Der Winter Soldier...

OneshotThriller, Suspense / P12
OC (Own Character)
01.01.2018
01.01.2018
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Der Winter Soldier...


Wir sehen uns in die Augen und ich kann die Entschlossenheit darin erkennen, die wir für diese Sache so dringend brauchen. Juan nickt mir zu und ich atme einmal tief ein und wieder aus – wir sind da.
Die Villa ist vergoldet und schon von weitem haben wir sie sehen können, da die untergehende Sonne ihren glänzenden Schein auf sie gelegt hatte. Dieser Abend würde einen Wendepunkt in der Geschichte der Menschheit darstellen.
Ich mache eine Kopfbewegung, die meiner Begleitung zu verstehen gibt, dass ich so weit bin und wir setzen uns beinahe gleichzeitig in Bewegung, um das geschwungene Metalltor, hinter dem sich die gepflasterte Einfahrt aus Marmor auftut, auf zu schieben.
Es quietscht und mir drängt sich der Eindruck auf, gerade in eine Falle gelaufen zu sein. War es nicht immer in Horror-Filmen so, dass die ahnungslosen Teenager oder Mittzwanziger auf ein Grundstück gingen, nur um dann bestialisch abgeschlachtet zu werden?
Mutig schiebe ich diesen Gedanken bei Seite und wir schleichen uns die ersten Meter über den weiß leuchtenden Boden. Die Marmorplatten werden von unten beleuchtet und der schwache Schein der LED-Lampen dringt hindurch.
Die Einfahrt des Anwesens bekommt dadurch etwas Magisches und automatisch muss ich daran denken, wie Juan dieses Wort betonen würde. In etwa so: „Mmmmmmaaaaagüüüüschhhhhhh!“
Ich erschrecke mich, denn genau in diesem Moment wird dieses Wort in genau dieser Betonung neben mir gerufen. Ruckartig zucke ich zusammen und ich weiß nicht wohin mit meinem Schock.
Juan lacht mich aus und gemeinsam gehen wir weiter in Richtung der Höhle des Löwen. Unser Weg ist gesäumt von kunstvoll beschnittenen Hecken, die allesamt verschiedene berühmte Persönlichkeiten oder wenigstens Filmfiguren darstellen.
Die des Jokers gefällt mir am besten, denn sie hat eine Bazooka in der Hand und lächelt mich freundlich an. Er hat Recht gehabt – er lächelt wirklich immer.
Ehrfürchtig gehen wir an Matthew McConaughey vorbei, der in einem Weltraumanzug ziemlich dämlich aussieht und es macht den Anschein, als hätte man mit dieser Hecke versucht den Flug durch die Schwerelosigkeit nachzuahmen.
Als wir die lange Einfahrt hinter uns gelassen haben, kommen wir auf den Vorhof zur Villa, wo vergoldete Autos parken. Dieser Mann hat es tatsächlich geschafft, denn er hat einen alten T1 VW-Bus in seinem Besitz.
„Er ist wahrlich ein Meister des guten Geschmacks“, presse ich mussmutig hervor und spreche durch zusammengebissene Zähne, so wütend werde ich mit einem Mal. Ich liebe diese Art von Auto, aber ich besitze keines.
Leider ist das den Reichen und Schönen vorbehalten.
Aber wir sind auch nicht hier, um uns über die Autosammlung des Helden der Welt zu unterhalten. Wir sind hergekommen, um ihm ein großartiges Angebot zu unterbreiten – das uneigennützigste Projekt, das jemals gestartet wurde.
Ich klammere mich immer fester an dem großen Briefumschlag fest, der zum Bersten mit Papieren gefüllt ist, die Juan und ich vollgekritzelt haben. Wir haben in den letzten Monaten nicht geschlafen, nicht gegessen und auch nicht gelacht – zum Wohle der Menschheit, wie wir herausgefunden haben.
Das Projekt soll tatsächlich noch großartiger sein als wir ursprünglich gedacht haben. Bis vor wenigen Tagen waren wir uns nicht über die Wichtigkeit und den Mehrwert unseres Vorhabens bewusst gewesen.
An der vergoldeten Haustür betätigt Juan zweimal einen altmodischen Türklopfer, der aussieht wie Batman mit einem dicken Metallring im Mund. Entgegen meiner Erwartungen kann er nicht sprechen.
Enttäuscht warten wir, bis ein Butler in einer platinfarbenen Uniform die Tür öffnet und uns wortlos hineinbittet. Wir haben die Audienz schon vor längerer Zeit angemeldet, aber heute sind wir tatsächlich mit der frohen Kunde hier.
Der große Meister ahnt nicht, was für gute Neuigkeiten wir für ihn haben. Er weiß auch nicht, dass das Schicksal der Welt in unserem Briefumschlag hergetragen wurde.
