Was am Ende zählt

KurzgeschichteFamilie, Sci-Fi / P12
OC (Own Character) Sylar
21.12.2017
21.12.2017
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Selbst in der Nacht war es in Washington niemals dunkel. Nachts war es manchmal sogar heller als am Tag. Doch auch dort gibt es Ecken, an denen es dunkel ist. In einem kleinen Außenviertel der Stadt schlich eine stumme, schwarz gekleidete Gestalt durch die Straßen. Angetrieben von Rache . Angetrieben von Zorn. Auf den Staat, der seine Frau umgebracht hatte. Es war nur ein Unfall gewesen. Dennoch, Alle sollten dfür zahlen. Es bedarf nicht viel, das ganze Land zu zerstören. Nicht wenn man das konnte, was er konnte. Ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht, als er über alles nachdachte.



Am anderen Ende der Megametropole, in einem der wohlhabenden Viertel, lag Angela Petrelli in einem mehr als unruhigen Schlaf. Sie träumte. Sie träumte die Zukunft:        

Sie stand mitten in Washington. Ein gigantischer Feuerball stürzte Richtung Erde. Der Mond flog aus seiner Umlaufbahn und verwandelte sich in einen globalen Killer. Kurz bevor er auftraf, trat eine junge Frau aus dem Schatten des Kapitols und streckte ihre Hand nach oben. Das Geschoss wurde langsamer. Dann trat ein alter Bekannter neben sie, von dem Angela dachte, dass sie ihn nie wieder sehen müsste. Sylar. Er trat neben sie und umfasste ihre Hand. Sie verstärkten gegenseitig ihre Kräfte, so lange, bis ein gigantischer Blitz von beiden ausging und der Mond an die Stelle zurückgeschoben wurde, von der er gekommen war. Dann zog Sylar die Frau zu sich und küsste sie.

Sie schreckte auf. Ihr Atem ging schnell und sie war schweißgebadet. Sie schrieb sich den Namen des Mädchens auf, das sie gesehen hatte. Sie trug ein Namensschild auf ihrem Shirt, dass sie trug. Carina Meier. Sie musste wissen, wer das war. Wo sie lebte und was für Kräfte sie hatte. Und zwar schnell. Die welt würde zerstört werden, wenn sie nicht eingriff. Außerdem wollte sie wissen, was der frühere Massenmörder mit ihr zu schaffen hatte. Das konnte nicht gut gehen. Sie ging zum Telefon und wählte die Vorwahl von New York. Ihr fiel bloß einer, bzw. eine ein, die die Frau ausfindig machen konnte. Molly. Molly Walker.



Das Telefon schellte mitten in der Nacht. Matt Parkman stand auf. Halb blind vom Licht und noch völlig schlaftrunken torkelte er zum Schreibtisch, auf dem das Telefon stand. "Was wollen sie mitten in der Nacht? Hier ist Matt Parkman." "Matt, ich weiß, es ist spät. Hier ist Angela Petrelli. Ich hatte einen Traum von der Zukunft. Molly muss eine Person, nein, zwei finden. So schnell wie möglich." "Sagen sie mir die Namen und ihre Nummer. Ich rufe sofort an, nachdem sie sie gefunden hat." Auf einmal war er hellwach und sein Herz schlug ihm bis zum Hals. Es musste wirklich dringend sein ,wenn Angela um... halb vier morgens anrief. "Eine Frau mit dem Namen Carina Meier. Und... Sylar." Matt schluckte. Er hatte gehofft, diesen Mann weder noch mal sehen oder auch nur über ihn reden zu müssen. "Sind sie wahnsinnig. Ich bin froh, wenn ich nicht weiß, wo der sich rumtreibt." Angela seufzte am anderen Ende der Leitung. "Ja, ich auch. Aber er hat etwas damit zu tun. Finden sie ihn und sagen sie ihm, dass er die Frau suchen soll und dass er mit ihr nach Washington kommen soll." "Und sie denken, dass er mir das einfach glaubt." "Spielen sie ein bisschen in seiner Birne rum. Es geht um Leben und Tod." Damit legte sie auf. Zurück blieb ein ratloser Matt Parkman. Wieso immer er? Er wollte eigentlich nur in Ruhe mit Molly, Janice und Matty zusammenleben. Doch er hing mir drin, sobald sowas passierte. Das hätte ihm klar sein sollen. Er ging den Flur entlang zu Mollys Zimmer. Leise öffnete er die Tür und schob seinen Kopf durch den Spalt. Sie schlief. Jetzt würde er sie nicht aufwecken. Sie musste sowieso in wenigen Stunden aufstehen und zur Schule gehen. Dann würde es noch früh genug sein. Er legte sich wieder ins Bett und betrachtete seine schlafende Frau. Dann machte er sich noch Gedanken über dieses und jenes, bevor er wieder die Augen schloss.



