Geschichte: Fanfiction / Computerspiele / Ib / Ib

Ib

von Aladia
GeschichteAllgemein / P12
Gary Ib Mary
31.12.2017
31.12.2017
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Ib sah interessiert auf das große Gebäude vor ihr. Es war ein früher Nachmittag und die Sonne wurde von grauen Wolken verdeckt, welche den Regen ankündigten. Die Mutter des Mädchens suchte in ihrer Tasche nach dem Portmonee, während der Vater die große Tür des Kunst-Museums öffnete und eintrat. Still folgte Ib ihren Eltern und stellte sich an die kurze Schlange vor dem Empfang an. Aufgeregt sah sie sich um. „Hast du denn auch dein Taschentuch dabei? Das, was du zum Geburstag bekommen hast?", fragte ihre Mutter, nicht zum ersten Mal. Doch  Ib nickte nur eifrig, sie war zusehr damit beschäftigt, sich nach interessanten Dingen umzuschauen. Sie war zwar erst junge 9 Jahre alt, aber Bilder und Bücher sah sich das ruhige Mädchen gerne an. Sie zupfte etwas nervös an der Kleidung ihrer Mutter, welche sich auch sofort zu ihrer Tochter umdrehte. „Was ist denn, Schatz?“ Ib’s Mutter sah sie freundlich aus den gleichen roten Augen an, die auch ihre Tochter besaß. „Kann ich schon einmal vorgehen?“, fragte Ib leise, aber ihre Mutter verstand sie trotzdem. Kurz überlegte sie und schaute auf die Schlange vor ihr, dann lächelte sie Ib an. „In Ordnung, aber geh nicht zu weit, ja? Versuch auch leise zu sein, damit du andere Besucher nicht störst. Und wenn du uns nicht mehr findest, komm hierher zurück, okay?“ Erleichtert nickte das Mädchen und ging an der Seite entlang, um die Menschenmenge nicht zu behindern. Der Weg teilte sich, sie konnte entweder nach oben oder weiter geradeaus. Schnell hatte Ib sich entschieden und ging die Treppen herauf. Sie hatte nachher sicherlich noch genug Zeit, um den anderen Weg zu erforschen. Mit großen Schritten sah sie von links nach rechts, wobei ihr langes, braunes Haar umherschwang. Skulpturen, Bilder, es war wirklich alles dabei. Fasziniert blickte sie an einem Mann vorbei, welcher gerade nachdenklich ein Bild von einem hängendem Menschen betrachtete und sie gar nicht wahrnahm. Ib blieb einige Zeit vor drei Skulpturen stehen, welche ohne Köpfe, aber doch mit einer ungewöhnlichen Eleganz hinter der Absperrung standen. Dann ging sie weiter und erkundigte den oberen Gang.

Sie konnte nicht genau sagen, wie viel Zeit wohl vergangen war, aber ihre Eltern suchten sie sicherlich schon. Zumindest hatte Ib sie nicht gesehen. Etwas resigniert dachte sie an die Worte ihrer Mutter zurück und machte sich auf den Weg zur Rezeption. Schnell, aber so leise wie möglich, drehte sie sich von einem Bild weg und lief jetzt den unteren Gang entlang, welcher nur aus einem riesigem Bild bestand. Ib konnte nicht sagen was, aber irgendetwas faszinierte sie daran ungemein. Sie blieb stehen, drehte sich schwungvoll um und lief eilig zu der Beschreibung des Bildes.

“??? World“

Das vordere Wort verstand Ib nicht. Das passierte leider häufiger bei ihrem Wortschatz und das, obwohl sie so gerne las. Das Mädchen trat einen kleinen Schritt zurück und legte ihren Kopf in den Nacken. Das Bild überragte die 9-Jährige um ein vielfaches und die Farben waren eine wirklich interessante Mischung. Sie strich sanft über das Material des Bildes und erschrak, als plötzlich das Licht flackerte. „H-hab ich irgendetwas kaputt gemacht?“, flüsterte sie etwas verängstigt zu sich selbst und seufzte dann erleichtert, als das Flackern aufhörte. „Wahrscheinlich war es nur eine kaputte Lampe…“ Damit löste sie ihren Blick vom Bild und lief aus dem Gang heraus. Verwundert runzelte Ib die Stirn, als sie sich umschaute. Keine Menschenseele war mehr zu erkennen. Ein leichtes, mulmiges Gefühl beschlich das Mädchen, aber sie beschleunigte ihren Schritt und tappte eilig die Treppe herunter. Ihr kurzer, roter Rock wehte dabei im Tackt ihrer Schritte mit. Auf den letzten Stufen durchflutete Ib eine Erleichterung. „Mama? Papa?“, rief sie und sprang die letzten Stufen dabei herunter.

Dann erstarrte sie.
Dort war niemand.
Absolut kein einziger.

