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Remember, Remember

von humanoid
OneshotDrama, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Evey Hammond V
26.12.2017
26.12.2017
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Hallo zusammen!

Dieser Oneshot hat keinen tieferen Sinn - ich konnte lediglich nicht aufhören mich zu fragen, wie es wohl gewesen wäre, wenn V nicht gestorben wäre. Wie hätte ein erneutes Zusammentreffen zwischen ihm und Evey ausgesehen und was wäre geschehen?

Der Oneshot spielt nach dem Ende des Films. Die Comics werden dabei nicht berücksichtigt.

Bitte beachtet die Altersfreigabe!

Disclaimer: Mir gehört nichts und ich verdiene kein Geld mit dieser Fanfiction. Alle Handlungen sind von mir frei erfunden.

Anmerkung: Lyrics © Antony and the Johnsons »Bird Gerhl«

* * *

Remember, remember the 5th of November
Gunpowder, treason and plot
I see no reason why gunpowder treason
should ever be forgot.


* * *


Nach dem „großen Finale“ in Form von einer gigantischen Explosion inklusive Orchester, war Evey untergetaucht. Sie hatte sich zurück in Vs Schattengalerie geschleppt und war weinend auf dem kalten Steinboden zusammengebrochen. V war tot, er war in ihren Armen gestorben – und es fühlte sich an, als hätte sie alles verloren. Alles war mit ihm gegangen, sie war allein. Er hatte ihr geholfen, ein Leben ohne Angst führen zu können, doch nun schien dieses Leben jede Bedeutung verloren zu haben. Sie schlug sich die Hände vors Gesicht und schrie auf vor Schmerz.

Ihre Augen brannten und ihr Herz zog sich auf so schmerzvolle Art und Weise zusammen, dass sie sich keuchend an die Brust fasste. Schwer atmend zog sie sich langsam an der Jukebox hinter sich hoch, um einen Song auszuwählen, von dem sie wusste, dass er ihr vollends das Herz brechen würde – doch sie musste ihn hören. Ihr zitternder Zeigefinger schwebte über der Taste, kurz darauf erklang „ihr Lied“.

Das Lied, zu dem sie damals zum ersten und zum letzten Mal getanzt hatten.

I am a bird girl
I am a bird girl
I am a bird girl
I am a bird girl now
I've got my heart
Here in my hands
I've got my heart
Here in my hands now


Evey ließ sich zurück auf den Boden sinken, lehnte sich mit dem Rücken gegen die Jukebox und lauschte der Musik. Sie schloss die Augen und atmete zitternd aus. In ihren Gedanken war V bei ihr, hielt sie im Arm, tanzte mit ihr und erfüllte den gesamten Raum einzig und allein mit seiner Präsenz.

I've been searching
For my wings
I've been searching
For my wings some time
I'm gonna be born
Gonna be born
Into soon the sky


Sie biss die Zähne aufeinander, wischte sich mit fahrigen Bewegungen über die Augen und zog die Nase leise hoch. Sie vermisste ihn furchtbar. Alles an ihm hatte sie förmlich magisch angezogen – und doch wusste sie so gut wie nichts von ihm; noch nicht einmal, wie er aussah.

Wie sollte es nun weitergehen, ohne ihn?

Der Song ging zu Ende, die Jukebox verstummte. Evey zog die Beine an den Körper, umschlang ihre Knie mit ihren Armen und bettete ihren Kopf darauf.

Sekunden wurden zu Minuten und Minuten zu Stunden.

Ein lautes Poltern ließ sie heftig zusammenzucken. Ihr Kopf schnellte nach oben, sie sprang auf die Füße und im nächsten Moment stolperte eine große, schwarz gekleidete Person in den Raum hinein. Vor Schreck schrie Evey kurz auf – dann hob die Person den bislang gesenkten Kopf und Evey sah die weiße Maske. Sie erstarrte, war wie gelähmt und hielt unbewusst den Atem an. Unter allen anderen Umständen hätte sie eine andere Person vermutet, einen Demonstranten mit einer Guy Fawkes Maske, der sich versehentlich hierher verirrt hatte, doch aus den Löchern von Augen und Mund der Maske floss Blut. Er sah genauso aus, wie sie ihn zurückgelassen hatte. Es musste V sein. Aber das war völlig unmöglich. V war tot, sie hatte ihn sterben sehen. Ihre Gedanken überschlugen sich, ihr wurde kurz schwindelig. Sie hatte ihn eigenhändig in der U-Bahn aufgebahrt, die dann mit ihm davongefahren und kurze Zeit später unterhalb des Parlaments explodiert war.

