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Die Reise der Schlümpfe

GedichtAbenteuer, Poesie / P6
OC (Own Character)
02.01.2018
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Vor langer Zeit, da traten zwei
Liebende zum Altar herbei
Und gaben sich ein „Ja“-Versprechen
Das sie niemals wollten brechen.
Er war freundlich und galant
Stadtbekannt durch sein Gewand
Fußball mochte er und Schach
Und Krimis aus dem Heimatfach
Vor allem hatte er blaue Haut
Und er nahm sich die zur Braut
Die ebenso wie er war friedlich
(Meistens jedenfalls) und gütig
Die Kunst gern mochte und Musik
Und in ihr fand er sein Glück.
Auch die Haut der Braut war blau
So lebten sie als Mann und Frau
Im Schlumpfenland im tiefen Wald
Wo alle sind ihrer Gestalt.

Im Schlumpfenland, da ist es schön
Hohe Berge, weite Seen
(Die nur wie ein Maulwurfshügel
Nicht viel größer als ein Kübel
Oder wie ein Krötentümpel
Wo noch ein Stück Holz rumdümpelt
Für das Menschenauge sind
Doch Menschen sind ja oftmals blind.)
Die Schlümpfe bauen Gräser an
Ernten Beeren, sammeln dann
Aus den Tannenzapfen raus
Die Samen für den Sonntagsschmaus.
Sie singen, tanzen, lachen viel
Erfreuen sich am Fußballspiel
Lieben guten Grillenbraten
Und lange Sonntage im Garten.
Dem Schlumpfenpaar gefiel es dort
Sie bauten ein Häuschen an dem Ort
Mit Vorgarten, Gemüsebeet,
Spitzenvorhang, Dach aus Reet,
Kieselwänden, weiß getüncht
Mehr hatten sie sich nie gewünscht.
Sie würden dort auch heut noch leben
Hätt es nicht ein Problem gegeben.

Nicht weit von ihrem grünen Tal
Da lag ein Sumpf, ganz finster, kahl
Und darin, da stand ein Haus
Das sah von außen grausig aus
Es war rußig und verdreckt
Die Wände kaum mit Putz bedeckt
Dach und Tür nur roh gezimmert
Und von drinnen wars noch schlimmer.
In Kesseln hört man Tränke köcheln
In den Ecken Mäuse röcheln
Es stinkt nach Schwefel, fauler Butter
Und – ganz schlimm! – nach Katzenfutter.
Das Schrecklichste sind zweifelsohne
Die, die dieses Haus bewohnen.
Gargamel und Azrael
Fiese Typen ohne Seel‘
Riesenhaft in der Gestalt
(Aus Sicht der kleinen Schlümpfe halt)
Sie müssen wohl Franzosen sein
Denn in ihre Suppe rein
Kommt alles mögliche Getier
Die beste Zutat dann dafür:
Schlümpfe! Klein, groß, dick, dünn, alle
Und so stelln sie ihnen Fallen.
Gargamel versuchts mit List
Azrael, der ein Kater ist
Kommt vom Jagen mit viel Glück
Mit einem Schlumpf im Maul zurück.
Außerdem befehligt er
Ein kleines, graues Mäuseheer.

Nun sind unsre Schlümpfe schlau
Und darum wissen sie genau
Meist, was sie anstellen könnten
Um nicht in Maul und Topf zu enden.
Doch Gargamel, sein Magen kracht
Hat sich was Neues ausgedacht
Er will sie aus der Deckung locken
Wo sie in ihren Häusern hocken
Bis hinaus aufs freie Feld
Da sind sie auf sich allein gestellt
Keine Pilze, keine Ecken
Um sich dort schön zu verstecken.
Azrael hätt‘ leichtes Spiel
Das bedeutet: Suppe! Viel!

In einer dicken, alten Schwarte
Schlägt Gargamel nach: „Oh, hier! Warte,
Da steht es ja, was ich grad brauche:
Dreißig Schnecken, zehn Gramm Jauche
Ein Bund Unkraut, schnell vermehrend
Ein, zwei Löffel Vogelbeeren
Und vier Spritzer Brennesselsaft –
Ha! Da ist es schon geschafft!“
Er hackt und schneidet und rührt um
Azrael sitzt leidend stumm
Mit Katzenfutter gleich daneben.
(Das Zeug ist echt nicht sehr erhebend.)

Eines Nachts schleicht eine Maus
Mit Beutel aus der Hütte raus
Der Mond scheint kaum und so gelangt
Die Maus hinein ins Schlumpfenland
Vorbei an Wachen, an allen zehn
Die können nicht im Dunkeln sehn.
Auf die Felder mit viel Mühe
Kippt sie die widerliche Brühe
Die Gargamel vor einer Nacht
In seiner Hütte hat gemacht.
Genauso leise wie zuvor
Stiehlt die Maus sich aus dem Tor.

Als das Dorf am Tag erwacht
Ist das fiese Werk vollbracht
Alles Korn ist eingegangen
Und die Schlümpfe hoffen, bangen
Als sie zu den Büschen schauen
Doch dort ist das nächste Grauen:
Wo Beeren waren, rot und prall,
Sind die Zweige plötzlich kahl.
Das End des Sommers ist schon nah
Und den Schlümpfen ist es klar:
Was an Essen überbleibt,
Reicht nicht für die Winterzeit.

Unser kleines Schlumpfenpaar
Sitzt zuhause traurig da
Beide wollen hier nicht weg
Doch es hat nicht sehr viel Zweck
Noch in einem Dorf zu bleiben
Wo sie bald wohl Hunger leiden.
Und so raffen sie sich auf
Treppen runter, Treppen rauf
Räumen sie die Schränke aus
Holen alles aus dem Haus
Was sie weiter brauchen werden
Irgendwo auf dieser Erden.
Sepp, der kleine Schlumpfenmann
Spannt den kleinen Wagen an
Und streichelt Hamster Heribert
Der den Wagen ziehen wird.
Moni, unsre Schlumpfenfrau
Plant derweil schon ganz genau
Tarnung aus Blättern und aus Zweigen
Damit sie, ohne sich zu zeigen,
Gargamel ein Schnippchen schlagen
Wenn sie sich aus dem Dörfchen wagen.

Dann ist alles eingesackt
Und noch dreimal umgepackt
Bis es auf den Wagen passt
Der schon ächzt unter der Last.
Teller, Decken, Fotoalben,
Körnerbrote, Kräutersalben,
Silberkörnchen (sehr viel wert!)
Und Rüben für den Heribert
Liegen Gurt um Gurt um Gurt
Auf dem Karren festgezurrt.
Alle Dorfbewohner von
Schlumpfhausen stehen lange schon
Rundherum um diesen Wagen
Um den beiden Tschüss zu sagen.
Viele werden auch bald gehen
Ob sie sich je wiedersehen
Wissen sie noch lange nicht
Und in jedem Schlumpfgesicht
Steht die Trauer eingeschrieben
Weil sie dieses Dorf doch lieben.
Ein leises, letztes Abschiedswort
Und dann fährt das Pärchen fort.
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