Klingon Outcast

von zykez
GeschichteDrama, Sci-Fi / P12
29.12.2017
10.02.2018
3
17219
 
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Sternzeit  22008  (2345)
Jahr des Kahless  971
Otha (Planet), Otha-System
Archanis-Sektor - Grenzgebiet


Schweratmend trippeln kleine Füße eines jungen klingonischen Mädchens hastend zu einem Zaun, an dem bereits viele andere Kinder stehen und einer größeren Gruppe an Personen weit hinter dem Zaun zuwinken und hinterherrufen. Die Kinder schreien das Letzte aus ihren Lungen heraus. Sie bemerkt hinter sich ältere Männer und Frauen die tosenden Beifall klatschen. Der Lärm ist für ihre kleinen Ohren betäubend. Die kleinen Hände ergreifen den festen Gitterzaun. Leichte Schwingungen passieren ihren Tastsinn. Sie schließt ihre Augen. Die Vibrationen trommeln auf ihrer zarten Handfläche, der Zaun schwingt mit dem Schall, ein ständiges auf und ab, Welle um Welle reiht sich an und bilden einen wechselhaften fließenden Rythmus. Sie klammert fester, will alles spüren, alles aufnehmen. Das Geschrei der Leute wird lauter, als ein großes Shuttle über die Kreischenden hinweg gleitet und neben den Wartenden sicher landet. Ihre Handflächen bilden Schweißperlen. Das kleine Herz pocht wie wild, der ganze Körper zittert. Sie vernimmt die Worte der Umstehenden und versteht sie trotzdem nicht. Es ist ihr egal. Hier geschieht etwas Wichtiges, ja etwas Großartiges, etwas Bewegendes, vielleicht sogar etwas Geschichtliches. Obwohl sie die Bedeutung der Situation nicht nachvollziehen kann, erliegt sie ihrer Faszination. Sie hat das alles noch nie erlebt. Es ist etwas Anderes, etwas Neues und gleichzeitig ist die große Ansammlung auch beängstigend. Ihr Verstand rebelliert, will nur noch weg, doch die Beine weigern sich. Es prasselt nach wie vor eine Vibrationswelle nach der Anderen auf sie ein. Ihr Blut kocht. Ihr Körper versteift. Sie muss schlucken, hat panische Angst, dann Wut. Irgendetwas hat sie erfasst, geradezu infiziert. Unfähig mit der Situation umzugehen, rüttelt sie am Gitter und schreit diesen an. Vor Zweifel ergibt sie sich ihrer selbst und verfällt in Rage.
Sie winkt und schreit den Leuten auf der anderen Seite so lauthals zu, das ihr fast die Stimme versagt.

Das Geschrei der Zaungäste übertönt das Surren der Shuttle-Triebwerke. Kleingroße Augen beobachten das interessante Spektakel. Reisen sind immer aufregend. Der Junge kann es nicht mehr halten und winkt begeistert zurück. Ein Kultkrieger, der in seiner blutroten traditionellen Kampfuniform mit seiner Vibrolanze, wie seine Kollegen um der Gruppe herumsteht, kann sich ein dumpfkeifendes Kiechern nicht verkneifen. Bevor der Junge den Zaungästen auch noch zurufen kann, reißt eine weibliche Hand seine Kleine warnend herunter. "Lass das, Drex!" Die Gruppe steht wie ein Tropf vor dem Shuttle zusammen und wird von diesem, als sich die Shuttletüren öffnen, regelrecht aufgesogen. Den nicht nur äußerlich verschiedenen Personen eint allen der gleiche Wunsch. Sie wollen weg! Seit Stunden warten sie hier, wie eine zusammengetriebene Viehherde auf das erlösende Shuttle. Und obwohl es gerade gelandet ist, lassen sich nicht Wenige bei der Selbstverfrachtung viel Zeit. Vielleicht ist dies ja der Moment an dem man noch einmal zurückblicken kann, quasi ein letztes Mal, bevor ein neuer Lebensabschnitt beginnt. Trotz den fernen Krakelern bleibt man ruhig. Man ist Schlimmeres gewohnt. Der Junge kann es nicht lassen, riskiert immer wieder heimliche Blicke zu den Kreischenden, nur um dann doch wieder von seiner wachenden Mutter, die nicht von seiner Seite weicht, körperlich diszipliniert zu werden. Allerdings ergreift sie der Wehmut, so schaut auch sie noch einmal wie die Anderen zurück und erinnert sich an die guten Tage in ihrem Leben hier. Der kleine Mann versteht die Welt noch nicht, ist sich aber sicher, heute muss ein ganz besonderer Tag sein.
Der Anblick seiner Mutter verrät ihm, das sie trotz allem Angst hat. Aber sie gehen doch auf große Reise. Wovor sollte sie also Angst haben!? Als die Mutter den starrenden und analytischen Blick ihres Sohnes erkennt, ertappt sich dabei, keine gute Ausrede bereit zu haben, um seinen Wissensdurst über den aufregenden Umstand Genüge zu tun. Sie nimmt ihn in den Arm.

