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Fortress

von RADP
GeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
04.01.2018
16.04.2021
23
217.895
12
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Dieses Kapitel
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08.04.2021 10.185
 
Kapitel 22 – Hurricane




Alles war gestochen scharf, obwohl die Ränder seines Sichtfelds vor Hitze zu verschwimmen schienen. Das Weiß der Halle war blendend hell, das Gitter, das die Decke begrenzte, schimmerte metallisch und der Geruch von Blut hing in der Luft. Durch seine Adern pulsierte nur mehr das Feuer und eine unbändige Wut, jeglicher Schmerz war lang vergessen. Sein Körper fühlte sich an, als würde er brennen. Ronus spürte die gewaltigen Schwingen auf seinem Rücken, den langen Schweif hinter sich und die langen Klauen an seinen Fingern… doch alles fühlte sich ein wenig entrückt an. Größer, mächtiger… fremdartiger. Glühende Schuppen bedeckten ihn und in seiner Brust fühlte er ein Höllenfeuer lauern.

War er…? Waren sie…?

Eine plötzliche Bewegung zog seine Aufmerksamkeit auf sich und noch bevor er bewusst erfasste, was passierte, wich er aus. Seine Reflexe waren schneller als je zuvor, seine Sinne schärfer und tödlicher. Sein Blick fixierte die kleine Gestalt, die ihn angegriffen hatte und bei ihrem Anblick entkam ihm ein tiefes Knurren, ein Grollen direkt aus seinem Herzen. Winzig sah sie aus, zerbrechlich und dabei so hasserfüllt und mörderisch – Arlandria. Sie schlug erneut nach ihm, die Klinge an ihrem Arm sprühte Funken, doch ein Schlag seiner Schwingen reichte, um sie mit dem Luftzug meterweit zurückzuschleudern. Sie landete mit einem dumpfen Geräusch an der Wand der Halle und rappelte sich nur langsam wieder auf. Schwankend ging sie erneut auf ihn zu und Ronus fletschte unwillkürlich seine Zähne. Arlandrias Gesicht war zu einer schmerzerfüllten Grimasse verzogen, als sie wieder auf ihn zulief und in seinem Hals kitzelten erste Flammenzungen, die darauf warteten, endlich die Welt versengen zu dürfen. Ihre Schritte schwankten und Blut tropfte hinter ihr auf den Boden, in feinen roten Tropfen. Er konnte sie genau sehen, auf dem blanken Weiß. Er konnte sie riechen, eisern lagen sie in der Luft.

Ronus hielt inne. Ein großer Teil von ihm lechzte danach, sie zu zerfleischen, in ihre Einzelteile zu zerlegen und zu verbrennen, doch ein kleiner Rest seines Verstandes sträubte sich dagegen. Denn es war schon einmal genauso passiert. Das Blut überall, die tausend Narben auf ihrer Haut, auf seiner Haut. Die endlose Schuld auf seinen Schultern. Die Bilder hingen irgendwo tief in seiner Seele fest, genau wie das albtraumhafte Knacken, als ihre Knochen brachen. Der stumme Schrei, der sich in seinem Kopf unendlich oft abgespielt hatte. Das Violett ihrer Augen, die tot und ewig ins Nichts starrten.

Er hatte sie … er hatte sie getötet.

Er konnte es nicht noch einmal tun.

„Du überraschst mich mit dieser plötzlichen Wendung. Wirst du dieses Mal zu Ende bringen, was du anfängst, D-41?“

Mit einem Mal loderte alles in ihm bedrohlich auf und er wirbelte herum. Sein Blick fiel durch die Glasscheibe und das Feuer in seiner Brust brannte alle Gedanken hinweg. Denn da stand sie und lächelte ihr garstiges Lächeln. Wie ein Flächenbrand tobte eine unbändige Kraft durch ihn bei ihrem Anblick, er bewegte sich vorwärts, direkt auf sie zu. Vor der Glasscheibe blieb er stehen und holte weit mit seinem Arm aus, bereit diese letzte, unsichtbare Wand zwischen ihnen zu zerschlagen – doch Orukh trat zur Seite und gab den Blick frei auf die reglose Gestalt, die hinter ihr festgeschnallt war: Aven. Kraftlos und betäubt hing er in diesem seltsamen Stuhl, der Blick aus seinen schwarzen Augen verlor sich irgendwo im blendenden Weiß der Halle hinter ihm.

„Du willst ihm doch nicht wehtun, oder?“, triezte Amarra Orukh und lächelte wissend. Ronus hielt den angespannten Arm weiterhin bereit, nur ein einziges Zucken und die Barriere wäre ein Scherbenhaufen. Dennoch zögerte er, denn seine Sorge um Aven war stärker als die Wut in ihm. „Das dachte ich mir, immer noch dieselbe alte Leier“, sagte sie und schüttelte den Kopf dabei, was die Flammenzungen seiner Seele tief an den alten Wunden lecken ließ. Nie war er für irgendetwas gut genug, nie schaffte er es, irgendjemanden zu beschützen, zu erretten, zu … behalten.

„Kümmere dich um E-387, ihr habt noch eine Rechnung zu begleichen. Beweise mir endlich, dass meine Investition in dich nicht völlig sinnlos war.“ Ihre Stimme war kalt und berechnend, ihr Ausdruck hart wie immer.

Ein tiefes Grollen bebte in seiner Brust, während er mit sich haderte, irgendwo zwischen dem Verglühen und der Angst, doch dann sah er es plötzlich – einen Sekundenbruchteil nur. Avens Augen hatten sich auf ihn gerichtet, tief wie die Nacht und einen Moment lang völlig klar und anwesend. In seinem Blick lagen mehr Worte, als Ronus gerade fassen konnte, mehr Emotionen als er in seinem ganzen Leben erfahren hatte und eine einzige Antwort auf das Chaos in seinem Kopf. Ihm war, als hätte Aven ihm den Ausweg gezeigt, den einzigen, den er noch sehen konnte. Er war eine Aufforderung, dieser eine, kurze Blick. Eine Möglichkeit voranzukommen, eine Chance, es zu Ende zu bringen.

Doch vor allem, und das ließ sein Innerstes erbeben wie nichts jemals zuvor, war dieser Blick ein Abschied. Ein nie gesagtes Lebewohl, zusammengefasst in einem einzigen hoffnungslosen Aufeinandertreffen ihrer Augen, ein letztes Anerkennen ihrer gemeinsamen Zeit und ein abschließendes Begraben aller gemeinsamen Zukünfte. Avens Augen waren schwarz wie die Nacht, endlos wie die Finsternis des Universums und sie waren alles, was Ronus jemals wollte. Er hatte sein Zeichen gesehen und verstanden… und weil Aven immer wusste, was zu tun war, handelte er auch genauso. Selbst, wenn es ihm das Herz brach. Selbst, wenn es das Ende war.

Er gab auf und ließ das Feuer brennen. Seine Faust krachte auf die Glasscheibe und Orukh schreckte zurück. Aven regte sich nicht mehr. Da waren keine Scherben, nur ein langer, feiner Riss im durchsichtigen Material. Nicht genug, er musste hinein. Ronus holte noch einmal aus und sein gewaltiger Körper bewegte sich mit einer ungeahnten Kraft. In seinem Kopf und seinem Herzen loderte es und langsam drifteten auch die letzten Gedanken weg. Er schlug auf die Glasscheibe ein, wieder und wieder, die Schmerzen in seinen klauenbewehrten Pranken spürte er nicht mehr. Orukh rief irgendetwas, doch er hörte nur mehr das Rauschen in seinen Ohren und das Knistern des Feuers. Schlag um Schlag erweiterten sich die Risse, bis ihn plötzlich ein stechender Schmerz in seinem Bein unterbrach. Sein Blick fiel hinunter, auf die kleine violette Gestalt, die ihren Schwertarm in seinem Fleisch versenkt hatte. Ein Knurren und ein kleiner Hieb mit seinem Schweif, bis sie erneut quer durch die Halle geschleudert wurde. Sie konnte ihm nichts entgegensetzen, nicht in dieser Form.

Dann wandte sich Ronus wieder der Kammer hinter dem Glas zu und sah, dass die ganzen Leute dahinter aus dem Raum zu fliehen schienen. Orukh selbst stand in der Mitte und kommandierte herum, ihre Worte unverständlich. Aven hing noch immer in der Vorrichtung, gefesselt und reglos, doch zwei Personen in weißen Mänteln zogen ihn in Richtung Ausgang. Ein tiefes Knurren entkam seiner Kehle und Orukh drehte sich zu ihm. Da war etwas in ihrem Gesicht, dass er so noch nie gesehen hatte. Kein kaltes, abschätziges Lächeln, kein garstiger Ausdruck der Überlegenheit mehr. Nein… Etwas anderes. Sie hatte die Kontrolle verloren. Die Erkenntnis traf Ronus unvorbereitet und fachte das Feuer weiter an – sie hatte die Kontrolle verloren und er würde ihrem Treiben ein Ende bereiten. Sie beide wussten es.

Im Augenwinkel nahm er wahr, dass sich die Halle veränderte und irgendwelche Vorrichtungen aus ihren Verankerungen fuhren, doch in diesem Augenblick war es ihm egal. Was auch immer sie ihm entgegensetzen würde, es war egal. Sie konnte ihn nicht mehr aufhalten, denn er brannte. Zum erstem Mal seit langem brannte er vollständig.

