In My Car

OneshotHumor, Freundschaft / P12
01.01.2018
01.01.2018
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Kommentar: Hallo Ihr Lieben. Diesmal gibt es einen kleinen Oneshot mit Carlos und Fernando. Die Idee kam mir mal wieder, als ich so ein kleines Bilchen im Internet gefunden habe. Da konnte ich einfach nicht widerstehen, etwas daraus zu machen. Ich hoffe, dass es euch ein bisschen gefällt. :)
Und ich hoffe, ihr seid alle gut in das neue Jahr gekommen!

Disclaimer: Der Inhalt der Geschichte basiert nicht auf Tatsachen, sondern lediglich auf meiner Fantasie. Nur der Austragungsort stimmt mit der Realität überein. Alle weiteren Ereignisse entspringen bloß meiner eigenen Phantasie. Ich kenne keine der hier genannten Personen, ich verdiene kein Geld damit und möchte auch niemandem zu nahetreten.





In My Car



Madrid, Spanien
2. August 2017


Manchmal fragte er sich schon, wie er so viel Chaos anrichten konnte, wenn er doch so selten zu Hause war. Wenn er sich hier so umsah, deutete nicht viel darauf hin, dass er seine Familie zwischen den Rennwochenenden kaum besuchen kam. Vielleicht sollte er die Gunst der Stunde nutzen und wirklich mal wieder ein bisschen aufräumen, wenn er schon einmal hier war. Bis lang scheiterte dieses Vorhaben an seinem Mangel an Lust und Zeit zusammen. Zeit hatte er nun.
Es kam selten genug vor, dass er wach wurde, noch bevor der Wecker klingelte. Wenn er in der Weltgeschichte unterwegs war, war er einfach nur froh, wenn er mal ausschlafen konnte, wenn ihn niemand störte oder zu früh aus den Federn schmiss. Da nutzte er jede sich bietende Gelegenheit, um sich von dem ganzen Stress wieder zu erholen.
Die Zeit bei seiner Familie in Madrid sollte daher pure Erholung sein und daher hatte er für gewöhnlich auch keine Lust, hier aufzuräumen. Immer wieder wurde alles nur flüchtig beiseite geräumt und sich dann gesagt, dass dafür später auch noch Zeit war und nun hatte er den Salat. Aber jammern half ihm da auch nicht. Es würde schließlich niemand vorbeikommen und ihm die Arbeit abnehmen, da konnte er sich sicher sein. Also warum nicht jetzt damit anfangen?

Ein wenig schwerfällig quälte er sich also aus dem Bett und verschwand zunächst ins Badezimmer. Als er zurückkehrte erinnerte ihn das schrille Klingeln, das den Raum nun erfüllte daran, dass er zuvor etwas hätte ausschalten sollen, was mit einem leisen Fluchen nachgeholt wurde. Wenn er nur wüsste, wo er morgens seinen Kopf hatte.
Dann machte er sich nach und nach daran, alles einzusammeln, was hier so verstreut lag und an seinen Platz zurück zu räumen. Es erinnerte ihn fast ein bisschen an seine Kindheit, wenn seine Mutter von ihm verlangt hatte, dass er sein Zimmer in Ordnung bringen sollte. Der Kleiderschrank war immer mit am schlimmsten gewesen, wenn er sich noch recht erinnerte.
Heute konnte er sehr gut verstehen, warum seine Mutter darüber alles andere als begeistert gewesen war. Stundenlang hatte sie die Wäsche erst gewaschen, dann zum Trocknen aufgehängt und nicht zuletzt hatte sie auch alles gebügelt. Wie konnte es ihr da schon gefallen, wenn sie dann feststellte, dass die Mühe ihrer Arbeit so rücksichtslos in den Schrank geworfen wurde? Das würde er heute ganz sicher nicht mehr tun.

