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Copy Paste: Fenster der Vergangenen

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / Het
Eustass Kid OC (Own Character) Sakazuki / Akainu Trafalgar D. Water Law Vergo
03.01.2018
16.09.2018
59
179.878
38
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
14.09.2018 2.104
 
„Das ist richtig, es ist eine Naginata. Wir mussten an etwas Einfaches denken, das man auch ohne Probleme schmuggeln kann, wenn es wichtig wird. Du weißt, dass wir oft ungesehen durch die Welt marschieren und eine Waffe von etwa zwei Metern zu verstecken, ist nicht einfach. Deshalb kamen wir zu dieser Idee.“
Die Beine übereinandergeschlagen, sah Naoe dabei zu, wie ihre beiden Gegenüber mit dem dicken Füllfederhalter herumspielten. Verbunden mit Erklärungen, denen sie aufmerksam lauschte, hielt sie ein Glas Orangensaft in der Hand. Schräg gegenüber am Tisch, hatte Koala einen Platz gefunden, frühstückte zufrieden. Nachdem sie endlich das Quartier hinter sich gelassen hatten, waren sie beide einer Pause nachgekommen. Sie selbst, weil sie seelisch völlig ausgelaugt war und ihre Freundin, weil sie die vergangenen Bilder im Kopf sortieren wollte.
Zwei Tage hatte sie durchgeschlafen, traumlos und gefangen zwischen ewiger Dunkelheit und hellem Licht, das sie wecken wollte. Irgendwann war sie ihm gefolgt und aufgewacht, hatte tief durchgeatmet und gewusst, dass der Albtraum in weiter Ferne lag. Vergo war nicht in Reichweite, genauso wenig wie Akainu. Es machte die ärztliche Untersuchung einfacher, das Duschen unter dem heißen Wasser, beides nahm ihr mit jeder Stunde mehr die Angst, bis sie schlussendlich wusste, dass sie in Sicherheit war.
Nach alldem genoss sie es an diesem Tisch zu sitzen, sich zu entspannen und den Ausführungen der beiden Männer zu lauschen, von denen Koala die Waffe gestohlen hatte. Sie war neu, sollte bei guter Funktion noch öfter produziert werden. Damit wurde es einfacher auch in Gebieten sicher zu sein, in denen allein das Tragen von tödlichen Klingen und Pistolen verboten war. Einen Füller würde niemand so einfach als Tötungsmittel beschuldigen.
„Wie du sehen kannst, ist das 'Eisen' des Schafts dazu geeignet, um es ineinanderzuschieben. Das erklärt auch, warum er so dick ist. Man muss ihn ja gut halten können. Das Material wurde leicht und unglaublich robust verarbeitet. Sagen wir...es ist ein geheimes Mischverhältnis mit ein paar anderen Dingen... Also nicht wirklich ganz aus Eisen. Das ist nur ein kleiner Bestandteil. Genauso wie die Klingen. Ich bezweifle, dass du den Vorgang der Zusammensetzung verstehen würdest, aber sie setzen sich aus mehreren Stahlplatten zusammen, wenn man den Knopf an der Seite drückt. Drückst du ihn im Übrigen zweimal, zieht sich alles wieder zusammen.“ Es einmal vormachend, schossen die Seiten heraus, setzten ihre Schnittflächen zusammen. Ein Akt binnen weniger Sekunden. „Natürlich ist das nicht alles. Du fragst dich sicherlich, wie wir all das in einen so kleinen Gegenstand verpacken konnten. Das war eine Idee meines Gehilfen. Mit der Hilfe der Anpassungsfrucht, welche die Größe von Gegenständen verändern kann, ist es uns möglich die nötigen Teile zu komprimieren oder zu expandieren. Dadurch konnten wir einen Mechanismus erstellen, der uns hier nun zugutekommt.“
„Was aber auch bedeutet, dass der Mechanismus in sich zusammenbricht, wenn der Teufelsfruchtnutzer stirbt, nicht wahr?“ Skeptisch eine Braue hebend, legte Naoe den Kopf schief, betrachtete die Naginata, die Eindruck hinterlassen hatte.
