Lauras Erwachen

von Nemoralis
GeschichteFantasy, Übernatürlich / P16
30.12.2017
05.06.2019
17
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Einleitung




Eine weibliche Gestalt rannte keuchend durch nasse, dunkle Gasse, ihre hünenhaften Verfolger dicht hinter ihr. Die Jugendliche warf Kisten und Mülleimer um im Versuch den Weg zu versperren. Ihre hechelnden, auf  allen Vieren rennenden Verfolger sprangen einfach drüber mit einer Eleganz die ihrer massigen gorillaartigen Mischform aus Wolf und Mensch Lügen strafte. Lauras Beine waren so schwer, der Atem so kurz, es war eine gefühlte Ewigkeit für sie die sie bereits auf der Flucht war. Wäre sie doch nur bei den Pflegeeltern geblieben dachte sie als sie in den kaputten Stöckelschuhen um die Ecke rannte, das niedliche kleine schwarze Kleid bereits aufgerissen als die Viecher sie mit ihren krallenbewehrten Händen zu Packen versuchten. Sie stolperte auf dem regennassen Boden, riss sich dabei das Knie auf, rannte aber sofort weiter. Schmerz, Nässe oder Kälte waren nichts im Vergleich zu Todesangst. Der eiskalte Regen strömte weiter als sie durch eine Bande halbstarker Kleinkrimineller, die sich harte Männer wägten, rannte.

„Hey, Schlampe pass doch au…“ Die hünenhaften, gorillaartigen Wolfsmenschen rannten die im wegstehenden einfach um. Der Rest zog Knarren und schoss auf die drei Bestien die eigentlich schon vorbeigerannt waren. Im Schmerz heulten die Bestien auf. Laura wagte es nur kurz nach hinten zu schauen, sah aber wie alle drei Bestien im Oberkörper getroffen wurden. Eine Gasse und 15 ewig lange Sekunden hielt sie völlig außer Atem an und rang um Luft, frische, süße, dreckige Großstadtluft. Sie wischte sich das verlaufene Make-Up aus den Augen. Die Bande hatte nicht aufgehört mit Schießen. Noch während die Ballerei im Gange war kam das Geschrei des blanken Terrors und die markerschütternden Geräusche zerreißenden Fleisches und zerbrechender Knochen.

Sofort rannte die erschöpfte Fünfzehnjährige weiter. Es dauerte nicht lange dann waren ihre Häscher wieder hinter ihr, wieder warf sie Kisten und Mülleimer um, aber das Resultat war das Gleiche. Sie rannte durch die nächste Gasse und die nächste bis schließlich das Unvermeidliche geschehen war.

Sackgasse! Dachte die verzweifelte Laura und versuchte schon die viel zu hohe, glatte Wand zu erklimmen. Ihre jetzt zwei Häscher kamen hämisch lachend und nicht mal ansatzweise außer Atmen auf sie zu. Jetzt war Laura scherzhaft klar geworden, dass die Bestien sie in perverser Liebe zur Jagd gehetzt hatten, obschon sie sie mit Leichtigkeit hätten erwischen können. Die beiden nickten sich zu, einer drehte sich um und ging zurück Schmiere stehen. Der Andere, der Größte, kam langsam und hämisch grinsend auf die Kleine zu. Die Bestie genoss definitiv den Moment, den Moment ihrer Angst, den Moment ihrer Hilflosigkeit.

Laura wollte die Wand hochklettern, vorbei rennen, mit Steinen werfen, dem Vieh die Augen auskratzen, ihn verbrennen… In ihrem ohnmächtigen Zorn ging Laura in sich hinein. Eine Kraft, gleichzeitig völlig neu und doch so vertraut, loderte in ihr auch, eine Hitze wie sie sie nie gekannt hatte und von der sie doch irgendwo wusste, dass sie immer da sein, sammelte sich in ihren Händen während der Wolfsmensch langsam auf sie zukam. Er packte sie am Kragen ihres engen Jacketts und hob sie mit Leichtigkeit während Laura sich unter seinem eisernen Griff wand und versuchte zuzutreten, aber ohne Wirkung. Irgendwo in der Ferne kam ein stumpfes Pochen. Der Wolfsmensch grinste in tiefster Häme als er ihr schmutziges verschrammtes Gesicht vor seine Wolfsfratze erhob und dabei ein Geräusch machte irgendwo zwischen einem Wolfgeheul und einem menschlichen Lachen.

