Oh du Chaotische

OneshotHumor, Romanze / P12 Slash
Daniel Ricciardo Fernando Alonso Kimi Räikkönen Mark Webber
21.12.2017
21.12.2017
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Kommentar: Hallo Ihr Lieben. Dieses Jahr gibt es sogar einen kleinen Weihnachts-Oneshot... Daran bist Du schuld, yukieirito! ;) Ich hoffe, der Oneshot gefällt Dir und natürlich auch allen anderen Menschen da draußen, die auf dieses etwas verrückte Exemplar gestoßen sind. :)
Und ich wünsche Euch allen eine fröhliche und besinnliche Weihnachtszeit! Genießt das Fest! (Nicht so wie die vier Pappnasen hier… >.<)

Disclaimer: Der Inhalt der Geschichte basiert nicht auf Tatsachen, sondern lediglich auf meiner Fantasie. Alle Ereignisse entspringen bloß meiner eigenen Phantasie. Ich kenne keine der hier genannten Personen, ich verdiene kein Geld damit und möchte auch niemandem zu nahetreten.





Oh du Chaotische



Baar, Schweiz
24. Dezember 2017


Er öffnete die Tür, nachdem es gefühlt drei Minuten lang sturmgeklingelt hatte, erblickte ein breites Grinsen und schlug sie wieder zu.
Dann blieb er einen Moment mit dem Rücken an die Haustür gelehnt stehen, zählte von zehn Rückwärts und versuchte sich halbwegs zu beruhigen, sonst würde er dem Australier noch eine reinhauen. Hatte er nicht klar und deutlich gesagt, dass er von dieser Idee nichts hielt? Der Jüngere hörte aber auch niemals zu, wenn er etwas sagte. Wozu redete er überhaupt noch? Mal abgesehen davon, dass seine bessere Hälfte ohnehin genug redete…
Als er sich halbwegs wieder gefangen hatte, wagte er es, die Tür noch einmal zu öffnen. Er wollte gerade Luft holen, seinen Freund gleich vorwarnen und die wichtigsten Regeln direkt klären, bevor unnötige Diskussionen losgingen, aber denkst‘e…

Daniel dachte gar nicht daran, sich die Tür womöglich noch einmal direkt vor der Nase zuschlagen zu lassen, war schon in Sprunghaltung und hatte nur darauf gewartet, dass er ihm wieder aufmachte. Er konnte nicht einmal ansetzen, da war der Australier bereits mit einem Satz auf ihn zu gehechtet, hatte die Arme fest um seinen Oberkörper geschlungen. Dabei hatte der Jüngere so viel Schwung geholt, dass er einige Schritte zurück stolperte und seine liebe Mühe hatte, sich auf den Beinen zu halten.
„Oh, wie schön, du hast mir doch noch aufgemacht! Aber ich hab auch Zelte und Schlafsäcke im Auto, falls du mich hättest schmoren lassen, dann hätte ich auf deiner Terrasse kampiert!“, rief Daniel gutgelaunt in sein Ohr und innerlich musste er schon ein bisschen darüber schmunzeln. Dass der Red-Bull-Pilot das fertigbrachte glaubte er ihm ohne zu zögern.
„Bin ja kein Unmensch“, murmelte er ihm zu, auch, wenn er nun schon zu gerne sehen würde, wie Daniel auf seiner Terrasse ein Zelt aufschlug. Und das in dem Schnee und bei dem Wind. In jedem Fall wäre das unterhaltsamer als die ganzen, dämlichen Weihnachtsschnulzen, die man zu dieser Zeit im Fernsehen präsentiert bekam. Genaugenommen war schlicht alles, was Daniel machte interessanter, als Fernsehen.

