Eine Weihnachtsgeschichte

von Amatra
OneshotHumor / P12
Anakin Skywalker / Darth Vader Han Solo Kylo Ren Leia Organa Mon Mothma Snoke
17.12.2017
17.12.2017
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Für Liana-Medea, meine treue Reviewerin.

[***Fairer Weise muss ich vorwarnen, dass Spoiler enthalten sein könnten.***]



Eine Weihnachtsgeschichte
(frei nach Charles Dickens)

1.Strophe

Bald ist Weihnachten. Kylo Ren freut sich jedes Jahr wie ein kleines Kind auf diesen Tag. Seit er bei der ersten Ordnung ist, nimmt er sich an diesem Tag frei, um tun und lassen zu können, was er mag.

Jedes Jahr aufs Neue versucht er seinen Meister davon zu überzeugen, den Weihnachtstag als ein Fest zu begehen und Jahr auf Jahr sträubt sich der Oberste Anführer dagegen, den Tag in geselliger Runde mit seinen hochrangigen Offizieren zu verbringen. So auch dieses Mal.

„Frohe Weihnachten!“ grüßt der Ritter von Ren seinen Meister.

„Dummes Zeug!“ entgegnet dieser griesgrämig, „Ein Fest für verweichlichte Narren! Dieses Jahr gestatte ich niemanden auch nur einen freien Augenblick! Oder soll ich etwa zusehen, wie die Rebellen aufbegehren, während meine Truppen weinselig feiern? Die Produktion der neuen Kampfläufer zu überwachen ist Deine Aufgabe für die nächsten Tage. Hast Du mich verstanden?“

Kylo Ren schaut betreten zu Boden. „Ja, Oberster Anführer.“ In Gedanken fügt er ein Trotzdem schöne Weihnachten, Meister hinzu.

„Dummes Zeug!“ schallt es ihm ungehalten nach.

Gerade als Ebenezer Snoke sich anschickt, nach einem glorreichen Tag sein Quartier aufzusuchen, treten General Hux und Captain Phasma vor seinen Thron. „Was denn nun schon wieder?“ grollt Snoke mit tiefer Stimme.

Hux schluckt trocken, bevor er einen Vorstoß wagt: „Oberster Anführer, wir sind gekommen, um anzuregen, den Truppen morgen eine Extra-Ration zukommen zu lassen.“

Mit verengten Augen, umfasst der Oberste Anführer seine Armlehnen härter und beugt sich weit vor. „Warum?“, herrscht er die beiden an, „Reichen ihnen die bisherigen Rationen etwa nicht?“

„Doch, Sir“, wirft Phasma ein, „aber morgen ist doch Weihnachten…“

Verächtlich schnaubend lehnt Snoke sich zurück in seinen Thron. Mit einer wegwischenden Handbewegung konstatiert er erneut: „Dummes Zeug!“ Er interessiert sich nicht für Traditionen und Feiern, für ihn zählt nur die Zerschlagung der Rebellion und seine eigene Herrschaft über die gesamte Galaxis. „Sollen sie doch endlich den Widerstand vernichten, dann haben sie einen Grund zu feiern.“

Die beiden Bittsteller werfen sich unsichere Blicke zu. Nachdem der Oberste Anführer sie eisig anstarrt, beschließen sie, ihr Vorhaben als gescheitert anzusehen und verlassen nach einer Verbeugung den Thronsaal.

Snoke sieht ihnen verständnislos hinterher. Dann tritt er den Weg in sein Quartier an. Für einen kurzen Moment glaubt er, am Sicherheitsterminal seiner Quartiertür das alte faltige Gesicht des längst verblichenen Imperators zu erkennen. Irritiert starrt er es eine Weile stumm an, bis er sich zur Ordnung ruft mit einem leisen „Eh! Humbug.“

Drinnen macht er sich zügig bettfertig, um sich eine Mütze wohlverdienten  Schlafes zu gönnen. Da erstrahlt eine Art Machtgeist vor ihm. Das Verwunderlichste daran ist, dass es sich dabei tatsächlich um Imperator Palpatine handeln muss. Schwach und gebeugt steht er am Fußende vor Snokes Bett auf einen Stock gestützt und krächzt: „Ebenezer! Ebenezer! Du begehst einen Fehler…Ahhh!“ Blaue Blitze durchzucken ihn, sodass sein dürres Gerippe durch seine Robe durchscheint.

