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Die Reise der Schlümpfe

GedichtAbenteuer, Poesie / P6 / Gen
OC (Own Character)
02.01.2018
02.01.2018
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Sepp und Moni, braun bemalt
Um getarnt zu sein im Wald
Und ihr Hamster Heribert
Samt dem seltsamen Gefährt
Schaukeln leise durch den Wald
Finster ist es, klamm und kalt
Denn sie fahren nur bei Nacht
Weil da ist der Hamster wach.
Regen prasselt auf sie nieder
Durch das Laub, und hin und wieder
Trifft er sie ganz im Gesicht -
ihr Regenschirm ist nicht ganz dicht.
Seit vielen Wochen, vielen Tagen
Sitzen sie schon auf dem Wagen
Und fahren weit, ohne zu fragen
Wie lange sie sich hier noch plagen
Und wohin ihre Reise geht:
Es gibt kein Ziel, das fest schon steht.
Doch es gibt eins, was sie wissen:
Nach gewisser Zeit, da müssen
Sie sich in ein neues Heim
Einquartieren, denn allein
Drauß’ im Winter und im Wald
Werden sie wohl nicht sehr alt.
Der September ist bereits
Ein, zwei Wochen alt, und meist
Wird es nachts schon etwas kühl
Die beiden haben das Gefühl
Sie sollten bald mal einen Plan
Fassen, wo man wohnen kann.
Doch das tun sie heut’ nicht mehr
Die Sonn geht auf und Heribert
Legt sich schläfrig in das Gras
Obwohl es ist vom Tau ganz nass.
Sepp und Moni gehn zusammen
Auf den Wagen unter Planen
Kriechen durch die Haufen Rüben
Unter Hausrat weg nach drüben
Weiter in die dunklen Ecken
Wo die Deckenstapel stecken
Rollen sich darunter ein
Und gleiten in den Schlaf hinein.

Es ist noch früh am Nachmittag
Da werden sie auf einen Schlag
Von einem Quieken aufgeweckt
Denn Heribert hat sich erschreckt.
Sepp und Moni, vorsichtig,
Wagen einen raschen Blick
Aus dem Wageninnern raus -
Da drüben, da steht ja ein Haus!
Menschen laufen durch die Türen
Die gottlob keinen Blick verlieren
In den Wald, wo wache Augen
Die auch noch im Schatten taugen
Den Schlumpfenwagen sehen könnten
Denn an seinen beiden Enden
Ist die Tarnung nach langen Wochen
Schon teilweise abgebrochen.
Und er steht am Wegesrand
Weil nachts kein bessrer Platz sich fand.
Das Schlumpfenpaar hüpft, plötzlich munter,
ganz geschwind vom Karren runter
Legt Heribert die Zügel an
Und er zieht den Wagen dann
Hinter eine große Fichte
Die hat lange, grüne, dichte
Äste, hinter denen man
Sich gut und schnell verstecken kann.

