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Der Ring des Nibelungen - Thors Tattúr (Kamiaso Vorgeschichte)

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Fantasy / P12 / Gen
Baldr Hringhorni Loki Laevatein Thor Megingyoruzu
28.12.2017
19.04.2018
11
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28.12.2017 2.462
 
“AUA!!!"

„Gib es zu!!"

„Ich habe sie nicht!!!"

Das kleine Mädchen saß auf dem Bauch ihres großen Bruders, während sie mit ihren Fäusten auf ihn einschlug.

„Wie oft muss ich dir das sagen, Brynhild?! Ich habe deine Äpfel nicht!!!"

„Du hast aber den Beutel mit den Äpfeln zuletzt gehabt!!!"

„Ich habe nur einen Augenblick weggeguckt und dann war er weg!!"

„Du wirst mir sagen, wo du die Äpfel versteckt hast! Und zwar sofort!!"

Brynhild schnappte sich das Seil mit dem ihr Bruder eigentlich eine Hasenfalle bauen wollte und begann seine Fußgelenke zusammen zu binden.

„Was soll das jetzt?!"

Sie warf das andere Ende des Seils über den Ast eines in der Nähe stehenden Baumes und sprang vom Bauch ihres Bruders auf.

„Sag es jetzt, Thor!!!"

„Ich hab sie nicht!!!"

Sie zog mit ihrem ganzen Körpergewicht an dem Seil, der kleine Thor schrie spitz auf und er hing kopfüber am Baum.

„Lass mich runter Brynhild!!"

„Erst wenn du mir sagst, wo meine Äpfel sind!!"

„Ich habe sie nicht!!!", rief der kleine Götterjunge zornig, wobei sich sein Gesicht rot färbte vor Wut und durch seine verkehrtherum hängende Körperhaltung.

„Thor, was machst du denn da am Baum?", lachte eine schelmische Stimme, als zwei weitere Jungen auf der Lichtung auftauchten. Verwirrt und etwas belustigt standen die beiden vor Brynhild und Thor, während der rothaarige Junge einen leinenen Beutel mit verführerisch rot gefärbten Äpfel über die Schulter trug. Er und sein Freund knabberten grade an zwei davon.

„Du hast meine Äpfel gestohlen, Loki?!!!", schrie Brynhild.

„Das hätte ich mir denken können, dass du das warst!", warf auch Thor ein.

„Was?! Das waren deine Äpfel, Brynhild?!"

Erschrocken ließ der blonde Junge seinen halb aufgegessenen Apfel fallen.

„Ups…das wusste ich nicht…"

Loki grinste. Brynhild geriet endgültig außer sich.

„Das waren meine Äpfel!!!!! Ich habe sie ganz allein gepflückt!!!!"

„Tja, Balder hatte Hunger und wie heißt es so schön: Wer's findet, darf's behalten!"

Er lachte, Brynhild ließ das Seil los und Thor fiel hart auf seinen Kopf. Sie stürzte sich kreischend auf Loki, die beiden Kinder ringen am Boden hin und her, beide waren gleich stark, schlugen einander, zogen sich an den Haaren, wobei Loki Funken sprühen ließ, die Brynhilds Kleidung ansengte.

Während Loki fluchte und quietschte vor Schmerz, knurrte Brynhild nur vor Zorn. Thor, der sich von seinen Fesseln befreit hatte, eilte herbei und zog seine Schwester von Loki weg, Balder, der blonde Junge ging zu Loki und half ihm auf die Beine.

„Du wirst mir die Äpfel ersetzten, jeden einzelnen!!"

„Ja, sicher! Wenn Idun mich im Garten erwischt, kriege ich nur wieder von ihrem Vater Ivaldi Prügel!"

„Diese Äpfel sind nicht aus Asgards Garten!!" Brynhild lächelte dabei triumphierend.

„Wie bitte?"

„Die habe ich aus Manheim!"

Thor fielen fast, wie auch den anderen, die Augen aus, vor Ungläubigkeit.

„Manheim? Die Heimat der Menschen??!!"

„Ja!" Brynhild schwoll vor Stolz die Brust, machte sich so größer.

„Aber da darfst du nicht hin!! Vater hat es dir doch verboten!!!"

„Warum darf Balder nach Manheim und ich nicht!? Ich bin immerhin älter und stärker als er!!"

Thor schüttelte den Kopf und antwortete: „Ich darf auch nicht nach Manheim. Aber Balder darf auch nicht alles dort."

„Ja…", antwortete der kleine Balder, mit etwas schlechtem Gewissen. „Ich darf nicht in Bäumen klettern, besonders nicht in Obstbäumen oder Linden. Mutter meinte seit kurzem, in den Ästen lauert mein Tod."

