Bernds B*ms Bude. Man beachte die gelungene Alliteration

OneshotAbenteuer, Poesie / P16
27.12.2017
27.12.2017
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Liebe LeserInnen,

es begab sich vor etwas mehr als einer Woche, dass die Sterne relativ gut standen und sich der Ältestenrat zu einem seiner unregelmäßigen und seltenen, deshalb auch so für die Menschheit wichtigen, Treffen zusammenfand, um dort zu tagen, zu sprechen und auch eine minimale Menge an alkoholischen Getränken zu sich zu nehmen.

Diese Treffen werden im Fachjargon als 'Männerabende' bezeichnet, bei denen auf die sogenannten Gender-Bezeichnungen gepfiffen wird. Es sind drei Frauen, die sich dort ohne ihre männlichen Anhängsel treffen (diese sind (noch) keine vollwertigen Mitglieder des Ältestenrats, denn sie sind Auszubildende; bevor sie diese sind, sind sie Praktikanten – aktuell gibt es zwei Azubis, die Kaffee einschenken dürfen, wenn nicht ihre sonstigen Qualitäten im Gespräch lobend erwähnt werden).

An eben jenem, zuletzt stattfindenden Männerabend kam es zu einer ungewöhnlichen Sitzung, die dadurch besonders war, dass ein Mitglied telefonisch daran teilnehmen musste, weil es einen mehr als bescheidenen Tag hinter sich gebracht hatte und dementsprechend verhindert war. Die anwesenden Mitglieder gingen den Haushaltsarbeiten nach, oder aßen Weihnachtskekse.

Jener Männerabend wird allerdings in die Annalen der Männerabende eingehen, da sich drei kuriose Begebenheiten zutrugen, was unmöglich ein Zufall sein kann. Es sind immer drei oder sieben.

Es begann mit der Heimkehr der beiden anwesenden Mitgliedern im Domizil des einen. Im Briefkasten befand sich ein weißer Briefumschlag ohne Absender, ohne Empfänger oder sonstige Hinweise auf dessen Herkunft. Nur ein glitzernder Herzchenaufkleber am oberen rechten Rand des Kuverts ließ auf eine romantische Botschaft schließen, die wir nach Betreten der Wohnung und einem gemüsereichen Abendessen zu öffnen uns entschlossen.

In dem Umschlag befand sich ein Blatt Papier auf Größe einer Postkarte ausgeschnitten, auf dem drei verschiedene, ebenfalls ausgeschnittene Bilder/Annoncen aufgeklebt worden waren. Zum einen eine Werbung aus einem Katalog, in dem hübsche Damenwäsche angepriesen wird. Wir vermuteten, dass es sich um einen Hunkemöller-Ausschnitt handelte. Das Dessous war recht teuer, dafür aber auch in größeren Größen erhältlich.
Darunter befand sich eine obszöne Darstellung des menschlichen Geschlechtsaktes, ausgeübt von zwei gezeichneten Figuren, deren Kleidung an mittelalterliche oder wenigstens barocke Mode erinnern sollte.
Links davon klebte eine Zeitungsannonce, auf der Werbung für einen FKK-Saunaclub gemacht wurde, der einem gewissen Bernd gehöre. Auf der Rückseite des Zettels stand ein recht dilettantisches Gedicht, das die Vorzüge des exotischen Liebesspiels beschreiben sollte – oder so, wir sind uns bis heute nicht sicher.
Das telefonisch anwesende Mitglied des Rates kündigte sofort mit den heiligen Worten „Das googel ich jetzt!“ an, dass es sich in die tiefsten Tiefen des Internets begeben würde, um uns beiden anderen – bügelnd und kekseessend – berichten zu können, welche Vorzüge die Angestellten in 'Bernds B*ms Bude' zu bieten haben, wie wir den Laden ab sofort liebevoll nannten.
Dabei fanden wir Folgendes heraus: Die Damen in Bernds Saunaclub waren alle auf einer Hochschule oder sogar Akademie der Liebeskunst und sind hervorragende Dienstleisterinnen, die keinen Wunsch ausschlagen. Uhrzeiten und Preise wurden uns ebenfalls genannt, sogar das Markenzeichen, das die Angestellten des Saunaclubs beherrschen. Ein Bein über der Sofalehne soll dieses Zeichen gewesen sein, doch konnte sich niemand von uns etwas darunter vorstellen. Wir versuchten mit Beschreibungsvorschlägen auf die Lösung zu kommen.

