days at baker street

GeschichteHumor, Romanze / P16
DI Dimmock Dr. John Watson James "Jim" Moriarty Mycroft Holmes OC (Own Character) Sherlock Holmes
26.12.2017
17.10.2020
38
80.144
43
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Dieses Kapitel
1 Review
 
 
17.10.2020 5.166
 

Did you miss me?

Es geht ab jetzt wieder weiter mit dieser Story :D
Das Kapitel ist etwas länger als sonst, ich hoffe, dass kann vielleicht ein klein für die lange Wartezeit entschädigen :)



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>>don’t be afraid, I’m not insane. Just irrational, but isn’t that the same?<<

("Poison" - Cavetown)









Dewer's Hollow, Dartmoor

,,Was zum Teufel tun Sie hier?“, ruft Sherlock aufgebracht.

Lestrade steckt die Hände in die Hosentaschen und meint mit einem sachten Lächeln: ,,Wir machen Urlaub?“

Sherlock leuchtet ihm mit der Taschenlampe ins Gesicht. ,,Um elf Uhr in Dewer’s Hollow?“, kommentiert er trocken. ,,Nebenbei bemerkt: Sie sind braungebrannt und kommen offensichtlich gerade aus dem Urlaub. Und dass Louise während Ihrer Aussage kichert, hilft auch nicht gerade.“

,,Na, wir wollten uns nur die Hauptattraktion im Ort ansehen“, verteidige ich unsere Anwesenheit.

,,Und…?“, sagt Sherlock gedehnt und sieht uns abwartend an.

Ich blinzle träge. ,,Und… vielleicht hat Ihr Besuch in Baskerville einige Personen verärgert", gestehe ich leiser.

John räuspert sich demonstrativ. ,,Eh - Henry. Louise kennen Sie ja bereits. Das ist Detective Inspector Greg Lestrade“, stellt John uns seinem Klienten vor.

Henry schüttelt aufgeregt Lestrades Hand. ,,Dann interessiert sich die Polizei also doch endlich für meinen Fall.“

Unangenehm berührt meidet Lestrade seinen Blick. ,,Ja- also im Grunde-“, beginnt er und fährt sich mit der Hand über den Nacken.

Sherlock presst die Lippen aufeinander und sein Mund formt eine schmale Linie. ,,Nein. Vielmehr hat mein Bruder mir zwei Aufpasser auf den Hals gehetzt. Wollten Sie das Ganze inkognito angehen oder warum nennen Sie sich Greg?“, sagt er und seine Stimme trieft vor Spott.

Lestrade sieht ihn empört an. ,,Das ist mein Name!“

Sherlock wirft einen schnellen Blick zu John. Dieser seufzt und nickt.
,,Ist es wirklich, Sherlock. Wie kannst du das eigentlich nicht wissen?“

,,Richten Sie Mycroft aus, dass ich Sie nicht brauche“, sagt Sherlock kalt.

,,Wir wollten nur sichergehen, dass Sie nicht von monströsen Hunden gefressen werden“, meine ich.

,,Herzerwärmend“, lautet Sherlocks trockener Kommentar.

Ich verschränke die Arme vor dem Oberkörper. ,,Langsam beginne ich meine Meinung aber zu ändern.“

,,Haben Sie sich gestritten?“, fragt Lestrade mit unverhohlener Neugierde und beugt sich vor.

John schnaubt, ,,Oh, nein. Die sind immer so."

Er hat recht. Aber irgendwie…. irgendetwas ist anders. Die Art, wie Sherlock meinem Blick ausweicht.

,,Da wir das geklärt haben, wäre es an der Zeit für Sie sich auf den Rückweg nach London zu machen“, sagt Sherlock ungeduldig.

Lestrade seufzt.

,,Henry“, sage ich. ,,Sie wollen doch das alles mögliche getan wird um den Tod Ihres Vaters aufzuklären?“
Sherlock sieht ihn böse an und Henry weicht seinem Blick nervös aus. ,,Nun ja, natürlich will ich das-“
,,Da haben Sie es“, sage ich und nehme Sherlock im Vorbeigehen die Taschenlampe aus der Hand.
,,Auf geht’s!“  

Ich höre Lestrade hinter mir lachen.
,,Ich will kein Wort von Ihnen hören!“, zischt Sherlock ihm zu.


