Windows "Blue Screen 2"

GeschichteAbenteuer, Romanze / P12
27.12.2017
27.12.2017
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Manchmal kommt es doch anders als man denkt. Nachdem ich das zweite Kapitel aus meinem englischen Text ins deutsche übersetzt hatte, ließ mich die Geschichte nicht mehr los. Daher gibt es hiermit als Zusatz noch ein kleineres Kapitel hintendran. Ob das alles technisch so möglich ist, was Felipe durchführt, weiß ich nicht- ich kenne mich mit Computern, nicht aber mit Netzwerken aus. Wenn das jemand stört, bin ich über entsprechende Tipps bzw. Korrekturen dankbar.

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass diese Geschichte ein wenig Ähnlichkeit mit meiner anderen Geschichte über den „Utopia- Zorro“ hat - in beiden Fällen treffen sich Zorro und seine zukünftige Freundin auf einem Ball oder Party, tanzen miteinander und Zorro ist offiziell noch nicht in Erscheinung getreten. Aber ich möchte mit dem Schreiben ja auch nichts verdienen und von einem selbst darf man ja schon mal abkupfern, denke ich. Ich hoffe daher, Kapitel 2 hat trotzdem gefallen.

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Es dämmerte bereits, als eine dunkle Gestalt vor der alten Lagerhalle stand. Routiniert hielt sie die Chipkarte vor die Eingangstüre.

Grüne Lämpchen gingen an und ein kurzer Signalton ertönte. Die Türe öffnete sich.

Die Gestalt ging zielstrebig durch die Halle. Die Jalousien waren heruntergezogen und die Halle war von außen nicht einsehbar. Die einige Lichtquelle war eine kleine Taschenlampe, die der Fremde mit sich führte und die ihm den Weg wies. Nach einigen Metern stand er vor dem Fahrstuhl. Er betrat die Kabine und drückte seine rechte Handfläche unterhalb der Bedienungsknöpfe auf eine integrierte mittelgroße Metallplatte. Diese scheinbar nutzlose Abdeckung entwickelte plötzlich ein Eigenleben und flackerten kurz auf. Der Fahrstuhl bewegte sich nach unten. Ein Stockwerk, welches es nach den Anzeigen in der Kabine eigentlich nicht gab.

Nach kurzer Fahrt öffnete sich die Türe und die Gestalt machte sich auf den Weg zu seinem Ziel. Linker Hand betrat sie einen etwa 5 x 5 Meter großen Raum, welches voller Computer, anderen Rechner und sonstigen technischen Geräten stand.

In der rechten Ecke saß ein blonder Mann auf einen Schreibtischstuhl und betrachtete zufrieden die Bildschirme, während er genüsslich von seinem belegten Brötchen herab biss. Auf dem angrenzenden Tisch stand eine Thermokanne voll Kaffee und eine halbleere Colaflasche, daneben Reste vom Verpackungen einer Fastfootkette.

Immer noch kauend, blickte der Blonde auf den Eindringling. „Hola Diego. Wo hast du den deine sexy Brille gelassen?“ Er grinste, soweit das mit vollem Mund eben möglich war.

Dieser rollte die Augen.  Beide wussten, dass die Brille nur normale Gläser ohne irgendwelche Sehstärke- Korrekturen besaß und den einzigen Zweck hatte, ihn zu tarnen und das Klischee eines Computernerds zu bedienen. Als Gestell hatten sie das hässlichste ausgesucht, was sie finden konnten, um Diego möglichst unattraktiv aussehen zu lassen und dadurch sein zweites Ich zu schützen. Sie hatten drei Jahre gebraucht, um alles vorzubereiten.

Diego beschloss daher, Felipes Frage einfach zu ignorieren und wollte stattdessen wissen: „Wie sieht‘s aus?“

Sein Freund grinste. „Soweit ganz gut. Die zweite Transaktion war auch erfolgreich. Ich verstehe nicht, weshalb sie ihre Server und Konten nicht besser schützen. Die Firewalls sind alle recht leicht zu knacken. Ich habe bereits die Umbuchungen vorgenommen. So wie es aussieht versuchen sie bereits, uns auf die Spur zu kommen“. Er deutete auf eine Grafik des Bildschirms rechts neben sich. „Die armen Kerle müssen wegen uns Überstunden machen“.

