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Leseprobe: Little Tease

von Lelis
LeseprobeLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
17.12.2017
20.12.2017
4
13.036
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[KAPITEL 4]





Samstagnacht sind die meisten Gäste im SMack Stammkunden. Es gibt einen strengen Dresscode, der dafür sorgt, dass der übliche Kreis vornehmlich unter sich bleibt. Neue Gesichter erfordern besondere Aufmerksamkeit und es liegt an mir, sie zu filtern und nur diejenigen reinzulassen, die dazu passen. Bisher war es ein ruhiger Abend.

Thies ist vor einer halben Stunde angekommen und hilft Ingo hinterm Tresen. Allerdings hat er nicht wie sonst für jeden Gast ein strahlendes Lächeln übrig. Für mich bisher nicht einmal einen Blick. Wahrscheinlich schmollt er noch, nachdem ich ihn mit einem Ständer sitzen gelassen habe.

Die Tür öffnet sich, ich wende mich um und vor mich tritt ein recht großer Typ. Schwarzes Haar. Seine Nase wirkt, als wäre sie schon einmal gebrochen gewesen. Das linke Ohrläppchen ist gerissen und nicht wieder zusammengewachsen. Sein Körper erscheint recht muskulös. So wie er sich hält, könnte man beinahe denken, dass er bereit ist, sich mit mir anzulegen. Sein ganzes Auftreten steht in herbem Kontrast zu seinem Alter. Er ist vielleicht gerade mal zwanzig.

»Hi?« Ich mustere ihn fragend. Irgendwie kommt er mir bekannt vor, aber ich kann ihn gerade nicht einordnen. Kein Stammkunde, kein Dresscode – so viel ist offensichtlich. Er trägt Jeans und eine abgetragene Trainingsjacke. Obwohl es kalt ist, trägt er darunter nur ein schwarzes Tanktop. Harter Typ, aber kein Fetischist. Es sei denn, er steht auf abgefuckte Turnschuhe.

»Hey«, grüßt er zurück und blickt an mir vorbei über meine Schulter. Der Vorhang ist offen und er kann von hier die Bar sehen.

»Ich glaube nicht, dass ich dich reinlassen kann«, stelle ich fest.

Der Ausdruck in seinen Augen wird finster, doch er wirkt auch nicht sonderlich überrascht. »Okay... Eigentlich muss ich auch nur kurz mit Thies sprechen.«

Vielleicht ist er einer von Thies Kommilitonen. Doch wie ein Kunststudent sieht er nicht aus. Verdammt, er kommt mir so bekannt vor. Vor allem der trotzige Mund. Das einzige Weiche an ihm. Plötzlich fällt es mir wie Schuppen von den Augen. »Ich kenne dich doch...«

Sein Unterkiefer schiebt sich leicht nach vorn.

Ja, ich kenne den Bengel und er mich auch. Vor ein paar Jahren habe ich ihm geholfen, als ihm ein paar fiese Typen nicht weit vom SMack sein Geld abknöpfen wollten. Danach habe ich ihn mit zu mir genommen und wollte ihn am nächsten Tag zur Polizei oder einem Streetworker bringen, aber er ist abgehauen.

Aus Sorge habe ich beinahe die ganze Stadt nach ihm durchkämmt. Er war nicht mal achtzehn damals und ich wusste, dass er unter anderem auch sich selbst verkauft. Ich hatte tatsächlich Mitleid mit ihm, bis ich erfahren habe, dass er wegen eines geplatzten Drogendeals und Ärger mit den Bullen abgetaucht ist. Seitdem habe ich ihn nicht mehr gesehen.

»Was willst du von Thies?« Ich verschränke die Arme vor der Brust.

»Nichts«, antwortet er und weicht meinem Blick missmutig aus. »Nur was sagen.«

»Sag es mir und ich richte es ihm aus.«

Darauf schnauft er und blickt wieder über meine Schulter. »Kann ich bitte selbst mit ihm reden? Es ist wichtig, Markus. Dann hau ich auch wieder ab. Thies ist ein Freund von mir.«

»Weiß Thies, dass sein Freund ein Stricher ist?«

Er nickt.