*



Irgendwo über uns schreit plötzlich eine Eule in dem dichten Geäste der Baumkrönen von Dewers’s Hollow auf. Ich zucke leicht zusammen und sehe nach oben, aber da sind nur schwarze Schemen auszumachen.
,,Angst, Miss James?“, raunt Sherlock neben mir spöttisch.
Ich unterdrücke den Drang sein Gesicht gegen den nächsten Baumstamm zu drücken.
Ich lächle. ,,Nein. Schließlich bin ich nicht alleine", sage ich freundlich.
Sherlock hält inne.
,,Lestrade ist Polizist und hat seine Dienstwaffe dabei und John ist ein ehemaliger Soldat", sage ich.
(Sherlock geht wortlos weiter.)
,,Ich hoffe Sie erwarten nicht, dass ich mich für Sie den Wölfen vorwerfe - Buchstäblich in den Fall, wohlmöglich! Da sind Sie auf sich gestellt“, ruft John von seinem Platz weiter vorne aus belustigt. Lestrade geht mit Henry einige Meter hinter uns.
,,Was für ein Gentleman, John!“, rufe ich grinsend zurück. ,,Gut zu wissen!“
Ich vergrabe die Hände in meinen Jackentaschen. Die Luft ist eisig und riecht nach Regen. Es ist kälter geworden. Ich kann förmlich spüren, wie die Kälte vom Waldboden aus meine Beine hochkriecht.
Forschend betrachte ich Sherlock von der Seite.
Sein Belstaff ist zugeknöpft und seine Schultern sind sichtbar angespannt. Atem wird in der kalten Nachluft zu weißem Nebelschleier.
Seine dunklen Locken stehen wie immer wirr ab und schimmern im Mondlicht beinah silbern und einige Haarsträhnen fallen ihm ins Gesicht.

,,Habe ich etwas im Gesicht oder gibt es irgendetwas, dass Sie mir sagen wollen?“

Ertappt blicke ich wieder nach vorne. Ich spüre, wie meine Wange heiß werden.

,,Eigentlich wollte ich Sie das fragen“, gebe ich zu. Das Dickicht wird verwachsener und ich kann kaum noch Johns Umrisse vor uns erkennen.
,,Ist alles in Ordnung mit Ihnen?“, frage ich dann und begegne seinem Blick.

,,Natürlich“, sagt Sherlock nur und sein Ton macht deutlich, dass für ihn das Gespräch beendet ist. Ich beschließe nicht weiter nachzubohren.

Wir gehen noch einige Minuten schweigend nebeneinanderher, bis sich eine Gablung vor uns auftut.
Ich hebe die Taschenlampe an und leuchte auf das rote Metallschild mit der Aufschrift „Danger“.

,,Das ist wohl unser Stichwort, oder? Oh, sehen Sie - Da ist noch ein kleines Bildchen mit einem Totenkopf drauf, reizend“, sage ich, während Lestrade sich neben mich stellt.

Ich sehe mich um. Henry steht hinter Sherlock. ,,Moment, wo ist John?“

,,Ich dachte, er ist bei Ihnen?“, sagt Lestrade mit zusammengezogenen Augenbrauen.

,,John?“, rufe ich und drehe mich. Der Lichtkegel meiner Taschenlampe huscht zwischen den Stämmen der Eichen her, aber da ist nichts außer Sträuchern und dichtem Unterholz. Es raschelt und etwas kleines Braunes huscht durch das Licht, bevor es wieder in der Dunkelheit verschwindet.

,,Ich glaube, das war ein Eichhörnchen“, meint Lestrade wenig hilfreich.

Ich lasse die Lampe sinken.

,,Schon gut, ich suche ihn. Er muss in der Nähe sein“, sagt Lestrade.

Ich schlucke meinen Protest hinunter. Beginnen so nicht alle Horrorfilme?

,,Denken Sie wirklich, dass ist eine gute Idee?“, fragt Henry stattdessen nervös, als wir nur noch zu dritt sind. Plötzlich wird mir klar, wie schwer es für Henry sein muss, hier zu sein. Der Ort, an dem sein Vater gestorben ist. (Vermutlich.)
,,Kommen Sie, Henry“, sagt Sherlock nur und geht weiter.
Sein Klient sieht beunruhigt zu mir. Ich zucke nur hilflos mit den Schultern und folge Sherlock.


*



,,…ein Freund von Ihnen?“, fragt Sherlock.
,,Dr. Franklin“, setzt er auf Henrys verirrtem Blick hinzu.
,,Oh. Klar“, meint Henry.  ,,Bob, ja.“
Ich leuchte auf den Boden vor mir. Der dichter werdende Nebel macht die Sicht zunehmend schwerer.
,,Er schien ziemlich besorgt um Sie.“
,,Er macht sich ständig Sorgen, der Gute. Er war immer sehr nett zu mir seitdem ich wieder hier bin.“
,,Er kannte Ihren Vater.“
,,Ja.“
,,Dass er in Baskerville arbeitet war für ihn kein Problem?“
,,Naja, Freund sind Freunde, oder?“ Henry zuckt mit den Schultern. ,,Ist ja bei Ihnen nicht anders?“
,,Wie meinen Sie das?“, fragt Sherlock.
,,Oh", sagt Henry ertappt. ,,Entschuldigung. Ich wusste nicht, dass Sie… mehr als Freunde sind.“
Sherlock zieht die Augenbrauen zusammen und sieht ernsthaft verwirrt aus.
,,...mehr als Freunde?"
,,Soll er es Ihnen noch vortanzen?“, murre ich und sage dann zu Henry: ,,Und nein, sind wir nicht. Reden Sie ruhig weiter.“
Henry schluckt. ,,Nicht nötig“, sagt er und deutet auf die Absenkung vor uns. ,,Dewer’s Hollow.“


*



Ein lautes Heulen hallt durch den Wald. Hastig sehe ich mich nach Henry und Sherlock um, da wir uns aufgeteilt haben.

