Friendly Fire 3

OneshotHumor, Freundschaft / P12 Slash
19.12.2017
19.12.2017
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Andi war müde und erschlagen. Das graue Sofa, auf dem er lag, war so angenehm und weich, dass er gar nicht erst wieder aufstehen wollte. Er hatte gewusst, dass es ein Fehler war, als er sich auf das Sofa legte, denn dann würde er nicht wieder hoch kommen. Aber er musste. Friendly fire 3 war vorbei und er musste noch Zug fahren. Das einzig Gute daran war, dass er bis sein Zug abfuhr noch Zeit mit Mikkel allein verbringen würde, eine Rarität. Es war halb vier, der größte Teil der Leute, die tausende unterhalten hatten, waren bereits gegangen oder gingen gerade. Sie alle waren mindestens ebenso müde wie er, aber auf sie wartete ein Hotelzimmer und auf ihn eine lange Zugfahrt, bei der er nicht einschlafen durfte.

Er war noch nie so lange wach gewesen und die Tatsache, dass er so dumm gewesen war sich auf das Sofa zu legen, machte alles noch viel schlimmer. Andi starrte an die weiße Decke und zwang sich nicht einzuschlafen, begann er zu summen, wobei er auch die Stimmen der Anderen übertönte, die sich eine Etage über ihm befanden und an der Technik herum werkelten. Der Grund, warum er selbst noch da war, war der, dass er auf Mikkel warten musste. Dieser hatte nur irgendwas mit "Ich muss noch was regeln" gemurmelt und war dann verschwunden.
Andi hatte keine Ahnung, was das bedeuten sollte, aber da der Andere sowieso immer mit irgendwas beschäftig war, hatte ihn das nicht groß gekümmert. "Hey, Schlafmütze." Jemand riss ihn aus seiner Summtrance heraus. Es war Chris, der sich über ihn beugte. "Gute Nacht", grinste er. Es kostete Andi viel Mühe sich aufzurichten, um den Anderen zu umarmen. Er sah genauso müde aus, wie Andi sich fühlte. "Wenn du Mikkel sehen solltest, tritt ihm in den Arsch."

"Gerne", erwiderte Chris. "Aber soll ich noch was dazu sagen?". Andi streckte sich. "Nene, er weiß dann schon, worum es geht." "Ok, komm gut nach Hause." Damit verschwand er. Sie würden sich zwar zur Weihnachtsfeier bald schon wieder sehn, aber Andi war immer sehr demütig, wenn sich seine Wege und die seiner Kollegen und Freunde trennten. Er kam kaum dazu sich wieder hinzulegen, denn plötzlich tauchte Mikkel neben ihm auf. Das ging ja
schnell. "Chris hat gesagt, dass ich zu dir kommen soll? Aber ich war sowieso schon auf em Weg zu dir".

"Ich hab ihm eigentlich gesagt, er soll dir in den Arsch treten", murmelte Andi. "Ja, hat er leider nicht gemacht", sagte der Andere trocken. "Aber auf auf, ich dachte du willst gehen." Mikkel sah zwar müde aus, aber immer noch recht fit. Es kam schließlich nicht selten vor, dass er nur ein paar Stunden schlief. "Bist du fertig mit Sachen regeln?", fragte Andi und ergriff die Hand, die sein Kumpel ihm hinstreckte und stand auf. Eigentlich war der Brünette kein sentimentaler Typ, aber ihm gefiel es gar nicht, dass er kaum Zeit mit Mikkel gehabt hatte.

"Ja, wir können jetzt gehen", erwiderte Mikkel. "Was hast du denn noch gemacht?". "Tja", grinste der Hamburger, der merkte, wie müde der Andere war und hielt ihn am Arm fest, damit er nicht zurück aufs Sofa plumpste. "Ja is auch egal", murmelte Andi. Er würde sich liebend gerne gegen seinen Kumpel lehnen, aber er musste wach bleiben und ob Mikkel das so gefallen würde, wusste er auch nicht, obwohl er ihn jetzt sehr gerne umarmen würde. Insgesamt hatten sie das an diesem Abend nur einmal getan, als sie sich gesehen hatten. Viel zu kurz, wie Andi empfand.

"Kannst du denn stehen?", fragte Mikkel mit erhobenen Brauen, als Andi so schwankend vor ihm stand. "Ähm ja, sorry. Bin müde." "Ja, nicht nur du", grinste der Hamburger. "Wie wollen wir eigentlich zum Bahnhof kommen?", fragte Andi mäßig interessiert, als der Andere ihn zu seiner Tasche führte, die neben der Treppe lag. "Ich hab uns schon ein Taxi gerufen, alles gut." "Oh, welch ein Service", murmelte Andi und hob seine Tasche auf seine Schulter.

"Für dich doch immer", flötete Mikkel und zog sich seine Jacke an. "Wann fährt denn dein Zug?". "Halb fünf oder so." "Du solltest mal dein Durchhaltevermögen trainieren", gab Mikkel zu bedenken, als sie sich auf den Weg zum Ausgang machten. "Wie soll ich mit dir nen Star Wars Marathon machen, wenn du während dessen einschläfst?". Es dauerte einige Sekunden bis die Botschaft bei ihm angekommen war.

"Hast du mich gerade indirekt zu dir eingeladen? Nach all dieser Zeit?". Die letzten Worte setzte er in einen ironischen, weinerlichen Ton. "Wird ja mal Zeit oder?", grinste Mikkel und schubste ihn freundschaftlich, was Andi, der seinen Gleichgewichtssinn an die Müdigkeit verloren hatte, wieder gefährlich ins Schwanken brachte. "Dann musst du dich nicht immer im Podcast darüber aufregen, dass du noch nie bei mir warst." "Ach, nur deswegen", grinste der Brünette, der sich wieder gefangen hatte. "Du willst nur ne Story zu erzählen haben, ich bin da zweitrangig." "Natürlich, was denkst du denn?", lachte Mikkel und hielt dem Anderen die Tür auf. Die beiden riefen allen noch Anwesenden ein 'Gute Nacht' zu und verließen das Gebäude.