Die junge Carina war gerade auf ihrer Arbeit in einen kleinen Konditorei. Sie liebte ihren Job, auch wenn es nicht der Bestbezahlte der Welt war. Sie hatte eine kleine Wohnung und einen Hund. Und noch ahnte sie nichts davon, was bald passieren würde.



Über New York ging wieder die Sonne auf. Molly Walker war gerade aufgestanden und stand gähnend vor dem Spiegel im Badezimmer. Matt klopfte an die Tür. "Wenn du dann fertig bist, brauch ich dich mal schnell im Wohnzimmer. Angela hat angerufen. Sie muss zwei Personen finden." "Ja. Komme gleich." Sie zog sich an und setzte sich dann neben Matt auf die Couch. Der hatte bereits einen Atlas auf den Knien liegen. "Also, wen suchen wir?", fragte sie fröhlich. "Zunächst mal eine junge Frau namens Carina Meier." Molly legte das ziemlich dicke Buch auf ihren Schoß und nahm eine Nadel in die Hand. Sie schloss die Augen und konzentrierte sich. Sie blätterte in dem Atlas herum und stoppte bei einer deutschen Karte. Dort steckte sie die Nadel hinein, eine Kleinstadt mitten in Deutschland. Matt stutzte, aber er vertraute ihr blind und er schrieb den Namen der Stadt auf. "Und wer noch?" "Ähm... Erinnerst du dich an den Kerl, der deine Eltern umgebracht hat? Den suchen wir." "Ich weiß das alles gar nicht mehr richtig. Es ist mehrere Jahre her..." Molly schloss die Augen und seufzte. "Schaffst du's?" "Ja." Wieder dachte sie an die Person, die sie suchte. Sie öffnete den Atlas bei New York. "Er ist hier in der Stadt." "Warte, ich hole einen Stadtplan." Wieder kratzte die Nadel über das Papier und fand ihren Platz in Queens. "Da wollten wir ihn mal verhaften. Ich weiß, wo das ist." Matt atmete tief durch, stand auf und holte eine Pistole aus der Schachtel auf dem Wohnzimmerschrank. "Für alle Fälle.", sagte er beschwichtigend, als er sah, wie geschockt Molly aussah. "Ich fahr hin. Und du gehst in die Schule." Nervös trat Matt aus der Haustür und ging zu seinem Auto. Janice musste ja nicht alles wissen.



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Matt fragte sich, wie er sich die Wohnung immer noch leisten konnte. Wahrscheinlich hatte er Vermieter abgeschlachtet. Vielleicht hatte er sie aber auch gekauft. Egal. Diese Fragen dienten dazu, seine Nerven zu beruhigen. Von außen sah die Hütte mittlerweile etwas heruntergekommen aus. Seine Gedanken beruhigte das nicht gerade. Es wirkte wie in einem dieser Horrorfilme, die er so hasste. Wo drinnen ein blutrünstiges Monster hockt und darauf wartet, die Jugendlichen zu fressen, die ihren Eltern nicht gehorchen wollten und in das ewig leer stehende Haus gehen. Aber ihm blieb ja gar nichts anderes übrig. Er stieg aus und ging zur Tür. Er drückte auf den einzigen beschrifteten Klingelknopf und bereute es schon eine halbe Sekunde später. Doch erstmal tat sich gar nichts.



