Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

.*~°~*. Willkommen im Jahr 3742

von - Leela -
Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
31.12.2017
31.12.2017
3
9.640
 
Alle Kapitel
noch keine Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
31.12.2017 9.403
 
(* 3741 .~*~. 2017 *)
Auf ein gutes neues Jahr!

(* 3742 .~*~. 2018 *)

Am frühen Nachmittag kam Eddy bei Zino an und quartierte sich mit seiner Tasche im Wohnzimmer ein. Er drückte seinem Freund eine Schüssel in die Hand. „Hier, ich habe einen Geister-Nudelsalat für uns gemacht!“
      Zino stellte überrascht die Ohren auf und schaute den Salat mit den kleinen Nudeln in Geisterform fasziniert an. „Hey, klasse Idee! Danke!“
      Während sie noch auf Boo warteten, ging Eddy Zino in der Küche zur Hand. „Was habt ihr denn so für Neujahrstraditionen?“ erkundigte er sich.
      „Das größte Highlight ist das große Feuerwerk auf dem Dorfplatz um Mitternacht!“ erzählte Zino, während er ein paar Schüsseln mit gayanischen Snacks, die sein Freund bereits neugierig begutachtete, auf dem Couchtisch bereitstellte.
      „Das ist ja so wie bei uns.“ stellte der Ghostbuster fest. „Bei uns wird manchmal schon Tage vorher mit der Knallerei angefangen.“
      Zino drehte nachdenklich die Ohren. „Und was hat das für einen Sinn?“
      „Gar keinen.“ Eddy seufzte leicht. „Aber manche können es halt nicht abwarten.“
      Zino sah Eddy einen Augenblick stumm an. Dann fragte er noch mal nach: „Wie meinst du denn das, »manche können es nicht abwarten«?“
      Schon hier stellte Eddy fest, wie diszipliniert die Gayaner anscheinend sein mußten. „Naja, eigentlich soll bei uns das Feuerwerk auch erst an Silvester abgefeuert werden. Aber viele halten sich da nicht dran und knallen schon Tage vorher sinnfrei rum. Dagegen kann man nur nichts machen – das Zeug gibt es ja leider schon früh genug zu kaufen.“
      Eddy sah Zino an, daß dieser ihm nicht ganz folgen konnte. Nach einer weiteren kleinen Pause hakte der Gayaner noch einmal verständnislos nach: „Bei euch knallen alle Leute einfach so rum?“
      „Ähm… Ja!“ Der brünette Ghostbuster war etwas aus dem Konzept geworfen. „Wie ist das denn hier?“
      „Bei uns wird das Feuerwerk offiziell durch den Bürgermeister abgefeuert. Das macht keiner selbst!“ erklärte Zino wie selbstverständlich.
      Eddy musterte seinen Freund beeindruckt. „Beneidenswert!“
      Rasch deckten sie die letzten Snacks und Getränke auf, und Zino stellte Geschirr und Gläser bereit.
      „Und was macht ihr sonst so zu Silvester?“ erkundigte sich Eddy. Als Zino ihn fragend ansah, korrigierte er sich schnell: „Zu Neujahr! Den Ausdruck »Silvester« kennt ihr gar nicht, oder?“
      Zino schüttelte den Kopf. „Nein. Was ist denn das?“
      „Das ist der letzte Tag im Jahr. Der wird bei uns Silvester genannt, nach irgendeinem Papst, mal wieder.“
      „Ach so, du meinst »Altjahr«! Bei uns heißt der letzte Tag des Jahres einfach Altjahr.“
      Eddy sah ihn erstaunt an. „Das ergibt Sinn… – Okay, habt ihr denn spezielle Bräuche zum Altjahr?“
      „Traditionell wird bei uns über den Nachmittag Gesellschaftsspiele gespielt.“ erklärte Zino.
      „Oh, die Tradition gefällt mir!“ bekannte Eddy von Herzen.
      Zino stellte freudig die Ohren auf. „Das ist auch immer ganz lustig.“ Er ließ noch einmal aufmerksam den Blick über den Tisch schweifen und setzte sich dann mit Eddy auf das Sofa, wo er Jadcy auf den Schoß nahm, die schon die ganze Zeit über alles von dort aus beaufsichtigt hatte. Der kleine Plüschbär, den Zino von Eddy zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte, war seit Heiligabend immer irgendwie mit dabei, und daß sie Zino nicht noch in der Küche Gesellschaft geleistet hatte, führte Eddy auf die Sorge des Gayaners zurück, sie könnte sich bei den ganzen Vorbereitungen verletzen oder schmutzig machen.
      Boo kam wenig später an und brachte eine große Punschschale mit. „Hi Eddy, hi Zino!“
      „Hi Boo!“ begrüßten ihn die beiden Freunde und machten ihm den Weg frei, damit er die Schale bis zum Tisch balancieren konnte.
      „Das ist ein typisch gayanischer Neujahrspunsch!“ erklärte der kleine Gayaner für Eddy.
      Während Eddy noch staunend den rubinroten Inhalt der Schale begutachtete, stellte Zino sich an ihre Seite und erklärte, auf einen Teller mit Gebäcktaschen zeigend: „Das ist auch eine typische Neujahrsspezialität. Das sind sogenannte Gute-Wünsche-Taschen, die meistens nur zum Jahreswechsel gemacht werden. Sie sollen einen fröhlich auf das neue Jahr einstimmen. Ähm, ich hoffe, das tun sie auch.“ In Eddys Faszination hinein erklärte er weiter: „Und nachher auf dem Dorfplatz lernst du noch eine weitere Neujahrstradition kennen!“
      Eddy lächelte aufgedreht. „Ich bin gespannt!“
      „Habt ihr euch denn schon überlegt, was wir gleich machen wollen?“ fragte Boo. „Wollen wir etwas spielen, so wie jedes Jahr?“
      „Na klar!“ erwiderte Zino sofort. „Das gehört doch dazu!“
      Boo freute sich sichtlich. „Super! Was wollen wir denn spielen? Ich hätte Lust auf Brettspiele.“
      Zino wechselte mit Eddy einen Blick, der bereits zustimmend lächelte. „Okay, und was?“
      „Wie wäre es mit »Gaya Trade«?“ schlug Boo vor.
      „Nein!“ Zino fiel ihm fast in’s Wort, als er kategorisch ablehnte. „Ganz sicher nicht!“ Für Eddy erklärte er: „Das ist ein Strategiespiel, wo man gefühlte tausend Sachen beachten muß, und Boo gewinnt immer! Haushoch!“
      Eddy grinste amüsiert. „Meinst du nicht, es könnte sich lohnen, das mal auszuprobieren?“
      „Mit jedem anderen gerne! Aber nicht mit Boo! Glaub’s mir einfach, in solchen Sachen ist er unschlagbar, das macht keinen Spaß.“
      Boo seufzte leicht. „Dann mach einen Gegenvorschlag.“
      „Was haltet ihr denn von »Gaya Race«?“ warf Zino unbedarft ein.
      Boo schüttelte den Kopf. „Da bin ich raus!“
      „Aber das macht Spaß!“ hielt Zino dagegen.
      „Ja!“ Boo sah ihn verheißungsvoll an. Er wandte sich an Eddy. „»Gaya Race« ist ein Spiel wie ein großes Autorennen, nur auf einem Spielbrett. Und wenn Zino sich mit einem auskennt, dann mit Autorennen! Ganz egal, ob in kleinem, oder großem Stil.“
      „Also spiele ich lieber »Gaya Race« mit dir und »Gaya Trade« mit Zino, wenn ich mal gewinnen möchte.“ schloß Eddy.
      Eine verlegene Stille setzte ein.
      Boo räusperte sich leicht. „Ähm, ja, so ungefähr…“
      „Was habt ihr denn noch?“ erkundigte sich Eddy neugierig.
      „Ein paar Klassiker wie Gatzee, »Gayaner Ärgere Dich Nicht«, Migayo…“
      In Boos Aufzählung hinein fiel Zino etwas ein. „Wie wäre es denn mit »Schlammfroschhüpfen«?“
      Boo sah ihn erstaunt an. „Tatsächlich, das hast du?“
      Zino grinste bestätigend. „Das habe ich letztens von meinen Eltern mitgebracht. Die hatten es noch auf dem Dachboden.“
      „Ja, das wäre eine tolle Idee!“ sagte Boo gleich zu.
      Euphorisch ging Zino an den Schrank, um das Spiel rauszusuchen.
      In der Zwischenzeit erklärte Boo für Eddy: „»Schlammfroschhüpfen« ist wie ein Memory auf einem Spielbrett. Du hast da ganz viele kleine Schlammfrösche, die auf der Unterseite verschiedene Farben haben. Und diese Schlammfrösche mußt du sammeln. Wer am Ende die meisten hat, hat gewonnen.“
      „Ja, aber die einzelnen Schlammfrösche bleiben nicht an ihrem Platz!“ warf Zino ein, als er mit dem Spielbrett zum Tisch kam. „Deswegen heißt es »Schlammfroschhüpfen«!“
      „Genau! – Am besten erklären wir es beim spielen.“ meinte Boo, während Eddy bereits neugierig die große Schachtel begutachtete.
      Zwischen Snacks und Bowle kniete Zino sich an den Tisch und breitete das Spielbrett aus. Das Spielfeld zeigte eine gayanische Steppenlandschaft mit vielen Punkten, die durch verschiedene Linien miteinander verbunden waren.
