Erinnerungen an Drummossie Muir

von AngelHawk
GeschichteAllgemein / P12
Duncan MacLeod
01.01.2018
01.01.2018
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Duisburg, Deutschland 1994, irgendwann im Sommer

Duncan MacLeod lief durch den trüben Abend. Er konnte nicht einmal sagen, was ihn in diese Stadt in Deutschland verschlagen hatte. Nun, Tessas Tod hatte ihn rastlos werden lassen. Nirgendwo hielt er es länger als einige Wochen aus. Und auch hier war er erst wenige Tage. Joe Dawson, sein Beobachter, machte sich nicht einmal mehr die Mühe, ihm zu folgen. Nun, Duncan schickte dem anderen Mann zwischendurch Karten, kleine Lebenszeichen, wie er es nannte. Und auch an Richie hatte er inzwischen geschrieben, denn langsam, ganz allmählich, war es in sein Bewusstsein gesickert, dass der Junge keine Schuld an Tessas Tod hatte. Er hatte ihn versucht zu verhindern, doch sie war einfach erschossen worden, von den beiden Straßenräubern. Ebenso wie Richie. Mit dem Unterschied, dass Richie aufgestanden war, weil er unsterblich war, ebenso wie Duncan selber. Wobei der Junge es zu dem Zeitpunkt von sich selber noch nicht gewusst hatte. Musik riss ihn aus seinen Gedanken und zu seiner Verwunderung stand er vor einem Irish Pub. Ihm war nach einem kühlen Bier und so betrat er den Laden, der von außen einen schäbigen Eindruck machte.

Innen jedoch wirkte es urig, gemütlich und ja, er fühlte sich, als wäre er wieder daheim in Schottland. Denn gerade jetzt wurde ein Lied über den Loch Lomond gespielt. Heimweh überkam den vierhundertjährigen Schotten. Er setzte sich an den Tresen aus dunklem Holz und bestellte ein Ale. Sein Wunsch wurde schnell erfüllt. Dabei fragte er sich, ob man ihm ansah, dass er nicht reden wollte, oder diese Frau einfach dem Klischee der Wirtin widersprach und nicht jedem, ob gewollt oder ungewollt, ein Gespräch aufzwang. Wobei sie freundlich und aufgeschlossen war, was ihm das Gespräch, dass sie mit dem Mann führte, der den Hocker neben ihm besetzte, zeigte. Dieser schien Stammgast zu sein, sie hatte ihm den Whiskey ohne nachzufragen hingestellt und sprach ihn auch mit Namen an. Die beiden lachten miteinander, während Duncan das Regal hinter der Theke anstarrte und versuchte die Etiketten der Whiskey-Flaschen zu lesen. Er wollte gerade einen schottischen Whiskey bestellen, als eine gespenstische Stille einsetzte. Die Musik war verstummt, sämtliche Gespräche stockten und selbst das leise Klicken der Billardkugeln hatte aufgehört. Verwundert wollte sich Duncan an die Landlady hinter der Theke wenden, als nun doch wieder Musik einsetzte. Und zu seinem großen Erstaunen war es ein altes, gälisches Lied. Dieses Lied katapultierte ihn gedanklich wieder in die Vergangenheit.