Selbst der Typ, der für den Empfang da war, ist wie vom Erdboden verschluckt. Ib durchfuhr ein Schauer und ein leeres Gefühl fuhr ihr durch den Magen, als das Licht anfing zu flackern. Dann ging es aus. Ib war den Tränen nahe und das, obwohl sie gar kein so ängstliches Kind war. Wurde sie alleine gelassen? War schon Ladenschluss und man hatte sie vergessen? „M-mama?“, flüsterte das kleine Mädchen zitternd und sank auf den Boden. Dann schlickte sie die Tränen runter, sprang auf und rannte zur Tür. Sie wollte diese mit einem Ruck öffnen, aber es gab nicht nach. Sie rüttelte noch ein paar Mal verzweifelt daran, um dann einzusehen, dass es nichts brachte.

Sie war eingeschlossen.
In einem dunklem Kunst-Museum.
Alleine.

Dieser Gedanke ließ Ib schlucken, bevor sie trotzig die Schultern raffte. Das schaffte sie schon, ganz sicher! Mit mehr Mut in den Augen ging sie wieder nach oben. Sie wollte lieber an einen Ort, der ihr bekannt vorkam. An der letzten Treppenstufe angekommen sah sie, wie jemand am Fenster vorbeihuschte. Ib’s Augen strahlten. Rettung! Sie rannte regelrecht zum Fenster und schaute dort hinaus. Dann runzelte sie die Stirn. Absolut niemand war dort. Die Versuche, das Fenster zu öffnen, waren ebenfalls vergeblich. Es ließ sich einen Spalt öffnen, was bewies dass es nicht zu war, aber komplett auf bekam sie es nicht. Ib gab seufzend auf und drehte sich weg. Dann durchfuhr zwei laute Schlaggeräusche die unheimliche Stille des Museum’s. Es kam von dem Fenster und glücklich drehte sich das kleine Mädchen um. Und das nur, um einen Abdruck an der Fensterscheibe zu sehen. Wieder schaute sie hinaus. Nichts.

Langsam wurde es Ib doch etwas zu gruselig. Sie hockte sich kurz hin und starrte auf den weißen Boden. Sie hoffte einfach nur, das Licht würde wieder angehen und die Tür sich öffnen. Vielleicht hat der Fremde sie ja doch gesehen. Doch als nach einer Zeit noch immer nichts passierte, stand sie schließlich auf und lief in die Richtung des unteren Ganges. Energisch ging sie an all die Bilder und Skulpturen vorbei, welche in der Dunkelheit nur noch unheimlich wirkten. Das kleine Mädchen lief entschlossen auf das große Gemälde zu und starrte es an. Sie hoffte, irgendetwas daran zu finden, was alle wieder zurückbringt und das Licht wieder leuchten lässt. Während sie das Gemälde so verzweifelt musterte, fiel ihr ein blauer Fleck auf, der unter dem Bild die weiße Wand herunterlief. Mit einem Stirnrunzeln lief sie darauf zu. „Das war aber vorher noch nicht da gewesen…“, murmelte sie gedankenverloren, während ihre Stimme ungewöhnlich durch den Flur hallte. Testend fasste Ib die Flüssigkeit an. „Farbe?“ Verwundert betrachtete sie ihren jetzt blauen Finger, bevor sie wieder auf die Wand schaute. Doch der Klecks war weg. Mit großen Augen und einer immer größer werdenden Angst starrte Ib auf die Stelle. Dann hörte sie auf einmal lautes Stapfen hinter sich und drehte sich ruckartig um. Eine Person konnte sie nicht ausmachen, aber die Schrift auf dem Boden war dafür umso deutlicher.

“Komm Ib.“

Schwer atmend sah die 9-Jährige auf die rote Schrift und stolperte langsam zur Wand zurück. Ihre Hand berührte dabei etwas nasses. Ihr Blick wanderte auf die Wand, wo in einer blauen Schrift etwas geschrieben stand.

“Komm nach unten, Ib. Ich zeige dir einen geheimen Ort.“

Jetzt hielt es das braunhaarige Mädchen nicht mehr aus, sie rannte so schnell sie konnte die Treppe herunter, wobei sie fast die Stufen herunterfiel, und rüttelte mit all ihrer Kraft an der Tür. Das so lange, bis sie erschöpft an dieser runterrutschte. Langsam vergrub das kleine Mädchen ihr Gesicht in ihre hellen Hände und würde am liebsten weinen. Doch dann stand sie wieder auf. Sie war mutig und wenn sie nach unten ging, würde vielleicht alles wieder normal werden. Zumindest redete Ib sich das ein. Langsam, aber wieder etwas mutiger lief sie den Flur entlang und erblickte beinahe sofort eine Art Pfütze am Boden. Schnell bemerkte sie jedoch, dass diese “Pfütze“ anscheinend ebenfalls ein Kunstwerk war. Was sie aber auch bemerkte waren die blauen Schuhabdrücke, die in dieses Kunstwerk hineinführte. Ib blinzelte kurz. Sollte das etwa ein Hinweis sein? Vorsichtig schritt die 9-Jährige näher und ging um die Absperrung herum. Mit großen und nervösen Augen sah sie in das Gemälde am Boden an. Dann holte sie tief Luft, ihre Miene wurde entschlossen und sie machte einen ersten Schritt…
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