Nach einer guten halben Stunde sah es hier auch schon deutlich besser aus. Das war eigentlich gar nicht so schlimm gewesen. Als er allerdings vom Fußboden aufstand, auf dem er gerade noch ein paar Dinge zusammengesucht hatte, erwischte er mit dem Ellenbogen eine kleine Box, die auf dem Regal gestanden hatte und nun scheppernd herunter krachte. Ein unschöner Fluch kam ihm über die Lippen, denn das hatte ihm jetzt gerade noch gefehlt!
Er legte die Sachen weg, die er gerade in der Hand hatte und setzte sich wieder auf den Boden. Es war die Kiste, in der er ein paar kleine Dinge verstaut hatte, die ihn an die Rennwochenenden erinnerten, zu denen sein Vater mit ihm gefahren war. Alte VIP-Pässe, Fotos und... Er konnte es nicht lassen, sich das alles ein bisschen genauer anzusehen. Das war doch schon eine Ewigkeit her und irgendwie doch erst gestern.
Es dauerte nicht lange, bis die ersten Erinnerungen kamen und ihn zum Lächeln brachten. Damals war es noch das größte für ihn gewesen, Fernando zu treffen. Den Fernando! Heute war es ihm fast schon peinlich, wie er ihm als Elfjähriger erzählt hatte, dass er auch mal so werden wollte wie er. Das konnte er heute natürlich nicht mehr bringen. Wie würde das denn auch aussehen? Aber er war schon stolz darauf, dass er nun ebenfalls in der Königsklasse fuhr. Mit seinem Idol gemeinsam!

Nach einer Weile hielt er ein Foto in den Händen, bei dem er fast grinsen musste. Ja, er konnte sich erinnern, dass das so ziemlich das Coolste überhaupt für ihn gewesen war. Nachdem er Fernando nämlich gesagt hatte, dass er ihm so sehr nacheiferte, hatte er in seinem damaligen Renault Platz nehmen dürfen. Er hatte kaum über den Cockpitrand gucken können und sein Fernandos damaliger Manager, Flavio Briatore hatte ihm lachend auf die Schulter geklopft und gemeint, dass das nicht schlimm sei, Fernando könne das vermutlich auch nicht.
Tatsächlich war er heute ein Stück größer als Fernando, aber er wusste inzwischen, dass der Italiener damals nur einen Scherz gemacht hatte. Trotzdem war das wohl seine seiner besten Erinnerungen. Am liebsten wäre er nie wieder ausgestiegen und er hatte Fernando so viele Fragen zum Boliden gestellt... Er hatte sie ihm alle beantwortet!
Und so war es bis heute. Er konnte Fernando alles sagen, ihn alles fragen. Er hatte immer ein offenes Ohr für ihn. Es war toll, dass er das für ihn tat, dass er ihn so unterstützen wollte. Und wenn er sich diese vielen Bilder so ansah, die Momente, die Fernando ihm damals schon gegeben hatte, dann bekam er das starke Bedürfnis, dich mal bei ihm zu bedanken und zwar richtig. Und er bekam schon eine Idee, wie er das machen konnte...

Spa-Francorchamps, Belgien
25. August 2017


„Das ist der Toro Rosso STR12“, verkündete Carlos ihm feierlich und sah ihn so erwartungsvoll an, dass ihm das jetzt wohl irgendetwas sagen sollte. Tat es aber überhaupt nicht. Außer vielleicht… Aber das war doch unsinnig! Ihm mussten die Fragezeichen bereits deutlich um den Kopf herum schweben.
„Ja. Das ist dein Auto.“ Bei dieser trockenen Feststellung kam er sich fast vor, als würde er versuchen, den Iceman in einem seiner grauenhaft wortkargen Interviews zu imitieren. Was wollte der Jüngere denn von ihm? Er holte ihn doch nicht extra in die Toro Rosso Garage, um ihm seinen Boliden zu präsentieren! Zumal…
Er sah ein bisschen zweifelnd in Franz Tosts Richtung, aber der schien sich an seiner Anwesenheit gerade überhaupt nicht zu stören. Gut, es wäre wohl auch schwachsinnig, wo sie ihre Autos jeder Zeit im Parc Fermé ohnehin genauer unter die Lupe nehmen konnten, wenn sie wollten. Aber er konnte anscheinend davon ausgehen, dass das hier abgesprochen war. Trotzdem erschien es ihm ein bisschen merkwürdig.