Schon bald war die neue Marketing-Strategie für den von uns umbenannten Saunaclubs in 'Bernds B*ms Bude' geboren. Ein Slogan wurde von mir ins Rennen geschickt und einstimmig angenommen: Man beachte die gelungene Alliteration. Auch auf die Gefahr hin, dass nicht viele Besucher dieses Etablissements wissen, worum es sich bei einer Alliteration eigentlich handelt.

Dieser Tagesordnungspunkt war verhandelt, da kam der männliche Anhängsel des bügelnden Mitglieds, das es uns im Wohnzimmer zwischenzeitlich durch zarten Kerzenschein gemütlich gemacht hatte, nach Hause und rief nach Hilfe, um die Weihnachtsgeschenke aus dem Auto nach oben zu tragen, da sie recht zahlreich und platzfressend waren.

Die Bügelwäsche wurde für einen Moment unterbrochen und das Ratsmitglied ging die Treppen nach unten. Wenige Sekunden später kam sie mit einem kopflosen Skelett aus Kunststoff zurück in den Flur, während sie es im sogenannten Bridestyle durch die Tür hievte und mich mit hochgezogenen Augenbrauen ansah.
Der männliche Mitbewohner und Partner des bügelnden Ratsmitglieds kam mit einer Stange, auf das das kopflose Skelett aufgestellt wurde und schraubte ihm seinen Kopf an. Wenige Minuten später waren alle Geschenke in der Wohnung und die Tür geschlossen.

Das Skelett stand nun von da an im Flur halb hinter der Tür, sodass bei jedem flüchtigen Blick in diese Richtung der Eindruck entstand, jemand stände dort und würde das Wohnzimmer beobachten. Vermutlich war es Bernd.

Wir diskutierten sofort zu viert, ob man bei Bernd auch anrufen könnte, um wirklich seltene und mindestens genau so widerliche Fetische bedienen zu lassen und wie dieses Gespräch verlaufen würde, wenn man den guten Bernd ein wenig in die Ecke drängt, da man sich selbst als große Nummer darstellt und so tut, als hätte man die Macht den Ruf des Ladens auf ewig zu ruinieren. Vorschläge wurden zwar angenommen, aber nicht notiert.

Im Laufe unserer hitzigen Diskussion fiel dem bügelnden Ratsmitglied auf, dass ein seltsamer Geruch in der Wohnung lag und stellte dabei fest, dass ein bereits gebügeltes Hemd des männlichen Mitbewohners an der Türklinke der Tür leider zu nah an den mindestens hüfthohen Kerzenständer geraten war, sodass es lichterloh in Flammen stand. Kollegial wie das Ratsmitglied eben ist, fragte es zuerst in die Runde: „Was mach' ich denn jetzt?“, bis der Azubi den Vorschlag machte, es auf dem Boden mit seinen Stiefeln gerade auszutreten.

Bis heute bestehe ich auf eine Brainstorming-Runde, in der ausgiebig über das Verfahren mit brennenden Hemden diskutiert wird. Leider wurde mein Vorschlag im Rat abgelehnt.

Also Kinder: Passt immer auf, wo ihr eure gebügelte Wäsche hinhängt und verbrennt sie besser vor dem Bügeln. Weiterhin ist googeln nicht immer aufschlussreich, sondern auch irreführend. Ihr könntet Dinge erfahren, die ihr nie wissen wolltet.

Danke für's Lesen.

LG, Erzaehlerstimme
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