Eveys Atem ging stoßweise. Die Person klammerte sich am Türrahmen fest, ging dann langsam auf die Knie. Noch immer war Evey unfähig, sich zu bewegen – bis zu der Sekunde, in der seine Stimme erklang. Eine Stimme, die Evey auch unter Tausenden sofort wiedererkannt hätte.

„Evey...“

Die junge Frau schlug sich die Hand vor den Mund, starrte mit weit aufgerissenen Augen auf den maskierten Mann, der sich nur noch mit letzter Kraft einigermaßen aufrecht halten konnte. Als sich ihre Beine endlich in Bewegung setzten und sie zu ihm stürzte, brach er abermals in ihren Armen zusammen.

Sein fester Griff an ihrem Unterarm, sein Geruch, sein Körperbau, die Art und Weise, wie er atmete – all das ließ auch ihre letzten Zweifel verblassen. Es war tatsächlich V, der zu ihr zurückgekehrt war.

„V“, keuchte sie atemlos, „du lebst!“ Tränen liefen ihre Wangen hinab. „Großer Gott, wie ist das möglich?“ Sie hielt ihn fest, spürte, wie er zitterte und angestrengt nach Atem rang.

„Evey, ich brauche deine Hilfe“, brachte er schließlich hervor. „Lauf in mein Schlafzimmer. Neben meinem Bett steht eine große, schwarze Tasche. Bring sie bitte her.“ Sein Atem rasselte und er musste kurz husten.

Evey nickte rasch, ließ V langsam und vorsichtig zu Boden gleiten und rannte los. Sie fand die Tasche sofort, brachte sie zu ihm und befolgte seine Anweisungen genau. „In der Tasche ist alles, was du jetzt brauchst“, keuchte er. „Zuerst spritzt du mir das Morphium, dann entfernst du die Kugeln aus meinem Körper und nähst die Wunden zu.“ Wieder nickte Evey, obwohl sie all das noch nie zuvor getan hatte – doch für Zögern oder Zweifeln war definitiv keine Zeit gewesen. Damals hatte sie zu ihrem eigenen Glück auch nicht gewusst, dass es ein Wunder war, dass V bei dieser Dosis Morphium und seinen schweren Verletzungen keinen Herzstillstand erlitten hatte.

Kurz bevor sie damit begann, ihn aus seinen Kleidern zu schälen, hielt er mit letzter Kraft ihre Handgelenke fest, stoppte somit ihre Bewegung und flüsterte kraftlos: „Aber bitte... nicht die Maske...“

„Keine Sorge, V“, flüsterte Evey unter Tränen. „Ich verspreche es dir.“

Er nickte, ließ ihre Handgelenke los und Evey half ihm aus seinem schweren, schwarzen Mantel. Als sie schließlich damit begann, die Knöpfe seines Hemdes so schnell wie möglich zu öffnen, zitterten ihre Hände so stark, dass es ihr beinahe nicht gelingen wollte. Mit jedem geöffneten Knopf entblößte sie mehr verbrannte und vernarbte Haut. Sie hatte keine Zeit, sich seinen Oberkörper genau anzusehen, denn sein Hemd war bereits blutgetränkt, als sie es ihm vom Körper riss. Schnell bereitete sie die Spritze vor und injizierte ihm das Morphium in den Oberarm, um seine Schmerzen zu lindern. Tatsächlich gab V nur wenige Sekunden später einen erleichterten Seufzer von sich und sein Körper entspannte sich sofort.

Evey begann, seine Wunden zu versorgen. Sie hatte keine Ahnung, wie lange das Morphium wirkte, daher beeilte sie sich. Immer mehr Kugeln entfernte sie aus dem zarten Fleisch, ehe sie die Wunden säuberte, desinfizierte und die Haut, die dünn wie Papier schien, wieder zusammennähte. Bei all dem hielt sie seinen Brustkorb stets im Auge, um zu überprüfen, ob er noch gleichmäßig atmete. Zu ihrer Erleichterung waren seine Atemzüge tief und ruhig. Er gab keinen Laut von sich und Evey vermutete, dass das Morphium ihn in einen komatösen Zustand versetzt hatte.

