Widerstand

KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
Kylo Ren Luke Skywalker
27.12.2017
27.12.2017
1
3396
2
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Ben Solo fühlte es. Da war ein leises Flüstern, ganz hinten in seinem Kopf. Verwirrt blinzelte der Junge und war einen verstohlenen Blick auf den Jungen neben sich. Aber der Jüngling schien voll und ganz in seiner Meditation versunken zu sein. Ihm war anscheinend nichts aufgefallen.

„Ben“ wisperte eine Stimme so nah an seinem Ohr, dass der junge Solo nicht anders konnte, als ruckartig seinen Kopf umzudrehen. Aber da war nichts. Um sie herum erhoben sich nur die Mauern des Tempels.

Der Schwarzhaarige presste seine Hände auf den Steinboden und atmete tief durch. Er versuchte, sich die Stimme seines Meisters in Erinnerung zu rufen. Mit seinen Gedanken tastete er sich tief in das Netz der Macht hinein, fort von dieser Stimme, die so nah an ihm war. Er wollte nichts hören, außer der Stille, die ihn immer zu umgeben schien, wenn er meditierte.

„Ben.“

Es knackte unter seinen Fingern. Der Junge neben ihm, Ali, sah ihn mit großen Augen an.

„Was ist denn das?“ fragte er und fuhr mit seinen Fingerspitzen über den gezackten Riss, der sich über die Fließe zog. Ben ballte die Hand so schnell zusammen, als hätte er sich verbrannt. Ali sah ihn an, mit seinen großen blauen Augen. Ganz tief darin glaubte Ben eine Funken Angst zu sehen.

„Ben.“

Er sprang auf die Beine und rannte bevor irgendjemand den Riss noch entdecken konnte. Die Blicke der anderen Jünglinge bohrten sich in seinen Nacken und er spürte etwas. Ganz hinten in seinen Gedanken. Und es machte ihm Angst.

Er hatte eine Fließe gebrochen. Er hatte etwas kaputt gemacht.

Seine Augen brannten auf einmal. Es war etwas wichtiges gewesen, das spürte er. Ob es gut oder schlecht war, das konnten seine Gedanken im Moment noch nicht entscheiden, aber sein Herz klopfte heftig gegen seine Rippen und er wusste etwas. Irgendwo in ihm drin, war etwas, etwas was diese Stimme ansprach, auf den es reagierte wie … wie ein Magnet.

„Ben Solo“wisperte die Stimme ein letztes Mal und diese Mal war es fast, als wäre sie direkt neben ihm, als würde ihm jemand direkt ins Ohr atmen. Sie war kalt und der Padawan glaubte jeden Moment Hände auf seinen Schultern oder ein Messer im Rücken zu spüren.

Dann war sie verschwunden und Ben taumelte fast vor Erleichterung. Es fühlte sich an, als wäre aus einem eiskalten See aufgetaucht und der Druck wäre endlich von seinen Ohren gewichen.

„Alles in Ordnung,“ fragte ihn ein Jüngling, ein kleines Mädchen, das ihm fast bis zur Hüfte reichte. Ihre komplexen Augen brachen das spärliche Licht im Tempel in tausende Farben. Ben ließ sich in die Hocke sinken und legte ihr beide Hände auf die Schultern.

„Natürlich Shota,“ sagte er lächelnd. „Es ist alles in Ordnung.“

„Okay“, entgegnete sie und machte sich los, ihren Kopf etwas schief gelegt, als wäre es ihr peinlich gewesen, Ben unterstellt zu haben, das etwas nicht stimmte.

„Bis dann.“ murmelte sie, bevor sie sich vollständig von ihm befreite und in die Entgegengesetzte Richtung lief. In der Entfernung glaubte Ben leises Gekicher auszumachen.

„Ach, der Fluch des Solo-Gens.“ brummte hinter ihm eine Stimme und Ben warf einen belustigten Blick hinter sich.

„Meister“ entgegnete er trocken.