,,Das ist es“, wispert Henry angsterfüllt.

,,Da ist nichts“, sage ich verwirrt und versuche zwischen den Bäumen etwas zu erkennen.
Sherlock steht vielleicht 20 Meter von mir entfernt vor der großen, steinigen Anhöhe.

Das Heulen wird lauter. Es klingt nach Wölfen. Nur dass die englischen Wälder schon seit Jahren keine Wölfe mehr beherbergen.
Ich drehe mich im Halbkreis, aber ich kann die Geräusche nicht zuordnen, sie scheinen aus allen Richtungen zu kommen.

Blätter rascheln unheilvoll im Wind und die feinen Härchen auf meinen Armen stellen sich auf. Lauf. Lauf. flüstert mir etwas tief in meinem Inneren zu.
Ich versuche den Drang zu fliehen zu unterdrücken.
Ein neues Heulen, diesmal lauter, näher. Dann etwas wie Schritte. Krallen, die auf Stein treffen.
Lauf! Lauf! Jetzt klingt die Stimme beinah spöttisch.

Die Taschenlampe gleitet aus meiner Hand und ich stolpere einige, hastige Schritte zurück.

,,Oh mein Gott“, höre ich Henrys Stimme undeutlich.

Das nasse Laub  gleitet unter meinen Schuhsohlen weg und ich verliere den Halt.
Nicht darauf gefasst, knickt mir ein Bein weg und ich verliere das Gleichgewicht. Ein scharfer Schmerz fährt durch mein rechtes Fußgelenk.
Instinktiv fange ich mich mit den Händen ab und schmerzhaft reiben die rauen Steine auf dem Waldboden über meine Handinnenflächen und scheuern die Haut auf.

Mit einem Mal ist es still, das Heulen ist verstummt.

Als ich aufsehe, steht Sherlock in meinem Sichtfeld.

,,Haben Sie es auch gesehen?“, fragt er und seine Stimme überschlägt sich beinah.

,,Was gesehen?“, sage ich abgelenkt und setze mich vorsichtig in eine bequemere Position.
Sein Blick wandert zu meinem Bein.

Vorsichtig hebe ich meinen Fuß an und will ihn prüfend bewegen, als Sherlock sich vor mich kniet.
,,Sie bluten."

Ich drehe meine Handinnenflächen nach oben, aber es ist so dunkel, dass ich kaum etwas erkennen kann. Nur ganz leicht kann ich einen metallischen Geruch wahrnehmen.

Sherlock schiebt den Saum meiner Jeans einige Zentimeter hoch und kurz darauf umschließen zwei Hände mein Fußgelenk.

,,Es ist nicht gebrochen“, murmelt Sherlock. Beinah unbewusst streicht sein Daumen in Kreisbewegungen über meinen Knöchel.
,,Sollte das nicht John beurteilen?“, scherze ich.
Wortlos reicht er mir eine Hand. Ich ergreife sie und ziehe mich mit seiner Hilfe hoch.

,,Ist alles okay?", frage ich, als ich stehe.

Sherlock antwortet nicht. Seine Hand hält noch immer meine. Er ist unerwartet warm und die rauen Fingerkuppen verraten seine Leidenschaft für das Geigespielen. Und... ich spüre ein leichtes Zittern unter meinen Fingerspitzen.

,,Sherlock?“, frage ich besorgt.

,,Haben Sie es gesehen?“, wiederholt Sherlock drängend und seine Finger umschließen mein ganzes Handgelenk mit Leichtigkeit. Ich zucke leicht, als er über meine Abschürfung streift und mich in einem eiseren Griff festhält.

,,Ich war mit Fallen beschäftigt", erinnere ich ihn. ,,Da war nichts, oder? Ich habe nur dieses Knurren gehört."

Sein Griff wird fester und ich ziehe scharf Luft ein, als er auf die zerbrechlichen Handknochen drückt. Mit einem Mal habe ich beinah Furcht, dass er sie bricht.

,,Sherlock, Sie tun mir weh.“

Sherlock lässt mich los, als hätte er sich verbrannt.

Seine Augen sind dunkel und noch immer liegt ein beunruhigender Ausdruck in ihnen. Wenn es nicht Sherlock wäre, würde ich sagen, dass es Angst ist.  
,,Verzeihung.“

,,OhmeinGottohmeinGottohmeinGott“, murmelt Henry im Hintergrund und geht auf und ab.

,,Sie haben es auch gesehen!", sagt er und deutet auf Sherlock. ,,Sie haben es gesehen!" Er wirkt gleichmaßen verängstigt und erleichtert. Erleichtert, dass er nicht mehr länger der Einzige ist, der verängstigt ist.

Etwas in Sherlock verändert sich.
Die Panik weicht aus seinen Augen, bis sie zu harter Kälte geworden ist.

,,Da war nichts, Henry", sagt er barsch. Aber selbst im Halbdunkeln sehe ich das Zittern seiner Hände. Als hätte er meine Gedanken gehört, ballt er sie zu Fäusten und vergräbt sie in seinen Manteltaschen.

,,Sherlock!", ruft eine andere Stimme und Lestrade und John laufen auf uns zu.

