Goddamn Island

von Telda
GeschichteDrama, Krimi / P18
Hermine Granger Kingsley Shacklebolt Lucius Malfoy Severus Snape
27.12.2017
05.01.2018
10
17.405
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Dieses Kapitel
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30.12.2017 1.814
 
Tach^^
nicht nur Euch, sondern auch mich lässt diese Geschichte im Moment nicht los. Ich nehme an, Ihr seid nicht böse über ein neues Kapitel^^
Ganz herzlichen Dank für Eure Empfehlungen und die Sternchen, die Ihr an meinem Himmel so entzündet habt^^
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Hermione Granger richtete sich auf und streckte ihren Rücken durch. Der tat nicht mehr so weh wie vor ungefähr einem Monat, als sie mit der Arbeit in Snapes Kräutergarten begonnen hatte, zwei Tage, nachdem sie und Kingsley auf Askaban angekommen waren.

Von außen betrachtet war nicht sehr viel passiert in dieser Zeit. Aber sie hatte eine Menge gelernt und erfahren. Über die Freundschaft zwischen Malfoy und Snape zum Beispiel. Aber vor allem über den harten Überlebenskampf, der auf Askaban jeden Tag geführt wurde. Und darüber, warum es unmöglich war, von dieser Insel zu entkommen.

Während eines heftigen Sturmes ein paar Tage nach ihrer Ankunft, der alle außer Snape in den Häusern hielt – Snape war einfach unglaublich, wenn er der Meinung war, dass er seine Pflicht oder das, was er sich als solche auferlegt hatte, erfüllen musste. Also hatte er trotz des Wetters seinen Rundgang draußen gemacht – während dieses Sturmes also hatte sie mit Malfoy ihre Ideen für ein Entkommen von der Insel diskutieren wollen.

Malfoy jedoch hatte nur abgewinkt und sie spöttisch gefragt, ob sie glaube, dass er und Severus nicht längst alle Möglichkeiten durchdacht hätten. Und dann hatte er ihr erklärt, dass man nicht einmal mit Muggelmethoden von dieser Insel wegkommen könnte. Die Ressourcen würden nur den Bau eines kleinen Bootes zulassen und das hätte bei dem Wellengang und den Klippen vor der Insel keine Chance, überhaupt keine. Außerdem, selbst wenn der unwahrscheinliche Fall einträte und man durch die Klippen käme – die Entfernung zum Festland war für ein kleines Boot einfach viel zu groß.

Mit magischen Mitteln kam man ebenfalls weder von der Insel herunter noch auf die Insel. Sonst könnte ja jeder beispielsweise mit einem Besen auf die Insel fliegen – und auch wieder weg. Severus hatte versucht, mit seiner Fähigkeit zu fliegen von der Insel wegzukommen und war gescheitert. Die einzige Verbindung zum Festland war ein kleines Verschwindekabinett in der Größe eines Muggel-Briefkastens, über das die Essensrationen auf die Insel und Post sowie der Müll, den man nicht verwerten konnte, aufs Festland gelangten.

