All To Hide Yourself

von Ririchiyo
KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
Cassandra Cillian Eve Baird Ezekiel Jones Jakob "Jake" Stone
18.12.2017
18.12.2017
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All To Hide Yourself


Jake weiß nicht, wann es ihm zum ersten Mal aufgefallen ist, vermutlich ein paar Wochen nach der Zeitschleife – dem Computerspiel –, doch seitdem bemerkt er es immer öfter. Es sind keine großen Regungen. Kaum zu bemerken, wenn Jake es nicht zufällig einmal mitbekommen und seitdem darauf geachtet hätte, aber es ist genug, damit er skeptisch wird. Und langsam ist er sich nicht mehr sicher, ob Ezekiel wirklich keinerlei Erinnerungen an das ganze hat. Es würde ihn nicht wundern, wenn er sie alle angelogen hätte. Denn inzwischen ist er sich wirklich sicher: wenn Ezekiel eins kann, dann ist es lügen.
Ezekiel ist selbstverliebt, und selbstsicher, und er kann alles, und er ist der beste, und er ist einfach perfekt, sicher, das ist das, was er jedem klarmacht, der auch nur in seine Nähe sieht, und sie alle haben es innerhalb kürzester Zeit gelernt, aber so langsam fragt er sich, ob er nicht vielleicht doch falsch liegt. Ob er es falsch gelernt hat. Ob sie alle es falsch gelernt haben. Oder ob Ezekiel sich im Nachhinein geändert hat.
Der Dieb trägt die Maske schon seit Jahren, daran besteht für ihn kein Zweifel, und er trägt sie wirklich gut, mit Fassung, und er weiß immer, was zu tun ist, wie er sich zu verhalten hat – wie von ihm erwartet wird, dass er sich verhält – aber es bleibt eine Maske. Nur dass es ihm zuvor nie aufgefallen ist.
Und er weiß, wenn er ihn fragt, dann wird Ezekiel es leugnen, er wird es alles abstreiten, aber er weiß es auch besser. Denn er hat es inzwischen oft genug beobachten können.
Das kurze zucken in Ezekiels Hand, wenn Eve sich wieder einmal vor sie alle stellt, um sie zu beschützen, oder sie ihnen erklärt, dass sie vorgehen sollen, oder wenn Eve scharf die Luft einzieht, wenn sie irgendwie verletzt scheint, oder nach einem Moment wieder zu ihnen stößt, und sie angespannter scheint, als zuvor.
Er sieht den kleinen Schritt, den Ezekiel macht, wann immer Cassandra eine Vision hat, oder ihr ein Nervenzusammenbruch bevorzustehen scheint, oder sie sonst irgendwie aus ihrer Komfortzone herausgedrängt wird. Wann immer sie auch nur ansatzweise zusammenzuckt oder sie taumelt oder stolpert oder irgendetwas anderes in der Art, dann macht Ezekiel diesen kleinen Schritt.
Er sieht wie Ezekiel jedes Mal den Mund öffnet, wenn er einen Plan vorschlägt, bei dem er mit Eve gemeinsam den Köder spielt, oder wenn er sich schützend vor sie stellt, oder wenn er versucht, den Dieb und Cassandra zu schützen.
Es ist jedes Mal nur eine kleine, minimalistische Geste, die immer beinahe augenblicklich wieder verschwindet, sobald Ezekiel selbst bemerkt, dass es passiert. Aber es ist genug, damit Jake weiß, dass er gelogen hat. Ezekiel würde sich nicht so verhalten, wenn er sich nicht um sie sorgen würde. Wenn er nicht noch immer vor Augen hätte, wie sie sterben. Jake weiß nicht, wie oft Ezekiel das Computerspiel durchgegangen ist. Wie oft Ezekiel all das erlebt hat. Ezekiel hat es ihnen nicht gesagt. Aber er weiß, dass Ezekiel irgendwann während dieser Zeit aufgehört hat, seine Maske zu tragen. Und seitdem hat er es nicht mehr geschafft sie wieder aufzusetzen, denn manchmal fällt sie, oder verrutscht, und für einen kurzen Moment kann Jake den Menschen sehen, der sich dahinter versteckt.
Und er weiß nicht, wann es begonnen hat, aber inzwischen fragt er sich beinahe täglich, wie viel von Ezekiel sie alle eigentlich wirklich kennen, und wie viel von dem, was sie zu wissen glauben, wirklich echt ist.


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