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Sometimes, home has a heartbeat

OneshotDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Ingo "Easy" Winter Richard "Ringo" Beckmann Tobias Lassner
16.12.2017
06.03.2021
12
25.419
16
Alle Kapitel
58 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
22.04.2018 2.221
 
Guten Abend,
eigentlich wollte ich was komplett anderes schreiben - aber nun ist dieser kleine Flitter dabei herausgekommen.
Easy will eigentlich mit Ringo nur seine Mittagspause genießen... ^^
Es kommen SPOILER vor, also Achtung, wer mit denen nix am Hut hat. Die Interpretation ist meiner Feder entsprungen.

- Ringo verlangt von Benedikt einen Assistenten
- Tobias bekommt ein neues Büro mit nur drei Wänden
- Elli verliert bei einem Noteinsatz ihren ersten Patienten. In der Hoffnung, nach der ungewohnten Situation Halt bei Paco zu finden, kommt Elli nach Hause - nur um festzustellen, dass Paco ohne ein Wort zu seinem Survival-Lehrgang aufgebrochen ist...

Viel Spaß beim Lesen, habt einen guten Start in die Woche!
MissYango.


Disclaimer: Nichts was hier geschrieben steht ist wahr. Es soll hiermit niemand verletzt oder bloßgestellt werden. Es sind keine Copyright- oder Trademarkverletzungen beabsichtigt. Die Figuren und Schauplätze der Serie »Unter uns« sind Eigentum von RTL und der Ufa Serial Drama.

*****

My Little Flamingo


„Sie ist so ein verdammtes Miststück!“ Easy zuckt augenblicklich zusammen, als die WG-Tür mit einem lauten Krachen in das Schloss fällt. Der Holzlöffel, den er wenige Sekunden zuvor noch mit äußerster Präzision zwischen seinen schlanken Fingern balanciert hat, fällt mit einem dumpfen Geräusch auf den Küchenboden.

Angestrengt fährt Easy sich mit dem Handrücken über die Stirn, um die feinen Schweißperlen fortzuwischen. Es einfach viel zu warm an diesem Maitag. Aus dem Seitenwinkel nimmt er wahr, wie Ringo seine schwarze Aktentasche auf den Esstisch fallen lässt und sich entnervt durch die Haare fährt. Mal wieder. Seine dunkelblaue Blazerjacke findet ihren neuen Platz, hängt nun achtlos auf eine der Stuhllehnen.

Er atmet tief aus, während er sich nach dem Löffel bückt und anschließend gründlich mit warmen Wasser abwäscht: „Was hat sie jetzt schon wieder angestellt?“ Easy kann nicht verhindern, dass seine Stimme einen resignierenden Unterton annimmt. Dreht seinen Kopf in die Richtung seines Freundes und ihre Blicke treffen sich.

Bildet er sich das eigentlich ein oder sieht Ringo von Tag zu Tag müder aus? Das Gesicht erscheint noch schmaler als sonst, er wirkt ungewöhnlich blass. Die stahlgrauen Augen, unter denen sich deutlich dunkle Ringe abzeichnen, starren mit einem Male wieder abwesend auf die Tischplatte vor ihm: „Dieses… Weib boykottiert mich bei jeder Gelegenheit, die sich ihr bietet. Und dass ausgerechnet vor so wichtigen Kunden wie heute.“ Mit einer unwirschen Handbewegung lockert Ringo den sonst so perfekt sitzenden grauen Krawattenknoten um seinen Hals.

Easy presst die Lippen aufeinander, während er eine Prise Salz in das Thai-Curry mischt, wieder umrührt und fragend die Augenbrauen hochzieht: „Ich bräuchte jemand kompetentes, der abschmeckt.“ Die Worte kommen so sanft aus seinem Mund wie nur irgendwie möglich. „Ringo?“, fragt er leise, fast zögerlich, nach. Der Angesprochene ist seit Tagen gereizt, geht wegen jeder Kleinigkeit in die Luft. Arbeit viel zu viel in diesem neuen Protzbau von Benedikt und lässt sich obendrein noch von seiner neuen Assistentin Larissa Huber provozieren.