Ich verziehe den Mund. Auch das noch. Es gibt immer mal wieder Stricher, die sich hier in den Club schmuggeln wollen. Sie sind hier nicht erwünscht, wir sind schließlich kein Puff. Allerdings bevorzugen selbst die Mutigen, die es dennoch drauf anlegen, die Freitage.

»Wie heißt du noch mal?«

»Timm.«

»Okay, Timm. Warte hier, ich schau, ob er Zeit hat.« Ich ziehe den Vorhang vor ihm zu und gehe an die Bar. Allerdings bewegt sich Thies auf die andere Seite des Tresens, als ich mich nähere. Großartig.

»Na, Markus? Durst?« Ingo schmunzelt spöttisch. »Ein Bier?«

»Nein«, antworte ich. »Da ist jemand an der Tür, der mit Thies reden will.«

»Wer?«

»Ein Stricher.« Mein Blick richtet sich streng auf Thies. »Timm.«

Thies hat bis eben noch betont desinteressiert Gläser abgetrocknet, doch jetzt fährt er irritiert zu mir herum. »Timmy ist kein Stricher mehr.«

Ich weiß dank Dario, wie unwahrscheinlich es ist, dass man wieder in die Spur kommt, wenn man erst einmal mit Prostitution angefangen hat. Es macht einfach etwas mit der Psyche. Zugegeben, Timm sah nicht aus wie ein Junkie, aber auch nicht wie jemand, der einen vernünftigen Job hat. Daher hebe ich nur vielsagend eine Augenbraue und zucke mit den Schultern.

Thies schnauft und wendet sich an Ingo. »Kriege ich fünf Minuten?«

»Zieh es dir von deinen Raucherpausen ab.«

Das lässt sich Thies nicht zweimal sagen. Er duckt sich unterm Eingang zum Tresen durch und eilt Richtung Tür. Ehe sich der Vorhang schließt, sehe ich noch, wie Thies von Timm mit einem Handschlag begrüßt wird. Sieht freundschaftlich aus, gefällt mir dennoch nicht. Ganz und gar nicht. Als ich mich wieder Ingo zuwende, mustert der mich mit verschränkten Armen.

»Ist was?«

»Das würde ich auch gerne wissen«, sagt er. »Ich habe keine Ahnung, was sich zwischen euch seit gestern wie, wann und warum geändert hat, aber offenbar ist der Junge nicht gut auf dich zu sprechen.«

»Scheint so.« Ich habe nicht die Absicht, darauf einzugehen. Stattdessen kehre ich auf meinen Posten zurück. Als ich den Vorhang öffne, überreicht Thies Timm gerade einige große Geldscheine, die der nonchalant in seinem abgegriffenen Portemonnaie verschwinden lässt.

Ich halte ungläubig inne. »Was zum Teufel zieht ihr hier ab?«

Ertappt blickt Timm zu mir auf und öffnet den Mund, um etwas zu sagen, doch Thies kommt ihm zuvor und stellt sie schützend vor seinen Freund. Er ist kleiner als Timm, etwas mehr als fünf Zentimeter. Dennoch scheint er eine Art Beschützerinstinkt für ihn zu empfinden und begegnet mir auf Augenhöhe. »Das geht dich nichts an.«

»Ich glaube schon«, entgegne ich. Möglich, dass Thies ein bisschen Gras an der Hochschule vertickt und Timm seine Quelle ist. Eigentlich harmlos. Aber nicht hier im SMack. Wir hatten schon genug Ärger mit illegalen Substanzen. »Gib mir das Zeug.«

»Welches Zeug?«

»Die Drogen, die dir der kleine Wichser gegeben hat.«

»Was für Drogen?«

Entnervt hole ich Luft und trete einen Schritt auf Thies zu, um ihm zu verdeutlichen, dass wir keineswegs auf gleicher Augenhöhe sind. »Thies, es ist mir scheißegal, was du außerhalb dieses Clubs anstellst, aber hier im SMack will ich verdammt noch mal keine Drogen haben. Also gibst du sie mir jetzt oder muss ich mit Andy reden?«

»Es gibt keine Drogen, Mann!«, mischt sich Timm ein. »Das Geld ist für...«

»Klappe, Timm!«, unterbricht ihn Thies energisch.

