Goddamn Island

von Telda
GeschichteDrama, Krimi / P18
Hermine Granger Kingsley Shacklebolt Lucius Malfoy Severus Snape
27.12.2017
05.01.2018
10
17.405
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Dieses Kapitel
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28.12.2017 1.667
 
Hey^^

auch hier für dieses Jahr das letzte Kapitel^^
Und beachtet bitte, dies wird KEINE Romanze, auch wenn Eure Lieblingscharas vorkommen. Vielleicht, aber auch nur vielleicht, wird sich das am Ende andeuten, aber mehr nicht!
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Severus Snape beachtete die beiden Neuzugänge zunächst nicht, sondern wandte sich an Lucius Malfoy.

„Alles wieder ruhig. Ich hoffe, dass sie es sich diesmal gemerkt haben, aber ich fürchte, dass das nicht der Fall sein wird.“

„Was hast Du mit ihnen gemacht?“ fragte Lucius und wieder verzog sich sein Mund leicht spöttisch.

„Das Übliche“, erklärte Snape daraufhin mit einem Schulterzucken. Dann griff er nach einem Stuhl, schwang ihn herum und setzte sich rittlings darauf. Er legte die Arme auf die Lehne, stützte sein Kinn darauf und schaute Kingsley und Hermione eine Weile nachdenklich an.

„Granger, machen Sie den Mund zu. Sie sehen töricht aus“, sagte er dann ungeduldig.

Kingsley, der sich endlich von seinem Schock erholt hatte, fragte plötzlich: „Severus, um Merlins Willen, was tust DU hier auf der Insel?“

Kurz blitzte etwas in den schwarzen Augen auf, aber es verschwand so schnell, wie es gekommen war, wieder. „Das ist eine lange Geschichte, die eigentlich an einem gemütlichen Kamin bei einem Glas Brandy erzählt werden sollte.“

Er wandte sich mit einem spöttischen Funkeln in den Augen zu Lucius um. „Haben wir eigentlich noch Brandy?“