,,Wir haben etwas gehört", erklärt John atemlos.

,,Wir haben ihn gesehen", wiederholt Henry fiebrig und nickt mehrmals. ,,Den Hound! Sherlock hat ihn auch gesehen."

Lestrade wendet sich ungläubig an den Detektiv. ,,Was haben Sie gesehen?"

,,Nichts. Ich habe  n i c h t s  gesehen!", wiederholt Sherlock entschieden und ich frage mich, ob er uns überzeugen will oder sich selbst.  


_____________________



Mein Knöchel ist tatsächlich nicht gebrochen, wie mir John bestätigen konnte. Er hat mir einige Schmerztabletten gegeben, die ich nicht genommen habe und die noch auf meinem Nachttisch im Hotelzimmer liegen. Die Schwellung ist noch nicht ganz zurückgegangen und blaue und grüne Flecken zieren die Haut um meine Fessel.
Behutsam mache ich einen Schritt vor den anderen, als ich die große Treppe zum Foyer heruntergehe.
Ich betrete die Hotelbar und trotz der alten Steinmauern ist es angenehm warm.
Schnell entdecke ich John und Sherlock, die die beiden Sessel vor den Kamin besetzt haben.
John scheint gerade etwas zu sagen, er hat die Ellbogen auf die Oberschenkel gelegt und beugt sich zu Sherlock vor.

Meine Augen weitet sich, als ich den Detektiv genauer betrachte. Er wirkt fahrig, beinah fiebrig. Schweiß glänzt auf seiner Stirn und seine Locken kleben im Nacken an seiner Haut.
Ich versuche möglichst wenig Gewicht auf mein rechtes Bein zu verlagern, als ich ein paar Schritte auf die beiden zumache.
,,Es ist alles in Ordnung mit mir, hast du verstanden?!“
Der ganze Raum ist mit einem Mal still, alle Gespräche verstummen bei Sherlocks Ausbruch und die anderen Gäste drehen sich zu den beiden Männern um.
Mission abort.
Ich mache auf dem Absatz kehrt und steuere auf die Bar zu.
Erleichtert lasse ich mich auf einen der Barhocker sinken und bestelle einen Scotch.
,,Warum sollten Sie auch auf mich hören - Ich bin ja nur dein Freund“, höre ich John sagen. Er versucht zu flüstern, aber Wut macht seine Stimme laut.
,,Ich habe keine Freunde.“ Sherlock spuckt das Wort förmlich aus.
,,Nein“, stimmt John kopfschüttelnd zu. ,,Warum bloß?“, sagt er zu Sherlock, bevor er aufsteht und durch den Ausgang, der zur Terrasse führt, verschwindet.
Sherlock bleibt sitzen und presst seine Fingerspitzen gegen beide Schläfen.
Ich umfasse mein Glas und gleite von meinem Stuhl.
Er blickt auf, als ich neben dem leeren Sessel stehen bleibe.
Ich setze mich nicht auf Johns Platz, sondern lehne mich nur leicht gegen die Armlehne des Sessels.
Ich fahre mit mit der Zunge über die Unterlippe. ,,Sherlock...", beginne ich und ich suche nach den richtigen Worten, als Sherlock plötzlich aufsteht.

Diesmal ist es Wut, die ich in seinen Augen lese, als er dicht vor mir stehen bleibt.

,,Ersparen Sie mir Ihre Gesellschaft, Louise“, zischt er und rauscht an mir vorbei.
Seine Worte nehmen mir jeglichen Wind aus den Segeln.
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass er meinen Namen schon einmal mit einer solchem Abscheu ausgesprochen hat.
Ich bin daran gewöhnt, dass er mich  M i s s  J a m e s  nennt, wenn er mich necken will oder D r.  J a m e s, wenn er verärgert ist und betonen möchte, dass wir keine Freunde sind. Oder leise L o u i s e, wenn wir alleine sind, zwischen den Nacht- und Morgenstunden, in denen wir seltsam vertraut zusammen durch London wandern.
Beinah sanft an Weihnachten, als es begonnen hat zu schneien.
In Euphorie, wenn er einen Fall gelöst hat.

Ich kippe meinen Scotch herunter und der Alkohol hinterlässt eine brennende Spur in meiner Kehle.


_____________________



Ich atme tief ein.
Obwohl ich nicht angetrunken bin, hat sich eine Wärme in meinem Brustkorb ausgebreitet und färbt meine Wangen ein wenig röter.
Ich hebe die Hand um mit den Knöcheln gegen das Holz zu klopfen. Ich muss nur wenige Augenblicke warten, bis die Haustür aufgeschwungen wird.

,,Hallo“, sage ich ein wenig schüchtern und streiche mir eine lose Haarsträhne hinters Ohr.

,,Hallo“, erwidert Henry Knight überrascht.