„Nun“, sagt Snoke, scharf und kalt wie gewöhnlich, „was wollt Ihr?“

„Viel!“ Das war Palpatines Stimme. Als junger Bursche hat Ebenezer Snoke viele Reden von ihm gehört, auch historische Holo-Aufzeichnungen als Kanzler.

„Wer seid Ihr?“ erkundigt sich Snoke dennoch.

Der Machtgeist entgegnet jedoch rau: „Fragt mich, wer ich war.“

„Nun, wer wart Ihr?“ fragte Snoke lauter. „Für einen Schatten seid Ihr ja sonderbar.“

„Als ich lebte, war ich Dein Imperator.“ Blitze durchzucken ihn erneut.

Snoke wirft seine Decke zurück und verschränkt die Arme. „Ihr seid schon lange tot, alter Sith-Lord! Also verschwindet wieder und lass mich gefälligst in Ruhe!“

Doch Palpatine verschwindet nicht. Er wimmert unter den unregelmäßigen Machtblitzen und scheint sich kaum rühren zu können. Noch einmal wiederholt er seine Warnung: „Ebenezer! Du begehst einen Fehler! Sie mich an, zu was mich meine Machtgier getrieben hat! Ich muss als hilfloser Geist umherwandeln, Jahr um Jahr für jenes Leid, dass ich über die Galaxis gebracht habe. Wenn Du Dich nicht änderst, wird Dir das gleiche Schicksal widerfahren…“

„Pah! Dummes Zeug.“ ruft ihm der Oberste Anführer zu, „Im Gegensatz zu Euch werde ich die Rebellion endgültig vernichten! Und dann herrsche ich über die Galaxis. Ich allein! Und jetzt verschwindet!“ Brummend dreht er sich in seinem Bett um und wirft sich die Decke über den Kopf.

Palpatines Geist verschwimmt und verschwindet. Nur seine markante Stimme bestimmt unerschütterlich: „Drei Geister werden zu Dir kommen.“

Nun ist es Snoke doch etwas mulmig zumute. Er weiß, dass Sith-Lords gemeinhin nicht dazu in der Lage sind, posthum als Machtgeist in Erscheinung zu treten. Er braucht lange, bis er in den Schlaf findet. Die Warnung lässt ihn nicht kalt.

Das garstige Surren eines Lichtschwerts reißt ihn aus dem Schlaf.

Doch es ist kein Angreifer zu sehen. Nur die hagere alte Gestalt von Mon Mothma steht friedlich als Gespenst vor seinem Bett: „Ich bin der Geist der vergangenen Weihnacht.“



2. Strophe

„Mothma? Seid Ihr etwa der Geist, der mir vom Imperator angekündigt wurde?“ erkundigt sich Snoke skeptisch. Es bereitet ihm höchstes Unbehagen, den Imperator im gleichen Zug mit der Rebellenanführerin zu nennen. Beide sollten längst Geschichte sein!

„Ja“, lächelt die hagere Gestalt, „das bin ich. Kommt und begleitet mich ein Stück.“

Unsicher krallt sich Snoke in seine weiche Decke und haucht: „Wie kann ich? Ich bin kein Schatten wie Ihr…“

„Berührt meine Kette.“ Kaum hat Mon Mothma dies ausgesprochen, entfliehen beide durch die Zeit.

Sie betreten eine kleine schäbige Stube. Ein Kind sitzt vor dem Holonet-TV und beobachtet, wie vor dem Senatsgebäude in Imperial City auf Coruscant der überdimensionierte Weihnachtsbaum erleuchtet wird. Die Augen des kleinen Jungen strahlen hell und seine Wangen sind rot vor Freude.