Der zuckt mit den Schultern. »Was auch immer.«

Keine Drogen? Aber was auch immer es ist, es ist nicht sauber. Ich blicke Timm über Thies' Schulter grimmig an. »Hau ab. Besser, du lässt dich hier nicht mehr blicken.«

Timm zögert. »Okay, wenn ich gehe, T?«

Er spricht das T englisch aus. Soll wohl cool klingen. Vor allem aber klingt es vertraut. Die beiden scheinen sich gut zu kennen. Besser als Dealer und Zwischenhändler? Ich bin immer noch skeptisch. Keine Ahnung, was ein netter Junge wie Thies sonst mit so einem abgefuckten Typen zu tun haben soll.

»Ja, okay«, antwortet Thies, wendet sich zu ihm um und damit von mir ab. »Ich muss eh wieder rein, sonst krieg ich Ärger mit Ingo. Wir telefonieren morgen?«

Timm nickt, ehe er mir einen skeptischen Blick zuwirft und sich aus der Tür schiebt. »Bis dann.«

Bisher habe ich Thies tatsächlich für einen netten Jungen gehalten. Fast unschuldig. Machen wohl die blauen Augen und das blonde Haar. Zwar arbeitet er in einem Fetischladen, aber wohl hauptsächlich, weil er hübsch anzusehen ist. Andy und Ingo passen besonders auf ihn auf. Er studiert verdammt noch mal Kunst.

»Was hast du mit einem verfickten Stricher zu schaffen?«

»Timm ist kein Stricher mehr!« Sein Unterkiefer ist leicht vorgeschoben und seine Brauen zusammengezogen, als er zu mir herumwirbelt. »Er ist ein guter Freund.«

Ehe ich selbst weiß, was ich vorhabe, habe ich Thies mit dem Rücken an die Tür gedrängt. »Dann such dir gefälligst bessere Freunde! Und jetzt will ich wissen, wieso du ihm ein paar hundert Euro rübergeschoben hast!«

»Es geht dich nichts an, mit wem ich befreundet bin!«

»Tut es nicht, solange dich deine kleinen Dealer-Freunde nicht im SMack besuchen kommen. Jetzt geht es mich etwas an.«

Ich beginne seine Hose abzutasten. Viele Verstecke gibt es da nicht. Thies trägt heute enge Latexpants und darüber einen schmalen Lederharness, der nur über seine linke Schulter geht und dann unter beiden Armen festgemacht ist. Seine Füße stecken in hohen Schnürstiefeln.

Ich finde nicht einmal ein Portemonnaie. Er muss das Geld lose dabeigehabt haben. Vielleicht habe ich es aber auch übersehen. Ich streiche noch einmal über seine Hose. Diesmal spüre ich etwas unter meiner Hand: Seinen Schwanz, der sich langsam ausdehnt und an Härte gewinnt.

Automatisch ziehe ich meine Hand zurück und sehe ihm wieder in die Augen. Verdammt, er wirkt eindeutig erregt, wenn auch widerwillig. Er hat immer noch die Unterlippe vorgeschoben und inzwischen ganz rote Ohren.

»Letzte Chance, Thies«, sage ich möglichst freundlich. »Wofür war das Geld?«

»Fuck you! Es hat nichts mit dem SMack zu tun.«

Die Tür in seinem Rücken bewegt sich. Jemand versucht reinzukommen. Mist. Ich greife Thies am Harness und ziehe ihn von der Tür weg, um sie zu öffnen, lasse ihn jedoch nicht los.

Draußen steht ein mir unbekannter Mann, Mitte vierzig mit blondem Bart und attraktiven Gesichtszügen. Er trägt einen gut sitzenden Anzug, inklusive dunklem Hemd und dazu passender Krawatte. Der Mann stutzt kurz, als er uns sieht. Sein intensiver Blick wandert zunächst über mich, dann über Thies, der bei seinem Anblick aufgehört hat, sich gegen meinen Griff zu wehren und ihn ebenso interessiert zurückmustert.