Die Hitze in seinem Inneren konzentrierte sich in seiner Brust, loderte und kitzelte in seinen Lungen. Seine Augen fixierten Orukh, die weiter irgendwelche Worte sprach, die er längst nicht mehr verstehen konnte. An den Rändern seines Sichtfeldes verschwammen die Konturen langsam, als flimmerte die Luft. Ein gewaltiger Atemzug strömte in ihn und dann ließ er alles los, was er in sich hatte. All die Angst, all die Wut, all die Verzweiflung und die Schuld. Jahrelange Einsamkeit, all die Narben auf seiner Haut und in seinem Verstand, all die Momente, die er so bitterlich bereute und all die Erinnerungen, die er niemals loswurde. Er warf es ihr alles entgegen – eine gnadenlose Feuersbrunst schoss seinem Rachen empor, zwischen reihenweise scharfen Zähnen hindurch, direkt auf das gesplitterte Glas.

Strahlend hell und unendlich heiß brach das Höllenfeuer aus seinem Innersten hervor, steckte ihn und die Welt in Brand. Er spürte es, tief in sich drin und überall, in jeder Faser, wie er danach lechzte, sie zu verbrennen. Orukh und den Rest der Welt. Der Drache wollte es, er wollte es, das Feuer brannte und brannte und sie brannten auch. In der Hitze löste sich alles auf. Der Schmerz, die Angst, der Hass und alle Zweifel. In den endlosen Flammenzungen zerfielen Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen, selbst ein vertrautes Gesicht schien darin aufzutauchen und dann für immer zu vergehen. Vielleicht war es immer sein Schicksal gewesen, am Ende nur Asche zurückzulassen. Und schließlich tropfte auch das geschmolzene Glas von den Wänden, glühende Fäden zog es, wie Tränen aus Feuer. Ronus stoppte den Feuerstrom aus seiner Mitte und die Luft flirrte vor Hitze.

Im Raum dahinter konnte er zunächst nicht viel erkennen. Einige der Arbeitsplätze schienen komplett geschmolzen zu sein und überall war eine dicke Rußschicht zu sehen. Seine Augen wanderten über die versengte Oberflächen, auch kleinere verkohlte Klumpen waren zu sehen und er wagte nicht darüber nachzudenken, was sie vorher dargestellt hatten. Suchend raste sein Blick herum, doch er fand keinen Anhaltspunkt. Betreten und durchsuchen konnte er den Raum nicht, sein Körper war viel zu groß. War sie noch hier? War… Aven…?

Nur Sekunden später wurde die Tür aus ihren Angeln gerissen, ein paar Experimente strömten herein und attackierten ihn direkt. Ronus fegte sie mit Klauen und Zähnen achtlos beiseite, kaum mehr als Ameisen waren sie für ihn. Immer mehr strömten herein, fast als wären sie ein verzweifelter Versuch ihn aufzuhalten. Sie konnten ihm nichts entgegensetzen, doch in seinem Inneren wurde er jedoch zunehmend unruhiger. Denn er musste es wissen. Er musste wissen, ob es vorbei war. Ob Orukh zu Asche zerfallen war, ob die Marrada Rhoga ihren Kopf endlich verloren hatte. Er wollte durch diese Tür, dorthin, wo die Experimente herkamen, der Spur folgen und …

Ronus fegte noch den letzten Gegner beiseite, dann verlor er, begleitet von unglaublicher Hitze, die durch jede Faser seines Körpers jagte, ganz plötzlich seine Form. Die riesigen Gliedmaßen schrumpften zurück, die Schwingen wurden kleiner, die Schuppen auf seiner Haut feiner und ihm war, als würden seine Knochen schmelzen und sich anschließend wieder neu verfestigen. Doch da war nicht das Gefühl der rieselnden Asche, da waren keine Kopfschmerzen, kein fahles Verschwinden der Macht – nein. Sie pulsierte weiter durch seinen Körper, als er plötzlich in seiner üblichen verwandelten Form mitten in dem Raum hinter dem verschwundenen Glas stand. Er schaute einen Augenblick lang perplex auf seine Hände hinab, die wieder menschlicher wirkten, aber immer noch lange Klauen hatten und nun von rötlichen Schuppen bedeckt waren. Die Wunden von Arlandrias Klinge waren immer noch vage zu erkennen, die vom Feuer seltsam veränderten Überreste tiefer Schnitte, welche neue, hässliche Narben bilden würden.

Er warf einen kurzen Blick hinab in die große, weiße Halle, in der nun Blut, geschmolzenes Glas und Ruß verteilt waren. In der hinteren Ecke lag sie, ein violetter Punkt in weiter Ferne. Reglos, wie in seinen Träumen. War sie…? Vielleicht… Vielleicht hatte er sie irgendwann geliebt, selbst wenn er es mit all den Lügen und verzerrten Erinnerungen in seinem Kopf niemals wirklich herausfinden konnte. Doch die Chance, sie zu retten, hatte er schon lange vertan. Da war nichts mehr zwischen ihnen, außer blanker Hass und Vergessen. Das Einzige, was er jetzt noch für sie tun konnte, war, auch in ihrem Namen Rache zu nehmen und allem ein Ende zu setzen. Nach diesem kurzen Moment des Innehaltens eilte er zu der herausgerissenen Tür, denn er hatte keine Zeit zu verlieren.

Im langen Korridor hinter dem versengten Raum sah er sich um, und erblickte sie. Amarra Orukh war noch am Leben, sie war seinen läuternden Flammen entkommen. Sie starrte zurück und schrie irgendetwas. Ihr Anblick ließ ihn kurz innehalten – doch er erstarrte nicht. Instinkte, die stärker und intensiver waren als je zuvor, trieben ihn vorwärts. Er rannte, nein, er flog. Mit engen, schnellen Flügelschlägen hastete er vorwärts und hielt direkt auf sie zu. Die Leute um sie herum rannten panisch los, ein paar zückten ihre Waffen und zwei Experimente rannten auf ihn zu. Ronus zerriss sie mühelos und stürzte weiter. Sie durfte nicht entkommen. Die Geschosse prallten an seinen Schuppen ab, verfehlten ihn oder rissen Schrammen, doch es kümmerte ihn nicht. Er spürte keinen Schmerz mehr, nur noch Feuer. Und das war alles, was er brauchte.

Er riss die paar hilflosen Gestalten in den weißen Mänteln beiseite und raste an ihnen vorbei. Orukh rannte, denn sie wusste, dass er kam. Er bekam sie schon fast zu fassen, da verschwand sie plötzlich hinter einer Seitentür. Doch Ronus war dicht hinter ihr und hielt die Tür mit beiden Händen einen Spalt weit offen – gerade breit genug, um zu sehen, was sich dahinter befand. Eine Trainingshalle, jedoch deutlich kleiner als die andere, einige andere Personen in weißen Kitteln und… Aven.

Mit einem gewaltigen Ruck riss er die Tür auf, sein Herz schlug im Takt der Flammen und sein ganzer Körper flimmerte vor Hitze. Aven. Sie hatten ihn vor seinem Feuer gerettet, nur um ihn weiter zu quälen. Hilflos gefesselt hing er in der Vorrichtung, ohne Maske, ohne Mäntel, ohne Waffen. Ein wütendes Grollen ertönte aus Ronus‘ Kehle und seine Augen fixierten Orukh, die sich hinter seinem Partner positionierte, als wäre er ein Schutzschild. Oder besser gesagt: eine Geisel. In ihm brodelte es und Ronus fuhr seine Klauen so weit aus, wie es ging. Einige Wissenschaftlerinnen und Forscher richteten ihre Waffen auf ihn, zitternd und zögernd. Orukh selbst zog betont ruhig etwas aus ihrer Tasche und hielt es hoch, sodass er es gut sehen konnte.

„An deiner Stelle würde ich stehenbleiben, D-41.“

Ihre Worte drangen vage durch das Rauschen in seinen Ohren, ihr Gesicht verbarg die offensichtliche Verzweiflung ihrer Lage. Ronus verengte seine Augen und fletschte seine Zähne. Ihm war, als stieg auch jetzt wieder eine unbändige Hitze aus seinen Lungen herauf.

„Dieses Gerät kann den Schatten nicht nur betäuben – es kann die Verbindung zwischen seiner ätherischen Essenz und seinem Körper auch völlig kappen.“

Hinter ihm zuckte der stachelbesetzte Schweif unruhig hin und her, als Erinnerungen an Avens leeren Blick auftauchten. Er hatte ihn schon einmal vergessen – genau wie sich selbst und die Welt. Orukh, sie… sie wollte ihn noch einmal töten. Sie sprach weiter irgendwelche Worte, stellte Drohungen in den Raum und versuchte sich mit Lügen und Manipulationen herauszuwinden, doch Ronus hörte längst nicht mehr zu. In seinem Kopf fiel Aven zu Boden und schwarzes Blut lief aus seinem Helm. Seine Schwerter schlugen laut klirrend auf und das Geräusch hallte tausendfach in ihm wider, wie ein Mahnmal. Er hatte es sich geschworen, ihn zu beschützen. Zu verhindern, dass er jemals wieder wegen seiner Fehler so etwas erleiden musste. Dennoch stand er hier und hatte das Gefühl, dass der einzelne Blick vorhin all das zunichte gemacht hatte – das Ende stand bevor und Aven wusste es längst.

Die Zeit zu zögern lag hinter ihm. Alles, was er jetzt noch tun konnte, war handeln.