Doch halt! - was liegt da in der Luft?
Ein wahrhaft wundervoller Duft
Strömt aus der Tür des Menschenheims
Und lädt jeden nach drinnen ein.
Beide Schlümpfe konnten Wochen
lang nur Pilz und Wurzeln kochen
Und auch nur dann, wenn sich am Rand
Des Waldes genug Holz befand
Das trocken war und ziemlich leicht
Und somit für ein Feuer reicht.
Nun riecht es hier nach frischem Fladen,
Bohnen, Nudeln, Sauerbraten,
Fleisch, Gemüse, Fisch, Dessert
Und das reizt die Schlümpfe sehr
Es ist wie das Paradies
Für sie, und so beschließen sie,
Sich heimlich in das Haus zu schleichen
Und vielleicht den butterweichen
Braten einmal zu versuchen
Oder ein paar Brösel Kuchen.
So pirschen sie sich also an
Vorsichtig, und dann und wann
Mit Grashalmen auf ihren Mützen
Um vor Blicken sich zu schützen.
Endlich ist die Tür erreicht -
Schlussendlich ging es doch ganz leicht -
Und es geht der Nase nach
Beide Schlümpfe werden schwach
Als sie durch die Küchentür
Sehen, was da drinnen für
Die Menschen zubereitet ist
Das haben sie schon lang vermisst!
Doch in der Küche ist viel los
Und sie sind fast chancenlos
Unbemerkt von fünf bemützten
Köchen ein Stück zu stibitzen.
Es scheint ein Gasthaus hier zu sein
Und den Schlümpfen fällt es ein
Dass es in der Gästestube
Sicher laut ist und voll Trubel
Und sie vielleicht ungesehen
Im Gelächter untergehen.
Als der Kellner Essen bringt
Schlüpfen sie auch ganz geschwind
Hinter seinem Hosenbein
Mit ihm durch die Tür hinein
Und stehen staunend, wie im Traum,
Mitten in dem großen Raum.
Es duftet stark und grandios
Ihr Hunger wird schon grenzenlos
Doch was genau da so gut riecht
Sehen sie von unten nicht
Denn sie sind halt ziemlich klein
Und sehn nicht in die Teller rein.
Hinter einem Stuhl versteckt
Bevor man sie doch noch entdeckt
Beraten Sepp und Moni nun
Was sie am besten als nächstes tun
Um zu sehen, was wo steht
Und wo es am besten geht
Sich ein Stückchen abzuholen
Beide sitzen schon auf Kohlen
Denn der Hunger treibt sie an
Und sie fassen einen Plan.

Ein paar Meter weiter weg
Steht ein Tisch in einem Eck
Wo kein Mensch sein Essen isst
Sondern der verlassen ist.
Diesen Tisch wolln sie erklimmen
Um von oben zu bestimmen
An welchem Platz sie Chancen haben
Um am Essen sich zu laben.
Gesagt, getan, sie klettern los
Motiviert und rigoros
Hangeln sie sich voller Streben
Der hohen Tischplatte entgegen.
Oben stellen sie nur fest:
Dieser Tisch ist doch besetzt
Nicht mit Menschen, doch mit Gaben
Die ganz hoch getürmt sich haben.
Jedoch hat keiner einen Blick
Auf die Stapel und ihr Geschick
So haben beide Schlümpfe Zeit,
Die Päckchen zu erklimmen, weit
Von oben können sie nun sehen
Den ganzen Raum und das Geschehen.
Schon beim ersten Schauen auf
Die Leut’ fällt Moni etwas auf.
“Sepp, ich weiß jetzt, was das ist!”
Sagt sie, “schau, da hinten sitzt
Eine Frau im weißen Kleid
Und die ganzen andren Leut
Sind ganz festlich angezogen…
Eine Hochzeit, ungelogen!
Fast so schön, wie unsre war
Und hier auf diesem Tisch, nicht wahr,
Stapeln sich die Hochzeitsgaben,
Die das Brautpaar nun soll haben!”
Sepp nickt, doch er hört kaum zu
Denn er hat erspäht im Nu
Einen groß gedeckten Tisch
Wo die Leute, nicht ganz frisch,
Sich erheben, Jacken holen
Und auf unsicheren Sohlen
Zum Bräutigam hinüberwanken
Um für die Einladung zu danken.
Auf den Tellern dieser Gäste
Liegen noch die Essensreste
Sepp stupst Moni in die Seite
Sie versteht, nickt und sie beide
Hüpfen hastig runter vom
Tisch und schnell durch den Salon
Am anderen Tisch angekommen
Bevor die Menschenkellner kommen
Reißen sie sich mit viel Kraft
Ein Stück einer Serviette ab
Alle Reste, die sie fassen
Und die in die Serviette passen
Werden schnellstens eingesackt
Fest in das Papier verpackt
Und mit ihrer Beute laufen
Sie schnell zurück zu den Haufen
Von Geschenken, die unberührt
Sind auf dem Gabentisch drapiert.
Hinter einem großen Päckchen
Finden die Schlümpfe ein Versteckchen
Breiten die Serviette aus
Und beginnen ihren Schmaus.
Knödel, Spätzle, Wildragout,
Weißwürste und Senf dazu,
Nachtische in bunten Farben -
An allem können sie sich laben
So sitzen sie dort nach dem Essen
Unbeweglich, vollgefressen
Und machen ihre Augen zu
Denn sie brauchen dringend Ruh’
Um nach diesem großen Kauen
Alles richtig zu verdauen.

