Wollen wir wetten? - Aber sicher!

von Hedwig93
OneshotDrama, Freundschaft / P12
28.12.2017
28.12.2017
1
2330
1
Alle
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
 
---
Auskopplung aus dem Geschenk für Yavannaa, da ich ihren Vorschlag nur zu gerne beherzige.
https://www.fanfiktion.de/s/5a451f4b00055ead31da87f1/1/Fliegen-fuer-totale-Pappnasen-und-hoffnungslose-Faelle
Edit: Auskopplung und leichte Anpassungen am Text haben stattgefunden. Viel Spaß!
---

Ende August vor Beginn des vierten Schuljahres:

Der Sommer schien noch einmal richtig heiß werden zu wollen. Die Sonne schien von einem strahlend blauen Himmel herab und die Vögel sangen ihre Lieder in vollen zügen.
“Ich halt’ das nicht mehr aus! Viel zu warm”, maulte Ron, der gerade zusammen mit Harry im Garten des Fuchsbaus Gnome jagte. “Meine Mum ist wirklich unmenschlich. Bei dem Wetter müssen wir den Garten entgnomen! Wer macht denn so ‘was! Vor Allem an einem so warmen Tag wie heute?”
“Stell doch nicht so an, wir sind doch gleich fertig”, meinte Harry, drehte sich von Ron weg und sah wie ein Gnom in einem Ginsterbusch verschwand. ‘Immerhin hast du eine Mutter’, dachte er niedergeschlagen.
Die Ereignisse am Ende des letzten Schuljahres lagen ihm noch immer schwer auf der Seele. Er hatte einen Paten… und der Verräter war entkommen. Wie gerne hätte er nun Hermine um sich. Sie war die einzige, die ihn je wirklich verstanden hatte.

Harry machte sich bereit, um gleich nach dem kleinen Quälgeist zu fassen. Er sah den Busch wackeln und wusste, dass er sich nun beeilen musste. Er griff in den gelb blühenden Busch und seine Hand umklammerte etwas weiches und warmes.
“Au”, schrie er urplötzlich auf. Hatte der Gnom ihn etwa gebissen? Er zog seine Hand aus dem Dickicht des Busches und sah einige Schrammen, die fein anfingen zu bluten.
“Mann, Alter? Der Busch da hat Dornen”, rief Ron von einigen Metern entfernt herüber. Er stand bei den Apfelbäumen seiner Eltern und war gerade dabei einen kleinen braunen Gnom über die den Fuchsbau umgebende Mauer zu werfen.
“Sieht so aus”, rief Harry zurück, denn er hatte erkannt, dass er zwar einen kleinen Gnom erwischt hatte, der ihn aber niemals hätte beißen oder kratzen können. Seine Hand umfasste nämlich seinen gesamten Oberkörper.
“Harsch spuck krack!”, rief der Gnom und versuchte zu zappeln. Keiner wusste, was das bedeuten sollte, aber man konnte sich sicher sein, es hatte nichts nettes zu bedeuten.

Harry ignorierte seine Verletzung, denn er hatte schon schlimmeres erlebt. Rons Mum würde ihn sicher in weniger als einer Minute wieder geheilt haben. Er ließ seinen Arm kreisen und schleuderte den Gnom weit über die Mauer, weg vom Grundstück der Weasleys.
“Guter Wurf, Harry”, freute sich Ron. “Du hättest auch Jäger werden können.”
“Sucher ist mir lieber”, lachte Harry. “Wann kommt eigentlich Hermine wieder?”
“Wenn sie mit ihren Eltern zurück ist?” Ron kratzte sich unschlüssig am Kopf. Hatte er etwas vergessen?
“Das ist mir schon klar”, stöhnte Harry leicht frustriert. Manchmal fragte er sich, ob sein bester Freund eigentlich auch etwas anderes als Quidditch oder essen im Kopf hatte. “Ich meinte, ob sie etwas gesagt hat, wie lange sie durch den Geburtstag ihrer Oma mit ihren Eltern in Cornwall bleiben wird?”
“Hat ‘se nich’… glaub’ ich. Sie wird schon wieder kommen, Harry”, versicherte ihm sein bester Freund.
“Tja, das denke ich auch”, murmelte Harry. ‘Ich hoffe fest, dass sie bald kommt.’

