Make Me Believe It

GeschichteRomanze, Angst / P6
Logan Rory
23.12.2017
23.12.2017
1
1908
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Es dauert zwei Wochen, bis sie vor seiner Tür steht.
„Komm mit mir mit.“
Für einen Moment blickt Logan sie schockiert an, als wäre sie ein Geist, den er dachte (gehofft hatte) nie wieder zu sehen. Er fragt nicht nach was sie meint. Er seufzt nur und schüttelt den Kopf.
„Du hast mir dieses Haus gegeben, aber ich will es nicht. Ich will es nicht ohne dich. Komm mit.“
„Du weißt warum ich nicht kann.“
„Das zählt jetzt nicht mehr“, sagt Rory wütend.
„Wieso nicht? Was hat sich verändert?“ Logan guckt sie mit diesem traurigen Blick an. Vielleicht soll er verständnisvoll sein, aber er wirkt nur mitleidig. Rory will sein Mitleid nicht.
„Nichts“, antwortet sie und dreht sich wieder um. Sie weiß, dass er ihr nachschaut, weiß wie dieser kurze, nichtssagende Besuch auf ihn wirken muss.
Sie legt eine Hand vorsichtig auf ihren Bauch und bleibt nicht stehen.

Am Ende schreibt sie ihm eine SMS. Lane sieht aus, als wäre sie kurz davor sie anzuschreien, als sie es ihr erzählt und Lane schreit nie. Paris hat weniger Skrupel.
„Du hast ihm per SMS gesagt, dass du schwanger bist? Was hat der arme Junge dir bitte getan?“
Einiges, könnte Rory antworten, aber sie bleibt still. Dafür, dass sie sonst immer so viel redet, ist sie in letzter Zeit erstaunlich ruhig, wenn es um ihre eigentlichen Probleme geht.
„Naja“, sagt Paris am Ende seufzend, als sie sieht wie Rory einen weiteren Anruf von Logan wegdrückt. Es ist der zehnte heute. „Wenigstens weiß er es jetzt.“

Er kommt nach Stars Hollow, wie sie erwartet hatte. Manchmal wünscht sie sich, sie würde ihn weniger gut kennen.
Bevor er überhaupt den Mund aufmachen kann, um ihr Vorwürfe zu machen, kommt sie ihm zuvor.
„Du bist verlobt. Ich weiß was du fragen willst, warum ich es dir nicht früher gesagt habe, warum nicht persönlich, warum so, und die Antwort auf alle Fragen, die du möglicherweise stellen könntest, ist die hier: Du bist verlobt.“
Sie atmet tief durch. Ihre Stimme hat zum Ende des Satzes hin angefangen zu zittern. Sie hasst ihre Schwangerschaftshormone, sie hasst es wie nah am Wasser sie in letzter Zeit gebaut ist.
Ihr Ausbruch scheint ihn zu sehr geschockt zu haben um etwas zu sagen, also sieht sie es als Zeichen, dass sie immer noch dran ist mit reden. Eigentlich hat sie nur eine Sache zu sagen.
„Wieso musstest du mir das antun?“, fängt sie an zu schreien. Sie schlägt ihre Fäuste blind in Richtung seiner Brust, nicht mal, weil sie ihm wirklich wehtun will, sondern weil sie sich einfach so hilflos fühlt.
„Wieso bin ich so dumm und bin immer wieder zu dir zurück gegangen, obwohl ich wusste, ich wusste-“ Sie wird leiser, dann schluchzt sie: „Es ist nicht fair!”
Er reagiert nicht so wie sie es erwartet hatte. Ein kleiner Teil von ihr freut sich, dass er doch noch die Fähigkeit hat sie zu überraschen. „Ich hab' sie verlassen.”
Sie hört nicht auf zu weinen, hört nicht auf ihre Hände auf seine Brust zu schlagen.
„Rory.” Er hält ihre Fäuste fest. „Ich hab' sie verlassen.”

All die Szenarien die sie sich vorgestellt hat, all die Worte mit denen sie reagieren wollte, sollte er jemals diesen Satz zu ihr sagen, scheinen plötzlich unsinnig, absurd und unpassend. Diese Situation ist nicht das Szenario aus ihren Träumen. Das Kältegefühl aus ihrer Brust ist nicht verschwunden.
Alles was passiert, ist, dass all die Energie und Wut mit einem Schlag weg ist und sie sackt in sich
zusammen wie ein leerer Luftballon.
Logan hält immer noch ihre Hände, aber jetzt, wo sie nicht mehr versucht auf ihn einzuschlagen, ist sein Griff sanfter. Tröstend.
„Es tut mir leid”, sagt er. Seine Worte machen keinen Sinn, aber Rory weiß, was er meint.
„Mir auch”, flüstert sie und küsst ihn auf die Wange.
Dann dreht sie sich um und geht. Er versucht nicht, ihr hinterherzulaufen. Jeder andere hätte ihr Gehen als Ablehnung verstanden, als Schlussstrich. Aber sie weiß, dass er sie kennt. Er versteht, dass sie Zeit braucht.
Manchmal fragt sie sich, wie sie jemals in Erwägung gezogen hat, jemanden aufzugeben, der sie besser kennt als sie sich selbst.