Flashback: In der Nähe von Drummossie Muir 10. April 1746

Es war tiefschwarze Nacht, die langsam verglimmenden Feuerstellen der Jakobiten beleuchteten die schlammigen Wiesen nur noch unzureichend. Hinzu kam, dass noch einmal Frost eingesetzt hatte. Duncan MacLeod wickelte sich enger in sein féileadh mór und obwohl diese lange Stoffbahn für den kalten schottischen Winter geschaffen war, wärmte er ihn nur unzureichend. In den vergangenen Jahrhunderten hatte er sich an lange Hosen gewöhnt. Ebenso an zusammengebundene oder gar kurze Haare. Eine Unsitte, hier in Schottland. Zumindest in den Highlands. Nur eitle Lowland-Gecken trugen Hosen, diese vorzugsweise aus edelsten Materialien und auch die Haare waren immer ordentlich onduliert, oder gar von Perücken verborgen.
„Was ist los, MacLeod? Beleidigt der Drammach etwa deinen feinen Gaumen?“ Ein Mann, dessen Namen Duncan sich nicht einmal die Mühe gemacht hatte, zu merken trat an das Feuer, dass sich der Unsterbliche mit mehreren jungen Männern teilte. Duncan starrte auf die Schüssel, die er nahe ans Feuer gestellt hatte. Keiner der Männer, die Charles Stuart gegen die englischen Besatzer folgte, würde behaupten, den Brei aus Hafermehl und kaltem Wasser gerne zu essen. Die meisten würgten ihn nur herunter, weil es nichts anderes gab. Wie gerne hätte der fast zweihundert-Jährige jetzt gejagt. Ein Kaninchen, oder sonst etwas. Doch hier, in dieser Einöde gab es kaum etwas. Hier war noch nicht einmal ein Bachlauf, aus dem man Fische hätte fangen können. Geschweige denn, die Wasserschläuche wieder aufzufüllen, oder die Pferde zu tränken. Nein, das Wasser musste man sich einteilen und für die Pferde schmolzen sie Schnee. Die Jakobiten waren erschöpft, ebenso wie ihre Tiere. Doch es war nicht nur eine körperliche Erschöpfung. Die Männer ahnten, dass die Konfrontation mit den verhassten Sassunaich, den Rotröcken, kurz bevor stand. Und so sehr wie sie sich danach sehnten, die englischen Besatzer endlich zu vertreiben, den Kampf gegen sie zu gewinnen, so waren sie sich dennoch im Klaren, dass sie zahlenmäßig weit unterlegen waren. Wie schon damals, vor einunddreißig Jahren bei der Schlacht von Sherrifmuir, unter dem Earl of Mar. Sie brauchten Verstärkung, doch sie ahnten bereits, dass sie auch dieses Mal keine Hilfe zu erwarten hatten. Für die Moral der Kämpfenden, war dieses Wissen nichts. Wenn zu Anfang an den Feuern noch geredet, gescherzt und gelacht worden war, so hing jetzt jeder seinen eigenen Gedanken nach. Die wenigen Gespräche des Nachts waren nachdenklich, niedergeschlagen und kritisch, was die Entscheidungen des Prinzen anbelangte. Dennoch folgten sie ihm, den sie als den wahren Thronerben ansahen. Jetzt trug der Wind ein leises Lied zu Duncan. An immer mehr Feuern wurde es vernommen und mitgesungen. Auch die Jungen, als Männer konnte man sie kaum benennen, die sich mit ihm das Feuer teilten hatten sich aufgesetzt und sangen mit. Mehr und mehr taten es ihnen nach und man spürte fast, wie die Zuversicht zurückkehrte.


Flashback ende

Als Duncan aus der Erinnerung wieder auftauchte, verklang das Lied gerade. Die Landlady hinter der Theke erhob ihr Glas.
„Auf dass die englischen Besatzer uns bald verlassen, meine irischen Freunde. Erin gu brath*!“
„Erin gu brath!“ echoten die Gäste des Pubs.
„Und auch darauf, dass unsere schottischen Freunde bald befreit sind! Alba gu brath!*²“
„Alba gu brath!“ Jetzt rief auch Duncan voller Innbrunst.


*Irland auf ewig!
*²Schottland auf ewig!


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Und dies sind die Lieder, die Duncan hört

Heimweh nach Schottland
Runrig "Loch Lomond": https://www.youtube.com/watch?v=6nZ2zaW0bPg

Erinnerungen, wobei er eine andere Version hörte, mir diese jedoch am besten gefällt:
Seo Linn "Óró Sé do Bheatha Bhaile": https://www.youtube.com/watch?v=bzXswoAUi0U
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