Ich kann ihn sogar verstehen. Nach diesem Mann würde sich so ziemlich jeder umdrehen. Nur sein Timing ist beschissen. Es widerstrebt mir, Thies davonkommen zu lassen, ohne dass er meine Fragen beantwortet hat. Noch dazu, nachdem er so frech gewesen ist und Fuck you zu mir gesagt hat. Doch mein Job geht vor und der neue Gast fordert meine Aufmerksamkeit.

»Wir sind noch nicht fertig«, raune ich Thies unheilvoll ins Ohr, ehe ich ihn freigebe und mit einem Schubs durch den Vorhang zurück zur Bar schicke. Dann wende ich mich dem Mann zu. »Hi. Neu hier?«

Seine Mundwinkel heben sich zu einem schmalen Lächeln. »Nicht wirklich neu. Ist nur schon eine Weile her.«

Seit vier Jahren arbeite ich in diesem Club und bin mir sicher, dass ich ihn noch nie gesehen habe. Er wäre mir definitiv im Gedächtnis geblieben. »Wann warst du das letzte Mal hier?«

»Hm, acht oder neun Jahre dürfte es her sein... Ich habe vor Kurzem erfahren, dass der Laden noch immer existiert. Gehört er noch Udo?«

»Nein, hat vor drei Jahren den Besitzer gewechselt.«

»Ah, das erklärt es.«

Erklärt, dass der Laden noch existiert? Er erläutert seine Aussage nicht näher, doch seine Geringschätzung schwingt recht unverhohlen in den Worten mit und ich nehme an, dass sie sich auf Udos Fähigkeit, den Laden zu führen, bezieht.

»Aber schon zu Udos Zeiten gab es einen Dresscode.« Ich verschränke die Arme vor der nackten Brust. Heute trage ich eine Lederhose und habe zwei Armbänder, ebenfalls aus Leder, um die Oberarme gebunden.

»Ein Grund für meine Abwesenheit«, sagt der Mann. »Ich halte nicht viel von Desscodes.« Er hält mir die Hand hin. »Ralph Grezella.«

Ich greife nach ihr. Sein Händedruck ist angenehm fest, wirkt jedoch nicht wie eine Herausforderung. Er ist dominant, aber ohne aggressiv zu wirken. Von ihm geht eine gewisse Autorität aus und... keine Ahnung. Seine Art gefällt mir. Dennoch kann ich ihn nicht einfach reinlassen. »Markus.«

»Markus. Freut mich. Also, ich bin kein Lederkerl. Aber ich habe gewisse Bedürfnisse, die von der Norm abweichen. Darum würde ich gerne mit dem neuen Besitzer sprechen, falls du mich nicht reinlassen kannst oder möchtest.«

Andreas ist heute Abend noch nicht aufgetaucht. Wenn es nach mir ginge, hätten wir kein Problem, allerdings kann ich diese Entscheidung nicht allein treffen. Ich mustere Ralph noch einmal. Er hat eine gute Figur, schlanke Hüften, die Schultern breit, nicht ganz so groß wie ich. Der Anzug fügt eine maskuline Eleganz hinzu. Ich greife nach dem internen Telefon und rufe Ingo an.

»Hey, gibt's Stress?«, meldet der sich.

»Nein, im Gegenteil. Ich habe einen potenziellen, neuen Gast, allerdings nicht im Dresscode. Er würde gerne mit Andreas sprechen.«

»Der ist nicht da.«

»Ich weiß.«

»Dann schick ihn weg und sag, dass er sich umziehen oder nächsten Freitag wiederkommen soll, wenn er reinwill.«

»Ich denke, er würde heute besser reinpassen. Er war vor ein paar Jahren schon Gast. Ralph Grezella, kennst du ihn zufällig?«

Nach einem überraschten Ausruf legt Ingo auf. Irritiert hänge ich das Telefon wieder ein und öffne den Vorhang, um herauszufinden, was mit Ingo los ist, der kommt aber bereits auf uns zu. Ich hebe die Augenbrauen und trete einen Schritt beiseite, als er uns erreicht und mit einem breiten Grinsen auf den anderen Mann zugeht. »Ralph! Dass du dich noch mal hertraust!«

»Oh Gott, Ingo.« Ralph lacht auf und die beiden begrüßen sich mit Handschlag und klopfen sich auf die Schulter. »Arbeitest du immer noch hier?«

»Wo sollte ich sonst arbeiten?«, fragt Ingo zurück.