Diego starrte auf den Bildschirm. Er selbst kannte sich ja auch sehr gut in solchen Dingen aus, aber Felipe war diesbezüglich einfach unübertroffen. Die Grafik zeigte zwei Balken links und rechts, die sich jedoch nicht näherkamen. Darunter wurden in altmodischer ASCII Darstellung Internetadressen, Zahlenkolonnen und 15stellige Codes (ein Sammelsurium von Sonderzeichen, Groß- und Kleinbuchstaben und Zahlen) angezeigt.

„Und du bist sicher, dass sie uns nicht rückverfolgen können?“

„Das könnte nicht einmal ich“ grinste Felipe zufrieden. „Sie müssten drei 15stellige Codes innerhalb von 3 Minuten eingeben und diese Codes ändert sich zufällig alle paar Sekunden. Solange sie das nicht knacken, können sie unseren Weg nicht rückverfolgen und die Knoten der Datenpakete melden fehlerhafte Daten. Die Knoten, die angezeigt werden, bilden räumlich ein ‚Z‘. Ich glaube aber nicht, dass ihnen das jetzt schon auffällt. Sie werden erst mal beschäftigt sein, die falschen Daten auszuwerten und nicht gleich merken, dass mein Virus sie gefälscht hat“.

Diego konnte nur staunen. Welches Glück, dass Felipe auf seiner Seite stand.

Dieser biss erneut von seinem Brötchen ab und wollte wissen: „Und? Wie ist es bei dir gelaufen, ‚Zorro‘?“ Er blickte auf seinen Besucher, der sein Kostüm nicht mehr trug und ganz normal mit Pullover, Jacke und Jeans bekleidet war. „Hattest du deinen Spaß?“

Diego starrte fasziniert auf seinen Freund. Wie schaffte er das, von diesem üppig belegten Teil abzubeißen, ohne dass die Hälfte davon auf dem Boden fiel?

„Hm?“

„Ach so“. Er sammelte sich. „Nun ja, es war interessant, was die Leute in meiner Firma sonst so über mich reden, wenn ich nicht da bin bzw. sie nicht wissen, dass ich bei Ihnen sitze. Wobei das für mich nicht wirklich eine Überraschung war. Höchstens die Reaktion von Victoria. Sie hat mir gefallen“.

„Inwiefern?“

„Sie mag keine große Sympathie für ,Diego‘ haben, hat ihn aber verteidigt“.

Felipe grinste. „Das ist doch schon mal ein guter Anfang“.

Der andere schüttelte den Kopf. „Nein, sie hat ja auch keine Ahnung, dass ich es war. Keiner hat das“.

„Was ja auch der Plan war.  Wie ist es sonst gelaufen? Mit ihr meine ich?“

„Wie meinst du das?“ wollte Diego reserviert wissen.

„Nun ja, dass du ein Auge auf sie geworfen hast, habe ich schon länger bemerkt, so wie du von ihr schwärmst“.

„Du übertreibst. Ich finde sie ganz nett, das stimmt schon…“

Felipe lächelte wissend. „Du kannst mir nichts vormachen. Du bist in sie verliebt, seit sie euch per Rundmail und anschließend auch vor versammelter Mannschaft vorgestellt wurde“.

„Wir sind uns erst gestern das erste Mal persönlich begegnet“ blockte er ab.

„Nachdem du sie vorher heimlich beobachtet hast. Erzähle mir nichts. Also, wie war ihre Begegnung mit Zorro?“

„Das geht dich nichts an!“ knurrte dieser. „Du kommst ohne mich klar, oder?“

„Ja, wieso? Willst du schon wieder gehen? Ich wollte dich nicht verärgern, Diego“ meinte Felipe schuldbewusst.

„Nein, alles in Ordnung“ versicherte Zorro. „Die Situation ist für mich nicht ganz einfach.  Ich gehe rüber in den Übungsraum. Mit der Peitsche und dem Degen zu trainieren, hat mir noch immer gutgetan“.

Felipe nickte.  Wie gut, dass es die Möglichkeit gab, das Können mit diesen Waffen in der virtuellen Realität zu üben. Ob das dann der Wirklichkeit genügen konnte, würde die Zukunft zeigen. Sofern der Held diese Fähigkeiten überhaupt brauchen konnte in der heutigen Zeit.  Sie beide trainierten regelmäßig und übten auch immer wieder miteinander in Echtkontakt, d.h. ohne die VR- Brille.