      Boo nahm die Tüte, in der ein Haufen kleiner Schlammfrösche waren, und schüttete sie vorsichtig auf das Spielbrett. „Es gibt zwei Varianten, wie man das Spiel spielen kann; das eine ist eine Kindervariante, da mußt du einfach nur zusehen, so viele Schlammfrösche wie möglich zu sammeln. Wenn man es nach allen Regeln der Kunst spielt, dann geht es um Punkte, und man muß einiges mehr beachten. Ich denke, wir spielen es richtig, oder?“
      Zino nickte. „Das ist viel interessanter. Und das ist wirklich leicht zu verstehen, da bist du ganz schnell drin!“ prophezeite er Eddy.
      „Okay!“ stimmte dieser gespannt zu.
      „Also, wie gesagt, geht es darum, so viele Schlammfrösche wie möglich zu sammeln!“ erklärte Boo noch einmal einleitend. Er zeigte Eddy einen mit einem roten Punkt auf der Unterseite. „Du hast zehn verschiedene Farben: Rot, Blau, Grün, Gelb, Orange, Violett, Schwarz und Weiß.“
      Eddy rechnete noch einmal irritiert nach, bis er sich daran erinnerte, daß die Gayaner im Oktalsystem rechneten. Für ihn waren es also acht verschiedene Farben; das kam hin.
      „Du mußt immer zwei von einer Farbe zusammen finden, und kannst sie dann vom Spielbrett nehmen.“ erläuterte Boo. „Jetzt werden erst mal alle Schlammfrösche auf dem Spielbrett verteilt, bis alle Punkte besetzt sind.“
      Zino hatte schon mit dem Aufbau angefangen, und jetzt halfen Boo und Eddy kräftig mit. Gut durchgemischt, so daß niemand wußte, wo sich welche Farben befanden, fanden die grauen Schlammfrösche ihren Weg in die gayanische Steppe auf dem Brett. Es waren ein ganzer Haufen Schlammfrösche – Eddy schätzte sie auf über hundert. Als er die beiden Gayaner danach fragte, staunte er aber doch. Mit 220 Schlammfröschen hatte er doch nicht gerechnet! Der Moment des Erstaunens hielt so lange, bis er sich erneut daran erinnerte, daß er die Zahlen umrechnen mußte. Er wußte nicht genau, wie viele es in’s Dezimalsystem umgerechnet waren, zumindest aber wußte er, daß es mehr als hundert und weniger als zweihundert sein mußten.
      „Zu Anfang ist es noch recht einfach.“ führte Boo weiter aus. „Du drehst zwei Schlammfrösche um, und der erste, der ein gleichfarbiges Paar hat, darf es sich runternehmen. Interessanter wird es, sobald die ersten Schlammfrösche vom Spielbrett runter sind.“
      „Die Schlammfrösche werden übrigens für alle sichtbar umgedreht!“ erwähnte Zino.
      Eddy nickte. „Also wie beim normalen Memory.“
      Boo nickte bestätigend. „Genau. – Sobald es freie Plätze auf dem Spielfeld gibt, endet jeder Spielzug so, daß du zwei Schlammfrösche umsetzt. Und zwar kannst du entweder einen Schlammfrosch eine Position entlang einer Linie, die zwei Punkte verbindet, weitersetzen… oder du kannst jeweils entlang einer geraden Linie mit einem Schlammfrosch einen anderen überspringen!“
      Zino nickte eifrig. „Und wenn du genug freie Plätze hast, dann kannst du in einem Zug so viele Schlammfrösche überspringen, wie es der Spielzug hergibt.“
      Eddy schnappte begeistert nach Luft, und hätte er gayanische Ohren gehabt, wären sie jetzt sicher in die Höhe geschnellt. „Das ist ja wie eine Kombination aus Memory und Halma!“
      „Ja, genau! – Zino macht es übrigens gerne, mit einem Schlammfrosch in der Runde zu hüpfen, bis er wieder auf seinem Ausgangspunkt steht, wenn es hinkommt. Das geht also auch.“
      Zino kippte leicht die Ohren ab. „Man muß ja sehen, wo man bleibt.“
      „War es nicht so, daß du deine Mutter früher damit in den Wahnsinn getrieben hast, weil du immer in der Runde gehüpft bist, weil du das so toll fandst?“ grinste Boo.
      „Naja, es sind halt Schlammfrösche! Natürlich fand ich es toll, wenn sie hüpfen!“ verteidigte sich Zino.
      Eddy folgte dem kleinen Schlagabtausch amüsiert. Irgendwie kam ihm das sehr vertraut vor…
      „Das interessante an dem Spiel ist, daß sich die Positionen der Schlammfrösche ständig verändern, und du dir nicht einfach nur die Plätze merken kannst, wie beim Memory.“ erzählte Boo. „Du mußt also schon gewaltig aufpassen. – Was hier auch anders ist als beim Memory…“ erklärte der kleine Gayaner weiter. „… ist, daß nach dem Aufdecken von zwei Schlammfröschen der Zug definitiv zu Ende ist. Wenn man ein Paar gefunden hat, ist man also nicht noch mal dran.“
      Eddy nickte verstehend.
      „Erkläre Eddy noch das mit den Schlammpfützen und den Schneefeldern!“ erinnerte Zino.
      „Genau! Auf dem Brett hast du eine Handvoll Schlammpfützen…“ Er zeigte auf die Standpunkte, die in kleinen braunen Schlammlachen lagen. „… und Schneefelder!“ Er deutete auf die weißen Flächen, auf denen einige der Schlammfrösche standen. „Schlammpfützen sind sehr begehrt. Wenn du ein Pärchen findest, von dem beide Frösche in einer Schlammpfütze stehen, kannst du dir aussuchen, ob du noch zwei Schlammfrösche umdrehen möchtest. Wenn du noch ein Pärchen bekommst, auch wenn das dann nicht in einer Schlammpfütze steht, darfst du es behalten, ist es ein Pärchen in der gleichen Farbe, verdoppelst du sogar die Punkte des gesamten Viererblocks! Du kannst aber auch auf Nummer sicher gehen, und einfach die Punkte deines Pärchens verdoppeln, ohne ein weiteres umzudrehen.“
      Zino hatte ein Zusatzkärtchen in die Hand genommen. „Dazu eben: Die verschiedenen Farben haben nachher beim Auszählen verschiedene Punkte. Die weißen zum Beispiel zählen jeweils einen Punkt, die schwarzen zehn, undsoweiter.“
      „Genau, das kann sich also echt lohnen, so ein Schlammfroschquartett zu bekommen.“ bestätigte Boo. „Die solltest du dann auch auf jeden Fall gesondert von deinen anderen Schlammfröschen hinstellen.“
      „Also kann es sich lohnen, wenn man auf Schlammpfützen spielt!“ schloß Eddy.
      „Genau. Besonders, je höher die Punktzahlen sind, natürlich. Die schwarzen Schlammfrösche haben die meisten Punkte. Davon gibt es im Spiel natürlich weit weniger als von den anderen. Wenn du es schaffst, mit einer Schlammpfütze alle vier schwarzen Schlammfrösche zu bekommen, dann hast du allein schon 40 Punkte, und verdoppelst gleich auf 100 Punkte. Ähm, für dich in Dezimal wären das 80 Punkte. Das ist dann natürlich ein absolutes Highlight! Aber auch mit den anderen Farben lohnt es sich natürlich, von daher sind diese Schlammpfützen schon sehr attraktiv.“ Boo klopfte seinem besten Freund auf den Arm. „Zino hier ist Schlammpfützenheld. Das wirst du gleich beim spielen merken, darin ist er echt gut.“
      „Schlammpfützen machen Spaß!“ grinste der blonde Gayaner.
      „Die Schneefelder sind ein bißchen tricky!“ fuhr Boo fort. „Wenn du ein Pärchen hast, wo deine Schlammfrösche beide auf einem Schneefeld stehen, dann mußt du nämlich würfeln!“ Der Gayaner nahm einen achtseitigen Würfel mit verschiedenen Symbolen zur Hand.
      Zino zückte indes das zweite Erklärungskärtchen, auf dem die Symbole nebst den Erläuterungen abgebildet waren.
      „Bei dem Meteorit zum Beispiel bedeutet das: Durch den Meteoriteneinschlag wird alles vernichtet, und du verlierst alle deine Frösche, inklusive der beiden neuen.“ erklärte Boo. „Das ist natürlich ganz bitter, wenn man sich schon viele Schlammfrösche und Boni erspielt hat.“
      Eddy schaute etwas beklommen.
      „Bei dem Schnurk hier…“ Boo zeigte Eddy das kleine Symbol, das eine vage Ähnlichkeit mit Galgers Kopf hatte. „… hat man gar nichts davon. Die Schnurks sammeln die Frösche ein, damit möglichst niemand gewinnt – dann wird das Pärchen ganz aus dem Spiel genommen. Bei dem Eiskristall sind die Schlammfrösche eingefroren und bleiben im Spiel. So kann sich zumindest jemand anderes noch die Schlammfrösche später holen. Das Autosymbol bedeutet, daß einer der Schlammfrösche überfahren wird. Das heißt, einer davon wird aus dem Spiel genommen; den anderen behältst du. – Zino, eigentlich kannst du auch mal weiter erklären!“
      Dessen Ohren spielten aufmerksam. „Ich finde, du machst das ganz gut!“
      Boo seufzte leicht. „Bei der Sonne taut das Eis, und du bekommst das Pärchen regulär. Bei dem kleinen Zino hier…“ Boo legte eine besondere Bedeutung in den Namen, als er auf das kleine Heldenpiktogramm zeigte. „… werden die Schlammfrösche heldenhaft gerettet, und die Punkte verdoppeln sich. Und bei der Schlammpfütze darfst du zusätzlich zu deinem Pärchen noch eins aufdecken, – mit den gleichen Regeln wie bei den normalen Schlammpfützen, nur daß sich da generell immer die Punkte verdoppeln, also auch für das einzelne Pärchen.“
      „Was sagt uns das? Mit einer Schlammpfütze bekommt man mehr als mit einem Helden!“ grinste Eddy.