„Weiß ich doch!“, gab Daniel zurück, als er ihn endlich mal wieder losließ. Da war auch direkt dieses Funkeln in seinen Augen und er wusste schon, was gleichkommen würde. Dabei hatte er bereits am Telefon und in diverse Textnachrichten gesagt, dass er das vergessen konnte, dass er bei diesem Mist nicht mitmachen würde. Er wollte ein ruhiges, langweiliges Weihnachten, ohne viel Aufregung und erstrecht ohne…
In diesem Moment nutzte Daniel aber schon seinen Größenvorteil aus und die Tatsache, dass er gerade etwas abgelenkt war, um ihm einen tiefen Begrüßungskuss zu verpassen. Nicht, dass ihm das nicht gefallen würde und das war auch viel besser, als sich zu zoffen.
Am liebsten hätte er den Australier jetzt nicht mehr losgelassen. Wer küsste, konnte nicht quatschen und wer nicht quatschen konnte, konnte nicht von dummen Ideen reden. Vielleicht sollte er Daniel wirklich lieber in Windeseile verführen, dann konnten sie sich dieses leidige Thema nämlich sparen, aber das wurde nichts. Irgendwann löste der Jüngere sich doch wieder von ihm und dann kam, was kommen musste.

„Und? Wann brechen wir auf?“, wollte Daniel von ihm wissen und schon verzog er unwillig das Gesicht und verdrehte die Augen. Musste das jetzt wieder sein? Er hatte nein gesagt! Was war daran denn nicht zu begreifen?
„Gar nicht“, gab er also zurück und schlurfte zurück ins Wohnzimmer, wo er sich wieder auf das Sofa fallen ließ. Daniel streifte in Windeseile seine Jacke ab und schmiss den Schal nachlässig in Richtung Garderobe, damit er ihm schneller folgen konnte.
„Wie? Gar nicht? Warum nicht?“, wurde er gefragt und auch das hatte er seiner Meinung nach schon zur Genüge erklärt. Weshalb musste Daniel denn immer zu betteln, wie ein kleines Kind? Nein hieß eben nein und fertig!
Aber gut, wenn er es unbedingt noch einmal hören musste… „Ich versau mir das Fest nicht mit meinen Kollegen“, antwortete er also und streckte sich auf dem Sofa aus. Dabei hatte er nur nicht damit gerechnet, dass Daniel sich einfach auf ihn fallen lassen würde und keuchte kurz auf unter dem Gewicht. Sein mahnender Blick wurde aber nur mit einem sehr unschuldigen erwidert.

„Och, komm schon…“, fing Daniel sofort wieder in diesem bettelnden Ton an. „Ich möchte aber gerne mit Mark und mit dir Weihnachten feiern und da gibt’s Fernando eben mit dazu. Was ist denn dabei? Oder kannst du nicht teilen? Du bist doch gar kein Einzelkind!“
Was hatte das denn bitte damit zu tun? Na gut, er hätte Daniel schon lieber für sich, aber er verstand natürlich, wenn er Mark auch gerne mal wiedersehen würde. Und er hatte ja auch nur um einen Feiertag gebeten, das würde sie eigentlich nicht umbringen. Trotzdem fand er die Vorstellung seltsam, einen Weihnachtstag ausgerechnet mit Alonso zu verbringen.
„Dann fahr doch zu Mark“, entgegnete er nun fast ein bisschen trotzig und brachte Daniel dazu, ziemlich frustriert aufzustöhnen. Er wusste, dass er es seinem Freund nicht gerade leichtmachte, aber das war eben auch alles noch extrem seltsam.