Im zweiten Stock hingegen klingelte es. Normalerweise klingelte es nie. Er war normalerweise allein. Solange konnte er schon nichts anstellen. Obwohl er sich geschworen hatte, nie wieder jemanden umzubringen. Bis jetzt hatte es geklappt. Aber wenn es so früh an der Tür schellte... übernahm er keine Garantie für gar nichts. Der ehemalige Killer schälte sich aus der Bettdecke und ging zur Gegensprechanlage. "Ja? Was wollen sie so früh?" Matt zuckte zusammen, als er diese Stimme hörte. Allerdings war er morgens genauso schlecht drauf. Da hatten sie was gemeinsam. "Hören sie, ist Matt Parkman. Ich muss mit ihnen reden, Sylar." "Meinetwegen. Aber wehe, wenns nicht wichtig ist." Ein Surren ertönte, die Tür ließ sich öffnen. Eine einzelne Glühbirne erleuchtete die Stufen nach oben. Matt zog die Pistole aus dem Holster und ging die Treppe hoch. Sämtliche Türen waren verrammelt, bis auf eine im zweiten Stock. Er klopfte und stieß sie auf. "Was wollen sie? Ich dachte, sie wollten mich nie wieder sehen?" "Das hatte ich auch vor. Aber Angela Petrelli hat mich mitten in der Nacht angerufen. Sie hatte eine Vision und sie braucht sie dazu, die Welt vor einem Verrückten zu retten, der plant, den Mond auf die Erde zu werfen." "OK." Gleichgültig drehte sich Sylar um ind ging zu seiner Kaffeemaschine. "OK? Ich das alles, was ihnen einfällt?" "Es ist früh. So dringend wird es nicht sein. Ich mache zuerst einen Kaffee und dann würde ich mir gerne was anziehen. Wie soll ich allein da überhaupt was ausrichten. Den Mond vorher sprengen, oder was?" "Nein, hören sie mir einfach zu. Angela sah eine junge Frau in ihrer Vision, die eine Art Superprotektor hat. Sie beide zusammen bremsen den Mond ab und schieben ihn an die Stelle zurück, von der er kam. Sie lebt allerdings in Deutschland. Können sie immer noch fliegen?" "Natürlich. Aber wie soll ich bitte eine Frau finden?" "Sie lebt in einer Stadt namens Nürnberg und heißt Carina Meier. Nehmen sie ein Telefonbuch und finden sie die Adresse raus. Und zwar'n bisschen zackig. Dann kommen sie mit ihr nach Washington und melden sich bei Angela. " Matt wurde langsam mutiger. Sylar war nicht mehr so aggressiv wie sonst. "Ist ja gut. Darf ich mir noch was anziehen?" "Wenn's nicht zu lange dauert, schon." "Dann ziehen sie Leine. Und zwar'n bisschen zackig.", plapperte Sylar nach. Matt zog die Tür von außen zu. Und war froh, dass er noch lebte. Einige Minuten später stieg Sylar aufs Dach und nahm Kurs Richtung Europa.

Er landete wenige Meter vor der Stadtgrenze. Hier sollte er jetzt eine einzelne Frau finden. Eine schöne, alte Stadt, ohne Zweifel. Doch verwinkelt und verwirrend. Ganz in der Nähe und gerade, als hätte sie auf ihn gewartet, stand da eine Telefonzelle mit dem passenden Wälzer dazu. Die Adresse rauszufinden, sollte einfach werden, dachte er. Sie zu überzeugen, dass würde schwerer sein.

Nach einem kurzen Flug über die Stadt hatte er das richtige Haus gefunden. Er drückte auf die Klingel und zitterte dabei leicht. War er nervös? Ein wenig vielleicht, gestand er sich selbst. "Ja, bitte?", kam eine freundliche Stimme über die Sprechanlage. "Hi. Sie kennen mich nicht. Ich bin Gabriel. Es geht um... schwierig zu erklären. Was können sie?" "Ähm... nichts besonderes. Lesen, Schreiben und Rechnen und ich kann Gebäck verkaufen." Sie weiß es gar nicht, schoss es Sylar durch den Kopf. Wie sollte er das jetzt erklären? " Warten sie. Ich komm' mal runter." "Danke."

Kurz darauf ging die Tür auf. "Also, wie kann ich ihnen helfen?" "Das ist jetzt echt schwer zu erkären. Ich zeige ihnen erst mal was." Langsam hob er den Arm und ließ einen kleinen Blitz in den Himmel schießen. Carina wich erschrocken ein Stück zurück. "Wie haben sie... das angestellt?" "So was ähnliches können sie auch." "Ich glaube, das wüsste ich.", kam schnippisch zurück. "Nicht unbedingt. Eine Bekannte von mir kann die Zukunft sehen und hat gesehen, wie sie eine Art Schild aufgebaut haben, um die Welt zu retten. Ich weiß, es klingt verrückt." "Ziemlich. Kommen sie rein. Meine Nachbarn müssen nicht alles wissen." Sylar folgte ihr die Treppen hoch. er würde einiges erzählen müssen.



In Washington hatte sich Angela währenddessen wieder hingelegt. Vielleicht würde sie noch etwas mehr erfahren.

Der Mond war wieder am Himmel. Sylar küsste die junge Frau. Sie erkannte ein Datum im Hintergrund auf einer Leuchtreklame. Morgen Nacht. Sie würden sich also beeilen müssen. Einige Sekunden später brach der Schild zusammen. In einigen großen Blitzen schoss er Richtung Erde. Einer traf nicht wieder Carina, die ihn absorbierte, sondern Sylar. Er brach zusammen. Und kam nicht wieder hoch.