Kaum hatte sie alle Schusswunden seines Oberkörpers versorgt, öffnete sie ihm nervös die Hose. Es fühlte sich falsch an, das zu tun, während er mehr oder weniger bewusstlos war, doch sie hatte keine Wahl. Um ihn herum hatte sich längst eine kleine Blutlache gebildet. Die Angst, er würde ihr gleich hier unter ihren Händen wegsterben, war unbeschreiblich groß. Um nicht zu viel Zeit zu verlieren, schnitt sie seine schwarze Stoffhose vorsichtig auf, riss sie ihm ebenfalls hastig von den Beinen, entfernte weitere fünf Kugeln – und als sie endlich die letzte Wunde zugenäht hatte, schickte sie ein Stoßgebet gen Himmel, dass V bald wieder aufwachen würde.

Doch es dauerte. Die Minuten vergingen quälend langsam und noch immer zeigte V keinerlei Reaktion.

Evey hatte derweil eine kleine Schüssel mit warmem Wasser geholt und hatte begonnen, V das viele Blut vom Körper zu waschen. Dabei ging sie ganz behutsam vor, denn seine verbrannte Haut sah so unerträglich sensibel aus, als könne sie reißen, wenn man zu fest darüber strich. Ganz sanft ließ sie den Waschlappen über die Haut gleiten. Wie versprochen hatte sie seine Maske nicht abgenommen, obwohl er ganz offenbar noch immer Nasenbluten und gewiss auch eine Platzwunde am Kopf hatte. Sie schluckte schwer. Erst jetzt wagte sie es sich, einen genaueren Blick auf seinen Oberkörper zu werfen. Tatsächlich gab es keinen einzigen Fleck Haut, der nicht verbrannt war. Seine Haut bestand praktisch aus Narbengewebe, teils blutrot, weil das pure Fleisch durchschimmerte, teils waren es auch wulstige weiße Narben, die sich gebildet hatten. Eveys Herz zog sich zusammen, als sie daran dachte, was für unendliche Qualen das damals gewesen sein mussten, und vielleicht noch immer waren.

V tat einen tiefen Atemzug, dann bewegte sich sein Kopf. Er gab einen wohligen Laut von sich; Evey war gerade dabei den angenehm warmen Waschlappen über seine Brust gleiten zu lassen.

„Das fühlt sich gut an“, nuschelte er so leise, dass Evey es beinahe nicht verstanden hätte.

„V“, wisperte sie erleichtert, beugte sich hinab und küsste die Wange seiner Maske. „Gott sei Dank.“ Sie schmiegte ihr glühendes Gesicht an die kühle Maske und machte sich gar nicht erst die Mühe, ihre Tränen wegzuwischen. „Gott sei Dank“, wiederholte sie flüsternd, schluckte hörbar, beugte sich schließlich über seinen Oberkörper und drückte ihre Lippen sanft auf die nackte Haut seiner Brust.

V hob träge seinen Arm und berührte ihren Rücken. „Danke, Evey“, sagte er leise.

Es dauerte etwa zehn Minuten, bis V wieder soweit Herr über seine Gliedmaße war, dass er mit Eveys Hilfe aufstehen konnte. Sie stützte ihn und gemeinsam schleppten sie sich ins Badezimmer, wo V jedoch darauf bestand, alleine zu sein. Er wollte die Wunden in seinem Gesicht nun selbst versorgen. Nur sehr widerwillig verließ Evey den Raum und wartete vor der Tür.

Als V wieder herauskam, trug er eine neue Maske und frische Kleider – genauer gesagt einen schwarzen Pyjama aus edler Seide. Er musste sich wieder am Türrahmen abstützen, allmählich verließ ihn die Kraft. Evey stützte ihn. „Komm, du musst dich hinlegen“, sagte sie sanft und führte ihn in sein Schlafzimmer, wo er sich dankbar aufs Bett fallen ließ. Evey deckte ihn vorsichtig zu, brachte ihm dann ein Glas Wasser ans Bett und lächelte, als er ihre Hand nahm. Er trug seine Handschuhe nicht, sodass sich ihre Haut berührte.

„Danke“, flüsterte V noch einmal und strich zärtlich über ihren Handrücken.