Rory macht das, was sie immer tut, wenn sie nicht weiter weiß. Sie fährt zu ihrer Mom.
Lorelai ist nicht zuhause, also steht sie eine Weile verloren in der Eingangstür, dann lässt sie ihre Sachen im Flur fallen und schließt sich für den Rest des Tages im Badezimmer ein.
Sie erinnert sich, wie sie auf dem genau diesem Badezimmer Fußboden gesessen hat, so viele Jahre
zuvor. Diesmal weint sie nicht. Sie ist erwachsen.

Ein paar Stunden später kann sie sich dazu aufraffen die Tür zu öffnen, vor allem damit Lorelai ihr Essen bringen kann.
Ihre Mom betritt das Badezimmer zögerlich, als wisse sie nicht ganz ob sie gerade die Kraft habe sich mit dieser Situation auseinanderzusetzen.
Rory blickt auf. „Wieso liebt er mich nicht, Mom?“, fragt sie müde.
Das Echo einer jüngeren Rory schwingt in ihrer Frage mit, die Rory, die noch nicht verstanden hatte, dass die Welt nicht wie Stars Hollow ist.
„Oh Schatz“, seufzt Lorelai und streicht ihr vorsichtig durch die Haare. Manchmal glaubt Rory, dass ihre Mom Mühe hat mit dieser Version von ihr umzugehen, dieser neuen, kälteren Version.
Sie kennt nur die Version von Rory, die ihr Leben lang von Watte umgeben war, gepolstert und geschützt, in ihrer kleinen perfekten Watte-Stadt.
„Ich glaube du weißt genau, dass das nicht das Problem ist. Ich glaube das Problem ist, dass er nicht weiß wie er dich lieben soll.“
Wieso nicht, will Rory fragen. Wieso hat er es immer noch nicht gelernt, in all den Jahren. Wieso hatte sie immer noch nicht gelernt, sich von ihm lieben zu lassen?

Er hat Odette verlassen. All die Male, die sie sie sich gewünscht hat, er würde sie verlassen, nur damit er es jetzt tut, nicht für sie, sondern für das Baby.
Das Baby, über das sie noch keine wirkliche Zeit hatte nachzudenken.
Die ganze Zeit hat sie an Logan gedacht, an Lorelai, an die Reaktion aller anderen auf dieses Baby außer ihrer eigenen.
Sie denkt an Lane und ihre frühe Schwangerschaft, denkt an Paris' Kinder. Dann denkt sie wieder an sich selbst, ihre gescheiterte Journalisten-Karriere. Der Buch-Versuch, den sie machen will, jetzt wahrscheinlich entschlossener als je zuvor.
Und sie stellt fest, dass sie ein Baby haben möchte. Nicht ein Baby. Dieses Baby. Sie will dieses Baby mehr haben, als alles andere was sie je gewollt hat und sie will, dass es glücklich ist.
Vielleicht ist es auch egal, warum Logan Odette verlassen hat. Dass er es überhaupt getan hat, ist ein Signal. Logan hat eine Entscheidung getroffen.
Jetzt kommt es auf ihre an.

„Ich will das Haus doch nehmen“, sagt Rory.
Logan blickt sie entgeistert an. Rorys Gesichtsausdruck muss ihn davon abhalten die „Was, jetzt?“-Frage zu stellen, die ihm eindeutig auf den Lippen lag, denn er öffnet seinen Mund und schließt ihn dann wieder ohne etwas gesagt zu haben.
„Komm mit, oder lass es. Ich werde gehen.“ Sie ist schwanger, ständig kurz davor in Tränen auszubrechen und sie weiß, dass sie nicht mehr lange stehen bleiben kann. Trotzdem hebt sie trotzig den Kopf und hält seinen Blickkontakt. Das hier ist ihre Entscheidung. Sie hat länger für sie gebraucht, als es wahrscheinlich angebracht war, aber sie hat sie getroffen.
Jetzt muss er seine machen.
„Maine?“, fragt er dann. „Bist du sicher?“
Sie nickt. „Du hast gesagt es ist ein tolles Haus. Meinst du es ist Platz für ein Kinderzimmer?“
Er lacht. „Für fünf. Mindestens.“
Rory lächelt. „Fünf?“
Logan zögert kurz, dann nimmt er ihre Hand. Entschlossen guckt er sie an. Er ist älter geworden, aber sein Grinsen ist immer noch das gleiche wie früher als er sie zu sich zieht.
Für einen Moment ist er der arrogante Junge, der von der ersten Sekunde an genau wusste wie er sie irritieren konnte. Der sie sofort kannte.
„Mindestens,“ murmelt er gegen ihre Lippen.