„Ich erinnere mich noch sehr genau, wie dein lieber Vater seinen von der Natur gegebenen Vorteil gegen meine Schwester eingesetzt hat.“ Luke Skywalker lächelte ihn schelmisch an. „Sie wird daraus herauswachsen wenn sie erfährt, wie unfassbar schlecht du in der letzten Kampfkoreographie warst.“

Ben lachte leise.

„Ja mein Junge, ruhe dich auf keinen Fall auf den Lorbeeren deines Äußeren aus,“ Luke wedelte mit seinem mechanischen Finger vor seinem Gesicht herum und wenn Ben sich ganz genau konzentrierte, dann konnte er das leise knirschen der vielen kleinen Rädchen hören, die unter dem Lederhandschuhe versteckt arbeiteten.

Sein Meister warf einen Blick in die Richtung des Mediationssaals. Ben schluckte trocken. Die kindische Freude, die ihn einen Moment davor erfüllt hatte, war auf einen Schlag verschwunden. Stattdessen spürte er wieder diese Kälte seinen Rücken hinunterwandern.

„Meister …“ begann er, brach aber ab. Was wollte er sagen? Wie sollte er das erklären? Dieses Ding in seinem Kopf? Sein Meister würde es als eine verschwommene Wahrnehmung der Macht abstempeln. Als ein Hirngespinst!

„Ja mein Junge?“, sein Meister sah ihn aus blauen Augen, forschend an. Er wusste es, durchzuckte es Ben. Sein Meister wusste, was vorgefallen war. Dieser Gedanke hatte etwas tröstliches an sich, aber auch etwas bedrohliches. Es erinnerte den Jungen daran, wie viel er noch zu lernen hatte, wie viel ihm noch fehlte, um ein ganzer Jedi zu werden.

Aber er brachte es nicht über die Lippen. Diese Frage, die in seinem inneren zu Brodeln schien.

Was war falsch mit mir?


Ben träumte von Feuer. Von Hitze und Wut. Er wusste nicht wo er war, oder wer er war oder wann er war. Er wusste nur, dass alles um ihn herum brannte und zu Asche zerfiel.

Er sah einen großen Schatten. Ein schwarzes Cape, dass um die Schultern einer massigen Gestalt flatterte. Das Gesicht, verdeckt von einem schwarzen Helm.

Er wollte wegrennen, wollte aufwachen. Aber er konnte nicht, es fühlte sich an, als hätte ihn die Macht persönlich an diesen Ort gesperrt. Er konnte nur hilflos dabei zusehen, wie der Schatten, nein der Mensch, vor ihm sich langsam umdrehte.

Dann sah er ihn direkt an. Ben bildete sich ein, dass die Augen des Anderen ihn durchbohrten. Dann erwachte zischend ein rotes Lichtschwert in der Hand des Anderen.

Sith, durchzuckte es Ben, was wirklich nicht überraschend war. Der Padawan schloss die Augen und wartete darauf, dass ihn die Klinge durchbohrte. Vielleicht war das ein Echo eines längst verstorbenen Jedis. Vielleicht wäre gleich alles vorbei.

Doch der erlösende Stoß geschah nicht. Vielmehr, als Ben sich dazu überwunden hatte, die Augen wieder zu öffnen, wurde ihm der pechschwarze Griff des Lichtschwerts entgegen gestreckt.

Die Gestalt lehnte sich leicht nach vorne, den schwarzen Handschuh mit diesem Ding, Ben einladend entgegengestreckt. Ben glaubte, viel zu laut zu atmen, der Schweiß strömte ihm den Rücken hinunter und in seinem Kopf war nichts außer ohrenbetäubendem Rauschen.

Und dann sprach der anderen das erste und letzte Mal.

„Enkel.“

Ben erwachte schreiend.


Ein guter Padawan träumte nicht von Darth Vader, war das Fazit, das Ben Solo aus der Nacht zog. Und etwas stimmte nicht mit ihm. Ganz und gar nicht.