Snoke versetzt der Anblick jedoch einen Stich ins Herz: Er selbst ist dieses Kind einmal gewesen. Eine lang verblasste Erinnerung wird ihm hier vor Augen geführt: „Daddy! Daddy! Es ist soweit! Schau doch nur! Schau!“ Der Vater kommt leidlich genervt hinzu und deaktiviert die Holokonsole: „Hast Du nichts Besseres zu tun als diesen Schund anzusehen, Ebenezer? Die Kernwelten lassen sich feiern, anstatt die Credits sinnvoll einzusetzen! Ein Fest für die Reichen, dessen Ursprung niemand kennt – was soll das für einen Zweck haben als sich ein paar freie Tage zu erschleichen? Lass Dir bloß nicht einfallen bei diesem Unsinn mitzumachen.“

Mitleidig blickt die durchscheinende Gestalt der Rebellenanführerin auf Snoke herab. „Lass uns gehen“, brummt Snoke mit der Hand an der Kette, „an einen anderen Ort. Ich will nicht an meine Kindheit erinnert werden, das ist schon viel zu lange her!“

Mon Mothma nickt gütig und im nächsten Moment stehen sie in einem Park.

Ein stattlicher Bursche spaziert mit einer hübschen jungen Dame in Trauerkleidern dort entlang. Er überragt sie um beinahe zwei Köpfe und obwohl sie selbst sehr groß ist, muss sie fortwährend zu ihm aufblicken. Ihre violetten Haare schwingen dabei in sanften Wellen über ihre Schultern. „Das war auf Gatalenta… Bitte, Geist, sage nicht, dass das der Tag ist als sie unsere Verlobung gelöst hat“, fleht Snoke.

„Sieh selbst, Ebenezer, es ist Teil Deiner Vergangenheit“ mahnt die Frauenstimme. Es schaudert ihn, von der als Gespenst wiederauferstandenen Rebellenführerin beim Vornamen genannt zu werden.

Stumm beobachtet er, wie die große junge Dame ihre Hand auf die nicht mehr ganz unversehrte Wange seines früheren Ichs legt und ihm tief in die Augen blickt. In ihren Augen stehen Tränen, die in dem Licht glänzen, das von dem Geist vergangener Weihnachten ausströmt.

„Sie haben sich so verändert, Ebenezer, ich spüre Dunkelheit in Ihnen“, antwortete sie sanft. „Alle Ihre anderen Hoffnungen sind in der einen aufgegangen, vor diesem engherzigen Vorwurf eines Ungleichgewichts gesichert zu sein. Ich habe Ihre edleren Bestrebungen eine nach der andern verschwinden sehen, bis Sie ganz die eine Leidenschaft, die Gier nach Macht, erfüllte. Ist es nicht so?“

„Und wenn es so wäre?“ antwortete er. „Wenn ich so viel klüger geworden wäre, was dann? Gegen Sie bin ich nie anders geworden.“
Die junge Dame schweigt, doch Snoke fühlt ihre Gedanken, wie er es schon damals gefühlt hat:  Ihr eigenes Gefühl sagt Ihnen, dass Sie nicht so waren, wie Sie jetzt sind.

Laut antwortet sie: „Ich bin noch dieselbe. Das, was uns Glück versprach, als wir noch ein Herz und eine Seele waren, muss uns Unglück bringen, da wir im Geiste nicht mehr eins sind. Wie oft und wie bitter ich dies gefühlt habe, will ich nicht sagen; es ist genug, dass ich Ihnen Ihr Wort zurückgeben will. Vielleicht – der Gedanke an die Vergangenheit lässt es mich fast hoffen – wird es Sie schmerzen. Eine kurze, sehr kurze Zeit, und Sie werden dann die Erinnerung daran fallenlassen, wie die Gedanken an einen nichtigen Traum, aus dem zu erwachen ein Glück für Sie war. Möge die Macht auf dem gewählten Lebensweg mit Ihnen sein!“

Ihre Wege trennen sich.

„Geist“, sagt Snoke, „zeig mir nichts mehr, führe mich nach Hause. Warum erfreust du dich daran, mich zu quälen?“

„Noch einen Schatten“, rief Mon Mothma aus.