Hermione seufzte und bückte sich wieder, um die im Schutz der Klippen sauber angelegten Kräuterbeete von Unkraut zu befreien.
~~~~~~


Malfoy, Snape und King waren am Morgen nach dem Frühstück zur täglichen Patrouille aufgebrochen und standen in diesem Moment etwas erhöht und überblickten beinahe die ganze Insel. Weiter unten und ein Stück entfernt konnten sie das Dorf sehen. Heute war es erstaunlicherweise beinahe windstill und aus den Schornsteinen stieg der Rauch fast senkrecht in die Luft.

Dass man auf der Insel heizen und kochen konnte, war auch einer Initiative von Lucius zu verdanken. Ihm war klar gewesen, dass der kleine Wald, den es auf der Insel gab, nicht ewig ausreichen würde, wenn ständig Bäume abgeholzt werden mussten, um zu kochen und zu heizen. Also hatte er vorgeschlagen, dass die Dorfbewohner die Samen der krüppeligen Kiefern sammelten, Setzlinge daraus zogen und so neue Bäume pflanzen konnten. Das war zwar eine mühselige und langwierige Angelegenheit, aber es würde sich lohnen, wenn auch erst für künftige unfreiwillige Bewohner der Insel.

Außerdem nutzte jedes Haus auf der Insel sogenannte Heizsteine. Sie wurden ins Feuer gelegt, so erhitzt und dann im Haus verteilt, so dass sie ihre Wärme abgeben konnten. Deshalb brauchte man keine riesigen Feuer, um die Häuser zu erwärmen, sondern nur kleine Feuer zum Kochen – und verbrauchte dadurch weniger Holz.

Natürlich hatte es anfangs Leute gegeben, die nach der Devise handelten 'Nach mir die Sintflut' und nicht einsehen wollten oder konnten, dass es wichtig war, die Ressourcen der Insel nachhaltig zu nutzen. Aber nachdem Scabior - ein unsympathischer Typ, der als Greifer für Voldemort gearbeitet hatte - und ein paar Kumpane dabei erwischt worden waren, dass sie illegal Bäume fällten und deshalb von der Dorfgemeinschaft heftig verprügelt worden waren, war das abschreckend genug gewesen, so dass es sich nicht wiederholte.

Plötzlich zerriss ein lauter, spitzer Schrei die Luft.

„Das klang nach Granger!“ stieß Lucius hervor und im gleichen Augenblick stand er allein auf dem Hügel. Auf seiner einen Seite war schwarzer Rauch empor gewirbelt und davon geschossen, auf seiner anderen Seite hatte ein riesiger Adler seine Schwingen ausgebreitet und stieg mit einem lauten kriegerischen Schrei in den Himmel...
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Als sie von groben Händen plötzlich gepackt wurde, konnte sie gerade noch einen lauten Schrei ausstoßen, bevor sie fortgezerrt wurde. Sie wehrte sich nach Kräften und machte es ihren Gegnern absolut nicht leicht, sie einfach fort zu schaffen. Ihre Ausbildung als Aurorin hatte sie auf Angriffe vorbereitet, auch von mehr als einem Gegner. Aber gegen fünf brutale Männer hatte sie keine Chancen. Dennoch gab sie nicht auf und wehrte sich weiter heftig.

Plötzlich fiel sie zu Boden, weil die Hände, die sie gepackt hatten, verschwanden. Ein lauter, durchdringender Schrei eines riesigen Vogels ertönte und der Adler stürzte sich mit weit vorgestreckten Fängen auf die drei noch stehenden Männer. Zwei lagen bereits bewegungslos am Boden, ein dritter sackte gerade ebenfalls bewusstlos zusammen.

Merkwürdigerweise schien nichts die drei am Boden liegenden Männer berührt zu haben. Sie waren nicht niedergeschlagen worden. Weshalb lagen sie jetzt also bewusstlos da? Hermione riss ihren Blick von dem riesigen Adler los, der mit seinem scharfen Schnabel einen der Männer attackierte und ihm mit seinen Schwingen und den langen, messerscharfen Fängen wuchtige Schläge versetzte und tiefe, blutende Wunden schlug.

Dann sah Hermione schwarzen Rauch wirbeln und plötzlich wusste sie, wer sie gerettet haben musste. Doch wo kam der Adler her? Als endlich auch der letzte Mann zu Boden ging, schossen auf einmal aus dem schwarzen Rauch Seile hervor und fesselten die Männer.

Der Adler landete elegant neben Hermione und nachdem er die riesigen Flügel zusammengefaltet hatte, verschwamm seine Kontur für einen Moment und dann – stand plötzlich Kingsley neben ihr!

Ungläubig starrte Hermione ihren ehemaligen Chef an, der in diesem Augenblick ein so finsteres Gesicht machte, wie sie es noch sehr selten bei ihm gesehen hatte. Nichts war da von dem freundlichen Lächeln des ehemaligen Chefaurors zu sehen, dessen Augenbrauen finster zusammengezogen waren, während er auf die Männer blickte, die Hermione beinahe entführt hätten.

Ein Geräusch neben ihr ließ Hermione herumfahren. Severus Snape war ebenfalls neben ihr gelandet. Doch er sah nicht sie an, sondern wandte sich mit einer spöttisch erhobenen Augenbraue an Kingsley.

„Sieh' an, der Chefauror hat noch ein paar verborgene Talente. Wann hattest Du vor, uns davon zu erzählen?“

Kingsley zuckte die Schultern. „Eigentlich gar nicht, denn ich habe nicht gedacht, dass es wichtig werden könnte. Ich bin ein geheimer Animagus. Die Registrierung wurde schon vor vielen Jahren magisch verschleiert, als ich Chefauror wurde. Es wissen nur ganz wenige Leute davon.“

„Aber ist Dir denn nicht klar, wie uns das helfen könnte? Mit Magie kommt man nicht von dieser Insel. Ein Animagus ist aber nicht von Magie beeinflusst, sondern ist eine Fähigkeit des Körpers!“

Kingsley erstarrte und auch Hermiones Gedanken begannen zu rasen. Wenn das möglich wäre...!

Severus Snape schnitt jedoch mit einer energischen Handbewegung jede weitere Diskussion über diese neue Erkenntnis ab. „Lasst uns erst mal diese Typen wegschaffen. Sie widern mich an!“ Und mit diesen Worten warf er sich einen der Kerle nicht eben sanft über die Schulter und zerrte einen zweiten hinter sich her. Kingsley folgte seinem Beispiel und Hermione schnappte sich den letzten Kerl.

Gemeinsam schafften sie die Männer ein Stück die Felsen hinauf, weit außerhalb des Dorfes, und ließen sie dann dort liegen. Ihre Kumpane würden sie irgendwann suchen und finden, falls sie nicht vorher das Bewusstsein wiedererlangten.

