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Sometimes, home has a heartbeat

OneshotDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann Tobias Lassner
16.12.2017
06.03.2021
12
25.419
16
Alle Kapitel
58 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
25.06.2018 1.792
 
Hallo ihr Lieben,
einige haben den nachfolgenden Flitter vielleicht schon auf tumblr gelesen, aber ich dachte, ich lasse ihn trotzdem mal noch hier da. :)

Ich möchte eine SPOILERwarnung für all' jene hinzufügen, die kein TVNow haben und die Folgen ab dieser Woche vom 25.06. noch nicht kennen.
Die Drama-Folge vom Mittwoch, 27.06., hat mich veranlasst meine eigene Happy End-Situation für die beiden "Doofköpfe" zu schreiben.

Ich hoffe, es gefällt euch und ich wünsche viel Spaß beim Lesen. Bis ganz bald.
MissYango.


Disclaimer: Nichts was hier geschrieben steht ist wahr. Es soll hiermit niemand verletzt oder bloßgestellt werden. Es sind keine Copyright- oder Trademarkverletzungen beabsichtigt. Die Figuren und Schauplätze der Serie »Unter uns« sind Eigentum von RTL und der Ufa Serial Drama.



Beziehungs-Missverständnis-Ding


Ihm ist so schrecklich kalt. Die daraus resultierende Gänsehaut marschiert über seine beiden Arme, unaufhaltsam. Seit wann sind Juniabende in Köln so verdammt eisig? Das hat doch nichts mehr mit Klimawandel zu tun, geistert es in Easys Kopf herum. Absurderweise, denn seine Gedanken sind eigentlich ganz woanders. Bei ihm.

Eigentlich ist er ja auch selbst schuld. Er ist nach diesem… Streit mit Ringo sofort in die WG geflüchtet, hat seine schwarze Lederjacke auf die zerfledderte Couch verfrachtet und ist dann hier oben gelandet. Nun steht er hier, nur mit einem kurzärmligen Shirt bekleidet. Nahezu festgetackert, unfähig, sich zu bewegen. Geschweige denn, vernünftig über das nachzudenken, was vor ein paar Stunden auf der Deutzer Drehbrücke passiert ist.

Obwohl er immer noch nicht glauben kann, wie aus seinem harmlos gemeinten Scherz diese Lawine ins Rollen gebracht werden konnte. Ja, es hat ihn verdammt nochmal verletzt, wie arrogant Ringo an ihrem Abend im Schiller auf Luis und seine Avancen reagiert hat. Das beckmann’sche Arroganzbarometer schlug in diesem Moment nur so in die Höhe. Erreichte womöglich den Gipfel.

Allein Ringos leicht abwertender Tonfall hatte ihm gezeigt, dass es für seinen Freund praktisch unmöglich erschien, dass ein anderer Mann ihn attraktiv finden könnte. Warum auch? Schließlich saß ja Mr. Unwiderstehlich unmittelbar neben ihm. Nicht mal einen Funken Eifersucht war in den stahlblauen Augen seines Gegenübers sichtbar geworden, als das genaue Gegenteil eintrat. Als sich herausstellte, dass dieser recht ansehnliche Mann auf ihn, Easy Winter, stand.

Das Einzige, was er nach diesem beschissenen Abend wollte: Ringo einen Denkzettel zu verpassen, ihm zeigen, dass durchaus ein Grund bestand, eifersüchtig zu sein. Klar, seine Sprüche über Luis waren etwas über das Ziel hinausgeschossen, die ganze Sache hatte sich quasi im Redeschwall verselbstständigt. Aber als er sich bei Ringo entschuldigen wollte, für eben diesen Witz, der im Nachhinein alles andere als lustig erschien und aus Ringos Mund die Worte offene Beziehung drangen… Er hatte sie sofort gespürt. Unwiderruflich, diese riesig erscheinende Eisfaust, welche sich um sein Herz legte.

Gepaart mit der Angst, Ringo nicht gut genug zu sein. Die leisen Zweifel, die jede Synapse seines Hirns in Beschlag nahmen. Immer weiter. Vielleicht war Ringo in den drei Monaten ihrer Beziehung plötzlich klargeworden, dass er mehr brauchte, als ihn - den langweiligen Büdchen-Besitzer und Fotografen Easy Winter. Der seinen Freund lieber in stundenlange Indiana Jones-Filmnächte schleppt, als in den neusten Szeneclubs die Nacht durchzufeiern. An Auswahl mangelte es Ringo sicherlich nicht, da war Easy sich sicher. Dafür war Ringo zu attraktiv, zu athletisch, zu selbstbewusst. Attribute, die auf ihn mit Sicherheit nicht zutrafen.