Das nächste Mal träumte Ben von Blut, dass seine Hände durchtränkte. Von Körpern, von Shota und Ali und Gareck und Ty’li, die um ihn herum lagen, bewegungslos. Von einem Flammenmeer, dass um ihn herum tobte, ihn selbst aber nicht anfassen wagte. Und von einem Gefühl der tiefsten Befriedigung.


„Meister,“ begann Ben und ließ sich umständlich im Schneidersitz gegenüber seines Onkels nieder. „Ich möchte gerne mit euch sprechen.“

Luke sah von dem Buch auf, dass er davor intensiv zu studieren geschienen hatte. Ben kam nicht darum herum, den alten Einband zu bewundern. Er war nicht nur alt, er war uralt. Das Leder schien fast wie Stein, so abgenutzt und hart schien es im Licht der Kerzen.

„Natürlich mein Junge“, entgegnete Luke. „Was dir auch immer auf dem Herzen liegt, du kannst es mir anvertrauen.“

Ben öffnete den Mund und fühlte plötzlich ein leises Ziepen in seinem Körper.

„Ben“, säuselte die Stimme.„Was willst du sagen?“

„Sei still“, hielt er in Gedanken entgegen.

Die Stimme, unbeeindruckt, lachte: „Meister, ich befürchte ein Sith zu sein? Sei nicht dumm mein Junge. Was glaubst du, wird dein geliebter Meister, dann mit dir tun?“

Ben kniff die Augen zusammen und biss sich auf die Unterlippe bis er Blut schmecken konnte. Er wollte nicht so werden. Er wollte seine Freunde nicht töten.

„Du bist ein Skywalker. Das ist dein Erbe“, zischte es in seinen Ohren. „Du gehörst der dunklen Seite. Du gehörst MIR.“

„Sei still“, brüllte Ben und dann knackte es laut. Entsetzt sah der Schwarzhaarige auf den gezackten Riss hinunter.

„Oh“, sagte Luke ganz leise, während seine Augen die Spalte bis zu den Fingern seines Schülers  zurückverfolgte.

„Meister“, wisperte Ben ganz leise, während er seine Arme um sich schlag. „Etwas stimmt nicht mit mir.“

Luke sah ihn lange an und Ben glaubte in seinen Augen eine Art Realisation erkennen zu können.

Er weiß es, schoss es dem Jungen durch den Kopf. Er wusste es schon die ganze Zeit.

Dann seufzte sein Meister und erhob sich schwerfällig. Er schien auf einmal älter. Seine Bewegungen waren nicht mehr fließend, sondern erinnerten Ben an die eines alten Manns, was sofort in ihm ein schlechtes Gewissen auslöste. Was fiel ihm ein, so über seinen Meister zu denken?

„Mein lieber Junge“, begann sein Meister und legte seine menschliche Hand auf das Haupt des Padawans. „Es ist an der Zeit, dass dir ein paar Dinge erzähle. Es geht auch um deinen Großvater.“

Ben senkte den Blick in seinen Schoß und versuchte die Stimme die „Enkel“ sagte und ihm eine Mordwaffe hinhielt, zu verdrängen. Darth Vader war ein Schreckgespenst, ein Monster von dem man kleinen Kindern und Jünglingen bei Kerzenlicht erzählte. Er war untergegangen, mit dem Rest des Imperiums. Und hatte sein Blut zurückgelassen.

Ben konnte auf einmal sehr genau jeden seiner Herzschläge hören und stellte sich vor, wie das Blut, das Blut eines Massenmörders, durch seine Adern pulsierte. Ihm wurde schlecht.

Luke saß gedankenverloren in die Ferne, Ben konnte nicht erkennen wohin genau. Aber vielleicht betrachtete sein Meister ja auch nur angestrengt das Muster der Wand.