„Leider. Aber an solche Dinge wollen wir in diesem Moment noch nicht denken. Wir geben unser Bestes, um die Dinge beisammenzuhalten. Davon abgesehen wollten wir dir ein schönes Extra zeigen, das dir wohl selbst nicht aufgefallen ist. Siehst du diese beiden Goldringe hier?“ Nachfragend zog einer von ihnen die beiden gemeinten Stellen nach. Wenn man es so wollte, teilten sie die Waffe in drei gleichgroße Stücke ab. Zwei Enden und ein Mittelteil, wie sie verstand. Deshalb nickte sie nur, wartete darauf, dass er ihr erklärte, was es damit auf sich hatte. „Man kann sie tatsächlich lösen.“
Vorführend zog er einmal an den Verbindungen, löste sie damit voneinander und zeigte Naoe das Innenleben der Waffe. Zusammengehalten durch Ketten, die sich im Inneren von einer Klinge zur anderen zogen, wurde der Stab schon fast beweglich. Verteidigungen und ungesehene Angriffe wurden damit um einiges einfacher.
„Der Mechanismus dieser Teufelsfrucht...“ Mit leichtem Verblüffen stellte sie fest, wie praktisch es war, eine Frucht der materiellen Anpassung auf diese Art zu benutzen. Sie konnten alles in diesem Füller unterbringen, wenn sie wollten. „Aber warum lasst ihr dann den Halter so dick und griffig? Ich meine, es wäre doch viel einfacher, wenn man ihn etwas schmaler zaubert. Ihr habt die Möglichkeit dazu.“
„Weil sich schmale Gegenstände oftmals schlechter greifen lassen. Das hier soll sicher in der Hand liegen und aushelfen, wenn es soweit ist. Wenn es aus der Hand fällt, weil es zu schnell und unhandlich ist, dann hat es seine Mission eindeutig nicht erfüllt.“
„Auch wieder wahr...“
„Wir hoffen, er wird dir bei deinen zukünftigen Aufträgen eine Hilfe sein. Nimm ihn als Geschenk...und die Waffe darin natürlich auch!“ Auflachend schritt er auf sie zu, beugte sich herunter, um ihr den Füller mit einer angebrachten Klammer am Top zu befestigen. Sein rotbraunes Design stach auf dem schwarzen Stoff förmlich hervor, ließ sie lächeln und zugleich schwerlich seufzen. „Ich werde darauf aufpassen. Danke.“

Sie wollte keine Aufträge mehr machen. Nach den letzten vergangenen Bildern ihrer Kunden und den Momenten, in denen sie versagt hatte, wollte sie der Gegenwart näherkommen. Immer wieder zurück zu müssen sorgte irgendwann dafür, dass man anfing in der Vergangenheit zu leben.
Man dachte viel zu oft an die unschönen Momente des Lebens zurück, anstatt sich auf die kommenden Tage zu freuen und das zu wertschätzen, was genau vor einem lag. All die Schmerzen, ihr immer wieder brechendes Herz und der Gedanke daran, dass sie oftmals nicht wirklich etwas Gutes bewegen konnte, raubten ihr den Spaß an dieser Kraft. Deshalb ließ sie die Schultern hängen, spielte mit ihrem Geschenk, indem sie es anstupste und leicht daran zog.
