Balance

von Fey Moon
GeschichteRomanze, Sci-Fi / P16
05.01.2018
21.02.2018
41
84476
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
Notiz: ... mein bisher längstes Kapitel. Ich hoffe, es gefällt euch. Ich habe lange daraufhin gefiebert. Mein Empfehlung beim Lesen: "Anakin and Padme Theme - John Williams"

...

Der Wind wurde immer stärker. Die eisige Luft brannte in ihren Augen. Sie wischte sich ab und zu ein paar Tränen von der Wange, doch es war ihr egal. Ihr gemeinsamer Ausflug in die Dunkelheit der Nacht war das aufregendste, was sie je getan hatte – und dabei hatte sie in den vergangenen Monaten eine Menge erlebt. In ihrem Kopf spielte sich alles noch einmal ab:

… mein erster Flug im Falken, als Kylo seine Maske abnahm, wie er Han getötet hatte, das Lichtschwert, der Kampf im Schnee, Finn´s Umarmung, als er mich retten kam, die Insel und Luke´s Lektionen, Snoke, Ben´s Hand in dieser Hütte, sein Blick als er mir die Galaxis bot, seine verletzten Knöchel, dann seine Küsse, seine Stärke, der Moment, als wir das Schwert zusammengefügt hatten, der Druck seines Körpers gegen meinen, die Art, wie er meine Stirn geküsst hatte, die Weise, wie er mein Gesicht in seinen Händen hielt, diese Blume, sein Lächeln …

Und nun war er immer noch bei ihr, ganz nah. Ihre Gedanken waren wild und durcheinander, sie fühlte sich unglaublich stark.

Kylo ging es nicht anders. Er hielt sich an ihr fest, drückte seinen Körper an Ihren. Er wollte sie nie wieder los lassen. Es war berauschend für ihn, das Verlangen nach ihr brannte unter seiner Haut. Dem gegenüber stand die Angst vor dem morgigen Tag, vor dem Moment ihres Abschiedes. Doch ein paar wenige Stunden hatten sie noch. Dann erkannte er ihre Absicht, den Grund für diese spontane Flucht.

Sie will die letzten Stunden mit mir verbringen … allein …

Seine Augen blinzelten wild bei dem Gedanken. Er wurde nervös.

Was hat sie vor?

Er blickte langsam über ihren Nacken, ihre kleinen Haare kitzelten sein Gesicht. Er beugte sich herunter, hielt sie immer fester, und küsste sanft ihren Hals, hinter ihrem Ohr und hinunter zu ihrem Kragen. Seine Lippen bebten, noch schlimmer als dieser Speeder. Er drückte sich fest an sie, sog ihren Duft in sich ein.

Rey zitterte auf, als sie seine Lippen spürte, sie waren warm und weich und fordernd. Es kitzelte sie unbeschreiblich. Sie konnte sich kaum noch auf das Fliegen konzentrieren.

Weite Felder und Wiesen, dunkle Berge ließen sie hinter sich. Das Mondlicht warf einen leuchtenden Schimmer auf alles, was sie umgab. Silbrig weiße Linien zeichneten sich ab. So konnten sie die Landschaft und ihren Weg wenigstens etwas sehen in der Dunkelheit. Doch sie hatten keinerlei Orientierung. Ihre Richtung war klar, die Macht führte sie, doch wo sie landen würden, wusste keiner von Beiden.

Dann. Vor ihnen erstreckte sich eine Bergkette. Sie kamen immer näher auf die monströsen Hügel zu. Viele kleine Lichter und helle Punkte flackerten auf. Rey musterte sie und erkannte Türme, Mauern, Fenster und kleine Wege, auch größere Straßen, die sich die Berge hinauf schlängelten. Einige Kilometer breit erstreckte sich die Stadt entlang der Bergkette.