Er sieht schlecht aus. Dunkle Ringe zeichnen sich unter seinen Augen ab. Seine Lippen sind trocken und die Haut leicht aufgeplatzt.
,,Es tut mir leid - Ich hoffe, ich störe Sie nicht. Ich dachte, ich sehe mal nach Ihnen?“
,,Oh. Das ist sehr nett“, sagt Henry und es klingt ehrlich. Lestrade und Sherlock sind noch im Gasthaus, John ist irgendwo anders hin verschwunden und ich hatte das Gefühl, dass wir alle dabei Henry vergessen haben. ,,Entschuldigung, kommen Sie herein.“
,,Danke.“

,,Was haben die anderen gesagt? Hat John etwas über meinen Zu- zustand gesagt, hat er Sie geschickt?“, fragt Henry, nachdem ich auf dem Sofa Platz genommen habe.
Unsicherheit.
Ich nehme einen Schluck von dem Glas Wasser, das Henry mir angeboten hat.

Fensterfronten ziehen sich vom teueren Holzboden bis zu den hohen Decken, aber durch die Beleuchtung kann man nur die Spiegelung im Glas sehen.

Ich beschließe nicht zu lügen. ,,John sagte, Sie seien manisch“, sage ich ehrlich.

Henry stößt ein kurzes, freudloses Lachen aus. ,,Natürlich. Ich bin verrückt, oder?“

Ich zucke mit den Schultern und stelle mein Glas ab. ,,Was sagt denn Ihre Therapeutin?“

,,Kind- Kindsheitstrauma, Angstörung. Nicht-nicht verrückt, also. Bis jetzt zumindest“, sagt Henry und lächelt ein wenig.

,,Dann nicht verrückt, also“, wiederhole ich lächelnd.  

Henry schluckt. ,,Warum sagt Sherlock dann, dass er nichts gesehen hat? Ich verstehe das nicht.“

,,Ich weiß es nicht. Vielleicht hat er wirklich nichts gesehen. Vielleicht hat er etwas gesehen für das er keine Erklärung hat.“

,,Aber dann- warum-?“

Ich lächle schmallippig. ,,Sherlock ist es nicht gewohnt, keine Erklärungen zu haben.“

,,Geht es ihm gut?“

Offenbart wahrscheinlich gerade unschuldigen Hotelgäste gegenseitig ihre schlimmsten Geheimnisse.

,,Er… ist nicht gerade jemand, der viel darüber spricht, wie es ihm geht“, sage ich vorsichtig, weil ich nicht zu viel Persönliches über Sherlock Preis geben will. Es würde sich zu sehr nach Verrat anfühlen, auch wenn Henry nur aus ehrlicher Anteilnahme zu fragen scheint.

,,Den Eindruck hatte ich auch schon.“

,,Kann ich Sie etwas fragen?" Henry nickt nur. ,,Warum sind Sie nach Baskerville zurück gekommen?"

,,Ich kann nicht ewig weglaufen, oder? Meine Therapeutin meint, ich müsse mich meinen Dämonen stellen. Aber-“ Er bricht ab.

,,Aber?“, frage ich sanft nach.

,,Aber es ist auch wegen meinem Dad. Ich habe nie erfahren, was wirklich mit ihm passiert ist. Niemand hat ihm je geglaubt, wenn er über Baskerville geredet hat. Er war immer nur der Spinner, der in allem und jedem Verschwörungen gesehen hat. Er hat mehr als das verdient. Ich - ich kann in letzter Zeit an nichts anderes mehr denken, als die Nacht, in der - in der-." Henry beendet den Satz nicht. ,,Ich muss das tun."

Sie wollen seinem Tod Bedeutung geben.

,,Denken Sie jetzt, ich sei manisch?“, fragt Henry niedergeschlagen.

Ich schlucke den Kloß in meinem Hals hinunter.
Ich denke, Sie sind mutig. ,,Nein."

*


Ich lege mir meine nassen Hände auf die Wangen und genieße die angenehme Kühle.
Die schmalen Fenster sind aus Milchglas und ein verschwommener Umriss bewegt sich dahinter im Wind. Wahrscheinlich eine der Eichen, die auf dem Grundstück gepflanzt wurden.
Meine Hände umklammern die Ränder des freistehenden Waschbeckens. Ich lehne mich vor und betrachte mein Spiegelbild, während ich versuche den pochenden Schmerz in meinem Fußgelenk zu ignorieren.
Meine Lidränder sind leicht gerötet und ich streiche mit zwei Fingerspitzen die Reste der Mascara, die unter meinen Augen verlaufen ist, weg.

Ein dumpfes Geräusch ertönt und ich halte inne.

Henry ist wahrscheinlich nur etwas runtergefallen? Ich trockne meine Hände an dem Gästehandtuch aus weicher Baumwolle ab.

Jemand schreit auf. Ich lasse das Handtuch fallen.

,,Henry?“, rufe ich und durchquere mit schnellen Schritten den Flur. ,,Ist etwas passiert?“
Es fühlt sich an, als würde sich ein Stein in meinem Magen befinden.

Henry steht im Wohnzimmer, aber er reagiert nicht auf mich. Seine Augen sind weit aufgerissen und sein Blick ist angsterfüllt auf die Fensterfront vor ihm gerichtet.
Dann sehe ich die Waffe in seiner rechten Hand.
Ich erstarre.
Henry dreht sich zu mir um.

,,Es war hier!“, ruft er und seine Stimme bebt.