Wie in Zeitlupe erlebte er die nächsten Sekunden: Ronus‘ Muskeln spannten sich an und das Feuer fegte durch ihn. Orukhs Mund bewegte sich, er sprang los. Ein Flügelschlag, ein Hitzeschwall. Einige Geschosse flogen auf ihn zu, verfehlten ihn, trafen ihn, hielten ihn nicht auf. Er stürzte über Aven hinweg, direkt auf sie zu und spürte den gewaltigen Widerstand. Ihre unsichtbare Barriere hatte ihn schon einmal aufgehalten – doch damals war er schwach gewesen. Schwach und ängstlich. Jetzt aber brannte jeder Winkel seines Geistes, jede Faser seines Körpers. Jetzt war er mächtig und bereit, es zu Ende zu bringen. Für den Bruchteil einer Sekunde spürte er, wie seine Haut in Flammen aufging, dann brach er durch die Barriere.

Seine Klauen trennten Orukhs Finger von ihrer knochigen Hand und zerteilten das Gerät, das Aven gefangen hielt. Ihre Herrschaft war vorbei. Seine Zähne gruben sich tief in ihren Hals, hinein in das Fleisch, bis das Blut warm und reichlich hervorschoss.

Zerreißen.

Stück um Stück, Hieb um Hieb, Biss um Biss.

Zerfetzen.

Blut und Rache, beide schmeckten eisern und bitter.

Zerstören.

Das Feuer in ihm brannte lichterloh, die Welt verschwamm hinter der flimmernden Hitze.

Verbrennen.

Er würde es zu Ende bringen. Nach all den Jahren. Jede einzelne Narbe, jedes einzelne Leben zahlte er zurück.

Bis nichts mehr übrig war.





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Mit einem Mal wich die erdrückende Gleichgültigkeit, der undurchdringliche Nebel lichtete sich und Aven wurde von Eindrücken erschlagen. Aus allen Richtungen spürte er fremde Seelen und unermessliches Leid, sein Kopf dröhnte von der nachlassenden Betäubung und sein Körper hing schlaff in den Fesseln. Aufgeregtes Geschrei, Schüsse und ein tiefes Knurren erfüllten seine Ohren, als er mühsam die Augen öffnete. Dem gleißenden Licht schutzlos ausgeliefert erfassten sie die Konturen fliehender Personen in weißen Mänteln und die Ausmaße des Raums. Hell und steril wirkte dieser auf den ersten Blick, doch… hinter ihm tobte Etwas.

Aven fühlte es deutlich – das Feuer, das dort strahlend hell und glühend heiß brannte. Ronus. Er war… Doch wie…?

Mehr und mehr Erinnerungsbrocken tauchten in seinem Kopf auf, vor seinem geistigen Auge sah er die Nyar gegen ihn kämpfen, sah ihn zu Boden gehen, sah wie er… Ronus war in Flammen aufgegangen und der Draconid hatte seine Gestalt gezeigt. Aven erinnerte sich nur verschwommen, zu stark war das Störsignal gewesen, doch er hatte alles mitangesehen. Die riesige Gestalt mit der glühenden Seele und ihre tiefrot-brennenden Augen, hinter denen Ronus verborgen lag. Sein sengender Blick hatte ihn erfasst und Aven hatte gewusst, dass es vorbei war. Dass es nur mehr einen Ausweg hab. Er hatte es gespürt, das Feuer. Das Feuer in seinem Inneren, das ihn verzehrte. Das Feuer, das aus seiner Kehle kam und zwischen gewaltigen Zahnreihen herausströmte, um alles in Asche zu verwandeln.

Doch noch war es nicht vorbei. Immer noch leicht benommen und erschreckend kraftlos rüttelte er sogleich an seinen Fesseln, doch sie gaben nicht nach. Stabile Gurte schnürten seine Arme, Beine und seine Brust fest, sein Körper war zu ausgelaugt, um etwas auszurichten. Seine Schwerter spürte er ganz schwach und weit entfernt – vermutlich hatte sie Amarra Orukh irgendwo sichergestellt, nachdem es ihm gelungen war, sie damit zu verletzen. Aven wandte den Kopf so weit um, wie es ging, und versuchte einen Blick auf Ronus zu erhaschen. Doch im Augenwinkel konnte er nur ein rotes Durcheinander erkennen. Die Geräusche, die von dort kamen, waren gelinde gesagt besorgniserregend.

„Ronus?“

Als keine Antwort kam, wandte sich Aven schließlich wieder nach vorne. Die anderen Mitglieder der Marrada Rhoga waren weggelaufen, doch sicher waren sie innerhalb dieser Basis deshalb noch lange nicht. Zu viele Seelen, zu viele Feinde. Sie mussten handeln, und zwar schnell. Er schloss also seine Augen und rief für den Bruchteil einer Sekunde die Dunkelheit herauf – einen Augenblick lang tauchte er in die Zwischenwelt, um die Fesseln und auch das Halsband, das sie ihm angelegt hatten, hinter sich zu lassen. Doch im Zwielicht strahlte Ronus‘ Leuchtfeuer noch stärker, fast wie ein Flächenbrand in einer trockenen Steppe. Was war mit ihm geschehen? Aven tauchte aus den Schatten auf und wurde sogleich von einer Welle der Erschöpfung überrollt. Er richtete sich mühevoll auf und blickte endlich zu seinem Partner hinüber, doch das Bild, das sich ihm darbot, ließ ihn erstarren.

Blut, überall Blut.

Der weiße Raum war in Rot getaucht, und in seiner Mitte stand keuchend und blutverschmiert Ronus, der ihm den Rücken zugewandt hatte und dessen Konturen vor Hitze zu verschwimmen schienen. Die Blutspritzer reichten bis an die Decke, Fleischbrocken und Knochensplitter lagen kreisförmig um ihn verteilt. Jegliche Kleidung war von seinem Körper gebrannt, seine Haut war von strahlend roten Schuppen bedeckt. Seine Flügel standen halb offen und verbargen sein Gesicht dahinter, sein Schwanz schlug langsam und bedrohlich hin und her und von seinen langen Klauen tropfte ebenfalls rote Flüssigkeit.

Bis auf Ronus‘ rasselnden Atem war es völlig still. Kein Geschrei mehr, keine Schüsse, nicht einmal ein Alarm hallte durch die Basis.  

Avens Blick fiel hinunter, auf die Quelle des ganzen Bluts. Viel war davon nicht mehr zu erkennen, der Körper war zerfetzt und das Gewebe lag im halben Raum verteilt. Überreste eines weißen Kittels konnte er noch ausmachen, doch Seele spürte er keine mehr. Wenn man von Ronus‘ Werdegang und seinen Rachegedanken ausging, konnte es sich nur um eine Person handeln. Mit einem tiefen Atemzug sammelte sich Aven und ging zu ihm hinüber.

„Ronus“, sagte er noch einmal und bemühte sich, seine kraftlose Stimme laut und klar zu halten. Eigentlich wollte er ihn anfassen, sanft an der Schulter berühren und ihm zeigen, dass er nicht alleine war. Doch im Moment erschien es ihm gefährlich, Ronus in irgendeiner Form zu überraschen. Zu unberechenbar war der Draconid in ihm, zu ausgelaugt war sein eigener Körper – im Fall der Fälle konnte er ihm nichts entgegensetzen. Also umkreiste er ihn vorsichtig und wich dabei den größeren roten Flecken auf dem Boden aus.

„Ronus, ist alles in Ordnung?“, fragte er und umrundete ihn langsam. Sein Atem ging immer noch schwer und sein ganzer Körper schien zu beben. Als seine riesigen Schwingen endlich den Blick auf sein Gesicht freigaben, blieb Aven stehen. Ronus‘ Augen glühten so unendlich rot und verloren sich dennoch irgendwo im Nichts. Blut und Tränen liefen über seine Wangen, seine Zähne waren fest aufeinandergepresst und seine Hände zitterten.

Avens Verstand sagte, dass er Abstand halten musste. Dass es gefährlich war, sich ihm in diesem Zustand zu nähern. Dass er die Kontrolle verlieren könnte oder bereits verloren hat, dass er ihn verletzen oder töten konnte, wenn er eine falsche Bewegung machte. Doch so sehr Avens Verstand die Lage auch korrekt einschätzte, seine Beine machten etwas anderes. Sie stiegen über das Blut hinweg, über den bis zur Unkenntlichkeit zerfleischten Körper von Amarra Orukh. Seine Arme legten sich um die glühende, blutige Gestalt und zogen Ronus in eine Umarmung.

Weil sein Blick so verloren wirkte und Tränen aus seinen Augen strömten. Weil Aven immer schwach wurde, wenn es Ronus schlecht ging. Weil seine Nähe immer das Einzige war, was dagegen half.

Weil Ronus eine Umarmung brauchte.





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Irgendwo zwischen dem Geschmack von Blut, dem unendlichen Rauschen in seinen Ohren und dem flackernden Feuer in seinem Inneren, verloren sich Ronus‘ Gedanken. Da war nicht mehr viel, worum sie kreisen konnten. Er war dort angekommen, wo er schon so lange hinwollte – dennoch fühlte es sich nicht wie ein Sieg an, und das überforderte ihn maßlos. Es hätte sich gut anfühlen sollen, es hätte ihm Frieden bringen sollen, Genugtuung oder wenigstens Schadenfreude. Aber alles, was er noch spürte, war der eiserne Geschmack in seinem Mund und das Gefühl, sich verloren zu haben. Das Feuer hatte ihn aufgefressen und sich in jede Faser gebrannt, sodass er nicht mehr wusste, was von ihm noch übrig war.

