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You‘re Not Evil

von Ririchiyo
Kurzbeschreibung
CrossoverFreundschaft, Schmerz/Trost / P12 / Gen
Alexander "Alec" Lightwood Clarissa "Clary" Fray Isabelle "Izzy" Lightwood Jace Wayland / Jonathan Christopher Herondale Magnus Bane Raphael Santiago
24.12.2017
24.12.2017
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4.044
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24.12.2017 4.044
 
AN: Eigentlich ist es eher ein Harry-Potter-AU, als ein Crossover, aber da einige Leute erwähnt werden … nun ja. Außerdem mache ich hierfür  alecbaene mit diesem und diesem Post verantwortlich. Ursprünglich von mir in Englisch geschrieben, aber ich habe mir jetzt auch mal die Zeit genommen, es zu übersetzen, weil ich dachte, dass es ja vielleicht auch dem ein oder anderen Leser hier gefallen könnte ^^
Ich entschuldige mich für jegliche Fehler oder so, und wäre sehr dankbar, falls jemand Tipps hat, damit ich das beim nächsten Mal im Hinterkopf behalten kann. (Wer außerdem Fehler findet, kann‘s mir auch gerne sagen, ich korrigiere dann alles so schnell wie möglich.)
Titel wird eventuell noch geändert, wenn mir was besseres einfällt, und nun wünsche ich euch allen ein paar angenehme Feiertage und hoffentlich viel Spaß bei dem Text!




You‘re Not Evil


„Slytherin!“, rief der sprechende Hut aus und in genau diesem Moment stoppte sein Herz. Nein. Nein, das konnte nicht sein. Das konnte nicht passieren. Nicht ihm. Jeder wusste, dass Slytherin das Haus von Er, dessen Name nicht genannt werden darf war. Das Haus, aus dem die meisten Todesser kamen. Das hier war nicht- Das hier konnte nicht-
Niemand aus seiner Familie war jemals Slytherin gewesen. Noch nie. Sie gehörten meistens nach Gryffindor oder Ravenclaw, manchmal Hufflepuff, aber niemals Slytherin. Er sah zu Jace und dann zu Izzy, die beide absolut geschockt zu ihm zurück starrten. Er konnte er ihnen nicht wirklich verübeln.
Als er aufstand, und zu dem Tisch seines neuen Zuhauses hinüberlief, fühlte er sich taub und er bekam kaum mit, wie die Slytherins applaudierten. Das war nicht gut. Gar nicht gut. Seine Eltern würden ihn hierfür hassen. Egal ob er es selbst gewählt hatte oder nicht.

Er seufzte und schaute hinunter auf den Tisch unter seinen Händen, aber sah auf, als jemand ihm auf die Schulter klopfte. „Guck nicht so traurig“, sagte ein Mädchen. „Wir sind ein großartiges Haus, das beste, wenn man es genau nimmt.“ Auf der anderen Seite des Tisches hörte er jemanden schnauben. Es war ein Junge mit schwarzen Haaren, der aussah wie dreizehn, oder vielleicht vierzehn. Oder vielleicht zwölf? Alec war nicht wirklich gut in sowas.
„Das ist nicht wahr, Catarina.“ Er wandte sich an Alec. „Aber wir sind auch nicht das schlimmste Haus, also hat sie absolut recht, was das mit dem traurig sein angeht.“
Die Frau lachte. „Siehst du?“ Sie grinste. „Selbst Raphael stimmt mir zu.“ Und dann drehte sie sich um und begann mit jemandem zu reden, der auf ihrer anderen Seite saß. Als Alec sich zurück zu Raphael drehte, redete dieser auch bereits mit jemand anderem. Er seufzte wieder. Aber vielleicht hatten sie recht. Vielleicht war das hier wirklich nicht das schlimmste, richtig? Slytherin zu sein hieß nicht, böse zu sein. Denn er war auf keinen Fall böse … oder?