,,Henry, bitte-“

Er deutet auf das Glas. ,,Es war hier! Die Sen- die Sensoren der Lichter gingen an. Es wollte mich angreifen! Es ist real!“

Ich mache einen kleinen Schritt auf ihn zu und hebe die Hände leicht an.

,,Bitte. Henry, legen Sie die Waffe weg“, sage ich mit brüchiger Stimme.

Erst jetzt scheint er zu registrieren, dass er den Revolver noch in der Hand hält.

,,Es - tut mir leid“, sagt er erschrocken und lehnt sich gegen die Wand hinter ihm. Er zittert. ,,Ich wollte Ihnen keine Angst machen. Es tut mir leid. Es-es tut- es tut mir leid“ wiederholt er immer wieder und sinkt zu Boden und der Revolver gleitet aus seiner Hand.
Seine Schultern beben, während er schluchzt.

,,Ich bin so ein Feigling“, sagt er mit erstickter Stimme und schlägt die Hände über dem Kopf zusammen.
,,Und wahrscheinlich noch verrückt dazu. In den letzten Tagen gab es kaum eine Nacht, in der ich nicht vor Angst erstarrt aufgewacht bin.“

Vorsichtig bücke ich mich, um die Waffe aufzuheben und auf den Esstisch zu legen.

,,Sie sind kein Feigling“, sage ich und lasse mich neben ihn auf den Boden sinken.

,,Ich denke, Sie sind mutig“, sage ich. ,,Es macht Ihnen unheimliche Angst, aber Sie sind trotzdem hierhin zurück gekommen. Sie sind mit Sherlock und John nachts aufs Moor gegangen. Ihnen gleitet der Boden unter den Füßen weg und niemand glaubt Ihnen, aber Sie sind noch hier.“

Langsam beruhigt sich Henrys Atem, während wir nebeneinader auf dem kalten Holzboden sitzen.

,,Ich erwarte fast, dass es wiederkommt“, sagt er, während er in die Dunkelheit vor uns starrt.

,,Dann sind Sie dieses Mal nicht alleine.“

,,Werden Sie mich vor dem Monster beschützen?“, fragt Henry beinah scherzhaft und sieht mich an. Seine Augen sind rot und auf seinen Wangen trockenen Tränen.

,,Ich werde es versuchen.“

,,Wie wollen Sie mich vor dem Monster beschützen, wenn es vielleicht nur in meinem Kopf ist“, sagt Henry leise und zum ersten Mal scheint er selber zu zweifeln.

,,Ich weiß es nicht. Aber wir werden es herausfinden. Sie können sich auf Sherlock und John verlassen. Sherlock ist der Beste, in dem was er macht."

Henry nickt nur.

Ich ziehe die Beine an und umschlinge sie mit meinen Armen.

Wir sagen eine Weile nichts, sitzen nur auf dem Boden und sehen in die Dunkelheit, aber es ist keine unangenehme Stille.

,,Sie ziehen die kaputten Fälle an, oder?“, sagt Henry irgendwann.

Meine Mundwinkel zucken leicht nach oben. ,,Vielleicht bin ich ja selber einer.“

,,Versuchen Sie auch sich Ihren Dämonen zu stellen?“

,,Nein. Nicht so, wie Sie es tun. Meine Dämonen sind hinter mir, aber ich habe das Gefühl, sie werden mich irgendwann einholen.“

,,Ich hoffe, Sie sind nicht alleine, wenn das passiert", sagt Henry nur.

Sherlock ist alleine. Der Gedanke schleicht sich leise ein und ein flaues Gefühl bereitet sich in meiner Magengegend aus.

,,Was- was denken Sie?", fragt Henry. ,,Sie sehen aus, als wäre Ihnen gerade etwas klar geworden."

,,Wäre es furchtbar unsensibel, wenn ich gehen würde? Mir ist klar geworden, dass ich heute einen Fehler gemacht habe. Vielleicht kann ich ihn noch begradigen.“
Es ist falsch zu gehen. Aber Sherlock leidet vielleicht ebenfalls und er hat vor einer Stunde John, den einzigen Menschen, dem er vielleicht vertraut , vor den Kopf gestoßen.

,,Nein", sagt Henry nur und sieht mich an, als würde er mich verstehen.


_____________________




,,Lassen Sie mich raten“, sagt Sherlock sarkastisch, als er die Tür öffnet und mich erblickt. ,,Ich soll mich bei John entschuldigen?“

,,Nein“, sage ich zerstreut und gehe an ihm vorbei ins Hotelzimmer. Die beiden Mitbewohner haben nur noch ein Doppelzimmer bekommen (und an jedem anderen Tag hätte ich einen Witz gemacht) und Johns Bett ist sofort an den ordentlich gefalteten Decken und seiner Reisetasche davor zu erkennen. Sherlocks Laken dagegen sind zerwühlt und sein Koffer liegt geöffnet auf dem Boden davor. ,,Ich meine ja, das sollten Sie wohl“,  sage ich und wirble herum. ,,Aber das- Ich hätte eben nicht gehen sollen.“

,,Ich habe Ihnen gesagt, dass Sie gehen sollen.“

,,Dann hätte ich nicht auf Sie hören sollen.“

Sherlock schnaubt und wendet sich ab. ,,Wenn Sie nicht anders können. Also? Sagen Sie, was Sie so dringend los werden wollen. Dass ich rational sein soll und mich an die Fakten halten soll? Denn die Fakten sind-

,,Wie geht es Ihnen?“, unterbreche ich ihn.