Er hatte sich ja noch nicht einmal richtig daran gewöhnt, dass er überhaupt was mit diesem durchgeknallten Australier angefangen hatte. Sie hatten irgendwie so gar nichts gemeinsam. Eigentlich passten sie Null zusammen und doch… Irgendwas an Daniel hatte ihn angezogen und dann hatten sie irgendwie doch Zeit miteinander verbracht und aus Zeit wurde dann eben auf unerklärliche Weise das, was sie jetzt hatten. Es war merkwürdig…
„Aber ich will doch auch dich! Ich will euch beide!“, quengelte der Jüngere jetzt fast schon ein bisschen und er hätte nur zu gerne die Augen verdreht. Was sollte er denn machen? Es war eine Sache, eine Beziehung mit der absolut personifizierten guten Laune der Formel 1 anzufangen, aber jetzt auch noch Weihnachten mit anderen Fahrern zu feiern… Das war eben nicht sein Ding und er konnte sich doch nicht um hundertsechzig Grad drehen nur für…
Oh man, nicht der Hundeblick… Das war so unfair, wenn Daniel den auspackte! Wie sollte er da noch widerstehen können? Er hasste das. Und außerdem klang er wie ein kleines Kind, wenn er so jammerte! Das mochte er eigentlich gar nicht. Also entgegnete er etwas harsch: „Man kriegt nicht immer was man will! Musst dich mal entscheiden!“
Das passte Daniel natürlich auch nicht. Und er sah natürlich schon, dass es seinem Kleinen-Großen irgendwie wichtig war, dass sie das machten. Herr Gott noch mal! Wieso musste das sein? Daniel war eben viel kontaktfreudiger, verstand sich fast mit allen ausgezeichnet. Da konnte er ja nur hoffen, dass sie nicht jedes Jahr woanders feiern mussten. Das wäre wirklich nichts für ihn, aber…

„Bitte, Kimi.“ Oh weia, so ernst hatte Daniel ja noch nie geklungen. Er musste sogar schlucken, als er ihn jetzt so bedrückt sah. Das wollte er ja nun auch nicht. „Mark ist echt ein richtig guter Freund. Sowas verstehst du doch. Freunde sind dir doch auch total wichtig. Und mir würde das wahnsinnig viel bedeuten. Meinst du nicht, dass wir das nur diesen einen Tag machen könnten?“
Er seufzte. Verdammt, jetzt hatte der Jüngere ihn wirklich. Das war schrecklich! Aber jemanden, der sonst immer so fröhlich war, den wollte man einfach nicht niedergeschlagen sehen. Zumindest ging es ihm so, also…
„Na schön, wenn es dir so viel bedeutet, dann…“ Er kam nicht einmal dazu, diesen Satz zu Ende zu bringen, da hatte Daniel sich schon wieder so fest an ihn geklammert, überschüttete ihn mit Küssen und Danksagungen und ließ ihn kaum mehr zu Atem kommen. Ja, er war anstrengend, aber hergeben wollte der ihn ja irgendwie auch nicht mehr…

Aston Clinton, England
24. Dezember 2017


Er verschränkte die Arme vor der Brust und warf Mark den mörderischsten Blick zu, zu dem er Fähig war. Wollte der ihn eigentlich verarschen? Das war ihr Weihnachtsfest und da wollte er diese Clowns hier anschleppen? War er eigentlich vollkommen übergeschnappt oder hatte er in seiner unendlichen Sehnsucht nach ihm einfach zu viel Glühwein getrunken?
Das konnte er sich natürlich vorstellen, aber das machte es nicht wirklich besser. Ganz im Gegenteil! Wieso musste sein? Gerade jetzt, wo Mark nicht mehr fuhr und er ihn sowieso so selten sah. Die Zwei hatten sich doch an den Rennwochenenden andauernd! Und dann auch noch in derselben Konstellation, wie sie damals. Red Bull und Ferrari.
Irgendwie nervte ihn das. Dass die Zwei jetzt das hatten, was sie damals hatten und… und… Egal, darüber konnte er sich ein anderes Mal aufregen! Jetzt musste er Mark irgendwie klarmachen, dass er gerade dabei war, ihr Weihnachten komplett zu ruinieren und das konnte er doch unmöglich zu lassen! Er musste ihm einfach klarmachen, dass as nicht ging!

