Farben im Winter

GeschichteRomanze, Freundschaft / P12
Luna Lovegood Neville Longbottom
24.12.2017
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Farben im Winter


für Lumee



Neville sah Luna auf dem Weg zu Professor Sprouts Gewächshäusern, in denen er gerne seine Freistunden verbrachte, um immer noch mehr über magische Pflanzen zu lernen. Außerdem war es dort immer schön warm und inmitten des Grüns fühlte er sich wohl. Er mochte den Winter nicht – wenn der weiße Schnee die Ländereien Hogwarts‘ bedeckte und die Pflanzen ihre Blätter verloren, sah alles so leer und karg aus, dass er immer etwas melancholisch wurde. Luna jedoch schien die Kälte nicht mal zu spüren – sie saß auf einer Mauer, in ein Buch vertieft, den blau-silbernen Schal nur locker um ihren Hals gelegt. Neville erschauderte und vergrub sein Gesicht etwas tiefer in seinem Wollschal. Er würde sie gerne fragen, ob sie ihn das nächste Wochenende nach Hogsmeade begleiten wollte, aber seine Schüchternheit hielt ihn davon ab.

Im Gewächshaus war er alleine. Professor Sprout hatte wohl etwas anderes zu tun, und die anderen Schüler und Schülerinnen verbrachten mal wieder einen Nachmittag damit, im nun schon ziemlich matschigen Schnee herumzutollen. Neville hörte ihr vergnügtes Kreischen gedämpft durch die Glasscheiben dringen. Nach dem ersten Schneefall hatte er sich auch noch den Schneeballschlachten angeschlossen, doch mittlerweile war er dem Winterwetter überdrüssig geworden. Er konzentrierte sich lieber auf das Grün der Pflanzen um ihn herum, die Wärme, den Geruch nach Erde und Natur. Obwohl er sich an dem Ort befand, an dem er eigentlich immer zur Ruhe kam, ging Luna ihm nicht aus dem Kopf. Wie sie da draußen gesessen hatte, unbehelligt von der Kälte. Wie sie generell immer so unbehelligt von allem schien – nicht unaufmerksam oder gar unsensibel, aber auch nicht aus dem Konzept zu bringen. Und ihr Konzept schien zu sein, aus allem das Beste zu machen, sei es der Spott ihrer Mitschüler oder ekligkaltes Wetter. Neville seufzte während er Pflanze nach Pflanze umtopfte, eine beruhigende Beschäftigung. Er hatte Luna über Ginny kennengelernt und hatte sie sofort gerne gehabt und bewundert. Er konnte ihr stundenlang zuhören, wenn sie über magische Wesen und seltsame Vorfälle berichtete, die sie mit ihrem Vater erforschte. Manchmal – eigentlich sogar oft – fürchtete er aber, sie im Gegenzug zu langweilen. Sein Leben mit seiner Großmutter, seine Besuche in St. Mungos, all das war entweder zu uninteressant oder zu bedrückend, weshalb er meistens schweig. Bisher war er Luna damit allerdings nicht negativ aufgefallen, jedenfalls hoffte er das. Sie hatten sich bisher aber auch nur in der Gruppe getroffen; die Angst, vor ihr keinen interessanten (oder auch nur nicht-gestotterten) Satz herauszubringen war ein weiterer Grund, weshalb er es nicht wagte, ein Treffen zu zweit vorzuschlagen.

Über diese Dinge dachte Neville so vertieft nach, dass er das Öffnen und Schließen der Tür nur unbewusst wahrnahm und nicht darauf reagierte. Als er dann plötzlich angesprochen wurde, ließ er vor Schreck den Tontopf mit Johanniskraut fallen, den er gerade in der Hand hielt, der daraufhin auf dem Boden zerbarst. Hilflos starrte Neville auf das Durcheinander, doch Luna, denn sie war es, die ihn so erschrocken hatte, ging in die Knie und tippte gelassen mit der Spitze ihres Zauberstabs an die Scherben. „Reparo – siehst du, schon sieht er aus wie neu!“ Sorgsam hob sie die nun wieder sicher im Topf stehende Pflanze hoch und reichte sie Neville, der immer noch stumm dastand. Rasch stellte er den Blumentopf hin, bevor Luna das Zittern seiner Hände bemerken konnte.