„Das wird die Hauptstadt sein …“, flüsterte er ihr ins Ohr. Sie konnte es kaum verstehen, doch der Hauch seines Atems ließ sie vermuten, was er gesagt hatte. Sie nickte aufgeregt. Sie näherten sich mit hoher Geschwindigkeit. Sakuub City verlief, genau wie auch die kleinen Gebäude des neuen Camps, entlang von hohen Felsen und Hügeln. Die steinernen Häuser, Türme und Dächer waren in die Landschaft hinein gebaut worden. Um die Stadt herum schlängelte sich eine hohe Stadtmauer. Sie musste Jahrhunderte alt sein, so zerfallen und löchrig wie sie war.

Dann kamen sie einem großen Torborgen näher – einem der vielen Zugänge in die Stadt. Rey steuerte direkt auf ihn zu. Sie war so voller Tatendrang, dass sie kurz darüber nachdachte, mit dem Speeder einfach weiter und direkt in die Stadt zu düsen.

Ren bemerkte ihren Übermut und drückte seine Arme warnend zusammen. Sie spürte es und entschied sich dann doch dagegen. Sie hielten in der Nähe des Torbogens, in sicherer Entfernung. Mit einem Ruck blieben sie stehen. Das laute Surren des Speeders war verklungen, die Vibration blieb aber noch für einige Sekunden in ihren Fingern zurück. Ihr gesamter Körper schien zu vibrieren. Ren spürte es ebenso deutlich. Seine Finger zitterten. Langsam stieg er ab und er stellte sich sicher auf seine zwei Beine. Er hatte für einen Moment Schwierigkeiten zu stehen.

Diese Speeder sind Höllenmaschinen …

Dachte er und hielt Rey eine Hand hin. Ganz instinktiv und ohne großartig darüber nachzudenken. Sie blickte hinab und sah ihm in die Augen. Die Lichter der Stadt brachten sein Gesicht zum Strahlen, seine Augen waren keineswegs dunkel. Sie waren hell erleuchtet, fast schon feurig. Wie damals im Thronsaal stand er vor ihr und bot ihr seine rechte Hand. Sie blickte aufgeregt von seinen Augen hin zu seinen Fingern und direkt wieder zurück. Etwas war anders. Die Handschuhe fehlten, die Tränen fehlten, sein Blick war hoffnungsvoll und voller Güte. Sie griff behutsam nach seinen Fingern und stieg dann ab.

Er hatte ihre Gedanken gelesen. Er hatte die Bilder, so wie sie ihn damals gesehen hatte und so wie sie ihn in diesem Moment sah, selbst vor seinem inneren Auge gesehen. Ren erkannte den Unterschied. Er spürte es deutlich – er wussten nun, wer er sein müsste, um ihre Hand halten zu dürfen. Er wollte sie an sich ziehen, doch dann bemerkte er, dass sie umzingelt waren von hunderten von Menschen, Sakuubianern und vielen anderen Spezies. Sie tummelten sich um sie herum, alle waren auf dem Weg in diese Stadt. Dieser Moment war alles andere als perfekt. Er trat zurück und blickte aufgeregt zum Tor.

Rey folgte seinem Blick, ihre Augen waren voller Erwartungen und Nervosität. Sie krampfte ihre Finger um Seine bei dem Gedanken an die kommenden Stunden. Sie hatte das nicht wirklich durchdacht. „Na dann … ich will auf diesen Markt!“, sie versuchte wieder einmal, von ihren Gefühlen abzulenken. „Nach dir …“, er hob seine Finger und zeigte auf die kleine Straße, die durch den Torbogen und die Stadt hinauf auf den Gipfel führte. Er war erleichtert über ihre Initiative. Er fühlte sich mit einem Mal wie ein unbeholfenes Kind, denn auch er wusste nichts von alledem. Kylo Ren hatte in seinem Leben nur Pflichten, Befehle, Krieg und Disziplin gekannt – der Umgang mit einem Mädchen, einer Frau war ihm fremd. Das Denken fiel ihm schwer, genauso wie das Sprechen.