»Wenigstens bist du Udo losgeworden.«

»Ja, sogar aus dem Land habe ich ihn gejagt«, erklärt Ingo und zwinkert Ralph zu. »Immer noch nicht gut auf ihn zu sprechen? Mensch, wie geht's dir?«

»Kann nicht klagen«, antwortet Ralph. »Aber mir fehlt in letzter Zeit ein bisschen der Ausgleich...«

»Ausgleich, hm? Na, wir finden bestimmt etwas für dich...«

»Bestimmt. Wer war eigentlich der Junge eben?«

»Welcher Junge?« Fragend wendet sich Ingo an mich.

»Thies«, erkläre ich.

Ingo schenkt Ralph einen wissenden Blick. »Sorry, aber ich glaube nicht, dass du bei dem Chancen hast.«

Mit einem selbstbewussten Lächeln zuckt Ralph mit den Schultern, ehe er meint: »Ich beweise dir gerne das Gegenteil.«

Ingos Blick wandert über Ralphs Anzug und er seufzt. »Immer noch so ein Lackaffe, was? Na ja, machen wir eine Ausnahme. Thies muss arbeiten, aber ich stelle dir gerne ein paar der anderen Jungs vor. Leon könnte dir gefallen.«

»Mal sehen.« Ralph nickt mir dankend zu, dann folgt er Ingo in den Innenraum. Sein Interesse an Thies und dessen spürbares Gegeninteresse wurmen mich mehr, als ich zugeben möchte. Es ist eine Sache, Thies abzuweisen, es ist eine andere, ihn mit einem anderen zu sehen.

Ich lasse den Vorhang offen, um die Bar beobachten zu können, bleibe jedoch im Schatten des Vorraumes stehen.

Ingo stellt Ralph ein paar der anwesenden Gäste vor. Er schüttelt den Doms die Hände, die Subs mustert er interessiert, aber distanziert. Ich beobachte Thies. Eigentlich müsste Ralph sein absoluter Traum-Daddy sein. Mein Verdacht scheint sich bald zu bestätigen: Obwohl Ralph von Ingo bedient wird, sieht Thies immer wieder zu ihm rüber. Auch Ralph schenkt Thies, während er an seiner Cola nippt, ein paar eindeutige Blicke.

Plötzlich dreht Ralph sich um und ertappt mich beim Starren. Er lächelt und entschuldigt sich bei Joachim, mit dem er zuvor gesprochen hat, um mit seinem Getränk auf mich zuzukommen. In meiner Magengegend prickelt es. Keine Ahnung, woher es kommt, aber ich finde ihn sexy.

Verwirrend, auch wenn er nicht der erste Dom ist, der mir gefällt. Mit Rick war es ähnlich, ehe er mit Andy zusammengekommen ist – also ungefähr fünf Minuten lang. Wahrscheinlich ist die Anziehung ein weiteres Zeichen meiner aktuellen Unzurechnungsfähigkeit. Zum Glück muss ich mir keine wirklichen Gedanken darüber machen, da ich ohnehin nicht in ihr Beuteschema passe. Ich möchte mich ihnen nicht unterordnen.

»Ruhiger Abend?«, erkundigt er sich bei mir.

Ich nicke. »Es verteilt sich heute. Einige Gäste sind unten im Keller.«

»Gibt es dort noch die Zimmer zu mieten?«

»Ja. Erst kürzlich renoviert.«

»Wie viele?«

Ich erkläre ihm, dass es drei Zimmer gibt und wie sie gestaltet sind. Allerdings sind sie meistens ausgebucht. Ohne Reservierung kommt man da nicht weit und die verwaltet Ingo. Ralph stellt noch weitere Fragen zum Aufbau des Kellers, der Wet-Area und der Spielzimmer.

»Du stellst ziemlich spezifische Fragen; willst du den Laden etwa kaufen?«, erkundige ich mich schließlich, da seine Nachfragen eindeutig über gewöhnlichen Small Talk hinausgehen.