„Nein“, rief Snoke. „Nein. Ich mag nichts mehr sehen. Bring mich endlich zurück!“

Aber der erbarmungslose Geist der Rebellenanführerin hält ihn mit beiden Händen fest und zwingt ihn, zu betrachten, was als nächstes geschieht.

Die Familie bei der sie als nächstes zu Gast sind, hält sich bestürzt die Hände vor den Mund.

Im Holo-Netz wird soeben die Auflösung des Galaktischen Senats verkündet. Imperator Palpatine ist nun offiziell der Alleinherrscher über die Galaxis. Daraus ergeben sich einige Änderungen, die auch die zyklische Aufstellung dieses verschwenderischen Weihnachtsbaumes in Imperial City angehen: Dieser Brauch wird neben etlichen weiteren kurzerhand abgeschafft.

„Mum, Dad, was bedeutet das nun für die Nachwuchslegislatur?“ fragt die junge Dame entsetzt, die ihrer Mutter wie aus dem Gesicht schnitten scheint. „Es bedeutet, dass es keine Junior-Senatoren mehr gibt, Liebes. Ab heute bist Du nur noch Amilyn Holdo. Der Senat, wie auch die Nachwuchslegislatur ist Geschichte. Das Schicksal der gesamten Galaxis, liegt ab sofort allein in den Händen des Imperators.“

Snoke schluckt schwer. Bisher hat er diesen Tag stets als Freudentag empfunden, auch da es ihm schon früh den Weg nach oben ebnete. Aber was hätte er in diesem Moment gegeben, diese süße Amilyn in die Arme zu schließen als sein eigenes Kind. Still verflucht er sich, damals nicht an seiner Liebe festgehalten zu haben. Nun stehen sie auf unterschiedlichen Seiten: Er und die Tochter, die er nie gehabt hat.

Eine schrille Sirene ertönt und Ebenezer Snoke liegt wieder in seinem warmen Bett. Erschöpft sinkt er in die Kissen und schläft auf der Stelle ein.



3. Strophe

Diesmal ist es ein Blasterschuss, der ihn aus dem Schlaf reißt.

Snoke fährt senkrecht hoch und erkennt sofort eine leuchtende Gestalt vor ihm. Der Mann dreht ihm den Rücken zu, aber an den corellianischen Blutstreifen an der Hose und dem durchscheinenden Loch im Bauch ahnt er, wen er diesmal vor sich hat: „Solo.“

Der Angesprochene dreht sich genervt um und breitet die Arme aus: „Geist der diesjährigen Weihnacht. Irgendwie dachte ich, ich komme an der anderen Seite vom Bett an.“

Snoke birgt das Gesicht in der Hand und seufzt schwer.

„Was? Jetzt stellen Sie sich mal nicht so an, Schläfrigster Anführer, ich mach das hier zum ersten Mal“, dann dreht sich der alte Corellianer um und geht einfach durch die Wand. Noch ehe Snoke die Situation erfassen kann, streckt Solo seinen Kopf durch die Wand wieder herein und treibt ihn an: „Was ist los? Kommen Sie endlich!“

„Ich kann nicht durch Wände gehen“ murrt Snoke.

„Achso, hätte ich beinahe vergessen“, entgegnet Solo und schießt ihm mit seinem Blaster einfach in den Kopf: „Jetzt müsste es gehen.“

Snoke befühlt schockiert seine Stirn: Da ist nichts, kein Einschussloch. Aber sein Körper wird durchscheinend wie der dieser Geister und nur widerwillig folgt er Solo durch den Weltraum.

„Wo bringst Du mich hin?“ will Snoke wissen.

Solos Geist grinst schief: „Halten Sie mich etwa für so blöd, Ihnen den Stützpunkt des Widerstands zu verraten?“

Vor ihnen tut sich ein kleines Lager auf. Ein mannshohes Nadelbäumchen steht inmitten des Lagers und überall dekorieren singende und summende Leute unterschiedlichster Spezies die kahlen Räumlichkeiten mit Reisiggirlanden, glitzernden Sternen und allerlei anderem festlichen Tand.

