Goddamn Island

von Telda
GeschichteDrama, Krimi / P18
Hermine Granger Kingsley Shacklebolt Lucius Malfoy Severus Snape
27.12.2017
05.01.2018
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29.12.2017 1.839
 
Ich hab noch eins für Euch und ich glaube nicht, dass Euch das stören wird *gg*
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„Wir sollten uns jetzt aber erst mal den für Ihr Überleben hier wichtigen Dingen widmen“, forderte die leise Stimme von Severus Snape nun die Aufmerksamkeit.

„Es gibt auf dieser Insel zwei Gruppierungen, eine halbwegs friedliche und eine absolut aggressive. Die friedliche ist die größere Gruppe, lebt hier im Dorf und umfasst etwa um die zweihundert Personen, von denen nur ungefähr ein Drittel weiblich ist. Die aggressive Gruppe besteht aus derzeit zehn Individuen“, er spuckte das Wort geradezu aus, „die oben in den Felsen in einer Höhle hausen.“

Severus wandte sich Lucius zu. „Bloomsbury und Hancock haben mir Zeichen gegeben. Ich bin noch nicht sicher, ob wir sie aufnehmen sollten. Es könnte eine Falle sein.“

Lucius nickte und Severus fuhr an Kingsley und Hermione gewandt fort. „Wir befinden uns hier etwa auf dem Stand des frühen Mittelalters. Was wir selbst produzieren können – wie zum Beispiel ein paar landwirtschaftliche Produkte wie Getreide und etwas Gemüse – produzieren wir. Es gibt einen Bäcker, einen Müller, zwei Schneiderinnen, einen Schuster, einen Tischler, Fischer und Bauern und einen Salzsieder. Gehandelt wird auf Tauschbasis. Es gibt kein Geld. Um den wirtschaftlichen Aspekt dieser Gemeinschaft kümmert sich Lucius. Ich bin mehr für die Sicherheit verantwortlich, braue allerdings auch dringend benötigte Tränke. Und hier komme ich zum Punkt.“

Er hielt kurz inne und schaute dann Hermione an. „Wenn Sie Dinge benötigen, müssen Sie etwas zum Gegenwert anbieten können. Ein paar der Frauen haben eine eigene 'Bezahlmethode', aber ich nehme an, die würde Ihnen nicht zusagen“, und ein diabolisches Grinsen huschte kurz über sein Gesicht, als Hermione empört den Kopf schüttelte und errötete. Er nickte und sprach weiter.

„Das dachte ich mir. Dennoch müssen Sie etwas zur Gemeinschaft beitragen. Ich gehe davon aus, dass Sie die grundlegenden medizinischen Tränke noch brauen können?“

Als Hermione bejahte, fuhr er fort: „Dann werden Sie mich da entlasten können. Aber ich warne Sie. Sie werden auch ganz spezielle Tränke brauen müssen.“

Hermione legte fragend den Kopf schräg. „Zum Beispiel welche?“

„Verhütungs- und wenn nötig, Abtreibungstränke. Nachdem zwei Kinder auf der Insel kurz nach der Geburt an den harschen Bedingungen hier gestorben und ein weiteres getötet worden waren, haben die Frauen beschlossen, keine Kinder mehr bekommen zu wollen.“

„Aber woher bekommen Sie die nötigen Zutaten?“

„Die Tränke, die hier möglich sind, basieren alle auf Kräutern und die baue ich selbst an. Ich wäre Ihnen verbunden, wenn Sie mich auch da unterstützen würden.“

Er wartete Hermiones Zustimmung gar nicht erst ab, sondern wandte sich nun an Kingsley.

„Dich möchte ich bitten, mich in Sachen Sicherheit zu unterstützen. Ich sagte es bereits, unsere Gesellschaft hier ist weitgehend friedlich, dennoch gibt es die üblichen kleineren Delikte. Diebstahl zum Beispiel. Deine Erfahrung und Dein Spürsinn würden mir hier sehr helfen, zumal ich im Grunde genug damit zu tun habe, die Gruppe oben in den Felsen im Auge zu behalten.“

Nachdem Snape sich Kingsley zugewandt hatte, konnte Hermione ihn endlich genauer betrachten. Er sah – jünger und frischer aus, als sie ihn je zu Hogwarts-Zeiten gesehen hatte. Gut, das an sich war kein Kunststück, aber die ungesunde Blässe war verschwunden und er sah, so weit sie das beurteilen konnte, fit und gut trainiert aus. Wenn er wirklich, wie sie aufgrund seiner Gesichtsfarbe und Beschaffenheit seiner Haut annahm, den größten Teil des Tages bei Wind und Wetter draußen verbrachte, dann war das insgesamt wirklich kein Wunder. Nichts, absolut gar nichts erinnerte mehr an die bleiche Kerkerfledermaus mit der teigigen Haut und den tiefen Falten im Gesicht. Das Einzige, was sie noch an ihren ehemaligen Lehrer erinnerte, war sein Sarkasmus und seine so wandelbare Stimme.