Sie setzte sich auf. Wahrlich, sie mochte ihn nicht wirklich, aber dass er gleich sterben würde. Wie sollte sie ihm das beibringen?



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Heute nacht würde es passieren. Es war Vollmond. Die Menschen, die ihm Leid zugefügt haben, sollten sterben. Und alle anderen auch. Der Hass überwog jegliche Vernunft  und Mitgefühl. Das Kapitol war der ideale Ort. Über dem Spiegelteich würde das Ende der Welt beginnen.

"Ihr beide müsst zum Kapitol. Dort werdet ihr ihn finden. Heute Nacht um 3 Uhr, wenn der Mond ganz hoch steht." Carina und Gabriel standen auf. "Warte. Ich muss dir noch was sagen." Er drehte sich zu Angela um. Sie gingen ein paar Schritte in den Nebenraum. "Du weißt, dass ich dich hasse, weil du meinen Sohn getötet hast. Aber ich lasse dich nicht ins offene Messer rennen. Du wirst heute Nacht nicht überleben. Ein Teil des Schildes wird dich töten." Gabriels Augen zeigten die Angst, die auf einmal in seinem Ineeren aufloderte. "Wirst du es trotzdem durchziehen?", fragte Angela herausfordernd. "Ja. Euch allen wäre das doch sowieso am liebsten. Vielleicht kann ich so endlich beweisen, dass ich mich verändert habe." Er versuchte, stark zu klingen, aber es gelang nicht ganz, das Zittern seiner Stimme zu verbergen. Gabriel drehte sich um und ging hinter Carina durch die Tür nach draußen. "Also, auf zum Kapitol, oder?" Guter Dinge und voller Zuversicht blickte sie Gabriel an. Er hatte den Kopf gesenkt und vermied jeden Blickkontakt. "Hey, alles klar? Was hat ihnen die seltsame Frau gesagt?" "Sie meinte, ich werde... heute Nacht... sterben." Beim letzten Wort erstickte seine Stimme vollständig. "Aber sie sagte doch, wir zwei würden ein Pa... zusammen ausgehen?" "Ich weiß nur, dass ihre Träume immer wahr werden. Da ich aber sowieso immer allein bin, macht es keinem was aus." "Zähle ich nicht, weil sie mich erst seit gestern kennen?" Langsam machte sie einen Schritt auf Gabriel zu und nahm seine Hand. Sie war kalt und zitterte. "Du... Sie kennen mich gar nicht." " 'Du' ist schon OK. Und vielleicht kenne ich sie noch nicht besonders lange, aber wenn man mal von der Entführung absieht, mag ich sie irgendwie. Und mir würde es ganz viel ausmachen, wenn sie durch mich sterben. Ich werde es allein versuchen." "Nein, das musst du nicht. Ich bin vielleicht ein Killer, aber niemand, der andere im Stich lässt, wenns drauf an kommt. Ich war schon mal kurz davor, mich umzubringen. Jetzt muss es eben passieren. Fliegen wir jetzt los, oder was?" Er presste sich ein Lächeln ab, das weinig glaubhaft wirkte. "Vielleicht lieber Bus, oder? Ist vielleicht ein bisschen auffällig, wenn sie einfach so... " Sie ließ ihre Hand senkrecht in die Höhe schnellen, wie eine Rakete, wenn sie startet. "Wir haben noch Zeit. Ich wollte dir die Stadt von oben zeigen. Oder warst du schon mal in Washington?" "Nein, noch nie." "Und nenn' mich bitte Gabriel."



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Die Sonne strahlte, als zwei junge Menschen aneinander gedrückt über der amerikanischen Hauptstadt schwebten. Der Ausblick auf die Stadt war zwar atemberaubend, aber irgendwie lag ein Schatten über der Idylle. Vielleicht lag es daran, dass ein kranker Volltrottel versuchen wollte, die ganze Welt zu zerstören. Vielleicht aber auch nur daran, dass ein junges Mädchen etwas empfand für einen Mann, der dem Tode geweiht war. Jedenfalls starrte sie ihn die ganze Zeit über verliebt an, während er mit leerem Blick geradeaus schaute, in die Richtung des weißen Hauses, dessen weiße Fassade in den Strahlen des Sonnenuntergangs orangefarben leuchtete. Doch Gabriel hatte kein Auge dafür.