"Du, Mikkel", sagte Andi, als sie an der Straße standen. Ihr Taxi war noch nicht da. "Ja?", fragte der Angesprochene und steckte sein Handy in die Hosentasche. "Ähm." Andi wusste nicht genau, wie er es formulieren sollte. Mikkel war ihm sehr wichtig und er hatte ihm das noch nie wirklich gesagt und der Andere sollte es nicht falsch verstehen. Kurzer Hand entschied er sich nichts zu sagen und Mikkel stattdessen in die Arme zu schließen. Er merkte, dass sein Kumpel absolut nicht damit gerechnet hatte, denn es dauerte einige Sekunden bis er seine Arme auf Andis Rücken legte.

Es war keine lasche Umarmung, sie war warm und herzlich. Andis Herz schlug sehr schnell, er hatte Angst, dass der Andere ihn jede Sekunde weg stoßen würde, aber nichts dergleichen geschah. Sie hatten sich noch nie so lange umarmt wie jetzt und nun fiel Andi erst auf, wie gut Mikkel roch. Eine weitere tolle Eigenschaft an ihm. "Hm danke", murmelte Andi klein laut, als er seinen Kumpel los ließ. Dieser sah immer noch etwas überrascht aus. "Womit hab ich denn das verdient?". "War mal nötig."

Jetzt grinste Mikkel und legte seine Hand auf Andis Schulter. "Is alles ok? Du kannst mich gerne immer umarmen." Der Brünette, der sich gerade der Müdigkeit wegen die Augen gerieben hatte, sah ihn jetzt verblüfft an. "Also ich bin auch nicht aus Stein", sagte Mikkel und gähnte. Man sah ihm kaum an, dass er knapp 24 Stunden nicht geschlafen hatte. Ehe Andi sich einen Reim darauf machen oder geschweige denn antworten konnte, bog das Taxi um die Ecke und hielt vor ihnen an. "Zum Bahnhof", rief Mikkel dem Fahrer zu und hielt seinem Kumpel dir Tür auf. "Dankeschön", murmelte Andi und setzte sich auf die Rückbank.

"Was kann ich tun, damit ich nicht einschlafe?", fragte er, die Stirn an die kalte Scheibe gelehnt, als das Taxi los fuhr. "Hol dir am Bahnhof nen Kaffee. Wir haben ja noch Zeit." Andi hob den Kopf und sah zu Mikkel hinüber, der wieder auf sein Handy sah und stirnrunzelnd durch Nachrichten scrollte. "Alles klar?". "Jo, mich nerven gerade alle mit Fragen zu Friendly Fire im nächsten Jahr." Andi hob den Kopf und öffnete den Mund. "Du darfst dich gerne an mir anlehnen, solange du nicht einschläfst", fügte Mikkel immer noch mit seinem Handy beschäftigt hinzu. "Ähm danke, das wollte ich echt gerade fragen." "Ich weiß."

"Hey, Andi! Andi!". Andi schlug die Augen auf. Was zur Hölle? In welche Situation war er hier geraten? Er gähnte. Es dauerte einige Sekunden, bis er realisierte, dass er in Mikkels Armen lag und sie sich immer noch im Taxi befanden. War er etwas in seinen Armen eingeschlafen? "Wir sind da, Schlafmütze." Mikkel klang weder verärgert, noch peinlich berührt. Er klang einfach nur belustigt. Zum Glück. "Also, wenn Sie mal aussteigen würden, wäre das klasse", hörte er den Fahrer brummig sagen. "Ich will heute Nacht ja noch n bisschen was verdienen."
"Ok, wie viel?", fragte Andi verschlafen. "Ich hab schon bezahlt. Jetzt schwing die Hüfte."
"Dankeschön." "Dafür lädst du mich zum Essen ein", sagte Mikkel schnell, als wollte er es ausnutzen, dass Andi durch seine Müdigkeit kaum noch klar denken konnte. "Ja, geht klar", sagte der Brünette und Mikkel nickte. Sein Plan ging auf. "Du, mein Zug fährt schon in fünf Minuten. Schaffst du es wach zu bleiben?". "Bestimmt", murmelte Andi, während er mit dem Hamburger in den ziemlich ausgestorbenen Bahnhof liefen. "Ich hol mir jetzt nen Kaffee und dann schreibst du mir alle zwei Minuten." "Deal", lachte Mikkel. "Das wirst du noch bereuen."

"Wenn ich mal die Möglichkeit habe, es auszunutzen, dass du mich mal anschreibst, dann werde ich da gar nix bereuen." Der Blonde verdrehte die Augen, zog den Anderen nochmal in eine überraschend feste Umarmung und nahm dann seine Tasche, die er zwischendurch abgestellt hatte, wieder an sich. Andi hasste Abschiede. Als er Mikkel zum Gleis gebracht und sich davon abgehalten hatte, ihm zu winken, zog er sich seinen Rucksack vom Rücken, um darin nach seinem Ticket zu suchen.

Doch seine Hand stieß gegen etwas festes in Plastik verpacktes, womit er nicht gerechnet hatte. Er zog es heraus. Es waren zwei Tafeln Nussschokolade, auf deren Packung ein Smiley gemalt war. Er musste grinsen. Das war ja irgendwie total süß. 'Alles klar,  Mikkel', dachte Andi und steckte das kleine Geschenk wieder in den Rucksack. 'Ich soll also durch übermäßigen Zuckerkonsum wach bleiben.'