„Das ist hoffentlich ein ganz blöder Scherz von dir!“, giftete er seinen Freund schon beinahe an und Marks Blick nach zu urteilen, machte dieser sich langsam wirklich ein bisschen Sorgen. Gut so! Das sollte er auch, verdammt noch mal! Am besten setzte er auch gleich nach. „Dir wird doch wohl hoffentlich klar sein, wie beknackt diese Idee ist, oder? Ich meine, ich müsste ja an deiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln, wenn du das ernsthaft durchziehen willst.“
Er lacht auf und das so künstlich, dass selbst Mark die Augenbrauen hob, bevor er die Arme vor der Brust verschränkte und ihn tatsächlich verständnislos ansah. Der hatte ihn hier nicht verständnislos anzugucken! Der einzige, der hier kein Verständnis für das alles haben durfte, war er selbst! Wie kam Mark denn überhaupt dazu, ihm auf Biegen und Brechen die Feiertage zu ruinieren? Er hatte doch gar nichts angestellt.
„Mit meiner Zurechnungsfähigkeit ist alles bestens, aber lieb das du fragst, Schatz“, gab Mark nun entsetzlich ironisch zurück. Er konnte das nicht leiden, aber was hatte er auch anderes erwartet? Was sollte er jetzt nur tun? Er wollte das einfach nicht. Und er konnte sich irgendwie auch nicht vorstellen, dass Kimi diese Idee super fand. Was war nur in die Zwei Australier gefahren? Wenn die sich unbedingt sehen wollten, konnten die das doch auch zwischen den Feiertagen machen!

„Da mache ich nicht mit!“, ließ er Mark in patzigem Ton wissen. Er war immer noch so wütend auf ihn und auf diesen Ricciardo! „Macht was ihr wollt, aber ich bin raus! Wenn du das durchziehst, Mark, dann bin ich wieder in Dubai und feiere mein Weihnachten schön am Strand ohne dich!“ Nicht, dass er das wirklich wollte, aber die Aussicht auf so ein Weihnachtsfest war einfach schrecklich!
Mark schien zu wissen, dass er jetzt etwas unternehmen musste, um ihn wenigstens wieder zu beruhigen. Es tat ihm ja auch zumindest ein bisschen leid, dass er ihm so einen Druck machte. Immerhin wusste er, dass Daniel und Mark sich mehr als gut verstanden und dass der Jüngere seinem Freund auch sehr wichtig war, aber… War das wirklich ein Grund, ihm gleich sowas anzutun? Gab es denn keine andere Lösung dafür?
Er hatte Mark den Rücken zugedreht und beschäftigte sich damit das Gemüse für ihr Abendessen kleinzuschneiden. Und zwar kleiner als notwendig. Es glich nach wenigen Handgriffen schon fast einem Püree. Aber das war ihm gerade völlig egal! Mark wagte sich von hinten an ihn heran, legte die Hände auf seine Oberarme und für den Bruchteil einer Sekunde hätte er große Lust, Mark mit dem Messer zu bedrohen und ihn dazu zu zwingen, Daniel anzurufen und zu sagen, dass daraus einfach nichts wurde. Aber das wäre albern…

„Komm schon, Nando…“, versuchte er es jetzt mit seiner einschmeichelnden Stimme und er konnte nicht anders, als die Augen darüber zu verdrehen. Es war so ein billiger Trick, dass er jetzt so zutraulich und verschmust wurde und das Dumme dabei war, dass es auch noch jedes Mal funktionierte. „Sei doch nicht sauer… Es ist doch nur… Daniel und ich sehen uns jetzt auch nicht mehr so oft und er ist ein verdammt guter Freund von mir. Sowas verstehst du doch. Und jetzt, wo er nun einmal mit Kimi zusammen ist…“
Er verspannte sich sogleich ein wenig. Das war das Problem daran! Wie war Daniel denn nur auf den gekommen? Gut, rein optisch mochte man das ja vielleicht noch nachvollziehen können, aber der Rest? Das wollte ihm nicht so richtig in den Kopf. Aber dieser Sache würde er jetzt auch nicht auf den Grund gehen können.
„Also ich könnte dich auch niemals über irgendjemanden stellen“, fügte Mark noch an und er hasste es, wenn er ihm ausgerechnet in so einem Moment damit kommen musste. Das war einfach unfair und außerdem…
„Das ist aber trotzdem gemein!“, entgegnete er ihm. „Soll ich dann Carlos etwa auch noch sagen, dass er herkommen soll? Der bringt Felipe dann nämlich auch noch mit und ruckzuck haben wir hier das halbe Fahrerlager sitzen!“ Das war doch irgendwie bescheuert, aber sicher, er konnte Mark auch ein bisschen verstehen, so war es ja nicht. Und Mark wusste, dass er ihn schon längst ein bisschen erweicht hatte.

