Eisige Kälte, brennende Wut

von BreakDown
GeschichteDrama, Tragödie / P18 Slash
Gaius Iulius Caesar Tiberius Licinius Crassus
02.01.2018
15.01.2018
4
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Hallo ihr Lieben!

Vielen Dank für eure Zugriffe und Favoriteneinträge. Ich habe mich sehr gefreut :)
Wie bereits erwähnt, geht es zügig weiter. Ich wünsche euch viel Spaß und würde mich über Rückmeldungen freuen!
Zeitlich befinden wir uns irgendwo in Episode 8 "Getrennte Pfade/Schicksalslinien".

<3

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II.


Gaius schäumte vor Wut. Dieser kleine Bastard hatte ihn gedemütigt, gar zutiefst seinen Stolz verletzt. Auf die schmerzlichste Art, die ihm selbst einzufallen vermochte. Jetzt stand dieser Junge in glänzender Rüstung und blutrotem Umhang vor ihm, mit Befehlsgewalt und einem arroganten Grinsen auf den schönen Zügen. Gaius ballte die rechte Faust und schwor zum wiederholten Male Rache, als Tiberius ihn mit einem weichen Lächeln auf den Lippen und eiskalten Augen ansah. Gaius schwor Rache, blutrünstige Vergeltung.

Tiberius sah weg und schluckte. Er zog die Brauen zusammen und wusste, dass Gaius ihm niemals unterstehen würde. Vielleicht in der Gunst seines Vaters, vielleicht im militärischen Rang – doch Gaius wurde niemals freiwillig und ehrenvoll unter ihm stehen. Gleich, ob er selbst auf einem Schlachtross saß und Cäsar zu Fuß kämpfte. Tiberius biss sich auf die Unterlippe und schmeckte erschrocken Blut. Schnell leckte er sich darüber. Seine linke Hand lag am Griff seines Schwertes. Seines Ersatzschwertes. Bei dem Gedanken an den Verlust seines Eigenen runzelte sich seine Stirn. Ein schicksalhafter Tag, auf den Sabinus‘ Tod folgte. „Und mein Eigener“, flüsterte Tiberius und wandte sich von den Offizieren seines Vaters, die nach einer Besprechung noch zusammenstanden, ab. Tiberius sah in den grau verhangenen Himmel.
Es hatte die letzten Tage immerzu geregnet, sodass der Boden, auf dem das Lager errichtet worden war, langsam zu einer Schlammlache wurde und man seine Schritte mit bedacht wählen musste. Tiberius seufzte und machte sich auf den kurzen Weg zu seinem eigenen Zelt. Seit er wieder in der Gunst seines Vaters stand, bewohnte er ein Zelt in der Nähe des Imperators, sodass er den Weg auch gedankenverloren gehen konnte. Gaius sah dem Sohn des Imperators nach und folgte dem Jungen leise. Vielleicht würde er seine Rache jetzt schon bekommen. Vielleicht waren ihm die Götter wohlgesonnen. Ein Grinsen stahl sich auf seine Lippen. Er würde sich seine Ehre wieder nehmen, seine verdammte Ehre und seine gekränkte Männlichkeit. Er würde den Jungen so demütigen, wie dieser ihn und er würde Freude dabei empfinden.

Gaius sah, wie Tiberius in das Zelt schlüpfte, und zog wenige Augenblicke später den Stoff des Zeltes zur Seite. Fast lautlos trat er ein. Sein Blick glitt durch den Raum, blieb an dem Kartentisch hängen, der ihn schmerzlich an seine Erniedrigung erinnerte, eher er nach Tiberius suchte. Er fand ihn in einem abgetrennten Bereich.
Der junge Römer stand mit dem Rücken zu Gaius, schien ihn nicht bemerkt zu haben. Der Dunkelhaarige war gerade dabei, seine Rüstung abzulegen. Der rote Umhang lag bereits auf einem Stuhl. Brustpanzer und Armreifen folgten.

Gaius beobachtete Tiberius. Der junge Körper schien makellos und unversehrt. Haut wie Alabaster, Muskeln scheinbar aus Marmor gemeißelt, dichtes dunkles Haar. Tiberius stand da, trug nur noch einen Rock. Als er sich umdrehte, starrte Gaius auf Tiberius‘ nackten Bauch. Eine große, lange Narbe setzte sich deutlich von der sonst perfekten Haut ab. In Tiberius‘ Augen loderte blanker Hass auf, der jedoch schnell Hohn wich. Seine Lippen zierte ein falsches, amüsiertes Grinsen. „Deine ständige Anwesenheit lässt mich glauben, dein Herz gehöre mir“, spottete Tiberius, griff nach einer Robe und zog sie über. Gaius bot dies die Gelegenheit, die Worte des Jungen verklingen zu lassen. Tiberius würde seine Überheblichkeit noch verlieren. „Vergebung“, antwortete Gaius leichthin und ging auf Tiberius zu, blieb gefährlich nahe vor ihm stehen. Er war größer als der Junge, kräftiger, muskulöser – und nutze dies voll aus, baute sich vor dem Jungen auf. „Tatsächlich verlangt meint Innerstes nach dir.“ Es war keine Lüge.