„Ich...dachte daran, die Aufträge nicht mehr länger zu machen. Ich möchte Dragon um eine neue Aufgabe bitten.“
„Das weiß er bereits.“ Ihr Essen herunterschluckend, wandte Koala sich an sie, setzte ein freudiges Lächeln auf, als könnte sie nichts mehr unglücklich stimmen. Dadurch stieg in Naoe selbst die Nervosität an, brachte ihr Inneres in Wallung, sodass es mit einem Mal schrecklich heiß in dem Raum schien. Ihre Partnerin nahm es nur beiläufig zur Kenntnis, feilte ihre Worte weiter aus. „Nun, Dragon konnte sich bereits denken, dass du in absehbarer Zeit um eine neue Aufgabe bitten würdest. Du weißt, du bist nicht die erste Person mit dieser Teufelsfrucht, die wir kennenlernen durften. Diese Macht ist wirklich groß, aber sie zerstört auch ihren Anwender. Deshalb sagte er, dass wenn du irgendwann um etwas anderes bittest, es kein Problem darstellen sollte. Er wies uns noch einmal darauf hin, als du eine Allianz mit den Heart Piraten gegründet hast. Wenn du möchtest, dann kannst du dir eine Auszeit von alldem nehmen und deine Kraft nur noch anwenden, wenn du wirklich musst. Oder einen persönlichen Grund dahinter siehst.“
„Ich...brauche keine Aufträge mehr abzuarbeiten...einfach so?“ Ungläubig beugte die Revolutionärin sich etwas nach vorn, stützte sich auf dem Tisch ab, während die beiden Männer im Raum ihre Chance nutzten, um zu verschwinden. Somit blieb sie mit Koala allein in diesem Zimmer, starrte sie eindringlich an, wartete auf das große „Aber“ in dem Text. Doch es kam keines.
„Einfach so. Du hast den Menschen geholfen, wo du nur konntest. Man sollte wissen, wo das Ende ist und wenn du das nicht mehr machen willst und dich lieber auf etwas anderes konzentrieren möchtest, dann hält dich keiner ab. Du weißt doch, einige Revolutionäre neigen dazu den ganzen Tag Karten zu spielen. Andere leben als Pirat oder König eines Landes. Jeder tut irgendetwas, das ihm beliebt. Es kommt nur darauf an, dass wir uns aufeinander verlassen können, wenn es soweit ist.“ Abwinkend langte ihre Gesprächspartnerin nach einem weiteren Brötchen, ließ sich das Schmunzeln dabei nicht nehmen.
„Dann...werde ich wohl eine Auszeit nehmen. Nichts lieber als das. Damit wird es einfacher, sich auf die Allianz zu konzentrieren.“
„Und natürlich, um Trafalgar noch ein wenig besser kennenzulernen.“ Den Kopf etwas in den Nacken legend, musterte Koala sie ganz genau. „Mir kam zu Ohren, dass du dem Guten nähergekommen bist. Du scheinst es also nicht mehr nur zu versuchen.“
„Nein, ich habe bereits gewonnen.“ Ruhig dachte sie an Law zurück, an seine Präsenz und die Wärme, die er in ihrer Nähe hinterließ. Dinge, die sie liebte, zusammen mit seinen Worten und Überlegungen. „Ich hoffe, ich sehe ihn bald wieder.“
„Wirst du. Wir kommen heute Abend an einem festgelegten Treffpunkt an.“
„Du hast in den letzten zwei Tagen, in denen ich geschlafen habe, bereits meine 'Übergabe' organisiert?“ Spielend schockiert legte Naoe eine Hand vor den Mund, genoss die einfachen und belanglosen Gespräche, die sich zwischen all den anderen Dingen herausfilterten. Es hatte bei ihrer dritten Rettung angefangen und es erleichterte die generellen Probleme um ein Vielfaches. Manchmal war es besser, musste man nicht über die verdrehten Aspekte der Welt nachdenken. Man konnte eigene Probleme vergessen und die Zeit einfach verstreichen lassen, wissend, dass man in diesen Stunden einfach die Seele hatte baumeln lassen. Das war etwas, das der Mensch manchmal brauchte. Ruhe vor all dem Stress. Belanglose Dinge, bei denen er neue Kraft schöpfen konnte. So ging es ihr und sie wollte es gutheißen.

Den Blick abwenden, hörte sie noch, wie Koala etwas nuschelte. Im Groben bildeten die Fetzen, die man verstand, die Information, dass sie Law gar nicht erst Bescheid sagen musste. Immerhin hatte sie ein Loch in sein Schiff gebombt, was ihn auch dazu zwang, eine Weile an Ort und Stelle zu bleiben. Sie segelten somit schlichtweg dorthin zurück, wo die Heart Piraten festsaßen.