Seine klammen Hände umgreifen die steinernde Umrandung der Dachterrasse, ein tonloser Seufzer dringt aus seiner Kehle. Er hat nie die Beziehung zu Ringo in Frage stellen wollen, dennoch ist genau dieser Fall eingetreten. Und Easy hat es Ringo mitten ins Gesicht gesagt, mit all‘ dieser Wut und zentnerschweren Unsicherheit in seiner Stimme. Danach ist er einfach gegangen, schnellen Schrittes, ohne sich auch nur noch einmal zu Ringo umzudrehen. Ohne ihm die Chance zu geben, etwas zu erwidern. Wahrscheinlich hätte er den Anblick auch nicht ertragen.

Gott, er ist so furchtbar müde. Hat letzte Nacht natürlich kein Auge zugemacht, weil ihm Ringo so schrecklich gefehlt hat. Sein warmer Körper nicht neben ihm, sein unvergleichlicher Duft nicht in seiner Nase war. Easys Blick geht immer noch beinahe stur geradeaus, schweift über die Dächer von Köln und über den sternenklaren Himmel, als sich hinter ihm mit dem typischen Quietschgeräusch die schwere Eisentür öffnet. Sich kurz darauf sofort wieder schließt und er die fast schleichenden Schritte wahrnimmt, welche sich ihm immer weiter annähern. Er weiß genau, wer da auf ihn zukommt.

Hört genau, wie schwer Ringo ein- und ausatmet, weil es so still ist an diesem Ort, das man eine Stecknadel hätte fallen hören. Leise keucht er auf, als ihm seine Lederjacke vorsichtig über die Schultern gelegt wird und er sich reflexartig sofort an sie heranschmiegt. Sie mit beiden Händen festhält, hineinschlüpft und quasi Schutz sucht, vor all‘ dem, was die nächsten Minuten wohl bringen werden.

Ringo tritt neben ihn, nur kurz treffen sich ihre Blicke, als er murmelt: „Die hast du unten vergessen.“ Easy nickt wie in Trance, richtet seine Augen dann wieder nach vorn. Sein gedämpftes „Danke“ ist kurz darauf kaum hörbar. Die unerträgliche Spannung zwischen ihnen nimmt Easy die Luft zum Atmen. Sein Freund steht direkt neben ihm, seine Hände liegen ebenfalls auf der kupferroten Backsteinummauerung und wenn er seine Hand nur eine Winzigkeit verschieben würde, dann… könnte er Ringos weiche Haut unter seinen Fingern spüren. Wie damals, in der Karnevalsnacht. Als er selbst von Ringos Geste so überrascht, so vor Freude durchflutet wurde.

Easy muss die Lippen aufeinanderpressen, damit kein verzweifelter Laut aus seinem Mund dringt. Es ist jedoch Ringo, der endlich die Initiative ergreift und den Kopf in seine Richtung dreht: „Easy ich… es tut mir leid. Ich wollte nicht, dass…“

Ringo wird abrupt unterbrochen, als es im Hausflur scheppert, regelrecht rumst und nur zwei Sekunden später Saskia und Tobias mit einem Fresskorb auf die Dachterrasse stolpern. Das Grinsen aus Tobias‘ Gesicht erstirbt sofort und Saskia schiebt sich schnell ein paar seidige Haarsträhnen hinter das Ohr: „Entschuldigt, wir… also… wir gehen besser wieder runter.“

Schon wieder ein Kein-Date, denkt sich Easy. Sie wenden sich schon zum Gehen, als Ringo bestimmend sagt: „Nein, bleibt hier! Was ich Easy zu sagen habe, kann die ganze Welt hören!“ Der Angesprochene schluckt schwer und er spürt sein Herz rasend schnell in seiner Brust schlagen. „Können wir bitte gehen? Wenn der ihm jetzt hier einen Antrag macht, muss ich kotzen“, murmelt der Anwalt zu Saskia, aber gerade noch so laut, dass Easy es hören kann.

Seine Mundwinkel verziehen sich kurzzeitig zu einem schadenfrohen Lächeln, als Saskia Tobias mit ihren Keilabsätzen an den Schuhen so heftig auf den linken Fuß tritt, dass dieser schmerzverzerrt nach Luft schnappt: „Halt‘ einfach die Klappe, Tobias!“

Easys Aufmerksamkeit jedoch richtet sich sofort wieder auf den Mann vor ihm. Ringo greift nach seinen Händen, verschränkt ihre Finger miteinander. Wie angenehm warm sie sind und er bemerkt auf der Stelle, wie er selbst auftaut. „Easy, es tut mir leid. Alles, ich – ich wollte nie eine offene Beziehung ich…“

