Von gescheiterten Vätern und liebevollen Verträumten

von Hedwig93
OneshotDrama, Romanze / P12
25.12.2017
25.12.2017
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Für Cissy B
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Die Gärten des Magnolienrings unterschieden sich nicht von denen Gärten, die ein Besucher in Little Whinging beim Spazieren entdecken konnte. Der Rasen war akkurat kurz getrimmt und die Blumen in den Beeten hatten ausreichend Wasser abbekommen. Ein dicker Mann mit Walrossschnauzbart keuchte an einem kleinen Backsteinhaus mit einer Garage links daneben und einem Kirschbaum im Vorgarten entlang. Er blickte kurz an die grüne Haustüre mit den kleinen Fenstern und ließ seinen Blick auf das Willkommensschild über der messingfarbenen Klingel wandern. Er erblickte die Hausnummer 7 auf der Messingplackete und las dort den Namen <Dursley> und wusste von allen am allerbesten, dass die Personen, die in dem Haus lebten, alles andere als Dursleyhaft waren.
‘Wie kann er das nur wagen, mein eigener Sohn’, dachte der Mann und keuchte bei jedem Schritt, den er in Richtung Ligusterweg machte. Jeder, der sich die Szenerie ansah, konnte sich sorgen, dass der Mann gleich vor Anstrengung zusammenklappen würde. Auf der anderen Seite kannten viele Nachbarn Vernon Dursley gut genug, damit sich ihr Mitleid in Grenzen hielt. Es war immerhin Vernon Dursley und jeder Mensch, der entweder nicht normal in seinen Augen war oder ihm keinen Vorteil verschaffte, war nichts wert. Selbst sein eigener Sohn musste diese Eigenschaft seines Vaters in jüngster Vergangenheit erleben. Er erinnerte sich an das letzte Gespräch mit seinem Sohn:


***

“Es ist mir egal, was Du sagst, Vater. Ich habe diese wunderbare Frau bei Harry kennen gelernt”, meinte Dudley. “Und bevor du fragst, ja, sie ist eine Hexe. Entweder Du gewöhnst Dich an den Gedanken, oder Du lässt es bleiben. Ich liebe sie”, schrie Dudley nun. Er hielt ein Glas in der rechten Hand und seine Knöchel färbten sich durch den ausgeübten Druck weiß.
“Sie ist ein Freak, wie dieser Taugenichts von Potter”, erwiderte Vernon ebenfalls lautstark und kleine Tropfen seines Speichels verteilte sich vor ihm auf dem Wohnzimmertisch. “Und jetzt wird mein Sohn auch einer”, spuckte er, wobei er Dudley keines Blickes würdigte.
“Ist das Dein letztes Wort?”, fragte Dudley ruhig, obwohl er die Antwort seines Vaters schon vorher erahnen konnte. Zu lange hatte er in der Vergangenheit erleben müssen, wie sich sein Vater gegenüber Harry benommen hatte. Die vielen Streitereien und die Misshandlungen waren ihm nie entgangen. Am Anfang, ja, da hatte er kein Problem damit und hatte sich sogar beteiligt. ‘Ich selbst war ein Idiot und Schläger’, dachte er und erinnerte sich an so viele Gelegenheiten, in denen er anders hätte handeln sollen.
“Natürlich, mein allerletztes!”, brachte Vernon schwer atmend hervor.

Niemals hätte er gedacht, dass sein eigener Sohn, sein Fleisch und Blut mit einer Hexe zusammen leben wollte. Gar behaupten würde, sie würden sich lieben. Vor Allem diese merkwürdige Person. “Sag, Dudley, die hat Dich verzaubert. richtig? Alles andere ist nicht logisch!.”
“Ja, Dad das hat sie. Verzaubert hat sie mich...auf die gute und einzige Art, die zählt”, wetterte nun Dudley und stand schwungvoll auf, was den Sessel in dem er saß fast zum überkippen brachte. Er hatte genug und wollte nur noch nach Hause. Zur ihr. Auch, wenn sein zu Hause nur wenige Gehminuten entfernt war, war er doch dort sicher. “Sicher mit Ihr”, dachte er sich, was ihn kurz lächeln lies.
“Dudeymatz, bleib doch da. Dad meint das gar nicht so”, flehte Petunia, die bisher nur schweigend neben ihrem Mann saß. “Wir liebe Dich und auch Deine Freundin werden wir akzeptieren”, flehte sie ihren Sohn, ihr einzigstes Kind an.

