt noch fester packte.

Fischbein dagegen ließ die Schultern absacken. „Ganz klasse! Wenn der hier ist, verlieren wir wieder Massen an Vorräten…“

„Kommt er hierher?“, fragte Rotzbacke ängstlich.

„Jetzt reißt euch doch mal zusammen!“, rief Astrid verärgert. „Rotzbacke! Ehe du fliehst, werf ich dich über die Klippe, wo dich die Drachen holen können. Vielleicht sparen wir dadurch ja sogar ein paar Vorräte, wer weiß?“

Rotzbacke setzte ein selbstgefälliges Grinsen auf. „Natürlich tust du das. Schön, dass meine Astrid wieder wild wird. Ich wollte nur diese Seite aus dir herauskitzeln.“

Sie rollte mit den Augen. „Erstens: Selbstverständlich wolltest du das. Und zweitens:“, sagte sie, trat an ihn heran und rammte ihm ihren Axtstiel gegen die Nase. Man konnte ein lautes Knacken hören, bevor Rotzbacke auf seinem Hinterteil landete, „bin ich ganz bestimmt nicht DEINE Astrid.“

„Au!“, jammerte er. „Nift die Nafe!“

Astrid kehrte zum bloßen Ignorieren seiner Existenz zurück und wandte sich an den Rest. „Dieser Drache und sein Reiter werden uns nicht weiter belästigen. Dafür sorge ich!“

„Ähem…“, Fischbein räusperte sich.

„Ich will ja nicht unhöflich sein, aber das hast du beim letzten Mal auch schon gesagt.“

„Und auch das Mal davor“, fügte Raffnuss hinzu.

„Und das DAVOR“, mischte sich auch Taffnuss ein, doch seine Zwillingsschwester schüttelte den Kopf.

„Nein, eben nicht! Beim vorvorletzten Mal hat sie nur gesagt, dass sie ihn fertig machen wird.“

„Richtig, mein Fehler… Hätte ich fast vergessen…“

„Ich korrigiere: Du HAST es vergessen.“

„Auch wieder wahr.“

Inzwischen war Rotzbacke wieder aufgestanden. „Haltet die Klawwe, wenn meine Füfe fwrift!“

Astrids Axtstiel zerstrümmerte seine Nase ein zweites Mal, was ihn erneut zu Boden schickte.

Sie stöhnte entnervt. „Manche Dinge ändern sich nie…“

„Wie wahr, wie wahr…“, kam es auf einmal hinter ihr.

Alle zuckten zusammen und drehten sich zu der Stimme um.

Und da sahen sie ihn, den Drachenreiter.

Er lehnte gelassen an seinem Drachen, der wiederum in den Himmel starrte und die Flugbahnen der anderen Drachen verfolgte.

Astrid griff ihre Axt fester und begab sich in Kampfbereitschaft. Keine Sekunde ließ sie ihn aus den Augen.

Er hingegen hielt es etwas anders. Er schien sie für einen Moment völlig zu ignorieren und wandte sich an seinen Drachen. „Hey, Kumpel“, sagte er zu dem Nachtschatten, der ihn nun ansah. „Meinst du, du kannst hier eine kleine Ablenkung schaffen?“

Der Drache gurrte und nickte. Astrid starrte die beiden wütend an. Wäre der Nachtschatten nicht, wäre sie längst auf diesen verdammten Reiter losgegangen.

„Alles klar!“, sagte der Reiter und kniete sich neben den Drachen. Da legte er einen Hebel am Sattel um. „Automatischer Flug: aktiviert!“, erklärte er und fügte dann noch hinzu: „Viel Spaß, mein Freund!“

Brüllend schwang sich der Drache in die Lüfte. Erst dann sah der Maskierte wieder die Gruppe an, die sich mittlerweile formiert hatte und ihm entschlossen entgegenblickte.

„Also gut“, sagte er und Astrid war sich sicher, dass er ein breites Grinsen im Gesicht hatte. „Wer will zuerst? Oh, alle? Und das gleichzeitig?“, fragte er mit einem spöttisch-sarkastischen Unterton.