Mit Augen so groß wie Bauklötze und offenstehenden Mündern betreten Juan und ich die Eingangshalle, die sofort an die Pracht der Sixtinischen Kapelle erinnert. Doch sind es nicht die Fresken Michelangelos, die die Decken und Wände zieren.
Nein.
Es sind Szenen aus Filmen, die der große Meister gedreht hat. In der Mitte sehe ich das wohl berühmteste Bild, das die Runde um den Globus gemacht hat, als der Bewohner des Hauses das erste Mal Zutritt zu seiner Halle gewährt hatte.
Es ist der Joker, der aus einem fahrenden LKW heraus mit einer halbautomatischen Uzi schießt und dabei den Panzerwagen des Gotham Police Department zu treffen versucht. Wahrlich ein Meisterwerk.
Schritte reißen uns aus unserer Starre und wir sehen gleichzeitig in dieselbe Richtung, aus der die Geräusche zu kommen scheinen. Es ist ein anderer Butler, doch trägt er noch kunstvollere Kleidung als der erste, der uns die Tür öffnete.
Er macht eine einladende Handbewegung, der wir schweigend folgen. Ich bemühe mich auf dem gefliesten Boden nicht zu trampeln, doch die Höhe der Decke macht es unmöglich still zu sein.
Sicher hört er uns schon kommen. Wir bescheidenen Bittsteller des Fandoms und der Welt, die auf uns vertraut. Wir haben die geballte Macht des Internets hinter uns, aber das weiß der Meister bestimmt schon.
Es gibt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht Vieles, das ihn noch zu begeistern vermag. Aber wir werden es ähnlich machen wie Tenacious D einst bei ihrem Kampf auf Leben und Tod mit dem Teufel  „Give us one chance to rock your socks off...“
Niemand kann dem Argument widerstehen und ich habe heute nicht vor zu versagen. Juan und ich blicken uns kurz in die Augen und folgen dem Butler durch einen engeren Flur, in dem allerhand Vitrinen mit kostbaren Gegenständen ausstaffiert in Reih und Glied stehen; elegant von eingelassenen Glühbirnen beleuchtet.
„Wow, das ist unglaublich“, flüstere ich und bleibe einen Moment lang an einer Vitrine stehen, in dem das Original-Drehbuch von Krieg der Sterne ausgestellt ist. Für mich ist es wie eine Art Heilige Schrift, aber der Butler hindert mich daran dort stehen zu bleiben.
„Ihr müsst weiter. Eure Redezeit wird nicht nach hinten angerechnet, wenn ihr sie vergeudet“, schnarrt er mit einer unangenehm kratzigen Stimme und läuft stur geradeaus. Juan zuckt mit den Achseln, kann den Blick aber auch nicht vom Drehbuch nehmen.
Wir werden in einen großen Raum geführt, dessen Wände und Decke mit kunstvoll gewebten Orientteppichen behangen sind. Es riecht nach altem Stoff und die Geräusche in diesem Raum hallen nicht wieder, so wie im großen Foyer, sondern jeglicher Schall scheint verschluckt zu werden.
Dort sitzt er auf einem Stuhl mit hoher Lehne und mit Stuck verziert. Nicht einmal der eiserne Thron ist so reich verziert und kostbar. Dort sitzt der Mann, der einen der besten Filme aller Zeiten gemacht hat – Christopher Nolan, Regisseur von The Dark Knight.
(Hier wäre der richtige Moment für einen dramatischen Tusch – Damdamdaaaaaam!)
Wir fallen beide auf die Knie, so wie man es uns noch vor unserem Besuch befohlen hat, und ich strecke den vollgestopften Briefumschlag mit gesenktem Blick in seine Richtung. Ich kann den skeptischen Blick auf meine Gestalt spüren, Juan neben mir seufzt genervt, weil das Theater schon vor unserer Abreise für Unmut gesorgt hat.
Dennoch konnten wir uns einigen hier zu gehorchen, denn es handelt sich schließlich nicht um Joss Whedon, sondern um Christopher fucking Nolan, dem wir unser Angebot unterbreiten wollen.
Und nur ihm.
Juan blickt auf und beginnt nach einer wohlwollenden Geste des Meisters zu sprechen...

Anmerkung: Frohes neues Jahr, ihr Lieben! :) Wie wird diese Audienz wohl ausgehen und was befindet sich in dem vollen Umschlag? Das erfahrt ihr in Teil 2 dieses Textes, hochgeladen und verfasst von the nameless Juan. Wir freuen uns natürlich sowohl über Rückmeldung als auch stilles Lachen.
LG, Erzaehlerstimme
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