„Du hast es erfasst!“, rief Carlos mit einer schier grenzenlosen Begeisterung auf. Himmel, was war denn los mit dem Jungen. So seltsam benahm er sich doch sonst nicht. „Der läuft mit einem 1,6-Liter-V6-Motor von Renault.“
Er hob die Augenbrauen, sein Erstaunen blieb aber wohl hinter seiner Sonnenbrille verborgen. „Na, was du nicht sagst. Ich möchte meinen, Red Bull und Renault haben genau den gleichen“, gab er nun ziemlich ironisch von sich, aber Carlos schien sich daran nicht ein bisschen zu stören. Innerlich schüttelte er den Kopf. Wenn er nur mal begreifen würde, was das sollte…
„Natürlich, die haben ja schließlich auch Verträge mit Renault.“ Das wusste er, verdammt noch mal! Und der Jüngere war noch nicht fertig… Im Folgenden erklärte er ihm noch, wie dieser Motor aufgebaut war. Dass er aus einem Turbolader und einem 120 kW starken Elektromotor bestand, was selbstredend bedeutete, dass es sich bei diesem Boliden um ein Hybridfahrzeug handelte. Als würde er das nicht wissen! Das war schließlich bei allen Formel-1-Boliden so!
Er erklärte ihm das Achtganggetriebe, dass es nur zwei Pedale gab, für Gas und Bremse, dass die Kupplung über einen Hebel am Lenkrad verwendet wurde und nur beim Anfahren Verwendung fand. Es kostete ihn langsam ein wenig Geduld, nicht aus der Haut zu fahren und Carlos zu fragen, warum er voller Begeisterung Sachen erklärte, die doch jeder Schwachkopf wusste! Zumindest jeder Schwachkopf, der sich für ihre Rennserie interessierte…

Anschließend durfte er sich noch ein Referat über die Unterschiede zum Vorgänger anhören. Logischerweise dem Toro Rosso STR11. Vorzugsweise die breiteren Reifen, was schließlich auch so eine Neuerung dieser Saison für alle Boliden war.
Irgendwann konnte er wirklich nicht mehr anders… Er klang vielleicht ein wenig gereizt, als er wissen wollte: „Wieso erzählst du mir das alles? Du hast nicht zufällig über die Sommerpause vergessen, dass ich auch hier fahre? Oder Angst, ich könnte schon an Demenz leiden?“ Das wäre wirklich unerhört!
Doch Carlos grinste ihn bloß an und antwortete: „Nee, Quatsch! Könnte ich doch niemals, aber ich muss mich ja irgendwie mal bei dir revanchieren! Jedenfalls… Jetzt, wo du das alles so hast über dich ergehen lassen, kannst du natürlich gerne noch mal Platz nehmen, wenn du willst.“

Moment… Hatte er ihn da gerade richtig verstanden? Er sollte was tun? Wie kam Carlos denn bitte auf so etwas? Seine Sonnenbrille rutschte ihm ein Stück von den Augen und er konnte den Jüngeren nur etwas verständnislos anblinzeln.
„Du… Hast du zu lange in der Sonne gelegen? Was stimmt mit dir nicht?“, fragte er ein bisschen perplex über so viel Verhalten, das er einfach nicht verstehen konnte. Entweder mit Carlos stimmte wirklich etwas nicht oder er stand hier ganz gehörig auf dem Schlauch…
„Mit mir ist alles wunderbar, aber du solltest das Angebot ruhig annehmen“, erklärte Carlos, musste dabei aber irgendwie lachen. Verschaukelte der ihn gerade? Er begriff allerdings nach wie vor überhaupt nichts und konnte ihn nur fragend ansehen, woraufhin der Jüngere sein Handy hervorkramte. „W-Warte, ich zeig’s dir…“
Na, da war er ja gespannt, was jetzt kam. Er musste zugeben, er war wirklich nicht der geduldigste Mensch auf der Welt, als Carlos ihm schließlich ein Bild auf seinem Handy-Display zeigte, das… Jetzt fing es erst einmal an, in ihm zu arbeiten. Okay, es war ein altes Bild. Es war eindeutig Carlos und man konnte erkennen, dass er es abfotografiert hatte und…