Einige hundert Meilen entfernt, in einer kleinen Stadt an der Westküste, klingelte es an einer Haustür. Sie wurde geöffnet. "Peter? Wo kommst du denn her?", erklang eine verwunderte, aber auch erfreute Stimme. "Meine Mutter schickt mich. Sie hat einen kleinen Anschlag auf dich vor." Claire Bennett rollte mit den Augen. "Was will sie denn? Ich hab' Semesterferien." "Sie... kann ich vielleicht kurz reinkommen. Ich bin die ganze Strecke hierher geflogen." "Ja, klar. Ich bin sowieso allein." Er folgte ihr ins Wohnzimmer und ließ sich erschöpft auf das Sofa fallen. "Sie hatte eine Vision, von der ich vor wenigen Stunden erfahren habe. Ein Irrer hat vor, den Mond auf die Erde zu werfen, um uns alle zu vernichten. Eine junge Frau kann den Planeten beschützen. Sie ist gerade mit Sylar in Washington unterwegs." "Und ich soll sie vor ihm retten? Wie denn?!" "Nein, nein. Das hat schon seine Richtigkeit. Er muss ihr helfen. Laut meiner Mutter verlieben sich die zwei ineinander, aber er wird tödlich verletzt. Als Angela es ihm gesagt hat, hat er... " Er fuchtelte mit den Armen in der Luft herum, was reichlich Spielraum für Interpretationen ließ. "... sich komisch verhalten." "Wie wärst du denn drauf, wenn du sowas erfährst? Ich mag ihn immer noch nicht sonderlich, aber da tut er mir schon leid." "Das ist gut. Sie will nämlich, dass du mit mir nach Washington kommst und ihm ein bisschen von deinem Blut abgibst, wenn er tot ist." Claire riss erschrocken die Augen auf. Was verlangte ihre Großmutter da von ihr? Der Mörder ihres Vaters, der Killer unschuldiger Menschen. Doch dann sah sie die Bilder vom Jahrmarkt vor sich, als sie vom Riesenrad gesprungen war. Als die Reporter weg waren, war er auf sie zugegangen und hatte sie für alles um Verzeihung gebeten. Sie vorsichtig angeblickt und angelächelt. Sie hatte ihm ihre Hand entgegengestreckt und akzeptiert, dass er der war, der er nun mal war. Und auch, wenn sie bei weitem keine Freunde waren, konnte sie ihn nicht einfach sterben lassen. Angela hatte das gewusst. Jeder, der sie kannte, hätte das gewusst. "Ja, ich komm' mit." "Super. Sonst hätte mit meine Mutter wahrscheinlich den Kopf abgerissen. Sie taut langsam etwas auf." "Hast du Sylar seit der Jahrmarkt- Geschichte eigentlich nochmal getroffen?" "Ein- oder Zweimal. Er wonht in New York. Und irgendjemand muss sich ein wenig um Heidi und die Kinder kümmern. Außerdem arbeite ich ziemlich viel." Unterdessen standen die beiden vor der Haustür. Claire schloss ab und legte ihre Arme um ihren Onkel. Und ab ging's Richtung Washington.



Über dem Kapitol und dem Weißen Haus brach die Nacht herein. Gabriel und Carina saßen am Rand des Spiegelteichs und sahen übers Wasser. "Meinst du, es gibt keine Möglichkeit, die Zukunft zu ändern. Bis heute habe ich nicht an sowas wie Superkräfte oder Magie geglaubt. Dann bist du vor meiner Tür aufgetaucht und innerhalb weniger Stunden waren wir in Washington." "Weißt du, ich kenne eine junge Frau, die Selbstheilungskräfte besitzt, aber sie hasst mich und würde mir unter keinen Umständen helfen. Was ich auch verstehe. Ich habe ihren Vater umgebracht." "Verstehe. Dann halt zu der ganzen Geschichte Abstand. Ich krieg das schon allein hin." "Versuchs. Aber wenn nicht, dann bin ich hinter dir."


