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Eine Laune der Natur

von Sithy
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Caesar Colonel McCullough
04.01.2018
05.01.2018
9
16.254
 
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04.01.2018 1.046
 
Wenn man was haben will, muss man es selber machen. In diesem Sinne wünsche ich den 0,01% des Fandoms, die Interesse an hanebüchenen Crackpairings haben, viel Spaß. Die anderen dürfen sich gerne nach etwas Anderem umsehen :3

1.     Kapitel

Taylor richtete sich auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn. Jetzt im Spätfrühling nahm die Sonne Tag für Tag an Kraft zu und brannte unbarmherzig auf die Arbeiter und Arbeiterinnen der Obstplantage herunter. Der großgewachsene, schlaksige Mann drückte den schmerzenden Rücken durch. Für wenige Minuten erlaubte er sich eine Pause, während der er seinen Blick über die Arbeiter gleiten ließ. Auf der Obstplantage rund um den Ort, der einst als Mill Valley bekannt gewesen war, arbeiteten nicht nur Menschen, sondern auch Schimpansen, Orang-Utans, Bonobos und sogar der ein oder andere Gorilla.

Wirklich, dachte sich Taylor, sie waren weit gekommen. Noch vor 15 Jahren hatten Affen und Menschen einen Vernichtungskrieg gegeneinander geführt, der beide Spezies ausgelöscht hätte, hätten sie sich nicht zu einem Friedensvertrag durchgerungen. Es war ein wackeliger Frieden gewesen, der entgegen aller Unkenrufe noch immer bestand.

Von den fanatischen Affen- und Menschentrupps einmal abgesehen, die verbohrt und verbissen den Kampf in den weiträumigen Wäldern fortsetzten. Taylor verstand diese Splittergruppen nicht, und seiner Meinung nach konnten sie sich getrost gegenseitig umbringen, solange sie friedliche Siedlungen wie Mill Valley in Ruhe ließen. Hier funktionierte das Zusammenleben. Nicht immer ohne Reibereien, aber Menschen und Affen gingen nicht mehr mit Gewehren aufeinander los, oder löschten sich gegenseitig Familien und Zukunft aus.

Taylor winkte der Schimpansin Zira zu, die zwei Baumreihen weiter Äpfel vom Boden einsammelte. Kaum lächelte sie ihm verschmitzt zu, schob sich das Gesicht ihres Verlobten Cornelius an einem der Baumstämme vorbei. Der Schimpanse beäugte Taylor kritisch und fletschte die Zähne.
Taylor lachte in sich hinein. Ob Mensch oder Affe, wenn es um ihre Freundinnen ging, verstanden beide keinen Spaß. Für Taylor war es ohnehin nur Spaß. Er machte sich nichts aus seinen haarigen Verwandten, aber er liebte es, sie zu ärgern. Gerade wollte er seine Arbeit wieder aufnehmen, als er jäh grob zur Seite gestoßen wurde.

„Verdammt noch mal!“, kämpfte er fluchend um sein Gleichgewicht. Aus den Augenwinkeln erhaschte er einen Blick auf einen jugendlichen Schimpansen, der, auf allen Vieren, mit einem Affenzahn zwischen den Obstbäumen hindurchfetzte. Kaum hatte Taylor seine Balance wiedergefunden, folgte dem flüchtenden Schimpansen eine Bande menschlicher Teenager. Wieder wurde Taylor unsanft zur Seite gestoßen und diesmal verlor er tatsächlich sein Gleichgewichtig, stürzte auf die vollen Apfelkörbe und riss sie um. Die harte Arbeit von Stunden kullerte sich über den Boden.

„He, ihr! Bleibt stehen, verdammt!“, brüllte Taylor den Rabauken hinterher und schüttelte die Faust. Natürlich hörte keiner auf ihn. Als ihm sein Freund Brent die Hand hinhielt, ergriff sie Taylor und ließ sich aufhelfen.
„Diese verdammten Taugenichtse!“, grollte er.
„Ach, komm schon. Die haben einfach zu viel Energie.“
„Zu viel Energie? Seit ich denken kann, fetzen sie sich, kaum dass sie sich sehen. Denen sollte mal jemand ordentlich das Fell gerben, dann hört dieser Blödsinn auf!“
„Sie haben’s auch nicht einfach.“
„Das ist keine Entschuldigung. Niemand hat es einfach!“
Brent klopfte seinem Freund schweigend auf die Schultern und half ihm, die umgefallenen Körbe aufzurichten und die Äpfel einzusammeln. Was hätte er auch sagen sollen? Der brutale Krieg hatte Wunden gerissen, die noch nicht verheilt waren und vielleicht nie wirklich heilen würden.