Vor dem Baum steht diejenige, die Snoke als Rey erkennt, er spürt sofort ihre starke Verbindung zur Macht. Rey schließt gerade die Augen und berührt mit einer Hand den Rand einer Blechtruhe. Im nächsten Moment levitieren die darin gelagerten Kugeln heraus und schweben sanft zum grünen Baum. Die bunt funkelnden Kugeln umrunden den Baum so lange, bis eine jede ihren Platz gefunden hat. Zuletzt fliegt ein großer Kristallstern herbei und landet zielgenau auf der Baumspitze.

Im Hintergrund ertönt das zufriedene Jaulen eines hinzukommenden Wookiee.

„Chewie!“ freut sich Han Solo. „Alter Freund! Diesmal wird Dich wohl keiner dran hindern, den ganzen kitschigen Dekokrempel im Falken aufzuhängen…“

„Ehm… ich dachte, Sie sind der Geist der Weihnacht, Solo?“ fragt Snoke belustigt.

Der Angesprochene verzieht das Gesicht: „Ja, keine Ahnung, das hab ich mir nicht ausgesucht, Kumpel. Weihnachten war eigentlich immer ein Reizthema zwischen meiner Ex und mir: Sie verfiel jedes Jahr in Dekorationswahn und mir wurde das alles regelmäßig zu viel. Weihnachten war eigentlich jedes Jahr der Tag, an dem wir am meisten gestritten und hinterher alle schlechte Laune hatten. Ben hat das auch jedes Mal mitbekommen, oft hat er deswegen geweint und SIE haben sich das schön zunutze gemacht, Sie alter Gauner.“

Nun lächelt Snoke schmal. Mit einer fast entschuldigenden Geste triumphiert er: „Armer Junge. Er hat jedes Mal so unter Ihren Streitigkeiten gelitten und Angst gehabt, dass Sie tatsächlich Weihnachten ausfallen lassen, wie sie es ihm stets angedroht haben, dass Sie ihn direkt in meine Arme getrieben haben, wo er endlich Ruhe fand. Aber Ihre Frau scheint das Fest ohne Sie durchaus zu genießen, sehen Sie nur, Solo!“

Leia Organa steht inzwischen neben Rey, legt ihr mütterlich die Hand auf die Schulter und bewundert den geschmückten Weihnachtsbaum: „Das hast Du sehr schön gemacht.“ Die alte Generalin lächelt gütig und zwinkert Rey zu.

„Hey! Das ist nicht mehr meine Frau, klar?“ entgegnet Han Solo schroff, „Und sie genießt hier gar nichts. Ich kenne dieses Lächeln: Das ist ihr Politikerlächeln, wenn keiner erfahren soll, wie’s in ihr drin aussieht. Sie ist unglücklich, Mann! Sie vermisst Ben. Und Luke. Aber das wird sie die Leute da unten niemals wissen lassen! Sie würde ihnen doch sonst jede Hoffnung nehmen.“

Snoke, kneift die Augen zusammen. Er kann nicht hinter Leias Lächeln sehen und ihre Gedanken kann er auch nicht vernehmen, was an seinem Zustand als Schattenwesen liegen muss.

„Hoffnung, pah!“ ruft er aus, „Dummes Zeug. Aber ihr Sohn gehört mir und er wird bald dafür sorgen, dass sie kein trauriges Weihnachten mehr feiern muss. Vielleicht können Sie dort, wo Sie jetzt sind dann wieder in aller Frische streiten…“

Solo legt den Kopf schief und entgegnet: „Da wäre ich mir an Ihrer Stelle nicht so sicher, Oberster Angeber, Leia ist stärker als sie denken und ein Sturkopf obendrein! Ben wird wie jedes Jahr sein Weihnachtsgeschenk bekommen und Sie können nichts dagegen tun!“

Noch bevor Snoke das Gesagte ganz erfasst hat, schießt Solo ihm abermals mit seinem Blaster durch die Stirn.