Es ist punkt 6 Uhr morgens, als sie vor Lukes Ladentür steht.
Er schließt gerade auf und stellt die Stühle herunter. Wortlos hilft sie ihm.
„Kaffee?“, fragt er schließlich, als sie sich an die Theke setzt.
Sie antwortet für einen kurzen Moment nicht.
„Koffeinfrei“, antwortet sie dann mit einem Seufzer. Smalltalk zu betreiben bevor sie mit den schweren Themen anfangen muss, ist wohl nie eine wirkliche Option gewesen.
Luke wechselt stumm die Kanne, gießt ihr den Kaffee ein und schiebt ihn zu ihr rüber.
Er lächelt sie kurz ermutigend an, dann macht er mit seiner Arbeit weiter als wäre nichts passiert.
Sie weiß genau, warum sie hierher gekommen ist.

„Du musst mir etwas versprechen“, fängt sie nach ein paar Minuten an. Er sagt immer noch nichts, aber er dreht sich zu ihr um und gibt ihr mit einem Nicken zu verstehen, dass er ihr zuhört.
„Ich muss etwas sagen, aber du darfst nicht reagieren, oder mich anschreien oder mich verurteilen. Lass mich einfach nur aussprechen.“
„Okay.“ Luke sieht ernst aus. Eine längst vergessene Rory wünscht sich manchmal, dass er und Lorelai schon früher zusammen gekommen wären, irgendwann während ihrer Kindheit. Sie fragt sich manchmal, was es verändert hätte.
„Ich bin schwanger und ich werde weggehen. Lorelai weiß es. Nicht, dass ich gehe, sondern, dass ich schwanger bin. Ich werde nach Maine ziehen, mit Logan und egal ob es mit Logan funktioniert oder nicht, ich werde dieses Kind großziehen.
Und ich weiß, dass Mom sich Vorwürfe machen wird und sich fragen wird, was sie falsch gemacht hat. Ob sie die gleichen Fehler gemacht hat wie ihre Eltern.
Deswegen musst du ihr sagen, dass sie alles richtig gemacht hat. Dass das hier etwas ist, was ich für mich selbst tun muss und dass sie ihr Enkelkind sehr, sehr bald kennenlernen wird, aber dass ich es nicht hier großziehen kann.
Stars Hollow hat mir alles gegeben, was ich gebraucht habe. Du und Mom, ihr habt mir alles gegeben, was ihr konntet. Aber ich glaube, jetzt brauche ich etwas anderes.
Und ich muss wissen, dass Mom das weiß und dass sie sich keine Vorwürfe macht und dass ich sie liebe. Aber wenn ich es ihr selbst sage, weiß ich nicht ob ich wirklich gehen kann. Und ich muss gehen. Zumindest für eine Weile. Sag ihr, dass es mir leid tut, dass sie die Sache mit dem Buch nicht verstehen kann. Und diese Sache hier, die wahrscheinlich auch nicht.
Sag ihr einfach, dass es mir leid tut.“
Irgendwann während ihrer Rede hat sie angefangen zu weinen.
„Rory“, flüstert Luke etwas hilflos und kommt um den Tresen herum um sie zu umarmen. Es ist ein wenig unbeholfen, wie immer wenn sie und Luke versuchen über emotionale Themen zu reden, aber es bedeutet ihr mehr als sie in Worte fassen kann.
Sie lässt sich ein paar Sekunden von ihm umarmen, bevor sie bestimmt einen Schritt zurück macht.
„Versprichst du mir, dass du es ihr sagst? Und dass du sich um sie kümmerst?“
„Natürlich“, antwortet Luke und blickt sie traurig an. Aber er schreit nicht, oder versucht panisch sie aufzuhalten, also atmet sie tief durch, dreht sich dann um und geht.
Im Rausgehen winkt sie kurz. Luke winkt zurück, dann dreht er sich um, als könnte er den Schmerz sie weggehen zu sehen nicht länger ertragen.

„Wo ist mein Kaffee?“, fragt Logan gespielt entrüstet, als sie wieder ins Auto steigt.
„Wir können an der Tankstelle halten“, verspricht Rory ihm und nimmt seine Hand. „Fahr einfach los.“
Er streicht kurz mit den Händen die Tränen unter ihren Augen weg. „Hey. Es ist nicht für immer, okay?“
„Okay“, antwortet sie. Er küsst sie kurz sanft, bevor er den Motor anlässt.
„Auf nach Maine!“, ruft er laut, während er Gas gibt. Seine gute Laune ist ansteckend und Rory wünscht sich sehr intensiv, für den Rest ihres Lebens so von ihm zum Lachen gebracht zu werden.
„Auf nach Maine“, flüstert sie, lächelt, und drückt seine Hand.
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