Der wahre Alex Breidtbach - Familienbesuche und Geständnisse

KurzgeschichteDrama, Familie / P12
Alex Breidtbach
31.12.2017
02.01.2018
2
1544
 
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Kitty

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Charlotte stieg leise aus ihrem Bett, nahm sich ihre Taschenlampe und fand sich kurz darauf, wie so oft in diesen letzten 6 Monaten, in Alex‘ Zimmer wieder. Sie atmete schwer auf. So konnte das doch nicht weitergehen. Oft schlich sie sich nachts hier rein und starrte, manchmal stundenlang, die blanken Wände an, das Porträt auf dem Tisch, den verstaubten Fußball darunter, und die Kartons, die sie einfach nicht entsorgen konnte, mit seinen Sachen… wie denn auch? Ausgerechnet Matthias sagte immer, das seien nur materielle Dinge, die mit seinem Tod ihre Bedeutung verloren hatten. Doch für Charlotte waren sie das Letzte, was sie von ihrem Sohn noch übrig hatte – ja, er war für sie immer ihr Sohn gewesen, trotz all seiner Proteste. In diesen Kartons befanden sich kleine, kostbare Stückchen seines Lebens und des Menschen, der er gewesen war. Allein die Kartons mit Matthias zusammen zu verpacken, war für sie schon unerträglich gewesen. Zu mehr war sie nicht bereit.

Sie nahm sich aus dem obersten Karton eine Pullover und roch an ihm – doch es roch fast nur noch nach Cashmere. Die Spur von Alex war in letzter Zeit immer schwächer geworden. Doch die letzten Prozente waren da noch und Charlotte vergrub ihre Gesicht verzweifelt schluchzend in der schwarzen Wolle, um noch irgendwie an diese zu kommen.

„Er wird dich hier irgendwann erwischen, weißt du“ – erklang es plötzlich aus einer Ecke.

Charlotte schreckte auf. Das war’s wohl, dachte sie, jetzt habe ich endgültig den Verstand verloren. Sie hätte schwören können, dass sie gerade…„Keine Sorge, du hast noch alle Tassen im Schrank. Aber nicht, wenn du so weitermachst. Früher warst du ja zumindest noch tagsüber hier aber nachts und insgeheim…schon etwas makaber, findest du nicht? Ich dachte, als Papa dir den Schlüssel wegnahm, wäre es vorbei.“Während er sprach, trat er aus der Ecke hervor und stand nun Zentimeter von Charlotte entfernt, direkt im Licht. Sie keuchte und starrte ihn wie erstarrt an, doch er fuhr direkt fort, mit ungewohnt sanfter Stimme: „Aber du hast dir einen Ersatz machen lassen und nun jedes Mal die gleichen Rituale, nur eben hinter seinem Rücken…hartnäckig. Hätte ich mir aber denken können – so bist du einfach“.Langsam begann Charlotte, die Worte zu verarbeiten und zu realisieren, wer da vor ihr stand – es war kein Traum, dafür war alles viel zu echt. „Alex? Wie…“ – brachte sie in rauem flüstern hervor und dann konnten sie ihre Beine nicht mehr halten. Sie stürzte auf die Knie und musste mit aller Mühe das Schluchzen zurückhalten, dass aus ihr herauszuplatzen drohte. „Höchstpersönlich“ antwortete er schmunzelnd, beugte sich vorsichtig zu ihr herunter und bat ihr einen Arm an. „Komm. Ich versuche schon ewig, dich zu erreichen und nun klappt es endlich zum ersten Mal. Ich weiß nicht wieviel Zeit wir haben, also… ich muss dir was sagen“. Langsam legte sie eine zitternde Hand in seine und keuchte noch lauter auf, als sie sie fühlte. „Mein Gott, Alex…“ – er zog sie hoch und sie hielt weiter an seiner Hand fest, während ihr stumme Tränen das Gesicht runter liefen. Wieder fuhr ich Verstand hoch und bombardierte sie mit Fragen und Skepsis – „Charlotte, er ist tot“, „Du träumst“, „Das kann doch niemals echt sein“ – doch sie schaltete ihn ab, diesmal endgültig. Es war echt, und es war ihr Alexander – das spürte sie in ihrem tiefsten Punkt – einen, der für den Kopf für immer unbegreiflich bleiben würde. Und an der Gänsehaut, die sich rasch auf ihren Arm ausbreitete.

„Also, ich habe mich nie entschuldigt…“ – fing er an. „Das musst du auch nicht!“ entgegnete sie sofort und ihre Stimme war diesmal bestimmt, obwohl ihre Hand in seiner immer noch ununterbrochen zitterte. „Doch!“ entgegnete er mit felsenfester Stimme – turbulent, aber mit einer Reife, die Charlotte sprachlos ließ… „Dass ich abgekratzt bin, löscht nicht einfach alles, was davor war. Wie alle immer plötzlich zu den besten, aufrichtigsten, wundervollsten Menschen werden, nachdem sie sterben, egal wie schlimm sie davor waren…das ist nichts weiter als eine Lüge, die sich die Lebenden einreden, um nichts negatives mehr zu denken…um sich halt nicht wie böse Menschen zu fühlen. Ich mag gegen Ende viele Dinge eingesehen haben, aber Fakt ist, ich habe mich sehr lange wie ein Arsch benommen – so lange, bis ich wirklich zu einem wurde.“
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