Sie griffen ihre Waffen nur fester und sahen ihn noch grimmiger an.

„Eine Frage noch, bevor wir beginnen, bitte!“, forderte der Drachenreiter. Das darauf folgende Schweigen nahm er einfach als Gewährung. „Wenn ihr alle versucht, auf mich loszugehen, wer kümmert sich dann um die da?“, fragte er und deutete hinter sie.

Sie drehten sich um, nur um eine ganze Meute von Drachen zu sehen, die geradewegs Kurs auf das Lagerhaus nahm.

„Äh, Astrid…?“, fragte Fischbein nervös.

„Ich sehe sie“, unterbrach ihn die Blondine. „Kümmert euch um die Drachen!“, befahl sie und drehte sich wieder mit erhobener Axt um. „Ihren Meister erledige ich persönlich.“

Sie wussten es besser, als Astrid zu widersprechen. Sie alle wussten, warum sie einen besonderen Groll gegen den Reiter hegte, oder besser, gegen den Drachen, auf dem er ritt.

Aber dazu später mehr…

„Milady“, sagte der Reiter und deutete eine tiefe Verbeugung an. „Darf ich um diesen Tanz bitten?“

Astrids Gesicht verzog sich vor Wut. Wie konnte er es wagen, sie derart zu verhöhnen? „Oh, keine Sorge. Ein Tänzchen kriegst du!“ grollte sie, rannte auf ihn zu und holte aus.

Wie immer entging er dem Angriff jedoch, indem er sich darunter hinwegduckte. Dabei zog er ihr die Beine weg, sodass sie bäuchlings im Dreck landete.

„Milady sind zu temperamentvoll für ihr eigenes Wohl“, stellte der Reiter fest. „Darf ich eine Beruhigungstherapie empfehlen?“

Zornig stand sie wieder auf und warf sich mit einem Kampfschrei in seine Richtung. „HÖR AUF, MICH SO ZU NENNEN!“, schrie sie.

Wieder wich er aus. Als ihr Schwung sie an ihm vorbeiführte, versetzte er ihr noch einen Schubs, damit sie ein wenig weiter taumelte. „Wie ihr wünscht, Milady.“

Astrid drehte sich erneut um und stieß einen frustrierten Schrei aus. „HÖR ENDLICH AUF, GESCHWOLLEN DAHER ZU REDEN UND KÄMPFE, VERDAMMTER FEIGLING!“

Kurz lachte er auf, nahm dann den kleinen Zylinder von seinem Gürtel und drückte einen Knopf, damit aus dem Griff eine Klinge sprang. „Ist zwar nur halb so lustig, aber meinetwegen“, stellte er fest.

Als Astrid wieder auf ihn zustürmte, blieb er einfach nur stehen und ließ sie zu ihm kommen. Als sie mit der Axt ausholte, um seinen Schädel schlicht und einfach zu spalten, trat er einen kleinen Schritt zur Seite, lenkte die Axt mit seiner Klinge ab, griff dann selbst nach dem Axtstiel, während er eine Drehung hinter sie vollführte. Dann zog er ruckartig an der Axt.

Ehe sich Astrid versah, hatte sie den Drachenreiter hinter sich und ihre eigene Waffe an der Kehle. Sofort blieb sie stocksteif stehen.

Der Maskierte führte nun auch seine eigene Klinge an ihren Hals und fragte dann, mit einer Bewegung des Schwertes auf ihre Axt deutend: „Darf ich?“

Zähneknirschend ließ Astrid ihre Axt los. Im nächsten Moment nahm der Reite die Waffen von ihrem Hals und ging ein paar Schritte auf die Klippe zu, Schwert und Axt noch immer fest in den Händen.

Kurz befürchtete Astrid, er könne nun mit ihrer Axt davonrennen und mit ihr gegen die Berkianer in den Kampf ziehen. Sie wusste aus eigener Erfahrung, wie geschickt er mit Waffen war. Dass er es fertig brachte, sie selbst zu besiegen, war der einzige Beweis dafür, den man brauchte. Das schafften nämlich nur äußerst Wenige.