Sie lief durch den Torbogen. Ihr Blick huschte nach oben als sie hindurchging. Mit einem Mal eröffnete sich ihr eine völlig neue Welt. Überall hingen bunte Laternen, Lichter und Fackeln waren an den Häuserfassaden befestigt, bunte Zeltdächer waren über der Straße gespannt, kreuz und quer. Entlang der Straße waren tausende, kleine Tische und Kisten mit unendlich vielen Dingen darauf aufgebaut. Sie versuchte jedes Detail aufzusaugen. Nach nur wenigen Schritten blieb sie stehen. Ihr Mund stand offen, ihre Augen wurden immer größer. Sie drehte sich um sich selbst. Der Duft fremder Speisen und Gewürze stieg ihr in die Nase. Die vielen Besucher und Händler sprachen laut und impulsiv in den unterschiedlichsten Sprachen miteinander. Sie rannten hektisch und wild um sie herum. Sie musterte einen Marktbesucher, der in seinen Händen einen Stapel verschiedenster Stoffe trug, alle in den buntesten Farben. Sie hatte noch nie so viele Farben auf einmal gesehen. Ihr Herz füllte sich schlagartig mit Wärme, die Kälte der eisigen Nachtluft auf ihrer Haut war verflogen. Dann drehte sie sich zu ihm um.

Er stand versteinert da, war ebenso beeindruckt wie sie. Doch er ignorierte all das um sich herum. Er sah nur sie, still hatte er ihre Freude, ihr Staunen und ihre Neugierde beobachtet. Er blinzelte wie verrückt. Die Lichter und Farben waren grell und unwirklich, aber auch schön. In seinem Kopf drehte es sich. Rey war an einem Ort angelangt, der ihr ganzes Sein beflügelte, ihre jeden Traum zu erfüllen schien und er war Zeuge und stiller Beobachter:

Das muss der Himmel sein …

Rey lächelte ihn an - auf ihrem Gesicht das breiteste Grinsen, das er jemals gesehen hatte. Sein Herz blieb stehen. „Siehst du das? Dieser Markt ist außerordentlich … ich habe so etwas noch nie zuvor gesehen!“, die Begeisterung sprudelte nur so aus ihr heraus. Aufgeregt zeigt sie um sich. Kylo fühlte sich unter diesen vielen Massen nicht sonderlich wohl. Es war ein Risiko, für sie beide. Doch ihr Lächeln schlug alles. Also gab er sich einen Ruck und ging auf sie zu. Dann packte er sie bei den Schultern und drehte sie um. Ihr Blick war nun wieder auf den Markt gerichtet. Sie fühlte sich überwältigt. Kylo gab ihr einen Schubs und sie gingen los. Er brach keinen Ton heraus.

Die Straße teilte sich in zwei Wege, links und rechts standen Händler mit ihren Waren, teilweise waren die Dinge zu riesigen Stapeln und Türmen aufeinandergeschichtet. Einige der Stapel drohten umzustürzen, so hoch waren sie. In der Mitte der Straße standen ebenso Tische und Kisten mit aller Hand Kram und Krempel. Kylo blickte nach rechts zu Rey und nickte ihr zu. Sie ging den rechten Weg und er den Linken. Rey wusste gar nicht, wo sie zuerst hinsehen sollte. Ihre Augen huschten über die bunten Geräte, Stoffe, Gewürze und Früchte.

Kylo Ren hatte nicht viel übrig für diese Dinge, doch er genoss seine neu gewonnene Freiheit. Also riskierte er auch einige Blicke, wenn nur kurz, aber er sah hin. Aber immer wieder zog es ihn zu ihr. Immer wieder starrte er auf die andere Seite, sah Rey´s Augen aufleuchten, ihr Lächeln und ihre kleinen Haarknoten, er liebt diese kleinen Zöpfe:

Sie wird mein Ende sein …

Er schluckte und sah dann wieder ernst über die Kisten, Stapel und Tische. Ein Händler nach dem Anderen wollte ihm etwas verkaufen. Sie redeten wirr auf ihn ein, er winkte nur kurz mit seinem Finger und schon ließen sie ihn in Ruhe. Diese Leute waren alle verrückt, schoss es ihm durch den Kopf.