Er wird aus seinen trüben Gedanken gerissen, als Ringo von hinten die Arme um ihn schlingt und ihm einen Kuss in den Nacken tupft. Genießerisch lehnt er sich gegen den schmalen Körper, Ringos warmer Atem streift sein rechtes Ohr: „Sorry ich... Du kochst extra und ich verbreite nur miese Stimmung.“ Schnell schüttelt Easy den Kopf: „Du sollst kosten!“ Breit lächelt er Ringo an, als er sich umdreht und ihm den Probierlöffel in den Mund schiebt. Der leckt sich lasziv über die schmalen Lippen: „Sehr lecker. Aber es gibt etwas, dass mir viel besser schmeckt“, murmelt Ringo leise und ehe sich Easy versehen kann, zieht sein Freund ihn in einen zärtlichen Kuss.

Noch einen Moment lässt er die Augen auf, nur um zu sehen, wie entspannt sein Gegenüber aussieht und sich fallen lässt. Alle Sorgen zu vergessen scheint, die an ihm nagen und regelrecht mürbemachen. Nichts auf der Welt liebt Easy mehr, als diesen fast gottgleichen Anblick genießen. Flatternd schließen sich seine Lider, als Ringos forsche Zunge um Einlass bittet, die einzigartige Würze des Currys seine Geschmacksnerven zusätzlich ummantelt.            

Er mit dem Rücken bestimmend gegen die Arbeitsplatte gedrückt wird. „Was… was soll das werden?“, kommt es etwas atemlos aus seiner Kehle, während Ringo hauchfein mit der Nase seine Wange entlangfährt und bestimmend beide Hände an seinen Hintern legt. Ihn dabei süffisant angrinst und frech anzwinkert: „Nach was fühlt es sich denn an?“ Easy erwidert das Lächeln ohne zu zögern und zieht fragend eine Augenbraue nach oben: „Ich denke, du hast keine Zeit für einen Quickie?“ Ringos eindeutige Antwort ist ein stürmischer Kuss, der seine Knie weich werden lässt. Scharf holt er Luft, als sich die warmen Hände seines Freundes unter den Stoff seines weißen Shirts schieben und selbstbewusst über die nackte Haut seines Bauches fahren.

„Ich… ich… sorry… ich wollte nicht stören.“ Erschrocken weicht Easy soweit es geht von Ringo zurück, als plötzlich Elli im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Geist in der Küche steht. Er hört sehr wohl das entnervte Brummen, welches unaufhaltsam Ringos Mund verlässt und sieht, wie dieser die Kiefermuskeln bis zum Zerbersten anspannt. Kein gutes Zeichen, dass weiß Easy mittlerweile mehr als gut zu deuten.

Easy nimmt sich ein paar Sekunden, das Billerbecker Mädchen genauer zu mustern und der erste Eindruck hat tatsächlich nicht getäuscht: sie sieht völlig fertig aus und das hat sie mit Ringo an diesem Tag gemeinsam. Ellis schwarze Wimperntusche ist verschmiert, die Augen überdeutlich gerötet. Das rotbraune Haar ist in sämtliche Richtungen zerzaust. Das ist nicht das Strahlen der sonstigen Frohnatur zu sehen, sondern ein zerstörtes Häufchen Elend, was seinem besorgten Blick immer wieder ausweicht.          

Ihre Stimme scheint zu zittern, als sie leise murmelt: „Es… ich… gehe einfach wieder.“ Aber noch ehe Elli mit ihrer rechten Hand an die Türklinke greifen kann, bekommt Easy ihren rechten Arm zu fassen: „Hey, was ist denn los? Alles ok?“ Fast schon beruhigend streichelt er mit seinen Fingern über den Stoff ihres Pullovers. Das erste Mal schaut sie Easy direkt an: „Habt ihr zufällig Paco gesehen? Ich… ich war schon drüben, aber er ist nicht da und ich kann ihn einfach nicht erreichen.“          

Die schiere Verzweiflung in ihrer Stimme lässt Easy erschaudern, sein Herz schwerer werden. Gleich darauf tritt Ringo neben ihn und ergreift das Wort: „Paco ist heute Vormittag zu diesem komischen Survival-Trip aufgebrochen. Es ging dann doch alles ziemlich schnell, es ist spontan noch ein Platz frei geworden und er ist nachgerückt.“ Leise flüsternd fügt er hinzu: „Hat er sich denn nicht bei dir gemeldet?“

Fassungslos weiten sich Ellis braune Augen und sie wird noch ein wenig blasser um die Nasenspitze. Schüttelt zögerlich mit dem Kopf. Easy sieht genau, wie sie gegen die aufkommenden Tränen zu kämpfen hat, ihnen noch einen Platz geben will: „Ich muss los.“ Noch ehe einer von ihnen reagieren kann, ist sie aus der Tür geeilt und in den Hausflur gehuscht.