Während sein Freund also zum Abreagieren in den Nebenraum verschwand, vertilgte Felipe den letzten Rest seines Essens. Er ernährte sich nicht immer von Cola und Fastfood - doch heute hatte er einfach Lust darauf. Befriedigt starrte er auf seine Bildschirme. Alles lief wie geplant. Dieses Umverteilen machte einfach irrsinnig Spaß.

Nun war es nicht so, dass Felipe das Kind armer Eltern war, ganz im Gegenteil. Es hatte eine ganze Stange Geld gekostet, dies alles so zu besorgen und einzurichten.

Er und Diego hatten durchaus diskutiert ob sie ihren Plan auf diese Weise durchführen durften. War es moralisch verwerflich, Leute zu bestehlen und dafür vorab jede Menge Geld auszugeben?

Felipe hatte bereits früher regelmäßig Geld gespendet und tat es heute noch. Es ging aber bei ihren Aktionen um mehr – beide hatten das Gefühl, dass es zunehmend ungerechter zuging, und viele Urteile durch Schmierzahlungen an die Richter zustande kamen. Um nur ein Beispiel zu nennen. Es fühlte sich einfach besser an, einen Ausgleich durchzuführen, indem man ungerechtfertigtes Vermögen neu verteilte. Beide wollten gewisse Kreise aus ihrer selbstgefälligen und gewohnten Lebensweise, die auf Korruption und alten Seilschaften beruhte, hinausstoßen in der Hoffnung, dass vielleicht doch eine Verhaltensänderung eintrat. Felipe war sich sicher, im Darknet etwas zu finden, das sie angehen konnten. Es war die Sehnsucht nach einer gerechteren Welt, die sie antrieb.  Vielleicht vermischt mit Kindheitsträumen und die Frage, ob eine Art „Mission Impossible“ auch in der Wirklichkeit funktionieren konnte.  Davon abgesehen, machte es einfach mehr Spaß, selbst aktiv zu werden statt nur eigenes Geld zu spenden.

Wobei Felipe erleichtert war, dass Diego den aktivieren Part übernehmen wollte. Diego war der kleinere „Nerd“ von Ihnen, auch wenn sie beide sich bemühten, es anders aussehen zu lassen. Felipe konnte es sich auch eher leisten, eine Nacht mit Computerarbeit um die Ohren zu schlagen, da er nicht wie Diego jeden Tag früh aufstehen musste. Wobei auch Diego aktive Nächte als Zorro bevorstehen dürften. Jede Nacht, so wie in den Geschichten und Filmen, würde er das jedoch nicht machen können, schließlich hatte er auch seine Verpflichtungen bei seiner Arbeit.

Weiter war Felipe gespannt, wie sich der Kontakt zwischen dem Dreiergespann „Diego alias Zorro und Victoria entwickeln würde. Als alter Zorro Fan wusste er sehr wohl, dass dies oft ein Thema bei den Zorro Geschichten war – die Beziehung zwischen ihm, seinem alten Ego und der Angebeteten. Dies aber sozusagen in echt erleben zu dürfen, war natürlich eine spannende Geschichte.  Natürlich hoffte er, auch für seinen Freund, dass es kein ewiges Tauziehen werden würde und die beiden bald zusammenfinden konnten.

Er schaute grinsend auf seinen anderen Bildschirm. Die IP, welches sein Router gerade simulierte, stammte vom privaten Anschluss eines Geschäftsmanns, welcher nachweislich für 3 Wochen verreist war. Er wählte nur Adressen von Leuten aus, die ihre Unschuld nachweisen konnten. Eine zusätzliche Sicherheit.

Diese schien aber – zumindest im Moment- weiter nicht notwendig zu sein. Sein Monitor zeigte an, dass die EDV Spezialisten weiterhin im Dunkeln tappten.

Weiter durfte er nicht vergessen, von zu Hause aus einige Dinge für das Lagerhaus hier zu bestellen.  Einfach, damit keiner misstrauisch wurde. Ein unbenutztes Gebäude konnte schon mal Verdacht erregen.

Er trug sich eine Erinnerung in sein Smartphone ein. Was tat er nicht alles, damit Zorro auferstehen konnte.

Er schrieb für Diego einen kleinen Zettel, um sich anschließend in eines der drei kleinen Nebenzimmer zu begeben. Er warf sich auf das Bett und schloss die Augen. Er würde sich eine kleine Auszeit gönnen. Danach würde er im Inter- und Darknet surfen. Vielleicht fand sich dort Zorros nächste Aufgabe.
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