Der Kleine blickte dabei verwirrt drein. Keiner der Kinder verstand was damit Frigg, die Königin der nordischen Götter und Balders Mutter, gemeint hatte, aber sie war auf jeden Fall besorgt um das Leben ihres Sohnes. Sie hatte nach seiner Geburt von jedem Lebewesen, von jedem Material, jeder Substanz, jedem Element, jeder Krankheit und jeder Witterung den Eid abgenommen, dass sie ihm nicht schaden würden, trotzdem war sie besorgt, besonders wenn Balder mit seinen Freunden im Wald oder in der Nähe von Bäumen spielte.

„Wenn Odin von deinem Ausflug hört, kriegst du Ärger, Brynhild!", warnte Loki mit hinterhältig funkelnden Augen.

„Das halte ich aus. Papa ist mir nie lange böse, ebenso wie bei Balder."

„Sicher, nur weil du seine Lieblingstochter bist!"

„Loki, sei nicht so gemein zu ihr!!", mahnte Balder.

„Loki hat aber Recht, Brynhild.", mahnte jetzt Thor. „Du bist zwar, wie Balder, Vaters Liebling, aber das solltest du nicht ausnutzten!"

Sie zog grimmig eine Schnute.

„Aber ich werde dir diese Äpfel aus Manheim holen! Das ist leicht!"

„Du traust dich doch eh net!! Jötunn-Gezücht!!"

„Selber! Du wirst schon sehen, Prinzessin! Ich werde es schaffen!"

„Traust dich nicht!"

„Trau ich doch!!"

„Traust dich nicht!"

„Trau ich doch!!"

„Traust dich nicht!"

„Trau ich doch!!"

„Jetzt hört beide auf!!", donnerte Thor, wobei es schien als ob auch der Himmel unheilvoll grollen würde. Er zog dabei seiner Schwester und seinen besten Freund an den Haaren, beide schwiegen sofort. Dann griff er nach dem Leinensack und teilte die Äpfel in zwei Haufen. Den einen Haufen steckte er wieder in den Beutel.

„So, und jetzt ist Ruhe!! Keiner wird nochmal nach Manheim gehen und Äpfel holen, klar!?"

„Klar…", tönten Loki und Brynhild schmollend wie aus einem Mund. Thor schulterte den Beutel.

„Wir gehen jetzt nach Hause, Brynhild." Thor fasste sie an der Hand und zog sie hinter sich her.

Loki streckte Brynhild im Nachhinein die Zunge raus. Da riss sie sich los, packte einen Stein und warf ihn nach Loki. Balder stellte sich schützend vor ihm, der Stein prallte an seiner Stirn ab, dieser verzog keine Miene, es hatte ihn nicht mal wehgetan und es würde nicht mal einen blauen Fleck geben.

„Du und deine Unverwundbarkeit!“, schimpfte sie, Balder schwieg.

„Eines Tages wird dich Loki umbringen, pass also auf Brüderchen!!"

Die Jungs waren über diese Aussage geschockt. Brynhild blickte nur todernst drein.

„Was sagst du da?!"

„Mich…umbringen?!!"

„Ich?! NIEMALS!!!! Ich könnte Balder kein Haar krümmen!!" Loki war auf einmal blass wie Kalk.

„Wie kommst du auf so eine Idee?!", fragte Thor, der nicht glauben wollte was seine kleine Schwester über seinen besten Freund gesagt hatte.

„Ich hab davon geträumt."

„Geträumt? Jetzt fang nicht schon wieder damit an!"

„Wenn es stimmt? Ich hab doch einmal geträumt wie du einen Kugelblitz in der Hand hattest und Papa hat am nächsten Tag gesagt, du würdest ein mächtiger Donnergott werden und hat Ivaldi gebeten dir eine Waffe zu schmieden!"

„Das war purer Zufall! Diese Waffe werde ich eh später bekommen wenn ich groß bin. Wovon hast du überhaupt genau geträumt?"

Brynhild entsinnt sich kurz über ihren Traum, holte dann Luft und erzählte: „Alles war in unheimliches Licht gehüllt, eine gigantische Lichtsäule ragte aus dem Meer, wie ein Baum. Sonne, Mond, Meer, Donner, Feuer und etwas aus der Unterwelt waren auch dabei, komischerweise auch sogar etwas das wie Saft aussah. Die haben alle versucht diese Lichtsäule zu durchbrechen."

„Du hast am Vortag wohl zu viel Saft getrunken!", plapperte Loki rein und lachte.

Brynhild fuhr fort: „Dann hast du, Loki, ein blau leuchtendes Schwert genommen und Balder in die Brust gestoßen!!!"