Es fühlte sich an, als hätte er eine Linie überschritten, eine Grenze hinter sich gelassen… als hätte er einen Weg eingeschlagen, von dem es keine Wiederkehr mehr gab. Als hätten sie gemeinsam diesen Schritt gemacht. Er und der Drache. Einen Schritt ins Nichts, denn da war kein Boden mehr. Da war kein Halt mehr, kein Ziel. Er fiel… Sie fielen… Sie taumelten und stürzten, bis-

Im ersten Moment wusste Ronus nicht wie ihm geschah, als da plötzlich etwas auftauchte. Als eine Berührung ihn aus dem freien Fall zerrte und sein Blick verwirrt zurück ins Hier und Jetzt fand. In eine Halle, die er in Blut getaucht hatte. Sein Atem ging schnell und das Herz pochte immer noch panisch in seiner Brust, doch da war etwas Kühles, das versuchte sein Feuer zu bändigen. Da war… Aven.

Nishaq ii’Jevel. Jareqh zashan damiye.“

Seine Arme hielten ihn ganz vorsichtig umschlungen, sein Kopf ruhte auf Ronus‘ Schulter und seine sanften Worte aus Dunkelheit strömten langsam in seine Ohren. Sie besangen in der Sprache der Schatten die Monde seiner Heimat und sagten ihm, dass es in Ordnung war. Dass er immer noch hier war, noch nicht zurückgekehrt in die Finsternis. Sie vertrieben zärtlich das Rauschen und brachten eine eigentümliche Ruhe mit sich. Er lauschte seiner Stimme und das Beben in seinem Körper ließ langsam nach. Irgendwann schaffte er es, seine Arme anzuheben und sie ebenfalls um Aven zu legen.

Es fühlte sich gut an, sich an ihm festzuhalten und das Gefühl des Fallens langsam hinter sich zu lassen. Und es fühlte sich beinahe surreal an, dass er noch da war. Ronus drückte ihn noch ein wenig fester, als ihm schlagartig bewusstwurde, wie unwahrscheinlich dieser Moment war. So, als müsste er testen, ob er wirklich da war, ob er tatsächlich vor ihm stand, lebendig und real. Bei allem, was passiert war, musste er sichergehen, dass es keine Einbildung war, kein Trugbild oder eine billige Illusion, die ihm auch die letzten Fetzen seines Verstandes zerreißen würde.

Doch Aven war wirklich da und hielt ihn fest. Solange, bis er sich wieder gefangen hatte. Irgendwann verstummte sein beruhigender Spruch und seine Arme gaben ihn frei. Nur widerwillig löste sich Ronus von ihm und ließ ihn einen halben Schritt zurücktreten. Er wirkte müde und ausgelaugt, wie er so vor ihm stand. Keinen einzigen Teil seiner Ausrüstung trug er bei sich, nur der schwarze Kristall in seiner Brust zeichnete sich schwach durch den Stoff ab, der ihn bedeckte. Der helle Anzug, den er trug, ließ seine Haut noch blasser und beinahe kränklich wirken. An Ärmeln und Oberkörper war er rot beschmiert, wie Ronus bemerkte – weil er ihn umarmt hatte. Sein Magen zog sich zusammen.

Es war völlig still im Raum, nur Aven schaute ihn aus seinen dunklen Augen an. Ronus wollte am liebsten in ihrer Finsternis versinken und nie wieder auftauchen, doch er nahm überdeutlich wahr, was er hier angerichtet hatte – und wofür Aven wohl irgendeine Erklärung wollte. Er roch es, das Blut. Es war überall. Er konnte es sehen und spüren, an seinen Händen, auf seiner Haut, in seinem Mund… Aber was sollte er ihm schon dazu sagen? Das Feuer und er, sie hatten dasselbe gewollt. Jeglicher Widerstand hatte sich in Flammen aufgelöst, jegliche Hemmungen waren zu Asche zerfallen. Es hatte keinen anderen Weg gegeben, nur diese eine-

„Du hast es geschafft“, sagte Aven ganz ruhig und stoppte seine Gedankenspirale abrupt. Ronus blinzelte perplex. Hatte er das gerade richtig gehört? Er schaute ihn fragend an, sein Mund klappte ungläubig auf.

„Ich-“, fing er an, doch er wusste nicht, was er überhaupt sagen sollte. Das war schlichtweg nicht die Reaktion, die er erwartet hatte. „Ich… hab’s geschafft?“

Aven ließ seinen Blick durch den Raum schweifen und nickte dabei. „Du hast sie ausgeschaltet, ihre Handlanger und Helferinnen sind kopflos davongerannt, als ich gerade zu mir gekommen bin“, erklärte er und betrachtete den zerfetzten Haufen Fleisch zu seinen Füßen. „Du hast es zu Ende gebracht und mich von ihrem seltsamen Gerät befreit“, fügte er hinzu und seine Augen wandten sich erneut zu ihm. Ronus nickte, obwohl er sich nicht gerade fühlte, als hätte er im Sinne irgendeines Plans gehandelt. Er hatte sich doch verloren, irgendwo zwischen dem Feuer und den Bildern seiner Vergangenheit… oder?

„Du hast das Feuer zugelassen, Ronus. Du hast es geschafft – die Verwandlung.“

Sofort schüttelte er den Kopf, trat einen Schritt zurück. „Nein- Nein, ich-“, stammelte er und wich ihm aus, doch Aven hielt ihn fest. Seine Hand lag auf Ronus‘ Schulter und zwang seinen Blick zurück in sein Gesicht.

„Es ist in Ordnung. Wir müssen jetzt nicht darüber sprechen“, unterbrach er ihn prompt und in seiner Stimme lag ein entschuldigender Ton. „Aber wir können uns noch nicht ausruhen, sieh dich um.“ Aven wirkte angespannt und Ronus folgte seinem Blick, drehte sich um zur Tür, die er vorhin aufgerissen hatte. Ein rotes Licht blinkte nun im Korridor dahinter, offenbar hatte jemand einen Alarm ausgelöst.

„Wir sind ein leichtes Ziel hier, selbst wenn Orukh nicht mehr das Kommando hat,“ merkte Aven an und klang dabei erschreckend müde. Ronus nickte zögerlich und atmete tief durch. Es war jetzt keine Zeit, in Panik zu verfallen, er hatte Recht. Er spürte in sich hinein, fühlte das Feuer weiterhin brennen und pulsieren, wie ein Motor, der auf Hochtouren lief – bereit, jederzeit wieder hochzudrehen und Gas zu geben. Es… es war anders als zuvor. Da war keine rieselnde Asche in den Ecken seiner Wahrnehmung, da war nicht einmal die Ahnung von Schmerzen oder Schwäche. Vielleicht hatte Aven Recht, so wie immer. Vielleicht hatte er es angenommen, vielleicht stand er nicht mehr im Krieg mit sich selbst, auch wenn ihm die Vorstellung des Drachen in seinem Kopf und seinem Herzen immer noch Angst machte. Wenn die Veränderung ihm die Kraft gab, das hier durchzustehen und seinen Prinzen zu retten – dann würde er weiterbrennen, um jeden Preis. Dann würde er eins werden, mit dem Feuer. Ronus ballte seine Hände zu Fäusten und schaute Aven tief in seine Augen.

„Wo sind deine Schwerter? Wir holen sie uns zurück, und dann unsere Freunde.“

Aven nickte und für den Bruchteil einer Sekunde glaubte er ein angedeutetes Lächeln auf seinen Lippen zu erkennen. Sein Herz sprang kurz aus dem Takt und er wusste genau, dass er alles für diesen Anblick geben würde – Drache hin oder her. Er würde Aven hier rausbringen, er würde sie alle hier rausbringen.

Und endgültig sicherstellen, dass die Marrada Rhoga ihr Ende fand.





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Sie kamen näher, er spürte es deutlich.

Mit jeder Ecke, die sie hinter sich ließen, und mit jeder Tür, die Ronus aufriss, rückten sie näher. Aven fühlte, wo die Teile seiner Seele versteckt waren, und sobald er sie endlich in seinen Händen hielt, wäre er wieder ganz. Selbst, wenn er seine Maske und die Mäntel nicht mehr zurückbekam, solange zumindest die Splitter seiner Essenz ihren Weg zu ihm fanden, wäre er zufrieden. Er wäre wieder in einem Stück – soweit man das bei seinem zerstörten Seelenkristall überhaupt noch sagen konnte.

Ronus hingegen war bereits an seiner Seite, trieb sie vorwärts und was auch immer sich ihm in den Weg stellte, wurde ausgeschaltet. Er war unaufhaltbar und Aven konnte nur schwer wegschauen oder den Blick abwenden. Das Brennen seiner Seele leuchtete stärker als zuvor, der Ez‘Kazqesh pulsierte spürbar durch ihn, selbst wenn Ronus die Kontrolle behielt. Sein ganzes Verhalten im Kampf war noch eine ganze Stufe instinktiver und schneller als üblich, doch auch merkbar tödlicher. Ronus war es schon immer vergleichsweise schwergefallen, diese mörderischen Impulse zu kontrollieren, wenn seine Verwandlung zu weit ging – doch nun, wo dieser versengende Teil seiner Seele in den Rest integriert schien, wurde es deutlicher. Der Draconid hatte kaum irgendeine Achtung vor Lebewesen. Ob er Metall zerfetzte oder einen Körper aus Fleisch und Blut war ihm einerlei.