Entgeistert und verwirrt dreht Easy seinen Kopf zu Ringo: „Was ist denn eigentlich los?“ Ringo nickt nur mit dem Kopf, geht dabei langsam auf den Backofen zu: „Du weißt doch, die beiden haben schon seit Wochen Streit. Paco fühlt sich von Elli bevormundet, er will neue Grenzen austesten und jeden Tag am besten einen neuen Weltrekord knacken. Stichwort Grönland-Krise.“

Easy holt laut hörbar Luft – ihm ist natürlich nicht verborgen geblieben, dass das noch so junge Eheglück der Weigels derzeit auf eine harte Bewährungsprobe gestellt wird. Sich der Harmoniegrad von Elli und Paco nicht unbedingt auf der höchsten Stufe befindet. Aber dass es so schlimm ist… sich Paco selbst vor seiner Reise nicht mal von seiner Frau anständig verabschiedet, wäre für ihn in Bezug auf Ringo schlichtweg unvorstellbar. Dieser beugt sich genießerisch über die Pfanne, nimmt den Holzlöffel in seine Hand und… „Ringo! Pass auf deine Krawatte auf!“

Doch der mahnende Ausruf von Easy kommt zu spät, denn das seidige Edelaccessoire hängt bereits zur Hälfte im sonnengelben Thai-Curry. Ringo stöhnt entnervt auf und hält den Krawattenzipfel angewidert in die Luft: „Fein, jetzt darf ich mich auch noch umziehen!“ Grimmig will er sich an Easy vorbeischieben, doch der legt seine Hände an die schmale Hüfte und hält ihn so von seinem Vorhaben ab: „Ich kann dir gern beim Entkleiden helfen“, murmelt Easy und klimpert dabei betont unschuldig mit seinen langen schwarzen Wimpern. Sieht das liebevolle, warme Glänzen, welches in Ringos blaugrauen Augen wieder zum Vorschein tritt. Ringo grinst ihn unverhohlen an: „Du gibst nie auf, was?“ Abermals lächelt Easy ihn nur an und bedenkt ihn mit einem liebevollen Kuss.

„Boah, nee, also… nicht hier auch noch. Und schon gar nicht in direkter Nachbarschaft zu meinem Mittagessen. Könnt ihr euch die Zungen nicht in deinem Zimmer gegenseitig in den Hals stecken?“ Easy fängt sich einen eindringlichen und mahnenden Blick von seinem Mitbewohner ein, während Stinker zielstrebig auf die zerfledderte Couch zuläuft und es sich mit einem kleinen Sprung darauf gemütlich macht.

Ringo schnaubt laut auf: „Dein Essen? Easy hat für mich gekocht. Hol‘ dir doch einfach ein lauwarmes Würstchen bei Emma am Büdchen ab. Oder ist der feine Herr Anwalt etwa immer noch sauer, dass er immer noch in einer Bruchbude mit genau… warte… drei Wänden hockt?“ Ringo zeigt die genannte Zahl mit seinen Fingern demonstrativ in die Luft.

Mit einer langsamen Bewegung legt Easy seine Hand auf die Brust seines Freundes. Fühlt den weichen Stoff des Hemdes unter seinen Fingerspitzen. Will ihm so zu verstehen geben, es besser gut sein zu lassen, doch Tobias macht diesen Wunsch zunichte: „Das ist doch Schnee von gestern, aber weißt du, was mir richtig gut gefällt? Dass dich das junge Ding Larissa Huber scheinbar bestens im Griff hat und du ihr absolut nicht gewachsen bist. Dein Gesichtsausdruck nach jedem Meeting mit ihr gleicht einer ausgepressten Zitrone.“

Ringos Körper spannt sich unter seinen Fingern merklich an, die Atmung beschleunigt sich. Seine Geduldsgrenze scheint an diesem Tag erreicht zu sein – doch Easy geht es da nicht anders: „Schluss jetzt! Es reicht! Ihr versaut mir mit eurem Gemaule meine ganze Mittagspause. Du gehst dich jetzt umziehen…“, sagt er laut an Ringo gewandt und wendet sich dann seinem besten Freund zu, „… und du nimmst du jetzt was zum Essen und bitte halte einfach deine Klappe.“ Nur aus dem Seitenwinkel sieht er, wie Ringo mit bockiger Miene in sein Zimmer verschwindet und Tobias parallel in einem der kleinen Einbauschränken kramt.