Da entschloss sie sich, ihn etwas zu beschäftigen. Möglichst noch zu provozieren. „Du bist widerlich!“, grollte sie.

Überrascht drehte er sich um. „Wie bitte?“

Sie fuhr fort. „Wie kann man nur so tief sinken, dass man sich mit Drachen verbündet?“

Trotz der Dunkelheit konnte sie erkennen, wie sich sein Blick verfinsterte. „Indem Menschen jemanden so weit treiben, bis es ihm egal ist.“ Er trat wieder ein paar Schritte näher, während er sagte: „Wusstest du, dass ich nie so akzeptiert wurde, wie ich war? Erst die Drachen haben mich so genommen, wie ich bin. Nicht die Drachen haben mich zu dem gemacht, was ich bin, sondern Menschen“, verdeutlichte er, bevor er eine kurze Pause machte. „Menschen wie du, Astrid Hofferson.“

Irgendetwas an dieser Aussage machte sie sprachlos. Es war nicht das, was er sagte, sondern WIE er es sagte, was sie derart verunsicherte.

Schnell fasste sie sich jedoch und ihr Mund zog sich zu einem dünnen Strich zusammen. „Du tust ja fast so, als wären die Menschen die Monster. Dabei sind es Drachen, die uns Tag für Tag angreifen, uns aus unseren Betten jagen und uns Freunde und Familie nehmen!“

Er lachte unamüsiert auf. „Bist du wirklich so naiv, Astrid? Glaubst du wirklich, die Welt besteht nur aus gut und böse? Aus Menschen und Drachen? Pah! Wenn ich mich nicht ganz täusche, sind es nicht nur Drachen, die Berk angreifen. Ich bin mir sogar sehr sicher, dass euch auch die Verbannten mehr als nur ein paar Schwierigkeiten bereiten.“

Astrid biss sich auf die Lippe und sah nach unten. Es stimmte, nicht nur die Drachen griffen sie an, sondern auch Menschen.

„Genau wie es gute und böse Menschen gibt, so gibt es auch gute und böse Drachen. Nicht alle von ihnen wollen euch das Leben nehmen. Aber da macht ihr euch nicht die Mühe zu unterscheiden, nicht wahr?“

Trotzig sah die junge Frau wieder auf und starrte dem Drachenreiter direkt  in die Augen. „Es mag ja sein, dass es stimmt, was du sagst. Aber dann zählt dein verfluchter Nachtschatten ganz bestimmt nicht zu den Guten.“

Für einen Moment schien der Maskierte zusammenzuzucken. „Und wie kommst du darauf?“, fragte er schließlich langsam.

Ihre Augenbrauen zogen sich zusammen. „Er hat Hicks umgebracht!“

Der Reiter tippte sich nachdenklich gegen die untere Hälfte der Maske an die Stelle, wo das Kinn war. „Hicks… Hicks… Wo habe ich diesen Namen schon mal gehört?“

„Er war der Sohn unseres Oberhaupts. Und du reitest den Drachen, der ihn getötet hat!“

„Warte mal kurz!“, sagte der Reiter schnell und lachte auf. „Hicks? Hicks 'der Hüne' Haddock der Dritte? Hicks der Nutzlose? Du beschwerst dich allen Ernstes, dass mein Drache ANGEBLICH den schlechtesten Wikinger aller Zeiten umgebracht hat?!“ Er lachte erneut. „Das ist herrlich! Von allen gehasst war er, selbst als Nachfolger des Oberhaupts, aber wenn er weg ist, wollen alle auf einmal Rache für ihn?! Ha!“

„Wage es nicht…“, grollte Astrid. „Hicks hat mir das Leben gerettet und dein Nachtschatten hat ihn getötet!“

„So ist das also“, bemerkte der Drachenreiter. „Er hat dir das Leben gerettet und du willst es ihm zurückzahlen. Und da du das nicht mehr kannst, willst du ihn rächen.“ Seine Schulter bebten, als er leise lachte. „Nun, glücklicherweise musst du das nicht bei meinem Drachen tun. Er hat niemanden umgebracht, der es nicht absolut verdient hat.“

„Hicks hat es nicht verdient!“, rief Astrid empört.