Kylo kam zu einem Händler, der Stoffe und Kleidung verkaufte. Neben dem Sakuubianer stand ein hoher Stapel dicker Lagen. Er musterte die unterschiedlichen Materialien und Farben. Dann griff er nach zwei dicken Umhängen, der eine war blau, der andere schwarz. Mit glücklichen Augen strahlte der Händler ihn an, er beglückwünschte ihn zu seiner Wahl. Kylo verzog seinen Mundwinkel, wollte sich dazu bringen, dem Mann ein Lächeln zu schenken. Dann sprach er, Ren´s Worte waren ernst und konzentriert: „Du wirst mir die hier schenken … und es wird dich überaus glücklich stimmen.“ Kylo´s Blick war fokussiert auf sein Gegenüber. Der alte Mann grinste ihm entgegen, seine Stimme schien sich fast zu überschlagen: „Mein Junge, ich schenke dir die beiden Umhänge, es ist heute Nacht sehr kalt, sicherlich wirst du sie brauchen … es ist mir eine Freude.“ Kylo Ren nickte ihm zu und ging weiter. Noch bevor ihn sein schlechtes Gewissen einholte, traf er wieder auf Rey. Sie rannte ihn fast um. Die beiden Wege hatten sich wieder zu Einem getroffen.

Er blickte auf sie herab. Sie starrte ihn mit goldenen Augen: „Das ist der Wahnsinn …“, in ihren Händen hielt sie zwei Gor-Äpfel, sie waren riesig und rot. „Ich habe mein Lederarmband gegen die hier getauscht.“ Sie fuchtelte wild vor seinen Augen herum, sie war begeistert von ihrem Tausch. Das konnte sie, dessen war sie sich sicher. Auf Jakku hatte sie nichts anderes getan – Dinge gegen Essen tauschen – darin war sie Profi.

Kylo konnte sich sein Lachen nicht verkneifen: „Er hat dich reingelegt …“, sein Augen füllten sich fast mit Tränen, so amüsiert war er über ihre Begeisterung. „Für das Armband hättest du einen ganzen Sack bekommen können …“ Und das stimmte. Rey konnte es nicht fassen. Er machte sich lustig über sie. Sie gab ihm einen Schubs in die Seite. Die kurze Berührung verursachte einen kleinen Stromschlag in ihren Gliedern. Er blinzelte sanft in ihre Augen. Rey verlor sich in seinem Blick und sie sagte nervös: „Dann zeig doch mal, was du für einen tollen Deal gemacht hast.“, frech blickte sie auf die beiden Stoffe in seinen Händen.

„Ich hab dir etwas mitgebracht.“, er schüttelte den blauen Umhang mit einer Handbewegung auf und legte ihn ihr über die Schultern. Dann zog er sich seinen an. Rey starrte ihn fragend an: „Und was hast du dafür eingetauscht?“ Kylo beugte sich zu ihr herunter und flüsterte: „Gar nichts … der alte Mann hat sie mir einfach so geschenkt.“ Er zwinkerte ihr zu.

Sie lachte auf und dann bemerkte sie, wie dumm sie doch war. Rasch musterte sie die Stände, die direkt um sie herum standen. Sie griff sich an die Stirn: „Das habe ich ganz vergessen, ich kann alles haben, was ich will … ich brauche nur …“, sie eilte los zu einem Stand. Kylo packte sie am Arm: „Denk nicht einmal daran …“, er zog sie nah an sich heran, „ … das bleibt dem Bösen vorbehalten … ja?“ Sein Gesicht war so nah an ihrem, Rey schielte ihm in die Augen. Ihre Beine wurden weich, sie war froh, dass er sie hielt, sonst wäre sie umgefallen.