„Vor langer Zeit, da war dein Großvater die Hoffnung des Jedi-Ordens“, begann der Mann. „Er war mächtig, genau wie ich mächtig bin, und meine Schwester und du. Aber er war auch wütend und vor allem, er war verwundbar. Damals benutzte ein Sith diese Schwächen deines Großvaters, und meines Vaters, um dessen Frau gegen ihn zu verwenden. Anakin Skywalker verlor am Ende alles, seine Frau, seine Ideale und am wichtigsten, sich selbst.“

Ben starrte den Anderen gebannt an. Man sprach nicht oft von Darth Vader, oder dem, was er davor gewesen war. Man beließ es bei Mythen, bei einem Schreckgespenst. Aber wirklich etwas von Darth Vader gehört, hatte Ben nur wenig. Manchmal ertappte er sich, darüber nachzudenken, ob er jemals so mächtig sein könnte.

„Aber weißt du, am Ende, da siegte das Gute in ihm. Im finalen Kampf, da entschied sich mein Vater für mich und gegen den Hass. Und das, denke ich, ist es was einen Skywalker ausmacht. Manche halten unser Blut für verflucht und ich kann verstehen wieso“, sein Meister sah wehmütig Ben an und drückte seine Schulter, „die Macht, die in uns lebt, ist etwas unfassbar Schönes aber auch etwas unfassbar Grausames. Aber ich will, dass du weißt, dass ein Skywalker, der am tiefsten fiel, am Ende das Gute erkannte. Ein Skywalker zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Macht einen überwältigt. Und es bedeutet auch nicht, dass die Dunkle Seite einem Dinge eröffnet, vor denen die Jedi nur Angst hatten. Das war die Falle, in die mein Vater trat. Und in die ich auch fast getreten wäre.“

Ben sah Luke mit großen Augen an.

„Ihr seit in …“ Luke nickte leicht. „Auch ich habe den Sog gespürt. Ich spüre ihn manchmal immer noch, aber auch ich war an dieser Schwelle, an der du dich gerade befindest. Aber egal wie verlockend die andere Seite scheint, ein Skywalker verliert nie das Licht in sich.“

Ben befeuchtete seine Lippen und kniff die Augen zusammen.

„Es ist kein Sog Meister. Ich höre Stimmen. Ich habe Träume“, er stockte ganz kurz und erlaubte sich die Schwäche, dass Tränen sich in seinen Augen sammelten. „Ich will euch nicht verraten. Ich will nicht alle töten.“

Luke sah ihn nachdenklich an. „Ah ja, da wären wir schon bei nächsten Thema. Die Stimme in deinem Kopf, das ist Snoke.“ Ben spürte, wie es ihn schüttelte.

„Und was will er von mir?“ fragte er trotzig. „Ich will nicht, dass er in meinem Kopf ist!“ Er konnte fast die Stimme lachen hören und die spöttischen Worte in seinen Gedanken Form annehmen ‚Ach wirklich? Du willst nicht diese Macht, die ich dir geben kann? Verkauf mich nicht für dumm Solo’.

„Niemand will Snoke in seinen Gedanken haben Junge. Und er will dich fallen sehen. Denn er braucht dich. Deine Macht, sie ist unbeschreiblich. Und etwas angst einflößend um ehrlich zu sein.“ Ben dachte daran, wie Ali ihn angesehen hatte, wie dieser Funke Angst in seinen Augen gelodert hatte.

„Ich will nicht, dass sich die Leute vor mir fürchten! Er kann in die dunkle Ecke des Universums zurück, aus der er gekommen ist!“

Luke lachte laut. Ein befreites Lachen, entschied Ben, als wäre ihm ein großer Stein vom Herzen gefallen.

„Das ist der Solo in dir. Und deine Mutter. Sie hatte schon immer die bessern Gene und die Starrköpfigkeit hast du ja doppelt in einer DNA!“

Ben lächelte ganz schwach.