“Worüber denkst du nach?”, fragte Ron. Er war plötzlich neben Harry erschienen und schaute ihn skeptisch von der Seite an.
“Ich habe nur an Hermine gedacht”, antwortete Harry. Ron schaute nun noch skeptischer und Harry dämmerte es nun, wonach das gerade geklungen haben musste. “Nichts weiter”, fügte er schnell hinzu. “Was schenkst du ihr eigentlich zum Geburtstag?” Harry versuchte das Thema zu wechseln und zu seinem Glück stieg Ron darauf ein ohne weitere Fragen zustellen.

“Weiß ich noch nich’. Im Zweifel kriegt sie Süßes, das mag doch jeder.”
“Wenn du meinst”, bemerkte Harry verwundert. Konnte es wirklich sein, dass Ron nach drei Jahren immer noch nicht verstanden hat, dass Hermine zwar hin und wieder Süßigkeiten aß, aber durch Ihre Eltern den Konsum auf ein Minimum beschränkte? Harry ließ sich jedoch nichts anmerken. Es hatte auch keinen Sinn Ron dabei einen Tipp zu geben.
“Hey, Kumpel. Eas schenkst du ihr denn?”, wollte Ron nun wissen.
“Ich habe ihr ein Buch gekauft, das sie schon letztes Jahr in der Winkelgasse sehnsüchtig haben wollte. Es ist die Sonderausgabe der <Geschichte der magischen Welt> und dazu habe ich ihr ein Set Lesezeichen geholt. Eins hat einer Katze drauf, eins mit einem Schnatz, dann eins mit…”, wurde Harry auch schon von Ron unterbrochen, noch bevor er fertig aufzählen konnte.
“Ein Lesezeichen Set? Was soll man damit? Und du meinst, dass Süßes kein gutes Geschenk sei!” Ron schüttelte seinen Kopf. ‘Er wird immer schlimmer, was Hermine angeht. Lesezeichen? Wirklich?’, lachte Ron innerlich über Harry und seine Idee.
“Ja, Lesezeichen, Ron. Hast du Hermine jemals mit nur einem Buch gesehen? Sie sagt doch immer <Jungs, es ist nicht unmöglich nur ein Buch zu einer Zeit zu lesen. Ich selbst habe immer mindestens drei gleichzeitig, die ich lese>.”
“Na, von mir aus. Wenn du dir sicher bist. Ich bin gespannt, über welches Geschenk sich Hermine am Ende mehr freut,” feixte Ron und ahnte, worauf das Ganze hinaus lief.
“Wollen wir wetten?”, fragte Harry und blickte Ron herausfordernd an.
“Aber sicher. Um eine Galeone, dass Hermine mein Geschenk mehr mag als deine Lesezeichen!”
“Abgemacht”, sagte Harry.

“Essen”, rief Molly aus dem Küchenfenster zu den beiden Jungs herüber. Ron begann zu strahlen und freute sich schon richtig.
“Das wurde auch Zeit!”, lachte Ron. Zusammen gingen sie zum Fuchsbau.
“Ach, Ron!”, prustete Harry.
“Ja, Harry”, wunderte sich Ron. Was konnte sein Freund noch von ihm wollen?
“Hermine wird mein Geschenk lieben”, lachte er und rannte durch die offene Hintertür in das Esszimmer.


***



Der neunzehnte September kam sehr schnell und Hermine Granger räkelte sich in ihrem Bett. Es war Montag und um kurz nach Acht begann schon der Unterricht. So blieb ihr nicht viel Zeit, um sich fertig zu machen. Sie musste ins Bad und dann in die große Halle.
“Mmh”, seufzte sie und schwang sich aus dem Himmelbett ihres Schlafsaals. “Ich bin gespannt, was ich zum Geburtstag bekomme.”

Sie war schnell im Bad fertig und stieg die Treppenstufen in den Aufenthaltsraum der Gryffindors hinab.
“Pss, sie kommt”, hörte Hermine die Stimme eines Jungen.
‘Das ist Harry’, dachte sie und erreichte die letzte Stufe. “Guten Morgen, Jungs,” begrüßte die braunhaarige Hexe ihre beiden besten Freunde.