Doch nicht, dass ihm so ein Denken fremd wäre, nein. Aven hatte kein Recht darüber zu urteilen, denn an seinen Händen und Klingen klebte noch viel mehr Blut, und das ganz ohne eine brennende Bestie, die ihm aufgezwungen worden war. Dennoch machte es ihn nachdenklich, denn an irgendeinem Punkt würde er wohl auch erfahren, was das alles mit Ronus anstellte. Der Mensch war nicht dafür gemacht, so zu sein, ganz egal wie sehr er versuchte, sich dieser Rolle anzupassen. Er wollte nichts mehr, als andere zu beschützen und allen Leid zu ersparen – selbst, wenn er sich dafür immer wieder in Bächen aus Blut wiederfand.

Auch jetzt, wo der Draconid sich in ihm zeigte, war sein oberstes Ziel klar ersichtlich: Er wollte ihn hier rausbringen. Und alle ihre Freunde retten. Im Grunde seines Herzens war Ronus ein Wesen mit sanften Zügen, mit Empathie und Mitgefühl. Er suchte die Schuld oft bei sich selbst, auch wenn er das nicht musste. Er gab sein Bestes, auch wenn es ihm schwerfiel. Er sorgte sich um andere. Er sorgte sich… um Aven. Und obwohl die a’Shir das als Schwäche ansahen, gefiel es ihm. Es war auf eine sehr seltsame Art und Weise schön, dass es jemanden gab, in den unendlichen Weiten des Universums, dem sein Leben und Sterben nicht gleichgültig war. Es war schön, dass Ronus – endlich wieder – an seiner Seite war. Auch in all diesem unsagbaren Chaos, in dem sie sich befanden.  

„Von rechts“, rief Aven, als er spürte, dass sich etwas Schnelles näherte. Wie ein Leuchtfeuer eilte Ronus voraus und erledigte im Handumdrehen ein Experiment, das auf sie zugeschossen kam. Aven konnte im Moment nicht viel tun, um ihn zu unterstützen, daher versuchte er zumindest deutlich zu erfühlen, was um sie herum geschah. Für fast alles andere fehlte ihm schlichtweg die Kraft, doch davon hatte sein Partner aktuell umso mehr.

So kämpften sie sich durch die Gänge der Basis und stießen immer wieder auf leichte Gegenwehr. Doch scheinbar hatte er Recht behalten: Ohne Amarra Orukh waren sie führungslos und konnten so kurzfristig keine adäquate Reaktion auf die Beine stellen. Aven hatte solche Situationen oft genug erlebt – sobald die Führung außer Gefecht war, musste man das resultierende Chaos nutzen und schnell die gesamte Struktur unschädlich machen. Sie hatten nur ein begrenztes Zeitfenster und sahen sich einer völlig undurchschaubaren Masse an Gegnern gegenüber, daher standen ihre Chancen immer noch verhältnismäßig schlecht, herkömmlich betrachtet. Doch mit Ronus an seiner Seite wurde er das Gefühl nicht los, dass er alles schaffen konnte.

An der nächsten Kreuzung mehrerer Korridore blieb Ronus stehen und wartete auf ihn. Aven eilte ihm hinterher, auch wenn er mittlerweile deutlich bemerkte, wie ihm die Kraft ausging, und stellte sich neben ihn. Erneut fühlte er durch die erdrückende Menge an Seelenwahrnehmungen. Es war nicht mehr weit, die Verbindung zu seinen Klingen wurde zunehmend stärker. Aven tastete danach und spürte sie weiter unten, in einem anderen Stockwerk. Der Versuch sie herbeizurufen war im Moment noch sinnlos, durch all diese Wände und Türen konnten sie sich nicht schneiden. Doch nicht mehr lange und-

Aven hielt inne und verzog unwillkürlich das Gesicht. War das-?

„Was ist? Hast du sie?“ Ronus schaute ihn erwartungsvoll an.

Aven schüttelte den Kopf und tastete noch einmal genauer in die Richtung, die er soeben wahrgenommen hatte. Ja, definitiv, da war eine bekannte Seele. Oder…? In der schieren Menge war es nicht so leicht festzustellen, doch er bekam sie noch einmal zu fassen und war sich sicher: „Ich habe Seikei und Keromi gefunden.“

Sofort leuchteten Ronus‘ Augen auf. „Wo sind sie? Sind die anderen auch dort?“, hakte er nach und wirkte aufgeregt. Aven schüttelte den Kopf. „Nein, nur die beiden. Sie scheinen wohlauf zu sein, soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann“, erklärte er und fügte sofort noch einen weiteren Gedanken hinzu: „Aber wenn wir Seikei Zugang zum System der Basis verschaffen, könnte uns das in jeder Hinsicht entscheidend weiterhelfen.“

Ronus nickte und ein Grinsen entblößte seine messerscharfen Zähne: „Sag mir einfach, wohin wir müssen.“

Im Hintergrund leuchteten immer noch die roten Blinklichter, sie befanden sich weiterhin mitten im feindlichen Gebiet und er war quasi nutzlos in seinem erschöpften Zustand und ohne seine Ausrüstung – doch etwas in Aven entspannte sich merklich bei diesem Anblick.





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Mühelos riss er die Tür auf.

Gemeinsam mit Aven betrat er vorsichtig den Raum dahinter, der von seltsamen Vitrinen und anderen Behältnissen gesäumt war. Allerhand merkwürdige Dinge waren darin zu sehen, manche organisch wirkenden Gegenstände schwebten in irgendwelchen Flüssigkeiten, andere lagerten offenbar luftdicht verschlossen hinter Glas. Wären Feinde in der Nähe, hätte ihn sein Partner längst gewarnt, daher wanderten Ronus‘ Augen eher neugierig als hektisch durch den Raum und betrachteten all die Gerätschaften. Irgendwo hier mussten sie sein, Aven war sich sicher. Irgendwo zwischen diesen unzähligen geraubten oder gezüchteten Dingen, die die Marrada Rhoga über die letzten fünf Jahre angesammelt hatte. Im Grunde durfte er gar nicht zu viel darüber nachdenken, ansonsten würde er mit Sicherheit abstürzen. All die Geschichten und Schicksale, die sich an diesem vermaledeiten Ort hinter jedem Winkel versteckten… genau wie all das Blut an seinen Händen… Er musste nach vorne schauen, sonst würde er durchdrehen. Und dafür hatte er im Moment wirklich keine Zeit.

„Hier“, sagte Aven und Ronus horchte auf. Er ging die paar Schritte hinüber und schloss zu seinem Partner auf, der vor einer Art sperrigem Kasten in der hinteren Ecke des Raums stand. Keine Kennzeichnung deutete darauf hin, keine Scheibe ermöglichte einen Einblick, doch Aven stand davor und spürte es wohl: Teile seiner Seele befanden sich darin. Ronus dachte zurück an das vage Gefühl, dass er verspürt hatte, als er einen Schwertgriff in der Hand gehalten hatte. Eine seltsame, lebendige Macht wohnte seinen Waffen inne – genau wie dem schwarzen Stein in seiner Mitte. Seine Seele. Seine Identität. Er musste die Schwerter auf jeden Fall zurückbekommen. Dabei hatte Aven selbst sogar vorgeschlagen, zuerst Seikei und Keromi zu befreien, doch Ronus hatte sich vehement geweigert. Bevor sein Prinz nicht wieder ganz war, zogen sie nicht weiter.

„Soll ich das Teil aufbrechen?“, fragte Ronus nur und fuhr demonstrativ seine Krallen aus. Doch Aven schüttelte nur kurz den Kopf und schloss dann seine Augen. Im nächsten Augenblick ragten bereits zwei tiefschwarze Klingen aus dem Metall des Kastens hervor und zerschnitten beinahe lautlos das Material, fast als wäre es weiche Butter. Ronus verfolgte das Schauspiel fasziniert, denn es war, wie praktisch alles, was Aven tat, unglaublich elegant. Von Geisterhand gesteuert fegten die scharfen, dunklen Schwerter durch ihr Gefängnis, bereit zu ihrem Besitzer zurückzukehren. Durch die Öffnung, die sie selbst geschaffen hatten, schwebten sie schließlich Sekunden später heraus und direkt in Avens Hände, die sich prompt um die Griffe schlossen. Er ließ es sich kaum anmerken, doch Ronus konnte sehen, wie sein Partner tief ein- und ausatmete, als die Erleichterung durch ihn rollte – sein ganzer Ausdruck schien sich ein wenig zu entspannen. Dann öffnete er seine Augen wieder und wandte sich ihm zu.

Ronus lächelte unwillkürlich, als er es auch in seinem Gesicht zweifelsfrei erkannte. In seinen tiefen Augen spürte er sie genau: die Zuversicht. Und das Selbstvertrauen. Aven hatte seine Waffen zurück und er war bereit.

„Holen wir sie“, sagte der a’Shir nur und wandte sich um. Vermutlich suchte seine Seele bereits in der ganzen Basis nach ihren verstreuten Kameraden. Mit schnellen Schritten ging er nun voraus in Richtung der Tür und Ronus hastete hinterher, doch dann fiel zufällig sein Blick durch eine Scheibe in eine Kammer, die über einen schmalen Zugang mit diesem Raum verbunden war. Sein Innerstes zog sich zusammen.

„Warte“, rief er nur und schob sich schnell hinein, ohne Avens Reaktion abzuwarten. Er riss die Kabel und Sensoren beiseite, löste all die fremdartigen Applikationen von dem vertrauten Anblick und nahm sie in die Hand. Tatsächlich.