Auf einen Schlag war sein Meister wieder toternst. „Ich freue mich, dass du mit mir gesprochen hast, Ben. Schlimme Dinge können geschehen, wenn man Dinge unausgesprochen lässt!“

Ben zog den Kopf ein und rang mit sich selbst, bevor er die letzte Frage stellte, die ihm auf der Zunge lag.

„Habt Ihr jemals Angst gehabt, dass ich …“, weiter kam er nicht. Die Kerze zuckte in der Luft, geformt durch die unsichtbaren Luftströmungen, die den Tempel durchzogen.

Sein Meister antwortete nicht sofort, vielmehr saßen sie beide schweigend nebeneinander und sahen der Kerze bei ihrem hypnotischen Tanz zu. Fast hätte sich Ben damit zufriedengegeben, dass Luke diese Frage vielleicht nie beantworten würde. Aber dann holte sein Meister tief Luft.

„Ja“, lautete die schlichte Antwort und Ben spürte einen Stich von Wut in seinem Herzen und den bitteren Geschmack von Verrat. „Ja, von Anfang an, hatte ich die Befürchtung, dass du mir eines Tages über den Kopf wachsen würdest. Deine Kraft, sie ist unglaublich. Und ich hatte Angst, dass ich dich nicht auf den rechten Weg weisen könnte.“ Ben wollte sich wegdrehen, sich unter seinen Decken verkriechen und vor allem nach Hause. Er sehnte sich auf einmal fast schmerzlich nach dem Milleniumfalken, nach Chewbacca und nach seiner Mutter, dem verschmitzten Lächeln seines Vaters und nur Weg von hier. Von der Stimme. Von dem Flammenmeer, dass er immer noch hinter seinen Liedern tanzen sah, in der tiefen Nacht.

„Aber ich fürchte mich auch, dass ich eines Tages falle“, fuhr Luke fort und drückte den Jungen näher an sich. „Wir Skywalker laufen immer eine sehr schmale Linie, das stimmt, aber jetzt habe ich keinen Zweifel mehr daran, dass der Massenmörder wohl noch ein paar Generationen überspringen wird.“

Gegen seinen Willen musste Ben leise lachen. In den Augen seines Meisters tanzte die Flamme.

„Du wirst nicht fallen Ben. Denn du bist stark. Genau wie dein Großvater es war, als er sich entschied, sich gegen das Böse zu stellen.“


Ben träumte immer noch von Feuer, von Hass und von Blut. Er meditierte härter, verschloss seinen Geist so fest er konnte, aber es gelang der Stimme immer noch manchmal durch die Ritzen zu kriechen, die er in seiner Abwehr hatte.

„Du kannst wie dein Großvater sein“, zischte sie lockend.

„Ich bin wie mein Großvater“, entgegnete Ben und perfektionierte seine Kampfkoreographie. "Ich führe sein Erbe weiter."

„Ich sollte anfangen, die Frauen vor dir zu verstecken mein lieber Padawan“, sagte Luke, wahrscheinlich nicht dem Mentalen Streit bewusst, den sein Neffe ausfocht. „Jetzt steckt hinter deinem Aussehen ja anscheinend langsam wirklich mehr.“

Ben ließ sein Übungsschwert langsam sinken und strich sich die Strähnen aus dem Gesicht. Sein Blick glitt durch die Arena, über den sandigen Boden, hinauf zu den Holzbänken, die mit Jünglingen gefüllt waren, die ihn anstarrten.

Er neigte den Kopf in Richtung seines Meisters.

Er war sicher.


Der Tempel brannte lichterloh und Ben umklammerte die kleine Hand in seiner während er den Jüngling hinter sich her zog.

„Meister“, rief er verzweifelt, während er panisch versuchte, nicht an seine Träume zu denken. Er war es nicht gewesen. Er hatte nichts getan. Er war besser geworden, hatte widerstanden, wieso also war trotzdem alles so?