Lucius verdrehte die Augen, dann schüttelte er den Kopf. „Ich habe schon lange vergessen, wie Brandy überhaupt schmeckt, das solltest Du eigentlich wissen. Nicht sehr freundlich von Dir, mich an die verlorenen Freuden des Lebens zu erinnern.“

~~~~~~


Kingsleys Gedanken rasten. Was tat Severus Snape auf dieser Insel? Nach dem Krieg und zwei Jahren Rekonvaleszenz, die man dem schwarzhaarigen und schwer verletzten Mann zugestanden hatte, begann sein Gerichtsverfahren vor dem Zauberergamot und es endete zwei Monate später mit einem Freispruch. Dafür hatten sich etliche aus dem Orden vehement eingesetzt, nachdem die wahre Rolle des Doppelspions bekannt geworden war. Vor allem Minerva und Harry, aber auch Hermione und er selbst hatten sich dafür stark gemacht.

Nach der Urteilsverkündung war Severus Snape als freier Mann mit wirbelnden Roben aus dem Gerichtssaal gerauscht – und von diesem Moment an fehlte von ihm jede Spur. Es hieß, er sei zunächst in sein Elternhaus zurückgekehrt, aber als ihn Minerva zwei Monate nach der Urteilsverkündung dort besuchen wollte, hatte das Haus einen bereits lange verlassenen Eindruck gemacht.

Seither hatte sie nie aufgegeben nach ihm suchen zu lassen. Er blieb jedoch verschwunden und allmählich setzte sich in der Öffentlichkeit die Meinung durch, dass er anscheinend nicht gefunden werden wollte.

Und nun saß er ihnen auf Askaban gegenüber!

Die Stimme Snapes riss ihn aus seinen wirbelnden Gedanken.

„Es gibt wichtigere Dinge zu besprechen als die Vergangenheit und...“

„Ja, zum Beispiel, warum Sie sich hier offensichtlich wieder mit einem Todesser verbündet haben!“ unterbrach ihn Hermione.

„Auch das, Miss Granger, hat Zeit und tut jetzt nichts zur Sache“ blockte er kalt und wandte sich wieder Kingsley zu.

„Dann haben sie Euch also jetzt erwischt. Ich habe schon lange vermutet, dass da jemand im Ministerium schwer daran arbeitet, bestimmte Personen aus dem Weg zu schaffen.“

Kingsley hob erstaunt eine Augenbraue. „Du hast das vermutet? Wie das?“

Eine schwarze Augenbraue wanderte zu einem spöttischen Lächeln nach oben. „King, ich lese Zeitungen. Eines der wenigen Luxusgüter, die man uns hier zugesteht.“ Dann erhob er sich und begann im Raum auf und ab zu laufen, während er sprach.

„Euch zu ermorden, wäre nicht klug gewesen. Also musste man etwas anderes finden. Was hat man Euch vorgeworfen? Massive Unterschlagungen öffentlichen Eigentums, nicht wahr? Es ist beinahe die einzige Sache, mit der man Euch tatsächlich öffentlich derart diskreditieren konnte, wenn man es beweisen würde. Und das hat man getan, nicht wahr? Und Ihr konntet die Beweise nicht widerlegen.“

Er hob gebieterisch eine Hand, als Granger ihn erneut unterbrechen wollte. „Granger, verschonen Sie mich mit Erklärungen. Ich habe nicht behauptet, dass ich den Quatsch glaube. Aber die Richter haben es getan! Und deshalb sind Sie beide hier. Auf wie lange lautete das Urteil? Die neuesten Zeitungen kommen erst morgen, wie auch die Essensrationen“, setzte er hinzu.

„Zwei Jahre“, knirschte Granger.

Nachdenklich nickte Snape. „Und ich bin sicher, Sie könnten bis an Ihr Lebensende warten, und kein Portschlüssel würde Sie zurück in die zivilisierte Welt holen. Aber nur so kommt man von dieser Insel herunter.“

„Dann werde ich Harry schreiben. Oder Minerva. Es muss doch auffallen, dass wir nicht zurückkehren, wenn unsere Strafe abgesessen ist!“ regte sich Hermione auf.

„Vergessen Sie es, Miss Granger“, mischte sich Lucius ein. „Solche Nachrichten erreichen ihre Empfänger nie. Oder glauben Sie, dass ich mich hier freiwillig länger aufhalte? Man würde auch in Ihrem Fall eine Geschichte in die Welt setzen, die glaubwürdig erklärt, warum Sie und Mister Shacklebolt nicht wieder in der magischen Welt auftauchen.“

Hermione sackte in sich zusammen, als ihr klar wurde, was Malfoy da andeutete. Er selbst sollte angeblich vor zwei Jahren bereits entlassen worden, danach aber irgendwo untergetaucht sein. Sogar seine Frau und sein Sohn hatten diese Geschichte geglaubt. In ihrem ersten Schock hatte sie überhaupt nicht daran gedacht, dass auch Lucius gar nicht mehr hier auf der Insel sein sollte...

„Aber warum?“ flüsterte sie fassungslos.

„Auch darüber reden wir später. Das Wichtigste jetzt ist, dass Sie ein Dach über dem Kopf und etwas in den Magen bekommen“, bestimmte Lucius. „Leider können wir es derzeit nicht riskieren, Sie beide in eins der leerstehenden Häuser einzuweisen. Da Sie wie wir alle keine Zauberstäbe mehr besitzen, wären Sie nicht in der Lage, einen Überfall mehrerer Männer abzuwehren. Und um solch eine Gruppierung hat sich Severus vorhin gekümmert. Glauben Sie mir, denen wollen Sie ganz sicher nicht in die Hände fallen.“