***

Der junge Schimpanse raste derweil weiter durch die Obstplantage, dass Gras und Staub nur so flogen. Obwohl es nicht den Anschein hatte, war seine wilde Flucht wohlüberlegt. Er hatte ein genaues Ziel vor Augen: Einen uralten, riesigen Apfelbaum, der wie eine Göttin über den anderen Obstbäumen aufragte. Ein schiefes Lächeln schob sich auf das Gesicht des Affen, ehe er, ohne seine Geschwindigkeit zu drosseln, den Stamm des knorrigen Apfelbaums hinaufkletterte. Kaum hatte er es sich in der Baumkrone gemütlich gemacht, erreichten seine Verfolger den Baum. Keuchend und schnaufend standen sie unten und blickten zu ihm herauf.

„Caesar, du elender Feigling!“, brüllte einer der Jugendlichen, ein blond Kerl mit dicker Hornbrille. „Komm runter und kämpf wie ein Mann!“
„Komm rauf und kämpf wie ein Affe. Kannst du nicht klettern, Dreyfus?“ Der halbwüchsige Schimpanse pflückte einen Apfel und biss hinein. Ihm rann der Saft über das Kinn.

Unten tigerten die Halbstarken um den Baum wie ein Rudel Wölfe. Tatsächlich gab es keine Möglichkeiten für sie, den Apfelbaum zu erklimmen. Selbst mit einer Räuberleiter blieben die untersten Äste außerhalb ihrer Reichweite. Der alte Apfelbaum war eine hervorragende Festung.

„Was machen wir jetzt, Colonel?“, wandte sich Dreyfus an einen drahtigen, breitschultrigen Jungen mit Bürstenhaarschnitt und dem ersten Flaum am Kinn. Obwohl er bisher geschwiegen hatte, war er ganz offensichtlich der Anführer der Bande. Auch jetzt sagte er kein Wort, sondern machte auf dem Absatz kehrt und verschwand zwischen den Obstbäumen. Er ließ nicht nur seine Spießgesellen einigermaßen verblüfft zurück. Auch Caesar reckte neugierig den Kopf, um zu sehen, was sein alter Widersacher plante. McCullough, von allen Schülern ob seines militärischen Aussehens und Auftretens einfach nur Colonel genannt, war ein Gegner, den man nicht unterschätzen durfte.

Tatsächlich kam der Colonel bald darauf mit einer Leiter zurück, die er an den Baumstamm lehnte.
„Haltet sie gut fest. Das Äffchen gehört mir!“, befahl er Dreyfus und den anderen, und stieg hinauf.
Caesar fletschte die Zähne und kletterte höher. Die Äste wurden immer dünner und würden sein Gewicht bald nicht mehr tragen.
„Wenn ich dich in die Finger kriege, zieh ich dir das Fell über die Ohren!“
„Brich dir nicht den Hals!“

Demonstrativ setzte sich der Schimpanse in eine Astgabel, pflückte in aller Seelenruhe einen weiteren Apfel und biss hinein. Dabei ließ er seinen Widersacher nicht aus den Augen.
„Du wirst noch um Gnade winseln!“
„So wie du, als ich die Kaffeemaschine nach dir geworfen habe? Du hast gequiekt wie ein kleines Schweinchen.“
McCullough lief vor Zorn rot an.
„Ich mach dich kalt!“, fauchte er und hatte mit zwei Sätzen das Ende der Leiter erreicht. Caesar zuckte auf seiner Astgabel zusammen. Er blickte den Apfel in seiner Hand an, dann den Menschen. Dann den Apfel. Dann warf er ihn.

Und traf McCullough zielsicher zwischen die Augen. Für einen Augenblick hielt die Zeit den Atem an, bevor der Colonel das Gleichgewicht verlor, hintenüber fiel und die Leiter nach unten rauschte.
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