„Ich habe dich schon öfters in das Gewächshaus gehen sehen. Hältst du dich hier gerne auf?“, fragte sie und ließ ihren Blick, der es wie immer schaffte gleichsam neugierig wie abweisend zu wirken, durch den Raum streifen.
Neville nickte und musste sich räuspern, bevor er seiner Stimme wieder traute. „Ja. Kräuterkunde ist mein Lieblingsfach und ich gehe gerne mit Pflanzen um. Besonders jetzt, wo draußen nichts wächst, brauche ich das.“
Luna nickte, als habe er auf eine schwere Frage eine richtige Antwort gegeben. „Auch wenn ich den Winter mag, das kann ich verstehen.“ Zunächst dachte Neville, seine Befürchtung sei eingetreten und es würde sich gleich unangenehmes Schweigen breit machen, da sprach Luna weiter, und was sie sagte, überraschte ihn: „Eigentlich bin ich hier hereingekommen, um dich zu fragen, ob du Lust hast, am nächsten Wochenende mit mir nach Hogsmeade zu gehen.“



Mit klopfendem Herzen wartete Neville vor dem Schloss auf Luna. Er konnte es kaum glauben, dass sie ihn wirklich gefragt hatte! Bei jedem anderen Mädchen hätte er einen gemeinen Streich vermutet, aber nicht bei ihr. Dafür war sie zu ehrlich und direkt, außerdem die Letzte, die sich über andere lustig machen würde. Wieder hatte es zu schneien begonnen, es wehte auch ein eisiger Wind, doch als er die lächelnde Luna auf ihn zu kommen sah, war es, als sei der Wintertag schon um einiges wärmer geworden. Ohne zu fragen hakte Luna sich bei ihm ein, als sie den Weg hinunterliefen, und Neville war froh, dass sie nicht in sein Gesicht sah, denn er erröte wahrscheinlich wie ein Erinnermich, das man zu lange ignoriert hatte. Eine Horde jüngerer Schüler rannte an ihnen vorbei, die Jungen ließen anzügliche Pfiffe ertönen, doch so neben Luna fiel es Neville ziemlich leicht, blöde Kommentare zu ignorieren.

Es war das erste Hogsmeade-Wochenende im Dezember und Neville war erstaunt, als er den kleinen Weihnachtsmarkt entdeckte, der im Dorf aufgebaut war. So etwas hatte er seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen, er hatte gar nicht damit gerechnet, dass es sowas auch in der Zauberwelt gab, aber warum auch nicht? In der großen Halle stand schließlich auch ein Weihnachtsbaum.
„Wo dir doch im Winter die Farben fehlen, dachte ich, dass Hogsmeade doch mal wieder eine schöne Idee ist! Das Dorf ist ja immer äußerst bunt, es fühlt sich auch sehr bunt an, wenn du weißt, was ich meine, aber so mit Wintermarkt ist es gleich noch viel zauberhafter!“ Luna strahlte ihn an und Neville musste einfach mitlächeln.
Sie schlenderten über den Markt und durch die vielen spannenden und bunten Stände lockerte Neville tatsächlich so auf, dass sie ins Plaudern gerieten und seine Nervosität sank mehr und mehr. Erst, als sie um eine Ecke bogen, und plötzlich vor einer Bude standen, an der Bündel von Mistelzweigen verkauft wurden, kam sein altbekanntes Herzklopfen zurück, und er spürte, wie seine Handflächen, die ihn dicken Fäustlingen steckten, feucht wurden – besonders, als ihm bewusst wurde, dass Luna diesen Stand interessiert ansah. Neville fürchtete und hoffte plötzlich zugleich, dass Luna von ihm vielleicht erwartete, einen Mistelzweig zu erstehen, doch da packte sie ihn plötzlich am Ärmel und zog ihn schnell weiter. „Komm lieber rasch weg hier, in Mistelzweigen sitzen öfter mal Nargel! Ich trage zwar meine Butterbierkorken-Halskette, aber ich glaube nicht, dass sich dieser Schutz so einfach auf die übertrage lässt.“

