Eisige Kälte, brennende Wut

von BreakDown
GeschichteDrama, Tragödie / P18 Slash
02.01.2018
15.01.2018
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Hallo ihr Lieben!
Nach längerer Zeit melde ich mich mit einer kurzen Geschichte wieder. Geschrieben habe ich das Ganze schon vor einiger Zeit, habe es aber erst kürzlich abgetippt und dachte, ich sollte es jetzt doch mal hochladen.
Ich möchte noch sagen, dass ich Tiberius einen sehr interessanten Charakter finde, es aber natürlich nicht gut finde, dass er Kore (und im Endeffekt ja auch Gaius) vergewaltigt. Insofern soll das selbstverständlich NICHT beschönigt werden. Gut, ansonsten bleibt zu sagen, dass die Geschichte vier Kapitel haben wird - da alles fertig ist, werde ich diese zügig hochladen.  Man sollte die dritte Staffel kennen, um die Story zu verstehen. Episodentechnisch befinden wir uns nach Episode 4 "Dezimation".

Über Rückmeldungen aller Art freue ich mich immer, jetzt aber viel Spaß!

<3

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I.


Die Kälte in seinem Innern nahm zu, als er sah, wie sein eigener Vater durch das Lager des Trosses, in das Tiberius nach dem Gemetzel gekommen war, schritt, immerzu auf das einladend beleuchtende Zelt seiner geliebten Sklavin zu. Tiberius ließ den Stein in seiner Hand auf die feuchte Erde unter seinen Füßen fallen. Von alleine, ohne sein willentliches Zutun, ballten sich seine Hände zu Fäusten. Siedend heiße Wut kroch in ihm hoch und trieb die Kälte tief in sein Herz. Sein Vater hatte ihn nicht beachtet, keinen noch so kurzen Blick auf ihn und seine zerlumpte Gestalt geworfen. Stattdessen vergnügte sich der Imperator mit der Frau, der sein Herz gehörte.

„Sei nicht wüten, sei froh, dass dir der Tod verwehrt wurde.“ Tiberius sah auf. Eine junge Frau stand vor ihm, hielt ihm eine Schüssel Eintopf entgegen. Sie lächelte ihn warmherzig an, doch Tiberius fand keine Freundlichkeit, die er ihr entgegenbringen konnte. „Du vergreifst dich im Ton, Sklavin.“ „Vergebung.“ Die Frau stellte die Schüssel auf den Boden, verbeugte sich leicht und wandte sich von Tiberius ab. Der junge Römer zögerte, doch der Hunger gewann die Oberhand, sodass er nach dem Schüsselchen griff und den faden Eintopf gierig herunterschlang. Er ließ nichts übrig und schämt sich dafür. Als stolzer Römer hungerte man nicht. Tiberius wusste nicht, was er tun sollte. In ihm brannte Wut, gleichzeitig fühlte er eine ihm bis heute unbekannte Kälte.
Schließlich kniff er, nun wütend auf sich selbst, die Augen zusammen. Die Tränen, die sich trotzdem zwischen seinen Wimpern hervorstahlen, hinterließen nasse, glänzende Spuren auf seinen Wangen und tiefe, schmerzende Wunden auf seiner jungen Seele.

Für einen kurzen Moment verspürte Gaius, der Zerstreuung und Freude suchte, tatsächlich Mitleid mit dem Jungen. Für einen Augenblick tat ihm der arrogante, sich selbst überschätzende Sohn des Imperators Leid. Fast wollte er dem Jungen, der stumm weinte, Trost spenden. Doch dieser Moment verging schneller, als er gekommen war – Tiberius‘ Augen loderten hasserfüllt auf, als er Gaius‘ Blick kreuzte. Gaius schüttelte kaum merklich den Kopf. Dieser törichte Junge hatte sich selbst in diese Situation gebracht, es war nicht nötig oder gar angebracht, ihn zu bemitleiden. Der Blonde ging weiter ohne ein Wort zu verlieren und stattdessen süße Komplimente an die schönen Frauen, die ihm andere Gedanken verschafften, zu verteilen.

Doch selbst Tage später konnte Gaius den Anblick des weinenden Tiberius nicht abschütteln. Ein Teil von ihm verspürte Genugtuung, ein anderer Teil so etwas wie leises, kaum spürbares Mitleid. Noch mehr als Tiberius‘ mitleidiges Auftreten verwirrte Gaius jedoch das Verhalten des Imperators selbst. Crassus war nicht nur ihm, sondern sogar seiner Lieblingssklavin gegenüber verschlossen, scheinbar so sehr in Gedanken – ob in Sorge oder in Wut über seinen eigenen Sohn. Während Gaius sich den Kopf darüber zerbrach, Crassus‘ Gedanken zu verstehen und die Pläne des listigen Imperators zu begreifen, saß Tiberius weiterhin im Lager des Trosses und starrte stundenlang in das Feuer vor ihm. Bereits seit Tagen hatte er nichts mehr gehört, weder von seinen Soldaten, die sich nach der Dezimation nicht mehr in seine Nähe getraut hatten, noch von seinem Vater, den er – und dafür schämte er sich ebenso wie für seinen Hunger – als eben diesen vermisste. Wie ein kleiner Junge sehnte er sich nach der tröstenden Umarmung seines Vaters und warmen Worten seiner Mutter. Doch weder Mutter noch Vater waren da. Stattdessen setzte sich Kore, die mehr Liebe seines Vaters empfang, als er es jemals getan hatte, neben ihn. „Schickt dich mein Vater?“, fragte Tiberius leise. Seine Stimme kratzte unangenehm nach Tagen der Stille und des Schweigens. Kore lächelte ihn an: „Er will dir Wärme und eine gute Mahlzeit spenden und schickt mich, dir Trost im Verlust deines geliebten Freundes zu schenken.“ Kore hielt Tiberius mit einem offenen Lächeln die Hand entgegen und zog ihn vom Boden, als er ihre Hände mit seinen umschloss.