Wie sich herausstellte, hatten sie nicht recht. Sobald seine Eltern hörten, dass er ein Slytherin war, sprachen sie nicht länger mit ihm. Oder eher, sie schrieben ihm nicht länger Briefe. Oder egal was, eigentlich. Sie antworteten nicht, wenn er ihnen schrieb, sie fragten ihn nicht, wie es lief, wie es ihm ging, sie vergaßen sogar seinen Geburtstag. Er hätte sich selbst gerne eingeredet, dass es nicht wegen ihm war, dass sie nur keine Zeit hatten, aber da Izzy und Jace oft Post bekamen … nun, das funktionierte nicht wirklich. Also hörte auch er auf mit seinen Eltern zu reden, und konzentrierte sich stattdessen auf Schule und Training. Es war sehr viel einfacher so.
Er musste nicht wirklich über Familie nachdenken, wenn er damit beschäftigt war, Bücher zu lesen und Zaubersprüche zu lernen. Es war vermutlich die beste Lösung, denn das ganze machte es auch nicht viel leichter, Freunde zu finden, aber wofür bräuchte er die denn auch? Sie würden vermutlich nur versuchen, mit ihm über seine Familie zu reden, und das alles zurückbringen. Und das brauchte er wirklich nicht.

*

Magnus fluchte, als sich jemand etwas zu energisch neben ihn setzte, und ihm dabei einen Ellenbogen in die Seite stieß. Vermutlich unbeabsichtigt, aber es tat dennoch weh. Er rieb sich die Rippen und drehte seinen Kopf in Richtung der Person. Das junge Mädchen sah entschuldigend zu ihm zurück, und seufzte dann, bevor sie den Kopf hängen ließ. Er hob seine Augenbrauen, während sie begann, sich mit den Händen übers Gesicht zu fahren. Er sollte das nicht tun. Er wusste das. Er hängte sich manchmal – eigentlich immer – viel zu sehr in Dinge rein. Aber wenn es da einen Neuling gab, dem er vielleicht helfen konnte …
„Was ist los?“ Das Mädchen sah wieder auf. „Du siehst aufgebracht aus“, fuhr er fort. „Also was ist los?“ Das Mädchen starrte ihn nur weiter an. Er seufzte, und war bereits kurz davor, weiterzusprechen, als Ragnor, der auf Magnus‘ anderer Seite saß, aufsah, und das Mädchen kurz musterte.
„Bist du nicht dieses Lightwood-Mädchen, deren Bruder ein Slytherin ist?“, fragte er dann, und das Mädchen drehte ihren Kopf in seine Richtung, und sah ihn sauer an. Okay, das war dann also ein ja. Moment. Lightwood und Slytherin? Das passte nicht. Was genau hatte er verpasst, als er bei der Aufteilung der neuen Schüler ferngeblieben war? (Nicht, dass er die neuen Schüler nicht hatte sehen wollen, aber nach drei Jahren wurde es irgendwie langweilig, Kindern dabei zuzusehen, wie sie mal wieder in die verschiedenen Häuser einsortiert wurden.) Und warum hatte er davon nicht später noch gehört? Es musste Gerüchte geben, wenn da wirklich ein Lightwood bei den Slytherins war! Immerhin machte die Familie doch normalerweise so einen riesen Aufstand, weil sie eben nicht von dort kamen.
Er schüttelte den Kopf und sah zurück zu dem Mädchen. „Wie heißt du?“, fragte er und lächelte sie an. „Ich bin Magnus.“
Neben ihm schnaubte Ragnor. „Jeder weiß, wer du bist, Magnus.“ Magnus verdrehte die Augen. Das half überhaupt nicht!
Das Mädchen lächelte leicht. „Ich bin Izzy.“
„Großartig“, meinte er und ignorierte seinen noch immer vor sich hin grummelnden Freund. „Also, was stimmt nicht? Ist es, weil dein Bruder ein Slytherin ist? Daran ist nichts schlimmes. Einige meiner Freunde sind auch Slytherin.“
Izzy sah ihn verärgert an. „Ich weiß das, okay?!“ Magnus war ein wenig überrascht darüber, wie laut sie plötzlich war. „Ich bin nicht blöd!“ Sie verschränkte die Arme vor der Brust. „Aber unsere Eltern wissen es nicht. Sie haben aufgehört, mit ihm zu reden, und jetzt hat er aufgehört, mit uns zu reden.“
„Warum?“ Magnus konnte die Frage nicht zurückhalten, und er sah verwundert zu, wie Izzy auf den Tisch schlug.
„Weil sie alle blöd sind!“, rief sie aus, und verschränkte dann wieder ihre Arme. „Unsere Eltern hassen ihn, weil er ihm gleichen Haus wie du weißt schon wer ist, obwohl das ganz sicher nicht kommt, weil er böse ist, und er denkt, dass es besser ist, sich Hals über Kopf ins Lernen zu stürzen, statt mit jemandem darüber zu reden!“
Magnus tauschte einen Blick mit Ragnor aus, der daraufhin versuchte, ihm zu erklären, dass sie lieber in den Unterricht gehen sollten, doch schließlich verdrehte er die Augen, und zuckte mit den Schultern. Magnus versuchte, nicht zu lächeln.
„Also, Izzy“, begann er, brach dann aber ab, als jemand, der eindeutig zu Gryffindor gehörte, sich an ihren Tisch setzte. „Du solltest hier nicht sitzen, weißt du?“, fragte er den Jungen, der ihm sogleich einen bösen Blick zuwarf.
„Interessiert mich nicht.“ Er wandte sich an Izzy. „Hat er auch aufgehört, mit dir zu reden, oder hat das nur was mit mir zu tun?“
Izzy schüttelte den Kopf. „Er redet auch nicht mehr mit mir“, gab sie zurück, und sah zu Magnus. „Das ist Jace, mein zweiter Bruder“, stellte sie den Jungen vor. Oh, okay, das erklärte vermutlich, warum dieser so wütend zu sein schien.
„In Ordnung.“ Magnus nickte. „Dann Jace, Izzy, warum erzählt ihr mir nicht, was passiert ist?“