      Zino verdrehte leicht die Augen, während Boo sich ein amüsiertes Schmunzeln nicht verbeißen konnte.
      Eddy war über das Heldenpiktogramm noch nicht ganz hinweg. „Ist das wirklich Zino auf dem Würfel?“
      „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.“ bekannte Boo schmunzelnd. „Ich nenne ihn einfach Zino, weil es eben das Heldensymbol ist. Und ich wette, das macht so gut wie ganz Gaya in dem Spiel. – Dann haben wir noch den Dalamiten. Der Dalamit überstrahlt alles. In dem Fall verdoppeln sich alle Punkte deiner bisher gesammelten Schlammfrösche, mit dem neuen Pärchen, natürlich.“
      Eddy schaute erstaunt mit begeistert großen Augen auf das Piktogramm. Das gefiel ihm schon deutlich besser als der Meteoriteneinschlag.
      „Das war es eigentlich, zu den Symbolen.“ schloß Boo. „Wenn du kein Pärchen hast, dann passiert nichts weiter.“
      „Okay, und was passiert, wenn ich ein Pärchen mit einer Schlammpfütze und einem Schneefeld habe?“ erkundigte sich Eddy.
      „Das gibt dann Schneematsch!“ kommentierte Zino.
      Eddy bedachte ihn mit einem leichten ironischen Augenverdrehen.
      „Nein, Zino hat schon Recht!“ lenkte Boo schnell ein. „Schnee- und Matschfelder heben sich gegenseitig auf, da passiert nichts besonderes.“ Er sah Zino an. „Sonst noch etwas?“
      „Der Rest ergibt sich beim spielen.“ war der Blonde sich sicher.
      „Okay, dann fangen wir mal an.“ beschloß der kleine Erfinder. „Ich würde sagen, ich fange an, dann Zino, dann hast du zwei Runden Vorlaufzeit, Eddy.“
      Der nickte. „Okay!“
      „Bevor wir anfangen…“ Boo lächelte bestechend. „Punsch?“
      „Aber klar!“ Eddy grinste ebenfalls, und Zino reagierte bereits, füllte die Gläser ein und gab sie an seine Freunde weiter. Anschließend füllte er Geistersalat auf die Teller und verteilte diesen auch. Bevor sie begannen, stießen sie mit dem Punsch an.
      „So läßt es sich echt leben!“ Boo sah aufmerksam auf das Schlammfroschfeld, suchte sich zwei Schlammfrösche aus und drehte sie um. Er bekam einen blauen und einen gelben.
      „Hey, das ergibt zusammen grün!“ kommentierte Zino.
      „Mach Eddy nicht noch ganz wuschig!“ lachte Boo. Er stellte seine Frösche zurück, und dann war Zino dran.
      Der drehte aufmerksam die Ohren und suchte sich prompt zwei Frösche aus den Matschfeldern aus. Er bekam rot und weiß.
      Nun war Eddy an der Reihe und wählte erst einmal einen Frosch, der auf keinem besonderen Feld stand. Es war ein oranger, so daß er mit den Vorgaben seiner Freunde nichts anfangen konnte. Der zweite Frosch war ebenfalls weiß.
      Boo nutzte nun die Vorgabe aus und sammelte die beiden weißen Frösche ein – einer davon aus Zinos Schlammpfütze, was dieser mit hängenden Ohren betrachtete.
      Eddy hakte kurz ein. „So, und jetzt passiert also nichts besonderes…“
      „Genau, weil ich nur einen Frosch aus der Schlammpfütze genommen habe.“ bestätigte Boo.
      „Schön blöd!“ kommentierte Zino.
      „Bei Einern kann man nicht viel falsch machen.“ entgegnete Boo gelassen und zitierte dann: „Man muß ja sehen, wo man bleibt!“ Nachdem er die Frösche beiseite gestellt hatte, schaute er sich das Spielfeld an, wählte einen Frosch aus, den er ein Feld weiterschob, und einen anderen, den er aus einem Schlammfeld heraus über einen anderen rüberhüpfen ließ.
      „Hey, das kannst du doch nicht machen!“ beschwerte sich Zino.
      Boo hob leicht die Schultern. „Du kannst ihn ja später wieder zurückstellen!“
      „Ja, aber vorher muß ich ja erst mein Pärchen umdrehen!“ gab er mit hängenden Ohren zurück.
      Eddy grinste. „Das ist ja wie bei uns zu Hause, beim spielen.“
      „Du bist dran, Zino!“ erinnerte Boo und nahm sich dafür seinen Geistersalat.
      Nun machte Zino weiter.
      Eddy beobachtete die beiden Gayaner genau und kam schnell in das Spiel herein, so daß es nicht lange dauerte, bis auch er seine ersten Schlammfrösche sammelte. Einmal stockte er kurz und fragte: „Ähm, darf ich beim hüpfen den zweiten Schlammfrosch auf den Platz stellen, wo der, den ich eben bewegt habe, vorher gestanden hat?“
      „Ja, das ist egal!“ erklärte Boo. „Die kannst du hüpfen lassen, wie du willst, solange es zwei verschiedene sind. Das einzige, was du nicht machen darfst ist, in gerader Linie wieder zurückhüpfen. Die Frösche dürfen sozusagen nur voraushüpfen.“
      Eddy nickte und ließ den zweiten Frosch auf den Platz springen, den er zuvor durch den anderen frei gemacht hatte.
      „Das ist sogar sehr geschickt!“ kommentierte Boo kauend. „So stiftest du nämlich schön Verwirrung, wenn es darum geht, sich die Farben zu merken. Genau das ist ja der Sinn des Spiels!“
      Eddy horchte auf. Während Boo seinen Teller für seinen nächsten Zug beiseite stellte, konnte er sich ein kleines stolzes Lächeln nicht nehmen lassen, daß er das Spiel schon so gut verstanden hatte.
      Boo spielte sehr auf Nummer sicher. Das merkte Eddy schnell. Zino hingegen ging auch mal ein Risiko ein und suchte sich Frösche aus Schlammpfützen aus, obwohl die anderen bereits wußten, wo ein Pärchen war. Auf diese Weise hatte er bereits ein oranges Pärchen bekommen, und sich anschließend ein grünes gesichert, an das er sich noch erinnern konnte.
      „Guck mal, wäre Zino jetzt geschickt gewesen, hätte er die Punkte des orangenen Paares verdoppelt. Die orangen geben jeweils fünf Punkte, die grünen drei. Damit hätte er mehr gehabt!“ erklärte Boo für Eddy.
      Erwartungsgemäß kippte Zino die Ohren ab, als er bemerkte, daß Boo Recht hatte.
      „Es kann sich also lohnen, hier wirklich taktisch zu überlegen!“ schloß Boo. „Okay, du bist dran, Eddy.“ rief er fröhlich, während Zino noch ein wenig schmollte. „Hey, komm schon, es ist kein Meteoriteneinschlag!“ versuchte Boo, seinen Kumpel aufzumuntern.
      Der seufzte so, daß seine Ohren kurz auf Anschlag runterhingen. „Auch wieder wahr.“
      Boo lachte. „Das ist bei Zino in diesem Spiel das Paradeargument!“
      Eddy hatte sich inzwischen auf gut Glück ein Pärchen aus den Schneefeldern ausgesucht, und Erfolg gehabt. Er bekam ein rotes Pärchen.
      „Hey, das ist richtig gut!“ freute sich Boo und gab seinem Kumpel den Würfel herüber.
      „Na, hoffentlich bleibt das so.“ kommentierte Eddy und würfelte. Gebannt sah er auf das Piktogramm. Es war eine Sonne.
      „Na, zumindest verlierst du nichts!“ meinte Boo aufmunternd. „Das war nicht schlecht!“
      Eddy atmete durch und schien sich der Einschätzung erleichtert anzuschließen. Anschließend ließ er zwei Frösche hüpfen und brachte damit das ganze Spiel durcheinander, da er eine unbändige Freude daran gefunden hatte, Schlammfrösche so weit wie möglich von einem Ende an das andere springen zu lassen, insbesondere dann, wenn sie schon wußten, welche Farbe sich darunter verbarg.
      Boo sicherte sich ein gelbes Pärchen, nachdem er den ersten Schlammfrosch aus einer Pfütze umgedreht hatte und sich an einen anderen gelben Schlammfrosch erinnerte.
      Zino spielte indes wieder auf Schlammpfütze, diesmal ohne Erfolg.