Er schlug sich die Hand vor die Stirn. „Damit meinte ich nur, dass mein Drache ihn nicht umgebracht hat.“

„Lügner!“, rief sie. „Ich würde diese Narbe über dem Auge dieses Nachtschatten überall erkennen. Er war es!“

„Diese Unterhaltung ist beendet“, sagte er nur und sah dann in den Himmel. Kurz darauf stieß er einen Pfiff aus.

„Was?“, fragte Astrid verblüfft. „Oh nein, vergiss es! Du bleibst hier. Wir sind noch nicht fertig miteinander!“

„Ich bin aber fertig mit Berk. Fürs erste“, fügte er noch hinzu, schmiss Astrid ihre Axt vor die Füße, rannte dann auf die Klippen zu und sprang.

Im nächsten Moment führte er seine Arme in die Schlaufen an seinen Beinen, riss dann die Arme zur Seite, und zum Vorschein kam ein Paar Flügel.

Er glitt ein paar Sekunden durch die Luft, bevor sich ein schwarzer Schatten unter ihn begab und ihn auffing. Im nächsten Moment waren sie verschwunden. Als sich Astrid umsah, musste sie feststellen, dass auch alle Drachen nach und nach davonflogen. Mit jeder Menge Vorräte in den Krallen.

Besonders beladen waren die, die ganz aus der Nähe kamen.

„Verdammt!“, zischte Astrid. „Sie haben es tatsächlich geschafft.“

Schnell lief sie zu dem geplünderten Lagerhaus, vor dem Fischbein, Rotzbacke und die Zwillinge erschöpft am Boden lagen.

„Was ist denn hier los?“, fragte Astrid entgeistert und sah sie sich genauer an. Sie hatten weder Krallenspuren aufzuweisen, noch Brandblasen. Aber trotzdem einige ziemlich dünne Schnitte.

„Was denkst du denn?“, fragte Rotzbacke, viel zu müde zum flirten. „Das war wieder dieses Weibstück mit ihrem silbernen Drachen. Mann, hat die uns fertig gemacht.“

„Ich kenne keinen, der so gut mit einer Axt umgehen kann…“, sagte Fischbein müde, doch als er Astrids mürrischen Blick bemerkte, fügte er schnell hinzu: „Außer dir, natürlich.“

Astrid rollte mit den Augen. „Und während diese Frau euch abgelenkt hat, haben die Drachen die Vorräte geplündert?“

„Ich korrigiere!“, meldete sich Taffnuss vom Boden zu Wort. „Die Frau UND ihr DRACHE.“

„Jap, genau“, fügte Raffnuss hinzu. „Uns zwei hat der Drache mit seinen Klauen an den Boden gepinnt. Fischbein und Rotzbacke habe dessen Schweif vor den Hals gelegt bekommen.“

„Im Ernst?!“, rief Astrid frustriert. „Ihr zwei habt euch von einem Drachenschwanz aufhalten lassen?!“

„Das Ding ist aus METALL, Astrid“, merkte Fischbein an. „Und außerdem habe ich diesen Drachen mit seinem Schwanz mit Leichtigkeit schon Holz durchtrennen sehen.“

„Will nicht wissen, was das mit meinem Gesicht machen würde…“, fügte Rotzbacke näselnd hinzu. Und so würde er wohl noch eine Weile sprechen, denn immerhin war seine Nase zertrümmert.

„Dem kann es nicht schaden“, sagte Astrid und verschränkte die Arme vor der Brust. „Hässlicher kann es nicht mehr werden.“

„Astrid!“ rief Haudrauf und kam mit ein paar anderen Wikingern an. „Oh nein!“

Nun sah auch er, wie leer das Lagerhaus war. Genau wie all die anderen, die bei ihm waren.