Am Ende war er nicht viel schlauer als zuvor, aber er war definitiv viel wütender. Die Lightwood-Eltern hatten ganz offensichtlich keine Ahnung, wie man Kinder erzog. Denn andernfalls würden sie das ihren Kindern nicht antun. Keinem der Kinder. Es schien sie nicht einmal zu interessieren, wenn Izzy und Jace ihnen schrieben, wie viele Sorgen sie sich um Alec machten.
Er schüttelte den Kopf, und versuchte, sich zu beruhigen. Ja, er hing emotional definitiv schon viel zu weit mit drin. Außerdem wollte er wirklich gerne irgendetwas in die Luft jagen. Er war beinahe sicher, dass es helfen würde … nur, dass dem vermutlich eben doch nicht so war, denn dann würde er vielleicht der Schule verwiesen werden, und er war sich ziemlich sicher, dass damit absolut niemandem geholfen war.

„Du siehst aus, als wärst du kurz davor, jemanden zu töten“, begrüßte Raphael ihn, als er die Bibliothek betrat.
„Ich bin kurz davor, jemanden zu töten“, stimmte er zu, und sah dann zu den zwei Leuten neben Raphael. Ein rothaariges Slytherin-Mädchen und ein Junge aus Hufflepuff. Warum genau hing Raphael mit zwei Erstklässlern rum?
Irgendeine Regung musste wohl auf seinem Gesicht zu sehen gewesen sein, denn Raphael seufzte. „Ich habe auch keine Ahnung, was die beiden hier machen“, meinte er.
Der Junge schnaubte, und das Mädchen verdrehte die Augen. „Wie sind hier, damit du nicht immer so alleine bist“, erklärte sie, und Magnus wollte schon anfangen zu lachen, doch dann erinnerte er sich an sein Gespräch mit Jace und Izzy, und er ließ es. „Das ist Simon, ich bin Clary.“ Das Mädchen sah zu Magnus auf und grinste. Magnus mochte sie jetzt schon. „Warum bist zu kurz davor, jemanden zu töten?“
Er seufzte. „Weil Eltern schrecklich sind.“ Er setzte sich neben Raphael, der ihn skeptisch ansah.
„Du redest wieder mit deinem Vater?“, wollte er wissen, und für einen kurzen Augenblick musste Magnus überlegen, wovon sein Freund da eigentlich sprach, bevor er den Kopf schüttelte.
„Nein, nicht meine Eltern. Ich habe mich gerade mit den Geschwistern von Alexander unterhalten, und deren Eltern sind grauenhaft.“
Clary schien sehr interessiert. „Alexander wie Alexander Lightwood? Alec?“, fragte sie. „Er ist nett, ich mag ihn.“
Simon neben ihr runzelte die Stirn. „Ich dachte, er hasst dich.“
Sie schüttelte den Kopf. „Das heißt nicht, dass er nicht nett sein kann. Erst vor einer Woche hat er mir geholfen, ein Buch zu finden, als ich ihn gefragt habe. Und er sagt mir auch immer, was unsere Hausaufgaben sind, wenn ich es vergesse. Er ist vielleicht nicht sehr sozial, aber er ist nett.“ Sie grinste. „Außerdem glaube ich, dass ich ihn heute schon in der Bibliothek gesehen habe. Er-“ Sie brach ab und deutete dann in die Richtung hinter Magnus. „Das ist er. Alec!“, rief sie und winkte.
Der Junge drehte sich sofort um und runzelte die Stirn, bevor er den Kopf schüttelte. „Clary“, begann er dann, während er näher trat. „Das ist eine Bibliothek, du solltest hier drinnen wirklich nicht schreien.“