Sherlock lacht und wirft die Hände in die Luft ,,Ich verliere offenbar den Verstand. Sonst noch etwas?“

,,Ich war bei Henry Knight. Wir hatten eine Unterhaltung über Ängste", erzähle ich und über Henry, dessen Zustand schlimmer ist, als geahnt,  müssen wir ebenfalls reden. Aber das kann eine Nacht warten.

,,Ah. Macht es Ihnen Spaß mich so zu sehen?“, sagt Sherlock zynisch und sein Stimme wird lauter. ,,Ich habe Angst! Ich habe etwas gesehen, das nicht real sein kann und für das ich keine Erklärung habe. Denken Sie auch ich habe mich in irgendwas reingesteigert, ja?"

,,Ich kann mir vorstellen, dass.... die Situation sehr schwer für Sie sein muss", sage ich und selbst in meinen Ohren klingt das stumpf.

Sherlock schnaubt erneut.

,,Es ist keine Schande menschliche Emotionen zu haben oder zu zeigen, Sherlock", erkläre ich behutsam. ,,Warum sind Sie sich selbst gegenüber so ungnädig?“

,,Hören Sie auf damit!“, sagt Sherlock schneidend.

,,Womit?“

,,Hören Sie auf so zu tun, als würden Sie mich kennen!"

,,Angst, dass ich recht haben könnte?“, frage ich herausfordernd. ,,Sie sind immer noch ein Mensch. Denken Sie wirklich John oder Lestrade würden deshalb weniger von Ihnen halten. Oder ich?“

,,Ich lege keinen Wert darauf, was Sie von mir halten.“

Ich schürze die Lippen. ,,Ah“, mache ich spöttisch. ,,Es ist also viel mehr ein Ego-Trip. Wie kann der große Sherlock Holmes nur einmal wie wir Normalsterbliche empfinden.“

Seine Gesichtszüge verhärten sich und er macht einen Schritt auf mich zu.
,,Sie wollen alle Menschen retten, oder? Mein Gott, Sie sind noch erbärmlicher als John", er spuckt die Worte förmlich aus.  ,,William Flynn. Henry Knight. Mich. Nur, weil Sie Ihren Bruder nicht retten konnten? Wollen Sie so verzweifelt mal eine Erfolgsgeschichte in Ihrem Leben haben?“

Ich blinzle.
Ich weiß nicht, was er mit seinen Worten bezwecken will. Ob er will, dass ich in anschreie oder endlich gehe oder in Tränen ausbreche.
(Oder ein schreckliches ,,Vielleicht": es ist wirklich das, was er von mir denkt.)
Ich tue nichts davon. Es fühlt sich an, als würde Eis durch meine Adern fließen.
Dieses Mal lasse ich mich nicht von ihm provozieren. Sein Mund formt eine harte Linie und seine Augen funkeln wütend auf mich herab. Er macht einige Schritte vor mir, sein Rücken gerade und er benutzt seine Größe als Einschüchterung. Ich kann nicht eimal sagen, ob es gewollt ist oder eine Angewohnheit.
Aber alles was ich sehen kann, ist ein verletztes Tier, das in die Ecke gedrängt wurde.
(Und ein wenig fühle ich mich auch, als müsse ich meine Wunden lecken. Aber das wird warten müssen.)

,,Sie haben John gesagt, Sie hätten keine Freunde. Ich frage mich, ob das Ihre Wahl ist oder vielmehr die der Menschen in Ihrem Umfeld?“, sage ich leise. Ich weiß, dass ich unfair bin. Aber ich bin wütend und verletzt.
,,Sie sind einsam. Und das schon sehr lange, oder? Das Kind, mit dem niemand spielen wollte? Sie waren immer anders. Brilliant, aber niemand kann Ihre Fähigkeiten genug verstehen, um sie wirklich wertzuschätzen. Sie haben nie zu den anderen gepasst und dann haben Sie irgendwann beschlossen, dass Sie besser sind als die anderen. Einsam zu sein war besser als gewöhnlich. Das Alleinsein ist irgendwann Ihre Zuflucht geworden ist. Ihr Schutzmantel und Sie haben ihn nie abgelegt.“

Für einen Moment entgleiten ihm seine Gesichtszüge und er sieht verblüfft aus.
Sekunden später ist es wieder verschwunden. Er bleibt dicht vor mir stehen und ich zwinge mich dazu nicht zurückzuweichen.

,,Fahren Sie zurück zu- Fahren Sie zurück nach London, Louise“, sagt er kalt.

Ich neige den Kopf leicht. ,,Ist meine Anwesenheit wirklich so schrecklich?“, frage ich leise.

,,Nein! Ja! Sie sind nervig, sturr und.. Sie lenken mich ab. Permanent.“ Seine Stimme ist heiser.

