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Kindheit in den 90´s

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
04.01.2018
28.09.2021
36
7.713
3
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04.01.2018 1.032
 
Ferienlager. Die schönste Zeit der Sommerferien. Für die Kinder aber auch für die Eltern.
Früher war ich mir sicher, wir werden nur an solche Orte abgeschoben, damit auch Mummy und Daddy mal ein wenig Zeit für sich haben. Die Sommerferien sind schließlich lag und die Kids wollen bespaßt werden.
Ich für meinen Teil, befand mich für drei Wochen in einem Ferienlager zu dem man morgens hinfuhr und abends wieder nach Hause. Der Vorteil der Eltern hier; abends waren wir so kaputt von der frischen Luft und den vielen Aktivitäten, dass wir noch auf dem Sofa eingeschlafen sind.
Das Fahrzeug, mit dem wir morgens los fuhren, waren normale Stadtbusse mit einem Hasenbild in der Windschutzscheibe. Jeder Abschnitt der Sommerferien hatte ein anderes Tier. Der Hase, so süß und flauschig. So flauschig ging es im Inneren des Busses dann aber nicht zu, denn der war voll bis oben hin.
Wenn ich mich recht erinnere, war ich drei Sommer in einem solchen Ferienlager. Ich lernte Gleichaltrige kennen, spielte im Wald „Räuber und Gendarm“, war gut versorgt was die Mahlzeiten anging. Und wenn die Ferienarbeiter, die auf uns aufpassten, spiele mit uns spielten oder bastelten mal nicht wussten, was sie mit uns machen sollten, sahen wir uns Filme an. „Blade.“ Ui, ui. Wenn Mama das damals gewusste hätte..
In den drei Wochen wurde auch eine Nachtwanderung organisiert und wir sind in der finstersten Nacht losmarschiert, bewaffnet nur mit Taschenlampen und den unheimlichen Geräuschen des Waldes um uns herum. Meine Güte, hab ich mir damals in die Hosen geschissen. Wenn ich jetzt so daran zurück denke, war dieser Nachtausflug eigentlich wunderschön, lässt man die ganzen unheimlichen Sachen weg, die man sich als Kind so in den Schatten der Dunkelheit einbildet. Ganz ohne jegliches Licht von Straßenlaternen hatte man einen wundervollen Blick auf den Sternenhimmel direkt über einem der Felder. Wunderschön.
Gebastelt haben wir auch oft. An das einzige, woran ich mich erinnern kann sind Buttons, deren Bild im Inneren wir selbst gestalten konnte. Leider muss ich feststellen, dass ich keinen einzigen mehr davon habe. Sehr schade. Einen davon habe ich extra für mein damaliges Herzblatt gebastelt. Ach, war das ein süßer Junge. Nur leider nicht an mir interessiert sondern an einer anderen. Das Jahr darauf war er wieder da, doch ich hatte mein Augenmerk bereits auf den nächsten hübschen Jungen geworfen und habe nicht gemerkt, dass der Junge aus dem Vorjahr sich in mich verliebt hat. Falls er das hier ließt und sich irgendwo wiedererkennt...melde dich. Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Einen Pool gab es natürlich auch. Er war klein aber man konnte sich an heißen Tagen abkühlen. Wobei abkühlen genau das richtige Wort war, denn das Wasser war so kalt, dass man rein und gleich wieder raus geflüchtet ist.
Am Ende des drei Wochen Sommers gab es jedes Mal eine Art Talentwettbewerb. Zu der Zeit lief der Song „Bailando“ von Loona in den Charts rauf und runter. Da wir in der Tanz AG meiner Schule damals genau diesen Song choreographiert hatten, stellte ich mich also mit meinen 12 Jahren allein (!) vor circa 200 andere Kinder und tanzte mir die Seele aus dem Leib. Verhaltener Applaus. Diese Banausen. Manchmal frage ich mich, ob ich das heute wieder machen würde, ob ich den Mut hätte, mich vor so vielen Kindern hinzustellen. Ich kann manchmal nicht glauben, dass ich das wirklich getan habe. Aber war ein geiles Gefühl, also ja, ich würde es immer wieder tun.
In den Jahren in dem Ferienlager habe ich viele Freundschaften geschlossen, andere Kinder kennengelernt, zu denen man heute natürlich leider keinen Kontakt mehr hat. Ich hatte damals das Glück, musste das erste Mal nicht allein in das Ferienlager. Meine damalige beste Freundin wurde ebenfalls von ihren Eltern angemeldet und das machte das ganze einfacher. Auch einer meiner Brüder war in zwei der insgesamt drei Jahren im Sommer dabei.
Schnitzeljagden, die ich übrigens noch immer dämlich finde wurden auch veranstaltet. In der Innenstadt setzten sie und Kinder aus, vorher noch schnell einen Zettel in die Hand gedrückt bekommen und dann ab durch die Mitte. Wir haben natürlich von den Kindern der anderen Gruppe irgendwann abgeschrieben. Und ja, das würde ich heute wieder so machen. Ich hasse Schnitzeljagden…
`Räuber und Gendarm` in dem großen, anliegenden Wald zu spielen fand ich dann schon lustiger. Das Waldstück war enorm und auf der Flucht vor den Gendarmen stolperte ich, fiel in Löcher, die sich im Erdboden befanden und hatte Schrammen überall am Körper. Aber war geil!
Ob ich auch irgendwas Neues an Aktivitäten für mich entdeckt habe, dass ich heute noch gern mache? Zumindest fällt mir spontan ein, dass ich noch immer eines der Spiele kann, die wir an den Tischen gespielt haben. Weiß leider nicht mehr wie es hieß aber die Trommelabfolge hab ich tatsächlich immer noch drauf, während meine Mutter bis heute erfolglos versucht mir das nachzumachen.
Als ich dann irgendwann zu ´alt` für das Ferienlager wurde, zumindest um es als Kind zu besuchen, stand die Frage im Raum, ob ich dort als Betreuerin arbeiten möchte. Also, ob ich die Kinder auch vor den TV setze und Horrorfilme schauen lasse, wenn mir gerade sonst nichts einfällt. Ich habe die Chance nie wahr genommen. Ach, wenn man älter wird bereut man solch kleine Entscheidungen einfach.
Ich muss gestehen, dass ich, auch wenn wir eigentlich nur von morgens bis abends dort waren manchmal von starkem Heimweh geplagt wurde. Bei mir war dieses Gefühl damals allgegenwärtig. Da konnte meine beste Freundin auch nicht helfen. Erst, als mein kleiner Bruder ebenfalls ins Camp durfte, verschwand dieses Gefühl. Schließlich war ein Stück `zu Hause` an meiner Seite.
Ich bin froh, dass es, zu meiner Zeit noch keine Smartphones, Facebook und Co gab. Man stelle sich die heutigen Ferienlager vor...Sofern die Kids überhaupt noch Interesse daran zeigen. Anstatt dann, wie damals am Lagerfeuer zu sitzen und sich zu unterhalten würden die Kinder lieber Bilder von genau den Flammen machen und es posten. Reale Unterhaltungen wären Fehlanzeige.

Alles in allem habe ich in den Jahren im Ferienlager wunderschöne Erinnerungen gesammelt und ich bin froh, dass meine Eltern sich dazu entschieden haben, mich dort hinzu schicken. Und falls den Text einer der beiden ließt...ich hoffe, ihr habt die Ruhe daheim genossen :-D
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