Magnus musste zugeben, dass er überrascht war, wie warm Alexanders Stimme klang. Das war definitiv nicht die Stimme von jemandem, der die Person hasste, mit der er sprach. Und es war auch ganz sicher nicht die Stimme von jemandem, der böse war. Das war die Stimme von jemandem, der sich kümmerte. Wie genau konnten seine Eltern ihn einfach so stehen lassen? Sie mussten ihn doch besser kennen, oder nicht?!
„Sorry, du hast recht.“ Clary grinste. „Möchtest du dich zu uns setzen?“
„Ähm-“ Alec schien etwas überfordert. „Ich weiß nicht- ich-“
„Ja“, stimmte Magnus zu. „Warum setzt du dich nicht zu uns? Könnte lustig sein.“ Er lächelte und ignorierte das Stöhnen, welches von Raphael kam. Es schien sogar beinahe so, als würde Alec wirklich ernsthaft darüber nachdenken, sich zu setzten, doch dann schüttelte er den Kopf.
„Tut mir leid, ich habe immer noch ziemlich viel zu tun“, murmelte er, bevor er sich umdrehte und verschwand.
Clary seufzte und zuckte mit den Schultern. „Seht ihr, er ist nett. Nur ein wenig antisozial.“ Dann drehte sie sich zu den drei Männern. „Aber wir können doch noch was zusammen machen, richtig? Ich bin sicher, dass wir was finden, was mehr Spaß macht, als in der Bibliothek zu hocken.“ Während sie sprach, starrte sie hauptsächlich Raphael an, der aufstöhnte, dann aber den Kopf schüttelte und etwas wie „Was auch immer“ sagte. Ja, Magnus mochte dieses Mädchen auf jeden Fall.
Als sie die Bibliothek verließen, sah Magnus noch einmal zurück, und entdeckte Alexander, der alleine an einem Tisch saß und ein Buch las. Er seufzte, bevor er Clary, Simon und Raphael folgte. Aber vielleicht könnte er Alec ja nächstes Mal davon überzeugen, etwas sozialer zu sein.

*

Als es das erste Mal passierte, dachte Alec sich nichts dabei. Ganz sicher hatte Magnus Bane nur versucht, nett zu sein, weil er dachte, dass Alec und Clary irgendwie Freunde waren – was aber definitiv nicht so war. Alec war sich da sicher. Sie waren keine Freunde, richtig? Hielt Clary sie fälschlicherweise für Freunde? War das der Grund, aus dem sie immer so fröhlich schien, wenn sie ihn sah? Aber er hatte nie irgendetwas getan, weshalb sie an eine Freundschaft zwischen ihnen glauben könnte, oder doch?

Als es das zweite Mal passierte, hielt er es für einen Unfall. Magnus hatte ihn für jemand anderen gehalten, oder er war gelangweilt gewesen und brauche einfach nur die Gesellschaft von egal wem, denn warum sonst würde er Alec fragen, ob dieser Zeit mit ihm verbrachte? Ausgerechnet Alec?! Dabei konnte er doch Zeit mit jedem anderen verbringen! Alec kannte niemanden, der Magnus freiwillig irgendetwas ausschlagen würde, also hatte der andere Schüler ganz sicher nur einen Fehler gemacht.

Beim dritten Mal begann Alec ernsthaft, an Magnus‘ Verstand zu zweifeln. Magnus war der beliebteste Schüler der Schule, also warum, um alles in der Welt, würde er schon wieder Alec fragen, ob dieser sich zu ihm setzten wollte? Das ergab einfach überhaupt keinen Sinn! Alec lehnte ab, wie immer, nicht sicher was genau es eigentlich war, das Magnus von ihm wollte.