,,Ich verstehe es nicht, Sherlock!“, rufe ich frustriert. ,,Was mache ich so schl-“

Sherlock beugt sich plötzlich vor und ein überraschter Laut entweicht mir, bevor er seine Lippen auf meine presst.

Was hatte ich eigentlich sagen wollen? Alle anderen Gedanken scheinen mir zu entgleiten. Plötzlich scheint Dewer's Hollow und Henry Knight weit entfernt.

Sherlock. Sherlock. Sherlock.

Er legt eine Hand in meinen Nacken, aber übt keinen Druck aus, sondern neigt meinen Kopf nur ganz leicht.

Es dauert noch einige weitere Sekunden, bevor ich aus meiner Schockstarre erwache und meine Lippen werden weich.
Seine Zunge fährt über meine Unterlippe und ich öffne meinen Mund.
Sherlocks Hand wandert zu meinen Haaren und greift fest zu und es tut fast schon ein wenig weh.

Er schmeckt nach dem Whiskey aus der Hotelbar und Minze. Ich keuche und schlage die Augen auf.
Sherlocks Wangen sind leicht gerrötet und er atmet schneller. Seine Augen sind dunkel, das Blau fast ganz von den Pupillen verschluckt.
,,Was-?“, stoße ich aus, aber Sherlock senkt den Blick und verschließt meine Lippen erneut mit seinen. Seine freie Hand legt sich auf meine Taille.  
Meine Hände wandern zu seinen Schultern und verharren dort - unentschieden, ob ich ihn wegzudrücken will oder näher zu mir ziehen.

Die Entscheidung wird mir abgenommen, als es an der Tür klopft. Ich nehme es kaum wahr, aber Sherlock drückt mich in Sekundenschnelle abrupt von sich.
Ich sehe vollkommen perplex zu ihm.

,,Ich hatte keinen Erfolg bei Louise Mortimer", platzt John herein und bemerkt dann mich. ,,Oh, haben Sie auch etwas Neues herausgefunden?"

,,Nicht jetzt, John!", sagt Sherlock nur ohne einen von uns anzusehen und stürmt an John vorbei aus dem Zimmer.

Meine Hände sind noch immer in der Luft verkrampft.

,,Huh, also immer noch so eine Laune", kommentiert John.

Ich starre ihm hinterher.

John runzelt die Stirn. ,,Alles in Ordnung?", fragt er und mustert mich.

Bezweifle gerade ernsthaft, dass ich je die Fähigkeit zu Sprechen wiedererlangen werden. Moment, habe ich nicht einen Abschluss in Linguistik?

So hat bisher noch keiner unserer Streits geendet.

Ich lasse die Hände sinken.

,,Louise? Geht es Ihnen gut? Sie sehen so aus….“

...als hätte ich vorübergehend sämtliche Gehirnfunktionen eingestellt und meine Festplatte fährt gerade neu hoch? Ja, so ziemlich.

,,Mh“, mache ich nur.

,,Sie sehen aus, als hätten Sie einen Geist gesehen. Sagen Sie jetzt nicht, Sie hätten den Höllenhund auch gesehen und sind deswegen so von der Spur.“

,,Was für 'n Hund?“, hauche ich.

John sieht mich an, als zweifle er langsam wirklich an meiner geistigen Gesundheit.

Die Räder in meiner Kopf beginnen sich langsam wieder zu drehen.
Baskerville. Gruseliges Knurren. Sherlock. Dewer’s Hollow. Henry Knights Vater. Sherlock.

,,Oh, die Hunde“, sage ich und räuspere mich. ,,Ja, das ist es.“

John schüttelt ungläubig den Kopf. ,,Ich glaube langsam irgendwas stimmt mit diesem Ort wirklich nicht. Wenigstens benimmt sich Lestrade noch normal.“

,,Ich- ich muss gehen", sage ich eilig und fliehe.

Es ist schon spät, aber ich gehe an meiner Zimmertür vorbei nach unten ins Foyer.

Erleichtert atme ich die kalte Nachtluft ein, als ich nach das Gasthaus verlasse.
Ich binde den Gürtel meines Mantels enger und stecke die Hände in die Taschen.
Meine Wangen glühen, aber dieses Mal ist es nicht vom Scotch.
Ich schließe kurz die Augen und atme den Waldgeruch von Dartmoor ein.

Sherlock hat mich geküsst. Sherlock hat mich geküsst.
Die Worte laufen als Endlos-Schleife in meinem Kopf ab.

Sie passen nicht zusammen. Absolut nicht. Sie widersprechen sich. Das reinste Oxymoron.

Ich öffne die Augen und sehe zu den Sternen über mir.



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Wer ist so überrascht wie Louise?
(Mir ist erst jetzt aufgefallen, dass die Therapeutin in der Folge den gleichen Namen hat :D)

Ich würde mich sehr über Meinungen, Kommentare, Ideen, etc. freuen
es wäre also toll wenn ihr einfach schnell ein Review da lasst, egal wie kurz oder lang, egal wo ihr gerade dran seid!!
Würde mich sehr motivieren :)
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