“Ich höre ja wohl schlecht”, brauste Vernon auf und sah seine Frau nur erschrocken an. Einige Tropfen Speichel liefen aus seinem Mund sein Kinn hinunter. Onkel Vernon hatte sich einige Tage nicht rasiert. Sie liefen am Bart herunter und versickerten langsam in den Untiefen des grauen bartes. Wie konnte sie nur so etwas sagen. Er würde diese Hexe niemals akzeptieren. Doch Dudley war bereits verschwunden und hatte seine Mutter nicht mehr gehört. Er hatte die Haustür offen stehen gelassen und eine kalte Herbst Brise wehte durch das Haus am Ligusterweg Nummer 4.
“Sieh, was Du getan hast. Unser Sohn, unser einziger Sohn hasst Dich nun. Du kannst Dich aufregen, Du kannst Ihn dafür hassen... Ich liebe Ihn trotzdem und ich werde die beiden Besuchen”, sprach Petunia und ließ ihren Mann alleine im Wohnzimmer sitzen


***

“Schatz, hast Du das Bett fertig aufgebaut?”, fragte eine verträumte Stimme einige Tage später im Magnolienring Nummer 7. “Oder soll ich Dir helfen”, lachte die junge Frau schelmisch. Sie hielt in der einen Hand einen hölzernen Stab und mit der anderen streichelte sie sich sanft über ihren Bauch. Die erste leichte Wölbung war zu erkennen und sie freute sich so sehr auf ihr erstes Kind.
“Nein, alles gut. Ich bin mir sicher, dass ich das schaffe. Auch ohne Zauberei”, stöhnte der angesprochene junge Mann, beladen mit einer kaum verständlichen Anleitung. Er kniete auf dem Boden eines kleinen Zimmers im ersten Stock. Rund herum um ihn, waren viele Schrauben und weiß lackierte Holzstäbe verteilt. “Ich muss nur diese Stäbe in diese Latte einstecken und dann dort verschrauben”, sagte der Mann und deutete auf den Korpus eines Kinderbettes.
“Wenn Du meinst, Dudley”, sagte die Frau. “Aber nicht, dass unser Kind am Ende dort schläft und dann in zehn Monaten plötzlich unter Holz begraben ist.”
“Mein Vater ist Chef einer Firma für Bohrmaschinen. Ich glaube ich bekomme das hin”, zwinkerte Dudley amüsiert und bekam dafür einen Kuss auf die Wange.
“Was machen wir, wenn unser Kind keine magischen Kräfte hat?”, fragte Dudley und wurde ernst. Dieser Verdacht kam ihm schon eine Weile immer wieder in den Sinn. Sein Vater war so verbohrt, da könne sich wahrscheinlich genetisch gar keine Magie durchsetzten.
“Dann ist das egal. Mach Dir keine Sorgen.”
“Ich mach’ mir aber sorgen”, sagte der junge Mann. Er packte zwei Stäbe und steckte sie in die passende Bohrung der Holzlatte.

Die beiden hörten, wie unten die Klingel ertönte und die Mutter des ungeborenen Kindes ging hinunter. Sie öffnete die Tür und erblickte eine pferdegesichtige Frau, die eine Bluse mit blumenmuster und einen braunen Rock trug.
“Mrs Dursley?”, fragte die junge weißblonde Frau überrascht.
“Hallo Luna, ich darf doch Luna sagen, oder?”, fragte Petunia unsicher und blickte leicht verlegen die junge Frau an.
“Natürlich, ich bin froh, Sie endlich kennenlernen zu dürfen. Kommen Sie rein”, begann Luna und machte einen Schritt zur Seite. Sie deutete in die Diele und Petunia trat ein. “Ich mache Tee und rufe Dudley”, meinte Luna.
“Wo ist denn mein Dudeymatz?”, fragte Petunia und folgte Luna in die geräumige Küche. Man merkte sofort, dass das Leben des Hauses hauptsächlich in der Gemütlichkeit der Küche ablief. Bilder des Paares hingen an der Wand zwischen den beiden Fenstern zur Straße. Sogar ein Familienbild der Dursleys war zu erkennen.
“Er ist oben im Kinderzimmer und versucht das Bett für unsere Tochter aufzubauen”, kommentierte Luna, den verbleib von Dudley. “Es ist schön, dass Sie zu uns kommen. Dudley wird sich sicher auch freuen, genauso, wie ich. Vielleicht können wir drei wenigstens eine Familie sein, auch wenn...na ja, Vernon kein Interesse hat.”
“Tja, so ist mein Mann und damit muss er leben. Ich will aber nicht auf meinen Sohn, die Frau die er liebt und schon gar nicht auf mein Enkelkind verzichten. Du meintest, es sei ein Mädchen?”
“Die Schlickschlupfe haben es mir verraten”, zwinkerte Luna Petunia an. Das ratlose Gesicht von ihrer Schwiegermutter in Spe störte Luna jedoch nicht. “Ja, es wird ein Mädchen und wir freuen uns riesig”, schwärmte Luna verträumt.
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