Nach ein paar Wochen hörte Magnus auf, Alec zu bitten, irgendetwas gemeinsam zu unternehmen. Alec wäre sogar froh darüber gewesen – wenn Magnus ihn solche Dinge nicht fragte, dann musste er nicht darüber nachdenken –, doch statt zu fragen, redete Magnus jetzt einfach nur. Alec saß in der Bibliothek, und plötzlich saß Magnus auch da und erzählte von seinem Tag, und fragte Alec, wie dessen Tag gelaufen war. Wenn Alec lernte, dann war Magnus plötzlich da, und sprach darüber, wie langweilig er das Fach doch fand, weil es für ihn so leicht war. Wenn Alec nach draußen ging, dann ging Magnus plötzlich neben ihm und redete über das ach so schöne Wetter. Es war nervenaufreibend. Es war noch schlimmer, als Magnus plötzlich begann, während der Essen mit am Slytherin-Tisch zu sitzen, nur damit er weiter mit Alec plaudern konnte. Oder zumindest schien das der Grund zu sein. Aber das war unmöglich, oder?

Als die Leute begannen, zu reden – noch mehr zu reden, als zuvor, denn offenbar gab es niemals etwas interessanteres, um darüber zu reden, als den Lightwood-Jungen, mit dem offensichtlich etwas nicht stimmte, denn warum sonst wäre er in Slytherin –, begann Alec, Magnus auszuweichen. Er brauchte diese zusätzliche Aufmerksamkeit wirklich nicht. Oder eher, er wollte sie wirklich nicht. Er war überrascht, wie leicht es war, sich vor Magnus zu verstecken. Vielleicht war der wirklich schlecht im Suchen, oder vielleicht hatte er einfach nur bemerkt, dass man sich mit Alec nicht einfach so anfreundete, aber Alec war froh darüber, denn es hieß, dass die ganzen Tuscheleien aufhörten – oder zumindest die meisten –, und dass der Großteil der Schüler ihn in Ruhe ließ. Außerdem war es auch viel leichter, zu lernen, wenn Magnus ihn nicht die ganze Zeit ablenkte.

*

Magnus wollte wirklich nicht aufgeben, aber er war nicht dumm, und als er bemerkte, dass Alec versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen, ließ er es bleiben. Stattdessen begann er, mit Alecs Geschwister rumzuhängen. Oder eher, sie begannen, mit ihm rumzuhängen, weil er sich mit Raphael traf, und Simon und Clary immer Raphael folgten, und Izzy und Jace, und außerdem ein Mädchen Namens Maja, immer hinter Clary und Simon herliefen. Er hatte keine Ahnung, wie das passiert war, aber es interessierte ihn auch nicht wirklich, da er zur Weihnachtszeit, als alle dann nach Hause fuhren, einen ganzen Haufen neuer Freunde dazugewonnen hatte.

*

Er seufzte, als er durch die leeren Flure lief, und sah erst auf, als er sich vor der Bibliothek wiederfand. Er erstarrte, sobald er eingetreten war. Das- Er blinzelte. Das war nicht, was er erwartet hatte. Nicht, dass er irgendwas erwartet hatte, oder dass er gedacht hatte, dass er als einziger in Hogwarts geblieben war – er war nie der einzige, irgendwer blieb immer –, aber das? Auf keinen Fall. Der Gedanke war ihm nicht einmal gekommen. Und doch, hier war er. Und nicht einmal dreißig Schritte von ihm entfernt saß ein ihm nur zu bekanntes Gesicht am Fenster. Ein ihm sehr bekanntes Gesicht, das nicht hier sein sollte. Er runzelte die Stirn, rieb sich die Augen, und sah noch einmal hin, aber die Person verschwand nicht. Keine Halluzination also. Gut. Oder eigentlich nicht gut, denn das hieß, dass er gerade wirklich sah, wie Alexander Lightwood eingewickelt in eine Decke auf einem Stuhl am Fenster saß, neben sich ein kleines Licht, und ein Buch las. Alleine. Am Weihnachtsabend. Er schüttelte den Kopf. Das sollte so wirklich nicht sein.
Er trat näher, bis er kaum noch drei Schritte von dem Jungen entfernt stand, und öffnete dann den Mund. „Was machst du hier?“