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Die Nacht war da, die Straßen wurden ruhiger. Nur noch zwei Menschen waren beim Kapitol und betrachteten die Sterne, die sich im Teich spiegelten. "Weißt du was?", fragte Carina Gabriel. "Was denn?" "Ich wollte schon immer zu den Sternen fliegen." "Tut mir leid. Da kann ich dich nicht hinbringen." Er drehte sich ein Stück und betrachtete sie mit einem warmen Gesichtsausdruck. "Was ist?" Er beugte sich ein Stück zu ihr und drückte ihr einen Kuss auf die Wange. "Ich glaube, ich habe mich ein wenig in dich verliebt. Und das schon, bevor ich die Vision kannte. Gleich, als ich dich betäubt hatte. Und ich bin dankbar dafür. Das letzte Mal war zwar ich verliebt, aber...  Schwer zu erklären. Die haben mir eine Agentin auf den Hals gehetzt, um mich dazu zu bringen, Namen auszuplaudern und mich fest zu setzten, wenn ich jemanden umbringen sollte." "Das alles ist eine längere Geschichte, oder?" "Ja. Ich lebe nicht mehr lange genug, um sie dir zu erzählen.", seufzte er, den Blick an den Mond geheftet, der fast seinen Zenit erreicht hatte. Zögernd legte Carina den Arm um ihn und zog ihn etwas näher zu sich. Er ließ seinen Kopf auf ihre Schulter sinken und schloss erschöpft die Augen. Die Gedanken, die er auf einmal alle im Kopf hatte, ließen sich nicht richtig ordnen. Doch irgendwie endeten sie immer wieder dabei, dass er eigentlich gar nicht getötet werden konnte, wenn man nicht einen bestimmten an seinem Kopf durchstieß. Etwas  musste mit seinen Fähigkeiten passieren.



"So, da wären wir." Sanft setzte Peter seine Nichte auf dem Boden ab. Claire war schon öfter hier gewesen. Doch seit ihr Vater, Senator und Präsident, tot war, nicht mehr. Was hätte sie hier gewollt? "Hast du eigentlich irgendwas dabei, um mir in den Arm zu pieken? Oder soll ich einfach eine Vene aufschneiden?" "Was? Nein! Ich will mir das Spektakel hier anschauen und dann bringe ich dich, Sylar und... und ich habe ihren Namen vergessen. Jedenfalls bringe ich euch nacheinander zur Villa meiner Mutter. Dort habe ich alles und unser Weltretter kann sich erholen." Claire nickte. Und sah in den klaren Nachthimmel.



Im Schatten des Obelisken stand eine schwarze Gestalt. Unauffällig und gefährlich. Er kanalisierte seine Kräfte und schoss mehrere hellen Strahlen in die Nacht. Wie die Traktorstrahlen eines futuristischen Raumschiffs zogen sie den riesigen Erdtrabanten Richtung Erdoberfläche. Sobalt er aus seiner Umlaufbahn entfernt war, sauste er von selbst auf die Erde zu. Zu stark war die Anziehungskraft. Würde er die Erde treffen, wäre sie innerhalb eines Sekundenbruchteils in Schutt und Asche gelegt.



Carina rüttelte an Gabriels Schulter. innerhalb weniger Sekunden war er wieder voll da, als er sah, dass ein riesiges, flammendes Inferno auf sie zuraste. Es blieben nur wenige Minuten, das Ungetüm aufzuhalten. Sie stand auf und ließ ihre Angst und ihre Aufregung kanalisieren. Der rote Schild wurde größer und kräftiger. Sie sandte ihn in Richtung Mond und er spannte sich über den Himmel, mehrere Kilometer über ihren Köpfen. Durch seine Kraft wurde der Steinklotz ein wenig langsamer und kam sogar fast zum Stehen. Doch so sehr sich Carina auch anstrengte, ganz aufhalten konnte sie ihn nicht. Zumindest nicht allein. Sie sah in die Richtung, in der Gabriel stand. Er sah kurz zu Boden, doch dann hob er seinen Kopf und nickte ihr entschlossen zu. Es musste passieren, das war ihm jetzt klar geworden. Und auch, dass man für einen Menschen, den man liebt, alles tun würde. Er hatte keine Angst, in ihm brannte Mut und das Verlangen, endlich seinen Frieden zu finden, egal, an welchem Ort dieser lag. Er ging ein paar Schritte neben sie, nahm ihre Hand und reckte sie in die Höhe. Er übertrug ihr die Kraft der Telekinese, die er hatte. Kurz bevor beide vor Erschöpfung zusammengebrochen wären, ging ein gigantischer, blauer Blitz von ihnen aus, traf den Mond, der schon gefährlich nahe war und schob ihn dorthin zurück, von wo er gekommen war.

Beide ließen ihre Arme sinken und sahen sich einen Moment in die Augen. Dann zog Gabriel Carina in seine Arme. Er küsste sie innig und liebevoll und spürte gar nicht, wie ihm die Tränen über die Wangen liefen. Sie drückte seinen Kopf gegen ihre Schulter und streichelte ihm über den Rücken. Das Einzige, was er noch herausbrachte, war ein zittriges "Danke". Dann brach der Schild in sich zusammen.



