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Von Zugfahrten und Weihnachtsfeiern

von Mika Ishi
KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / MaleSlash
PietSmiet
29.12.2017
29.12.2017
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Bevor es losgeht ganz viel Liebe an Claire Panda und ihren Friendly Fire 3 OS auf dem diese Kurzgeschichte aufbaut und die mir beim Schreiben sehr mit ihren Vorstellungen und  Verbesserungsvorschlägen geholfen hat und an ConsultantJim für ihre Denkanstöße. Nun viel Spaß beim Lesen.

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Der Zug war leer und Mikkel hatte die Qual der Platzwahl. Da die Müdigkeit ihn direkt wieder einholte, setzte er sich auf einen Platz direkt an der Tür, beobachtete ein letztes Mal das Licht der Kölner Stadt.
Er setzte seiner Rucksack ab, stellte ihn auf den Sitz neben sich, wollte es sich gerade soweit bequem machen,das er schlafen könnte. Als er sich daran erinnerte, dass er Andi versprochen hatte alle zwei Minuten eine Nachricht zu schreiben, damit dieser wachblieb. Bist du noch wach?
Mikkel war die Umarmung vorhin nicht unangenehm gewesen. Wenn er genauer darüber nachdachte, war die Umarmung wesentlich zu lang für nur Freunde gewesen. Er hatte Andi gerne in seiner Nähe, ein wenig zu gern, wenn er seinen Gefühlen glauben konnte.
Es war so schon kompliziert genug, wenn er sich seine Gefühle eingestehen würde, sie vielleicht sogar dem Brünetten beichten könnte, würde es kein zurück mehr geben. Ein erneutes Vibrieren riss ihn aus seinem Gedankenkarussell. Andi.
Lebst du noch oder schläfst du schon?
Der Hamburger grinste ,dann schrieb er zurück:
Wach ist ein schwammiger Begriff, außerdem durfte ich im Gegensatz zu dir ja nicht schlafen oder mich auf eine Couch legen.
Auf diesem Niveau bewegte sich die Diskussion, die nächsten vier Stunden.
Irgendwann setzte sich Mikkel Kopfhörer auf und schaltete eine Spotify-Playlist an, um nicht in Morpheus Armen zu landen.
Hamburg empfing ihn mit blauem Himmel und kaltem Wind und Oskar leckte ihm die Füße sobald er seine Wohnung betrat. Er vermisste Andi, er war zuhause jedoch fühlte er sich nicht komplett.

Andi ging es ähnlich. Seine Gefühle hatten ihm im müden Zustand übermannt, was zu einer Umarmung geführt hatte, die länger war, als unter Freunden üblich. Er wusste nicht, wann er begonnen hatte so für Mikkel zu empfinden. Er fühlte immer noch Mikkels warme Hände an seinem Rücken und die Nähe der für Freunde viel zu langen, für sein Empfinden jedoch viel zu kurzen Umarmung.
Bald würde er es Mikkel sagen. Wenn sie sich das nächste Mal sehen würden, vier Tage nach Friendly Fire 3, auf der Pietsmiet Weihnachtsfeier.

Eine weitere Zugfahrt später sahen sie sich erneut. Der Raum, in dem sie feierten, war gemütlich und aus dunklem Holz, an der schwarz lackierten Decke leuchteten blauweise Lampen. sie tauschten Erinnerungen und Ereignisse des bisherigen Jahres aus und tranken mehr oder weniger alkoholische Getränke, hauptsächlich Bier, während sie auf bequem gepolsterten Stühlen saßen. Dazwischen verteilten sie Wichtelgeschenke und genossen die familiäre Atmosphäre.
Am Anfang saßen Andi und Mikkel noch an unterschiedlichen Tischen, warfen sich immer mal wieder kurze Blicke zu,wandten sich verlegen ab und hofften, dass der jeweils andere es nicht bemerkte.
Die Wangen des Blonden wirkten in dem Licht noch rötlicher als sonst oder war es wirklich so?
Der Brünette rief mit einem Blick in den Raum: "Ich bin mal frische Luft schnappen,"und hoffte das Mikkel ihm folgen würde.
Ein kühler Luftzug wehte durch Andis Jacke, die Sterne waren durch Wolken verdeckt und er beobachtete das Lichtermeer aus Autos, Laternen und Bildschirmen voller Reklame, hoffte, dass er mit seiner Vermutung recht hatte.
"Und was machen wir jetzt?", fragte Mikkel, bevor er um Andi ein wenig aufzuziehen, in halb ironischem Tonfall weitersprach : "Es hat auch bestimmt keinen Grund, dass du nach draußen gegangen bist."