Einer nach dem anderen nahm Hermine in den Arm.
“Alles gute”, sagten beide zusammen. Ron Weasley stand rechts von Harry und hatte ein eckiges, in bonbonfarbendem Geschenkpapier gepacktes Päckchen in der Hand. Das Geschenkband war blau und zog sich über alle Kanten mittig um das Paket.  
“Hier, das ist für dich, Hermine”, sagte Ron schnell und hielt ihr sein makellos verpacktes Geschenk entgegen.
“Dann schauen wir mal”, lächelte Hermine ihn an, nahm es ihm ab und beäugte es. ‘Da hat Ginny doch sicher geholfen’, dachte Hermine sich, denn sie kannte Ron lange genug.
“Na, mach’s schon auf. Sonst weißt du ja nie, was ich dir geschenkt habe,” drängelte Ron ein wenig.
“Ja, natürlich”, wurde Hermine aus ihren Gedanken gerissen. Sie löste das Band und die Verpackung öffnete sich. Eine große gelb-goldene Kugel kam zum Vorschein.
“Das ist Schokolade. Die neuesten Sorten aus dem Honigtopf”, brüstete sich Ron. Er war zu Gold gekommen, das er bei einer Wette vor einigen Tagen gewonnen hatte. Er fand es nur folgerichtig in diesem Jahr ein paar bessere Geschenke zu für seine Freunde zu finden als in den letzten Jahren. Er zwinkerte Harry zu. Selten hatte man Ron so siegessicher gesehen.  

“Das ist wirklich nett von dir, Ron. Danke”, sagte Hermine und umarmte ihn stürmisch. “Da denke ich bei jedem Stück an dich. Ganz sicher.”
“Gern geschehen”, sagte Ron und lächelte Harry mit einem wissenden grinsen zu, als Hermine von ihm abließ. Er zog die Augenbrauen hoch und wollte wohl damit sagen: <Hab-ich-dir-doch-gesagt>.
‘Und es sind Pralinen, Ron! Und bei jedem Stück wird sich die Stimme meiner Mutter melden.’

Nun war Harry dran und er war sich nun wirklich unsicher.
‘<Da denke ich bei jedem Stück an dich>. Habe ich das richtig gehört?’, dachte er und wunderte sich. Was sollte er davon nur halten?
“Harry, hallo?”, rief eine Stimme aus weiter ferne und riss Harry aus seinen Gedanken.
“Was?”, fragte er und schüttelte sich kurz. Seine Hand ballte sich um das Geschenk in mitternachtsblauen Papier mit weißer Schleife.  
“Du warst weggetreten. Alles gut? Ist etwas mit dir?”, fragte Hermine ihn besorgt. ‘Es ist doch wohl nicht seine Narbe, oder? Nach dem komischen Traum, den er hatte.’
“Ja, alles gut”, sagte Harry schnell. “Es ist nichts. Hier, dein Geschenk.”

Er übergab das, von ihm schön, wenn auch nicht perfekt verpackte Geschenk an Hermine. Sie brauchte keinen zweiten Blick, um zu erkennen, dass es sich um ein Buch handeln musste.
“Danke, Harry”, sagte Hermine. ‘Er wird doch nicht diese Sonderausgabe gekauft haben?’, hoffte sie inständig. Sie wusste natürlich, falls ihr Verdacht stimmte, würde sie sich sehr freuen, aber auch gleichzeitig ein schlechtes Gewissen haben. Das Buch kostete so viel, wie die ganze Ausstattung für ein Schuljahr in Hogwarts.
‘Immerhin hat sie sich bei mir schon bedankt, bevor sie gesehen hat, was ich für sie habe’, dachte Harry beruhigt und nickte.

Hermine entfernte schnell das Papier und tatsächlich kam die Sonderausgabe von <Geschichte der magischen Welt> zum Vorschein.
‘Wie soll ich das nur wieder gut machen?’ fragte Hermine sich, schob sich eine Strähne ihrer braunen Haare hinter ihr linkes Ohr und öffnete den Buchdeckel.

Für Hermine, meine beste Freundin.
Ohne dich hätte ich alles nicht geschafft.
In Liebe, Harry

Harry hoffte, dass sein Text nicht zu schnulzig war. Hatte er wirklich diesen Text vorne reingeschrieben?
‘Wie dumm bist du eigentlich, Potter. Schreibst da rein <In Liebe, Harry>. Was soll man denn davon halten und Hermine als Frau sowieso?’, ertönte eine Stimme in seinem Kopf, die verdächtig nach Draco Malfoy klang.

