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Die undankbaren Bären

OneshotAllgemein / P6
29.12.2017
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Tagelang hatte es im Wald geregnet. Zuerst war die Höhle der Bärenfamilie aufgeweicht. Dann war sie voll Wasser gelaufen und schließlich hatte ein Erdrutsch die Höhle vollständig zugeschüttet.

Von einem Tag zum anderen hatte die Bärenmutter mit ihren vier Jungen die schützende Wohnung verloren.


Ein Mann, der zufällig durch den Wald wanderte, erfuhr von der Not der Bärenfamilie.

„Ich bin Zoodirektor“, sagte er zur Bärenmutter, „in unserem Zoo ist gerade ein schöner sauberer Waschbärzwinger frei, darin könnt ihr wohnen.“

„Nein, das ist zu klein für uns alle“, sagte die Bärenmutter, „aber trotzdem danke für die Hilfe.“


Inzwischen waren die Tiere des Waldes zusammengekommen. Sie waren sich alle einig: Der Bärenfamilie musste geholfen werden.

Das Kaninchen machte zuerst einen Vorschlag: „Ich kenne einen unterirdischen Bau in sandigem, lockerem Boden mit einem hervorragendem Gangsystem. Die Jungen haben darin Platz, denn sie sind ja noch sehr klein.“

„Aber wo soll ich denn wohnen“, fragte die Bärenmutter.

„Es gibt einen aufgeschütteten Erdwall, dahinter kannst du dich verstecken.“

„Aber wie komme ich denn in den unterirdischen Bau, um die Jungen zu säugen?“, fragte die Bärenmutter.

Darauf hatte das Kaninchen keine Antwort: „Ich dachte, es ist ja nur vorübergehend.“

„Trotzdem danke für deine Hilfe“, sagte die Bärenmutter.


„Ich bin gestern an einer traumhaften Höhle vorbeigekommen“, sagte der Wolf. „Sie ist groß genug und liegt an einem Hang.“

„Was ist das für ein Hang?“, fragte die Bärenmutter interessiert.

„Er ist hinter dem Wald, direkt an der Autobahn.“

„Oh, aber das ist viel zu laut“, sagte die Bärenmutter. „Wir halten während der kalten Monate eine Winterruhe und die Jungen könnten dann leicht aufgeweckt werden. Trotzdem danke ich dir für deine Hilfe.“


Der Luchs hatte sich ganz nach vorn gedrängt: „Ich habe von einer phänomenalen Landschaft gehört, die ideal für Bären ist. Dort gibt es sogar natürliche Höhlen. Und es ist dort so viel Platz für ausgedehnte Wanderungen.“

„Wo soll das sein“, fragte die Bärenmutter.

„Die Gegend heißt Nordpol.“

„Davon habe ich schon gehört“, sagte die Bärenmutter, „aber das ist viel zu weit weg. Ich kenne dort niemanden und ich würde meine älteren Bärenkinder nicht wiedersehen. Und auch meine Jungen haben hier schon Freundschaft mit einigen kleinen Waldbewohnern geschlossen.“

Sie dachte einen Moment nach, dann fuhr sie fort: „Es klingt wirklich verlockend, aber es kommt nicht in Frage. Danke trotzdem für deine Hilfe.“


„Ich habe entdeckt“, sagte die Fledermaus ganz aufgeregt, „dass eine Reihe von Nestern hier in der Gegend verlassen sind. Die könntet ihr nutzen.“

„Was sollen denn das für Nester sein?“, fragte die Bärenmutter mit Interesse.

„Ein Krähennest befindet sich hinter der alten Eiche in einer Felswand. Ein Taubennest habe ich am Fuß einer Rotbuche an der Dorfstraße entdeckt. In einem Ahornbaum hinter dem Fluss befindet sich ein leerstehendes Elsternest. Und es gibt ein riesiges Storchennest in einem anderen Dorf – da ist wirklich genug Platz für eine Bärenmutter.“

„Aber die einzelnen Nester liegen viel zu weit auseinander“, sagte die Bärenmutter und schüttelte den Kopf. „Ich danke dir trotzdem für deine Hilfe.“


Die Bärenmutter seufzte: „Ich möchte so gerne hier im Wald bleiben.“


Die Tiere des Waldes schüttelten gemeinsam den Kopf.

Der Rabe sprach: „Die Mutter muss, vor allem im Interesse ihrer Jungen, die Hilfsangebote annehmen und alternativen Wohnraum beziehen. Alles andere ist verantwortungslos.“

Die Tiere des Waldes waren sich einig und stimmten ein: „Solch eine undankbare Bärenfamilie!“



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