      Eddy sortierte sorgfältig noch einmal seine Schlammfrösche am Rand, um das Pärchen, was er bereits verdoppelte, nicht versehentlich zwischen die anderen zu bekommen. Dann drehte er einen Schlammfrosch aus einem Schneefeld um. Ihm stockte fast der Atem. Es war ein violetter, und er wußte, wo noch ein violetter Schlammfrosch im Schnee saß, wenn sich in der Zwischenzeit nichts geändert hatte! Mit rasendem Puls suchte er nach dem Gegenstück und drehte ihn mit zitternden Fingern um.
      „He-hey, das war gut!“ freute sich Zino.
      „Freu dich nicht zu früh!“ Boo legte Eddy verheißungsvoll den Würfel hin.
      Der würfelte mit klopfendem Herzen, und konnte es gar nicht glauben, als er eine Schlammpfütze bekam.
      „Gut!“ strahlte nun auch Boo. „Das Pärchen hier verdoppelt sich schon mal. Und nun darfst du noch eins aufdecken.“
      Eddy versuchte, alle Informationen aus dem Gedächtnis zu kramen, die das Spiel bis jetzt hergab, doch er konnte sich an kein anderes Pärchen erinnern. Er nahm einen Frosch, der bislang noch nicht umgedreht worden war. Es war ein blauer! „Ja!“ Mit einem kleinen Jubelschrei drehte er den blauen Frosch um, der vor ihm in einer Schlammpfütze stand, und schon einmal von Zino frequentiert worden war.
      „Prima! Und noch ein Pärchen zum verdoppeln!“ kommentierte Boo.
      „Eine Frage eben: Wenn das zweite Pärchen beispielsweise jetzt komplett in einer Schlammpfütze gestanden hätte, wäre es dann mit den Schlammpfützenregeln weitergegangen?“ erkundigte sich Eddy.
      Boo schüttelte den Kopf. „Das zweite Pärchen ist immer nur ein Bonus, da zählen die Schlammpfützen- oder Schneefeldregeln nicht mehr.“
      „Also könnte ich beispielsweise, wenn ich ein Pärchen in einer Schlammpfütze aufdecke und noch eines umdrehen darf, das zweite komplett in einem Schneefeld umdrehen, und müßte nicht würfeln?!“ schloß Eddy.
      „Richtig. Die gibt es einfach als Zusatz on top, wie die regulären.“ bestätigte Boo.
      Eddy nickte verstehend. „Okay.“
      Boo machte weiter und räumte ein grünes Pärchen ab, das er noch in Erinnerung hatte. Dann fuhr er Zino in die Parade, indem er wieder Schlammfrösche aus Schlammpfützen holte, was sein Kumpel mit einem bitterbösen Blick bedachte. Boo ließ sich ein leichtes Schmunzeln nicht nehmen. Er wußte genau, daß Zino auf genau diese beiden Schlammfrösche gespielt hatte.
      Nun nahm der mit einem Seufzen zwei Schlammfrösche aus den Pfützen, die er vorher noch nicht in der Hand gehabt hatte. Erwartungsgemäß paßte es nicht zusammen.
      „Langsam wird es ganz schön tricky, sich noch etwas zu merken…“ bekannte Eddy, der felsenfest davon überzeugt gewesen war, einen gelben Schlammfrosch zu kriegen, der jedoch auf einem Feld stand, wo sich mittlerweile einiges getan hatte. Und so bekam er einen grünen, der nicht zu seinem gelben paßte.
      „Das ist eben ein ganz schön anspruchsvolles Memory.“ bemerkte Boo heiter und deckte zwei rote auf, die er noch in der Erinnerung gehabt hatte.
      Eddy beobachtete, wie Boo Zino immer wieder mit seiner Schlammpfützentaktik in die Parade fuhr – der hatte trotzdem einen guten Erfolg damit, und auch dem Ghostbuster gelang es, so noch ein Pärchen abzustauben, das er verdoppeln konnte. Boo rettete manchmal auch Schlammfrösche aus Schneefeldern – während Zino gerne Frösche in Schneefelder und Schlammlöcher reinbugsierte. Eddy konnte sich nicht helfen, ob mit oder ohne Punkte, das Spiel machte einfach Spaß!
      Ein paar Runden weiter schaffte er es erneut, ein Pärchen aus einem Schneefeld zu bekommen, ein blaues.
      Die beiden Gayaner schauten angespannt auf den Haufen Schlammfrösche, den Eddy bereits eingesammelt hatte. „Jetzt wird es langsam schon kriminell, das weißt du, oder?“ erwähnte Boo.
      „Ach, Jake sagt immer, ich bin viel zu ängstlich, jetzt beweise ich mal, daß das nicht stimmt!“ Frohgemut nahm Eddy den Würfel, schüttelte ihn eine kleine Ewigkeit in den Händen und ließ ihn dann fallen, während er gleichzeitig in kleinen Horrorvisionen die Hände vor der Brust faltete.
      „Okay, ein Eiskristall.“ stellte Boo fest. „Die bleiben also im Spiel.“
      „Das ist in Ordnung.“ meinte Eddy beruhigt, was seine beiden Kameraden zum Schmunzeln brachte.
      Zino nickte. „Du hast das Spiel verstanden!“ kommentierte er.
      Während Boo das Spielfeld für seinen nächsten Zug begutachtete, sah Eddy nachdenklich auf das Brett, dann zu seinen Fröschen und dann auf die Karte mit den Würfelsymbolen. „Ach so!“ fiel ihm plötzlich ein. „Was passiert beim Dalamiten eigentlich mit den Schlammfröschen, die sich bereits verdoppeln?“
      „Na, die verdoppeln sich noch mal.“ erklärte Boo.
      Eddy starrte ihn kurz sprachlos an. „Das lohnt sich dann ja richtig!“
      „Ja, auf den Schneefeldern heißt es »Alles oder Nichts«!“ bemerkte Boo lächelnd. „So viel kannst du auf den Schlammfeldern nicht bekommen, dafür kannst du mit den Schlammpfützen nichts verlieren. Die Schneefelder können aber richtig gemein werden. Du kannst entweder richtig absahnen, oder alles verlieren. Damit…“ Boo deutete verheißungsvoll auf eines der Schneefelder. „… haben wir Zino mal zum weinen gebracht!“
      Der ließ die Ohren bis auf Anschlag hängen. „Ich erinnere mich.“ gab er leise von sich, als wolle er damit sagen, daß er gehofft hatte, die Geschichte würde nicht noch mal auf’s Trapez kommen.
      Eddys Blick drückte ein stilles Wissen aus. „Das heißt…?“
      „Er hatte so viele Schlammfrösche gesammelt! Und schon so viele Verdoppelungspunkte! Und hat dann auf Risiko gespielt, in der Hoffnung, alles noch mal verdoppeln zu können! Ich glaube, er wäre noch mit einem Schnurk zufrieden gewesen, wenn er zumindest auf dem Status Quo geblieben wäre. Aber es wurde der Meteoriteneinschlag – und wirklich alles war dahin.“ Boo atmete leicht durch. „Das war bei mir zu Hause. Zino hat drei Taschentuchboxen von mir aufgebraucht und war den ganzen Abend nicht mehr ansprechbar.“
      „Kann ich verstehen…“ meinte Eddy nachdenklich.
      „Also, sei vorsichtig mit den Schneefeldern!“ warnte Boo noch mal.
      „Deswegen mag ich die Schlammpfützen so!“ erklärte Zino. „Da kann man zumindest nichts verlieren.“
      „Jaah, aber manchmal muß man einfach ein bißchen auf Risiko spielen.“ überlegte Eddy. „Man weiß ja, worauf man sich einläßt, und muß eben einkalkulieren, daß es auch mal schiefgehen kann.“
      „Auf Schneefelder spiele ich eher am Anfang.“ erklärte Boo, während er seinen nächsten Zug machte. „Wenn es noch nicht so viel zu verlieren gibt. Später nehme ich lieber die sichere Variante.“
      „Ja, aber je mehr Frösche man schon hat, desto weiter kann man sich mit ein bißchen Glück nach vorne katapultieren.“ Aufmerksam beobachtete Eddy Zino dabei, als er die nächsten Schlammfrösche umdrehte und an ihren Platz zurückstellte, da die Farben nicht zusammenpaßten. Dann verfolgte er mit den Augen die beiden Frösche, die er umsetzte – einen davon wieder in ein Schneefeld hinein.
      „Ja.“ kommentierte Zino und ließ in der bösen Erinnerung noch immer die Ohren hängen. „Aber du kannst eben auch alles auf einmal verlieren. Und die Chance, einen Dalamit zu bekommen, ist genauso groß, oder gering, wie die, einen Meteroit zu kriegen. Dazu braucht man schon eine Menge Glück, das habe ich gelernt!“
      Boo und Eddy wechselten einen amüsierten Blick. Zino hatte nicht einmal gemerkt, daß er die Buchstaben verdreht hatte, aber Eddy war sich sicher, daß sein Freund wußte, wie man Meteorit wirklich aussprach. Die nächste Runde nutzte er aus, um ebenfalls zwei Schlammfrösche in ein Schneefeld zu bekommen, und die Mühe zahlte sich aus, als er wieder dran war. Er deckte ein gelbes Pärchen auf.
      „Da will es jemand echt wissen!“ Boo gab ihm den Würfel herüber. „Am besten behältst du den Würfel gleich da!“
      „Eventuell brauche ich gleich die Taschentuchbox…“ erwiderte Eddy und würfelte mit schweißnassen Händen. Er traute sich gar nicht hinzusehen und hatte mit zusammengebissenen Zähnen die Augen geschlossen.