Easy atmet geräuschvoll aus: „Die Teller sind in der anderen Schublade.“ Der Anwalt beachtet ihn nicht weiter und nach ein paar weiteren nervtötenden Geräuschen zieht er ein Behältnis heraus, welches seine besten Tage schon hinter sich hat und einer Tupperdose ähnelt: „Und was soll das jetzt schon wieder?“ Tobias schaut den verdutzten Easy an und meint im oberlehrerhaften Ton: „Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich mich bei dieser Bombenstimmung hier hersetze? Nee, du lass‘ mal.“ Mit diesen Worten schaufelt er sich drei große Löffel in die Dose, schließt sie gewissenhaft und pfeift kurz: „Komm‘ Stinker, wir sind in unserer eigenen Wohnung nicht mehr erwünscht.“

Easy bleibt nach diesen Sätzen der Mund offenstehen, während Stinker mit wedelndem Schwanz vorbeitapst und ihm mit seinen kleinen Knopfaugen einen treuherzigen Blick zuwirft. Zum wiederholten Male an diesem Tag schließt sich die WG-Tür vor seinen Augen mit krachenden Knall. Lässt ihn ein wenig ratlos in der Küche zurück. Der Tag hatte doch so gut angefangen!

Ringo huscht hinter seinem Rücken an ihm vorbei, angelt sich seinen Blazer. „Was wird das?“, fragt Easy im selbstbewussten Tonfall und bemerkt durchaus, dass Ringo seinem Blick geschickt ausweicht. Stattdessen an seinem Hemd zupft, es immer wieder glatt streicht. Easy kennt keinen anderen Mann auf dieser Welt, dem diese Business-Outfits so unverschämt gut stehen wie Richard Beckmann. Der fade graue Ton der Krawatte ist einer rosafarbenen Nuance gewichen.

„Ich muss wieder los“, antwortet ihm Ringo nur knapp und greift mit seiner linken Hand nach der Aktentasche, die die ganze Zeit verweist aus dem Esstisch lag. Easy folgt seiner Bewegung, legt seine Hand direkt auf die seines Freundes: „Du musst noch nicht los. Wir haben noch eine Viertelstunde. Und die wird genutzt.“ Ringo schaut ihn aus großen Augen an: „Aber…“ Behutsam legt Easy seinen Zeigefinger keinen Wimpernschlag später auf die schmalen Lippen: „Kein Aber. Wir haben ausgemacht, dass wir uns trotz der vielen Arbeit einmal in der Woche fest zum Mittagessen treffen. Und darauf bestehe ich. Egal, was oder wer hier gleich noch auftauchen wird und auch wenn das ganze verfluchte Billerbecker Dorf hereinstürmt, ich…“        

Sein Redeschwall wird unterbrochen, denn mit einer schier unendlichen Sanftheit hat Ringo ihm die Lippen auf den Mund gelegt. Easy seufzt leise in den Kuss. Gibt sich diesem nahen Moment nur zu gern hin. „Du hast Recht“, raunt Ringo nur, als er sich löst: „Außerdem wäre es schade um das Thai-Curry.“

Easy schluckt, legt eine Hand auf Ringos Wange und lässt den Daumen über die weiche Haut streichen. Ihn überrascht es nicht, wie sehr sich Ringo in die Berührung lehnt. Diesen Halt momentan so dringend braucht: „Na komm‘ schon, Easy Winter. Sprich es aus.“

Der Angesprochene beißt sich auf die Unterlippe, der Mund verzieht sich zu einem breiten Grinsen. Seine Hand wandert von der Wange abwärts, ein wenig wie im Zeitlupentempo nach unten: „Wenigstens bei der Auswahl der Krawattenfarbe bleibt sich mein kleiner Flamingo treu.“ Easy gibt Ringo erst gar keine Gelegenheit zu kontern, stattdessen zieht er ihn am besagten Accessoire wieder eng an sich heran und lässt seine Lippen sprechen.
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