„Das war nur ein Traum!", meinte Balder, obwohl er bei der Vorstellung zitterte. „Außerdem… mich kann doch nichts verletzten."

„Du bist ja auch keine Völva, die die Zukunft vorhersagt, erzähle also keinen Mist!!"

„Du wirst schon sehen! Irgendwann wirst du versuchen Balder umzubringen, irgendwann!!"

„Du willst wohl Ärger haben!", knurrte Loki und schritt auf Brynhild zu. „Soll ich dich nochmal schlagen!!"

„Komm nur wenn du dich traust!!" Sie ballte bereits die Fäuste. Loki knackste mit den Knöcheln.

„Mit Vergnügen!"

„Hier prügelt sich heute niemand!!" Thor stellte sich zwischen die Streithähne. Wieder griff er nach Brynhilds Hand und zerrte sie energischer denn je weg.

„Wir gehen jetzt nach Hause! Mama wartet auf uns!"

Thor zog Brynhild hinter sich her, von der Lichtung weg, zu einen ausgetretenen Pfad.



„Entschuldige Thor, dass ich dich verprügelt habe, wegen der Äpfel…", sagte Brynhild schuldbewusst nach einer Weile.

„Musstest du so gemein zu Loki sein?!", fragte Thor.

„Ich hab doch gesehen was passieren wird! Balder ist doch unser Bruder, wir beide müssen ihn beschützen!"

„Ich finde es schon toll, dass du dich auch um ihn sorgst, obwohl er unser Halbbruder ist. Aber die Zukunft kann sich ändern."

Brynhild schluchzte auf einmal. Thor drehte sich zu ihr um.

„Was hast du denn?"

„Dieser Traum war so schlimm, ich habe mich danach zu Mama ins Bett geschlichen… Ich will nicht dass Balder stirbt!" Sie schluchzte heftig, als fürchte sie es würde ihre Schuld sein. Thor tätschelte sie zärtlich auf die Schulter.

„Ich doch auch nicht. Wir werden ihn beschützen, du, ich und Loki…"

Brynhilds Tränenfluss stoppte abrupt.

„Er nicht."

„Er ist aber mein Freund."

„Er macht aber immer alles kaputt und ärgert mich. Er bringt nur Unheil."

„Trotzdem ist er ein toller Kerl. Wenn du etwas netter zu Loki wärst, wirst du sehen was für ein toller Freund er ist."

„Ich weiß nicht…"

„Und Balder ist doch unverwundbar, mach dir also keine Sorgen…" Er streichelte dabei ihren dunkelbraunen Schopf.

Sie setzten ihren Weg fort, dabei schwiegen sie wieder eine lange Zeit.

„Thor.", sprach dann Brynhild. „Warum nimmt Papa uns nicht in Walhalla auf?"

Er seufzte: „Brynhild, du weißt doch! Vaters Frau Frigg duldet uns nicht dort, weil wir nicht ihre Kinder sind."

„Aber wir sind doch Papas Kinder und Balders Geschwister…"

„Ja, schon. Aber für Frigg zählt das nicht…" Man konnte in Thors Stimme deutlich hören, dass es ihm schmerzte von Vater und Bruder getrennt leben zu müssen. Er und Brynhild waren nur uneheliche Kinder des Odin. Deren Mutter, Jörd genannt, war wie Loki eine Jötunn und Geliebte des Odin. Nur hatte Odin Frigg geheiratet als Jörd mit Brynhild schwanger war. Zu der Zeit hatte es einen Krieg zwischen dem Götterstamm der Asen und die Jötunn gegeben. Um Jörd und ihre Kinder zu beschützten und das eigene Gesicht zu wahren, hielt Odin sie versteckt. Erst als der Krieg zu Ende war, konnte Jörd mit ihren Kindern ein freies Leben leben, nur ohne ihrem Geliebten. Frigg sah aber eine Gefahr in Thor und Brynhild da die beiden vor Balder geboren waren und fürchtete sie könnten irgendwelche Ansprüche erheben, daher hielt sie die beiden aus Walhalla fern, ließ es aber zu dass sie mit ihren Sohn Kontakt hatten. Ebenso, wenn aber auch widerwillig erlaubte sie ihrem Mann den Kontakt mit seinen unehelichen Kindern.

Thor blinzelte seine aufsteigenden Tränen weg und sprach zu Brynhild: „Vater hat uns aber versprochen uns eines Tages nach Walhalla auf zunehmen. Er wollte mich auch zu seinen Krieger machen."

„Und ich werde eines Tages Walküre!!" Brynhilds Augen strahlten dabei, es war seit Ewigkeiten ihr größter Traum.