      „Aww… Ein kleiner Zino!“ grinste Boo.
      Eddy atmete tief und erleichtert durch.
      Boo schob ihm sein Pärchen zu. „Hier, die verdoppeln sich.“
      Noch immer mit rasendem Puls schob Eddy die beiden Schlammfrösche zu den anderen, die sich verdoppelten. „Damit bin ich voll und ganz zufrieden!“
      „Ehrlich gesagt, war ich vorhin auch ganz zufrieden, als einer meiner Schlammfrösche vom Auto überfahren wurde…“ bemerkte Zino mit hängenden Ohren. Boo wußte warum, allein die Vorstellung, löste in seinem Freund Horrorvorstellungen aus, da nützte es auch nichts, daß dies hier eine kleine Spielevariante des echten Lebens war – aber das Meteoritenargument tat bei Zino immer die gewünschte Wirkung, so daß er sich selbst damit anfreunden konnte.
      „Alles, was nichts mit Meteoriten zu tun hat, ist gut!“ bekannte Boo, was seine Freunde mit zustimmenden Nicken bedachten.
      Als sich das Spiel mehr und mehr dem Ende entgegenneigte, und immer weniger Schlammfrösche auf dem Spielfeld übrig blieben, wurde es ein bißchen weniger interessant, da man kaum noch lange Strecken hüpfen konnte. Eddy hatte es mühselig geschafft, ein paar Frösche noch in Schneefelder hereinzubekommen, was Boo einen halben Herzinfarkt beschwert hatte, da ausgerechnet ein Pärchen, von dem er wußte - ein violettes auch noch, mit hoher Punktzahl - so direkt im Schnee landete, als er mit seinem Zug dran war.
      Der brünette Gayaner hatte kurzfristig überlegt, ob er doch einen anderen Frosch nehmen wollte, mit der Gefahr, kein Pärchen zu bekommen, sich dann aber doch dazu entschlossen, auf Risiko zu spielen. Sein Wurf brachte ihm einen Schnurk ein. Er atmete tief durch. „Immer noch besser als der Meteorit!“ kommentierte er, als er die beiden Schlammfrösche in die Schachtel zurücklegte.
      Zino sicherte sich in einer seiner nächsten Runde ausnahmsweise ungeachtet der Schlammpfützen ein schwarzes Pärchen.
      Eddy probierte sich mit einem weißen Pärchen indessen noch einmal an einem Schneefeld.
      „Wenn du mit den zwei Einer-Schlammfröschen gleich alles verlierst, dann wird es aber echt bitter für dich!“ kommentierte Zino.
      Eddy maß ihn mit einem herausfordernden Blick. „Hey, wir haben hier doch den gayanischen Nationalheld am Tisch! Ich erwarte, daß du dich im Zweifel mit einem beherzten ‚To The Rescue‘ über den Tisch wirfst und die Frösche vor dem Meteoriten beschützt!“
      Zino rollte etwas die Ohren ein. „Wenn ich das könnte…“
      Eddy würfelte indessen, und es dauerte eine ganze Minute lang, bis er realisiert hatte, was geschehen war.
      „Das glaube ich jetzt nicht…“ entfuhr es Boo.
      Eddy deutete apathisch auf den Würfel. „Das ist jetzt kein Meteorit,… oder?“
      „Nein!“ Boo atmete tief und gefaßt durch. „Das ist ein Dalamit!“
      „Hatte jemals jemand von uns schon mal einen Dalamiten…?“ hauchte Zino.
      „Ja, ich!“ bekannte Boo gepreßt. „Als wir vor zwei Jahren an meinem Geburtstag gespielt haben, und ich gerade mal zwei blaue Schlammfrösche mit jeweils zwei Punkten in meinem Repertoire hatte!“
      Eddy konnte sich gar nicht mehr beruhigen. „Ich glaube, ich brauche erst mal noch mal so eine Gute-Wünsche-Tasche…“
      Boo reichte ihm lachend die Platte herüber, und die Freunde gönnten sich alle eine kleine Pause, um den Wurf zu verkraften.
      „Okay!“ meinte Eddy mit vollem Mund. „Ab jetzt spiele ich sicher auch nicht mehr auf Schneefelder!“
      „Na, du hast ja jetzt auch genug Punkte, würde ich sagen!“ kommentierte Zino.
      „Aber…!“ Eddy kaute schnell auf, bevor er deutlicher sagte: „Ihr könnt mich noch einholen! Ihr müßt nur auf Schneefelder spielen und Dalamiten würfeln!“
      „Das könnte dir so passen!“ grummelte Boo.
      „Ja, großartige Idee!“ pflichtete Zino ihm mißmutig bei.
      Nachdem die drei Jungs, insbesondere Eddy, sich wieder gefangen hatten, brachten sie das Spiel zu Ende, und Zino bemühte sich, extra für Eddy die Schlammfrösche immer wieder in’s Schneefeld zu verfrachten. Eine Weile gab es keinen Ausschlag, zum Schluß aber blieb Eddy tatsächlich nichts anderes übrig, als sich zwei der vier Frösche, die jetzt noch in den Schneefeldern steckten, zu nehmen.
      Die Freude des brünetten Ghostbusters, so das zweite schwarze Pärchen zu bekommen, hielt sich noch ein wenig in Grenzen, als Zino ihm bald provozierend den Würfel zuschob.
      Boo räusperte sich leicht. „Zino, du weißt, daß die theoretische Möglichkeit besteht, daß Eddy noch einen Dalamiten würfeln könnte…?“
      Der blonde Gayaner fixierte den Ghostbuster mit einem Blick. „Ich warne dich!“
      Eddy war indes schon fix und fertig, bevor er überhaupt gewürfelt hatte.
      „Soll ich schon mal die Taschentuchbox holen…?“ fragte Boo.
      „Mehrere, wenn es drauf ankommt…“ Nach einer gefühlten Ewigkeit ließ er den Würfel los und starrte zitternd und keuchend das Ergebnis an.
      „Naja, so etwas ähnliches wie der Dalamit. Die Sonne.“ Mit einem Lächeln schob Boo ihm das Pärchen zu.
      Eddy atmete tief durch. Dann schaffte er für Boo bessere Voraussetzungen, denn einen der beiden verbliebenen Schlammfrösche konnte er nur in eine Richtung aus dem Schneefeld heraussetzen.
      Boo schien darüber sehr beruhigt zu sein und sammelte das letzte weiße Pärchen ein. Der kleine Gayaner atmete durch. „Okay, jetzt wissen wir: Zino spielt auf Schlammpfützen, und Eddy auf Schneefelder!“
      „Müssen wir überhaupt auszählen?“ fragte Zino mit hängenden Ohren.
      „Ja, müssen wir!“ bestimmte Boo. Er half bei Eddy mit, zum einen, da er das Spiel zum ersten Mal spielte und außerdem, weil Eddy im Oktalsystem nicht sicher war. Das Ergebnis war deprimierend. Eddy hatte haushoch gewonnen durch den Dalamitenschlag. Boo lag indes noch knapp vor Zino in Führung. „Nimm’s nicht so schwer.“ meinte der Erfinder zu seinem Freund. „Immerhin hast du nicht durch einen Meteoriten verloren.“
      „Das macht nichts!“ bekannte Zino gelassen, nahm seine Jadcy auf den Schoß und drückte sie sanft an sich. „Wie heißt es so schön: Pech im Spiel, Glück in der Liebe!“
      Eddy und Boo tauschten ein liebevoll-amüsiertes Lächeln.
      Rasch packten sie das Spiel zusammen und verteilten noch einmal Gute-Wünsche-Taschen.
      Boo sah zur Uhr. „Und was machen wir jetzt?“
      Eddy sah sich ebenfalls nach der Uhrzeit um, und war heilfroh, daß Zino Tracys Uhr, die er zu Weihnachten geschenkt bekommen hatte, direkt auf dem Sideboard in der Nähe stehen hatte, so daß er die Zeit auch in terranisch ablesen konnte. Sie hatten noch gut Zeit bis Mitternacht. „Ich habe noch eine von unseren Traditionen mitgebracht, wenn ihr Lust habt.“
      Die beiden Gayaner stellten die Ohren auf. „Na klar!“
      Eddy ging an seine Tasche und holte ein dickes Buch und eine kleine Schachtel hervor. „Das ganze nennt sich Bleigießen. Kennt ihr das?“
      Die beiden schüttelten neugierig den Kopf.
      „Wir brauchen dafür noch eine Schale mit Wasser und eine Kerze.“ Während Zino beides besorgte, packte Eddy das Bleigieß-Set aus. Von den sechs verschiedenen Bleigeisterförmchen, die Tracy speziell für das Team angefertigt hatte, durfte sich dann jeder einen Geist aussuchen. „Also, der Sinn ist folgender: In diesem Pfännchen hier wird das Blei über der Flamme verflüssigt und dann in das Wasser geschüttet. Und anhand der Form, die dabei rauskommt, kann man seine Zukunft für das nächste Jahr deuten.“
      „Das klingt spannend!“ bekannte Zino aufgeregt.