Diese vielen Eindrücke, der Duft, die Farben und Ben´s Stimmung waren zu viel. Er scherzte, lachte, sah ihr so tief in die Augen, wie nie zuvor. Rey schwebte nahezu. Nie hatte sie ihn so gesehen, nie hatten sie so miteinander gesprochen.

Das muss Frieden sein …

Dachte sie sich. Ein Frieden, der niemals enden durfte. Der Markt war für sie beide wie eine Oase - ein Zufluchtsort, weit weg vom Krieg, dem Widerstand und der Ersten Ordnung. Diese neue Welt, die sie beide gemeinsam entdeckten, verschaffte ihnen etwas Ruhe und Zeit. Rey war sich sicher, ihr Plan würde aufgehen. Der Markt war das Beste, was ihr passieren konnte. Die Chancen standen gut, dass sie ihn überzeugen würde.

Dann drückte sie ihm den Apfel in die Hand. „Ich hoffe, er schmeckt … der war teuer“, und sie ging stur einfach weiter. Sie neckte ihn. Amüsiert und bereit, ihr überall hin zu folgen, sah er ihr hinterher. Er nahm einen Bissen, der süße und intensive Geschmack des Apfels war unbeschreiblich. So lange hatte er keine Frucht gegessen. Er folgte ihr. Dann fiel es ihm auf, als sie sich die Kapuze zum  Schutz vor dem Wind aufsetzte. Rey lief einige Meter vor ihm. Die satte Farbe ihres Umhanges leuchtete. Erst jetzt erkannte er den Farbton wieder.

Dieser Traum ...

Er biss erneut in den Apfel und konzentrierte sich auf die Details aus seinem Traum. Diesen Traum würde er nie vergessen. In dieser dunklen Zelle auf Kuat hatte dieser Traum ihm das gegeben, was er zum damaligen Zeitpunkt nicht wirklich gekannt hatte … Hoffnung …

In der Wüste hatte sie genauso einen Umhang getragen, so blau und leuchtend …

Er starrte hinab auf den Apfel, seine Augen huschten wild nach oben, zurück zu ihr.

Dann hatte sie mir eine Frucht gepflückt …

Sein Traum wurde Wirklichkeit. Er folgte jeder ihrer Bewegungen, musterte sie von oben bis unten und dann fragte er sich:

Und was, wenn es überhaupt kein Traum war … sondern eine Vision?

Der Apfel war aufgegessen, in Windeseile hatte er ihn verdrückt, ohne auch nur den Blick von ihr zu lösen. Dann blieb sie stehen. An einem Stand mit Nüssen, Getreide und Kräutern blickte sie interessiert über die einzelnen Kisten und Säcke. Er hielt etwas Abstand und sah ihr einfach nur zu. Der Händler verwickelte sie in ein Gespräch. Kylo war sich sicher, er wollte ihr irgendetwas andrehen. Dann blickt er auf ihre Hand, in ihren Fingern hielt sie die blaue Blume - die Schönste von allen.

Ich hab Rey auf einer Blumenwiese gefunden … im Traum, sie hatte neugierig mit den Blüten gespielt …

Er war alles wahr, irgendwie fügte sich alles dort auf diesem Markt zusammen. Dann hob Rey ihre andere Hand, sie sprach immer noch mit dem Händler, währenddessen fuhr sie mit ihren Fingern in das Getreide neben sich. Sie bemerkte es gar nicht, ganz unbewusst tauchte sie ihre Hand hinein. Sie spürte die einzelnen Körner, es beruhigte sie, das kalte Kitzeln breitete sich über ihren Arm aus. Und ihm stieg die Hitze bis in den Kopf. Er war ihr verfallen, mit jeder Faser, mit Haut und Haaren.

Dann sah sie zu ihm. Zog ihre Hand wieder aus dem Getreide. Sie fühlte sich ertappt und ein sanfter, rosiger Ton breitete sich auf ihren Wangen aus. Sie verabschiedete sich von dem Händler und ging weiter. Sein Verlangen war nicht mehr auszuhalten, er rannte auf sie zu, griff nach ihrer Schulter.