In dunkelroten Blitzen schnellte er zur Erde zurück. Die Meisten trafen Carina, die sie wieder in sich aufnahm. Einige trafen den Boden und hinterließen verbrannte Stellen, einer traf die schwarz gekleidete Gestalt, die nach wie vor im Schatten des Obelisken stand. Sie stürzte und war wenige Minuten später tot. Der letzte Blitz traf Gabriels Kopf. Er brach zusammen und landete unsanft auf dem Rücken. Er atmete schwach und blinzelte verwirrt. Carina ging neben ihm in die Knie. Vorsichtig nahm sie seinen Oberkörper und zog ihn auf ihren Schoß. "Ich danke dir.", flüsterte sie ihm zu, doch er atmete bereits nicht mehr.





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Eine warme Hand auf seiner. Das erste Gefühl, das er wahrnahm. Er wollte seine Augen öffnen, doch das Licht blendete ihn . Erst nach einigen Sekunden konnte er klar sehen, was um ihn herum passierte. Nicht viel. Carina schlief auf einem Stuhl neben dem Bett, in dem er lag. Ihr Kopf neben seinem. Was war passiert und wo war er? Das Haus kam ihm bekannt vor, doch er war noch zu erschöpft, um darüber nach zu denken. Von irgendwo näherten sich Schritte. Sein Gehör funktionierte wieder ausgezeichnet. Ein leises Klopfen an der Tür. Dann ging sie einen Spalt auf. "Bist du wach?" Peter flüsterte, um niemanden zu wecken. "Ja. Ich schon." ,kam eben so leise zurück. "Alles gut bei dir?" "Wenn man davon absieht, dass ich keine Ahnung habe, wo ich bin oder was passiert ist, ist alles ok." "Du siehst jedenfalls genauso müde aus, wie das Mädel neben dir." Peter konnte den Zustand der Menschen immer gleich erkennen. Aber noch nie war er so richtig gelegen. "Du bist übrigens in meinem Schlafzimmer. Ich wohne momentan hier auf dem Sofa. Und was alles passiert ist, erzähle ich euch, wenn ihr beide ausgeschlafen habt." Peter konnte nicht sagen, ob Gabriel die letzten Wörter noch verstanden hat, bevor er wieder eingeschlafen war. Er schloss leise die Tür hinter sich und ging erst mal frühstücken.

"Schlafen beide wie zwei Steine.", antwortete Peter auf den fragenden Blick seiner Mutter, als er sich zum Frühstück setzte. Claire saß ihm gegenüber und grinste. "Was ist?" "Nichts, außer dass du dein Bett an einen Killer abgetreten hast. Und deswegen auf der Couch übernachtet hast." "Du hast ihm das Leben gerettet, also bist du daran schuld." "Ruhe, ihr beiden. Sind wir einfach froh, dass die Erde noch ganz ist und es keine ersnsthaft Verletzten gibt. Wenn man mal von dem Kerl absieht, der für das alles verantwortlich ist." "Würde mir das jetzt einer erklären?", fragte Claire verwundert. "Dein Vater. Wir haben ihn verständigt und noch bis heute morgen hergeflogen. Er hat nur eine Leiche gefunden, die wir rückstandslos entfernt haben. Der Mann war der Firma völlig unbekannt, sonst wäre er schon früher verhaftet und eingesperrt worden. Laut älteren Polizeiberichten hat die Regierung seine Frau wegen Staatsverrat verhaften und umbringen lassen. Es war jedoch eine mehr als tragische Verwechslung . Wir nehmen an, er wollte sich rächen, in dem er die komplette Welt zerstört." "Wow. Und dachte immer, Sylar sei kaputt. Es geht echt immer noch schlimmer.", sagte sie leise und sah dabei in Richtung der Treppe. Vielleicht sollte sie doch nochmal mit ihm reden. So schlimm kann er eigentlich nicht mehr sein, wenn er sich freiwillig geopfert hätte.