Er drehte sich um und hielt sie Aven, der ihm mittlerweile gefolgt war, wortlos entgegen: seine Maske. Der Ausdruck des a’Shir wandelte sich in Ungläubigkeit. Er ließ seine Schwerter los, die einfach an Ort und Stelle mitten in der Luft verweilten, und nahm die weiße Maske mit den altbekannten Mustern in seine Hände. Da lag etwas in seinem Blick, das er nicht ganz zuordnen konnte. Etwas Verletzliches, vielleicht. Ronus war sich nicht sicher, wie er seine Gefühlslage deuten sollte, doch auf jeden Fall war seine Reaktion nicht negativ. Vermutlich hatte sich Aven ohne seinen ganzen Superschattenkrieger-Klimbim ziemlich nackt gefühlt. Oder war sich zumindest… ausgeliefert vorgekommen. Und wer konnte es ihm verdenken? So sehr sie auch von einer schmerzhaften Geschichte durchsetzt waren, er hing an diesen Dingen. Womöglich hatte er bereits angenommen, sie nie wieder zurückzubekommen.  

Auf dem Untersuchungstisch, von dem er die Maske genommen hatte, lagen auch die weißen Mäntel des Shircon ausgebreitet, teilweise zerfleddert und immer noch beschmutzt von den Kämpfen, die er an Bord dieser Basis bereits ausgetragen hatte. Sie hatten sich also nicht nur ihn, sondern auch seine Ausrüstungsgegenstände vorgenommen – natürlich. Zum Glück waren sie alle noch halbwegs in einem Stück, denn Ronus wusste nur zu gut, dass die Marrada Rhoga nicht davor zurückscheute, Dinge und Lebewesen achtlos zu zerlegen, um ihre Funktionsweise herauszufinden. Ronus nahm also die weißen Umhänge vom Tisch, die er am Anfang so lächerlich gefunden hatte, und trat vor seinen Partner, der immer noch wie in Trance seine Maske anstarrte. Behutsam streifte er Aven den weißen Stoff über seine Schultern.

Einen tiefen Atemzug später setzte der a‘Shir seine Maske auf und zog die Kapuze über seinen Kopf. Die schwebenden schwarzen Klingen verschwanden unter seiner fließenden Wand aus weißen Fasern und er stand in altbekannter Pracht vor Ronus. Was sich in seinem Gesicht wohl abspielte, war nun wie so oft ein Rätsel, doch er konnte es irgendwo erahnen. Ein ruhiger Ausdruck vermutlich, überlegt und besonnen. Vielleicht mit einer Prise Entschlossenheit, die seinen endlos schwarzen Augen entsprang. Womöglich lief ein angespanntes Beben über sein Gesicht, eine Aufbruchsstimmung, die nur lose von andeutungsweise zuckenden Mundwinkeln angekündigt wurde. Ronus wusste es nicht, doch es fühlte sich gut an, ihn wieder verhüllt zu sehen. Geschützt vor dem Licht, das ihn blendete, und geschützt vor den Leuten, die ihm wehtun wollten. Geschützt und bereit, den Weg an seiner Seite weiterzugehen, was auch immer ihnen auflauern würde.

Aven war wieder ganz.

Ronus wusste nicht, was ihm passiert war, seit sie hier gefangen waren. Er wusste nicht, was sie ihm angetan hatten. Er wusste nicht einmal, wie viel Zeit vergangen war, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten.

Sie hatten ihm alles genommen, seine Kameraden, seine Rüstung, seine Seelenwaffen, ja, sogar seine Magie.

Doch die Monde von Zel schienen noch immer auf Aven ii’Coron daq Surronye und Ronus wusste es. Dass Aven nie aufgegeben hatte.

Denn er war immer noch hier.

An seiner Seite.





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Ein lautes Scheppern ertönte, als die säuberlich zerschnittenen Teile der Tür zu Boden fielen.

Sie gaben den Blick frei, auf den kahlen weißen Raum dahinter. Er glich jener schmucklosen Gefängniszelle, in der er auch selbst lange gesessen hatte. Auf der linken Seite, an die Wand gelehnt und zusammengerollt saß Seikei, der ihn nun mit weit aufgerissenen Augen anstarrte. Ungläubig blinzelnd sprang er auf und stammelte ein verdutztes: „Aven?“ Er nickte bloß und winkte ihn herbei. Ein erleichtertes Lächeln breitete sich auf dem Gesicht des Lhe aus und als er näherkam, umarmte er ihn ganz ungeniert. Üblicherweise war Aven, bis auf gewisse Ausnahmen, kein Freund solcher Berührungen, doch für den Moment akzeptierte er es schlichtweg.

„Alles in Ordnung?“, fragte er knapp. Seikei nickte, doch er bemerkte, dass seine Arme zitterten. Als er sich wieder von ihm löste, ertönte hinter ihnen noch einmal ungeheurer Krach, als auch Ronus eine Tür aus ihren Angeln riss und damit Keromi befreite. Sie gingen hinüber und auch Keromi stapfte gleichermaßen irritiert und erleichtert aus seiner Zelle.

„Aven, Ronus... wie…?“ Er konnte dem Wosorgh deutlich ansehen, dass ihr Erscheinen ihn überforderte. „Ja, wie? Und … warum hast du nichts an, Ronus?“, fragte Seikei direkt im Anschluss und schaute demonstrativ zur Seite weg. Sein Partner wirbelte sofort herum, verdeckte behelfsmäßig die Sicht mit seinen Flügeln und wäre seine Haut nicht von roten Schuppen bedeckt, wäre er wohl völlig rot angelaufen. „Das ist das Erste, was dir einfällt? Du Penner!“, fauchte er und drehte sich beleidigt weg. Aven musste fast schmunzeln unter seiner Maske. Tatsächlich war es Ronus bisher erstaunlich egal gewesen, dass er splitternackt durch die Gänge lief – doch vermutlich befassten sich seine Gedanken aktuell mit deutlich Wichtigerem. Oder der Draconid hatte auch dahingehend Einfluss und es war ihm in dieser veränderten Form tatsächlich eher gleichgültig, dass sich bei seiner vollständigen Verwandlung seine Kleidung in Asche aufgelöst hatte.

„Details können wir später klären, wir haben nicht viel Zeit. Ronus hat mich befreit und die Anführerin der Marrada Rhoga ausgeschaltet“, ging Aven dazwischen und versuchte den Fokus zu wahren. Seikei und Keromi schienen daraufhin ebenfalls wieder bei der Sache zu sein, soweit man das bei so einer plötzlichen Rettungsaktion sagen konnte. „Wir haben nur ein kurzes Zeitfenster, das wir jetzt nutzen können. Sie werden entweder versuchen zu fliehen oder uns auszuschalten, daher zählt jede Sekunde. Wir müssen ihr System kapern und unsere Verbündeten befreien.“ Seikei biss sich nervös auf die Unterlippe, nickte jedoch. „Habt ihr die anderen bereits gefunden?“, hakte Keromi sofort nach. Aven schüttelte den Kopf.

„Es war nur Zufall, dass Aven euch hier gespürt hat“, erklärte Ronus, der immer noch leicht beleidigt und mit verschränkten Armen dastand. Doch sein Ton klang ernst. „Er hat nicht viel Kraft übrig, also für magisches Seelenzeug. Deswegen müssen wir uns alle gemeinsam drum kümmern.“ Keromi nickte nachdenklich und auch Seikei schien zu verstehen. „Alles klar, ich brauche nur irgendwo einen Zugang zu ihrem System, dann kann ich versuchen alles ausfindig zu machen“, sagte er und wirkte entschlossen. Aven nickte und erklärte: „Ein paar Stockwerke weiter oben vermute ich eine Art Kontrollzentrum, wir sind kurz daran vorbeigekommen.“ Seine Kameraden nickten, Keromi bedeutete ihm vorzugehen und den Weg zu weisen, was Aven auch sogleich umsetzte. Doch mit einem Seitenblick fügte Seikei hinzu: „Aber vielleicht können wir unterwegs noch Hosen für Ronus finden.“ Sein Partner schnaubte empört und schüttelte den Kopf.

So liefen sie also zurück in Richtung des Kontrollraums, den sie unterwegs gesehen hatten, zusammen mit Ronus, der leise zeterte – und es fühlte sich fast so an, als wäre alles wie immer. Aven wünschte sich zurück in diese Normalität, wo sie zusammen mit ihren Freunden und Kameraden auf Missionen waren. Im Hinblick auf dieses gewaltige Debakel würde er langweilige Einsätze und Aufgaben, die sie nicht in Gefangenschaft oder Lebensgefahr brachten, freudig akzeptieren.

Vielleicht war dieser Albtraum bald endlich wieder vorbei.

Doch schon im nächsten Moment stürmten zwei weitere Experimente um die nächste Ecke, die Aven knapp ankündigte, bevor Ronus sie mit unglaublicher Geschwindigkeit und Wucht in die Wände rammte, mit seinem stachelbewehrten Schweif fixierte und mit seinen langen Klauen förmlich zerlegte. Erneut strömte Blut an seinem Körper hinab und ein Knurren, das alles andere als menschlich klang, ertönte irgendwo aus seiner Kehle. Seikei und Keromi wirkten erschrocken, während Aven sich zwang den Blick abzuwenden und schnell weiterzugehen. Es war weiterhin Verlass auf seinen Partner, auch wenn die Veränderung deutlich war. Er vertraute ihm und wusste, dass der Drang zu helfen und zu beschützen in ihm immer überwiegen würde.