Hermine konnte nicht anders. Sie stürmte auf Harry zu und umarmte ihn.
“Vielen Dank, Harry. Das ist so lieb von dir. Aber das ist doch viel zu teuer für mich”, hauchte Hermine und ließ langsam wieder von ihm ab.
“Ach was. Für dich ist das vollkommen in Ordnung”, sagte Harry leicht verlegen. ‘Und immerhin habe ich mich zurückgehalten und nicht noch gesagt <Für dich ist mir nichts zu teuer>. Das wäre ja nun wirklich vollkommen klischéehaft gewesen.’
“Danke, wirklich. Das bekommt einen ganz besonderen Platz bei mir.”

“Und von den Lesezeichen will ich gar nicht erst reden”, unterbrach Ron die beiden.
“Was?”, fragte Hermine und wirkte wie aus einer anderen Welt heraus gerissen.
“Ein Lesezeichen Set”, verbesserte Harry, der sich schneller gefangen hatte.
“Mach es auf, Hermine”, sprach Ron ungeduldig. Er zappelte schon nervös neben den beiden.

Hermine öffnete es und tatsächlich fielen ihr fünf Lesezeichen in die Hände.
“Eine Katze, wie Krummbein und dann noch ein…”, plapperte Harry drauflos.
“Ja, ein Schnatz. Und noch andere Lesezeichen”, murrte Ron ungeduldig. Er wollte jetzt endlich wissen, wessen Geschenk ihr am besten gefallen hat.
“Ja, ähm...genau”, kam es von Hermine. ‘Warum ist er nur so ungeduldig?’
“Und welches Geschenk gefällt dir nun besser?”, wollte Ron wissen.
“Was ist das denn für eine Frage? Beide gefallen mir”, log Hermine ohne rot zu werden.
“Das kann nicht sein. Außerdem verlieren wir dann beide, “ brummte Ron leicht beleidigt.

Harry boxte Ron in die Seite. Wie konnte er die Wette so heraus posaunen?
“Warum verliert ihr beide?” Hermine wurde nun hellhörig.
“Na ja”, druckste Harry. “Ron hat mich ausgelacht, da ich ihm von dem Lesezeichen Set erzählt habe und dann…”
“Und dann, was?”, hackte Hermione irritiert nach.
“Haben wir gewettet”, vollendete Ron den Satz.
“Ich dachte, es wäre gut für dich. Immerhin liest du doch immer mehr als ein Buch auf einmal. Hast du selber mal gesagt”, versuchte sich Harry zu rechtfertigen.
“Und dann?”, wollte Hermione nun endlich wissen, wobei sie langsam ungeduldig ihre beiden freunde ansah..
“Nichts weiter. Ja, wir haben gewettet, welches Geschenk dir besser gefällt. Sonst gab es aber nichts”, stellte Ron die Sache klar. Für ihn war das nichts schlimmes. Er war Brite und Briten wetteten doch einfach auf alles.
“Ihr zwei!”, maulte Hermine. “Vielleicht solltet ihr euch angewöhnen eure elenden Wetten nicht über Personen zu machen, die ihr kennt? Nicht einmal bei mir könnt ihr es euch verkneifen. Das würde euch so viel Ärger ersparen! Ich erwähne nur die Wette darüber, wann sich Hannah und Anthony trennen. Das war so gemein von euch.”
“Wieso? Ich hat’ doch recht, Hermine. Nach drei Monaten hat Goldlöckchen Hannah nicht mehr gewollt.”
“Ich geb’ es auf. Wer nun gewonnen hat, entscheidet ihr selber. Ich bestimmt nicht.”

Hermine verschwand in Richtung Portraitloch. Man konnte nur noch hören, wie sie etwas sagte, wie <Und dafür Freundschaften riskieren!>. Sie ließ die beiden Jungs wie begossene Pudel im Gemeinschaftsraum stehen. `Hatten sie es zu weit getrieben?´ fragten sich die beiden Jungs innerlich.
“Sicher nicht, typisch Hermine. Aber ich denk’, wir machen ‘en Unentschieden draus, oder?”, fragte Ron und schaute zu Harry fragend an.
“Vielleicht sollten wir Hermines Rat wirklich beherzigen”, stellte er klar, bevor er in Rons Vorschlag einwilligte.
Review schreiben
 
 
'