Hermione schaute hilfesuchend zu Snape, aber der nickte nur sehr ernst.

Verzweifelt ließ Hermione ihren Kopf in die Hände sinken. Sicher, mit einem oder zweien könnte sie es aufnehmen, aber wenn es stimmte, was Malfoy angedeutet hatte – und sie bezweifelte es nicht mehr – dann hatte sie keine Chance, schon gar nicht, wie er gesagt hatte, als 'Frischfleisch'.

Sie begann zu zittern. Erst der Schock der Urteilsverkündung, dann der Portschlüssel auf diese gottverlassene Insel und obendrein noch die mehr als düsteren Aussichten – das alles forderte jetzt seinen Tribut. Sie holte tief Luft und biss die Zähne zusammen. Sie.Würde.Jetzt.Nicht.Heulen!

Severus Snape warf Lucius Malfoy einen Blick zu, der ganz klar anzeigte: 'Ich hab's Dir doch gesagt! Sie ist kein schwaches Frauenzimmer.' Und Lucius nickte leise lächelnd. Er hatte seinen Freund schon lange nicht mehr so aktiv gesehen und er hoffte, dass sie jetzt endlich einen Weg finden würden, um …

Nein, so weit wollte er noch nicht denken. Es war gefährlich, sich hier auf Askaban Träumen hinzugeben. Das hatte er auf die harte, sehr harte Tour gelernt.

Sieben Jahre zurück

Als er hier angekommen war, damals, hatte er noch die Illusion gehabt, dass die Gemeinschaft der Todesser hier erst recht zusammenhalten würde. Doch das Gegenteil war der Fall gewesen. Da keiner von ihnen mehr seinen Zauberstab besaß und sie alle somit keine Magie mehr anwenden konnten, zählte nur noch körperliche Überlegenheit. Und auch, wenn er selbst kein schwächlicher Typ war, so hatte sich doch sehr schnell herausgestellt, dass er gegen Typen wie Yaxley und Goyle nicht ankam. Und diese beiden blieben nicht lange allein. Sehr schnell bildete sich ein 'oben' und 'unten' heraus, mit brutaler Gewalt durchgesetzt.

Schlägereien waren an der Tagesordnung und sehr bald etablierte Yaxley mit der Hilfe seiner Mitläufer eine Hierarchie, die auf Folter, Vergewaltigung und sogar Mord basierte.

Wer 'unten' war, bekam nur noch halbe Essensrationen, gelegentlich auch gar keine. Und er selbst war bald 'unten', ganz unten. Die mangelhafte Ernährung hatte ihn immer schwächer werden lassen, so dass er bald unten am Strand nach Muscheln und Schnecken suchte und sie roh hinunterschlang, weil er ohne Magie nicht einmal ein Feuer entzünden konnte, nur um nicht zu verhungern.

Wie oft er geschlagen, getreten und missbraucht worden war, konnte er nicht mehr zählen. Sein Körper war von Geschwüren bedeckt, die sich in den offenen Wunden gebildet hatten. Er fror ständig, denn sein Körper hatte nicht mehr die Reserven, um Wärme produzieren zu können.

Dann eines Nachts, hörte er, wie die Tür der Ruine, in der er damals hauste, leise aufgeschoben wurde. Seine Peiniger würden sich nicht die Mühe machen, leise zu sein, also war er sich darüber im Klaren, dass da jemand nicht gesehen werden wollte. Auch wenn er mit einem Bein bereits im Grab stand, sein Kopf funktionierte noch einwandfrei. Er verhielt sich still und wartete ab.

Plötzlich flammte da ein kleines Feuer auf! Wie betäubt hatte er auf die Wärme verheißenden Flammen gestarrt, als er eine sehr vertraute Stimme knurren hörte: „Sag' jetzt nicht, dass ich Dich auch noch ans Feuer tragen muss!“

In seinem Kopf hatten sich die Gedanken überschlagen und er war zunächst zu keiner Bewegung fähig gewesen. Endlich hatte er sich so weit aufrappeln können, um dicht zum Feuer zu kriechen. Und es tat so unendlich gut...

Dann hatte ihn eine Hand an der Schulter gepackt und ihm einen Teller mit Suppe und einem Löffel darin hingehalten. „Iss langsam, sonst kotzt Du alles wieder aus. Und dazu ist es zu schade“, hatte die gleiche Stimme geknurrt. Und er konnte noch immer nicht glauben, dass dies wahr war. Aber er griff nach dem Teller und löffelte gehorsam und vor allem langsam die Suppe.

Danach waren seine Lebensgeister, die sich bereits hatten verabschieden wollen, wenigstens teilweise wieder zurückgekehrt und nachdem er auch noch einen Becher Wasser – richtiges, trinkbares Wasser und nicht das aus einer Pfütze! - getrunken hatte, tauchte sein unverhoffter Besucher aus den Schatten auf und setzte sich ihm gegenüber ans Feuer.

Lange hatten sie in jener Nacht gesprochen und er hatte sich bemüht, jede der pistolenkugelartig auf ihn abgeschossenen Fragen zu beantworten. Bis sein Gast begriff, dass er noch immer zu schwach war und ihn schlafen ließ. Auf einem weichen Heulager und zugedeckt mit einer dicken Decke. Doch das bemerkte er erst am nächsten Morgen...