      Boo schmunzele leicht. „Ist das ernst gemeint?“
      „Das ist ein netter Zeitvertreib.“ grinste Eddy. „Es gibt sicher Leute, die es sehr ernst nehmen, im Grunde ist es aber ein großer Spaß, vor allem, weil man oft die Formen gar nicht genau deuten kann, und dann die wildesten Interpretationen losgehen. Zu den einzelnen Symbolen gibt es manchmal auch unterschiedliche Beschreibungen. Ich habe mir dazu mal das Buch hier gekauft, das ist echt ausführlich. – Wollen wir es mal versuchen?“
      Seine beiden Freunde nickten.
      „Dann fange ich mal an, damit ihr euch das angucken könnt!“ Eddy nahm das Pfännchen, legte seinen Geist darauf und hielt ihn über die Flamme, so daß alle beobachten konnten, wie er dahinschmolz, bis er nur noch eine Pfütze war. Dann kippte Eddy rasch den Inhalt des Pfännchens in das Wasser.
      Als das Blei erstarrte, schauten sich die Jungs das Ergebnis an. Boo betrachtete die in sich gedrehte Säule nachdenklich. „Das sieht irgendwie aus wie der Vortex von Professor Icely.“
      „Das ist dann aber kein gutes Omen!“ meinte Zino. „Ich meine, immerhin brauchen wir das Ding ja nicht mehr, um in andere Welten zu reisen.“
      „Ich glaube auch nicht, daß das in meinem Buch steht…“ mutmaßte Eddy. Er nahm den Band zur Hand und schlug unter »Strudel« nach. „Okay, hier stehen zwei Bedeutungen: Entweder, »Sie geraten in einen Strudel, passen Sie auf sich auf!« oder »Ihre Sorgen verschwinden in einem Strudel.«“
      „Hm, da würde ich mir das zweite aussuchen.“ bemerkte Zino.
      „Es kann aber nichts schaden, wenn Eddy trotzdem auf sich aufpaßt.“ warf Boo ein.
      Zino schaute indes noch einmal genauer in das Wasser. „Könnte das hier denn nicht vielleicht auch ein Schal sein…?“
      Eddy und Boo sahen es sich genauer an.
      „Mit viel Phantasie…“ meinte Boo.
      Eddy schlug bereits nach. „»Ein unerwarteter Familienbesuch bringt Ihnen eine Überraschung ein.«“
      „Einen Schal!“ Zino lachte plötzlich herzlich auf.
      „Wahrscheinlich ist das eine verschollene Tante!“ flachste Boo, und die Jungs konnten sich nicht mehr halten vor lachen.
      „Ich werde euch auf jeden Fall berichten!“ Er schaute noch mal nach seinem Bleigebilde. „Kommen euch sonst noch sinnvolle Ideen?“
      „Also, ich finde, die Sache mit dem Schal paßt!“ beharrte Zino.
      „Okay, dann mach‘ du doch mal als nächster!“ Eddy fischte seinen Schal aus dem Wasser und gab Zino das Pfännchen.
      Der schmolz sorgfältig seinen Geist über der Flamme. „Nennt man das jetzt eigentlich »Ghostbusting«?“ erkundigte er sich mit einem Grinsen bei Eddy.
      „Hey…“ Eddy sah begeistert auf. „Das muß ich Jake mal unter die Nase reiben!“
      Boo gab Zino indes ein Zeichen, daß er sein Pfännchen langsam mal umkippen sollte, und so schüttete Zino den Inhalt ebenfalls in’s Wasser.
      Eine Weile betrachteten die drei Jungs das schon deutlich extravagantere Gebilde nachdenklich.
      „Könnte das ein Piratenschiff sein?“ überlegte Boo. „Schaut mal, hier der Rumpf, und die Masten, und es sieht irgendwie gesunken aus, so schief, wie es liegt…“
      Eddy schlug unter »Piratenschiff« nach. „»Sie werden im nächsten Jahr auf großes Abenteuer gehen.«“
      „Na, überraschend!“ Boo verdrehte leicht die Augen. „Also, anscheinend funktioniert das wirklich!“
      Eddy schmunzelte. „Ich denke, dabei belassen wir es, oder? Das kam so spontan und passend…“
      „Gut, dann jetzt du, Boo!“ Zino reichte seinem Freund das Pfännchen, damit er seinen Geist einschmelzen konnte.
      Boo gab sich alle Mühe, den flüssigen Geist mit einer eleganten Drehung aus dem Handgelenk in das Wasser zu schütten.
      Das Ergebnis ließ die drei Freunde ratlos zurück.
      „Was soll das denn sein?“ überlegte Zino.
      Boo dachte angestrengt darüber nach, hatte diesmal aber auch keine Idee.
      „Hm, ich wüßte vielleicht etwas!“ sinnierte Eddy. „Vielleicht ist es eine von deinen Erfindungen, Boo! Es ist etwas kreatives, das niemand deuten kann, also genau so wie eine neue Erfindung, die du erst mal jemandem erklären mußt!“
      Zinos Ohren sprangen nach oben. „Das ergibt Sinn!“
      „Das ist ein bißchen weit hergeholt!“ gab Boo zurück.
      Eddy schlug indes schon unter »Erfindung« nach. „Das gibt es tatsächlich! Hier steht: »Durch eine glückliche Fügung wird sich etwas in Ihrem Leben drastisch erleichtern.«“
      „Das nehmen wir!“ erklärte Boo kategorisch.
      Zino sah ihn erstaunt an. „War das eben nicht noch »weit hergeholt«?“
      Die drei Jungs lachten herzlich.
      Eddy sah Zino fragend an. „Wollen wir Jadcys Zukunft vielleicht auch noch mal deuten?“
      Die Ohren des blonden Gayaners flogen nach oben.
      „Dann laß sie mal einen Geist aussuchen.“ Eddy hielt ihm die Schachtel mit den letzten drei Geistern hin.
      „Das machst dann aber besser du für sie, Zino!“ warf Boo ein.
      „Das können wir zusammen machen.“ Zino setzte sie vor sich auf den Tisch und nahm den Geist, auf den sie gerade mit der Tatze zeigte. Vorsichtig schmolz er mit ihr zusammen den Geist ein, und kippte, nachdem Boo seine Erfindung gesichert hatte, die flüssige Masse in das Wasser um.
      „Oh, das ist aber hübsch!“ stellte Eddy fest. „Das sieht fast aus wie eine Blume!“
      „Ja, mit runden Blättern, der Dalamit kann es also nicht sein.“ bestätigte Boo.
      „Wenn der Dalamit in Eddys Buch wäre, würde es mich auch beeindrucken!“ stellte Zino fest.
      „Da hast du Recht.“ Boo sah Eddy fragend an. „Steht denn etwas unter »Blume« in dem Buch?“
      Eddy sah bereits eifrig nach. Dann sah er von dem Buch auf, erst Jadcy an, dann Zino, und wieder auf den Text. Er räusperte sich leicht. „Also, hier steht: »Es bahnt sich eine Romanze an«…“
      Ein Moment der Stille schloß sich an.
      Zino sah Jadcy erstaunt an.
      Boo hüstelte leicht. „Ähm, sollen wir gehen…?“
      Eddy schlug dem grinsenden Gayaner mit einem Schmunzeln leicht auf den Arm. „Boo, das ist doch die Prophezeiung für das nächste Jahr! Heute Abend dürfen wir noch bleiben!“
      Die Freunde lachten herzlich.
      „Das macht wirklich Spaß!“ bekannte Boo, der für Jadcy das Bleigießstück aus dem Wasser fischte.
      „Jake könnte jetzt wahrscheinlich sogar noch das passende Hintergrundwissen dazu liefern.“ meinte Eddy. „So viel weiß ich nicht darüber, aber ich meine mal gelesen zu haben, daß der Erfinder des Bleigießens auch die Schneekugel erfunden hat.“
      „Aww, das würde doch passen.“ grinste Zino. „Brauchst du die wieder, für das nächste Jahr?“ Er deutete auf sein Piratenschiff.
      „Die könnt ihr gerne behalten!“ sagte Eddy sofort zu. „Es sind ja eure Prophezeiungen. Man kann sie nächstes Jahr wiederverwenden, aber man muß es nicht. – Außerdem macht Tracy sicher gerne neue Geister.“
      Zino lehnte sich mit Jadcy im Arm versonnen auf dem Sofa zurück, während Boo noch einmal vom Geistersalat nachnahm, und Eddy sich noch einmal bei den Teigtaschen bediente und Getränke nachfüllte.
      Während sie nun gemütlich zusammensaßen, sah der kleine Gayaner zur Uhr. „Wir können bald losgehen! Dann können wir Eddy noch den Dorfplatz zeigen, bevor das Feuerwerk startet.“
      Zino nickte. „Auf jeden Fall. Das ist immer eine ganz tolle Atmosphäre da.“
      Eddy erinnerte sich kurz daran, was in New York auf den Straßen zu Silvester los war. Das war nicht so seine Welt, lieber war er dann schon in der Zukunft bei Futura, wo es immer ein großes »Feuerwerk im Weltall« gab. Er war sehr gespannt, wie es ihm hier in Gaya gefallen würde…

Als es langsam aber sicher auf Mitternacht zuging, machten sich die drei auf den Weg zum Dorfplatz. Dort mußte ganz Gaya versammelt sein, so wirkte es auf Eddy, und er wunderte sich, wie gut sich die Menge auf dem Platz verlief, so daß man nicht das Gefühl hatte, alles wäre zu dicht gedrängt.