„Komm, jetzt nicht schon wieder damit! Vater hat doch andere Pläne mit dir. Du sollst doch später heiraten."

„Ich will aber nicht heiraten!!", quengelte sie.

„Du bist aber ein Mädchen und Mädchen werden nun mal verheiratet."

„Ich will aber nicht wie andere Mädchen sein!! Ich werde Walküre und dann muss ich erst recht nicht heiraten, ha!"

Thor schüttelte nur seinen halbgeschorenen Kopf mit den grünen Haaren und dem dreifachen Blitzsymbol an seiner geschorenen Schläfe.

„Loki hat sich schon mal gefragt ob du wirklich ein Mädchen bist oder vielleicht doch ein Junge. Langsam frage ich mich das auch."

„Aber ich bin ein Mädchen!", quiekte sie und errötete vor Wut.

Thor lachte: „Weiß ich doch! Das stärkste und rauflustigste Mädchen das ich kenne!"

Auch Brynhild lachte laut und hell. „Ich hab dich lieb, großer Bruder…"

Die Kinder erreichten eine Hütte, die groß war und zwischen zwei Felsen stand. Ihre Mutter saß grade draußen und häutete einen Hirsch, den Odin ihr erlegt hatte. Jörd blickte auf, als die beiden kamen. „Ah, gut dass ihr kommt…", schnaufte sie lächelnd. Sie wischte sich mit ihrem Unterarm den Schweiß von der Stirn.

„Ihr beide könnt mir helfen das Gemüse für den… Brynhild!! Thor!! Wie sieht ihr beide aus!!!???"

Jetzt fielen den beiden erst auf, wie schmutzig und unordentlich ihre Kleidung aussah und auch die Haare waren verwuschelt.

„Loki und Brynhild haben sich mal wieder gestritten und ich musste dazwischen gehen.", erklärte Thor, nicht ganz unwahr. Brynhild starrte dabei auf ihre Füße, sie war es ja in Wirklichkeit, die Thor so zu gerichtet hat, weil sie dachte er hätte ihre Äpfel. Jörd seufzte verärgert.

„Verdammt nochmal, ihr beide lernt es wohl nie! Sich zu prügeln ist nicht gut!!" Dabei starrte sie ihre Tochter an. Dass sie sich mit anderen Kindern prügelte, meistens Jungs, war kein Einzelfall. Immer wenn man sie ärgerte, musste sie immer beweisen dass sie auch stark war, trotz dass sie ein Mädchen ist. Jörd ging in die Hütte holte große Wolltücher, frische Kleidung, einen Kamm aus Horn und einen kleinen Tontopf mit Seifenkrautsud drin. Das gab sie ihren Kindern.

„Marsch, sofort an den Fluss mit euch beiden und wascht euch!! Die Kleider könnt ihr gleich mit waschen. So lasse ich euch nicht an den Esstisch!!"

Gehorsam gingen sie zum Fluss und wuschen sich und die Kleider. Als sie heim kamen hatte ihre Mutter schon längst das Gemüse für den Eintopf geschnitten und das Fleisch schmorte bereits im Topf.



Loki und Balder saßen immer noch auf der Lichtung und aßen einen Apfel nach dem anderen.

„Hoffentlich habe ich nachher immer noch Hunger.", schmatzte Balder.

„Vater wollte jagen gehen. Hoffentlich bringt er mir ein Wildschwein mit!"

„Irgendwann schaffst du es ein ganzes Wildschwein auf einmal zu essen!"

„Wildschwein ist prima, aber jede Sorte Fleisch ist immer gut." Er freute sich schon sehr auf das Abendessen daheim. Loki zückte aus seiner Tasche sein Taschenmesser und schnitt einen der Äpfel zuerst in zwei Hälften, dann begann er an einer Hälfte herum zu schnitzten.

„Was machst du da?"

Loki war ganz konzentriert. Man konnte, nach einer Weile, schon eine gewisse Form erkennen.

„Guck mal!" Er hielt die Apfelfigur hoch.

„Toll Loki!" Balder staunte. „Ist das ein Bär?"

„Nein. Eigentlich sollte das, ein Hirsch sein…"

„Ah, jetzt sehe ich es!" Loki gab ihm diesen noch recht unförmigen Apfel-Hirsch.

„Ich habe ganz viel geübt. Irgendwann versuche ich einen Hasen hin zukriegen, der ist aber ganz schwer."

„Das schaffst du bestimmt, du hast immer tolle Ideen."

„Danke Balder…" Loki wurde so rot wie sein Haar.

Es kam schon bald die Nacht und die beiden machten sich auf dem Weg nach Hause…
 
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