„Was soll das, Solo? Muss das denn jedes Mal sein?“ faucht Snoke ungehalten.

„Nö“, grinst der Corellianer, „aber ich find‘s lustig.“

Vor ihnen steht Kylo Ren an einer großen Transparistahlscheibe und blickt hinunter auf eine große Produktionshalle. In der Faust verborgen hält der Ritter von Ren eine kleine schiefe Skulptur, anscheinend geschaffen von Kinderhänden, zerstört und wieder mit Haftkit zusammengefügt. Etwas abseits liegt ein graues Schächtelchen, das noch teilweise in grünes Glitzerflimsi eingeschlagen ist. Aus der Box ragt noch etwas, das verdächtig nach einem Pullover und einem Paar Stricksocken aussieht. Dazu noch einen transparenten Beutel mit Gebäck und Zuckerstangen.

„Was soll das sein?“ will Snoke neugierig wissen, denn er ist es nicht gewohnt, die Gedanken seines Schülers erraten zu müssen.

„Das Weihnachtsgeschenk einer Mutter an ihren Sohn natürlich“ zuckt Solo die Schultern.

„Das ist unmöglich! Du versuchst mich zu täuschen, Geist“ faucht Snoke.

„Nicht doch…“ besänftigt ihn der Vater seines Schülers, „Ich habe ehrlich keine Ahnung, wie Leia das immer macht, aber sie schafft es. Was mich viel mehr wundert, ist, dass sie dieses hässliche Ding so lange aufbewahrt hat: Einmal, als wir eine heftige Diskussion über die meiner Meinung nach übertriebene Anzahl an Geschenken hatten, stieß Ben voll Zorn unseren Weihnachtsbaum mit seiner Macht um, sodass alles zerbrach. Auch die alderaanischen Tonglocken daran. Leia wurde zur Furie! Sie war stinksauer auf Ben und wollte ihn an diesem Abend nicht mehr sehen. Ich hätte den Jungen ja in seinem Zimmer sitzen lassen. Sie können sich denken, dass es nicht dabei blieb, natürlich ist sie zu ihm gegangen und hat mit ihm geredet. Ich erinnere mich noch gut, wie gerührt sie war, als Ben ihr diese hässlichen Glöckchen zurückgegeben hat. Jede Einzelne hat er mit seinen Machttricks zusammengefügt und mit Haftkit repariert. Für eine Entschuldigung sei es nie zu spät, auch wenn einem nicht alles vergeben werden kann hat Leia damals gesagt und dazu steht sie noch heute.“

Kylo Ren betrachtet die kleine Glocke in seiner Hand eine Weile. Er blinzelt, lächelt in einem Augenblick und zieht die Mundwinkel im Nächsten nach unten. Trotzig zerdrückt er die filigrane Erinnerung in seiner Hand zu Staub und lässt die Überreste einfach fallen. Beunruhigt beobachtet Snoke die Träne, die im selben Moment über die Wange seines Schülers rinnt.  

„Ich will Dir noch was zeigen“, warnt Solo und drückt ab. Snoke sieht seine Truppen. Verletzt und geschwächt schleppen sie sich zu ihrem Sammelpunkt. Offensichtlich haben sie einen Rückschlag erlitten. Ein Medidroide behandelt die Schwerverletzten. Zwei Versehrte unterhalten sich leise: „Wenn die Rationen etwas größer wären, würden die da drüben durchkommen, so wie es aussieht, haben sie nicht genügend Kraft, um das hier zu überleben. Wenn das so weitergeht, überrennen uns die Rebellen noch… und das an Weihnachten.“

„Genug!“ bestimmt der Oberste Anführer, „Zeige mir lieber, wo Luke Skywalker ist!“

„Wenn’s unbedingt sein muss“, brummt der Geist der diesjährigen Weihnacht. Einen Blasterschuss später stehen sie vor einem brennenden Jedi-Tempel.