Doch Aven wünschte sich umso mehr ein wenig Normalität zurück.

Für Ronus.





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Ronus hatte langsam Mühe seine Gedanken kohärent zu halten.

Die pulsierende Kraft war immer noch ununterbrochen stark, sein Körper weit weg von jeder Erschöpfung, doch sein Kopf… Er war nicht völlig da, irgendwie. Seine Sinne waren geschärft, seine Reflexe blitzschnell, ja, er konnte sich völlig auf seine Instinkte verlassen. Doch alles darüber hinaus wirkte langsam immer gedämpfter. Es war ihm verdammt nochmal nicht in den Sinn gekommen, dass er schon geraume Zeit splitternackt hier rumrannte. Und selbst jetzt, wo Seikei ihn darauf aufmerksam gemacht hatte – es war ihm egaler, als es sein sollte. Normalerweise würde es ihm etwas ausmachen. Gerade, wenn Aven… Oder? Aber eigentlich sollte ihm das alles hier viel mehr zusetzen. Das Feuer, das Blut, die Sorgen und Ängste, Arlandria und Orukh – alles vermischte sich zu einem Brei, den das Feuer einfach hinter Flammen hüllte. War das ein Nachteil? Ein Vorteil? Machte ihn das Feuer auch mental stärker? Ronus wusste nicht mehr ganz, was er denken oder fühlen sollte.

Aber das war zum Glück egal. Für alles Taktische hatte er Aven, und jetzt auch wieder Seikei und Keromi. Solange er alles aus dem Weg räumte, was ihnen wehtun konnte, würde es irgendwie klappen. Und das konnte er im Moment auf jeden Fall für sie tun – einfach weiterbrennen und den Weg freimachen. Sie würden alle finden, alle retten, alle nachhause bringen.

Aven wies den Weg und warnte, sobald sich jemand näherte, Ronus fegte die Feinde aus dem Weg und irgendwann erreichten sie den Raum mit den vielen Holoschirmen darin. Seikei und Keromi setzten sich sofort dahinter, versuchten sich einzuarbeiten, während Aven sich im Raum umsah und Ronus an der Tür stehenblieb. Er ließ sie also drinnen ihre Arbeit machen und drehte sich wieder um, sodass er den Korridor im Auge behalten konnte. Schon bald würden sie das ganze Team wieder versammeln und auch die anderen Einheiten befreien. Und ohne Orukh würde die Marrada Rhoga nicht noch einmal so weit kommen, das stand fest. Sie waren kurz davor, dem Ganzen hier ein Ende zu setzen.

„Das System ist gut geschützt, ich kann von hier aus nur in oberflächliche Teile zugreifen“, murmelte Seikei nur Sekunden später, „Ohne meine Ausrüstung kann ich hier leider nicht viel ausrichten.“ Ronus blickte über seine Schulter und sah, dass der Lhe mit konzentriertem Gesicht und schnellen Handgriffen durch mehrere Holoschirme pflügte. Keromi nickte zustimmend, Aven fragte nach: „Wie sollen wir weiter vorgehen? Sollen wir nach den Concordiaanzügen suchen?“ Keromi schüttelte den Kopf: „Ich glaube, die gibt es bereits nicht mehr. Bestimmt wurden sie zerstört, damit wir nicht anhand irgendwelcher Signaturen nachverfolgbar sind.“ Beim Gedanken an ihre schwarzen Anzüge ertappte sich Ronus dabei, wie er erleichtert war, dass sie immerhin Avens Sachen noch gefunden hatten. Er wertete das nachdenkliche Schweigen seines Partners als Indiz, dass er in dieselbe Richtung überlegte.

Seikeis Augen jedoch flogen weiterhin hektisch zwischen den Informationen auf den Schirmen hin und her. „Der Lageplan der Basis ist zugänglich, das könnte uns nutzen. Es gibt weiter oben einen zentralen Navigationsraum, ich denke von dort aus kann man das ganze Schiff steuern. Wenn wir es schaffen, ein Notsignal abzusetzen, wüssten schnell alle bescheid, wo wir sind“, erklärte er und schnappte bereits eines der kleinen Geräte, die herumlagen. Aven nickte stumm und kam zu ihm herüber, die Schwerter bereits gezogen, während Keromi und Seikei vermutlich noch die Pläne transferierten.

„Ich spüre nach oben hin noch deutlich mehr Seelen“, sagte er leise. Ronus atmete tief ein und aus. „Kein Problem“, entgegnete er bloß und richtete seinen Blick nach vorne. Die Flammen waren immer noch stark, selbst wenn sein Kopf sich seltsam blank anfühlte. Im Augenwinkel sah er, dass Avens Maske noch kurz auf ihn gerichtet verharrte, so als würde er noch etwas sagen wollen. Doch dann rief Seikei ein kurzes „Alles klar, wir haben die Pläne!“, und sie setzten sich bereits in Bewegung.

Was auch immer Aven für Worte auf der Zunge lagen, sie mussten warten.





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Es war ein Gemetzel.

Sie wussten, dass sie auf dem Weg zu ihnen waren – Aven spürte, dass sich einige Mitglieder der Marrada Rhoga oben verschanzt hatten. Experiment um Experiment schickten sie ihnen entgegen, immer mehr, je näher sie kamen. Aus den Decken fuhren erste Geschütztürme heraus, doch Aven sandte seine Schwerter und zerstörte sie rasch, während Ronus alles zerriss, was ihm entgegentrat. Seikei und Keromi lotsten sie mit ein wenig Abstand durch die Gänge, blieben jedoch nahe genug bei ihnen, um alles mitzukriegen. Das Blut spritzte in alle Richtungen und Ronus schien keinerlei Müdigkeit zu verspüren, während ihm selbst langsam aber sicher die Kraft ausging.

Aven wollte seine Kameraden nicht beunruhigen, doch die Tatsache, dass er noch ohne zu wanken gehen konnte, war überraschend. Vermutlich war es das Adrenalin, dass ihn noch auf den Beinen hielt, während seine fliegenden Schwerter allmählich auch die letzten Energiereserven aufbrauchten. Er wusste nicht genau, welchen ruhigstellenden Mittel ihm zusätzlich zu Orukhs Störsignal noch verabreicht worden waren, doch irgendetwas befand sich vermutlich noch in seinem Kreislauf. Oder womöglich war er tatsächlich einfach sehr ausgelaugt – jedenfalls musste ihr Plan mit dem Navigationszentrum funktionieren und das schnell, denn lange war er nicht mehr fähig, dieses Tempo durchzustehen. Davon abgesehen könnten noch mehr dieser Störsignal-Geräte in der Basis vorhanden sein, dann wäre er ohnehin wieder völlig nutzlos.

„Da vorne, hinter der großen Tür links“, rief Seikei und schob damit effektiv Avens Gedanken beiseite. Ronus schlug mit voller Wucht ein weiteres Experiment aus dem Weg und sprintete vorwärts, wo er mit einem bestialischen Gebrüll die verschlossene Tür angriff. Aven versetzte dem Wesen, dass sein Partner förmlich mit dem Schädel in die Wand gestoßen hatte und sich trotzdem noch leicht bewegte, einen Gnadenstoß durch die Kehle und eilte dann ebenfalls zur Tür.

„Ronus, warte, wir-“

Weiter kam Aven nicht mehr, noch bevor er ihn erreichte, riss er die Tür auseinander und knurrte in den Raum dahinter. Seikei und Keromi standen abseits, doch Ronus befand sich völlig ohne Deckung im Eingangsbereich und er sich direkt neben ihm. Avens Blick erhaschte gerade noch die Leute in den weißen Mänteln, die allesamt irgendwelche Waffen gezückt und auf sie gerichtet hatten, und er hob seine Klingen an – da ging bereits ein Hagel aus Geschossen auf sie nieder. Für den Bruchteil einer Sekunde breitete sich Panik in ihm aus, denn Aven hatte kaum noch Energie übrig. Er konnte nicht durch die Schatten wegtauchen, er konnte Ronus nicht wegziehen – nicht in diesem Zustand, nicht wenn er selbst kraftlos war und sein Partner ein Leuchtfeuer. Er konnte nur hoffen, dass die Projektile keine lebenswichtigen Organe-

Bevor seine panischen Gedanken etwas Sinnvolles hervorbrachten, ja bevor eine einzige Kugel, ein einziges Lasergeschoss ihn berührte, legten sich Ronus‘ Arme um ihn und zerrten ihn zur Seite. Er verlor sein Gleichgewicht und wurde von seinen Beinen gerissen, und hinter Ronus spannten sich seine Flügel breit und mächtig aus, verdeckten die Sicht auf den Raum dahinter. Aven wusste nicht wie ihm geschah, da waren sie auch schon beide aus dem Türbereich verschwunden, saßen hinter der Wand in Deckung und sämtliche Geschosse flirrten ein paar Meter entfernt herum und prallten an die Wände. Hinter seiner Maske blinzelte Aven ein paar Mal perplex, überrumpelt von Ronus‘ schierer Geschwindigkeit und… seiner Reaktion. Er hatte gedacht, er würde sich hineinstürzen, doch stattdessen…

Mit dem Rücken an der Wand saß Aven verdutzt auf dem Boden und schaute auf. Ronus hockte direkt vor ihm, eine Hand stützte er an der Wand ab, direkt neben seinem Kopf, die andere auf dem Boden und sein Körper schien förmlich zu beben. Er hielt seine Flügel immer noch schützend über ihn, sein Atem ging schnell und in seinen Augen lag ein wilder Ausdruck. Aven war, als bliebe für einen Moment die Zeit stehen. Das Rot glühte so unglaublich intensiv und brannte sich direkt durch seine Maske hindurch. Doch es war kein stechender Blick. Nein, er war… sanft, irgendwie. Zwischen dem Kugelhagel und dem Blutvergießen gab es einen Augenblick lang nur dieses durchdringende Rot für Aven – und dennoch sah er darin untrüglich einen Bernsteinschimmer. Einen Herzschlag lang nur dauerte der Moment, dann wandte Ronus seinen Kopf um und schleuderte ihn sofort zurück ins Hier und Jetzt.