„Das könntest du natürlich tun, aber ich weiß, dass du nicht noch mehr Wirbel haben willst“, entgegnete Mark ihm gelassen und irgendwie fand er, dass sie viel zu schnell fertig waren mit ihrer Diskussion. Er wollte es Mark am liebsten noch viel schwerer machen, aber er sah auch ein, dass das wenig Sinn machte.
Er verzog das Gesicht, als Mark ihn dazu brachte, sich in seinen Armen zu drehen. Er wollte wütend sein und schmollen und den Australier für diese boshafte Idee verfluchen. Aber das war einfach unmöglich. Nicht, wenn Mark ihn so ansah. Er liebte ihn schließlich und ließ sich nun doch wieder in die Arme nehmen, wenn auch ein bisschen widerwillig.
„Du kannst jetzt ruhig aufhören, dich zu sträuben, ich weiß, dass du gar nicht mehr so wütend bist“, schmunzelte Mark und er knuffte ihm augenblicklich zwischen die Rippen. Er sollte nicht so unverschämt zu ihm sein! Aber er hörte den Älteren nur gutmütig lachen.

Er fragte sich nur, wie er den bevorstehenden Tag überstehen sollte. Das würde der reinste Horror werden. Wenigstens malte er sich das bereits so aus. Wenn er ehrlich war, dann hatte er mit Kimi zwar schon das ein oder andere vernünftige Gespräch an der Strecke führen können, aber das war ja wohl etwas komplett anderes, als seine Freizeit miteinander verbringen zu müssen.
Er konnte sich nicht vorstellen, dass das mit ihnen beiden an einem Tisch lange gut gehen konnte. Sie waren so verschieden und sie hatten doch bei Ferrari bei öfter über einander die Augen verdreht. Er sagte ja gar nicht, dass das was Kimi machte falsch war und umgekehrt sicher auch nicht, aber sie gingen eben zwei völlig unterschiedliche Wege und das passte nicht. Aber wenn es Mark glücklich machte…
Wenigstens das konnte er sich ja sagen. Dass er das für Mark tat und für niemanden sonst, dann würde es ihm zumindest schon ein bisschen leichter fallen. Das klang zumindest mal nach einem Plan. Er musste das ja irgendwie überstehen und am besten ohne Mordgedanken zu entwickeln, wenn das möglich war.

Dann fiel sein Blick wieder auf das klein gehäckselte Gemüse auf der Anrichte. Und was sollte er jetzt daraus machen? Kochen konnte man das nicht mehr. Das reichte bestenfalls noch für einen Smoothie, aber die Vorstellung war irgendwie auch ekelerregend. Das hatte er in seinem Frust ja ganz wunderbar hinbekommen…

Aston Clinton, England
25. Dezember 2017


Mark und Daniels Begrüßung fiel natürlich sehr herzlich aus. Die Zwei hatten sich ja auch eine gefühlte Ewigkeit nicht mehr gesehen. Wobei sie fast schon den Eindruck erweckten, als würde ihre letzte Zusammenkunft Jahrzehnte zurückliegen.
Es war schon deutlich spürbar, dass die Zwei sich sehr vermisst hatten und dass sie durchaus einen besonderen Draht zu einander hatten. Das konnte Kimi und Fernando gar nicht verborgen bleiben, jedoch war es bei den Beiden mit der Herzlichkeit nicht so weit her.
Sie tauschten einen langen Blick miteinander aus, fast, als stünden sie kurz vor einem Rennen und müssten sich jetzt eindringlich analysieren. Mark schien irgendwas in Fernandos Blick zu erkennen und konnte sich ein halb scherzhaftes „Keine Leibesvisitationen“ nicht verkneifen.