„Du musst dich nicht bedanken“, wisperte sie lächelnd und betrachtete ihre Hände, die sich neugierig befühlten. Ihr Daumen strich sanft über die deutlichen Erhebungen seiner Haut.

„Ist dir das unangenehm?“, hörte sie ihn fragen. „Wenn du möchtest, kann ich die Handschuhe wieder anziehen.“

Evey lächelte kopfschüttelnd über diese absurde Idee. Sie senkte ihren Kopf hinab und küsste Vs linke Hand. „Auf keinen Fall“, flüsterte sie und platzierte weitere Küsse auf der zarten Haut. Mit einem Mal ließ V seine andere Hand in Eveys Nacken gleiten, zog ihren Kopf zu sich und ehe sie sich versah, küsste sie seine Maske auf den Mund. Ihr Herz raste, als sie das kühle Material umfasste und ihn erneut küsste. V umfasste ihren Körper und versuchte, sie zu sich aufs Bett zu ziehen, doch Evey unterbrach den Kuss und wisperte beinahe verzweifelt: „V, ich möchte dich richtig küssen. Nicht nur die Maske.“

V schwieg einen Moment lang, sie hörte ihn schlucken, dann fragte er: „Bleibst du bei mir heute Nacht?“

„Natürlich.“ Eveys Hand strich kurz liebevoll über seine Brust. „Ich ziehe mich schnell um.“

Wenige Minuten später schlug ihr das Herz bis zum Hals, als sie zu ihm unter die Bettdecke kroch. Sofort schlang V seine Arme um sie. Evey bettete ihren Kopf auf seiner Brust, wurde umhüllt von seinem angenehmen Duft und genoss die sanften Streicheleinheiten auf ihrem Rücken.

„Wie ist es möglich, dass du noch lebst, V? Als ich den Hebel betätigt habe, warst du tot. Du... du hast nicht mehr geatmet. Um Gottes Willen, sonst hätte ich dich doch niemals...“ Sie brach ab, verbarg ihr Gesicht in den Händen und ein Schluchzen drang aus ihrer Kehle, als ihr bewusst wurde, dass sie ihn beinahe lebendig in den Tod geschickt hätte.

V strich ihr sanft über den Kopf. „Shhh“, machte er leise, „keine Sorge.“ Er kraulte ihren Nacken, um sie zu beruhigen. „Ich muss ohnmächtig gewesen sein. Als ich wieder zu mir kam, war die Bahn in Bewegung, also musste ich einen kleinen Zwischenstopp einlegen.“ Er klang, als wäre gar nichts dabei gewesen. „Ich habe die Bahn also angehalten, bin rausgesprungen und habe sie dann weiterfahren lassen. Es tut mir unsagbar leid, dass ich dich in dem Glauben gelassen habe, ich wäre dabei umgekommen. Obwohl das ursprünglich mein Plan gewesen war. Und glaub mir, ich war dem Tod näher als dem Leben.“ Er machte eine kurze Pause. „Offenbar hatte jemand da oben andere Pläne mit mir.“ Er schnaubte amüsiert. „Es war noch nicht an der Zeit, zu gehen.“

Evey hatte noch immer mit ihren Tränen zu kämpfen, die ihr gnadenlos über die Wangen liefen. „Ich bin so froh, dass du noch lebst, ich kann es kaum glauben“, schluchzte sie. „Bitte verzeih mir, dass ich dich trotzdem... dass ich... V, ich dachte, du wärst tot.“ Ihre Stimme klang heiser und sie räusperte sich schniefend.

Nun richtete V sich ein klein wenig auf, sodass sie es ihm gleichtun musste, nahm dann ihr Gesicht in beide Hände und sagte: „Du hast völlig richtig gehandelt, Evey, es gibt keinen Grund, dir Vorwürfe zu machen. Das war mein letzter Wunsch und du hast ihn erfüllt. Es ist alles gut.“ Er strich ihr sanft die Tränen aus dem Gesicht. Seine warmen Hände fühlten sich unfassbar gut auf ihrer Haut an. Es war so ungewohnt und wunderschön zugleich, dass er sie richtig berührte. „Alles ist gut“, wiederholte er flüsternd.

Evey schlang beide Arme um ihn und küsste seine Maske. „Ich liebe dich, V“, flüsterte sie ganz nah bei ihm.