Wenige Stunden später, so gegen Mittag, regte sich Carina wieder, deren Rücken sich alles andere als gut anfühlte. Die mehr als unbequeme Schlafposition rächte sich. Sie spürte es, noch bevor sie die Augen offen hatte. Als sie sie öffnete, fiel ihr Blick auf den schlafenden Gabriel, dessen Brust sich leicht hob und senkte. Er war wirklich wieder am Leben. Vielleicht würde es doch ein Happy End geben. Auch wenn es nicht unbedingt normal war, sich in jemanden zu verlieben, der zugegeben hatte, ein Killer zu sein. Sie legte ihren Kopf trotz ihrer Schmerzen wieder aufs Kissen und strich ihm dabei über den Arm. Ein kurzes Seufzen ließ sie wieder hochfahren. "Guten Morgen. Bist du... gehts dir gut?" "Ich bin vollständig geheilt, falls du das meinst. Ich weiß nur nicht, wieso. Meine Fähigkeiten waren blockiert. Wegen dir, glaub' ich. Ich erklär's dir später." Mit diesen Worten stand er auf und verließ das Zimmer. Carina folgte ihm nach unten.

"Claire? Wieso... Jetzt wird mir einiges klar. Warum hast du das gemacht?", fragte Gabriel unsicher. Er wusste nicht recht, was er sagen sollte. Immerhin ging er immer davon aus, dass sie ihm niemals helfen würde. "Peter war bei mir in Costa Verde. Wegen der Vision von Angela." "Und habe ihn gebeten, Claire herzubringen. Ich habe jetzt erst verstanden, dass der Schild alle Fähigkeiten in der näheren Umgebung blockiert. Es sei denn,..." "Man hat direkten Kontakt mit mir.", beendete Carina den Satz. "Ich hätte dich nicht gar nicht loslassen dürfen, auch nicht kurz. Funktioniert jetzt eigentlich alles wieder bei dir?" Nach einem Blick nach unten, nahm sie an, alles war gut. Sie hing innerhalb von Sekundenbruchteilen unter der Zimmerdecke. Dann ließ er sie vorsichtig wieder runter. "Alles super. Alle Kräfte vorhanden und einsatzbereit." Er blickte bei diesem Satz bedrohlich durch die Runde. Er hob seinen Zeigefinger und durch telekinetische Kraft flog der Gartenschlauch durchs Fenster und spritzte einen Schwall Wasser auf Angela. "Das war dafür, dass du Parkman gesagt hast, er soll mich mitten in der Nacht wecken. Wir sind quitt. Ich hab' Hunger." Mit einem schiefen Grinsen setzte er sich an den Tisch, während Claire und Peter fast vor Lachen umgefallen wären. Angela machte auf den Absätzen kehrt und stakste in ihren High heels davon, mit ruinierten Haaren und durchnässter Kleidung. Nur Gabriel konnte die Flüche hören, die sie vor sich hin knurrte.

Claire setzte sich neben ihn. "Das war ganz schön fies." "Ganz ändern will ich mich auch nicht. Sonst bin ich wieder so langweilig wie vor der ganzen Kräfte-Sache." "Du hast nicht gedacht, dass ich dir helfen würde, oder?", sagte sie und blickte ihn herausfordernd an. "Wenn ich ehrlich bin, nein. Du weißt, dass ich eine Lüge erkenne. Als du zu mir gesagt hast, du würdest mir vergeben, war das gelogen. Ich habe nur nichts gesagt, weil ich nicht gedacht habe, wir würden uns nochmal sehen. Deswegen habe ich gedacht, du hasst mich immer noch. Was ich auch verstehen kann." Sie legte ihren Arm um seine Schultern. "Ich hasse dich nicht. Nicht mehr, zumindest. Das mit meinem Vater war einfach noch zu frisch. Das, was du mit mir getan hast, darüber bin ich lange weg. Mittlerweile gehörst du bei mir fast schon zur Familie. Also seit du dich nicht mehr als mein Vater ausgibst, versteht sich." Es ließ sich keine Lüge erkennen. Es war tatsächlich ernst gemeint. "Das du das gesagt hast, bedeutet mir viel. Ich hoffe, wir könnten mal sowas wie Freunde werden." "Von mir aus. Aber ich kann ganz schön schwierig sein. Frag Peter." Der nickte nur, schluckte den Rest seines Brötchens hinunter, und sagte dann:" Und ganz schön zickig." "Es liegt immer irgendwo ein Wasserschlauch rum. Damit werd' ich schon fertig." "Ach ja. So wie mit mir?" Angela hatte sich umgezogen und betrat wieder das Esszimmer. "Vielleicht sollten wir alle endlich Frieden schließen. Immerhin sind wir sowas wie eine Familie. Und ihr beiden gehört auch dazu, wenn ihr wollt." Sie sah zu Gabriel und Carina, die gerade wie zwei Tintenfische aneinander klebten. Ihre Familie war soeben wieder größer geworden und sie würde bestimmt noch weiter wachsen.
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