Fernandos Augen verengten sich zu Schlitzen, bevor er irgendwas auf Spanisch grummelte und scheinbar widerstrebte es ihm sogar, den Blickkontakt als erster zu brechen.
Kimi befand es nicht für nötig, seine Sonnenbrille abzunehmen. Sein Mundwinkel zuckte allerdings verdächtig, bevor er Fernando schließlich auf die Schulter schlug und im Vorbeigehen meinte: „Hast’e gehört, was dein Aussie sagt?“
Fernando verdrehte die Augen, fluchte auf Spanisch in sich hinein. Kimi konnte ja nicht verstehen, dass er ihm gerade die Pest an den Hals wünschte und gab sich dann wieder freundlich und gelassen. Irgendwie mussten sie diesen Tag ja überstehen.

Zumindest genossen Mark und Daniel die Zeit miteinander, fanden auch gleich an die fünfzig Themen, über die sie reden konnten, während Kimi und Fernando sich die meiste Zeit allerdings ausschwiegen und ihren Liebsten nur stumm lauschten. Was sollten sie auch großartig sagen. Das alles hier war ja nicht ihre Idee gewesen.
Eigentlich deutete nichts darauf hin, dass diese Veranstaltung irgendeinem von ihnen jemals Spaß machen würde. Das gemeinsame Essen verlief schweigend, genauso wie alles andere auch und dann besaßen Mark und Daniel irgendwann sogar die Frechheit, sie einfach alleine sitzen zu lassen, weil der ältere Australier seinem Freund irgendwas zeigen musste.
Keiner von ihnen hatte richtig zugehört, also wussten sie nicht einmal worum es ging. Nur, dass sie nun alleine hier hockten und gar nichts miteinander anzufangen wussten. Das war so scheußlich… Fernando musterte missbilligend das Glas in Kimis Händen und sah sich in sämtlichen Klischees um Finnen bestätigt, die immer was Starkes brauchten und Kimi ging es umgekehrt nicht anders.

„Fall aber nicht besoffen in den Weihnachtsbaum“, konnte Fernando sich irgendwann aber nicht mehr zurückhalten. Er wollte sich ja noch auf die Zunge beißen, weil er wusste, wie unangebracht das war und dass er damit ja gewissermaßen anfangen würde, aber es rutschte ihm einfach raus. Er ärgerte sich schon ein bisschen über sich selbst.
Kimi sah ihn vollkommen ruhig an, dann an ihm vorbei zum Baum, dann schnaubte er. „Würde ich damit dein mühsames Kunstwerk zerstören?“, fragte er zurück und Fernando knirschte mit den Zähnen. Er wusste doch, dass der Finne sich nicht so schnell aus der Fassung bringen ließ. Was versuchte er das eigentlich?
Er zuckte mit den Schultern und wollte eigentlich gar nichts mehr sagen, bevor es noch peinlicher wurde. Allerdings hatte er Kimi jetzt natürlich auf etwas aufmerksam gemacht.
„Hast wohl jeden Lamettafaden einzeln drangehängt, was?“, amüsierte Kimi sich ein bisschen. Innerlich verdrehte er nicht nur die Augen über Kimi, sondern erwürgte ihn bereits. Was ging ihn das denn an? Und wenn es so war? War nämlich so…
„Wenigstens bin ich gründlich und scheu mich nicht vor Arbeit“, gab der Spanier nun doch etwas gereizt zurück. Warum musste er jetzt noch mal mit dem diskutieren? Er diskutierte doch viel lieber mit Mark rum…

Er rechnete damit, dass Kimi schon den nächsten Spruch auf den Lippen hatte und ihr kleines Wortgefecht noch ein bisschen ausarten würde, doch…
„Ist hübsch geworden“, meinte der Ältere plötzlich und er glaubte, sich da verhört zu haben. Seit wann gab er denn solche Texte von sich? „Krieg ich so nie hin. Hab da nicht die Geduld für.“ Er suchte nach Anzeichen, dass Kimi das nicht so ernst meinte, fand aber keine.
Also zuckte er unbekümmert mit den Schultern. „Glaub ich dir sogar. Hast mich ja nicht fluchen hören.“ Wenn er ehrlich war, wusste er ja manchmal selbst nicht, warum er sich die ganze Mühe machte, aber diesen Drang nach Perfektionismus bekam er einfach nicht raus.
Der Anflug eines Schmunzelns zeichnete sich auf Kimis Zügen ab. „Und das glaub ich dir.“