„Ronus, warte“, sagte er sofort und sein Partner hielt inne.

Aven rappelte sich auf und Ronus ebenfalls, doch er stürmte nicht vor. Er schaute ihn nur erwartungsvoll an. Auf der anderen Seite des Korridors, durch die offenstehende Tür von ihnen getrennt, standen Seikei und Keromi an die Wand gedrückt und gestikulierten nervös, wunderten sich, was nun zu tun war. Aven gab ihnen ein Zeichen ruhig zu bleiben, streckte noch einmal seine Seele aus und spürte neun Wesen im Navigationsraum. Es war einen Versuch wert, beschloss er dann, immerhin wäre ihnen deutlich mehr geholfen, wenn sie sich Zugang zum System verschaffen konnten – am einfachsten durch Leute, die sowieso Zugriff darauf hatten. Ronus bedeutete er still bei ihm zu bleiben, dann ließ er seine Schwerter schweben und steuerte sie hinein, direkt in die Mitte des Raums. Ein paar Schüsse lösten sich und aufgeregte Rufe gingen durch die Gruppe.

Aven schielte vorsichtig um die Ecke, hinein in den Raum und rief: „Lasst die Waffen fallen und wir lassen euch am Leben. Greift weiter an und es ergeht euch wie allen Wachen, die sich uns in den Weg gestellt haben.“ In den Gesichtern der meisten spiegelten sich blankes Entsetzten und ehrliche Furcht wider. Die ersten legten bereits ihre Waffen ab und hoben ängstlich die Hände an, um sich zu ergeben. Aven schwenkte seine Schwertklingen in Richtung derer, die noch zögerten. Nach und nach gaben sie auf, bis nur noch ein zitternder, panischer Schütze übrig war – und dessen Blick richtete sich mit einem Mal auf Aven. Noch bevor er den Abzug betätigen konnte, trennte eine Seelenklinge seine Hand vom Arm. Er jaulte auf, da fuhr die zweite bereits durch seinen Hals und setzte dem Geräusch ein Ende. Drohungen durfte man eben nur machen, wenn man sie ernst meinte, und Aven hatte sowieso keine Zeit oder Kraft mehr für bloße Spielereien.

Prompt gab er den anderen das Zeichen, den Raum zu stürmen. Ronus ging voraus, die Klauen gestreckt und mit einem tiefen Knurren in seiner Kehle, Aven folgte ihm und seine Klingen wirbelten weiter bedrohlich durch die Luft. Seikei und Keromi kamen hinter ihnen herein und wirkten äußerst angespannt. Aven machte sich daran alle Schusswaffen einzusammeln und auf einen Haufen zu werfen, wobei er zwei davon an Seikei und Keromi reichte. Ronus hingegen trieb zwischen den verschiedenen Reihen aus Pulten und Geräten, auf denen zahlreiche Holoschirme geöffnet waren, die Leute in den Labormänteln und Uniformen zusammen, bis sie alle in einer Ecke des weitläufigen Raums kauerten.

Aven griff seine beiden Schwerter aus der Luft und wandte sich erneut an die Mitglieder der Marrada Rhoga. „Diese Basis befindet sich unter unserer Kontrolle und ich rate euch, zu kooperieren.“ Ein seltsames Gefühl schlich sich in seine Bauchgegend, während er sprach. Er hatte diese Taktik schon viel zu oft verwendet, er kannte sie in und auswendig. „Wer sich dazu entscheidet nicht zu kooperieren, hat sein Leben verwirkt.“ In seiner Karriere hatte er gelernt solche Situationen zu kreieren und auszunutzen – und es hatte in den meisten Fällen funktioniert und die gewünschten Resultate geliefert. Ihm war nicht unbedingt wohl dabei, doch es musste sein.

„Du“, fuhr er fort und zeigte demonstrativ mit seiner schwarzen Klinge auf den vordersten Wissenschaftler. Er konnte seine Spezies nicht zuordnen, aber er war schmächtig und zitterte bereits merklich. „Komm her.“ Der Mann blinzelte ein paar Mal, doch als Ronus ihn anknurrte, zuckte er zusammen und erhob sich sofort. Aven winkte ihn herbei und ließ ihn dabei permanent seine Klinge sehen. Die Konsequenzen stets vor Augen haben, so hatte Voraq immer gemahnt. „Du wirst unserem Techniker dabei behilflich sein, die Behörden von Prahont und die Concordia zu kontaktieren. Verstanden?“ In seinen eigenen Worten hörte er ihn reden, so wie damals. Der schmächtige Mann nickte eingeschüchtert und ging leicht geduckt zu Seikei und Keromi hinüber.

Sie machten sich prompt an die Arbeit, und der Mann im Labormantel leistete keinerlei Widerstand. Ronus blieb bei den anderen sieben Geiseln stehen, während Aven die Situation im Raum sowie Tür im Blick behielt. Für eine Weile war es ruhig, nur Seikei und sein Helfer murmelten leise ein paar Phrasen. In der Stille spürte Aven deutlich, dass er langsam am Ende seiner Kräfte war. Die Erschöpfung breitete sich immer stärker aus, jede Faser seines Körpers fühlte sich an, als wäre sie ausgequetscht und müde. Seine Seele war ebenfalls ausgelaugt, er konnte kaum mehr bis in den Korridor tasten, aus dem sie gekommen waren.

Doch das Einzige, was er jetzt noch tun musste, war die Fassade aufrecht zu erhalten – zumindest für eine Weile. Jetzt gerade waren sie in der entscheidenden Phase dieser Strategie. Es ging nicht darum, wer wirklich die Oberhand hatte; es ging darum, dass man es so aussehen ließ, als hätte man schon gewonnen. Sie waren nur vier Leute in einer ganzen Basis voller Feinde, doch solange sie in diesem Raum die Illusion des Sieges aufrechterhielten und die Leute der Marrada Rhoga mehr um ihre eigenen Leben als um die Gesamtheit ihrer Unternehmung fürchteten, solange hatten sie tatsächlich gewonnen. Und wenn es hart auf hart kam, dann wählten die a’Nashim immer ihr eigenes Leben, nicht-

Aven zuckte leicht zusammen, als ihm klar wurde, wohin seine Gedanken abdrifteten. Er konnte das Muster seiner Maske förmlich vor sich sehen. Ii’Etevach. Der Schlächter. Voraq hatte stets ihre Einsätze geleitet, er hatte sämtliche Strategien und Taktiken entworfen und ihnen stets die widersinnige Natur der a’Nashim erklärt. Dass sie nicht bereit waren, ihr Leben für das große Ganze zu geben, hatte er gesagt. Dass sie sich selbst und ihre Liebsten immer vorziehen würden, hatte er gesagt. Dass sie alles verraten würden, wenn sie nur die Chance witterten, zu überleben. Dass sie schwach waren, weil sie fühlten, hatte er gesagt. Zair. Aven wurde langsam schwindelig, er stütze sich an einem der Pulte ab.

„Alles klar, wir haben das Notsignal abgesetzt, Kontrolle über das System und die Zellen aller unserer Einheiten lokalisiert. Keromi macht noch eine Durchsage, dann öffnen wir sie“, verkündete Seikei und Aven nickte ihm schweigend zu. Langsam begann sich in seinem Kopf alles zu drehen.

„Mitglieder der Marrada Rhoga“, begann der Wosorgh daraufhin zu sprechen, „wir haben euer Schiff unter unsere Kontrolle gebracht. Alle Ausgänge sind blockiert und die Behörden kontaktiert – ergebt euch auf der Stelle. Concordia-Kadetten, Soldaten und Soldatinnen von Prahont! Eure Zellen öffnen sich innerhalb der nächsten Sekunden und grüne Leuchtsignale weisen euch den Weg. Sammelt euch, wir haben diese Basis übernommen.“

Seikei drückte daraufhin einen Knopf und ein Signalton erschallte. Die Erleichterung in seinem und Keromis Gesicht sprach Bände – es hatte funktioniert. Sie hatten es geschafft, sie hatten alle befreit und die Marrada Rhoga in die Knie gezwungen.

Aven wollte noch zu Ronus hinüberschauen, wollte sichergehen, dass auch er erleichtert war, nicht mehr zornig und brennend. Doch der Schwindel packte ihn im selben Moment und zog ihn zu Boden.

Ihm wurde schwarz vor Augen.





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Tell me, would you kill to save a life?
Tell me, would you kill to prove you're right?
Crash, crash, burn, let it all burn
This hurricane's chasing us all underground

No matter how many deaths that I die
I will never forget
No matter how many lives I live
I will never regret
There is a fire inside of this heart
And a riot about to explode into flames



Hurricane – 30 Seconds to Mars



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