Mit einem Mal drehte sie sich zu ihm um, sie hielt etwas in den Händen. Sie wendete es in ihrer Hand vor und zurück. Sie runzelte die Stirn: „Was ist das?“ Er hörte sie nicht, er war zu gefesselt von ihr, von dem, was er erkannt hatte. „Ben …, was ist das?“ und sie fuchtelte mit dem Gerät vor ihm herum. Es war ein metallischer, länglicher Gegenstand, auf der einen Seite war eine Art Griff, auf der Anderen waren größere und kleinere Zacken angebracht. Er sah nur kurz darauf, dann blickte er ihr direkt wieder in die Augen. Seine Stimme war leise, sie zitterte: „Ähm … das ist ein Dosenöffner …“ Rey starrte ihn überrascht an: „Und was macht man damit?“, ihre Unwissenheit war reizend. Er lächelte sie an: „Man öffnet Dosen damit …“ Rey war fassungslos. Sie drehte das Ding mehrmals in ihrer Hand hin und her, musterte die kleinen Zacken: „Was? Mehr nicht? Hätte ich so ein Teil auf Jakku gehabt, … damit hätte ich den Falken reparieren können und wer weiß was sonst noch …“, sie war eindeutig begeistert und sagte dann: „Mir fallen tausend Dinge ein, die ich damit anstellen könnte …“ und sie drehte sich weg, sie wollte den Öffner zurücklegen.

Sein Verlangen nach ihr war ins Unermessliche gestiegen – sie war so liebreizend neugierig, so aufbrausend und impulsiv. Er hielt es nicht mehr aus.

Rey drehte sich wieder zu ihm und da war nichts. Er war weg.

„Ben?“, sie blickte aufgeregt um sich. Er war nirgends zu sehen. Ihr Herz schlug wild. „Ben!“ Sie ging zurück, in die Richtung, aus der sie gekommen waren. Sie lief ein Stück, ihre Augen huschten nervös über die fremden Gesichter. Dann blieb sie stehen, direkt neben einer kleinen Gasse. Sie bemerkte es nicht. Dann mit einem Mal zog sie jemand fest am Arm direkt in die Gasse hinein. Sie war dunkel und nur mit wenigen roten Papierlaternen beleuchtet.

Er hielt sie fest an ihren Schultern, drückte sie sanft aber bestimmt an die Wand. Ben´s Gesicht war vom Licht der Lampions in ein feuriges Rot getaucht. Seine Augen funkelten. „Was ist mit dir … werden wir verfolgt?“, ihr schlug das Herz bis zum Hals, sie blickte aufgeregt zur Seite auf die kleine Marktstraße. Er beugte sich langsam zu ihr herunter und flüsterte. Sie sah, wie seine Lippen bebten. „Mit fallen gerade tausend Dinge ein, die ich mit dir anstellen könnte … Rey von Jakku.“, er brachte die Worte geradeso heraus, dann zog er sanft an ihrer Kapuze. Sie rutschte herunter und ihr süßer Nacken war wieder zu sehen.

Das Feuer brannte in ihr, lichterloh. Sie sah ihn nervös an, schielte ihm auf die Nase, so nah war er schon. Und dann griff er nach ihr, seine Finger streichelten sanft über ihre Wangen, dann hielt er sie wieder so, als ob sie eine Kostbarkeit wäre, die nicht zerbrechen durfte. Er legte schnell und bestimmt, aber dennoch sanft seine Lippen auf Ihre. Zog sie an ihrem Gesicht näher zu sich, sie streckte sich, es verzerrte sie nach ihm. Sie ließ den Apfel fallen und griff in seine Kapuze, sie griff nach seinen Locken. Sie vergrub ihre Fingerspitzen in seinem Haar, drückte ihn immer mehr an sich. Sie war Wachs in seinen Händen. Dann biss sie ihm auf die Lippe, er war köstlich. Er zuckte, zog seine Brauen aufgeregt zusammen. Der süße Geschmack des Apfels lag noch immer auf seinen Lippen. Sie wollte mehr. Er wollte sie hochheben, er fuhr mit seinen Händen in ihren Umhang, griff langsam nach ihrer Hüfte, von vorn über ihren Bauch, über ihre Seiten. Dann hob er sie hoch, sie hielt sich an seinem Nacken fest, ihre Lippen waren innig verschmolzen, mal ruhig, mal aufgeregt.