V fuhr zärtlich die Konturen ihres schmalen Gesichts nach. „Ich liebe dich auch, Evey.“ Er zog sie in seine Arme. „Ich liebe dich so sehr.“

Ein warmes Kribbeln breitete sich in ihrem Magen aus. Sie spürte seinen Herzschlag, als sie sich wieder niederlegten. Ihre Hände strichen über den weichen Stoff seines Pyjamas und die Sehnsucht, ihn zu küssen und seine nackte Haut zu streicheln, wurde so stark, dass sie sich auf die Unterlippe beißen musste.

„Ich werde das Licht löschen“, sagte V plötzlich in die Stille hinein und fügte nach kurzem Zögern hinzu: „Ich schlafe immer ohne Maske.“

Evey hob den Kopf. Sofort beschleunigte sich ihr Herzschlag. „Okay.“ Sie rückte ein wenig von ihm ab, und als V das Licht mithilfe einer Fernbedienung ausgemacht hatte, war es vollkommen dunkel im Raum. Da sie sich unter der Erde befanden, kam von nirgendwo auch nur ein Hauch von Licht, sodass Evey nichts – aber auch gar nichts – mehr erkennen konnte. Gespannt lauschte sie Vs raschelnder Kleidung, als er sich die Maske abnahm und diese wenig später hörbar auf dem Nachttisch neben sich ablegte. Er schluckte schwer. Evey spürte seine Anspannung.

Fasziniert hörte sie seinen tiefen Atemzügen zu, die sich ganz anders anhörten, jetzt wo er nicht mehr durch die Maske atmete. „Sag etwas, V“, bat Evey leise. Sie wollte seine Stimme hören. Sie wollte hören, wie sie ohne Maske klang.

„Ich habe Angst“, gab V zu – und Evey schloss die Augen, vor lauter Genuss über den wunderschönen Klang seiner Stimme.

„Du brauchst keine Angst zu haben, V. Das verspreche ich dir.“ Sie suchte seine Hände in der Dunkelheit, fand sie, und streichelte sie sanft. Selbst seine Hände waren leicht verkrampft. „Darf ich dein Gesicht berühren?“

V zögerte und es war förmlich spürbar, dass er mit sich kämpfte. Evey hingegen musste dem übermächtigen Drang widerstehen, ihn einfach zu sich zu ziehen und zu küssen, endlich richtig zu küssen. Stattdessen wartete sie geduldig, bis V schließlich nachgab. „Ja.“ Wieder schluckte er hörbar und ließ seinen Kopf nun wieder zurück ins Kissen sinken.

Evey rückte etwas näher zu ihm, legte ihm beide Hände auf die Brust, wovon ihre Rechte nun langsam weiter hochwanderte. Ihr Puls schoss in die Höhe, als sie an seinem Hals angelangt war und vorsichtig die weiche Haut befühlte. Schnell stellte sie fest, dass nicht nur ihr Puls raste. Ihre Finger tasteten weiter zu seiner Wange, nun nahm sie auch ihre linke Hand hinzu und umfasste somit sanft sein Gesicht. Sie bemerkte, dass V den Atem angehalten hatte.

„Atme, V“, wisperte sie in die Dunkelheit hinein. V atmete zitternd aus und Evey wurde von Liebe förmlich durchflutet.

Sie tastete weiter und konnte spüren, dass er keinerlei Behaarung mehr hatte, weder einen Bart, noch Augenbrauen oder gar Haare auf dem Kopf. Auch seine Ohren fühlten sich etwas deformiert an, doch das alles tat seiner Schönheit keinen Abbruch. - Und obgleich Evey ihn noch immer nicht wirklich gesehen hatte, fand sie ihn wunderschön.

„Welche Augenfarbe hast du?“, fragte sie leise, als sie über die weiche Haut unterhalb seiner Augen strich.

„Blau.“

Sie lächelte, auch wenn er es nicht sehen konnte. „Wie schön“, wisperte sie und widmete sich nun seinem Mund. Ihre Finger zitterten ein wenig, als sie seine schmalen Lippen ertastete. Sie spürte seinen warmen Atem und ein wohliger Schauer lief ihr über den Rücken.