„Was ist hier geschehen?“ fragt Snoke ungeduldig, „Ist Skywalker tot?“

„Eh, negativ“, verkündet Solo, „Er hat nur kein sonderlich großes Talent im Backen und es mal wieder fertig gebracht, die ganze Küche in Brand zu stecken. Ich verstehe wirklich nicht, warum er nicht endlich aufgibt, seine Plätzchen sind jedes Weihnachten ein Desaster und schwärzer als Ihre Seele, Ebby!“

Snoke wollte eigentlich noch etwas auf Solos unverschämte Anrede erwidern, findet sich aber plötzlich in seinem eigenen Bett wieder. Allein.

Es beschäftigt ihn sehr, dass es General Organa offenbar nicht zum ersten Mal gelungen ist, ihrem Sohn, seinem Schüler, ein Geschenk zukommen zu lassen, ohne dass er selbst es je bemerkt hätte! Wie kann Kylo Ren dies vor ihm verbergen? Oder sind ihm diese Geschenke doch so egal, dass er es nicht für nötig gehalten hat, seinen Meister darüber in Kenntnis zu setzten? Aber warum heult er dann?

So sehr er sich gegen Weihnachten sträubt wäre es dennoch klug, seinem Schüler möglicherweise doch seinem Wunsch entsprechend frei zu geben und eventuell sogar ein kleines Geschenk zu bereiten. Eines, das ihn die nutzlosen Geschenke seiner Mutter vergessen lässt…!

Kaum ist Ebenezer Snoke über seinen Gedanken eingeschlafen, wird er schon wieder durch das Zischen eines aktivierten Lichtschwerts geweckt. Verschlafen reibt er sich die Augen und brummt: „Lass mich raten, der Geist der zukünftigen Weihnuaaahhhh!!!“



4. Strophe

Entsetzt blickt Snoke in die Plasmaklinge eines roten Lichtschwerts. Vor ihm steht überlebensgroß ein schwarzer Hüne, dessen verhüllte Gestalt er nur allzu gut kennt. Das rhythmische Rauschen eines Respirators geht Snoke durch Mark und Bein: „L-L-Lord Vader!“

Die in schwarzes Leder gehüllten Pranken weisen Snoke den Weg. Er beeilt sich aus dem Bett zu kommen und Vaders Schatten zu folgen.

Sie stehen in einem Raum, der Snoke sehr bekannt vorkommt. Der Thron, der an der Wand hoch aufragt, ist verwaist.

„Ist das mein Platz? Wo bin ich?“ versucht es Snoke vorsichtig. Er hat größten Respekt vor diesem Geist, der noch kein Wort zu ihm gesprochen hat. Vader zeigt stumm zur Tür. Ein fetter Hutte kommt schwerfällig herein und rüttelt am Sitz des Anführers. Angewidert verzieht Snoke das geschundene Gesicht: „Abschaum! Wer hat den hereingelassen? Was tut er überhaupt da?“

Der Hutte wirft seinen unförmigen Molluskenleib auf den Thron, der unter dem Gewicht nachgibt und zusammenbricht. Höhnisch lachend verkündet er: „Kava caiot kaee masii bu yoskah cay bo bayana du da mebenbe kouuedahaga?“

„Was soll das heißen?“ schimpft Snoke ungeduldig, „Zeigt mir, wo ich bin!“

Vader deutet Snoke den Weg zu einem schwarz gekleideten Mann mit schulterlangem schwarzem Haar, der vor einer jungen Frau steht, die Snoke als Rey identifiziert. „Euer verweichlichter Enkel und dieses Weib? Niemals! Sie ist ein Niemand! Und er ist viel zu schwach. Überdies empfange ich jeden einzelnen seiner Gedanken. Normalerweise… Chrrhh.“ Etwas schnürt sich um Snokes Kehle und er könnte schwören, dass das Vader war. „A-also gut, nehmen wir an, ich wäre tot, was äußerst unwahrscheinlich ist, dann zeigt mir bitte jemanden, der um mich trauert. Nur einen Einzigen!“