      Es gab verschiedene Buden und Stände für Speisen und Getränke, Live-Musik, und überall unterhielten sich Gruppen von Leuten im sanften Dalamitenlicht. Hier konnte man sich offensichtlich den ganzen Tag aufhalten, wenn man mochte, auch dann, wenn man keine Lust auf Gesellschaftsspiele hatte.
      Die drei Freunde schlenderten gemütlich auf den Platz, Zino mit Jadcy im Arm. Boo und Zino führten Eddy zielstrebig zu einer gut besuchten Bude. Beide verrieten aber nichts, als sie dort in der Schlange warteten, und unterhielten sich mir Eddy über alles mögliche, der das gayanische Schild ja nicht lesen konnte.
      Als sie dran waren, kaufte Zino vier Tütchen, von denen es dort Unmengen gab. Anschließend suchten sie sich einen der freien Stehtische, wo Zino Jadcy absetzte und die Tüten an alle verteilte. Zuerst durfte Eddy sich eine aussuchen, dann Boo, dann Jadcy, und die letzte behielt er selbst. „Das ist auch eine unserer Neujahrstraditionen!“ erklärte er stolz. „Glückskekse! In jedem Keks ist ein kleiner Text, der einem einen Hinweis auf das kommende Jahr geben soll.“
      Eddy schnappte überrascht nach Luft. „Die kennen wir auch!“
      Zino sackten demoralisiert die Ohren ab. „Echt?“
      „Ja, allerdings in anderem Zusammenhang. Bei uns gibt es die nicht zu Neujahr, sondern im chinesischen Restaurant, als Zugabe.“
      „Bei uns ist das so ähnlich wie mit dem Bleigießen bei euch.“ erklärte Boo. „Wie Zino gerade schon sagte, sollen die Texte in den Glückskeksen einem die Zukunft für das nächste Jahr weisen. Aber auch hier kann man manchmal die Texte verschieden deuten.“ Er sah Zino auffordernd an. „Fang du doch mal an!“
      Zino öffnete seine Tüte und brach den runden Keks auseinander. Aufmerksam las er, und schon währenddessen stellten sich leicht seine Ohren auf.
      „Was steht drauf?“ fragte Boo neugierig.
      „»Neu gewonnene Freundschaften vertiefen sich und bereichern Ihr Leben.«“
      „Hey, das paßt doch gut!“ lächelte Boo. „Jetzt du, Eddy!“
      Gespannt öffnete der Ghostbuster seine Tüte und nahm den Zettel aus dem Keks.
      „Und?“ fragte Zino wißbegierig.
      Eddy starrte auf den Zettel. „Es sieht hübsch aus, aber ich kann es nicht lesen…“
      Boo nahm den Zettel entgegen und sah kurz darauf. „»Sie werden Reisen in wundervolle Gegenden machen.«“
      Eddy strahlte Zino an. „Hey! Das bedeutet, ich werde euch öfter besuchen kommen!“
      Zinos Ohren sprangen begeistert in die Höhe. „Diese Glückskekse funktionieren doch!“
      „Abwarten!“ warnte Boo und machte nun seinen Keks auf. Unter den erwartungsvollen Blicken von Zino und Eddy las er schließlich vor: „»Sie finden neue Inspiration in neuen Bekanntschaften.«“
      Eddy grinste. „Ha, damit sind bestimmt Tracy und Morrow gemeint! Wolltet ihr euch nicht ohnehin mal treffen und ein gemeinsames Projekt planen?“
      „Ja!“ lächelte Boo. Der Gayaner hatte Futuras Bruder an Weihnachten bei ihrer Feier in der Zukunft kennengelernt, und die drei Erfinder hatten noch am selben Abend begonnen, den Termin für ein gemeinsames Projekt zu planen.
      „Siehste!“ kommentierte Eddy verheißungsvoll. Dann wandte er sich zu Zino um. „Was hat Jadcy denn?“
      Zino stellte sich hinter sie, legte die Arme um sie und half ihr beim öffnen des Kekses. Einen Augenblick schaute er allerdings ratlos auf den Zettel.
      „Was steht drauf?“ drängte Eddy.
      „»Mit Ihrem Charme zerbauen Sie die Welt.«“
      Ein Moment der Stille trat an dem Tisch ein.
      Boo sah ihn seltsam an. „Steht da wirklich »zerbauen«?“ Er nahm von Zino den Zettel entgegen und las noch einmal selbst. „»Mit Ihrem Charme bezaubern Sie die Welt.«“ lachte er. „Das ergibt mehr Sinn.“
      Zino strahlte. „Diesmal passen wirklich alle Sprüche!“
      „Ja, eigentlich sogar auf alle von uns!“ lächelte Eddy.
      Während sie dort zusammenstanden, wurden plötzlich Alanta und Zeck auf die Gruppe aufmerksam und kamen zu ihnen herüber. „Hallo!“
      „Hallo!“ grüßten die anderen zurück.
      „Zeck und Alanta, Eddy vom Ghostbuster-Service!“ stellte Boo sie einander vor.
      Die drei gaben sich zur Begrüßung die Hand.
      „Wir haben schon ein bißchen was von dir gehört!“ erzählte Alanta. „Du kommst aus der Realwelt?“
      „Aus meiner Realwelt!“ korrigierte Eddy. „Jede Welt ist real, es ist immer nur eine Sache des Standortes.“
      Alanta lächelte freudig über den Kommentar. „Und du willst lieber mit uns Neujahr feiern, als mit deinen Freunden zu Hause?“
      „Ja, weil Zino und Boo genauso meine Freunde sind! Oftmals kann man auch gar nicht alle unter einen Hut bringen. Dieses Jahr feiern wir aus unserem Team tatsächlich alle woanders, weil es sich so ergeben hat.“ erzählte Eddy. „Wenn ich ehrlich bin, dann hatte ich dieses Jahr aber auch gar keine richtige Lust auf Sil… ähm, Neujahr bei mir zu Hause. Ich möchte viel lieber wissen, wie das bei euch so ist.“
      „Oh…“ Alanta bedachte ihn mit einem beeindruckten Blick.
      Zeck war indes auf die Glückskekssprüche aufmerksam geworden. „Ah, ihr habt euch auch schon Kekse besorgt!“
      „Na klar!“ bestätigte Zino.
      „Was stand denn bei euch drauf?“ erkundigte sich Boo.
      Alanta winkte ab. Man merkte ihr ihre nicht vorhandene Begeisterung förmlich an. „Bei mir stand: »Sie werden in den edelsten Gesellschaften tanzen.« Was auch immer das zu bedeuten hat. Wenn das darauf hinausläuft, daß mein Vater mich wieder für irgendwelche offiziellen Bälle einspannen will, werde ich ihn enttäuschen müssen, und den Typen, der sich diese Sprüche ausgedacht hat, auch.“
      Boo grinste. Es war ein offenes Geheimnis, daß die Bürgermeister-Tochter nichts mit dem High-Society-Leben anzufangen wußte.
      „Es kann aber auch bedeuten, daß du auf einer ordentlichen Schnurk-Party mit Zeck abhottest!“ bemerkte Zino. Auf Alantas entgeisterten Blick hin ergänzte er unschuldig: „Es kommt ja darauf an, aus welchem Blickwinkel du die Vorhersage beurteilst!“
      Mit einem Mal sprangen die Ohren der Rothaarigen synchron zu ihren Mundwinkeln nach oben, und in ihren Augen lag ein begeistertes Strahlen. „Ja…! Das hört sich doch schon ganz anders an!“
      Boo lachte herzlich. „Schön, daß Zino dein Weltbild wieder geraderücken konnte!“
      Zino verbiß sich seinen Kommentar, der ihm auf der Zunge lag, gerade mal einen Bruchteil der Sekunde, bis er nicht mehr anders konnte und leise meinte: „To The Rescue?“
      „Und was hattest du?“ erkundigte sich Eddy nun bei Zeck.
      „Bei mir stand: »Sie werden sich aus Abhängigkeiten lösen.«“
      „Oh, das läßt auch tief blicken!“ Boo nickte.
      „Hm, hat das dann vielleicht etwas damit zu tun, daß ihr doch nicht auf einer Schnurk-Party abhottet…?“ überlegte Zino.
      „Ich würde sagen, wir lassen das Jahr einfach mal auf uns zukommen!“ kürzte Alanta die Sache ab, bevor Zino ihr ihren Traum gleich postwendend wieder zunichte machen konnte. Dafür wandte sie sich nun einer anderen Sache zu. Ihr Blick war schon seit einem Moment auf Jadcy gefallen, die bei Zino in den Armen lehnte. „Was ist denn das eigentlich?“ fragte sie neugierig.
      „Das ist Jadcy!“ erklärte Zino und legte bald automatisch ein wenig fester die Arme um sie, als wolle er damit unterbewußt zu verstehen geben, daß er sie nicht hergeben würde.
      Eddy erklärte für die Gayanerin: „Das ist ein Teddybär. Bären sind bei uns eine große Tierart, die in den Wäldern vorkommt. Und diese kleinen Varianten sind aus Plüsch, eigentlich für Kinder zum spielen und liebhaben, aber man braucht es nicht am Alter festzumachen. Es gibt bei uns praktisch kein Tier, das es nicht auch als Plüschvariante gibt, aber die Teddybären sind wohl die ältesten, und ein klassisches Weihnachtsgeschenk. Und da Zino dieses Jahr Weihnachten bei uns verbracht hat, habe ich ihm einen Teddy geschenkt.“
      „Aww…“ Die Tochter des Bürgermeisters war förmlich hin und weg. „Die ist so niedlich! Darf ich mal…?“
      Zino sah die junge Frau ein wenig argwöhnisch an, und mindestens Boo bemerkte, daß er sich nicht ganz mit sich eins war, ob er es ihr gönnte, nach den ganzen spitzen Kommentaren, die er sich immer wieder von ihr hatte anhören dürfen.