Aber auch Lucius Malfoy schien sich verändert zu haben, so weit sie das nach ihrer kurzen Begegnung damals im Manor noch im Gedächtnis hatte. Sie dachte nicht gerne daran, ganz bestimmt nicht. Aber die Erinnerung hatte ihren absoluten Horror verloren, seit sie als Aurorin so viele schreckliche Dinge gesehen hatte, dass ihr eigenes Erleben ihr immer geringfügiger vorkam.

Auch Malfoy hatte seine vornehme Blässe verloren. Er sah nicht ganz so wettergegerbt aus wie Snape, aber auch er schien sich oft im Freien aufzuhalten. Und er sah ebenso trainiert aus wie Snape. Wenn sie die Gegebenheiten der Insel in Betracht zog, dann war das auch erklärlich, denn anscheinend gab es hier häufiger Kämpfe, die mangels Magie scheinbar mit bloßer Körperkraft ausgetragen wurden.

Snape hatte recht, dachte sie. Allein wäre ich hier verloren...

Dann forderte die Erwähnung eines Wortes wieder ihre Aufmerksamkeit – Essensrationen.

Malfoy erklärte gerade, dass die Essensrationen vom Festland einmal in der Woche kämen und die Dinge enthielt, die man auf der Insel nicht selbst herstellen konnte. Außerdem wären sie als einzige Ernährung auf die Dauer eher ungesund, da sie in der Hauptsache aus Konserven bestand, die zum Beispiel Fleisch und Wurst enthielten. Auch einige wenige Milchprodukte, wie Käse und Butter kamen vom Festland.

Plötzlich fiel Hermione etwas ein und sie platzte mit einer Frage heraus.

„Wieso kommen – wieviele? Einhundertfünfzig? - so viele Männer nicht gegen die relativ kleine Gruppe da oben an?“

Lucius Malfoy übernahm es zu antworten – mit einer Gegenfrage. „Töten Sie gern, Miss Granger?“

Sie stutzte und schüttelte dann beschämt den Kopf.

„Sehen Sie, wir auch nicht. Und was sollen wir anderes mit denen da oben tun? Wir können sie nicht - wie es die magische Welt tut - einfach irgendwohin abschieben. Außerdem agieren sie niemals offen, sondern immer aus dem Hinterhalt. Und sie sind unbelehrbar.“

Ganz langsam begriffen sowohl Hermione als auch Kingsley, mit welchen Schwierigkeiten die beiden Männer ihnen gegenüber seit Jahren zu kämpfen hatten.

Severus Snape hatte bewusst nicht geantwortet. Er wusste, welchen Ruf er noch immer in weiten Teilen der magischen Welt Britanniens hatte und war nicht sicher, ob Granger ihm seine Antwort, die ebenso ausgefallen wäre wie die von Lucius, geglaubt hätte. Ob sie Lucius glaubte, konnte er natürlich auch nicht einschätzen, aber vielleicht – war dessen Antwort wirksamer, als seine es gewesen wäre, wegen der Schockwirkung, die er deutlich erkennen konnte.

Und dann dachte er zurück...

Fünf Jahre zurück

Lucius hatte zum Erbarmen ausgesehen. Es hatte Monate gedauert, bis die Wunden geheilt waren und er wieder eher wie ein Mensch und nicht wie ein wandelndes Skelett aussah. Gemeinsam hatten sie zwischendurch die Ruine instandgesetzt, in der Lucius so lange dahinvegetiert war. Und auch das trug dazu bei, dass der einst so stolze Mann wieder zu Kräften kam.

Die Hütte hatte einen strategisch äußerst günstigen Standort, war mit der Rückseite gegen den Felsen gebaut. Als Severus diese Rückwand ausbessern wollte, entdeckte er einen breiten Riss in der Felswand dahinter und als er ihn näher untersuchte, stellte er fest, dass dahinter ein großer Hohlraum lag, den sie nach und nach freiräumten und in weitere Zimmer und Lagerräume unterteilten.

Als Lucius endlich wieder voll einsatzfähig gewesen war, hatten sie sich gemeinsam zum ersten mal in der Dorfgesellschaft gezeigt. Und natürlich kam es, zwar nicht sofort, aber bald danach so, wie es Severus vorhergesehen hatte. Sie wurden angegriffen. Da war ihre 'Festung' aber bereits fertig und sie konnten den Angriff erfolgreich zurückschlagen.

Als sich das herumgesprochen hatte, kamen in der folgenden Nacht heimlich etliche Bewohner des Dorfes und baten um Hilfe. Es waren ausgemergelte Gestalten, die da in der Hütte auf dem Boden hockten und von dem brutalen Alltag im Dorf berichteten.