Tiberius folgte Kore in ihr komfortables Zelt, wärmte sich, aß und spürte dabei, die ihm mittlerweile wohlbekannte Kälte sein Herz umfassen. „Marcus macht sich große Sorgen um dich. Selbst Gaius scheint unglücklich mit deiner Situation“, sagte Kore mit weicher, warmer Stimme. Tiberius lachte tonlos auf, sah Kore fest in die Augen und konnte zum ersten Mal seit Sabinus‘ Tod ausdrücken, was eigentlich geschehen war: „Mein Vater hat mir das Liebste auf Erden genommen.“ Kore senkte den Blick. Sie konnte den Schmerz des Jungen selbst fühlen und legte ihre Hände auf Tiberius‘, um ihr Mitgefühl zu zeigen. Der junge Römer stieß Luft aus und schlug die Hände der Sklavin weg. Sein Herz war gefroren, als er in die erschrockenen Augen der Dunkelhaarigen blickte. „Tiberius…“ Seine Hände schlossen sich fest um die schmalen Handgelenke der Sklavin. Aus eisiger Kälte wurde brennender Hass. „Ich werde ihm das Liebste auf der Welt nehmen.“ Tränen standen in Kores Augen.

Tiberius riss die Seiten des Zeltes auf und trat schwer atmend ins Freie. Hastig ließ er den Stoff der Planen hinter sich fallen. Sein Blick glitt in den Himmel – dunkel und sternenklar. Er ballte die Hände zu Fäusten und wünschte sich nichts sehnlicher als Sabinus an seiner Seite. Sabinus, der ihn verstehen und der ihm vergeben würde. Tiberius schüttelte den Kopf, reckte das Kinn. Er hatte sich gerächt. An seinem Vater.


Sein Vater, der ihn kurze Zeit später wieder zu seinem Wort und Willen machte.


An diesem Abend überraschte Gaius Tiberius in seinem Zelt. „Was hast du ihr angetan?“, fragte Gaius unvermittelt. Tiberius sah erstaunt auf, eher er begriff. „Von was sprichst du, Cäsar?“ Der Ältere hisste auf. „Die Sklavin deines Vaters. Du musst ihr großes Leid zugefügt haben!“ Tiberius konnte für einen Lidschlag nicht verbergen, dass er überrascht war. Er war sich sicher, Kore würde nichts sagen, sondern still schweigen. „Was soll ich getan haben?“, fragte Tiberius überheblich grinsend. „…“ Gaius starrte ihn an. Kores Augen hatten von tief empfundenem Leid und einer verletzten Seele gesprochen. Es dauerte, bis nun er selbst begriff. „Du hast sie verletzt. Gegen ihren Willen hast du dich ihr aufgezwängt.“ Tiberius‘ Grinsen erstarb. Hatte er sich seit diesem Abend mächtig gefühlt, seinem Vater überlegen, war jetzt das Gefühl absoluter Machtlosigkeit zurück.

Tiberius konnte die Schuld, die er gegenüber Kore trug, auf seiner Zunge schmecken. Bitter. Er wollte sie herunterschlucken, doch es gelang ihm nicht. „Ich verletzte sie nicht. Nicht absichtlich“, gestand Tiberius und wunderte sich über sich selbst. Wie konnte er ausgerechnet Cäsar gegenüber die Wahrheit aussprechen? Cäsar sah Tiberius ebenso verwundert an, wie dieser ihn. „Du wolltest deinen Vater verletzen“, stellte Gaius sachlich fest. Tiberius nickte. „Was hast du getan?“, fragte Gaius eindringlicher, wollte er doch seine Vermutung bestätigt wissen.
„Ich habe ihm das Liebste genommen, so wie er mir das Liebste nahm.“ „Der junge Sabinus?“, warf Gaius ein. Ein harter Zug legte sich auf Tiberius‘ noch immer kindliches Gesicht. „Er nahm mir das Liebste“, wiederholte Tiberius ruhig. Er lehnte sich an den Holztisch in der Mitte des Zimmers. Darauf waren Karten ausgebreitet. Zwei Steinen lagen dort. Einer schwarz, einer weiß.

Einige Tage später war der Tisch Zeuge Tiberius‘ unbändiger Wut und Gaius‘ schrecklichster Demütigung.
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