~~~~~~~


Am Abend dieses ereignisreichen Tages saßen die drei Männer und Hermione in der 'Festung' zusammen und sprachen über die Möglichkeiten der neuen Erkenntnisse. Kingsley hatte am Nachmittag noch versucht, den magischen Schirm um die Insel zu überwinden – und er hatte es geschafft!

Das eröffnete in der Tat vollkommen neue Möglichkeiten! Doch eine zweite Fähigkeit, die bei der Überwältigung der Männer sichtbar geworden war, beschäftigte zwei der vier Menschen ebenso.

„Du beherrschst stablose Magie?“ hatte Hermione verblüfft gefragt, nachdem sie gemeinsam die fünf Möchtegern-Entführer fortgeschafft hatten. Doch auch über dieses Thema hatte Severus in diesem Moment nicht diskutieren wollen.

Nun allerdings musste auch darüber gesprochen werden, nachdem Kingsley gerade dieses Thema aufgebracht und gefragt hatte, seit wann Severus diese Fähigkeit besaß.

„Ich habe bereits als Kind in Spinner's End gezaubert, stablos, da ich ja noch keinen Zauberstab besessen habe. Dass das eigentlich verboten war, wusste ich damals nicht. Und hätte ich es gewusst, glaube ich kaum, dass es mich gekümmert hätte.“

Kingsley lachte. „Das glaube ich Dir sofort.“

„Und später“, fuhr Severus grinsend fort, „hat sich herausgestellt, dass es ausgesprochen nützlich war. Irgendwelche Typen haben öfter versucht, mich zu entwaffnen. Es hat ihnen nicht viel genutzt. Aber ich habe darauf geachtet, dass es nicht allgemein bekannt wurde, was ich konnte.“

Er schwieg einen Moment nachdenklich. Dann sprach er weiter. „Ich habe nie verstanden, warum man einen Zauberstab brauchen sollte, um Magie zu wirken. Eigentlich könnte das jeder, aber die wenigsten machen sich darüber Gedanken. Ihr jedoch werdet Euch jetzt damit beschäftigen. Es könnte wichtig werden.“

Die folgenden Tage vergingen wie im Flug, während Hermione und Kingsley sich in stabloser Magie übten.

Hermione fand es gar nicht so schwer und konnte inzwischen nicht mehr verstehen, warum sie nicht selbst darauf gekommen war. Jedes magisch begabte Kind hatte im Alter von drei, vier Jahren seine ersten, unkontrollierten Magieausbrüche, wie sie leidvoll am eigenen Leib erfahren hatte. Nachdem in ihrer Gegenwart immer öfter merkwürdige Dinge passiert waren, galt sie bald als unheimlich und seltsam und wurde von den anderen Kindern mehr und mehr gemieden.

Kingsley hatte etwas mehr Schwierigkeiten, aber das war kein Wunder. Sein gesamtes bewusstes Leben war er daran gewöhnt gewesen, mit einem Zauberstab zu arbeiten. Die gleiche Magie nun ohne Stab zu wirken war ungewohnt und anstrengend für ihn. Doch er gab nicht auf, übte verbissen und nach drei Wochen bestätigte ihm Severus ein wenig spöttisch, dass er es leidlich geschafft habe. Er sagte, er würde ihm ein 'Annehmbar' geben und grinste sarkastisch.

Erst jetzt konnten sie sich daran machen zu überlegen, wie sie ihre neuen Möglichkeiten am Besten nutzen könnten, um – nein, nicht von der Insel zu kommen, denn das wäre nach wie vor nur Kingsley möglich, sondern um Kontakt mit dem Festland aufzunehmen.

„Was ist, wenn wir Harry informieren? Er hätte die besten Möglichkeiten, insgeheim Nachforschungen anzustellen“, schlug Kingsley vor.

Doch Severus Snape schüttelte entschieden den Kopf. „King, Du kannst derzeit niemandem im Ministerium trauen. Nicht, solange wir nicht wissen, wer ein Interesse daran gehabt hat, Euch aus dem Weg zu schaffen!“

Er dachte kurz nach. „Die einzige absolut vertrauenswürdige Person, die ich kontaktieren würde, ist Minerva McGonagall. Sie ist die Einzige, die derzeit in meinen Augen über jeden Verdacht erhaben ist!“