Er war beinahe geschockt darüber, wie sehr Alec zusammenzuckte. Ein interessantes Buch also, wenn er nicht gehört hatte, wie Magnus näher gekommen war, und das obwohl dieser nicht einmal sehr leise gewesen war. Alexander sah auf, und seine Augen weiteten sich, als er Magnus da stehen sah.
„I-ich- ähm- Ich bin- ich-“, stotterte Alec und Magnus hob die Augenbrauen. Er hatte nicht mit einer solchen Reaktion gerechnet. Denn es gab wirklich nicht den geringsten Grund dafür, so zu reagieren. Außer natürlich, wenn Alec etwas verbotenes tat, wie eines der Bücher aus der verbotenen Abteilung lesen … er sah sich das Buch an. Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Ja, nein, er war sich ziemlich sicher, dass das keins der verbotenen Bücher war. Absolut nicht. Welcher Schüler lernte denn bitte an Weihnachten?

„Ich lese nur“, meinte Alec schließlich, und sah dann von Magnus weg und aus dem Fenster.
„Das kann ich sehen.“ Magnus seufzte und schüttelte leicht den Kopf. „Ich meinte, was du hier tust, in Hogwarts, obwohl Weihnachtsferien sind? Warum bist du nicht zuhause?“ Denn er wusste, dass Izzy und Jace nach Hause gefahren waren. Er hatte sie sogar verabschiedet.
Er konnte sehen, wie Alec die Schultern hängen ließ. „Meine Eltern wollten mich nicht sehen.“ Und, okay, das war einfach nur grausam! All sein Ärger von vor drei Monaten war mit einem Mal wieder da. Izzy und Jace hatten ihm erzählt, dass ihre Eltern nicht mehr mit Alec sprachen oder ihm schrieben, aber das?! Das war- war- Er hatte nicht einmal ein Wort dafür!
„Weil du ein Slytherin bist? Wirklich?“ Er konnte sehen, wie Alec wieder zusammenzuckte, und versuchte seine Stimme etwas ruhiger werden zu lassen. „Das ist so- so-“ Schließlich schüttelte er einfach den Kopf. Er hatte gerade ziemlich viele Worte im Kopf, die er gerne über die Eltern sagen würde, aber er war sich nicht sicher, ob das erwünscht wäre, also ließ er es. Er konnte ein kleines Lächeln auf Alexanders Lippen sehen, aber dann sah der Junge weg und zuckte mit den Schultern.

Für einen Moment waren sie beide still. „Ich mache ihnen keine Vorwürfe“, meinte Alec irgendwann, und Magnus runzelte die Stirn.
„Was?“ Wie dumm genau war Alec eigentlich? Er sollte seinen Eltern deswegen definitiv Vorwürfe machen!
Alec drehte sich wieder zu ihm um und zuckte mit den Schultern. „Stell dir vor, Harry Potter wäre ein Slytherin“, meinte er dann.
Magnus schüttelte den Kopf. „Das ist nicht-“, begann er, doch als Alec nickte, brach er ab.
„Siehst du?“, meinte der Junge. „Du kannst es nicht. Seine ganze Familie bestand aus Gryffindors und er war auch einer. Es gab nicht mal die Möglichkeit, dass er vielleicht kein Gryffindor werden würde.“ Magnus runzelte wieder die Stirn. Er wusste nicht, ob er verstand, was Alec ihm sagen wollte. „Und jetzt bin da ich. Meine ganze Familie war niemals Slytherin, und ich hätte auch kein Slytherin sein dürfen, und hier bin ich.“ Er lachte humorlos auf.

Eine ganze Weile lang starrte Magnus ihn an, und schließlich schüttelte er den Kopf. Das war mit Abstand das lächerlichste, was er je gehört hatte. Er würde- Er würde sich nicht auf diese Argumentation einlassen. „Bist du gerade allen ernstes dabei-“, begann er dann zu sprechen. „-dich selbst mit Harry Potter, dem Jungen der lebte, zu vergleichen?“
Alecs Kopf fuhr nach oben. „Was? Nein! Das war nicht- Ich wollte nicht- Das ist nicht- Nein!“ Magnus starrte ihn einfach nur an, und Alec hielt inne. „Das war nicht meine Intention“, sagte der Junge schließlich, nachdem er es geschafft hatte, sich genug zu beruhigen. „Ich bin nicht wie Harry Potter. Und ich werde auch nie er sein. Ich wünschte, ich wäre er, dann würden meine Eltern wenigstens noch mit mir reden.“
„Weil du ein Held wärst?“
„Weil ich kein Slytherin wäre“, korrigierte Alec ihn.