      „Du bekommst sie ja gleich wieder!“ sagte Alanta sofort zu und bedachte ihn mit einem bittenden Ausdruck in den großen Augen.
      Der Blick des Blonden drückte ein verhaltenes ‚Na gut‘ aus, als er ihr das Bärchen herüberreichte.
      „Aw, sie ist ganz weich und kuschelig…“ Sachte drückte sie Jadcy an sich und streichelte über ihr Fell. Mit einem Mal sah sie Zeck an. „Warum haben wir so etwas nicht?“
      „Weil keiner darüber nachgedacht hat, daß man Tiere nähen kann?“ schlug er vor. „Aber vielleicht greift ja jemand die Idee hier mal auf!“
      „Jadcy bleibt aber ein Unikat!“ erklärte Zino sofort. Anscheinend hielt er sich gerade zurück, mit den Fingern auf den Tisch zu trommeln, da es ihm schon zu lange dauerte, daß sie in Alantas Obhut war.
      Sie schien es zu merken, und gab ihm seinen Schützling mit einem Schmunzeln wieder zurück. Sie konnte nicht verbergen, daß es sie faszinierte, wie liebevoll er das Bärchen wieder an sich drückte, gerade so, als hätte sie so etwas dem gayanischen Nationalhelden nicht zugetraut.
      „Wollen wir schon mal ein Stück weiter nach vorne gehen?“ schlug Boo vor. „Wir sind nicht mehr weit von Mitternacht entfernt, es geht sicher gleich los!“
      Die Freunde nickten, und so gingen sie gemeinsam ein paar Meter weiter zum Dorfplatz, und die Gayaner dirigierten Eddy in eine Ecke, von der aus man gut das Feuerwerk würde sehen können.
      Eine Weile hatten die fünf noch Zeit, sich zu unterhalten, dann, Punkt eine halbe Stunde vor Mitternacht, trat Bürgermeister Gayvan auf das Podest, und so langsam verstummten alle Gespräche. Eine Sekunde wurde es ruhig auf dem Dorfplatz, dann sprach der Bürgermeister in das Mikrophon:

      „Wir schwören Treue an Gaya, unser freies Heimatland.
      Wir preisen den Dalamiten, dessen Energie gibt uns Bestand.
      Die Quelle all unseren Lichtes, die Quelle all unserer Kraft.
      Sei der Dalamit für immer, und beschütze uns mit seiner Macht.“

      Alanta lehnte sich leicht zu Eddy herüber. „Das ist ein Teil aus dem »Great Gayan Song«. Damit werden alle großen offiziellen Reden eingeleitet, als Respektsbezeugung der Werte gegenüber, die unserer Gesellschaft gegeben wurden.“
      „Echt schön.“ flüsterte Eddy zurück. „Bei euch macht alles so viel Sinn, ganz anders als bei uns.“
      Gayvan fuhr inderweile mit seiner Ansprache fort: „Liebe Gayaner aus allen Teilen des Landes! Willkommen zu unserem großen Neujahrsfestival. Ich hoffe, alle guten Vorsätze für’s neue Jahr sind gefaßt, und der Ballast aus dem alten Jahr wird nicht mit in’s neue herübergenommen. Und nun bleibt mir nur, euch allen ein frohes neues Jahr 3742 zu wünschen! Dann lassen wir das Feuerwerk mal beginnen!“
      Der ältere kleine Gayaner nahm einen reich verzierten Stab zur Hand, in dessen runden Öffnung an der Oberseite ein Glas eingelassen war. Mit einer würdevollen Handbewegung präsentierte er der Menge den Stab, drehte sich um und steckte ihn feierlich in eine Scheibe auf dem Boden neben dem Podest. Eddy konnte es aus seiner Position nicht sehen, er ließ sich aber von Alanta erklären, daß es eine goldene Sonnenuhr war, anhand derer man auch die Tageszeit bestimmen konnte – durch das Glas wurde zum richtigen Zeitpunkt aber das Licht des Dalamits durch die Sonnenstrahlen so verstärkt und gebrochen, daß man dadurch die Lunte für das Feuerwerk entzünden konnte.
      „Aber wir haben doch gar keine Sonne!“ gab Eddy leise zu bedenken. „Es ist fast Mitternacht!“
      Alanta deutete mit einem Blick nach oben, wo gerade aus zwei großen Strahlern zu beiden Seiten des Dorfplatzes das Licht im Dalamiten gebündelt, und zu dem Glas in dem Stab weitergeleitet wurde. „Das ist das Garantiekonzept – das brauchen wir auch, wenn wir mal an einem Tag keine Sonne haben.“ lächelte die Bürgermeistertochter.
      Staunend und aufgeregt beobachtete Eddy mit den anderen Gayanern zusammen, wie die Lunte, die vom Podest aus bis zu einem speziell dafür vorbereiteten Platz verlief, Feuer fing und über den Boden knisterte. Als das Feuer die mit Raketen vorbereiteten Körbe traf, ging das Knistern in ein Zischen über. Die Raketen schossen in den Himmel und bildeten die wundervollsten Formen, so wie Eddy es noch nie bei einem Feuerwerk erlebt hatte. Grüne Kleeblätter, rote Herzen, gelbe Sterne, bunte Blumen, goldene Glocken… Alles glitzerte und funkelte in den prächtigsten Farben. Und plötzlich, als die Rathausuhr direkt Mitternacht schlug, leuchteten zwischen den Formen große Buchstaben aus Sternen am Himmel auf, die verkündeten: „Frohes neues Jahr 3742“. Eddy hätte es fast übersehen; als Boo für ihn übersetzte, erkannte er aber auch die hübschen gayanischen Buchstaben zwischen den anderen Figuren, und hielt entgeistert den Atem an. Sanft zerstoben die Buchstaben und fielen zwischen den anderen Sternen vom Himmel.
      „Wow…!“ Diesmal war es Eddy, der staunte.
      „Gibt es so etwas bei euch nicht?“ fragte Zino erstaunt.
      „Nein!“ hauchte Eddy beeindruckt. „Wir haben nicht so ausgefeilte Formen, und schon gar nicht gibt es bei uns Buchstaben…“
      „So ähnlich ist es bei uns in jedem Jahr.“ erklärte Zino leise. „Nur das Jahr ändert sich natürlich jedes Mal.“
      Verträumt sah Eddy in den Himmel. „Ich wünschte, bei uns würde es auch so ablaufen, wie bei euch…“
      Das Feuerwerk dauerte, zusammen mit der Ansprache und allem drum und dran, rundweg eine Stunde, bis die letzten Sterne vom Himmel fielen, und sich alle Gayaner ein frohes neues Jahr wünschten. Zwar kannte Eddy das von zu Hause auch, jedoch die Herzlichkeit, mit der die Gayaner sich in die Arme fielen und das neue Jahr begannen, hatte doch eine ganz eigene Atmosphäre.
      Zwischen den eigenen Umarmungen beobachtete Eddy es mit versonnenem Blick. ‚Es sind die Ohren!‘ dachte er bei sich. Alles wirkte gleich um einiges niedlicher – durch die Ohren…

Eddy war völlig aufgedreht, als er mit Zino und Boo zurück zu Zinos Wohnung ging. Die beiden Gayaner waren mittlerweile latent müde, aber der Ghostbuster war so energiegeladen wie noch zu keinem Jahreswechsel zuvor. „Das ist das beste Neujahrsfeuerwerk, das ich je miterlebt habe!“ schwärmte er. „Das ist viel schöner als bei uns! Viel harmonischer und… einfach phantastisch!“
      Die beiden Gayaner wechselten ein amüsiertes und stolzes Lächeln, als Eddy schier die Worte fehlten.
      In Zinos Wohnzimmer angekommen ließen sich alle auf die Sitzecke fallen, und Eddy lächelte beseelt vor sich hin. Jetzt kehrte Ruhe ein. Das neue Jahr hatte begonnen.
      „Wollen wir den Rest vom Punsch noch aufteilen?“ schlug Zino vor.
      Da machten Boo und Eddy gerne mit, und so verteilte Zino den Rest gerecht auf die drei Gläser. Während sie gemütlich das Fest ausklingen ließen, nahm Zino sich noch eine Portion Geistersalat und machte es sich auf dem Sofa gemütlich. Eddy griff noch einmal bei den kalten Gute-Wünsche-Taschen zu.
      Die Rathausuhr schlug bereits fünf Uhr morgens, als die Jungs sich langsam geerdet hatten, und Müdigkeit sich ausbreitete. Eddy sah automatisch auf die Uhr von Tracy, wo er seine eigene Zeit ablesen konnte, um eine Orientierung zu haben. Viertel vor vier. Wie in stiller Absprache beschlossen die Freunde, so langsam in die Nachruhe überzugehen.
      Boo und Eddy quartierten sich im Wohnzimmer ein und sagten Zino und Jadcy gute Nacht, bevor sie im Schlafzimmer verschwanden. Kaum daß sie sich in ihr Nachtlager gekuschelt hatten, schliefen sie ein.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast