Fliegen für totale Pappnasen und hoffnungslose Fälle

von Hedwig93
OneshotDrama, Romanze / P12
28.12.2017
28.12.2017
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Edit: Überarbeitete und gekürzte Version mit neuem Titel
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01. September 1996: Beginn des 6. Schuljahres

Die Tage bis zum Schuljahresbeginn verstrichen schnell. Harry hatte die ganze Zeit das seltsame gefühl etwas wichtiges vergessen zu haben, aber er konnte sich natürlich auch irren.
‘Ich habe das Gefühl, dass es etwas wichtiges ist’, dachte er und schob seinen Wagen hin zur Absperrung zwischen den Gleisen neun und zehn. Er hatte die letzten Tage bei den Weasleys verbracht und freute sich nun auf seine anderen Freunde.
“Alter, mach mal langsam. Erwartet dich hinter der Absperrung jemand?”, feixte Ron. “Ist da ‘was, was ich nich’ weiß?”
“Nein”, stritt Harry alles ab. Wieso versuchte Ron immer wieder ihm eine Liebelei anzudichten? “Aber wir sollten uns beeilen, wenn wir noch ein gutes Abteil abbekommen wollen.”
“Ach was, Herms ist sicher schon da und hat uns eins gesichert. Übrigens, findest du nicht, dass sie in letzter Zeit richtig heiß aussieht?”
“Ähm...nein...ja, ich meine”, fing sich Harry. “Sie ist doch schon länger hübsch.”

Harry schob seinen Wagen durch die Absperrung und betrat damit die magische Welt.
‘Was war das denn nun schon wieder, Ron? Und wann lernst du, dass Hermine diesen Spitznamen hasst? Wie jeden Spitznamen, der bis jetzt an ihr probiert wurde?’, dachte er während er das offene, schwarze Absperrgitter hinter sich ließ. Die scharlachrote Lokomotive dampfte bereits und die weißen Schwaden strebten zur Decke des versteckten Gleises. Ron polterte hinter ihm durch das Portal.  
“Hey, man sieht ja gar nichts”, maulte Ron, der seinen Freund suchte.
“Hier”, machte Harry auf sich aufmerksam und blieb stehen. Ron schloss auf und begann erneut zu sprechen:
“Danke, man, für’s warten. Mal ehrlich, findest du nicht, dass sie sich in letzter Zeit mehr wie ein Mädchen benimmt?”
“Ron! Du bist gemein. Es ist doch nicht so, dass sich ein Mensch plötzlich überlegt <Ach, ich bin ja ein Junge oder ein Mädchen, also benehm’ ich mich mal so>”, reagierte Harry gereizt.

Harry hatte keine Lust mehr dazu so über Hermine zu reden, sodass er seinen Gepäckwagen einfach auf dem Bahnsteig weiter schob.
‘Man, der hört sich ja heute an, wie Herms”, wunderte sich Ron und trottete grinsend hinter seinem besten Freund her. Hier und da nickten beide bekannten Gesichtern zu. Seit Voldemorts Erscheinen im Ministerium gab es keinen Zweifel mehr an Harrys Glaubwürdigkeit, weswegen einige Mädchen schmachtend da standen.
‘Als wäre Hermine oder Mädchen generell eine Ware’, schüttelte Harry seinen Kopf über die Bemerkung seines besten Freundes.
“Was’n los, Harry?”, schmatze Ron hinter Harry. Er hatte sich gerade einen Lakritz Zauberstab in den Mund geschoben, der ihm das Sprechen erschwerte.
“Nichts, Ron”, log Harry. “Ich habe nur das Gefühl, dass ich etwas vergessen habe.”
“Hast du. Du bist gerade an Cho vorbei gelaufen ohne sie eines Blickes zu würdigen”, meinte Ron und sah besagtem Mädchen hinterher. “Sie hat dich fast ausgezogen!”
“Das hat sich erledigt. Ich denke, ich war nur von ihr als Quidditchspielerin fasziniert. Natürlich, ihr hübsches Gesicht hat auch etwas dazu beigetragen.”

Ron gluckste und erreichte zusammen mit Harry die Mitte des Bahnsteiges. Sie blieben stehen und schauten sich suchend um. Konnte es sein, dass sich Hermine Granger tatsächlich verspätet hatte?
‘Sicher’, dachte Ron. ‘Dass er nicht einfach zugeben kann, dass er auf Hermine steht und das erst jetzt bemerkt hat. Als ob das so schlimm wäre oder ein Problem ist?’
“Hallo, Jungs! Wollt ihr da stehen bleiben oder reinkommen?”, drang eine Stimme von oberhalb aus einem der Abteilfenster zu ihnen. Ein braunhaariges Mädchen, das sich eine Strähne ihres langen und leicht buschigen Haares mit einer weißen Rosenspange nach hinten hielt, schaute aus dem Fenster hinaus.
“Hermine!”, keuchte Harry erschreckt. “Musst du mich so erschrecken?”
“Ich dachte, du hättest mich schon gesehen?”, gab Herine zerknirscht zurück.
“Ich komme nur, wenn du das nicht mehr machst.”
“Ich verspreche es dir, Harry”, grinste Hermine und verstand das Spiel, das Harry spielte. “Aber nur, wenn du jetzt auch rein kommst. Sonst mache ich es mir zur Jahresaufgabe, dich zu erschrecken”, neckte sie Harry. Er nickte und Hermine lächelte zufrieden. ‘Geht doch.’

Harry und Ron beeilten sich ihre Koffer aufzugeben und stiegen in den mittleren Wagen ein.
“Super, dass mit dem Abteil, Hermine”, begann Ron als er das Abteil durch die offene Tür betrat. “Hi, Luna.” Er nickte dem weißblonden Mädchen zu, dass schon im Abteil saß und eine Zeitung verkehrt herum las.
“Hallo, Ronald”, kam es verträumt von Luna. Die Jungs setzten sich, wobei sich Harry schräg gegenüber von Hermine setzte und so neben Luna saß.
“Lass mal plätze tauschen, Harry”, maulte Ron. Harry schaute kurz verdutzt, stand dann aber doch auf.
“Na schön”, kam es von Harry. Er setzte sich neben Hermine.  
“Harry”, begann Hermine. “Du weißt, dass man sagt, wer sich erschrickt, der versteckt etwas vor seinen Mitmenschen?”
“Ach was, ich doch nicht”, kam es ein bisschen zu schnell von Harry. Er versuchte möglichst unschuldig zu wirken. ‘Was das wohl sein könnte’, dachte sich Harry sarkastisch. Er dachte, es müsste mittlerweile doch jeder sehen.


***



Die ersten Wochen des Schuljahres waren anstrengend. Die neue Gefahr schwebte wie ein schlechter Geruch durch alle Gänge. Die Schüler taten ihr Bestes sich nichts anmerken zu lassen, doch die meisten hatten Angst oder zumindest Angst um jemand anderen. Der Tag vor dem neunzehnte September war daher nur ein Augenzwinkern nach dem Schuljahresbeginn.
“Harry?”, flüsterte Ron, da sie bereits in ihren Betten im Schlafsaal lagen.
“Ja, Ron?”, fragte Harry, der einfach nur noch schlafen wollte.
“Ich habe das Gefühl, dass morgen etwas ist, aber ich kann mich nicht dran erinnern, was”, antwortete Ron. Er hatte seine Bettvorhänge noch auf, weswegen er Harry erblicken konnte.
“Wie soll ich das denn wissen, wenn du es nicht einmal selber weißt?”, maulte Neville hinter den Vorhängen seiens Himmelbetts hervor.
“Mach den Schweigezauber um dein Bett, Neville. Habe ich auch gemacht”, maulte Dean und murmelte etwas unverständliches.

“ Was ist morgen für ein Tag, Ron?”, fragte Harry.
“Na, Donnerstag.”
‘Manchmal frage ich mich wirklich, ob er mich versteht’, lachte Harry.
“Warum lachst’ denn nun?”, fragte Ron sichtlich irritiert.
“Weil ich selber schon seit unserer Abfahrt von Kings Cross das Gefühl habe, dass ich ‘was vergessen habe. Welches Datum ist morgen?”, meinte Harry.

Harry hatte sich inzwischen aufgerichtet und zog die Vorhänge zur Seite. Er trug sein Gryffindor Shirt und sah, wie Ron das gleiche tat. Sie blickten einander ins Gesicht.
“Der neunzehnte September”, sagte Ron und blickte fragend auf die andere Seite des Raumes. “Sagt dir das ‘was?”

Harry grübelte nach, denn er wusste, dass das Datum ihm etwas sagte. Etwas Wichtiges. Er war schlecht dabei sich Daten zu merken und bewunderte Hermine immer wieder dafür, dass sie das sogar in Geschichte der Zauberei konnte.
‘Moment, Hermine. Sie hat morgen Geburtstag!’, dachte Harry und schlug sich mit der Handfläche gegen die Stirn. ‘Wie konnte ich das nur vergessen? Ausgerechnet dieses Jahr!’
“Was’n los, Alter?”, brummte Ron, der sich zwischenzeitlich zurück in sein Bett auf die Seite gelegt hatte. Er beobachtete immer noch Harry. Einen aufgeregt dreinschauenden Harry.
“Wir haben Hermines Geburtstag vergessen. DAS ist morgen!”
“Nicht dein ernst, oder? Was machen wir nun?”, fragte Ron erschrocken und richtete sich kerzengerade auf. Er strich sich mit der Hand das Pony nach hinten und dann mit den Fingern durch sein flammend rotes Haar.
“Ich…”, begann Harry. “Ich weiß es nicht. Es muss etwas tolles sein.”
“Dann lad sie auf ein Date ein und knutsch’ sie am Ende”, meinte Ron sarkastisch.
“Witzig”, maulte Harry. ‘Woher kann er das wissen, dass ich das am liebsten machen würde?’

Beide dachten angeregt nach. Was konnte man Hermine dieses Jahr schenken, an das sie in den nächsten Stunden bis zum Frühstück drankommen konnten.
“Ich hab’ eine Idee!”, rief Harry. “Wir laden sie zum nächsten Hogsmeade-Wochenende ein.” Er strahlte vor Freude und dachte, dass wäre eine super Idee.
“Super Idee, Harry. Warum nennst du es nicht gleich <Ein Date und das dritte Wagenrad>.”
“Es heißt <das fünfte Rad am Wagen>, Ron. Aber ja, die Idee ist vielleicht doch nicht soo gut.”
“Du hörst dich schon an, wie sie! Himmel, ich will nicht noch eine zweite beste Freundin, Harmine”, maulte Ron. Harry widerum dachte gar nicht lange nach, packte sein Kissen und warf es ein Bett weiter.
“Idiot”, lachte Harry. “Löst aber unser Problem nicht.”
“Wie wäre es mit ‘nem Gutschein für irgendein Geschäft?”, schlug Ron vor. ‘Immerhin, ein Kissen mehr.’
“Und wo sollen wir den bis morgen früh finden?”, stöhnte Harry. “Wir müssen etwas zaubern. Selber machen. Das könnten wir noch schaffen.”

Wieder herrschte Schweigen und beide dachten angestrengt nach. Sie zermarterten sich das Hirn dabei, doch eine Alternative wollte niemandem einfallen.
“Wie wär’s mit ‘nem Gutschein über Flugstunden für Herms? Immerhin kann sie das nich’ und eine Hexe muss doch fliegen können!”, schlug Ron vor und schaute fragend zu Harry hinüber.
“Meinst du, das könnte ihr gefallen?”, überlegte Harry und kratzte sich am Hinterkopf wie er es immer tat, wenn er nachdachte.
“Da bin ich mir sicher. Außerdem kann sie da auswählen, von wem sie wann welche Flugstunde haben will”, erläuterte Ron seine Idee. “So haben wir beide etwas für sie.”

Harry überlegte kurz und willigte dann doch ein. Etwas besseres fiel ihm ja auch nicht ein.
“Gut, dann steh auf. Wir müssen noch eine Karte zaubern und den Gutschein machen”, kam es von Harry, der schon unter seiner Bettdecke heraus geschlüpft war.
“Och, Himmel. Muss das jetzt sein?”, fragte Ron, der am liebsten in seinem Bett geblieben wäre.
“Natürlich”, rief Harry und sprang aus dem Bett und schlüpfte in seine Hausschuhe. “Sie hat morgen Geburtstag und nicht erst übermorgen!”


***



Am nächsten Morgen standen zwei ziemlich mitgenommene Gestalten unten im Gemeinschaftsraum und schienen auf jemanden zu warten.
“Wann kommt sie denn nun?”, maulte Ron, der vor müdigkeit fast am Umfallen war. “Und wir haben uns die ganze Nacht um die Ohren gehauen!"
“Nerv nicht. Wir hätten auch einfach früher an ihren Geburtstag denken und ihr ein richtiges Geschenk besorgen können”, zischte Harry, der sich ebenfalls nur gerade so auf den Beinen halten konnte. ‘Ich glaube, ihr gefällt unser Geschenk sicher nicht.’

Hermine war gerade im Bad fertig geworden und war nun bereit, um sich im Gemeinschaftsraum blicken zu lassen.
‘Was ich wohl zum Geburtstag bekomme?’, fragte sie sich und stieg die Treppen hinab.
“Guten Morgen, Hermine.” Ein strahlender Harry winkte ihr entgegen als sie die unterste Stufe erreicht hatte. Auch Ron winkte matt. Die Müdigkeit war kurz davor ihn zu übermannen.
“Hallo, Harry”, lachte Hermine. Sie ging schnellen Schrittes auf die beiden zu. “Hallo, Ron.”
‘Meine Güte, wie sehen denn die beiden aus? Dunkle Ränder unter den Augen? Können sich kaum auf den Beinen halten?´

Sie erreichte schließlich ihre Freunde, die aus der Nähe noch schlimmer aussahen.
“Alles Gute”, begann Ron und gähnte dabei ausgiebig. Er klopfte Hermine unbeholfen auf den Oberarm. Er war viel zu müde, um sie zu umarmen oder sonderlich agil insgesamt zu sein.
“Danke, Ron”, sagte Hermine überrascht. Harry zögerte nicht lange und umarmte Hermine kräftig.
“Alles liebe zum Geburtstag, Ems”, sagte er und hielt sie etwas länger als es nötig gewesen wäre. Er lächelte sie freudig an, obwohl man auch ihm die letzte Nacht ansehen konnte.
‘Was haben die nur gemacht, dass die so aussehen?’, dachte Hermine und bedankte sich für die guten Wünsche. ‘Hat er mich gerade wirklich <Ems> genannt?’ Sie überlegte und kam schließlich zu dem Schluss, dass das wirklich passiert war. ‘Wie der da wohl drauf gekommen ist? Immerhin besser als <Herms> oder <Mine>. Ich bin weder eine Eule, wie Hermes der Götterbote, noch eine Katze, wie die Animagigestallt von Minerva McGonagall.’

“Was ist mit euch los?”, begann sie. “Ihr benehmt euch wirklich seltsam.”
“Wir hatten ‘ne lange Nacht”, maulte Ron und stupste seinen besten Freund in die Seite.
“Äh”, kam es von Harry. Er hatte Mühe das Gleichgewicht nicht zu verlieren, denn Ron hatte ihn völlig überrascht. “Ja, wir haben hier ein Geschenk für dich. Zu deinem Geburtstag.” Er übergab einen himmelblauen Umschlag an Hermine.
“Das ist nett”, sagte sie und nahm den Briefumschlag entgegen. ‘Was das sein kann?’
“Du weißt noch nicht, was drinnen ist”, flüsterte Ron, doch niemand der beiden anderen hörte genau, was er sagte. Hermine schaute nur kurz zu ihm, widmete sich dann aber doch wieder dem Brief. Sie klappte die Lasche hinten auf und holte die Karte hinaus.
‘Ist das nun etwa ein Gutschein oder so etwas’, fragte sie sich gespannt.

Ihr blick fiel auf die Karte, die das Schlossgelände von Hogwarts zeigte. Auf der rechten Seite war etwa ein Drittel des Schlosses zu sehen. Davor erstreckten sich die Ländereien. Plötzlich flog ein Stiel von der linken Seite in die Szenerie hinein.
‘Was ist das?’ Hermine schaute gebannt auf die Karte und schon erschien an dem Stiel eine Hand, gefolgt von einem Menschen. Ein Mensch mit schwarzen Haaren und einer Blitznarbe auf der Stirn. Es war Harry auf seinem Besen, dich gefolgt von Ron auf seinem. Natürlich waren es keine exakten abbilder sondern Zeichnungen von ihnen beiden.
“Mach die Karte auf”, bedeutete Harry Hermine und dies tat sie auch gleich.

Liebe Hermine,

Wir wünschen dir alles gute zum Geburtstag! Ron und ich, wir, dachten uns, dass wir dir dieses Jahr einige Flugstunden mit uns beiden auf unseren Besen schenken. Ganz, wie Ron sagte, eine Hexe müsse fliegen können. Da können wir nicht verantworten, dass du da Angst vor hast. Wir freuen uns darauf dir deine Angst zu nehmen.

Harry + Ron

Hermines Blick wechselte immer wieder von der Karte über Harry zu Ron und wieder zurück zur Karte.
“D-Das”, begann sie. “Das ist nicht euer Ernst, oder? Ich hasse fliegen und nun das? Habt ihr sie noch alle?”, ereiferte sie sich.
“Äh”, war alles, was Harry heraus brachte. Hermine schaute beide voller Enttäuschung an.
“Wir wollten dir eine Freude machen!”, verteidigte Ron die Idee. ‘Wie kann sie nur unsere ganze Arbeit so mies reden?’

Es herrschte Totenstille. Keiner der Drei sagte etwas. Hermine faltete die Karte zusammen und steckte sie zurück in den Umschlag, als ihr ein Gedanke kam.
“Moment, Jungs. Das habt ihr in aller letzter Minute gemacht! Deswegen seid ihr so müde und seht aus, als hättet ihr euch von einem Panzer überfahren lassen?!” fragte Hermine, obwohl sie sich die Antwort schon denken konnte.
“Was is’n Panzer”, wollte Ron interessiert wissen. Harry und Hermine schauten ihn nur böse an.
“Ich glaube, das ist nicht der Zeitpunkt, um dir Muggel Erfindungen zu erklären, Ron”, sprach Harry und schaute traurig wieder zu Hermine.
“Ihr habt meinen Geburtstag vergessen und dann kam euch diese <tolle> Idee, oder irre ich mich? Warum habt ihr mir nicht einfach ein Hogsmead-Wochenende geschenkt? Nein, fliegen soll ich! Wie lange kennen wir uns nun schon? Und ihr vergesst einfach meinen Geburtstag”, maulte Hermine und steigerte sich immer weiter in die Sache hinein.
“Aber, Hermine. Wir dachte, dass könnte dir gefallen”, sagte Harry und schaute Ron mit seinem <Wusste-ich-es-doch>-Blick an.

Ron neben Harry wurde ganz klein, denn genau diesen Vorschlag hatte Harry gemacht und nun erschien es selbst ihm, dass der Vorschlag besser gewesen wäre.
“Wisst ihr was? Ich brauche euch nicht!”, sagte Hermine ruhig. Sie steckte den Umschlag in ihre Schultasche und ging eine Schritt von ihren Freunden zurück.
“Wir sind doch Freunde”, hoffte Harry Hermine zu beruhigen.
“Natürlich, aber sauer bin ich trotzdem. Ich zeige euch, dass ich euch nicht brauche, um fliegen zu lernen. Ich kann das durch Bücher lernen. Ich werde einfach alles lesen und ich bin mir sicher, dass ich das Fliegen nur mit Büchern lernen kann. Ich wette mit euch, dass das so klappt! Wir sehen uns am Samstag in zwei Wochen und da werden wir dann sehen.”

“Eine Wette?”, fragte Ron erfreut und hoffte, dass dies nun wieder etwas Humor in die ganze Sache brachte. Er liebte Wetten und nutze jede sich bietende Gelegenheit.
“Von mir aus auch eine echte Wette. Wenn ich verliere, dann bekommt ihr zwei Mal meine Hausaufgaben zum Abschreiben. Wenn ich gewinne, dann gehen die nächsten beiden Hogsmead-Wochenenden auf euch.” Schlug Hermine vor.
“Warum denn zwei?”, fragte Ron überrascht und Harry nickte bereits zustimmend.
“Eins für meinen Geburtstag und eins für den Gewinn der Wette”, lachte Hermine und verschwand aus dem Gemeinschaftsraum in Richtung Bibliothek. Wie immer in solchen Momenten, vergaß sie völlig das Essen.


***



Hermine war ihren beiden Freunden gar nicht lange sauer. Wie konnte sie auch? Harry benahm sich in den nächsten Tagen mehr als charmant. Man konnte fast denken, er würde ihr den Himmel zu Füßen legen, wenn sie nur darum bat.
‘Wie passend diese Redewendung doch ist’, dachte Hermine.

Die zwei Wochen waren schnell, wie im flug, vergangen. Sie stand bereits auf dem Quidditchfeld an diesem Samstag und wartete auf ihre beiden Freunde. Es war ein goldener Oktober und erstaunlich warm und sonnig. Die Vögel zwitscherten noch, aber jeder wusste, dass sie sich bald auf ihre Reise in wärmere Gefilde begeben würden.
“Da sind wir”. Sie zuckte zusammen, als sie aus dem nichts Rons Stimme hinter sich vernahm und drehte sich dann zu ihm um.
“Wunderbar. Habt ihr die Besen?”, fragte Hermine und ließ sich die nun in ihr aufkeimende Nervosität nicht anmerken. ‘Warum habe ich mich nur darauf eingelassen? Blödes Ego!’
“Aber sicher”, strahlte Harry seine beste Freundin an. “Hier, du kannst meinen haben.”
“Nein, danke. Ich nehme den Schulbesen. Deiner ist mir zu schnell”, stellte sie klar und griff nach dem alten Sauberwisch, den Ron bereit hielt. “Die Wette gilt noch?”, versicherte sie sich. was die beiden Jungen mit einem Nicken bestätigten

‘So, nun habe ich alles gelernt und dann zeige ich denen beiden mal, was eine Harke ist’, dachte Hermine und setze sich auf den Besen. Sie erinnerte sich an die Bilder, die sie in <Fliegen für totale Pappnasen und hoffnungslose Fälle> gesehen hatte.
“Das schafft sie nie”, flüsterte Ron siegessicher zu Harry und überlegte bereits, was er alles mit der gewonnen freien Zeit machen konnte, wenn er die Hausaufgaben nicht machen musste.
“Ich glaube, sie schafft das, ich bin mir da ganz sicher”, kam es von Harry.
“Mann, Alter! Auf welcher Seite stehst denn du?”, wunderte sich Ron, doch Harry blieb eine Antwort schuldig, denn er blickte nur zu Hermine.
‘So, und nun abstoßen und nur nicht abrutschen, drehen oder sonst wie fallen’, sprach Hermine die Anleitung aus dem Buch in Gedanken erneut durch. Sie hatte es so oft in der Bibliothek gelesen.  

Das Mantra hatte sie sich bei ihrer Recherche eingebläut und hoffte, dass es ihr nun half. Sie drückte sich vom Boden ab und begann zu schweben. Zum Glück war der Sauberwisch kein schneller Besen und so verlor sie nicht die Kontrolle. Sie war bereits ungefähr zehn Meter über dem Boden als sie den Besen etwas absenkte und in der Luft stehen blieb um die höhe zu halten. Auf dem Boden waren ein geschockter Ron und ein freudiger Harry zu sehen. Sie bewegte den Stiel und drehte eine kleine Runde über den Köpfen ihrer beiden Freunde.
“Super, Hermine!”, jubelte Harry. “Ich wusste immer, dass du das kannst. Schon damals, als wir Schnuffel geholfen haben.” Ein Schatten erschien bei dem Gedanken an Sirius auf Harrys Gesicht, doch heute waren alle schlechten Gedanken verbannt.
“Ja, total super”, kam es tonlos von Ron. “Wie kannst du dich auch noch freuen? Nun müssen wir sie einladen und haben zu allem überfluss auch noch die Wette verloren.”
“Ach, ich lade sie gerne ein, Ron. Außerdem, ich hab’s dir doch gesagt.”

Hermine landete wieder auf dem Boden, nach dem sie eine weitere kurze Runde geflogen war. Sie war sich sicher, ihr Hobby würde das niemals werden.
“So, meine Herren. Ich freue mich auf die nächsten beiden Hogsmead-Wochenenden”, meinte Hermine nur und gab Luftküsse zu den beiden. Ron nickte nur und erklärte sie zähneknirschend zum Sieger.

Er verabschiedete sich schnell, denn er musste versuchen noch einige Wetten anzunehmen, damit er die besagten Wochenenden finanziert bekommen würde. Harry und Hermine blieben einen Moment stumm vor einander stehen und lächelten sich nur an. Keiner wollte diesen Moment zerstören, doch dann sprach Harry doch.
“Würdest du noch einmal fliegen? Nur für mich?”, fragte er, was einem Flüstern glich.
“Aber nur, wenn du auch mit fliegst”, forderte Hermine ihn auf.
“Aber sicher”, sagte er und stieg auf seinen Feuerblitz. Er stieß sich vom Boden ab und stieg in die Luft. Zehn Meter, zwanzig Meter und dann drehte er den Besen Richtung Boden zurück. Er erblickte Hermine, die nur noch ein kleiner Punkt zu sein schien. Er stieg  hinab und blieb auf der gleichen Höhe stehen wie Hermine vorher.
“Komm schon”, sagte er und bat Hermine auch endlich in die Lüfte zu steigen.

Sie tat es und blieb neben Harry in der Luft stehen. Sie blickte ihn an und bemerkte, das Sie und die Besenstiele genau parallel zueinander waren.
“Und nun?”, fragte sie und blickte herausfordernd zu Harry.
“Höher”, lachte er nur und stieg weiter hoch. Er blieb bei zwanzig Meter stehen und Hermine folgte ihm. Sie lachte und blickte ihm nun tief in die Augen. Ihre Gesichter kamen sich näher.
“Noch höher!”, lachte nun Hermine und schon war sie weiter gestiegen. Sie war ihm entflohen.
“Pass auf!”, rief er ihr nach, denn er wusste, dass in dieser Höhe die Winde unberechenbar waren. Er sah, wie Hermine bei über siebzig Meter Höhe ankam. Sie hatte Harrys Warnung nicht mehr hören können. Die Winde in solchen Höhen trugen jedes Wort weit weg. Sie lachte ihn an, ohne auch nur ein bisschen Angst zu haben.

Leider zu spät. Eine Windböe erwischte Hermine und sie verlor das Gleichgewicht. Ihr Besen senkte sich zu Boden. Sie raste zusammen mit ihrem Besen gegen Boden. Sie wusste nicht, wie ihr geschah. Sie wusste nur eines, es würde gleich ein ziemlich hässliches Geräusch geben.
“Ems”, rief Harry und gab seinem Besen die sporen. Der Feuerblitz wurde von ihm auf Hochtouren gebracht. Das Rascheln des Sauberwischs wurde von dem Sirren des Feuerblitzes überdeckt, als dieser mit Harry neben Hermine ankam. Harry beugte sich auf seinem Besen stark zur Seite. Er griff nach dem Stiel von Hermines Besen, um ihn zu stabilisieren. Hermine war überrascht und ließ vor lauter Schreck ihren Besen los.
“Neeein, hilfe”, schrie sie und begann bereits nach unten zu rutschen.

Er wollte gerade seinen eigenen Besen verlassen, aber nun musste er mit seiner anderen freien Hand nach ihrer Hand greifen.
“Lass nicht los! Kannst du auf meinen Besen kommen?”, fragt Harry, während er Hermines Hand fest umklammert hält. Hermine erwachte aus ihrer Schockstarre und schwang ihre Beine geschmeidig um ihren Besen, um sich daran festzuhalten. Harry kletterte in der Luft von seinem Besen auf den Besen von Hermine.

Mit seiner Hilfe schaffte sie es sich hinter ihn auf den Besen zu ziehen. Sie hatte es geschafft und saß sicher hinter Harry auf dem Besen.  
“Meine Güte”, kam es von Hermine zwischen den Pausen, die sie beim Atmen machte. “Nun weiß ich wieder, warum ich fliegen hasse...Danke.”
“Du warst zu übermütig. Da oben muss man sich besser festhalten, Ems.” Harry lächelte sie an. Sie schluckte. “Da oben sind die Winde zu stark.”
"Danke, dass du mich gerettet hast. Aber was ist mit deinem Besen?”
“Der ist längst sicher zu Boden geflogen. Ist ein neues Sicherheitssystem, das mir in der Winkelgasse eingebaut wurde. Keine Sorge”, versicherte Harry ihr.

Hermine entspannte sich, denn sie wusste, dass es eines der Geschenke von Sirius war. Es bedeutete Harry daher noch mehr als es ein gewöhnlicher Besen schon tun würde.
“Warum nennst du mich eigentlich <Ems?”, fragte sie plötzlich. Es interessierte sie nun.
“Weil ich das schön finde und ich weiß, dass du <Herms> hasst.”
“Verstehe”, kam es nachdenklich von Hermine. ‘Kreativ, wenn man sich das so überlegt. Ein Kurzwort aus Hermine.’

Sie stiegen zusammen langsam gegen Boden. Die Hälfte des Weges war bereits durchflogen.
“Soll ich aufhören dich so zu nennen?”, fragte Harry vorsichtig.
“Nein”, kam es sofort von Hermine, bevor sie ergänzte: “ich mag den Spitznamen. Da kam vorher niemand drauf.”

Harry nickte und landete Sanft auf dem Rasen, Hermine auf ihrem Besen neben ihm.
“Freut mich”, gabe er verlegen zu. Hermine stieg vom Besen und wartete, bis Harry das auch tat. Er schwang sich sportlich von dem alten Schulbesen.
“Danke, Harry”, sagte Hermine erneut und nahm ihn in den Arm. Sie küsste ihn erst auf die Wange und dann überlegte sie es sich anders.

Sie löste sich etwas von ihm bevor sie ihre Arme um seinen Hals legte und ihn in einen vorsichtigen aber liebevollen Kuss zog. Harry war kurz von Hermines Aktion geschockt und doch erwiderte er den Kuss schnell. Er war nun genau da, wo er immer sein wollte. In den Armen seiner besten Freundin und sie küssten sich.  



Epilog:

Das Paar schlenderte gemütlich, die Zweisamkeit genießend zurück zum Schloss. Die Ereignisse des Tages waren doch ziemlich anstrengend gewesen. Zuerst hatte Hermine ihre Wette mit den beiden Jungs gewonnen, dann wäre sie fast gestorben und zu allem überfluss hatte sie einen ihrer besten Freunde geküsst.
Ihre Hand war mit der des Jungen neben ihr verschlungen, was sie und auch er, das konnte sie sehen, wenn sie zu ihm rüber sah, genoss.
“Ich hoffe, Ron hat meinen Rat beherzigt. Nicht, dass er am Ende noch wegen uns Geld verliert”, weihte Hermine Harry in ihre Gedanken ein
“Du meinst, dass er vielleicht eine Wette über uns abgeschlossen hat?”, lachte Harry. “Da bin ich mir sogar ziemlich sicher. Es ist Ron.”
“Na, dann hoffe ich für ihn, dass er für uns und nicht gegen uns gewettet hat. Genau das meine ich nämlich mit euren Wetten. Bei Personen, die man kennt, führt das ganz schnell zu Problemen.”
“Wir haben seit der letzten Aktion nur noch über weit entfernte Bekannte gewettet”, entrüstete sich Harry.
“Aber sicher”, lachte nun Hermine und küsste ihn erneut, was ihm zum Grinsen brachte.
“Er wird es merken, aber ich denke, er ist schlau genug”, gab Harry zu bedenken.
“Wir werden es sehen, aber gibt es überhaupt ein <uns>?”, fragte Hermine nun.
“Wenn du es möchtest, ja. Ich wünsche mir nichts sehnlicher”, sagte Harry und schaute konzentriert gerade aus.
“Natürlich, wie könnte ich nicht”, kam es aufrichtig von Hermine. Nun war es an Harry, sie in einen zärtlichen Kuss zu ziehen.
“Wie oft wurde uns das hier schon unterstellt und es stimmte nicht?”, fragte Harry als sie sich voneinander lösten. Er deutete auf ihre verschlungenen Hände.
“Oh, ich weiß nicht”, dachte Hermine laut nach. Sie lächelte verschmitzt. “Ein oder zwei mal, vielleicht. Höchstens.”
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