Tiberius hielt, sichtlich aus der Fassung gebracht, inne. „Fass‘ mich nicht an.“ Gaius lachte. Tiberius schüttelte den Kopf. „Habe ich dir nicht zu verstehen gegeben, wo dein Platz ist?“ Gaius nickte ergeben – sein Grinsen erlosch jedoch nicht. „Oh doch, ich erinnere mich mit Schaudern daran.“ „Dann -“

„Du vermisst den jungen Sabinus, nicht wahr?“

Tiberius stockte und presste die Lippen fest aufeinander. Gaius stand so nah vor Tiberius, dass sein Atem dessen Gesicht traf, seine Brust die des Jungen berührte und seine Hände auf Tiberius‘ Bauch ruhten. Tiberius, der regungslos dastand. „Deine Hände liegen immerzu auf deiner Wunde. Die Wunde, die Sabinus‘ Todesurteil geschrieben hat, die dich dazu zwang, ihn zu töten.“

Tiberius konnte nicht verhindern, dass er für einen Moment die Augen schließen musste. Schuldgefühle ließen Tränen quellen, die nicht hervortreten durften – nicht in Gegenwart dieses Mannes. Gaius‘ Hände auf seinem Bauch, auf seiner Narbe, brannten wie Feuer durch den rauen Stoff der Tunika. „Fass‘ mich nicht an!“, zischte Tiberius, nicht fähig, Gaius zurückzudrängen. Zu sehr ließ ihn der schmerzende Gedanke an Sabinus innerlich erschaudern und äußerlich erstarren. Gaius‘ Grinsen wurde nur breiter. Tiberius so verletzt und hilflos zu sehen war besser, als ihm körperlichen Schmerz zuzufügen.

Gaius zog Tiberius an dessen Tunika gänzlich zu sich und küsste den Jungen. Sanft, fast zärtlich.

Gaius zuckte kaum merklich zusammen, als er Tiberius‘ Hände locker an seinen Seiten spürte, zaghaft und doch so fest – wie ein Ertrinkender, der sich an einer Rettungsleine festklammert, um nicht zu sterben.

Er ließ von dem jungen Crassus ab, wissend, dass er ihn tiefer verletzt hatte, als es der Imperator und seine Befehle je getan hatten. Tiberius hielt die Augen geschlossen, Tränen auf seinen Wangen und die Hände in den Stoff von Gaius‘ Uniform vergraben. „Nenn‘ nie wieder seinen Namen“, sagte Tiberius leise, musste sich dabei anstrengen zu sprechen, ohne dass seine Stimme wegbrach. „Und geh‘ mir aus den Augen.“ Gaius lachte hell auf: „Die Götter selbst müssten mich dazu zwingen, länger als nötig in deiner Gegenwart zu verweilen.“ Doch Worten und Taten glichen sich nicht. Tiberius starrte weiter zu Boden, weiterhin die Hände in Gaius‘ Flanken vergraben, während der Ältere nun derjenige war, der still dastand.

Einige Augenblicke vergingen, bis sich Tiberius endlich losriss und sich von seinem Gegenüber abwand. Mit dem Rücken zu Gaius konnte Tiberius seine Fassung wiedergewinnen. Seine Fassung, seinen Stolz und seine Arroganz. Während Gaius sich selbst verfluchte, weil er tatsächlich und trotz allem zugeben musste, etwas für diesen verzogenen Jungen zu empfinden – Was es war? Er war sich nicht sicher. – nahmen Tiberius‘ Züge einen eisigen Ausdruck an. „Hast du nichts Besseres zu tun, als mich weiter zu belästigen?“ Welches Gefühl es auch immer war, es verschwand und Gaius lächelte zynisch. „Zu Befehl, Imperator.“ Gaius wartete nicht auf Tiberius‘ Reaktion, sondern verließ rasch dessen Zelt. Eine Welle der Genugtuung umwog Cäsar und brannte ein feines Lächeln in sein Gesicht. Er hatte Tiberius gedemütigt und verletzt, tiefer als er es körperlich je gekonnt hätte. Er hatte ihm gezeigt, dass er über ihm stand.
Tiberius ballte die Hände zu Fäusten, presste die Lippen fest aufeinander. Tränen standen in seinen Augen. Bei den Göttern, er vermisste Sabinus so sehr. Weder sein aufgeregt klopfendes Herz noch Cäsars bittersüßer Geschmack auf seiner Zunge konnten dies ändern.
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