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Sometimes, home has a heartbeat

OneshotDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann Tobias Lassner
16.12.2017
06.03.2021
12
25.419
16
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Dieses Kapitel
6 Reviews
 
31.10.2018 1.902
 
Hallo ihr Lieben,
ich lasse euch mal eine nächtliche Momentaufnahme von Ringsy in den Tagen nach Ellis Tod da.

Wie immer, danke an alle, die mir Feedback dalassen und auch beim letzten Kapitel Reviews geschrieben haben! Ich freue mich über jedes wie ein Honigkuchenpferd.

Liebe Grüße und bis bald,
MissRingsy.



No Matter What

He wrapped his arms around me
Said, "Don’t try to be what you’re not
Cause I love you no matter what."

Calum Scott – No Matter What


Easy schmatzt leise vor sich hin, als er die kuschelweiche Decke ein Stück weit höher zieht. Er liebt den Geruch von frisch gewaschener Bettwäsche und so fährt er genießerisch mit der Nase ein paar Mal über den Stoff. Es gibt nur einen speziellen Duft, der bei ihm unangefochten an oberster Stelle steht – seine ganz persönliche Nummer eins, die einfach nicht zu schlagen ist. Und wie praktisch, dass sich eben diese beiden Aromen in jenem Moment theoretisch miteinander verschmelzen könnten.

Fast vorsichtig rutscht Easy mit seinem gesamten Körper ein paar Zentimeter nach vorn, lässt parallel seine linke Hand über die Matratze fahren. Die Stelle neben ihm ist schlafwarm, wieder ruckt er etwas weiter, Stück für Stück, doch er bekommt nur die gähnende Leere zu fassen.

Er brummt etwas unleidig, ist er nun wirklich gezwungen, die Augen zu öffnen? Easy wagt noch einen Versuch und keucht überrascht auf, als er bereits an der gegenüberliegenden Bettkante angekommen ist und sich gerade noch vor dem freien Fall retten kann. Nun ist er wach – und wie. Seine Augen sind vor Schreck weit aufgerissen und etwas Hilfe suchend gleiten sie über das Bett, durch den gesamten Raum. Dann hat er es also doch nicht geträumt und sein Freund hat sich vorhin klammheimlich aus dem warmen Bett geschlichen.

Easy muss keinen prüfenden Blick auf die Zeitanzeige seines Smartphones werfen, der Intensitätsgrad seiner Müdigkeit verrät ihm, dass der Sonnenaufgang noch weit entfernt ist. Fahrig fährt er sich kurz durch die Haare, aber seine schwarzen Locken feiern mal wieder ihre eigene Party und hängen ihm wirr in die Stirn. Er seufzt leise, als er die Beine aus dem Bett schwingt und die nackten Zehenspitzen kurz in den flauschigen Teppichboden krallt.

Es ist nicht das erste Mal seit Ellis plötzlichem Tod, dass Ringo sich zurückzieht. Oder unruhig neben ihm einfach nicht zur Ruhe kommt, sich nach einem kräftezehrenden Alptraum fest an ihn drückt und Easy ihn einfach nur festhält. Zitternd, durchgeschwitzt, auf der Suche nach Schutz. Träume können der Schlüssel zu den dunkelsten Türen der eigenen Seele sein.

Easy hat akzeptiert, dass Ringo diese individuelle Zeit für sich allein braucht, um seine Trauer zu verarbeiten. Es gehört zu ihm, aber gleichzeitig ist er auch froh, dass sich Ringo nach ihrer gemeinsamen Zeit am Waldsee bei diesem Thema mehr öffnet. Er möchte seinen Freund zu nichts zwingen, jeder geht anders mit jenem Verlust um, der momentan zentnerschwer über fast allen Bewohnern der Schillerallee liegt.

Auf leisen Sohlen tapst Easy zur Zimmertür, die nur leicht angelehnt ist und er durch den kleinen Spalt den hellen Lichtschein aus der Küche registriert. Zaghaft öffnet er die Tür ein bisschen weiter und bleibt im Rahmen stehen, als er Ringo am Küchentisch sitzen sieht.

Tatsächlich wirft nur die unsagbar hässliche Stehlampe neben der Couch einen warmen Lichtkegel in das Zimmer, sodass Easy nicht mal die Augen zukneifen muss. Sein Freund starrt stur geradeaus, wirkt völlig verloren in dem viel zu großen grauen Wollpullover, den er sich wohl schnell und quasi blind übergezogen hat, denn er trägt ihn falsch herum und scheint dieser offensichtlichen Tatsache auch keine wirkliche Bedeutung beizumessen.

Tiefe Augenringe zeichnen sich ab und im Halbschatten wirken seine Gesichtszüge noch ein bisschen härter. Easy ist nicht entgangen, dass er in den letzten Tagen weniger oder aus Zeitmangel gar nichts gegessen hat und dies nicht spurlos an Ringo vorbeigegangen ist. Sein Gegenüber ist zu sehr mit seinen eigenen trüben Gedanken beschäftigt und hat seine direkte Anwesenheit noch nicht bemerkt.