Er lacht und schüttelt den Kopf. »Nein, obwohl es tatsächlich eher berufliches als persönliches Interesse ist.«

»Was machst du eigentlich beruflich?«

»Mir gehört eine Eventagentur«, antwortet er.

»Was für Events?«, hake ich nach.

»Wir planen überwiegend Firmenevents: Jubiläumsfeiern, Konferenzen, Wohltätigkeitsveranstaltungen und Derartiges. Allerdings auch größere private Veranstaltungen, wie Geburtstagsfeiern oder Hochzeiten der…« Er runzelt leicht die Stirn. »… nun, der oberen Zehntausend in Hamburg, sozusagen.«

»Aha. Erklärt für mich nicht, weshalb du dich so für die Ausmaße unseres Kellers interessiert, aber gut.«

Er lächelt matt und reibt sich über den Bart. »Ich bin immer auf der Suche nach interessanten Locations. Aber vermutlich spreche ich darüber lieber mit deinem Boss. Andreas, richtig?«

»Andreas Eggers.«

Ralph nickt. »Und du bist für die Sicherheit zuständig?«

»Ja.« Nett, dass er mich nicht nur als Türsteher bezeichnet.

»Früher hat es hier keine Sicherheitsmaßnahmen gegeben. Wie lange arbeitest du für das SMack

Ich sage ihm das Gleiche, das ich bereits Thies im Café erzählt habe. Für Udo hat Ralph immer noch keine Sympathien und verbirgt es auch nicht.

»Bist du jeden Abend hier?«

»Sonntags und montags nicht. Dienstag nur bei Bedarf.«

Sein Blick wandert wieder zur Bar. Er richtet sich auf Thies, der uns anscheinend beobachtet hat. Ich bemerke zumindest noch die Kopfbewegung, als er hastig den Blick abwendet.

Ralph lächelt amüsiert, als er sich wieder an mich wendet. »Gehört der kleine Barkeeper zu dir? Es sah so aus, als hätte ich euch vorhin bei etwas gestört.«

»Nein.«

»Was nein? Er gehört nicht zu dir oder ich habe euch nicht gestört?«

»Beides.« Bis eben hat mich Ralphs Ankunft komplett von dem Vorfall mit Timm abgelenkt, doch nun fällt es mir wieder ein. »Das heißt, doch... Es gibt da was, das ich mit ihm klären muss.«

»Also... stört es dich, wenn ich ihn nachher mit nach Hause nehme?«

»Mich nicht, aber ich denke, Andy hätte was dagegen.« Ich mustere ihn abschätzend. »Neue Doms spielen in der Regel das erste Mal hier, ehe sie jemanden mit nach Hause nehmen dürfen.«

»Wie bitte?«

»Sicherheitsgründe.«

Ralphs Augenbrauen heben sich arrogant. »Aha?«

»Es gab einen unschönen Vorfall«, erkläre ich. »Seitdem hat Andy die Regeln verschärft.«

»Ingo kennt mich...«

»Aber Andy hat das Sagen. Du nimmst keinen Sub von hier mit nach Hause, erst recht nicht Thies, bevor Andreas dir vertraut.«

»Ist das so?«, hakt Ralph nach. Plötzlich schimmert etwas in seinen Augen auf und ein Lächeln legt sich auf sein Gesicht. »Was ist, wenn du mitkommst?«

Jetzt bin ich überrascht. »Wofür?«

»Nun, zum Covern?« Ralphs Blick gleitet über meine Brust und Bauch zu meinem Schritt. »Es sei denn, du hast vielleicht Lust mitzuspielen?«



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Liebe Leser,

das war es nun mit der Leseprobe. Danke an alle, die so weit gekommen sind. :)

Ich habe eben schon geschaut, im Cursed Shop und bei Amazon ist es bereits erhältlich. Ich bin sehr aufgeregt, wie es in Gänze ankommt *hibbel* und warte gebannt auf die Reaktionen.

Außerdem nutze ich die Gelegenheit und wünsche euch allen ein besinnliches, frohes Weihnachtsfest und falls wir uns vorher nicht mehr hören einen Guten Rutsch!

Eure Lelis
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