Ein lautes Krachen übertönt die Abflugstimmung. Hektische Worte seitens der Kultkrieger, Sorge unter den Fluggästen. Standen die Kultkrieger zuvor zu den Wartenden gerichtet, stehen sie nun mit den Rücken zu ihnen. Ein Zaunsegment hat dem Druck einer größeren Gruppe Kreischender nachgegeben, bleibt zum Glück aller Anwensenden noch relativ stabil stehen. Der Kult-Anführer weist die Shuttle-Crew an, die Ladebemühungen zu erhöhen. Und auch die Abreisenden haben ihre Bewegungslehmung abgelegt und wollen nur noch ganz schnell ins Shuttle. Vor dem Jungen drängelt sich ein Mann auf den erhöhten Bordsteg, doch statt den Nachfolgenden Platz zu machen, dreht er sich um und greift nach dem Jungen. "Nimm meine Hand!" Die Mutter pflichtet dem Mann bei. "Beeil dich." Der Junge streckt seine kleinen Arme hoch, wird von der Mutter angehoben und von dem Mann ins Shuttle gehievt. "Gut gemacht, mein Sohn. Suche uns drei Plätze." Der Vater widmet sich helfend der Mutter, während der Sohn für die Familie eine freie Sitzreihe sucht. Viele haben jedoch freie Plätze mit Abstandslücken zu Anderen besetzt. In einer Dreier-Sitzreihe macht es sich gerade ein alter weißhaariger Klingone gemütlich, als ihn der Junge unterbricht. "Ich brauche die Plätze. Du bist allein, setzt dich woanders hin!" Verwundert über diese Arroganz des kleines Etwas, baut sich der Klingone drohend vor ihm auf. "So so, Flachgestirn - entweder bist du sehr tapfer oder einfach nur dumm." Beeindruckt von der kräftigen Statur des alten Weißhaarzausels, stockt dem jungen Mann erstmal der Atem. Bevor die Eltern rettend in das Dilemma eingreifen können, macht der Junge einen verunsicherten Schritt nach vorn und stellt sich seiner ersten Herausforderung: "Vermutlich, Beides." Kurze Stille. Verwundert, bewundert und geehrt von soviel Leichtsinn, ergießt der Klingone sich in Gelächter. Der Alte nimmt lachend seine Sachen und folgt dem Wunsch des vorlauten Bengels. "Ein Sieg ist ein Sieg - doch übertreib es nicht. Im Kampf bekommt man keine zweite Chance." Der Junge nickt dankend, weiß die Weisheit zu schätzen. Die Umsitzenden stöhnen dagegen erleichtert auf. Die Eltern schweigen vorsorglich lieber und machen es sich selbst gemütlich. Es wird eine lange Reise.

Erneut unterbricht ein lautes Krachen die Szenerie. Der beschädigte Zaunabschnitt hat endgültig nachgegeben und öffnet einer wilden Horde den Zugang in den Sicherheitsbereich. Mehrere stürmen brüllend auf die restlichen Wartenden zu. Die verunsicherten Kultkrieger bilden unter dem Befehl ihres Anführers einen Abwehrriegel und halten so die Meute davon ab, sich den Wartenden nähern zu können. Zwei weitere Wachen pressen von außen die Letzten ins rettende Shuttle und helfen der Crew die Türen zu schließen. Ein Schließmechanismus greift, die Schotten sind dicht. "Es geht los!" - aufgeregt und begeistert klammert sich der Junge an seinen Platz. Es ist seine erste Weltraumreise. Die besorgten Eltern machen gute Miene zum bösen Spiel. Mit einem rüttelnden Ruck gewinnt das Shuttle an Höhe. Die Krieger senken ihre Lanzen, der Mob erobert die Landeplattform, die Meute singt und tanzt.

Azurblauer Wolkenhimmel wandelt sich zu einem dunkelstrahlenden Sternenhimmel. Friedlich gleitet das Shuttle auf einen orbitumkreisenden Frachter zu.
Der wissbegierige Sohn überrascht seinen Vater mit der Frage, was denn Relokation bedeute - dumpflautes Klingonenkiechern füllt den Raum.


jeghpu'wI (Unterworfene) - Keine Bürger, keine Sklaven, sondern Diener des Reiches!


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