„Ben“, ertönte es aus einer Nische. „Hierher.“

Blind folgte er der vertrauten Stimme, bis er hustend in einen kleinen Raum stolperte, der gefüllt mit verängstigten Kindern. Die Luft stank geradezu nach Angst. Sie waren darauf nicht vorbereitet gewesen. Hatte Ben sie hergeführt? Diese Männer und Frauen mit ihren Blastern und Gleitern? Waren sie dem roten Faden gefolgt, den seine Verbindung mit Snoke vielleicht darstellte?

„Ben“, sagte Luke und Ben riss sich von dem Anblick all der aufgerissenen Augen los und sah in die seines Meisters.

„Wieso?“ wisperte er und ballte die Hände zu Fäusten. Hier waren nicht genug Kinder. Es mussten noch welche im Tempel sein. Sie brannten und schrien wahrscheinlich um Hilfe. Und er stand hier und konnte nichts tun. All die Jahre des Trainings, für nichts.

„Ben“, wiederholte Luke und schien stumm all dem zu widersprechen, was durch den Kopf des Jungen zuckte.

Dann wand er sich den Schülern zu. Ben musste daran denken, dass auch alle für ihn zusammenbrach. Das hier war die Zukunft gewesen, die Luke Skywalker hatte aufbauen wollen. Dies hier war seine unbewusste Buße gewesen, für die Untaten seines Vaters und gleichzeitig der Weg in eine strahlende Zukunft.

„Nimm die Schüler und bring sie von hier weg. Nimm das Shuttel und flieh. Kehr zurück und erzähle allen, was vorgefallen war.“ Luke sah Ben nicht direkt an.

„Meister, ich bin noch nicht bereit dafür. Ich kann euch nicht einfach zurück lassen. Lasst mich kämpfen, dann bleibt den Kindern immerhin ein fähiger Lehrer erhalten!“ widersprach er, teils aus Reflex, teils aus tiefster Überzeugung. Er konnte und würde seinen Meister nicht einfach so zurück lassen.

Der drehte sich zu ihm um und lächelte ihn traurig an. Dann schüttelte er langsam den Kopf. „Ach Ben, niemand ist jemals bereit hierfür. Aber manchmal müssen wir tun, was das Schicksal von uns verlangt.“

Wortlos entzündete er sein Lichtschwert und Ben spürte wie alle Augen auf den Lichtstrahl gezogen wurden. Er selbst konnte nicht von dem Gesicht seines Onkels, seines Lehrers, seines Freundes, wegsehen.

Es roch nach verbranntem Haar, als Luke Skywalker Ben Solo aus dem Padawandasein entließ.

Es roch nach Asche und Tod als Ben Solo die Kinder in das Shuttle scheuchte, seinem Vater dafür dankte, dass er ihm seinen Waghalsigen Flugstil beigebracht hatte und schwor, wieder zukommen, sobald alle in Sicherheit waren und Luke holen würde.

Er würde nicht zulassen, dass das hier das letzte mal war, das er seinen Meister sah.

„Sag deiner Mutter“, hatte der Jedi gesagt „dass sie sehr stolz auf dich sein.“

Ben ballte seine Hand um den geflochten Zopf und zerquetschte ihn förmlich gegen die Lenkung. Er würde diese Bastarde nicht gewinnen lassen. Er würde kämpfen. Und er würde die Jedi nicht sterben lassen.

________________________________________________________________________________________
Hab ich irgendeine Ahnung, wie das wirklich abgelaufen ist, der Fall von Kylo Ren? Nein. Hab ich das aufgrund der einzigen Szene geschrieben, die wir aus Star Wars 9 haben, die sich damit befasst? Ja. Habe ich irgendeine Ahnung, ob Luke überlebt, Rey gefunden wird und wie dieses AU eigentlich aufgebaut ist? Nicht wirklich. Würde ich mich über Reviews freuen? Definitv. Ist dies wieder einmal ein perfektes Beispiel dafür, dass reden wichtig ist? Jap.
LG Anemonenfisch
Review schreiben