„Tut mir leid“, entschuldigte sich Astrid. „Aber es waren sowohl der Drachenmeister als auch diese Frau mit ihrem Metalldrachen hier. Wir konnten nichts tun.“

Haudrauf seufzte. „Ich verstehe…“ Dann wandte er sich an die Leute an seiner Seite. „Geht wieder nach Hause und ruht euch etwas aus. Wir werden wieder auf die Jagd gehen müssen. Genauso werden wir Fische fangen müssen. Dafür brauche ich euch alle gesund und munter. Die Verletzten sollen zu Gothi gebracht oder zumindest vernünftig verbunden werden.“

Die Berkianer nickten. Einige halfen auch den Zwillingen, Rotzbacke und Fischbein auf, die noch immer völlig fertig waren, und gingen dann nach Hause.

Als der Häuptling und Astrid allein waren, strich sich Haudrauf gestresst mit der Hand über das Gesicht. „Was für eine Nacht…“

„Ist jemand gestorben?“, fragte Astrid nach.

„Nein, zum Glück nicht. Die Kämpfe verliefen eigentlich überall gut. Bis auf, naja… hier. Die meisten haben die Höfe, die Viehgehege oder die Felder geschützt. Hab mich schon gefragt, wo der Drachenmeister zugeschlagen hat.“

„Und wurden Drachen gefangen?“, fragte Astrid. Irgendetwas mussten sie doch erreicht haben. Aber auch hier wurde sie enttäuscht.

„Nicht einmal das“, brummte Haudrauf. „Einige konnten maximal schwer verletzt werden. Aber zum Nest werden sie es wahrscheinlich trotzdem schaffen. Ich selbst war gerade dabei, einen Alptraum zu erledigen, da hat dieser Nachtschatten ihn mir aus dem Weg gerammt. Ärgerlich!“

Eine Weile standen sie nur stumm nebeneinander.

Als Haudrauf dann seufzte und wieder gehen wollte, sagte Astrid: „Warte, Häuptling! Auf ein Wort!“

Mit sanftem Blick sah er zurück. „Astrid, wie oft soll ich dir noch sagen, dass du mich auch einfach Haudrauf nennen kannst? Aber das beiseite, was ist denn?“

Die Blondine lächelte kurz, bevor sich ihr Blick wieder auf den Boden richtete. „Der Drachenmeister hat mit mir gesprochen.“

Er zog eine Augenbraue hoch. „Gesprochen? Ich dachte, ihr hättet ihn bekämpft.“

Sie schüttelte den Kopf. „Nicht wir. Ich habe ihn bekämpft, während die anderen gegen die Frau und den Metalldrachen gekämpft haben. Nachdem er mich entwaffnete, haben wir geredet.“

Der Häuptling sah skeptisch drein. „Das ist… ungewöhnlich… Sonst redet er doch so gut wie nie. Auf jeden Fall hält er nicht für einen kleinen Plausch an.“

„So seltsam das auch erscheinen mag, es ist die Wahrheit“, versicherte Astrid.

„Das habe ich nie bezweifelt. Also, war das alles?“, wollte er wissen.

„Nein, eben nicht“, sagte sie. „Es geht nicht darum, DASS wir gesprochen haben, sondern darum, was er gesagt hat.“

„Worum ging es denn?“

„Es ging um… Nun, wir haben über Hicks gesprochen…“, antwortete Astrid vorsichtig. Das Thema war für Haudrauf noch immer eine ziemlich heikle Sache.