"Wenn du stickige Luft keinen Grund nennen willst," setze der Brünette ihr Gespräch im selben Tonfall fort und kämpfte gegen das Bedürfnis an, den Hamburger sofort in seine Arme schließen zu wollen. "Außerdem weißt du doch wie gern ich unter Menschen bin." Andis Stimme wurde trotz ironischem Klang gegen Ende immer leiser.

Mikkel war ein wenig überfordert, wusste nicht wie er seinem Gegenüber helfen sollte, peinlich berührt und hilflos, griff er nach Andis Hand, hielt ihn sanft fest um ihm zu signalisieren, das er nicht alleine war. "Mir war es gerade auch zu laut," antwortete der Blonde, versuchte zu verbergen wie sehr ihn diese einfache Berührung aus dem Konzept brachte. Es war irgendwie lächerlich sie standen wie verliebte Teenager da und keiner war bereit den nächsten Schritt machen.

Schließlich nuschelte Mikkel, kaum hörbar:"Ich hab dich vermisst...irgendwie." Dann legte er vorsichtig einen Arm um Andis Hüfte, beobachtete wie sein Gesichtsausdruck von Überraschung zu einem Lächeln wurde und dann seine grünen Augen schloss und die Berührung erwiderte.
Nun standen sie in einer warmen Umarmung und genossen die Nähe während sie nach den richtigen Worten suchten. Irgendwann legte Andi seinen Kopf auf Mikkels Schulter, dabei strichen seine Lippen dessen Hals und der Blonde atmete hörbar aus, da jene Stelle zu kribbeln begann und sich dieses warme Kribbeln innerhalb von zwei Wimpernschlägen in seinem Körper ausbreitet hatte. Der Brünette grinste kaum merklich als er seinen Kopf wieder von der Schulter seines Gegenübers nahm, sein Kehle war trocken und sein Herz klopfte mit doppelter Frequenz als er anfing seine Gefühle auszusprechen, in Worte zu fassen: "Ich hab dich gern, viel zu gern." Verlegen wollte er seinen Kopf senken, jedoch hielt ihn Mikkel davon ab, indem er Andi an einer Wange berührte und seine Lippen auf die seines Gegenübers legte.

Erst war die Berührung nicht mehr als ein Hauch, bis Andi den Kuss erwiderte und ihn so nah an sich zog, das kein Blatt Papier zwischen sie gepasst hätte.
Sämtliche Synapsen setzen aus, legten das Gedankenchaos, was gerade in Andis Kopf entstand direkt wieder still. Es war das erste Mal, dass er einen Mann küsste, es fühlte nicht falsch an, irgendwie anders, richtig und ein bisschen seltsam.

Andis Barthaare kitzelten auf Mikkels Haut, bildeten einen Kontrast zu den weichen Lippen. Sein Kopf war wie leergefegt, es war nicht logisch und doch ergab es Sinn, so als hätte man zu einem Puzzle das letzte Teil hinzugefügt. Vielleicht war es sowas wie ein Level Up oder die nächste Staffel einer Serie, seine Gedankengänge unterbrachen, als Andi diesen ersten Kuss vertiefte.

Als sie sich atemlos voneinander lösten, hatten sie vergessen ,dass die anderen Pietsmiets auf sie warteten, das es ein kalter Wind wehte und sie nur dünne Jacken anhatten. Befangen, lachend und mit pseudoerotischem Tonfall sagte Andi, der sich noch nicht ganz gefangen hatte:"Wenn du heute keine Nussschokolade für mich dabei hast, brauche ich wohl eine andere Form von übermäßigem Zuckerkonsum, damit ich nicht einschlafe."
"Dir geht´s anscheinend wieder gut, dann können wir ja zurück zu den anderen," sagte Mikkel grenzdebil grinsend und mit knallroten Wangen.
Mutig geworden, gab Andi, Mikkel noch einen Kuss auf die Wange, bevor sie auf die Weihnachtsfeier zurückkehrten.
Ihre Hände berührten sich immer wieder zufällig als sie wenig später gegenüber an einem der Tische saßen.
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