Die Wärme strömte durch ihre Körper, die Macht floss unaufhörlich durch sie beide hindurch. Sie waren dazu bestimmt, sich so zu küssen. Er löste den Kuss und sah ihr tief in die Augen, dann umarmte er sie, fest und innig und vergrub sein Gesicht in ihrem Nacken. Behutsam küsste er ihren Hals. Rey´s Finger wanderten langsam in seinen Umhang, sie konnte sich beinahe darin verkriechen, so viel Stoff umgab ihn. Ihre Fingerspitzen tanzten zärtlich über seine Hüften nach hinten zu seinem Rücken. Dann fuhr sie unter seine Tunika, ganz zart strich sie über seine Haut.

Seine Gedanken waren ausgeschaltet, er hatte alle vergessen, wo sie waren, warum sie dort waren und was auf sie zukam. Der Rest der Galaxis schien nichtig und bedeutungslos. Dann schoss es wie ein Blitz in seine Gedanken. Sein unbändiges Verlangen ging mit ihm durch. Er wollte sie spüren, gänzlich, ohne diese vielen Lagen Stoff, ihre Haut an Seiner. Dieser Gedanke, das unbeschreibliche Gefühl und der unbändige Wunsch nach mehr übertrugen sich im Bruchteil einer Sekunde auf Rey.

Ihr wurde langsam klar, wohin das alles führte. Wenn Sie so weitermachten, würden sie es direkt in dieser kleinen Gasse tun, auf der Stelle. Sie war bereit, ihm alles zu schenken, alles was sie noch hatte. Sie drückte sich immer mehr an seinen Körper. Sie spürte seinen Herzschlag an ihrer Brust und noch mehr. Er las ihre Gedanken. Ganz unbeabsichtigt spürte er, zu was sie bereit war. Er verlor das Gleichgewicht und kippte nach hinten. Er ließ sie los und fing sich an der gegenüberliegenden Mauer ab. Beide hielten sich an der Wand hinter sich fest. Ihre Blicke waren tief und innig verwoben. Keiner von beiden hatte Mut genug, etwas zu sagen. Sie atmete schnell, ihr Herz schien beinahe zu explodieren. Die Luft war aufgeladen, voller Spannung, das leuchtende Rot der Lampions füllte den Raum zwischen ihnen mit unendlich viel Wärme. Kylo wollte es vermeiden, um jeden Preis. Auch wenn es ihn noch nie zuvor so stark nach etwas verzehrt hatte, er wusste, ihr zügelloses Verlangen konnten sie dort nicht ausleben, nicht so, wie er es wollte.

Wie sie es auch will …

Nervös strich er sich die Haare aus dem Gesicht, dann räusperte er sich: „Ich denke, wir sollten das verschieben …“, er hatte einfach nur Angst. Rey ging es genauso, das große Unbekannte schien sich ihr immer mehr zu nähern, sie zitterte am ganzen Leib. Sie nickte ihm sanft zu. Dann ging sie zu ihm, stellte sich auf ihre Zehen und küsste ihn. Es war ein kleiner, süßer Kuss. Er hielt die Luft an. Dann sah sie ihm in die Augen, ihr Blick huschte hin und her. Sanft streichelte sie über seinen Nacken, sie spielte mit den Strähnen: „Ich … ich kann es kaum erwarten …“, gestand sie ihm. Er verlor sich in ihr, er wollte es so - in sie eintauchen und nie wieder herausfinden.
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