Easy sieht, wie Ringo hart schluckt, den von einer unfassbaren Intensität geprägten Blick aber nicht von ihm wendet. Er bemüht ist, seine Stimme auch nur ansatzweise zu kontrollieren und fest klingen zu lassen: „Die letzten drei Monate – mit dir, mit uns, sie waren einfach nur perfekt für mich. Alles, jeder Moment mit dir. Ich möchte, dass es genauso weitergeht und zwar nur mit dir.“

Jede Silbe wird von so einer sanften Tonlage getragen, die Easy laut ausatmen lässt. Ringo umklammert seine Hände noch fester, drückt sie leicht: „Und ja. Ja, ich war eifersüchtig. Wenn mir dieser Ludo…“ Easy zieht eine Augenbraue nach oben und er kann sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen: „Luis.“

Sein Freund zuckt mit den Schultern: „Von mir aus auch das. Wenn mir dieser Kerl noch einmal, vielleicht in der Turnhallte begegnet wäre, hätte ich ihm die Hantel an den Kopf geworfen. Es hat mich innerlich rasend gemacht, als du mir gesagt hast, dass du mit ihm telefoniert hast, weil…“ Das erste Mal weicht Ringo Easys Blick aus und mit einem Mal sieht er so zerbrechlich aus, das Easy das unbändige Bedürfnis hat, in den Arm zu nehmen und nie wieder loszulassen. Ihm zu sagen, dass alles gut ist.

Ringo atmet tief durch, lässt seine Hände los und legt sie ihm an beide Wangen: „Weil ich eine Scheißangst habe, dass du jemand triffst, der viel besser zu dir passt, viel netter ist und dich viel glücklicher machen kann, als ich es je machen kann. Und auch wenn mein bekloppter Halbbruder eigentlich nie Recht hat…“

Tobias verächtliches Schnauben erklingt nur kurz, denn Saskia wiederholt den Tritt ohne weitere Vorwarnung. Das leise Wimmern seines Mitbewohners ist für Easy jedoch nur eine klägliche Randerscheinung, als Ringo fortfährt: „Du allein bist mein Jackpot, Easy. Mein persönlicher Hauptgewinn. Ich kann mich verdammt glücklich schätzen, dich als Freund zu haben. Jeder andere hätte mich schon lange über die Brüstung hier geworfen, bei dem Bullshit, den ich so verzapfe. Du bist verdammt sexy, gutaussehend und musst dazu noch eine Engelsgeduld mit mir haben. Aber wenn ich dieses Beziehungs-Kompromiss-Ding irgendwie kapiert habe… schaffen wir es dann auch durch das Beziehungs-Missverständnis-Ding?“

Easy kann die Tränen nicht aufhalten, genauso wenig wie Saskia, die hörbar aufschluchzt. Er leckt sich über die spröden Lippen, die Hitze schießt ihm in jede Faser seines Körpers. Noch immer liegen Ringos Hände auf seinen Wangen und Easy lehnt sich nach vorn, Stirn an Stirn berühren sie sich. Er braucht ein paar Anläufe, um seine Stimme auch nur ansatzweise wiederzufinden: „Klar schaffen wir das, zusammen. Es tut mir auch leid, ich war …“

Warme, schmale Lippen treffen auf seine und er gibt es endgültig auf, zu denken. Der Kuss ist getränkt voller Sehnsucht, Liebe. Easy fällt es mehr als schwer, sich davon zu lösen: „Wir waren beide Idioten. So einfach ist das. Das nächste Mal reden wir einfach zusammen darüber, oder?“
Ringo nickt schnell, strahlt ihn förmlich an und es erreicht diesmal seine Augen: „Ich liebe dich, Easy.“ Dieser seufzt leise, als sein Freund ihn an der Hüfte zu sich heranzieht und seinen Mund wieder zärtlich mit den Lippen verschließt. Er gerade noch so ein „Ich dich auch“ wispern kann.

„Jetzt können wir gehen“, flüstert Saskia Tobias ins Ohr, der bei ihren nächsten Worten genervt die Augen verdreht: „Das nenne ich mal ein Happy End.“ Fahrig wischt sie sich mit dem Handrücken über die rosigen Wangen, packt Tobias am Arm und zerrt ihn zielstrebig in den Flur. „Frauen. Ich glaube, du hast mir meinen Fuß gebrochen!“ Saskia lacht laut.

Von all‘ dem bekommen Ringo und Easy nichts mehr mit. Viel zu gut schmecken die Küsse auf ihren Lippen. Viel zu gut fühlt sich der jeweils andere, warme Körper an. Viel zu gut ist der berauschende Glücksmoment, wenn sich ein Beziehungs-Missverständnis-Ding einfach in Luft auflöst.
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