Magnus seufzte. „Ein Slytherin zu sein ist nichts schlechtes. Das heißt nicht, dass du irgendwie böse bist oder so.“
„Wirklich?“ Alec schien nicht sehr überzeugt zu sein.
Magnus hätte den Jungen am liebsten geschüttelt, bis er wieder vernünftig wurde. „Also ist Clary böse?“
Alec schüttelte den Kopf. „Nein, warum sollte sie es sein? Sie ist immer so nett zu allen und-“ Er brach ab, und Magnus grinste.
„Siehst du? Und du bist das auch“, meinte er. „Vielleicht lächelst du nicht die ganze Zeit, aber Clary hat mir erzählt, dass du ihr immer hilfst. Und in der Woche vor den Ferien habe ich gesehen, wie du dich im Garten um einen Vogel gekümmert hast, weil er verletzt war, und nicht fliegen konnte. Du hast ihn geheilt, oder nicht?“
Er sah zu, wie Alec den Kopf schüttelte. „Jeder hätte dem Vogel geholfen, wenn man denjenigen gefragt hätte.“
„Nein!“ Magnus stöhnte auf. „Ich meine, sicher, ja, vielleicht, aber niemand hat dich darum gebeten, und du hast es trotzdem getan. Alle anderen haben es einfach ignoriert!“ Er konnte sehen, wie Alec errötete. Und wow, wie konnte egal wer wirklich annehmen, dass er ein Slytherin war, weil er böse war? Wie konnte Alec selbst das denken? Das war ganz sicher nicht das Verhalten einer bösartigen Person!

„Okay. Wir hören auf, darüber zu reden. Vorerst. Wenn du willst“, meinte Magnus, und Alec nickte. „Und wir werden stattdessen was anderes machen, aber-“ Er grinste Alec an. „Du musst den Rest der Ferien mit mit verbringen und danach solltest du damit anfangen, wieder mit deinen Geschwistern zu reden. Und außerdem-“ Sein Grinsen wurde noch etwas breiter. „Ich würde es wirklich toll finden, wenn ich etwas Zeit mit dir verbringen könnte, ohne dass du immer wegrennst. Wie klingt das?“
„Warum würdest du-“, begann Alec, aber Magnus brachte ihn mit einer Handbewegung zum Schweigen.
„Weil ich will natürlich! Jetzt lass nur einmal alle Reden was auch immer sie wollen und hab einfach ein bisschen Spaß, okay?“
Alec schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht-“
„Spaßig? Ja, ich weiß. Aber das ändere ich schon noch. Also?“ Alec schien nicht überzeugt. „Oh komm schon, genieß nur einmal meine Gesellschaft. Du wirst mich lieben!“ Und damit griff er Alecs Hand und zog ihn aus der Bibliothek.

*

Als die Schule wieder anfing, erwartete Alec, dass Magnus wieder auf Abstand gehen würde. Sicher, Magnus hatte ihm gesagt, dass das nicht passieren würde, nur war Magnus einer der beliebtesten Schüler von ganz Hogwarts, und er hatte ganz sicher auch genug Freunde ohne Alec. Nur dass es wirklich nicht passierte. Wann auch immer Alec sich alleine fühlte, war Magnus plötzlich da und zog ihn hinter sich her, um irgendetwas zu unternehmen. Wann auch immer jemand Alec ärgerte, war Magnus plötzlich da und sagte diesem jemanden sehr deutlich, was er über ihn dachte. Wann immer Alec jemanden brauchte, selbst wenn es nur war, um für ein paar Sekunden jemanden zum Reden zu haben? Magnus war sofort da, gleich hinter ihm, und am Ende bewies er jedem einzelnen, dass sie falsch gelegen hatten, und Alec es sehr wohl wert war, mit ihm befreundet zu sein.
(Oder vielleicht auch mehr als das, wenn man ganz ehrlich war, aber … nun, das kam später.)
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