Und tatsächlich: Sein Kiefer spannte sich, er schloss die Augen und senkte den Kopf. Dann seufzte er. „Was hat er gesagt?“

„Dass es nicht sein Nachtschatten war, der Hicks getötet hat.“

„Aber das ist völlig unmöglich!“, protestierte Haudrauf. „Du hast doch selbst gesagt, es sei ein Nachtschatten mit einer Narbe über dem Auge gewesen, der ihn verschleppt hat.“

„Genau das ist der Punkt“, meinte Astrid und nickte eifrig. „Es war dieser Drache, der ihn verschleppt hat. Er ist bisher der einzige Nachtschatten, den wir je aus nächster Nähe gesehen haben und er hatte definitiv diese Narbe. Aber haben wir denn auch gesehen, wie er Hicks getötet hat?“

„Einen Moment“, fiel Haudrauf ihr ins Wort. „Du glaubst ihm doch nicht etwa?“

„Welchen Grund hätte er, zu lügen?“, entgegnete Astrid. Das gab dem Häuptling nun wirklich zu denken.

„Ich meine ja nur: Was, wenn Hicks noch lebt? Wenn er irgendwo da draußen ist? Was, wenn-“

„Bitte, Astrid!“, unterbrach er Astrid und sie verstummte augenblicklich. Ein gequälter Gesichtsausdruck fiel über sein Gesicht. „Bitte hör auf damit. Glaube mir, nichts würde mir mehr Freude bereiten, als zu wissen, dass mein Sohn noch lebt, aber mach mir keine falschen Hoffnungen. Mag ja sein, dass der Nachtschatten Hicks nicht getötet hat, aber was war danach? Ist er vielleicht ein Gefangener des Drachenmeisters? Oder hat ihn einfach nur später ein anderer Drache getötet?“

„Aber-“

„KEIN Aber, Astrid!“, rief er laut. Dann seufzte er. „Bitte entschuldige. Es ist nur so… Seit fünf Jahren ist Hicks nun nicht mehr bei uns. Ich habe lange die Hoffnung aufgegeben, ihn jemals wiederzusehen. Jetzt wieder alles aufleben zu lassen und wieder zu hoffen, er könnte tatsächlich noch am Leben sein…“ Er seufzte wieder. „Ich glaube, ich könnte es nicht ertragen, doch noch enttäuscht zu werden, indem wir etwas finden, das seinen Tod eindeutig bezeugt.“

Astrid sah betreten zu Boden. „Es… tut mir leid.“

Haudrauf lächelte müde. „Das braucht es nicht. Aber bitte, lass uns nicht wieder darüber reden.“

Die Blondine nickte traurig und wandte sich zum Gehen ab.

„Ach, und Astrid?“, fragte Haudrauf.

Sie drehte sich um.

„Wir wollen in den nächsten Tagen, wenn die Vorräte wieder aufgestockt sind, eine weitere Nestjagd starten. Kann ich auf dich zählen?“

Astrid nickte. „Genauso gut könnte man Fischbein fragen, ob er gerne noch einmal das Buch der Drachen lesen möchte“, sagte sie und rollte mit den Augen.

Einen Moment lang starrten sich die beiden Krieger nur regungslos in die Augen. Dieses Blickduell hielt eine Weile an, bevor es in Haudraufs Gesicht zuckte und er laut zu lachen anfing. Daraufhin stimmte Astrid sofort mit ein.

„Das stimmt wohl“, sagte er und grinste, nachdem sich das Lachen gelegt hatte. Er genoss die gelegentlichen Blickduelle mit der jungen Frau, die für ihn wie eine Tochter war. Erstaunlicherweise war sie nur einer von drei Menschen, die ihm in einem Blickduell standhalten konnten. Die anderen beiden waren Grobian und Gothi.

Letztere vor allem deswegen, weil sie so einen unheimlichen Blick besaß. Da wurde ein Blickduell schnell zu einem In-Grund-und-Boden-starren.

„Wir sehen uns, Astrid. Ruh auch du dich ein wenig aus“, empfahl der Häuptling lächelnd.

Astrid nickte und grinste zurück.
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„Sag mal, Heidrun:“, rief der Maskierte vom Rücken seines Nachtschatten zur Reiterin des Metalldrachens, „warum bist du eigentlich nach Berk gekommen?“

Kleine Info am Rande: Dieser Metalldrache ist ein sogenannter Klingenpeitschling namens Windfang. Ihre Art ist besonders bekannt durch ihre metallähnlich harten und glänzenden Schuppen.