Vader wirbelt sein Lichtschwert herum und ein abgehalfterter Typ mit struppigen dunklen Haaren und Dreitagebart lümmelt  an einer Bar. Mit latentem Stottern erklärt er einer exquisit gekleideten jungen Dame: „D-d-damals unter d-dem Obersten Anführer Snoke w-war das alles noch einfacher, d-da k-konnte man mit einem G-Griff eine g-ganze Menge Credits b-bei der Ersten Ordnung m-machen.“ Augenzwingernd leckt er einen Jeton des Casinos an, den er erst kürzlich als Glücksbringer entwendet hat und öffnet damit das mit Sicherheitsverschlüssen verriegelte Etui für sie. „U-und was ist das f-für eine kostbare P-Probe, wenn man f-fragen darf?“ fragt er beiläufig. Seine Augen stehen nicht still und sein Blick flieht im ganzen Raum umher, stets auf der Suche nach feindlichen gesinnten Gestalten.

„Das war das letzte Genmaterial für diesen Snoke. Er wollte einen Klon daraus anfertigen lassen…“ entgegnet die Dame keck.

„W-wieso war?“ Noch ehe er seine Frage formuliert hat, lässt seine Auftraggeberin die Phiole fallen, die auf dem Fußboden zerschellt. Demonstrativ tritt sie mit ihren hochhackigen Schuhen in die entstandene Pfütze, haucht dem zwilichtigen Typen einen flüchtigen Kuss auf die Wange und schiebt ihm verdeckt seinen Sold zu: „Fröhliche Weihnachten, DJ oder wie auch immer Sie sich nennen…“

„Bitte bringt mich zurück, Lord Vader, ich habe genug gesehen“, bettelt Snoke in diesem Moment. Sein Wunsch wird ihm erfüllt und er landet unsanft in seinem Bett. Ihm ist kalt. Plötzlich erscheint ihm sein Leben so leer und ziellos. Nachdenklich schläft er ein.

5. Strophe

Snoke schlägt die Augen auf und fährt hoch. Er schaut nach allen Seiten, aber es ist kein Machtgeist zu sehen. „Welcher Tag ist heute?“ fragt er sich halblaut. Dann springt er aus dem Bett, stürmt im Pyjama vor sein Quartier und zerrt mit der Macht einen arglosen Lieutenant herbei: „Sie! Welcher Tag ist heute?“

Zutiefst erschrocken steht der junge Mann zitternd vor seinem Obersten Anführer und stottert: „W-Weihnachten, Sir.“

„Wunderbar!“ jubiliert Snoke, „Dann habe ich es noch nicht verpasst! Hören Sie, verständigen Sie General Hux, dass die Rationen für alle die auf der Gehaltsliste der Ersten Ordnung stehen, verdoppelt werden. Für immer! Und er soll mir beim Weihnachtsessen mit den Offizieren ein Platz freihalten. Ach was, ich will ihn selber kontaktieren…“ Der überrumpelte Lieutenant salutiert rasch und will forteilen, da wird er mit der Macht abermals zurückgezerrt: „Die Rebellen sollen einen Tag Vorsprung bekommen, wir können sie morgen noch genauso gut vernichten! Schaffen Sie stattdessen lieber einen großen Weihnachtsbaum hierher! Oder besser zwei, einen hier und einen mitten im Thronraum. Achja und verständigen Sie Ren, er soll umgehend hierher kommen, aber verraten Sie ihm nichts, das ist ein Befehl! Hahaa! Ich will ihn überraschen… Fröhliche Weihnachten!“ Snokes schauriges Lachen jagt dem jungen Mann große Angst ein. Gewissenhaft nickt er und rennt weg, sicher, dass der Oberste Anführer nun völlig verrückt geworden sein muss.

„Phasma!“ brüllt Snoke in sein Komlink, „Nehmen sie sich doch ein paar Tage frei und besuchen Sie Ihre Familie! Sie haben doch Familie?“

„Spreche ich mit dem Oberster Anführer, Sir?“ reagiert Phasma unsicher.

Snoke eilt vor Freude hüpfend den Gang entlang und ruft jedem, der ihm über den Weg läuft „Fröhliche Weihnachten allerseits!“ zu.

Noch nie hat er sich so frei und glücklich gefühlt.
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