Mit den Gedanken abdriftend, ging Naoe noch einmal ihre Reise durch. So viel Zeit war gar nicht vergangen und dennoch hatte sie so viel getan, dass sie nicht wusste, wie all diese Fehler und glücklichen Momente zusammen in eine so kleine Spanne passten. Seitdem sie einen Fuß auf die Death gesetzt hatte, waren ihr die Dinge förmlich aus den Händen gerutscht. Ihre Aufträge belehrten sie, schenkten ihr Einsicht, Mut und die Hoffnung darauf, dass sie das Glück erreichen konnte, wenn sie sich nur die Mühe dazu gab. Sie hatte sich verliebt, wollte es nicht wahrhaben und  sprang mit Anlauf ins Fettnäpfchen. Aus diesem rappelte sie sich wieder auf, strukturierte ihren Plan um und ging das Thema mit Law anders an. Ihr Versuch endete in einem Erfolg und sie bekam den Mann, für den ihr Herz unaufhörlich auf und ab sprang. Allein der Gedanke daran löste eine wohlige Wärme in ihrer Brust aus, was sie zu einem seichten Lächeln verführte. Bald wäre sie wieder an seiner Seite und dann würde sie sich ihm voll und ganz widmen. Offener sein, sich nicht zurückhalten. Es gab keinen Grund schüchtern zu sein oder so zu tun, als spielte jeder Hauch der Sekunden eine Rolle. War sie mit ihm zusammen, dann waren die Momente zu zweit das Wichtige.
Sie würde ihn besser kennenlernen, mehr mit ihm reden, wenn es denn möglich war.
Und sie würde stärker werden.
Mit einer neuen Waffe, den fehlenden Aufträgen und dem Gewissen, dass sie sich selbst voranbringen wollte, schien diesem Wunsch nichts im Weg zu stehen. Vermutlich würde es ein schwerer Schritt werden, doch zugleich würde es auch einen großen Sprung für die Zukunft darstellen. Das wusste sie und sie wollte daran festhalten. Wie an so vielem.
Fügte sie die Zufriedenheit, die Wärme und die Geborgenheit in diesem Moment zusammen, dann entstand daraus etwas, das sie viel zu selten empfand. Es breitete sich wie ein einzelner Geschmack auf ihrer Zunge aus. Konzentrierte sie sich darauf, dann schmeckte sie Wut, schmeckte Traurigkeit und Angst, doch vor allem fühlte sie das leichte Kribbeln von Fröhlichkeit in den Ecken und auf der Spitze. Sie war glücklich. In diesem Augenblick war sie aufrichtig glücklich und nur die positiven Dinge überschwemmten ihre Gedanken.
Sie erkannte, dass Menschen zu dummen Ideen neigten, keine Begründungen dafür besaßen und sich oftmals nur um sich selbst scherten. Doch sie wollte sie dennoch lieben.
Es war kein Geheimnis, dass ihre guten Taten an einem Tag gleich am nächsten vergessen sein konnten. Doch sie wollte dennoch Gutes tun.
Niemand gab ihr die Garantie, dass die Dinge, die sie in einem Jahr aufbaute nicht in einer folgenden Nacht zerstört wurden. Doch sie wollte dennoch etwas bauen.
Würde sie die beste Seite der Welt erkennen und erleben, versprach ihr niemand, dass man sie dafür nicht irgendwann erhängte. Doch sie wollte dennoch das Beste haben.

„Naoe?“ Koala, die noch immer mit ihrem Frühstückt beschäftigt war, riss sie aus ihren Gedanken, ließ sie zu ihrer Freundin sehen. „Du solltest dich noch etwas ausruhen, bevor wir ankommen.“
Kaum merklich nickte die Angesprochene, nahm den Vorschlag zur Kenntnis. Bald würde sie genau dort stehen, wo man bereits auf sie wartete. Inmitten einer Crew, mit einem Kapitän, dem ihr Herz gehörte. Etwas Besseres konnte es nicht geben.
„Wäre wohl das Beste.“
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