Und ihre Reiterin trug den Namen Heidrun. Bei ihr handelte es sich um eine junge Frau mit kohlrabenschwarzem Haar und grünen Augen. Ihre Rüstung bestand aus genau zwei Dingen: Den Metallschuppen ihres Drachen und schwarzem Stoff. Aus den Schuppen bestanden ihre Schulterschützer, die Armschienen und ihr Rock. Sie hatte auch eine Stoffkapuze mit einem Schleier, den sie bei jedem Kampf vor ihr Gesicht zog, um ihre untere Gesichtshälfte zu verbergen.

Auf ihrem Rücken trug sie außerdem eine ausklappbare Doppelaxt, die ihr erneut gegen die Berkianer gute Dienste geleistet hatte.

Und genau wie der Maskierte trug auch sie einen Gürtel mit dem Emblem des Eruptodon.

„Warum ich dir gefolgt bin, willst du wissen?“, fragte sie und der andere Reiter nickte. Sie zog eine Grimasse. „Das hast du wirklich vergessen?! Oh, bei Odin…“ Sie schlug sich eine Hand vor die Stirn. „Was würde nur Königin Mala dazu sagen?“

„Ich kann es mir lebhaft vorstellen“, kam trocken die Antwort.

Heidrun ignorierte ihn und ahmte die autoritäre Stimme der Königin nach. „Hicks der Hüne der Dritte! Ich bin enttäuscht, dass jeder einzelne Beschützer des Flügels darüber anscheinend besser Bescheid weiß als ihr. Fünf Jahre ist es nun her, seit ihr und der Nachtschatten bei uns erschienen sind und ihr könnt euch noch immer nicht das Datum merken. Mehr noch, es ist exakt zwei Jahre her, seit ihr zum Wächter ernannt wurdet. Jetzt lasst ab von eurem Vergnügen und schwingt euren überheblichen Hintern zurück auf die Vulkaninsel!“

„Also, Letzteres würde sie ganz bestimmt anders sagen! Das passt nicht zu ihr“, warf der Maskierte ein (bei dem jetzt nun aber wirklich mal klar ist, dass es sich um Hicks handelt).

„Richtig, mein Fehler“, sagte Heidrun und räusperte sich überdeutlich, als sie erneut ihre Stimme verstellte. „Pflanz deinen vergnügungssüchtigen Arsch nach Hause, aber ein bisschen pronto!“

Hicks lachte. „Na schön, ich beeil mich ja schon“, meinte er schmunzelnd und deutete von seinem Nachtschatten aus eine Verbeugung an. „Meine Königin.“

(Und ja, bei dem Nachtschatten handelt es sich um Ohnezahn, auch wenn er eine Narbe über dem rechten Auge hat.)

Heidrun rollte amüsiert mit den Augen.

Hicks schlug sich währenddessen in gespieltem Schock die Hand vor dem Mund. „Heidrun?! Das bist du?! Also, ich hätte schwören können, Mala wäre wirklich hier! Ich wusste ja gar nicht, dass du so eine gute Schauspielerin bist…“

Heidrun grinste. „Danke für die Blumen.“

In Hicks kamen nun die Erinnerungen hoch, wobei er lächeln musste. Fünf Jahre war es auch her, dass er seinen besten Freund Ohnezahn getroffen hatte. Wer hätte gedacht, dass sich die beiden mal so gut verstehen würden.

Er wusste noch genau, wie es anfing.

Es begann damit, dass-
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-ich dieses Kapitel fürs Erste beende ^^
Sorry :P

Also gut, nächste Geschichte, erstes Kapitel. Viel mehr gibt’s nicht zu sagen. Schreibt Reviews, wenn ihr Bock drauf habt (und wenn nicht, auch!).

Ansonsten bleibt zu hoffen, dass ich das nächste Kapitel möglichst bald hinbekomme.

LG Haldinaste ;)
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