Severus hatte dann gefragt, auf wen man im Dorf zählen könnte und es waren viele Namen genannt worden. Also entwickelte er einen Plan...Es war nicht nur wichtig, die Leute von der brutalen Unterdrückung durch ein paar wenige zu befreien, sondern auch, ihnen eine Perspektive zu bieten, die ihnen wieder ein Gefühl für ihren eigenen Wert geben würde. Denn dieses Gefühl war vielen in der relativ kurzen Zeit auf der Insel bereits vollkommen abhanden gekommen.

In den nächsten Tagen hatte es heftige und blutige Kämpfe gegeben, bis sich die Clique um Yaxley und Goyle endlich zurückgezogen hatte.

Nach und nach hatte sich dann ein mehr oder weniger funktionierendes Dorfleben eingestellt. Lucius hatte ziemlich genaue Vorstellungen davon, was auf der Insel möglich sein würde und er begann damit, einzelne Leute mit brauchbaren Fähigkeiten zu bestimmten Arbeiten einzuteilen. Dabei hatte sich dann gezeigt, dass sie auch ohne Magie nützliche Dinge entweder fertigen oder aber wenigstens ausbessern konnten.

Zunächst hatten einige davon dann geglaubt, dass sie sich nun eine Sonderbehandlung erzwingen könnten, weil sie etwas taten, was andere nicht konnten. Doch dem hatte wiederum Lucius schnell einen Riegel vorgeschoben. Er hatte am eigenen Leib erfahren, was es bedeutete, allein auf sich gestellt überleben zu wollen. Er stellte ganz klar, dass jeder, der zur Dorfgemeinschaft beitragen würde, auch seinen Anteil an allem erhalten würde, was er benötigte. Mehr konnten sie auf der Insel sowieso nicht schaffen.

Nach einigen nächtlichen Überfällen auf das Dorf von seiten der Clique um Yaxley und Goyle hatte die Dorfgemeinschaft beschlossen, alle überschüssigen Waren in Lucius' und Severus' Festung zu lagern. Das bewies Severus am deutlichsten und besser als tausend Worte, dass man ihm vertraute. Ihm und Lucius. Und er würde dieses Vertrauen nicht enttäuschen...

Er wurde aus seinem gedanklichen Rückblick gerissen, als Granger fragte, warum sie auf der Insel keine Tiere zur Fleischgewinnung hielten. Er verdrehte die Augen.

„Granger, sind Sie schon wieder – oder immer noch - so weit weg davon, die Gegebenheiten der Insel realistisch einschätzen zu können? Die Insel ist zu klein, um beispielsweise genügend Rinder zur Milch – und Fleischgewinnung halten zu können. Außerdem, so naiv können nicht einmal Sie sein zu glauben, dass man es uns hier freiwillig angenehmer gestalten würde.“

„Ich glaube“, warf nun Lucius Malfoy ein, „dass es nun genug für Ihren ersten Tag hier auf unserer von allen Göttern verlassenen Insel ist. Wir werden jetzt essen und dann zeige ich Ihnen, wo Sie schlafen können.“

Als Hermione am Ende dieses Tages vollkommen erschlagen in dem Bett lag, das man ihr zugewiesen hatte, in einem eigenen, winzigen Zimmerchen, konnte sie trotz ihrer Müdigkeit nicht einschlafen. Sie überdachte alles, was sie heute über die Insel erfahren hatte. Nie im Leben hätte sie sich träumen lassen, mal ohne Magie in einer beinahe mittelalterlichen Gemeinschaft zu landen.

Hinzu kam die erschütternde Erkenntnis, dass jemand bewusst und scheinbar bereits lange und gründlich darauf hingearbeitet hatte, sie und Kingsley aus der Welt zu schaffen. Zumindest aus der zivilisierten Welt, ohne Rückfahrtschein.

Sie dachte an das Gerichtsverfahren zurück. Die Dokumente, die scheinbar bewiesen, dass sie und Kingsley sich über Jahre am öffentlichen Eigentum bereichert hatten, waren nicht als Fälschungen erkennbar gewesen. Da es jedoch Fälschungen sein mussten...konnten sie nur in der Muggelwelt derart meisterhaft gefälscht worden sein. Sie hatten beide verzweifelt darauf hingewiesen, aber das Gericht hatte diesen Einwand nicht gelten lassen und als unbegründet zurückgewiesen. Sie sah noch immer Harrys schockiertes Gesicht vor sich.

War er schockiert vom Beschluss des Gerichts oder davon, dass diese Dokumente scheinbar ihre verbrecherischen Aktivitäten bewiesen? Sie wusste es nicht, denn Harry hatte sich anscheinend nicht ein einziges mal darum bemüht, mit ihr oder Kingsley zu sprechen. Ganz langsam spürte sie, wie Misstrauen in ihr hoch kroch...Wem konnten sie denn dann noch vertrauen?