„FRISS DAS, ARSCHLOCH!“ Schrie Laura als ihre Hände in Flammen aufgingen, sie ihm diese in die Fratze rammte und die Flammen von den Händen auf jene Fratze strömten. Das Vieh heulte die unmenschliche Pein heraus, ließ dabei die Kleine los und sich von ihr abwand als er hilflos die Pranken um die Wunden legte.

Mit den weichsten Knien die Laura je hatte, schaffte sie zu stehen. Ihre Kleid und Unterwäsche fühlten sich komisch an. Da hatte sie sich doch tatsächlich in die Hose gemacht. Sie schnaufte in Trance, völlig erschöpft und ohne Kraft sich noch irgendwie zu bewegen, geschweige denn auszuweichen. Was vorhin Häme war, war nun brennender Hass als der Werwolf dem nun die linke Gesichtshälfte und das rechte Ohr fehlten sich ihr wieder zuwandte. Was vom Gesicht übrig geblieben war, war eine Fratze des Zornes als er ihr den Bauch mit einem Hieb schräg vom Becken bis zu den Rippen aufriss.

Erst fühlte Laura nichts, dann eine Explosion des Schmerzes als sie seitlich umfiel und irgendwie versuchte ihre Innereinen im Innern zu halten. Nur verschwommen sah sie wie eine schemenhafte Gestalt mit rot leuchtenden vulkanartigen Adern am ganzen Körper an den Werwolf ran raste, ihm mit hammer- oder hakenartigen Waffe ihm erst ein Bein zerschmetterte, dann die andere hammer- oder hackenartige Waffe sich seitlich in sein Genick stach und ihn hinterrücks runter riss, ihn dabei zur Seite drehte und die Gestalt nur einen Sekundenbruchteil später mit den Hakenseiten ihrer Waffen die Handgelenke der Bestie am Asphalt festnagelte. Ohne Verzögerung landete die schemenhafte Gestalt kniend auf der gewaltigen Brust des Werwolfs, holte langsam mit der rechten Faust aus ehe Laura sah wie jene Faust hervorschnelle mit einer Kraft, einer Gewalt, dass der massive Schädel nicht einfach eingeschlagen wurde, sondern wahrlich zerbarst und der Asphalt darunter regelrecht erbebte.

Laura wurde kalt, schrecklich kalt, der Schmerz ließ nach, ihr Sichtfeld war klein geworden, sie fühlte sich leicht, all ihre Ängste und Probleme waren endlich weit fort. Sie sah ein Licht, es war so schön, so leicht, dann ein Gesicht, es war das schönste Gesicht was sie je gesehen hatte. Magenta Augen, erst hart und streng dann liebevoll und schrecklich besorgt und kohleschwarze Lippen die frenetisch irgendwas im Regen vor sich hin sprachen, oder war es zu ihr sprachen, die Kleine konnte es nicht mehr sagen. Irgendwas hielt ihren Kopf, es war so warm und weich. Laura hob eine blutverschmierte Hand, um das schöne Frauengesicht mit den hohen Wangen, dem eleganten, langen, rabenschwarzen Haar und den intensiven, Magenta leuchtenden Augen zu berühren.

„Ein Engel? Für mich?“ hauchte sie als ihre Tränen über ihre blassen Wangen liefen während sie die Augen schloss, nicht glaubend, dass irgendetwas Gutes auf der Welt sie hätte gern haben können.
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