Als sie erwachen, schwankt es wild
Vor ihre Augen tritt ein Bild
Es ist kühl in dunkler Nacht
Und sie werden weggebracht
In einem großen Pappkarton
Um sie rum, da schwanken schon
Die Päckchen, die vorhin noch frisch
Lagen auf dem Gabentisch.
Der Schlaf war, wie es scheint, zu lang
Den Schlümpfen wird ganz angst und bang
Denn sie wurden wohl gehalten
Für ein Geschenk von einem alten
Bekannten und dann mitgenommen
Mit allem, was man hat bekommen.
Es geht durch eine Wohnungstür
Es rüttelt kräftig und man spürt
Wie der Mensch, der die Kiste hält
Sie sanft auf einem Tisch abstellt.
Die Frau im weißen Hochzeitskleid
Schaut in die Kiste, lächelt breit:
“Klaus, Schatz, schau doch, die Geschenke!
Wie nett, wie alle an uns denken!
Und die Figuren sind doch toll
Detailgetreu, wie wundervoll!”
Sie greift nach Moni und zeigt sie
Dem Mann, der sich daneben kniet.
“Als Deko werden die mir nützen
Sie können auf dem Fernseher sitzen.”
Die Frau mit ihrem roten Haar
Platziert die Schlümpfe wunderbar
Auf einer Röhre, groß und schwarz
Die in der Ecke findet Platz.
Nach einem kurzen Blick lobt Klaus:
“Karin, das sieht super aus.
Aber komm, wir gehn ins Bett
Es ist echt schon ziemlich spät.”
Bald kehrt tiefe Ruhe ein
Und die Schlümpfe sind allein.

Moni schaut Sepp traurig an
“Oh je, was haben wir getan?
Der Wagen steht weit weg im Wald
Heribert ist sicher kalt
Wir wissen nicht mal, wo wir sind!”
Sepp versucht es ganz geschwind
Seine Liebste aufzubauen
Denn mit Tränen, gar von Frauen,
Geht er nicht sehr gerne um.
“Sehen wir uns erstmal um.
Menschen haben viel Besitz -
Vielleicht gibts hier was, das uns nützt.
Und Heribert, der kommt vom Feld.
Auch auf sich allein gestellt
Wird er keinen Ärger haben
Sondern einen Bau sich graben.”
Doch in der Wohnung gibt es kaum
Hilfe - in fast jedem Raum
Haben sie nun schon gesucht
Nach einer Karte, einem Buch
Die einen Hinweis geben könnten
Wo sie sich überhaupt befinden
Und wo es zu dem Wagen geht
Doch es scheint, es ist zu spät.
Ein Raum ist noch undurchsucht
Sepp schaut kurz hinein und flucht
Nur große Schränke stehn darin
Was in ihrem Inneren
Sich befindet, ist versteckt
Doch die Neugier ist geweckt
Und die Schlümpfe hängen sich
Mit vereintem Schlumpfgewicht
An die Tür des größten Schranks
Und ziehn dreimal kräftig an.
Die Tür bewegt sich und ein Schwall
Kalter Luft streicht in den Saal
Doch der Schrank ist voller Essen
Das lässt die Kälte schnell vergessen.
Sepp schaut Moni fragend an
Moni strahlt breit und sodann
Beschließen sie, nachts um halb vier:
“Hier ists schön, hier bleiben wir!”
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