Zielstrebig geht er an ihm vorbei, dreht ihm den Rücken zu und angelt sich aus den schwarzen Vorhängeschränken zwei große Tassen. Für Ringo natürlich nicht irgendein Exemplar, nein. Das wäre ja auch noch schöner. Die weiße Tasse mit der dezenten Flamingo-Bemalung hat einen dicken Henkel und sorgsam stellt er sie neben der Spüle ab. Easy spürt nun genau Ringos aufmerksamen Blick auf sich, als er unbeirrt die Milch aus dem Kühlschrank holt, die auch zugleich in einen kleinen, fast schon antik aussehenden Topf gegossen wird.

„Easy?“ Ringos Stimme ist nur ein raues Flüstern, das dem Angesprochenen eine Gänsehaut der Sonderklasse beschert. Er dreht die Herdplatte auf die mittelste Stufe und hält kurz in seiner Bewegung inne. Was, wenn Ringo genau in diesem Moment allein sein will? Wenn er wieder den Fehler macht und sich auf irgendeine Art aufdrängt?
„Soll… soll ich lieber gehen?“, fragt Easy deshalb vorsichtig nach und sein Tonfall ist so leise, dass er Angst hat, dass Ringo davon nicht ein Wort richtig verstanden haben könnte.

Der Stuhl wird etwas unsanft zurückgeschoben, kratzt über den Küchenboden und er seufzt leise auf, als sich Ringos schlanke Arme von hinten bestimmend um ihn schlingen und er sein markantes Kinn auf seine Schulter lehnt: „Ich weiß zwar nicht genau, was du hier mitten in der Nacht zusammenbraust, aber bitte bleib.“

Tief atmet Easy durch und genießt den warmen Körper direkt hinter sich, die zarten Lippen, die einen sanften Kuss auf seinen Nacken setzen. Ein Gefühl der puren Erleichterung durchströmt jede Faser seines Körpers: „Setz‘ dich ruhig wieder, ich bin gleich fertig, ok?“

„Dein Wunsch ist mir Befehl“, antwortet Ringo mit selbstsicherer Stimme und haucht ihm abschließend noch einen kurzen Kuss hinter das Ohrläppchen, bevor er sich wieder auf seinem Ausgangspunkt niederlässt.Sorgsam gibt Easy ein paar Löffel Kakaopulver in jede Tasse, bevor er den dampfenden Milchtopf vom Herd nimmt und die Flüssigkeit eingießt.

Ein weiterer konsequenter Griff in den Vorhängeschrank folgt, um die Geheimzutat für ihren gemeinsamen Umtrunk zu später Stunde herauszufischen. Easy strafft dabei die Schultern und achtet besonders darauf, dass sein Freund nicht bemerkt, was er da tröpfchenweise in die heiße Schokolade mischt.

Ein Lächeln stiehlt sich auf seine Lippen, als er beide Tassen zufrieden an sich nimmt und auf den großen Holzesstisch stellt, bevor er sich direkt neben Ringo setzt. Dieser schaut ihn nur mit großen Augen an und Easy wagt den ersten Schluck aus seiner Tasse. Der Geschmack ist einfach himmlisch, unvergleichlich und so verdammt delikat, dass er sich ein paar Mal über die eigenen Lippen lecken muss.

„Mhmmm. So wie es ausschaut, scheint es dir zu schmecken“, neckt Ringo ihn mit einem Grinsen und Easy beobachtet Ringos nächste Handlungen überaus wachsam. Genießerisch scheint dieser den Geruch des Getränks praktisch zu inhalieren, bevor er es Easy gleichtut und mit geschlossenen Augen kostet. Ringos Mundwinkel zucken nach oben und sein Gesichtsausdruck wirkt mit einem Mal unheimlich weich.

Die stahlblauen Augen blicken ihm mit einem warmen Glanz entgegen, der Easys Herz schneller schlagen lässt. Da ist Ringos Hand, die sich behutsam auf seine eigene schiebt, ihre Finger liebevoll miteinander verschränkt. Ihr intensiver Augenkontakt reißt auch dann nicht ab, als Ringo ihm ein leises „Danke“ entgegen wispert. Es sind keine weiteren Worte oder Fragen nötig, denn Easy weiß genau, dass Ringo Ellis geheime Billerbecker Zutat genau herausgeschmeckt hat.

Als er mit Tropfnase und bellendem Husten vor ein paar Wochen – gefühlte Ewigkeiten - in die andere WG geflüchtet ist, weil sich sein fester und bester Freund einfach nicht von ihrem eigenen kleinen Privatkrieg verabschieden konnten. Und Elli hat ihn nicht weggeschickt, obwohl er so naiv war und seine Bazillen munter verteilt hat – und dass ausgerechnet bei ihr, mit dem eh schon schwachen Immunsystem.