„V, sag, tut es weh wenn ich dich berühre?“

„Nein.“

„Das heißt, du hast keine Schmerzen?“

„Nicht mehr, nein.“

Evey schloss erleichtert die Augen. Ganz automatisch beugte sie sich etwas näher zu seinem Gesicht, welches sie noch immer interessiert befühlte. „Dann fühlt es sich nicht unangenehm an?“, flüsterte sie, und als er antwortete, spürte sie seinen Atem ganz nah bei sich. „Nein. Es fühlt sich gut an.“

Evey überbrückte die letzten paar Zentimeter mit einer fließenden Bewegung und küsste ihn endlich. Als sich ihre Lippen das erste Mal berührten, seufzte sie leise auf und auch V keuchte in den Kuss hinein. Sie verharrten einen Moment lang in dieser Position, dann löste er den Kuss, schlang seine Arme um sie, zog sie vorsichtig näher zu sich und sie küssten sich erneut. Evey streichelte seine Wange und presste ihren Mund hungrig auf seinen. Bereits nach kürzester Zeit atmeten beide schwer, hielten sich aneinander fest und der Raum wurde von wohligen Lauten und leisen, schmatzenden Geräuschen erfüllt. Zeitgleich öffneten sie den Mund, schmeckten sich und konnten nicht genug davon bekommen. Minutenlang küssten sie sich.

„Ich liebe dich so sehr“, wisperte sie zwischen zwei Küssen. „Du bist perfekt, V.“ Sie küsste seine Wange, seine Stirn, hinab zu seinem Hals.

V wollte antworten, doch Eveys Küsse brachten ihn um den Verstand. Lediglich ein lustvolles Keuchen drang aus seiner Kehle. Evey widmete sich seinem Ohr, küsste dieses sanft und Vs gesamter Körper schien zu vibrieren. Er wusste nicht mehr, wann er das letzte Mal überhaupt erregt gewesen war. Seit dem Brand waren all diese Dinge mehr als nur tabu gewesen. V legte den Kopf in den Nacken, genoss Eveys Zärtlichkeiten. Seit über 20 Jahren war er keiner Frau mehr so nahe gewesen.

Evey zog ihn abermals in einen tiefen Zungenkuss, während sich ihre Finger an den Knöpfen seines Pyjama-Oberteils zu schaffen machten. Es dauerte nicht lange, bis sämtliche Kleidungsstücke achtlos vom Bett geworfen wurden. Evey würde den Augenblick niemals vergessen, in dem sie Vs Lippen zum ersten Mal auf ihrer Haut spürte. Er küsste ihren Hals, ihre Schulter, hinab zu ihren Brüsten. Seine Zunge umfuhr ihre Brustwarzen, entlockte ihr ein heiseres Stöhnen. Die zärtlichen Küsse wanderten hinab über ihren Bauch; jeder Zentimeter ihres Körpers wurde geküsst.

Sorgenvoll ertastete Evey immer wieder Vs vernähte Wunden am ganzen Körper und machte sich trotz der Erregung Sorgen, dass das ein schlechter Zeitpunkt sein könnte. „V, hast du auch ganz sicher keine Schmerzen?“, keuchte sie nach einem langen Kuss. „Wegen der Schusswunden meine ich.“

„Nein.“ Er versiegelte ihre Lippen erneut – und Evey schlang ihre Arme um ihn, sie konnte ihm nicht nah genug sein.

Wie von selbst glitt V zwischen ihre Beine, die sie nun ebenfalls um seine Hüften schlang, und drang in sie ein. Sie stöhnten zeitgleich auf. Evey spürte, wie stark V zitterte. Schnell fanden sie einen gemeinsam Rhythmus, doch so sehr V auch mit sich kämpfte, er konnte seinen Orgasmus nicht sehr lange hinauszögern. Mit abgehacktem Keuchen ergoss er sich bebend in Evey, sank dann erschöpft auf sie nieder und rang nach Atem.

Evey hielt ihn im Arm und streichelte ihm zärtlich über den Rücken. Es dauerte eine Weile, bis er sich wieder aufrichten konnte. Er küsste sie sanft. „Das war wunderschön.“

„Ja.“ Evey lächelte, als er seine Stirn an ihre lehnte – und als sie sich küssten, kribbelte ihr ganzer Körper.

Sie schliefen nackt und eng umschlungen ein – und Evey war die glücklichste Frau auf der ganze Welt, so wie V ohne jeden Zweifel der glücklichste Mann war.

* * *
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