Plötzlich schien es doch ziemlich friedlich zwischen ihnen zu laufen. Sie hatten zwar keine Ahnung, wo das auf einmal herkam, aber von nun an verlief ihr Gespräch eigentlich ganz normal, ohne weitere Sticheleien.
Als Mark und Daniel irgendwann wieder zurückkehrten und die beiden so einträchtig miteinander reden sahen, wussten sie gar nicht, was sie davon halten sollten. Es war sogar fast verstörend. Selbst Daniel wich das breite Grinsen aus dem Gesicht, so als befürchtete er, dass mit Kimi irgendwas nicht stimmen würde.
Die zwei Australier warfen sich einen skeptischen Blick zu, als Kimi sogar über einen Scherz von Fernando zu lachen begann.

„Ist er schon betrunken?“, richtete Mark leise das Wort an Daniel. Er wollte ja nicht riskieren, dass sie womöglich gehört wurden.
Daniel warf einen Blick auf seine Armbanduhr. „Ein bisschen früh, selbst für seine Begriffe…“, lautete die Antwort. Dann sahen sie einander wieder ratlos an, bevor sie ihre Liebsten wieder anstarrten. Wenn ihnen das gestern jemand gesagt hätte, hätten sie das niemals geglaubt.
Das war so untypisch und zwar für alle Beide.
Irgendwann wurden sie allerdings bemerkt und es war Fernando, der sie schließlich zu sich heranwinkte und meinte: „Ah, da seid ihr ja wieder. Setzt euch doch dazu.“
Mark kam das immer noch komisch vor und genau das ließ der den Spanier mit seinem Blick auch wissen, bevor er sich zu ihm setzte und fragte: „Verträgst du den Rotwein nicht?“

Kimi musste ein Lachen unterdrücken, als das Lächeln schlagartig von Fernandos Zügen wich und dieser Mark direkt ins Visier nahm.
„Wie bitte?“, fragte der Spanier fast schon drohend zurück, worauf Mark sofort abwehrend die Hände hob.
„Schon gut. Ich hab gar nichts gesagt“, meinte dieser. Wenn Fernando endlich nicht mehr mit Kimi auf Kriegsfuß stand, wollte er den Moment sicher nicht ruinieren.
Kimi hätte sich noch länger darüber amüsiert, wenn nicht unterdessen ein anderer Australier versucht hätte, ihm sein Glas aus der Hand zu nehmen. Er konnte es noch gerade so an sich reißen und sah Daniel dann grimmig an.
„Was wird das?“
„Naja, du bist komisch. Vielleicht hattest du wirklich genug“, rechtfertigte Daniel sich. „Oder vielleicht sollte ich lieber mal überprüfen, was du da reingetan hast.“

Kimi zog das Glas bis an seine Brust und sah Daniel wenig begeistert an.
„Das ist meins!“, rechtfertigte er und diesmal war es Daniel, der entschuldigend die Hände hob und versuchte, beschwichtigend zu wirken.
„Okay, hab ich ja verstanden.“
Wieder konnten die beiden Australier einander nur verwundert ansehen, während Kimi und Fernando allerdings einen sehr zufriedenen Blick austauschten und in ihrem Gespräch fortfuhren.

„Und warum haben die sich jetzt so angestellt?“, wollte Daniel leise an Mark gewandt wissen.
Dieser hob die Schultern und seufzte auf. „Ich hab wirklich keinen Schimmer, Danny.“
„Aber… guck mal, die mögen sich doch“, wunderte der Jüngere sich weiter.
„Sieht so aus…“, murmelte Mark etwas ratlos.
„Sind die etwa immer so anstrengend?“, hakte Daniel nach.
Mark wiegte unschlüssig den Kopf hin und her, nickte dann aber. „Ich fürchte ja.“

Dem war dann wohl nichts mehr hinzuzufügen. Das hätten sie doch alles auch gleich viel einfacher haben können!
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