Gehorsam folgte ihr Neville, als sie jetzt auf ein Büdchen zusteuerte, in dem heißer Fruchtpunsch verkauft wurde. Endlich nahm er allen Mut zusammen, bei diesem Treffen auch einmal Initiative zu zeigen, und fragte, ob er Luna auf einen Punsch einladen darf. Er durfte, und wie sie da mit den warmen Tassen in ihren kalten Händen stehen, wagt er es auch, sie mehr über Nargel auszufragen. Begeistert und mit weit ausholenden Handbewegungen begann sie, von diesen trickreichen Biestern zu erzählen, und in ihrem Überschwang klatscht eine rote Pfütze Punsch vor ihre Füße, was sie nicht wahrzunehmen schien. Neville jedoch traute sich, seine Hand auf ihren Arm zu legen, sodass sie still hielt. „Ich glaube, es ist besser, wir setzen uns irgendwo hin, dann lässt es sich leichter trinken!“, schlug er lachend vor.

Beide blickten sich suchend um, und bevor er eine der magisch trockengehaltenen Holzbänke vorschlagen konnte, deutet Luna schon auf ein Schild, das Rundfahrten in einem Pferdeschlitten verhieß. „Wackelfreies Sitzen ist da bestimmt auch nicht einfach …“, gab Neville zu bedenken, doch Luna schüttelte den Kopf.
„Mach‘ dir nicht so viele Gedanken! Wenn wir wirklich sämtlichen Punsch verschütten, dann lade ich dich danach zu noch einem ein.“

Als er neben Luna im Pferdeschlitten um Hogsmeade herum fuhr und den Anblick der schneebedeckten Bäume genießt, könnte Neville nicht glücklicher sein. Luna hatte es wirklich geschafft, dem Winter die Farben und die Wärme zurückzugeben. Während die beiden an ihren Punschtassen nippten – Neville hatte sich natürlich ein paar Schlucke über den Umhang geschüttet, bevor er sich an die ruckelnde Fahrt gewöhnt hat – warf er ihr immer wieder Seitenblicke zu, doch sie schien komplett in die Betrachtung der Umgebung versunken. Dicke Schneeflocken fielen herab und wurden in ihrem weißblonden Haar fast unsichtbar, und Neville umklammerte seine Tasse mit beiden Händen, um sich davon abzuhalten, die filigranen Gebilde aus Lunas Haaren zu flechten.
„Ich fühle mich fast wie in diesem Weihnachtslied – Jingle Bells. Du weiß schon: Dashing through the snow, in a one-horse open sleigh …“, entfuhr es ihm, und er spürte schon wieder, wie er rot wurde. Hoffentlich war das jetzt kein total unmöglicher Kommentar!
Doch Luna nickte zustimmend und lachte auf. „Stimmt. Und auf ein wenig dashing far away mit dir, darauf hätte ich jetzt auch Lust.“ Und mit diesen Worten lehnte sie sich, Neville konnte es kaum glauben, an seine Seite. Ihr Kopf lag nun auf seiner Schulter. Und als sich dann noch, wie von selbst, ihrer beide Hände zaghaft verflochten, vermutete er fast, dass der Winter von nun an seine liebste Jahreszeit sein würde, schon allein wegen der Erinnerung an diesen Tag.

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Liebe Lume,
ich wünsche dir ein schönes Weihnachtsfest mit möglichst wenig Stress und viel weihnachtlicher Stimmung, Plätzchen und Geschenken. Und natürlich eine geruhsame Zeit zwischen den Jahren und einen guten Rutsch. Möge 2018 super werden!
Viele Grüße
fortassis
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