Jetzt hätte er sich natürlich die Hand vor die Stirn schlagen können. Ja, jetzt erinnerte er sich auch wieder an diesen Tag vor gut zwölf Jahren, als Carlos Senior den Kleinen mit zum Großen Preis von Spanien genommen hatte und…
Gut, nun konnte er sein Grinsen auch nicht mehr unterdrücken. Wenn er ehrlich war, dann dachte er schon gerne daran zurück. Immerhin war es ihm damals noch ziemlich neu gewesen, so viele Fans zu haben und überhaupt… Allerdings… Wieso veranstaltete er deswegen gleich sowas? Und wie kam er darauf?
„Ich würde jetzt gerne sagen, dass ich es verstehe, aber… Ich verstehe es nicht“, gab er also zu, wenn auch lachend. Das musste Carlos ihm trotzdem noch irgendwie erklären. Und das tat der Jüngere natürlich auch.

„In der Sommerpause hab ich das zufällig wiedergefunden“, meinte Carlos also. „Da musste ich natürlich an diesen Tag denken.“ Einen Moment war da wieder dieses Leuchten in seinen Augen, wie damals, als er so begeistert gewesen war und unbedingt auch in die Formel 1 wollte. Es hatte ihn wirklich gefreut, als Carlos es vor zwei Jahren wirklich geschafft hatte…
Doch dann flackerte da auch dieses Blitzen in seinen Augen auf und er musste wieder lachen.
„Und, nun ja… Ich konnte nicht widerstehen! Jetzt, wo wir beide hier fahren… Und sei doch mal ehrlich: Im Augenblick wünschst du dir doch einen Toro Rosso, statt deine Honda-Gurke! Ich meine, der hier hat wenigstens keinen GP2-Motor und auch sonst, wäre der Umstieg doch eine echte Verbesserung.“

Okay, bis hier hin war Carlos‘ Erklärung echt niedlich gewesen, aber mit dem GP2-Motor hatte er es versaut. Und das gab er ihm nun mit viel Gestikulation auch zu verstehen. Carlos wusste natürlich, dass das jetzt nicht so ernst gemeint war.
Seine Crew vielleicht eher nicht. Die machten ziemlich große Augen. Aber ein bisschen Show… Das gehörte hier schon dazu. Also faltete er den Jüngeren mal lieber ein bisschen, bevor hier noch jemand auf die Idee kam, dass man ihn neuerdings derart aufziehen durfte. Allerdings… Wenn er es sich recht überlegte…
Carlos war bereits in Abwehrhaltung gegangen und in besänftigenden Zuspruch verfallen, als er seine Gedanken aussprechen musste…

„Hast du eine Probefahrt mit Franz auch abgesprochen oder nur den Besuch in der Garage?“

Carlos‘ Blick war unbezahlbar. Mit diesem Meinungswechsel hatte er einfach nicht mehr gerechnet. Und er wusste, wenn der Jüngere das jetzt verneinte, würde er einen guten Grund haben, ihn noch einmal rund zu machen, denn es ging ja wohl nicht an, dass er ihn erst heiß auf einen besseren Wagen machte und dann wurde daraus nichts!





Und hier gibt's natürlich noch das Bild, das mich so inspiriert hat. :)
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