Aber der Billerbecker Wirbelwind war da für ihn, hat ihn mit Gesundheits-Tee versorgt, ihm zugehört und Ratschläge im Umgang mit Tobias und Ringo gegeben. Ihm dabei verraten, dass sie Ringo in der Vergangenheit mehr als nur ein Mal mitten in der Nacht eine heiße Schokolade mit Karamellsirup gemacht hat, wenn dieser im Gemeinschaftsraum saß und sich tief im Grübel-Modus befand. Und genau dieses Geheimrezept in meist aus einer Lethargie herausgeholt hat.

Eben dieser Plan scheint auch heute wieder Früchte zu tragen. Die ganze Zeit lassen sie einander nicht los, während sie ihre heiße Schokolade trinken. Immer wieder kreuzen sich dabei stumm ihre Blicke und Easy spürt die Wärme, die in seine Wangen kriecht. Ein Umstand, der nur ganz unterschwellig mit dem Getränk vor seiner Nase zu tun hat.

Das Gefühl der bloßen Dankbarkeit, hier mit dem Mann zu sitzen, den er über alles liebt und gleichzeitig dieses blinde Verständnis zwischen ihnen, droht ihn schier zu übermannen. Macht ihm wieder einmal klar, wie kostbar solche kleinen Momente des Alltags sind, auch wenn die kalte Realität des nächsten Tages schon in den Startlöchern steht.
Ringo scheint seine Gedanken zumindest ansatzweise zu erraten, denn er lässt seine schlanken Finger über Easys Hand streichen und flüstert leise: „Komm, wir gehen zurück in unser Bett.“

Es dauert eine kleine Weile, bis ihre Arme und Beine im Rahmen eines eigenen kleinen Tetris-Spiels die gewünschte und eng umschlungene Position gefunden haben. Vorsichtig schmiegt Easy seinen Kopf an Ringos Halsbeuge, während dieser mit seiner rechten Hand unsichtbare Muster über seinen Rücken malt. Ein leises Brummen dringt aus Easys Kehle und er merkt, wie die bleierne Müdigkeit nach ihm greift.

Sein Freund jedoch atmet plötzlich schwer aus, muss sich kurz räuspern, bevor seine leise Stimme an Easys Ohren dringt: „Letzte Nacht… ich…“ Wieder holt Ringo tief Luft, schluckt schwer. Easy rückt etwas nach hinten, hebt seinen Kopf an und sucht Ringos Augen. Sein Blick hat etwas Zerbrechliches, eine Facette, die Easy bei ihm in den seltensten Momenten zu sehen bekommt. „Ich habe geträumt, dass ich dich verliere. So plötzlich, wie ich meine Eltern gehen lassen musste und Paco Elli verloren hat. Du warst weg, von jetzt auf gleich und ich…“

Ringos Stimme bricht und seine beklemmende Angst, dass dieses Szenario in irgendeiner Weise bald wahr werden könnte, schwappt auf Easy über. Dessen Mund fühlt sich staubtrocken an, seine Augen fühlen sich mit Tränen. „Und ich war wieder allein“, bricht es zitternd aus Ringo heraus und Easy kann nicht anders, als seine beiden Hände warm und sanft an die Wangen seines Freundes zu legen.

„Ich bin hier, Ringo, okay? Du bist nicht allein, ich bin hier…“ Er setzt einen sanften Kuss auf Ringos Stirn: „Hier.“ Ein weiteres kleines Küsschen auf dessen Wange und die Schläfe folgt: „Und hier.“ Ringo seufzt unter seinen Berührungen auf, scheint sich danach regelrecht zu verzehren.

Easys Lippen haben sich bis zum Hals hinabgearbeitet, liebkosen die zarte Haut ein wenig. Ein weiteres „Ich bin hier“ wird mit gedämpfter Stimme in die Dunkelheit getragen, bevor Easy nach oben schaut und sich ihre Lippen endlich zu einem innigen Kuss finden, der alle aufkommenden Sorgen und Befürchtungen im Keim ersticken soll.

Beide Männer lösen sich nur widerwillig voneinander, aber Easy ist mit seiner Demonstration noch nicht fertig, befreit etwas ungeschickt beide Hände aus Ringos enger Umarmung und beginnt seinen Freund ohne Vorwarnung erbarmungslos zu kitzeln. Der keucht erschrocken auf, während ein mahnendes „Easy!“ dann doch noch lachend aus seinem Mund kommt.

Der Angesprochene hält wieder inne und versucht sich ebenfalls in einem Lächeln: „Ringo, ich bin hier. Wir haben uns und nur das zählt.“ Sein Gegenüber nickt leicht und zieht Easy wieder beschützend zu sich: „Ich liebe dich.“ Easys Hand liegt auf Ringos Brust, an der Stelle, wo dessen Herzschlag sich wieder völlig beruhigt hat: „Ich dich auch.“
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